Krisen im Kontext Sozialer Arbeit - Chatakteristika 1
Einschnitt/Wendepunkt im aktuellen Lebensverlauf mit Potential zur Verschlechterung oder Verbesserung des weiteren Lebens
Chinesisch „Krise“ bestehend aus zwei Silben mit den Bedeutungen Gefahr/Risiko und Chance/Gelegenheit
Extremes Ereignis/Erleben mit extremen Gefühlslagen und/oder Handlungen
Krisen im Kontext Sozialer Arbeit - Charakteristika 2
Verlust von Orientierung und (Lebens-)Sinn
Überforderung der aktuell verfügbaren Handlungsoptionen, zur konstruktiven Bewältigung der Anforderungen
Restabilisierung versus Neuorganisation
Zeitliche Begrenzung
Entwicklungsbedingte Krisen
Normative kritische Lebensereignisse wie Pubertät, Renteneintritt
Nicht-normative (passiert nicht jedem) Krisen wie plötzlicher Tod eines Angehörigen, Scheidung, Arbeitslosigkeit
Krisen innerhalb eines Hilfeprozesse
… wie Rückfall bei Suchterkrankung, suizidale Krise in einem Beratungsprozess, psychotische Phase während der Einzelbetreuung im Rahmen der Eingliederungshilfe
Unterscheidung Krisenintervention und psychologische/psychosoziale Notfallhilfe
Differenzierung Psychosoziale Krise
schwere subjektive und/ oder objektive Notlage
Zusammenbruch der Hilfepotenziale und Bewältigungsstrategien
schwere belastende (lebensverändernde) Ereignisse wie Unfall oder Verlust naher Angehöriger
psychischer Funktionsfähigkeit gegeben
-> zeitnaher Handlungsbedarf (ca. 24-48h),
Gefahrenvorbeugung, sozialarbeiterische
Abklärung/ ggf. multidisziplinäre Intervention
-> evtl. Suizidgedanken/ -pläne
Differenzierung Psychiatrischer/medizinischer Notfall
medizinische Notfallsituation
akute Verschlechterung des Krankheits-/ Gesundheitszustandes bzw. Gefährdung durch eine psychiatrische Krankheit/ psychische Störung
psychische Dekompensation (z. B. nach traumatischem Ereignis)
(direkt bevorstehende) suizidale Handlung
-> sofortiger Handlungsbedarf, Gefahrenabwehr, multidisziplinäre Intervention
-> Aktuelle Selbst- und Fremdgefährdung
Hilfe zur Selbshilfe (kooperativ)
(Aneignung neuer bzw. Reaktivierung bekannter Verhaltensweisen und Bewältigungsstrategien sowie deren Praktizieren)
-> zu aktiver - konstruktiver - innovativer Bewältigung
-> zu selbständiger - kompetenter Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit
Prinzipien der Kriseintervention
Rascher Beginn
Aktivität
Methodenflexibilität
Focus auf aktuelle Situation/ aktuelles Ereignis
Einbezug der Umwelt
(emotionale) Entlastung
Zusammenarbeit
Phasen der (psychiatrischen) Krisenintervention
Verbindung schaffen
Vorbereitung der Krisenintervention, Situationseinschätzung
Aufbau von Verständnis und Interventionsplanung
Veränderung der Situation, gemeinsame Handlungsstrategie
Abschlussmaßnahmen, Verabschiedung
Notfall
Aktuelle Gefährdung von Leib und Leben, Selbst-/Fremdgefährdung (z. B. konkrete Suizidankündigung)
Übernahme von Verantwortung, sofortiges Handeln (z.B. Klinikeinweisung)
Einbezug von Hilfsdiensten wie Notärztlicher Dienst, Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr
Nachsorge
Hauptziel bei Notfall
Abwendung akuter Gefahr für Leib und Leben (direktiv): (Einbezug aller relevanter und verfügbarer Hilfen)
—> zu Finden, bilden eines sicheren Ortes (sicherer Ort) bzw ,,stillen” gefährdender Handlungsimpulse Sicherheit
—> zu Hinführung zu Verantwortungsübernahme und Wiedergewinnung von Selbstregulation (Handlungs-) Kontrolle
Statistik Suizid / Suidialität
Anzahl der Suizide sinkt
Trotzdem noch die häufigste Todesursache im Deutschland
Suizidalität Grundannahmen/Definitionen
Suizidgefährdung ist sui generis keine Krankheit an sich, sondern eine Möglichkeit menschlichen Denkens, Fühlens und Handelns. Sie kann aber auch Symptom einer psychischen Störung sein. Es gibt nur wenig psychisch erkrankte Menschen, deren Leiden nicht irgendwann zu der Frage führt: Will ich weiterleben oder nicht?
Suizidalität - Grundsätzlich
Der Entschluss zum Suizid kommt dann zu Stande, wenn die Widersprüche zwischen dem, was man erreichen will bzw. dem was man erreichen soll und dem was man effektiv erreicht hat, zu groß und unüberbrückbar geworden sind (Bründel 2004)bzw. als solches aus Sicht der betroffenen Person erscheinen, was für die Person zunächst keinen Unterschied macht, aber ggf. aus Sicht des Umfeldes.
Über Suizidalität zu sprechen, ist Suizidprävention.
Stufen der Suizidalität und ihre Einschätzung
Passiv: Wunsch nach äußerem Einfluss zum Sterben
Äußerungen wie: „anderes Leben“, „holen kommen“
Wunsch nach Einschlafen ohne Aufwachen oder Herzinfarkt
Aktiv: Bereitschaft zum aktiven Handeln
Tot sein wollen, allgemeine Handlungsüberlegungen
Brücken, Wasser, Straßen-/Bahnverkehr, Mittel
Aktiv mit Handlungsplan: konkrete Planung
Konkrete Tötungsideen und Mittel besorgt
Abschiedsbrief, Testament, Patient:innen-Verfügung
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