Buffl

Lektion 1-55

jr
by josef R.

Syntax des Genitivs

Der Genitiv nach einer Präposition bzw. nach einem Kompositum

z.Β. διὰ τῆς θύρας,

Auch Komposita (zusammengesetztes Wort), deren Präposition mit Genitiv steht (ἀπό, κατά), können mit dem Genitiv verbunden werden, z.B. Mk 5,40κατεγέλων αὐτοῦ – sie lachten über ihn.

Genitivus pretii (des Wertes bzw. Preises) Der Genitiv bezeichnet den Wert bzw. Kaufpreis und die Bezeichnung des Guts, dessen man wert geachtet wird. Er steht bei den Verben „kaufen, verkaufen" (z.B. ἀγοράζω in 1Kor 6,20) und bei ἄξιος (Apg 5,8).

z.B. ἠγοράσθητε γὰρ τιμῆς ( „Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden.“)

Genitivus qualitatis (der Eigenschaft)

Der Genitiv beschreibt eine Eigenschaft des ihm übergeordneten Nomens und kann oft mit einem Adjektiv übersetzt werden, z.B. Lk 16,8: ὁ οἰκονόμος τῆς ἀδικίας der ungerechte Verwalter.

Genitivus partitivus (des geteilten Ganzen)

Er steht häufig beim Indefinitpronomen τις (Mt 9,3; 22,28), bei Ländernamen (Joh 2,1.11) und bei Mengenbezeichnungen (Apg 14,1). Im NT wird er oft durch Umschreibungen mit Präpositionen (ἐκ, ἀπό, ἐν) ersetzt. Außerdem werden einige Ver-ben mit dem genitivus partitivus konstruiert.

τίς ἐξ ὑμῶν („wer von euch?“)

Der adverbiale Genitiv

Bestimmte Verben haben im Griechischen den Genitiv bei sich. Im Koine-Griechisch bestand die Tendenz, diese Genitive durch präpositionale Wendungen oder durch andere Kasus zu ersetzen. Der adverbale Genitiv steht u.a. bei den Verben des Herrschens und Übertreffens, z.B. ἄρχω, κυριεύω (Mk 10,42),

- des Füllens und Voll-Seins, z.Β. πληρόω,

- des Wahrnehmens, Ζ.Β. ἀκούω (Apg 22,1).

ἀκούετε τῆς φωνῆς μου.

„Ihr hört meine Stimme.“

πᾶς

πᾶς (jeder, im Pl.: alle) folgt im Maskulinum und Neutrum der Deklination der vt-Stämme, im Femininum werden die Formen wie a-impurum dekliniert.

Attributive und prädikative Wortstellung bei πᾶς:

a) πᾶς bedeutet bei artikellosem Substantiv: jeder, Plural: alle (es steht meistens vor dem Substantiv).

πᾶν δένδροv-Jeder (beliebige) Baum

anders: ἕκαστον δένδρον-jeder einzelne Baum

πάντες ἄνθρωποι-alle Menschen (alles, was Mensch heißt)

b) πᾶς bedeutet prädikativ beim Substantiv mit Artikel: ganz, Plural: alle (es steht meistens vor dem Artikel). Betont wird die Vollzähligkeit aller Teile.

πᾶσα ἡ κτίσις-die ganze Schöpfung

πᾶσαι αἱ γενεαί-alle Geschlechter

c) πᾶς bedeutet attributiv zwischen Artikel und Nomen/Substantiv ganz, Plural: alle. Betont wird die Vollständigkeit als Einheit; der Ton liegt darauf, dass das Ganze bzw. die Gesamtheit einem Teil gegenübersteht.

ὁ πᾶς νόμος - das ganze Gesetz (gegenüber einzelnen Geboten)

οἱ πάντες ἄνδρες

alle Männer (zusammen bzw. im Ganzen; bedeutet nicht, dass ohne Ausnahme jeder einzelne Mann gemeint ist)

d) πᾶς kann ohne oder mit Artikel substantiviert werden.

πᾶς (ein) jeder

τοῖς πᾶσιν γέγονα πάντα

allen bin ich alles geworden (diese wurden vorher einzeln genannt)

e) πᾶς steht mit Artikel und substantiviertem Partizip (nach πᾶς selten ohne Artikel): πᾶς ὁ ἀκούων

jeder, der hört

Das prädikativ gebrauchte Partizip

ergänzt bestimmte Verben und hat niemals einen Artikel. Es gibt drei Möglichkeiten des Gebrauchs.

a) Das Partizip als Teil des Prädikats (umschreibende Konjugation)

  • Eine Form von εἰμί (gelegentlich auch γίνομαι) bildet mit einem Partizip zusammen das Prädikat

  • meistens einen Indikativ

ἔσεσθε μισούμενοι (Mt 10,22) – ihr werdet gehasst werden (umschriebenes Futur)

ἦν διδάσκων (Mt 7,29) - er lehrte (umschriebenes Imperfekt)

b) Das Partizip ergänzt Verben der sinnlichen und geistigen Wahrnehmung (AcP) accusativus cum participio

  • sehen, fühlen, schmecken, einsehen usw. Das Partizip steht im Akkusativ als Objektsergänzung zu einem Akkusativobjekt.

  • AkkObjekt. und Partizip stimmen in KNG überein.

  • Die Übersetzung als Nebensatz mit „dass" oder „wie" oder mit Infinitiv.

Ἰωάννης βλέπει τὸν Ἰησοῦν ἐρχόμενον (Joh 1,29) - Johannes sieht, dass/wie Jesus kommt; Johannes sieht Jesus kommen

c) Das Partizip ergänzt Verben des modifizierten Seins oder Tuns

  • Das Partizip bezeichnet die Hauptaussage

  • das finite Verb bestimmt die Aussage näher (modifiziert), Ζ.Β. τυγχάνω sich (zufällig) ergeben, (παύομαι) sowie die Verben des Recht- und Unrechttuns (vgl. Apg 10,33).

  • Die Übersetzung kann durch Infinitiv oder eine Umschreibung erfolgen.

οὐ παυόμεθα ὑπὲρ ὑμῶν προσευχόμενοι (Kol 1,9) – wir hören nicht auf, fur euch zu beten

ὁ Πέτρος ἐπέμενεν κρούων (Apg 12,16) - Petrus klopfte weiter

D)

Das Partizip wird als imperativ gebraucht.

Meistens im Nom.pl

Das adverbial gebrauchte Partizip

(Participium coniunctum (p.c. / verbundenes Partizip))

  • Beschreibt die Umstände des prädikats

  • Hat nie einen Artikel

Participium coniunctum (p.c. / verbundenes Partizip)

  • Bezieht sich auf ein Nomen bzw. Subjekt im selben Satz und steht im KNG

  • Steht meistens im Nominativ

  • Wird meistens als Nebensatz übersetzt.

  • Welche der 6 Sinnrichtungen es bezeichnete muss aus dem Kontext erschlossen werden.

temporal:

(gleichzeitig: als, während; vorzeitig: nachdem, als)

ταῦτα εἶπεν ἐν συναγωγῇ διδάσκων ἐν Καφαρναούμ (Joh 6,59) - dies sagte er in einer Synagoge, als er in Kapernaum lehrte

modal:

  • Beschreibt die Art und weise bzw. Begleitumstände

    (indem, wobei, dadurch dass)

καὶ ἐβαπτίζοντο ... ἐξομολογούμενοι τὰς ἁμαρτίας αὐτῶν (Mk 1,5) – und sie ließen sich taufen... wobei sie ihre Sünden bekannten

kausal:

  • Der Grund für die Handlung

    (weil, da)

  • Ἰωσὴφ δίκαιος ων ἐβουλήθη [Aor. Pass.] (Mt 1,19) weil Joseph gerecht war, wollte er

konzessiv

  • Die Handlung geschieht trotz eines Umstandes

    (obwohl, obgleich)

ὑμεῖς πονηροὶ ὄντες οἴδατε (Με 7,11) - obwohl ihr böse seid, wisst ihr

konditional

  • Gibt die Bedingung an

  • (wenn, falls)

πᾶν κτίσμα θεοῦ καλὸν μετὰ ευχαριστίας λαμβανόμενον (1Tim 4,4) - alles von Gott Geschaffene (ist) gut wenn es mit Danksagung empfangen wird.

final (damit, um zu)

  • Gibt die Absicht an

  • Liegt eine finale Sinnrichtung vor, steht das Ptz. im Futur (meistens) oder im Präsens (seltener), niemals im Aorist.

ἴδωμεν εἰ ἔρχεται Ἠλίας σώσων αὐτόν (Mt 27,49) - lasst uns sehen, ob Elia kommt, um ihn zu retten.

Konditionalsätze Fälle

1) Indefiniter Fall: protasis εἰ + Ind., Apodosis beliebiger Modus.

Unbestimmter fall

εἰ δὲ τις πνεῦμα Χριστοῦ οὐκ ἔχει, οὗτος οὐκ ἔστιν αὐτοῦ (Rom 8,9) –

aber wenn jemand den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm.

2) Speziell-prospektiver Fall

(Protasis) εáv + Konj. (die Tempuswahl ist aspekthedingt), Apodosis futurischer Ausdruck.

Der Wenn-Satz bezeichnet etwas, womit man rechnen kann oder muss; er bezieht sich häufig auf etwas Zukünftiges.

καὶ ἐάν τις ὑμᾶς ἐρωτᾷ· διὰ τί λύετε; οὕτως ἐρεῖτε· (Lk 19,31) - und wenn jemand euch fragt (damit muss man rechnen):,, Warum bindet ihr (es) los?", so sagt ...; vgl. Joh 12,32.

3) Generell-prospektiver Fall

(Protasis) ἐάν + Konj. (die Tempuswahl ist aspektbedingt), Apodosis präsentischer/zeitloser Ausdruck

Der Wenn-Satz bezeichnet etwas, was sich unbestimmt häufig wiederholt, d.h. etwas generell Gültiges bzw. Allgemeingültiges

ἀμὴν ἀμὴν λέγω ὑμῖν, ἐὰν μὴ ὁ κόκκος τοῦ σίτου πεσὼν εἰς τὴν γῆν ἀποθάνῃ, αὐτὸς μόνος μένει· ἐὰν δὲ ἀποθάνῃ, πολὺν καρπὸν φέρει (Joh 12,24) - amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es jedoch stirbt, bringt es viel Frucht; vgl. Joh 11,9; 2Tim 2,5.

4) Irrealer Fall

(Protasis) εἰ + Augmenttempus, Apodosis Augment-tempus + ἄv (kann fehlen)

Die Tempuswahl ist aspektbedingt. Häufig bezieht sich das Imperfekt auf die gegenwärtige Nichtwirklichkeit (Irrealis der Gegenwart) und der Aorist auf die vergangene Nichtwirklichkeit (Irrealis der Vergangenheit).

Irrealis der Gegenwart

εἰ τυφλοὶ ἦτε, οὐκ ἂν εἴχετε ἁμαρτίαν (Joh 9,41) – wenn ihr blind wäret, hättet ihr keine Sünde

Irrealis der Vergangenheit

κύριε, εἰ ἧς ὧδε οὐκ ἂν ἀπέθανεν ὁ ἀδελφός μου (Joh 11,21)-Herr, wenn du hier gewesen wärst, wäre mein Bruder nicht gestorben.

Es gibt auch Konditionalgefüge mit Elementen aus beiden Varianten, die also mit Im-perfekt und Aorist gemischt sind, z.B. Joh 18,30; Gal 3,21.

5) Potentialer Fall

(Protasis) εἰ + Optativ, Apodosis (potentialer) Optativ + av. Der

Der Inhalt des Wenn-Satzes wird als möglich oder zumindest denkbar angesehen, die Schlussfolgerung lediglich als eine Möglichkeit.

ἀλλ᾽ εἰ καὶ πάσχοιτε διὰ δικαιοσύνην, μακάριοι (1Petr 3,14) – wenn ihr auch um der Gerechtigkeit willen leiden müsstet, glücklich seid ihr zu preisen

Wichtig: Die dargestellten Typen von Konditionalgefügen können auch in Mischformen auftreten.

Konjunktiv im Nebensatz

a) konditional: eingeleitet mit der Konjunktion ἐάν (wenn):

b) konzessiv: eingeleitet mit ἐὰν καί (wenn auch)¹: Einräumung.

ὁ πιστεύων εἰς ἐμὲ κἂν ἀποθάνῃ ζήσεται (Joh 11,25)- der, der an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt

c) final: eingeleitet mit ἵνα², ὅπως oder (selten) ὡς (damit): Absicht oder Zweck. Der Inhalt des ἵνα-Satzes beschreibt die Intention der Handlung im übergeordneten Satz. προσηνέχθησαν αὐτῷ παιδία ἵνα τὰς χεῖρας ἐπιθῇ αὐτοῖς (Mt 19,13) –- sie brachten ihm Kinder, damit er ihnen die Hände auflege.

Die Negationen μή oder μήποτε können auch allein einen Finalsatz einleiten und sind dann mit damit nicht zu übersetzen, z.B. Mk 13,37.

d) konsekutiv: eingeleitet mit ἵνα (sodass): Folge bzw. Resultat. Die Konsequenz der Verbalhandlung muss nicht beabsichtigt sein.

ῥαββί, τίς ἥμαρτεν, οὗτος ἢ οἱ γονεῖς αὐτοῦ, ἵνα τυφλὸς γεννηθῇ; (Joh 9,2) -Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde?

e) substantivierter ἵva-Satz: Der ἵνα-Satz (ἵνα im Deutschen oft mit „dass" wieder-gegeben) fungiert dabei syntaktisch als

-Subjekt-Satz,

ζητεῖται ἐν τοῖς οἰκονόμοις, ἵνα πιστός τις εὑρεθῇ (1Kor 4,2) - von den Verwaltern wird verlangt, dass jemand treu gefunden wird/sich treu erweist

-als direkter Objekt-Satz (häufig nach Verben des Befehlens, Ermahnens, Betens),3 παρακαλῶ δὲ ὑμᾶς, ἀδελφοί, ἵνα τὸ αὐτὸ λέγητε πάντες (1Kor 1,10) - ich ermahne euch, Geschwister, dass ihr alle dasselbe sagt/einmütig seid

-als Apposition bzw. epexegetischer ἵva-Satz. Bei diesem Gebrauch steht ἵνα + Konjunktiv nach einem Substantiv oder Adjektiv, um dieses zu erklären oder näher zu erläutern, z.B. Lk 7,6.

αὕτη δὲ ἐστιν ἡ αἰώνιος ζωὴ ἵνα γινώσκωσιν σέ (Joh 17,3) - aber dies ist das ewige Leben, (nämlich) dass sie dich erkennen

f) nach Verben des Fürchtens (φοβέομαι): Der Konjunktiv kann hierbei nach μή (dass) bzw. μὴ πῶς (dass vielleicht) für eine befürchtete Folge stehen.

φοβηθεὶς ὁ χιλίαρχος μὴ διασπασθῇ ὁ Παῦλος ὑπ' αὐτῶν ἐκέλευσεν (Apg 23,10) - da der Oberst fürchtete, dass Paulus von ihnen zerrissen werde, befahl er..

g) indirekte, deliberative Frage

ἤδη ἡμέραι τρεῖς προσμένουσίν μοι καὶ οὐκ ἔχουσιν τί φάγωσιν (Mt 15,32) -sie bleiben schon drei Tage bei mir und haben nichts, was sie essen sollen

h) In manchen Temporalsätzen steht ein prospektiver Konjunktiv; er zeigt eine aus der Perspektive der Zeit des Hauptverbs zukünftige Möglichkeit an. (auf die Frage, wann?") bei ὅταν:

wenn/sobald (Zukünftiges, meist mit Konj. Aor., z.B. Mt 21,40), (immer/jedesmal) wenn (Allgemeingültiges, meist mit Konj. Präs., z.B. Mk 13,11)

Indikativ oder prospektiver Konjunktiv (auf die Frage, wie lange?") bei ἕως/ἄχρι(ς) (οὗ): bis dass, solange (noch), z.B. Mt 17,9

μέχρι(ς) (οὗ): bis, z.B. Mk 13,30

οὐ μὴ ἀλέκτωρ φωνήσῃ ἕως οὗ ἀρνήσῃ με τρίς (Joh 13,38) auf keinen Fall wird der Hahn krähen, bis du mich dreimal verleugnest

i) In manchen Relativsätzen steht ein Konjunktiv, eingeleitet mit ὅστις (ἄν/ἐάν) oder ὃς (δ') ἄν. Die Konstruktion entspricht in etwa der des prospektiven Konditional-satzes. Das Element der „Eventualität" ist in den Relativsätzen allerdings die Per-son.

ὃς δ᾽ ἂν βλασφημήσῃ εἰς τὸ πνεῦμα τὸ ἄγιον, οὐκ ἔχει ἄφεσιν (Mk 3,29) -wer auch immer den Heiligen Geist lästert, hat/findet keine Vergebung

Author

josef R.

Information

Last changed