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Aufgaben LE 3

AG
by Adele G.

Erläutern Sie anhand eines frei gewählten Beispiels den Begriff „historisches Ereignis“ und legen Sie dar, warum sowohl Ereignis- als auch Strukturgeschichte in der modernen Geschichtswissenschaft ihren Platz haben!

Verortung im Studienbrief

Die Aufgabe bezieht sich ungefähr auf KE 3.1, S. 8-14.


Problematisierung 

Der Beginn der Geschichtsschreibung als Wissenschaft war ereignisgeschichtlich ausgerichtet. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in Deutschland mit der Strukturgeschichte eine starke Gegenbewegung. Um besser zu verstehen, wie wichtig derlei Perspektiven einerseits für das Verständnis geschichtswissenschaftlicher Arbeiten und andererseits für die Konzeption eigener Projekte sein können, werden wir uns in dieser ersten Aufgabe zunächst einmal der Entwicklung von Ereignis- und Strukturgeschichte im deutschsprachigen Raum zuwenden.

Nachdem Sie ein Feedback von mir erhalten haben, sind Sie herzlich eingeladen, die kommentierte Antwort im Forum zu 25201: LE 3 auch Ihren Kommiliton*innen zum Mitlesen zur Verfügung zu stellen


Antworthinweise

  • Ein historisches Ereignis weicht vom Normalen ab und beeinflusst die regelmäßigen Strukturen, indem es eine schnelle, tiefgreifende und dauerhafte Veränderung der bestehenden Verhältnisse entweder verursacht oder sie zum Ausdruck bringt (oder beides).

  • Ein historisches Ereignis kann bewusst oder durch Zufall herbeigeführt werden.

  • Ein historisches Ereignis braucht interpretierende Beobachter*innen, um als solches wahrgenommen und bewertet zu werden.

  • Ereignisgeschichte beschäftigt sich mit diesen historischen Ereignissen und ist oftmals auf herausragende Persönlichkeiten fokussiert und ist vor allem mit der Politik- und Geistesgeschichte verknüpft

  • Strukturgeschichte untersucht dauerhafte Strukturen und Regelmäßigkeiten.

  • Beide Ansätze haben Schwachpunkte (welche? → Bitte im Text ausführen!), nach anfänglicher Konkurrenz ist heute anerkannt, dass Ereignis- und Strukturgeschichte einander sinnvoll ergänzen.

  • Zu dieser Korrektur der Konkurrenz haben jüngere Forschungsfelder (welche? → Bitte im Text ausführen!) maßgeblich beigetragen und die Entwicklung beeinflusst.


Erläutern Sie, welche Eigenschaften Geschichte als Wissenschaft kennzeichnen und von welchen Grundproblemen sie geprägt ist!

Verortung im Studienbrief

Die Aufgabe bezieht sich ungefähr auf LE3.1, S. 14-21 sowie S. 35-54.


Problematisierung 

Geschichte ist im Alltag allgegenwärtig. Gerade, wenn sie in Argumentationen genutzt wird, stellt sich aber oftmals die Frage: Was ist richtig und was ist falsch? Was lässt sich tatsächlich beweisen? Gibt es die einzig richtige Antwort? Brauchen wir überhaupt ein Geschichtsstudium, wenn doch irgendwie jede*r und alles mit Geschichte zu tun hat? Was Geschichtswissenschaft zur Wissenschaft macht, damit beschäftigt sich die zweite Übungsaufgabe.


Antworthinweise

  • Die „Heuristik“ beschreibt das Auffinden von Quellen.

  • Quellen sind das Material, aus dem Historiker*innen Dinge über die Vergangenheit erfahren. Dabei kann es unterschiedliche Überlieferungszusammenhänge, Überlieferungslücken oder sogar gar keine Quellen geben (Überrest / Tradition).

  • Mit der historisch-kritischen Methode untersuchen Historiker*innen die Quellen auf ihre Echtheit und rekonstruieren eben diese Überlieferungszusammenhänge, um die Brauchbarkeit der Quellen für die eigenen Forschungen zu gewährleisten. Erst im Anschluss erfolgt die eigentliche Interpretation.

  • Quellen sind nicht objektiv, dies kann durch einen multiperspektivischen Zugang ausgeglichen werden.

  • Quellen sollten zudem einerseits sehr detailliert für sich, andererseits aber auch in den Kontext eingebettet betrachtet werden.

  • Entscheidend für die Aussagekraft einer Quelle ist die Fragestellung. Dabei kann sich aber auch die Fragestellung im Dialog mit den Quellen verändern.

  • Zur Interpretation zählt auch, den eigenen Standort der Forschenden zu reflektieren.

  • Die Geschichtswissenschaft ist ein Debattenfach. Daher sollten methodischer Zugriff und Fragestellung sowie die Bedeutung der jeweiligen Forschungsleistung transparent gemacht werden, um so Anschluss an die Forschungsdebatte zu bekommen.

  • Drei zentrale Elemente machen Geschichte zur Wissenschaft: 1) kritische Reflexion des Überlieferungszusammenhangs (was fehlt?) ; 2) kritische Reflexion der Entstehungsgeschichte einer Quelle; 3) kritische Reflexion des eigenen Standpunkts

  • Geschichte als Wissenschaft kann keine unumstößlichen Wahrheiten, sondern immer nur Hypothesen liefern, die im Folgenden bekräftigt oder verneint werden können, jedoch nie abschließend bewiesen.


Erläutern Sie, welche Bedeutung die Perspektive der Historiker*innen für ihre Forschungen hat.

Verortung im Studienbrief

Die Aufgabe bezieht sich ungefähr auf KE 1, S. 21-30.


Problematisierung 

Objektivität ist in der Geschichtswissenschaft nicht erreichbar. - Das kann als Kritik an ihr verstanden werden, aber auch als Chance. Denn die Fähigkeit zur Reflexion unterschiedlicher Standpunkte ist in einer Welt verflochtener, komplexer Strukturen sicherlich von Vorteil. Wenn aber Objektivität in der Geschichtswissenschaft nicht erreichbar ist, wie gehen Historiker*innen dann mit dieser Thematik um? Entscheidend ist unter anderem die Perspektive, mit der wir uns in dieser Übungsaufgabe beschäftigen.


Antworthinweise

  • Objektivität wird als „regulative Maxime“ postuliert, obwohl alle wissen, dass sie unerreichbar bleibt → lieber eigene Subjektivität anerkennen und entsprechend reflektieren

  • Zwei Ebenen: Einerseits eigene Perspektive, andererseits Perspektive der Quellen

  • Bereich der Quellen: multiperspektivisches Arbeiten, um mögliche Verzerrungen durch bewusst oder unbewusst „gefärbte“ Tradierungen oder Überreste zu vermeiden; auch so keine vollständige historische Rekonstruktion möglich

  • Eigene Perspektive: historische Distanz, also zeitlicher, sozialer, räumlicher und/oder kultureller Abstand vom Untersuchungsgegenstand → Fragen, die zeitgenössischen Betrachter/innen noch gar nicht möglich gewesen wären.

  • Perspektive aber auch, wenn Begrenzung des Forschungsfeldes durch Fragestellung und Forschungsmethode erfolgt → Offenlegung und Reflexion dieses Vorgehens (gerne Beispiele)


Erläutern und problematisieren Sie, welche Rolle Modernisierungstheorien für die Geschichtswissenschaften spielen.

Verortung im Studienbrief

Die Aufgabe bezieht sich ungefähr auf KE 1, S. 30-35.


Problematisierung 

Dass sich Historiker*innen mit Zeit beschäftigen, wirkt zunächst einmal als Gemeinplatz. Tatsächlich können unterschiedliche Vorstellungen von zeitlichen Abläufen und Entwicklungen aber entscheidend sein sowohl für das eigene Verständnis der Vergangenheit als auch das Begreifen der zeitgenössischen Vorstellungen von Zeitlichkeiten. Eine Strömung, die im 20. Jahrhundert besonders prägend für den Blick auf gesellschaftliche und/oder staatliche Entwicklungen war, sind die sogenannten Modernisierungstheorien, mit deren Erklärungspotential wir uns in dieser Übungsaufgabe beschäftigen.


Antworthinweise

  • In unserem Alltag prallen verschiedene zeitliche Ebenen oftmals so selbstverständlich aufeinander, dass wir es gar nicht  merken. Hier kann eine Reflexion gewinnbringend sein, auch um bestimmte Handlungsmuster besser zu verstehen.

  • „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ (Bloch) erklären; eine von vielen zeitlichen Metaphern, die verschiedene Geschwindigkeiten von gesellschaftlichem Wandel charakterisieren

  • Marxismus als zentrale Theorie, die auch die Geschichtswissenschaft maßgeblich beeinflusst hat, darin die Vorstellung, dass Phasen der Stagnation von Revolutionen durchbrochen werden, sobald der Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen (beides kurz erklären) zu groß geworden ist. → Problem: Diese Kategorien fassen gesellschaftliche Gruppen zu starr, es gab jeweils auch Kräfte, die auf Kompromisse und Überbrückung der Widersprüche zwischen den beiden Polen aus waren.

  • Versuch, gesellschaftliche Entwicklungen besser zu verstehen, geht jedoch weiter: v.a. 1950er und 1960er Jahre in den USA Entstehung von Modernisierungstheorien → eigentliches Ziel, in den damals noch als „Entwicklungsländern“ verstandenen Staaten die gleichen Prozesse zu implementieren, scheitert, dennoch haben diese Theorien großen Einfluss auf Sozialgeschichtsschreibung der Industrieländer

  • Probleme: Bedingungen, wie weit welche Stufe der Entwicklung nun sein muss, bevor nächster Entwicklungsschritt erfolgen kann, bleiben in der Praxis unklar; zur Harmonisierung der Veränderungsprozesse in den unterschiedlichen Bereichen wäre eine zentrale Kraft nötig, diese wurde zunächst in der „unsichtbaren Hand des Marktes“ gesucht, im Abgleich mit der Praxis geht diese Theorie jedoch nicht auf; insgesamt, ähnlich wie bei Marx, so hohe Abstraktion, dass einerseits Gemeinplatz, andererseits zu weit weg von historischen Gegebenheiten


Erläutern Sie das Forschungsfeld der Zeitgeschichte, ihre Besonderheiten und Probleme, vor allem im Hinblick auf die Geschichtspolitik. Nennen Sie für letztere ein Beispiel.

Verortung im Studienbrief

Die Aufgabe bezieht sich ungefähr auf KE 1, S. 54-71.


Problematisierung 

Wie Sie schon allein an der Aufteilung dieses Moduls merken, wird die Geschichtswissenschaft klassischerweise in zeitliche Bereiche eingeteilt. Ein Abschnitt, der gerade in Deutschland lange umstritten war und sich erst nach und nach wissenschaftlich etablieren konnte, ist die Zeitgeschichte. Als eng mit der Gegenwart verknüpft hat sie mit sehr spezifischen Problemen und Herausforderungen zu kämpfen, mit der wir uns in dieser Übungsaufgabe beschäftigen. Dies kann und sollte auch Ihren Blick für die eigene Standortreflexion in späteren Arbeiten zu diesem Thema schärfen.


Antworthinweise

  • Zeitgeschichte als Beschäftigung mit historischen Ereignissen und Strukturen, die direkt und unmittelbar mit der Gegenwart zusammenhängen → einerseits Vorteil der Retrospektive geringer, andererseits Möglichkeit, erste Deutungen zu entwickeln

  • Zeitliche Begrenzung der Zeitgeschichte komplex, lange Zeit Generationenkriterium, das sich jedoch im Forschungsalltag als unpraktisch erwiesen hat → „ältere Zeitgeschichte“ ab 1917, „jüngere Zeitgeschichte“ ab 1945

  • In der deutschen Geschichtswissenschaft Zeitgeschichte nicht zuletzt durch Leopold von Ranke (1795-1886) kritisiert; Ranke empfahl Abstand von mindestens 100 Jahren zwischen Untersuchungszeitpunkt und –gegenstand, um Befangenheit zu vermeiden

  • Gegenstimme schon Johann Gustav Droysen (1808-1884): auch zeitgenössische Studien etwa über die Italienpolitik deutscher Kaiser zeigten, dass diese letztlich das aktuelle politische Geschehen kommentierten

  • Rehabilitierung in Deutschland dennoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg, gefördert durch die Alliierten in den unterschiedlichen Besatzungszonen, um Auseinandersetzung mit jüngster Vergangenheit zu gewährleisten (Bsp. „Institut zur Erforschung der nationalsozialistischen Politik“ 1947)

  • Zeitliche Nähe sorgt einerseits für Quellenvielfalt, kann aber auch eigene Probleme erzeugen, etwa Besonderheiten der Oral History oder Archivsperrfristen

  • Geschichtspolitik als Instrumentalisierung von Geschichte für Gegenwartszwecke, Beispiel 17. Juni (1953) und seine Rezeption in der BRD, bitte ein anderes Beispiele überlegen und aufführen; Zeitgeschichtliche Forschung hier als Korrektiv, wobei fraglich bleibt, ob die wissenschaftlichen Erkenntnisse den gesellschaftlichen Diskurs überhaupt erreichen (siehe das gleiche Beispiel 17. Juni)

  • Insgesamt besondere gesellschaftliche Verantwortung der zeitgeschichtlichen Forschung in Bezug auf Deutungsprozesse gerade erst vergangener Ereignisse


Erklären Sie die Begriffe des “langen 19.” und “kurzen 20. Jahrhunderts.

Verortung im Studienbrief

Die Aufgabe bezieht sich ungefähr auf KE 2, S. 6-7.


Problematisierung 

Wie Sie schon allein an der Strukturierung dieses Moduls und der Einteilung des Historischen Institutes gemerkt haben, sind Verständigungen über zeitliche Zusammenhänge für Historiker*innen zentral. In der Neueren und Neuesten Geschichte besonders prägend sind die Einteilungen in ein „langes 19.“ sowie ein „kurzes 20. Jahrhundert“, um die es in dieser Übungsaufgabe gehen soll.


Antworthinweise

  • Eric Hobsbawm: Doppelrevolution aus Französischer und Industrieller Revolution → Neuere Geschichte beginnt ca. 1780, Ende des sog. „langen 19. Jahrhunderts“ nach Hobsbawm mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914

  • Doppelrevolution löst tiefgreifende Veränderungen aus und hat langfristige Folgen, beides prägt den gesamten Zeitraum über die numerische Grenze des Jahrhunderts, also 1900, hinaus; gerade das Allgemeine und Offene der Formulierung „langes 19. Jahrhundert“ scheint zu ihrem Erfolg beigetragen zu haben

  • Beginn des „kurzen 20. Jahrhunderts“ von verschiedenen Historiker*innen unterschiedlich gesetzt, entweder 1914, oder 1917 mit Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg sowie Februar- und Oktoberrevolution, oder aber 1918 als Kriegsende, manche beschreiben auch die gesamte Kriegsdauer als Epochenbeginn; Ende 1989 mit dem beginnenden Zerfall der Sowjetunion

  • Erinnerungspolitische Debatten in Russland um das Epochenjahr 1917 machen deutlich, dass all diese Einschnitte und Grenzen jeweils durch Interpretation der Forschenden, der Beobachter*innen gesetzt werden und somit jeweils hinterfragt werden können.


Lösungsvorschlag

Historische Epochen grenzen sich anhand bedeutsamer Ereignisse gegeneinander ab, die einen neuen Zeitabschnitt einläuten. In der Diskussion um die Neuere und Neueste Geschichte wurden die Begriffe des „langen 19. Jahrhunderts" und des „kurzen 20. Jahrhunderts" entwickelt. Sie dienten der Abgrenzung der Epochen gegenüber der kalendarischen Jahrhundertgrenzen.

Dieser Text soll erörtern, welche Zeiträume unter dem „langen 19.

Jahrhundert" und dem „kurzen 20. Jahrhundert" verstanden werden.

Hierfür wir zunächst auf die Begriffsentwicklung durch Eric Hobsbawm in Anbetracht des Beginns der Neueren und Neuesten Geschichte eingegangen. Um das Ende dieser Epoche besteht eine Diskussion, die kurz erläutert wird. Im Anschluss wird auf die Epochengrenzen des „kurzen 20. Jahrhundert", der Zeitgeschichte, eingegangen.

Der Begriff des „langen 19. Jahrhunderts" wurde von Eric Hobsbawm in seinem Werk The Age of Revolution entwickelt. In dem 1962 veröffentlichen Werk argumentiert er, dass nicht nur die Französische Revolution ein neues Zeitalter einläutete, sondern auch die Industrielle Revolution in England seit ca. 1780 dies deutlich zeigte. Unter dem Begriff der „Doppelrevolution" verband er diese beiden Ereignisse und bestimmt diese zum Beginn der Neueren und Neuesten Geschichte. Die Formulierung des „langen 19. Jahrhunderts" zeigt, dass die Folgen der Revolutionen das Leben auch außerhalb der kalendarischen Jahrhundertgrenzen prägten.

Während der Beginn des „langen 19. Jahrhunderts" wissenschaftlicher Konsens ist, wird über das Ende dieser Epoche weiterhin diskutiert.

Die beiden populärsten Standpunkte unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Perspektive. Während die eine Seite die Zerstörungskraft des Ersten Weltkrieges in den Blick nimmt, betrachtet die andere Seite die technischen Errungenschaften der Jahre 1912/1913.

Hobsbawm bestimmte den Beginn des Ersten Weltkrieges zum Ende des „langen 19. Jahrhunderts". Während andere das Jahr 1917 zum Ende bestimmten. In diesem Jahr traten die USA dem Krieg bei und in Russland fand die Oktoberrevolution statt.

Der Konsens der Literatur-, Kunst-, Technik- und Wissenschaftsgeschichte spricht sich hingegen für das Jahr 1912 aus. Die technischen Errungenschaften stellten für sie eine bedeutendere Schwelle dar, als die Zerstörungen des Ersten Weltkriegesy Dies erkannte auch der Literaturwissenschaftler Hans Robert Jauß als er Literaten und Künstlern ein „emphatisches Bewusstsein" hierfür aussprach.

Nach dem Zusammenbruch der UdSSR stiegen auch die Zweifel in Russland am Epochenjahr 1917. Als bedeutender wurden die Ereignisse des Literatur-, Wissenschaft-, Technik- und Kunstgeschichte angesehen.

Der Begriff des „kurzen 20. Jahrhunderts" bezieht sich vor allem auf die Historie Russlands. Der Beginn wurde auf die Oktoberrevolution 1917 datiert, während der Endzeitpunkt mit dem Zusammenbruch des „sozialistischen Weltsystems" 1989 zusammenfällt.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Begriff des „langen 19.

Jahrhunderts" einen Zeitabschnitt bezeichnet, der Bereits vor dem 19.

Jahrhundert begann und auch erst nach diesem endete. Hingegen bezeichnet der Begriff des „kurzen 20. Jahrhundert" einen Zeitraum, der nach dem Beginn des 20. Jahrhunderts startete und auch vor dessen Ende bereits vorbei war.


Erläutern Sie „Erinnerungskultur“ als Forschungsfeld. Skizzieren Sie kurz seine Entwicklung im deutschsprachigen Forschungskontext, benennen und erklären Sie den Unterschied zwischen „kulturellem“ und „kommunikativem Gedächtnis“ an jeweils einem Beispiel.

Verortung im Studienbrief

Die Aufgabe bezieht sich ungefähr auf KE 1, S. 65-68.


Problematisierung 

Wenn wir im Alltag mit Vergangenheit konfrontiert sind, geschieht das meist durch Erinnerungen - beispielsweise von Familienmitgliedern oder in Nachrufen von Wegbegleiter*innen der Verstorbenen in der Zeitung. Einerseits können solche Erinnerungen spannende Informationen enthalten, andererseits müssen sie aber mit besonderer Vorsicht genossen werden, denn Erinnerungen sind keineswegs ein reales Abbild der Vergangenheit. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Erinnerungen, sowohl im gesamtgesellschaftlichen als auch im individuellen Rahmen, ist noch relativ jung und von besonders intensiven methodischen Diskussionen geprägt. Im Folgenden beschäftigen wir uns daher mit einigen grundlegenden Begriffen der Erinnerungskultur.


Antworthinweise

  • „Erinnerungskultur ist das gezielte Bewahren und Vergessen einer Gesellschaft oder einzelner Gruppen zum Zweck der Selbstverständigung über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ (Ute Schneider)

  • In Auseinandersetzung mit den Schriften des Soziologen Maurice Halbwachs entsteht das Forschungsfeld nach und nach ab 1945, wobei es in Deutschland erst in den 1990er Jahren etabliert wurde.

  • Halbwachs entwickelt den Begriff des „kollektiven Gedächtnisses“, womit er eine Wechselbeziehung zwischen individuellem Erinnern und Gruppenzugehörigkeit beschreibt.

  • Nach Jan und Aleida Assmann mittlerweile auch Unterscheidung in kommunikatives und kulturelles Gedächtnis

  • Kommunikatives Gedächtnis: erstreckt sich ungefähr über 3 Generationen; Alltagsgedächtnis an Ereignisse, das z.B. innerhalb einer Familie tradiert wird, wobei die jeweilige Deutung der Ereignisse im Mittelpunkt steht und es zu konkurrierenden Erinnerungen kommen kann (profanes Beispiel: Nachbarschaftsstreit, der bereits seit Generationen andauert und vor allem die Elemente erinnert, die die Schuld „der Anderen“ betonen; bitte entwickeln Sie ein eigenes Beispiel)

  • Kulturelles Gedächtnis: weiterer Zeithorizont, epochenübergreifend; Texte, Bilder, Riten, die jeder Gesellschaft in jeder Epoche zugehörig sind und die Gruppenidentität ausmachen. Dabei ist das kulturelle Gedächtnis vor allem durch seine Institutionalisierung charakterisiert (Beispiel: Luther-Ausstellungen im Luther-Jahr, bitte liefern Sie ein eigenes Beispiel)

  • Weniger WAS, sondern WIE erinnert wird im Vordergrund, bspw. Untersuchung von Stellenwert bestimmter Ereignisse innerhalb einer nationalen Erinnerungskultur;

  • Untersuchung von Gedenkformen, also Erinnerungspraktiken; Untersuchung von Widersprüchen zwischen kommunikativem und kulturellem Gedächtnis bzw. dem kommunikativen Gedächtnis unterschiedlicher Gruppen

  • Wichtig dabei zu beachten: Erinnerungen nicht historische Fakten, sondern individuelle, subjektive Erfahrungen (Thompson), als solche sind sie auch durch später gemachte Erfahrungen noch einmal überformbar und können sich in der rückblickenden Deutung unbewusst verändern → gerade Oral History sollte daher nur in dem Bewusstsein betrieben werden, dass historische Forschung immer nur eine Annäherung an die historischen Begebenheiten sein kann und eine Kontextualisierung und Abgleich mit anderen Quellen unabdingbar sind

  • Insgesamt ist die Erinnerungskultur ein sehr komplexes und zum Teil bis heute umstrittenes Forschungsfeld, das mit einer Vielzahl von divergierenden Definitionen der Fachbegriffe arbeitet und gezielter theoretischer Auseinandersetzung bedarf.


Zeichnen Sie die begriffsgeschichtliche Entwicklung des Wortes „Revolution“ nach. Erklären Sie dabei auch, warum eine solche Betrachtung für Historiker*innen wichtig ist.

Verortung im Studienbrief

Die Aufgabe bezieht sich ungefähr auf KE 2, S. 10-12.


Problematisierung 

In den Geschichtswissenschaften arbeiten wir mit Quellen, in denen wir oftmals über Begriffe hinweglesen, weil sie uns vertraut und geläufig sind. Doch hier ist Vorsicht geboten - Bedeutungen und Diskurse können sich im Laufe der Jahrhunderte verschieben. Darum gibt es das Forschungsfeld der historischen Semantik, mit dem sich diese Übungsaufgabe an einem konkreten Begriffsbeispiel beschäftigt.


Antworthinweise

  • Um die Entwicklung der Bedeutungen bestimmter Begriffe (historische Semantik) nachzuzeichnen, sind entsprechende Lexikonartikel aus dem Untersuchungszeitraum in der Regel hilfreich, da sie konzise Definitionen des zeitgenössischen Verständnisses abbilden.

  • Im 1765 erschienen Band 14 der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers von Denis Diderot und Jean-Baptiste le Rond D’Alambert wird Revolution zunächst einmal nur als Ausdruck einer bemerkenswerten Veränderung der Regierung des Staates beschrieben, um sodann auf Großbritannien zu verweisen. Hier habe es zwar viele Revolutionen gegeben, mittlerweile beziehe sich der Begriff jedoch fast ausschließlich auf die Glorious Revolution von 1688; zudem wird auf Revolutionen in bestimmten Fachbereichen wie der Uhrmacherei eingegangen.

  • Im Zedler Universal-Lexikon 1742 Band 31 ebenso knapp: Änderung im Staats- oder Polizeiwesen; dagegen „Rebellion“ im Band 30 von 1741 als Verbrechen gebrandmarkt

  • Dass auch und gerade durch die Französische Revolution ein Bedeutungswandel stattgefunden hat, zeigt der Artikel „Regierungsform“ in Krünitz‘ Oeconomischer Encyclopädie, Band 121 (1812): Hier wird deutlich gemacht, dass in einem Staat durchaus eine schlechte Verwaltung herrschen kann und diese sodann durch die Erhebung des „allgemeinen Willens“ also sozusagen des Volkes in der Revolution abgesetzt wird.

  • Insgesamt ist es zum Verständnis historischer Quellen unabdingbar, dass die Forschenden sich mit den jeweils zeitgenössischen Bedeutungen der dort verwendeten Begriffe auseinandersetzen. Die genannten Beispiele zeigen einerseits, wie historische Ereignisse zu Bedeutungswandel führen können, andererseits wird deutlich, dass Begriffe wie etwa „Revolution“ und „Rebellion“, die heute fast synonym verwendet werden, etwa 1742 gänzlich verschieden bewertet wurden.

  • Werke wie die von Otto Brunner, Werner Conze und Reinhart Koselleck herausgegebenen „Geschichtlichen Grundbegriffe“ können hier die Arbeit erleichtern.


Lösungsvorschlag



Beschreiben Sie, welche Rolle technische Innovationen wie etwa die Entwicklung des Bahnverkehrs für die Raumwahrnehmung hatten.

Verortung im Studienbrief

Die Aufgabe bezieht sich ungefähr auf KE 2, S. 25-28, 39-43.



Problematisierung 

Zeit und Raum sind eng miteinander verknüpft und spielen beide eine wichtige Rolle in der historischen Forschung - räumliche Gegebenheiten können über Kriegsverläufe genauso entscheiden wie über Handelsrouten und kulturelle Austauschprozesse. Insofern ist Wissen darüber, wie Raum im Untersuchungszeitraum wahrgenommen wurde, für das Verständnis der damaligen Zeit oftmals zentral. Wie verwoben die Raumwahrnehmung mit unterschiedlichsten Entwicklungen ist, darum dreht sich diese Übungsaufgabe.


Antworthinweise

  • Insgesamt lässt sich konstatieren, dass die neuzeitliche Raumordnung nicht sehr weit in die Vergangenheit reicht und als Produkt sozialer Prozesse gewertet werden kann.

  • Den Raum als bestimmende, erklärende und untersuchenswerte Struktur neben der Zeit in die historische Forschung einzubeziehen, hatte etwa schon Karl Lamprecht in seiner „Deutschen Geschichte“ um die Wende zum 20. Jahrhundert vorgeführt; Ende der 1980er/Anfang der 1990er dann Spatial Turn, der diese Thematik noch stärker in den Fokus rückt

  • Ein entscheidendes Element der veränderten Raumwahrnehmung sind technische Innovationen, wie etwa die erhöhte Reisegeschwindigkeit etwa durch Züge, die Entfernungen nun in ganz anderer Relation erscheinen und kleiner werden lässt, was eine größere Vernetzung ermöglicht (gleiches gilt für Kommunikationstechnologien).

  • Das Beispiel des Ersten Weltkrieges zeigt die Kulmination dieser technischen Innovationen, die eine völlig neue Raumnutzung durch die Stellungskriege und Grabenkämpfe nötig macht.

  • Zentral ist, dass Räume in ihrer Entstehung und Wahrnehmung elementarer Bestandteil erinnerungskultureller wie erinnerungspolitischer Prozesse sind.


Beschreiben Sie die Vor- und Nachteile der Verwendung von Quelleneditionen für die geschichtswissenschaftliche Arbeit. Gehen Sie dabei auch auf die Problematik von übersetzen Quellen ein.

Verortung im Studienbrief

Die Aufgabe bezieht sich auf KE3, S. 43, Sie können außerdem sinnvoll Ihr Vorwissen aus dem K-Modul einbringen.


Problematisierung

Auch in den Geschichtswissenschaften gibt es verschiedene Hilfsmittel, die die Arbeit erleichtern können. Natürlich haben diese aber jeweils Vor- und Nachteile. Wer sich also für die Verwendung solcher Hilfen entscheidet, sollte sich bewusst sein, mit welchen Einschränkungen er oder sie möglicherweise rechnen muss. In dieser Aufgabenstellung geht es um das spezifische Hilfsmittel der Quelleneditionen.


Antworthinweise

  • Vorteile: keine Archivbesuche nötig, kein mühsames Entziffern etwa von Handschrift, oft werden historische Kontexte mitgeliefert, Prüfung der Authentizität schon erfolgt

  • Nachteile: keine „Zufallsfunde“ im Archiv, oft nur eine Auswahl der vorhandenen Quellen, möglicherweise Auslassungen im Quellenmaterial

  • Wichtig zu prüfen, ob die Edition in ihrer Transparenz (was wurde ausgewählt und warum, wie werden Auslassungen angegeben etc.) wissenschaftlichen Anforderungen genügt

  • Übersetzung als zusätzliches Problem, da hier Bedeutungsverschiebungen entstehen können; bei ausreichenden eigenen Sprachkenntnissen der Ausgangssprache wenigstens stichprobenartige Vergleiche empfehlenswert

  • Sowohl für die Übersetzung als auch für Wissenschaftlichkeit Lektüre von Rezensionen → damit Urteil erfahrenerer Wissenschaftler*innen als Hilfsmittel

  • Gerne können Sie zur Beantwortung dieser Aufgabe auch Ihr im K-Modul zum Thema „Editionen" gesammeltes Wissen einbringen.

K-Modul:

Herausgaben bereits vorliegender Texte oder Quellen

-> können nicht mehr von Autor*innen selbst veröffentlicht werden oder wurden es bereits

  • Handschriften, Briefe, Werke die inzwischen so wertvoll sind, dass Original(e) zumindest nicht öffentlich zugänglich gibt

  • meist wissenschaftlich aufbereitet

  • schaffen zitierbare Grundlagentexte


Beschreiben Sie zwei der in LE 3.3 vorgestellten Perspektiven Ihrer Wahl und setzen Sie sie zueinander in Beziehung. Da Ereignis- und Strukturgeschichte jedoch schon in Übungsaufgabe 1 behandelt wurden, möchte ich Sie bitten, hier andere Perspektiven zu wählen.

Verortung im Studienbrief

Die Aufgabe bezieht sich auf die gesamte KE3.


Problematisierung

In 25201: LE 3.3 werden Ihnen unterschiedliche Forschungsperspektiven vorgestellt. Diese bestimmen den Zugriff der Historiker*innen auf das Quellenmaterial. Eine transparente Darstellung der Forschungsperspektive und der Tradition, in der diese steht, machen es anderen Wissenschaftler*innen leichter, den Ergebnissen der Studie zu folgen. In dieser Übungsaufgabe soll es daher darum gehen, das Verständnis dieser Perspektiven zu vertiefen und eigene Formulierungen und Verbindungen zu Forschungsschwerpunkten zu entwickeln.


Lösungsvorschlag

Die Geschichtswissenschaft bietet ein breites Spektrum an Perspektiven, die sich teilweise überschneiden und ergänzen. Diese Forschungsperspektiven bestimmen das methodische Vorgehen gegenüber dem Quellenmaterial. Die Verbindungen und Überschneidungen verschiedener Forschungsperspektiven soll in diesem Text anhand der Historischen Anthropologie und der Kulturgeschichte dargestellt werden.

Hierfür soll zunächst auf das Forschungsfeld der Kulturgeschichte eingegangen werden. Ein kurzer Abriss der Entwicklung soll von einer Eingrenzung des Gegenstandsbereicht gefolgt werden. Daraufhin soll die Historische Anthropologie betrachtet werden. An den entsprechenden Punkten soll ein Rückschluss auf die Kulturgeschichte erfolgen. Abschließend soll auf die Bedeutung für die Forschung eingegangen werden.


Die Kultusgeschichte gewinnt seit den 1990er Jahren zunehmend an Bedeutung. Grund hierfür sind insbesondere zeitgenössische Entwicklungen wie die Rückkehr der Religion auf die Weltbühne. Entwicklungen wie diese stellen moderniesierungstheoretische Ansätze, die einen stetigen Fortschritt in der westlichen Welt annehmen, in Frage. Die Notwendigkeit von vielschichtigen Analyseansätzen wurde deutlich und die Kulturgeschichte trat wieder in den Blick der Geschichtswissenschaft.

Bereits um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert waren kulturhistorische Ansätze vertreten. Nach einer Unterbrechnung dieser Entwicklung durch den Zweiten Weltkrieg bietet die Kulturgeschichte seit den 1990er Jahren eine Ergänzung zur Sozialgeschichte, die sich weniger an strukturgeschichtlichen Methoden orientiert.


Das Forschungsfeld der Kulturgeschichte ist interdisziplinär und der Übergang in andere Forschungbereiche teils fließend. Sie bedient sich ebenfalls derer. Ein zentraler Aspekt der Kulturgeschichte ist die Verbindung von mikro- und makrohistorischer


——

Hierfür soll sich zunächst dem größten Überschneidungspunkt der beiden Forschungsperspektiven gewidmet werden - der Verbindung von mikro- und makrohistorischer Perspektiven.



Author

Adele G.

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