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1.3 Weitere Indikatoren körperlicher Prozesse

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by leonie H.

Messung der kardiovaskulären Aktivität

  • Die für die Messung der kardiovaskulären Aktivität wichtigste Variable ist die Herzfrequenz oder Herzrate, die die Anzahl der Herzschläge pro Minute wiedergibt

  • Das vegetative Nervensystem, das lebenswichtige Funktionen des Organismus kontrolliert und steuert, reguliert ebenfalls die Herzaktivität, wobei der Sympathikus eine stimulierende und der Parasympathikus eine abschwächende Wirkung auf die Herzrate hat

  • Die Herzrate eines gesunden Menschen kann durch viele psychische und physische Faktoren beeinflusst werden und ist beispielsweise abhängig von der Belastung und vom Alter

  • Aber auch unterschiedliche emotionale Zustände können entweder einen Anstieg (z. B. bei Angst, Stress) oder eine Abnahme (z. B. bei Entspannung, Aufmerksamkeit) der Herzrate bewirken

  • Das Ziel der Herzratenmessungen in der Psychophysiologie ist es, Messungen kleinster Frequenzänderungen, die möglichst frei von Artefakten sind, in Abhängigkeit vom Erleben und Verhalten der Versuchspersonen aufzuzeichnen

  • Dabei hat insbesondere das vegetative Nervensystem durch die sympathische und parasympathische Innervation der Herznerven einen direkten Einfluss

  • Neben dem vegetativen Nervensystem wird die Herzrate zudem durch Blutdruck, Körpertemperatur, Sauerstoffgehalt des Blutes sowie die Atemfrequenz beeinflusst und gibt daher Auskunft über eine Vielzahl physiologischer Zustände im Körper

  • Daher kann die Herzratenmessung wichtige Informationen für die akute Belastung eines Individuums liefern, wie z. B. über die Stressbelastung

Analyse der elektrodermalen Aktivität (EDA)

  • Bei der Analyse der elektrodermalen Aktivität (EDA) werden Schwankungen im elektrischen Leitungswiderstand der Haut gemessen

  • Emotionale Empfindungen und Reaktionen sind mit einer Erhöhung der Hautleitfähigkeit verbunden, die meist nicht bewusst gesteuert werden können

  • Der Hautwiderstand wird z. B. im Rahmen von Biofeedback-Trainings, beim Lügendetektor und im Rahmen von psychophysiologischen Experimenten gemessen, um den Erregungszustand, bezogen auf einen bestimmten Reiz, zu messen

  • Dieses Phänomen wird durch den Sympathikus gesteuert und basiert auf einer Aktivierung der Schweißdrüsen an Handinnenflächen und Fußsohlen

  • Ein äußerlich spürbarer Schweißaustritt ist bei dieser Messung nicht zwingend nötig

  • Alleine die Zunahme der Flüssigkeit in den Schweißdrüsengängen oder auch Veränderungen in den Flüssigkeitsreabsorptionseigenschaften der Haut führen bereits zu Veränderungen ihrer elektrischen Eigenschaften

  • Zu den wichtigen Steuerungszentren der Hautleitfähigkeit zählen:

    • das Rückenmark,

    • die Formatio reticularis,

    • der Hypothalamus und

    • Regionen des limbischen Systems (z. B. Amygdala).

  • Für die Messung werden üblicherweise Elektroden an der Innenfläche der Hand oder an der Fingerunterseite angebracht

  • Über die Elektroden wird eine leichte Spannung angelegt, welche nicht spürbar ist

  • Die Berechnung des Hautwiderstandes erfolgt nun aus dem Verhältnis der Spannung zur Stärke des zwischen den Elektroden fließenden Stroms

  • Nun kann man den Widerstand der Haut oder dessen Kehrwert, die Hautleitfähigkeit (Messeinheit: 1 Siemens = 1 mho = l/Ohm) ablesen

  • Bei der Auswertung unterscheidet man hauptsächlich drei unterschiedliche Maße:

    1. Hautleitniveau (der sogenannte Basiswert)

    2. Hautleitwertsreaktion (Reaktionswert)

    3. Häufigkeit der Spontanfluktuationen der Hautleitfähigkeit

Elektromyogramm (EMG)

  • Mit einem Elektromyogramm (EMG) kann man die Aktionspotenziale von motorischen Einheiten (Motoneuron und innervierte Muskelfasern) während der Muskeltätigkeit ableiten

  • Die Ableitung kann dabei entweder nichtinvasiv von der Hautoberfläche, die über einem Muskel liegt (hier wird ein größeres Muskelgebiet erfasst), erfolgen oder intramuskulär mittels eingestochener Nadelelektroden (liefern stärkere elektrische Signale) aus dem Muskel

  • Gemessen werden bei beiden Methoden Frequenz und Amplitude der extrazellulär abgeleiteten Potenziale

  • Standardpositionen für Elektroden, die auf der Haut aufgebracht werden, sind beispielsweise die Muskeln im Kopfbereich (Stirn, Nacken) und die Unterarmmuskeln

  • Bei psychophysiologischen Untersuchungen werden Änderungen der Muskelanspannung (Zu- oder Abnahme der Aktionspotenzialfrequenz) während bestimmter psychologischer Zustände erfasst, wie beispielsweise Schlaf oder Stress

  • Elektrodermale und kardiovaskuläre Messmethoden informieren vor allem über die Intensität von emotionalen Zuständen, wohingegen das EMG, insbesondere bei Messungen an der Gesichtsmuskulatur, Auskunft zur emotionalen Valenz von Reizen und erlebten Situationen liefern kann

  • Das betrifft insbesondere Messungen an Gesichtsmuskeln der Stirn (Musculus corrugator) und den Wangen (Musculus zygomaticus)

  • Das EMG kann allerdings auch für Biofeedback-Verfahren eingesetzt werden, z. B. in der verhaltensmedizinischen Behandlung spannungsbedingter Schmerzen, wie etwa Spannungskopfschmerzen

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leonie H.

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