Buffl

VL Behandlungsmaßnahmen

LD
by Livia D.

Internationaler Forschungsstand Behandlungsmaßnahmen (Ambulant vs. Strafvollzug) + Einschränkung der Ergebnisse

--> Sehr heterogen (positive, iatrogene Effekte & Nullbefunde)

  • Meta Analyse (Beaudry): Effekt psychologische Interventionen bei Jugendlichen & Erwachsenen Inhaftierten

    • k= 29 RCT; Kriterium= Rückfall

    • Alle 29: OR 0.72 --> Wirksamkeit der Behandlungen 

    • Nur Studien mit n >50 (k=14): OR=.87 mit KI das 1 einschließt --> Wirksamkeit kann nicht bestätigt werden 

    • Also wenn die Studien mehr Personen einschließen, ist der Effekt geringer (denn OR von 1 bedeutet kein Effekt) Wenn sie eine OR von 2 hätten, würden die behandelten doppelt so oft rückfällig werden. Aber die OR liegt ja unter 1 daher werden sie weniger rückfällig. Wenn die Anzahl der Personen in den Studien jedoch steigt, nähert sich die OR aber 1 an, was bedeutet, dass mehr Personen rückfällig werden. -> Wir brauchen bessere Studien.

    • Weitere Analysen der Meta-Analyse:

      • 2 Studien zeigen Wirksamkeit der Teilnahme an "Therapeutic-community-programm" = Therapeutisches Wohngruppenprogramm im Rahmen einer Haftstrafe 

    • Fazit Studie: Psychologische Behandlungsmaßnahmen in Haft nicht effektiv, solange sie nicht an ambulante Maßnahmen anknüpfen (Übergangsmanagement) --> Wenn in Haft vorbereitend auf die ambulante Therapie hingearbeitet wird, können sich Effekte finden

  • Deckt sich mit vielen Befunden: Ambulante Behandlungen effektiver als Behandlung im stationären Setting 

  • -> Weil sie sich besser in den Alltag integrieren können. Sie können es direkt im Alltag anwenden, bei Haft ist der Cut einfach sehr stark.

    • Metaanalyse von Schmucker & Lösel --> statistisch signifikanter Effekt von ambulanten Behandlungen aber kein Effekt für Behandlungsmaßnahmen im Strafvollzug

    • Metaanalyse (Bonta & Andrews) 

      • größerer Effekt von ambulanten Maßnahmen, aber auch Effekt von .17 von Maßnahmen im Strafvollzug 

  • Einschränkung:

    • Studien vergleichen nie dieselben Behandlungen in unterschiedlichen Kontexten, sondern oft unterschiedliche Behandlungen versch. Kontexten --> Studien über den Einfluss des Kontext auf Behandlungen fehlen 

    • Daher nur Spekulation über besseres Abschneiden der ambulanten Maßnahmen möglich 

      • Anderes Setting im JVA-Umfeld: Weniger Freiwilligkeit, weniger Therapiemotivation, Stressoren (Freiheitsentzug, Deprivation, Subkulturen, Viktimisierung, weniger prosoziale Kontakten) --> könnte Behandlungseffekte in Haft deckeln 

      • Personen in Haft unterscheiden sich von ambulanten Personen (z.B. mehr antisoziale Merkmale, weniger Veränderungsmotivation, oft schwerer zu behandeln)  


RNR-Prinzipien (Bonta & Andrews) 

Was ist es? Kritik/ Einschränkung

Wirksamkeitskatalog

RNR --> Bei welchem Täter (Risk), sollen welche Behandlungsziele (Need) mit welchen Methoden (Responsitivity) verfolgt werden 

  • Risk (Risikoprinzip) 

    • Behandlung kann bei Personen mit niedrigem Risiko schädlich sein (durch Durchmischung mit rückfallgefährdeten Tätern) 

    • Unklare Befundlage bzgl. Täter mir höherem Rückfallrisiko = mehr Behandlung --> Frage nach Dosierung der Behandlung in Abhängigkeit von Rückfallrisiko nicht ausreichend geklärt

  • Need (Bedürfnisprinzip)

    • Behandlung soll individuelle kriminogene Risiko- und Schutzfaktoren berücksichtigen, also Bedingungen innerhalb der Person und ihrer Situation 

  • Responsitivity (Ansprechbarkeitsprinzip)

    • Die ausgewählten Methoden sollen sich nach dem Lernstil, der Therapiemotivation, der Intelligenz usw. der Person richten (--> kognitiv-behavioraler Therapiehintergund) 

    • Personen da abholen wo sie stehen (z.B. bei geringer Therapiemotivation erstmal Motivation aufbauen; weniger Intelligenz = weniger anspruchsvolle Behandlung)

  • RNR-Ansatz ist keine konkrete Interventionsmethode, sondern ein Modellrahmen für Behandlungen --> sollte bei empirischen Fragen berücksichtigt werden 

  • Fazit: Wirksamkeit ist komplex, v.a. weil RNR keine konkrete Intervention mit spezifischem Manual --> Forschung muss differenzierter ablaufen 

  • Empirische Bewährung:

    • Es zeigt sich, dass Behandlungsmaßnahmen nach RNR-Prinzip größere Effekte aufweisen 

    • v.a. Need und Responsitivity empirisch belegt, Risk ist uneinheitlich 

    • Aber auch Metaanalysen, die keinen Effekt für kognitiv-behaviorale Therapie finden (Responsitivity) 

  • Wirkfaktorkatalog effektiver Behandlungen aus Studienergebnisse zum RNR-Modell. Maßnahmen sind dann besonders wirksam wenn:

    • Sie eine Grundlage zu sozialen Lerntheorien haben, strukturierte & detaillierte Konzepte sind

    • Hohe Implementationsqualität (angemessene Konzeptumsetzung) 

    • Gut ausgebildetes Personal + Supervision 

    • Positives, unterstützendes intentionelles Klima 

    • Regelmäßige Risikodiagnostik + Behandlungsverlaufserhebung

    • Nicht nur Gruppen-, auch Einzeltherapie

    • Angemessene Entlassvorbereitung und Maßnahmen der Nachsorge (Übergangsmanagement)


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Livia D.

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