Definition Hausbesuch
„Als Hausbesuch wird in der Sozialen Arbeit das Tätigwerden des Sozialarbeiters in der Wohnung des Klienten bezeichnet“ (Bauer 1996:898)
Der Hausbesuch gehört zur aufsuchenden/nachgehenden Sozialen Arbeit wie z. B. auch (digital) Streetwork
Hausbesuch Zweck Beispielhaft
Der Hausbesuch kann verschiedenen Zwecken dienen wie zum Beispiel:
SPFH – Hilfen zur Erziehung und zur Alltagsbewältigung für Familien
ASD – Soziale Anamnese zur Risikoeinschätzung von Fremd- und Selbstgefährdung sowie zur Hilfeplanung in der Kinder- und Jugendhilfe, Erziehungshilfen für Familien
SPDi – Sozialpsychiatrischer Dienst, psychosozialer Krisendienst, Abklärung von „auffälligen Situationen“ und sozialpsychiatrischen Hilfe-/ Behandlungsbedarfen, psychosoziale Betreuungen
PIA – sozialpsychiatrische Behandlung
Eingliederungshilfe – Betreuungsleistungen zur Tagesstrukturierung, Hilfe bei der konkreten alltäglichen Lebensbewältigung wie Haushaltsführung, Lebensmittelversorgung etc.
Hausbesuch Zweck allgemein
Aneignung von Feldkompetent und Erfahren der Lebenswelten von Adressat:innen/Klient:innen Sozialer Arbeit, um das Verständnis für die und Akzeptanz in der Zielgruppe zu erhöhen sowie Hilfeleistungen frühzeitig zu er- und vermitteln realer Austausch, in der Begegnung vor Ort, um zu erfahren, was die Themen, Herausforderungen und Ressourcen der Zielgruppen sind.
Hausbesuch Sinn und Notwendigkeit
Ist der Haubesuch seitens der Klient:innen erwünscht, fachlich geboten und angemessen durchgeführt, fördert er die Gestaltung der Hilfe, weil die/der Klient:in in seiner vertrauten Umgebung bleibt/ist.
Dies bietet ihr/ihm mehr Sicherheit und gleichzeitig benötigt es deren Offenheit, da vertiefte Einblicke in das persönliche Lebensumfeld gewährt werden.
Geschichte aufsuchender Sozialer Arbeit
Zum ersten Mal benannt von Mary Ellen Richmond (1899 in „Friendly Visiting among the Poor“) mit dem primären Ziel eines Diagnoseprozesses, in dessen Verlauf bei Hausbesuchen der tatsächliche Hilfebedarf erhoben werden sollte
1970er Jahre Verankerung von Konzepten aufsuchender Sozialer Arbeit wie Streetcornerwork, Streetwork und Gassenarbeit in den sozialstaatlichen Angeboten mit den Zielgruppen benachteiligter und/oder ausgegrenzter Personen bzw. Personengruppen, die nur aufsuchend erreichbar sind, sogenannte „Hard-to-reach“ („seldom heard“) Zielgruppen.
Hausbesuch und Beziehungsgestaltung
Ausgangsthese
Eintreten der Fachkräfte in die private Welt der Klient:innen als hilfreiche Möglichkeit der Beziehungsgestaltung
Voraussetzung:
Gründlich vorbereitet und sorgfältig inszeniert
Gelingen nur in Verbindung mit überlegten Respekterweisungen
Grundlegendes Verständnis
Intervention auf der Ebene der Mitmenschlichkeit
Der psychiatrische Hausbesuch
Konzept der ,,Familienpflege”
Betreuung von psychisch erkrankten Menschen in Pflegefamilie
Auswahl der Familie durch psychiatrische Anstaltsvertreter
gegen Entlohnung, um Ausnutzung vorzubeugen
vor dem 1.Weltkrieg 1,5 % der Anstaltspatient:innen darüber betreut
Hilfe und Kontrolle durch Anstaltspersonal
Aufgabe aus wirtschaftlichen und ideologischen Gründen in den 1920er Jahren
Konzept der offenen Irrenfürsorge/offenen Fürsorge nach dem 1. WK
Vorläufer ambulanter psychiatrischer Dienste
Verbunden mit Gustav Kolb (Psychiater, 1870-1939) als Begründer der psychiatrischen Außenfürsorge in Deutschland (Achtung: Er sprach sich 1933 für die rassenhygienischer Verwendung der Daten aus)
Nationalismus
Abkehr von Fürsorge zu expansiver, menschenverachtender Kontrolle
Psychiatrische Gutachter des Erbgesundheitsgerichts begründeten ihre diagnostisch orientierten Hausbesuche mit dem Argument, dass „…eine Prüfung an Ort und Stelle in der gewohnten häuslichen Umgebung oder an seinem Arbeitsplatz einen viel besseren Einblick in die wirkliche Geistesbeschaffenheit und Leistungsfähigkeit des Kranken gewähre, als die diagnostische Untersuchung in den Amtsstuben“
Sozialpsychiatrischer Routine - Hausbesuch
Zielgruppe psychisch (schwer) erkrankte Menschen mit Unterstützungsbedarf, die
sonst vom Sozial- und Gesundheitssystem nicht erreicht werden,
in ambulanten Betreuungsverhältnissen sind,
bei denen ein Klinikaufenthalt verhindert werden soll,
die sich in einer Rehabilitationsphase nach stationärem Aufenthalt befinden
Notwendigkeit und Angemessenheit einer nachgehenden/aufsuchenden Sozialen Arbeit
Nothausbesuch - Eigenschaften
i. d. R. nicht angekündigt und z.T. gegen den Wunsch der Besuchten
In Not- und Krisensituation häufig durch ASD
Schnelles Handeln erforderlich, keine oder kaum angemessene Alternativen
-> Prüfen: Anlass, Zielsetzung, Vorerfahrungen, beteiligte Fachpersonen und ggf. private Personen (Familienangehörige), benötigte Mittel
Netzwerk- und Sozialraumarbeit
Arbeitsfeldübergreifend relevant
Wesentliches Ziel
Lebensbedingungen in Sozialräumen und von Menschen in schwierigen Lebenslagen
zu erfassen und sie da zu verändern,
wo es als erforderlich erkannt wurde,
damit ein gelingendes Leben nachhaltig möglich wird.
Sozialraum - Sozialer Raum
Stadtteil
geografisch-territorialer Raum
Planungsraum (der Sozialverwaltung)
Sozialraum als „ständig reproduziertes Gewebe sozialer Praktiken“
Subjektiv erlebte, gestaltende und gestaltete Lebenswelt
Bezugsrahmen für Kooperation und Vernetzung
Sozialraum - Handlungskonzepte Sozialer Arbeit
„stadtteilbezogenen oder quartierfokussierten Ansätzen, die sich auf Traditionen der Gemeinwesenarbeit oder der Soziokulturellen Animation beziehen“
Einflussnahme auf soziale, ökologische, räumliche/örtliche und strukturelle Lebensbedingungen/-welten
Sozialraumorientierung 1
unter Beachtung und Nutzung der lebensweltlichen Bedingungen
Fokussierung der Interessen des Klientels und deren selbstwirksamer Zielerreichung
auf das Schaffen von zielführenden Arrangements sowie
dem Gestalten von ermöglichenden Verhältnissen
Sozialraumorientierung 2
Methodischen Prinzipien nach Hinte:
Ausgangspunkt jeglicher Arbeit sind der Wille beziehungsweise die Interessen der Menschen.
Selbsthilfekräfte und Eigeninitiative haben Vorrang vor betreuender Tätigkeit.
Bei der Gestaltung der Aktivitäten und Hilfen spielen personale und sozialräumliche Ressourcen eine wesentliche Rolle.
Aktivitäten sind überwiegend zielgruppen- und bereichsübergreifend angelegt.
Vernetzung und Integration der verschiedenen sozialen Dienste sind Grundlage für funktionierende Einzelhilfen.“
Soziale Netzwerke - Funktionen in der sozialen Arbeit
praktische, emotionale und kognitive Unterstützung in Belastungsund Krisensituationen
Förderung von Teilhabe auf unterschiedlichen Ebenen durch Beeinflussung von Netzwerken, im Hinblick auf die Zugänglichkeit für Menschen, die dies aus eigener Kraft nicht oder noch nicht schaffen
Erhöhung von Angeboten und Effizienz im Zugang zu sozialen und gesundheitsbezogenen Diensten durch Verknüpfung privater Netzwerke, Selbsthilfegruppen, Verbänden und unterschiedlichen Fachleuten auf regionaler und überregionaler Ebene
Soziale Netzwerkarbeit - Anliegen kompakt
Erhalt, Nutzung, Gestaltung, Ausweitung von unterstützenden (sozialen) Beziehungsgeflechten von Personen, Gruppen, Organisationen/ Institutionen
Erweiterung fachlicher Analyse- und Handlungsmöglichkeiten
Erfüllung gesetzlicher Verpflichtungen z. B. Präventionsgesetz (PrävG) sowie Gesetzt zur Kooperation Information im Kinderschutz (KKG) und SGB V §39 Krankenhausbehandlung (u.a. Entlassmanagement)
Soziale Netzwerkarbeit - Historie kompakt
Ursprung in 1950er Jahren aus ethnologischen und soziologischen Forschungen zu Sozialstrukturen
seit 1970er Jahren als Methode der Sozialen Netzwerkarbeit etabliert
Eigenständig und Bestandteil anderer Hilfeformen, zwingender Bestandteil z. B. des CM
Netzwerk - Qualitäten
Verbindlichkeit: situations- und personenbezogen versus strukturelle und organisationsbezogen
Grand der Standardisierung: mündliche, schriftlich, vertraglich
Anzahl der Netzwerkpartner:innen: bilateral bis multilateral
Instrumente: beidseitig oder einseitig, spontan oder vereinbart
Gemeinsame Zielsetzung/Leitmotiv
Netzwerkförderung
Gesamtheit aller Aktivitäten zur:
Erhaltung, Befähigung und Weiterentwicklung vorhandener und Anregung neuer aufgabenbezogener, gesundheitsrelevanter Netzwerke in Arbeits- und Lebenswelt
Entlastung und „Pflege“, Erweiterung, Aktivierung, Stärkung und Qualifizierung persönlicher Netzwerke (Familie, Nachbarschaft, Freunde etc.)
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