Warum eignet sich Holz besonders für den mehrgeschossigen Bau?
Holz besitzt ein sehr gutes Verhältnis von Tragfähigkeit zu Eigengewicht
ist vorfertigbar
ermöglicht kurze Bauzeiten
Gleichzeitig speichert es CO₂ und verursacht im Vergleich zu mineralischen Baustoffen deutlich geringere Emissionen
Welche konstruktiven Vorteile hat das geringe Eigengewicht von Holz?
Geringere Lasten auf Fundament und Bestand
bessere Eignung für Aufstockungen,
reduzierte Erdbebenlasten
effizientere Tragwerksdimensionierung
Welche Bedeutung haben die Gebäudeklassen für den Holzbau?
Gebäudeklasse bestimmt die brandschutztechnischen Anforderungen
Durch GK 4 und GK 5 und die Holzbaurichtlinie ist mehrgeschossiger Holzbau rechtlich möglich
Wo liegt der Hauptunterschied zwischen GK 4 und GK 5 im Holzbau?
GK 5 deutlich höhere Brandschutzanforderungen, längere Rettungswege und strengere Anforderungen an Kapselung und Feuerwiderstand der tragenden Bauteile.
Kapselung = Schutzschicht für Holz gegen Feuer
Gipskartonplatten (GK)
Gipsfaserplatten (GKF)
zementgebundene Platten
Warum ist Holz trotz Brennbarkeit im Brandfall berechenbar?
Holz verkohlt an der Oberfläche, wodurch die Tragfähigkeit im Inneren für eine definierte Zeit erhalten bleibt
Das Brandverhalten ist rechnerisch gut prognostizierbar.
Was versteht man unter Kapselung im Holzbau?
Die brandschutztechnische Bekleidung von Holzbauteilen, meist mit Gips- oder Gipsfaserplatten, um die Entzündung des Holzes zu verzögern
Warum sind Decken im mehrgeschossigen Holzbau besonders teuer?
müssen gleichzeitig Tragwerk, Brand-, Schall- und Schwingungsschutz erfüllen
Oft sind komplexe, mehrschichtige oder hybride Aufbauten erforderlich
Warum ist Schallschutz im Holzbau anspruchsvoll?
Aufgrund des geringen Eigengewichts fehlen Masse und Dämpfung
Schallschutz muss daher konstruktiv durch Schichten, Entkopplung und Zusatzmassen erzeugt werden
Welche Wandkonstruktion eignet sich besonders für hohe Gebäude?
Brettsperrholz
hohe Tragfähigkeit und Aussteifung bietet, kann Lasten gut in mehrere Geschosse abtragen
Warum ist Holzrahmenbau im mehrgeschossigen Bau begrenzt einsetzbar?
Aufgrund geringerer Steifigkeit, höherem Schallschutzaufwand und begrenzter zulässiger Gebäudehöhe
Warum werden im Holzbau oft Hybridkonstruktionen eingesetzt?
Um Vorteile verschiedener Materialien zu kombinieren, etwa Holz für Tragwerk und Beton für Schall- oder Brandschutz.
Was bedeutet Nachhaltigkeit im Bauwesen konkret?
Ressourcenschonender Materialeinsatz
lange Lebensdauer
geringe Emissionen über den Lebenszyklus
soziale sowie wirtschaftliche Tragfähigkeit
Welche Rolle spielt Holz in der Kreislaufwirtschaft?
Holz ist erneuerbar, speichert CO₂, kann wiederverwendet, recycelt oder energetisch verwertet werden – vorausgesetzt, es ist sortenrein verbaut.
Warum kann ein hoher Glasanteil im Holzbau problematisch sein?
schlechterer Ökobilanz
höherem Energiebedarf
Widerspruch zur materiallogischen Idee des Holzbaus
Ab wann gilt ein Gebäude als Hochhaus und warum ist das relevant?
Ab 22 m Gebäudehöhe
Hochhäuser gelten als Sonderbauten mit eigenen Brandschutzanforderungen – besonders kritisch für Holzbau.
Können biogene Dämmstoffe im Holzbau brandsicher eingesetzt werden?
Ja, wenn sie gekapselt, geprüft und in brandschutzkonforme Systeme integriert sind.
Was zeigt ein gutes Referenzprojekt im Holzbau?
Nicht nur technische Machbarkeit, sondern auch den Umgang mit Zielkonflikten zwischen Nachhaltigkeit, Kosten, Nutzung und Gestaltung.
Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung im mehrgeschossigen Holzbau?
Die Integration von Brand-, Schall- und Kostenanforderungen, ohne die ökologischen Vorteile des Holzbaus zu verlieren.
Was regelt die Muster Holzbaurichlinie?
Die Muster-Holzbaurichtlinie regelt, unter welchen brandschutztechnischen Bedingungen mehrgeschossige Gebäude mit tragenden oder aussteifenden Holzbauteilen errichtet werden dürfen. Sie definiert u. a.:
zulässige Gebäudeklassen (GK 4 und 5)
Anforderungen an Feuerwiderstand,
Bekleidungen, Kapselung und
Detailausbildungen (Anschlüsse, Durchdringungen).
Ziel: Holzbau brandsicher und genehmigungsfähig machen.
Welches Bauteil im mehrgeschossigen Holzbau ist besonders kostenintensiv?
Decken, insbesondere:
Holz-Beton-Verbunddecken oder
hoch schallschutzoptimierte Brettsperrholzdecken.
Warum?
hohe Anforderungen an Schallschutz,
Brandschutz,
Schwingungsverhalten
oft mehrschichtige Aufbauten oder Verbundsysteme
Wie viel schwerer ist Beton als Holz?
Beton: ca. 2.400 kg/m³
Holz (Fichte): ca. 450–500 kg/m³
Beton ist etwa 5-mal so schwer wie Holz.
Bedeutung:
- geringere Fundamentlasten
- Aufstockungen leichter möglich
- Vorteile im Bestand
Welchen Wandkonstruktionen im modernen Holzbau kennen Sie? Was sind deren Vor- und Nachteile?
a) Holzrahmenbau
Prinzip: Ständer + Beplankung
Vorteile: leicht, günstig, gut vorfertigbar
Nachteile: Schallschutz & Gebäudehöhe begrenzt
b) Brettsperrholz (CLT)
Prinzip: massive, kreuzweise verleimte Platten
Vorteile: hohe Tragfähigkeit, gute Aussteifung
Nachteile: hoher Materialeinsatz, Kosten
c) Hybridkonstruktionen
Prinzip: Holz + Beton / Stahl
Vorteile: bessere Bauphysik
Nachteile: geringere Kreislauffähigkeit
Welche Vorteile bietet Holz
Ökologisch:
Nachwachsend, CO₂-Speicher, geringe graue Energie
Konstruktiv:
Leicht, hohe Tragfähigkeit bezogen auf Gewicht, Vorfertigung
Nutzungsbezogen:
gutes Raumklima, warme Oberflächen, kurze Bauzeit
Woher kommt der Begriff „Nachhaltigkeit“
Aus der Forstwirtschaft (18. Jh., Hans Carl von Carlowitz):
Es darf nur so viel Holz entnommen werden, wie nachwachsen kann.
Heute: ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit.
Was sind GK 4 und 5 und was bedeuten sie?
Gebäudeklassen nach Bauordnung:
GK 4
Höhe: > 7 m bis 13 m
Holzbau mit erhöhten Brandschutzanforderungen erlaubt
GK 5
Höhe: > 13 m bis 22 m
mehrgeschossiger Holzbau mit strengen Auflagen
- Grundlage für die Anwendung der Holzbaurichtlinie.
Vorteile von Holz im Kreislauf
nachwachsender Rohstoff
speichert CO₂ über Lebensdauer
rückbaubar
wiederverwendbar
energetisch verwertbar
Vorausgesetzt: sortenreine Konstruktion.
Wann ist ein Gebäude ein Hochhaus?
Ab einer Höhe von 22 m (Oberkante Fußboden des obersten Aufenthaltsraums).
➡ Sonderbau mit eigenen Brandschutzkonzepte
➡ Holzhochhäuser nur mit Sondergenehmigung
Was ist mit biogenen Dämmstoffen und Brandschutz?
Biogene Dämmstoffe (z. B. Holzfaser, Zellulose):
sind brennbar, gute Wärmespeicherung, ökologische Vorteile
können aber brandschutztechnisch sicher eingesetzt werden, wenn:
sie gekapselt sind (z. B. Gipsfaserplatten),
keine offenen Hohlräume bestehen,
geprüfte Systeme verwendet werden.
- können brandschutztechnisch sicher eingesetzt werden
Wie hat einem das eigene Projekt gefallen & wieso?
Warum ist das Projekt für den Holzbau relevant?
zeigt Holzbau in GK 4 / GK 5
Kombination aus Brettsperrholz und Hybridbauteilen
Beispiel für Nutzungsflexibilität (Büro / Innovation / Start-ups)
Welche Bauteile waren konstruktiv besonders anspruchsvoll?
Besonders anspruchsvoll waren die Decken, da sie sowohl hohe Schallschutzanforderungen als auch den Brandschutz erfüllen mussten. Hier zeigt sich, dass Decken im mehrgeschossigen Holzbau oft die kosten- und planungsintensivsten Bauteile sind.
Was hat Ihnen am Projekt gefallen?
Mir hat besonders gefallen, dass die Konstruktion sehr klar ablesbar ist und Holz nicht verkleidet, sondern bewusst gezeigt wird. Gleichzeitig erlaubt das Tragwerk flexible Grundrisse, was für Innovations- und Arbeitswelten sehr wichtig ist.
Gab es Punkte, die Sie kritisch sehen?
Kritisch sehe ich, dass der hohe technische Aufwand für Schall- und Brandschutz den konstruktiven Vorteil des Holzbaus teilweise relativiert. Gleichzeitig zeigt das Projekt aber, wie diese Anforderungen lösbar sind.
Verbindung zu Theorie
Obwohl das Gebäude konsequent als Holzbau gedacht ist, steht der sehr hohe Glasanteil – vor allem die nahezu vollständige Verglasung auf mehreren Seiten – in einem gewissen Widerspruch zu den Nachhaltigkeitszielen. Glas ist energetisch aufwendig in Herstellung und Betrieb und relativiert hier die Vorteile des Holzbaus.
Energie & Klima → hoher Kühlbedarf im Sommer → Verschattung technisch aufwendig
Ökobilanz → Glas hat deutlich schlechtere CO₂-Bilanz als Holz → hoher Anteil nicht biogener Baustoffe
Konstruktive Logik → Tragstruktur Holz, aber Hülle stark davon entkoppelt → Holzbau wird eher „innen gezeigt“ als ganzheitlich gedacht
Kosten & Technik → teure Fassaden → hoher Wartungs- und Regelungsaufwand
-Aus architektonischer Sicht ist die Verglasung ein starkes gestalterisches Mittel, sie steht jedoch in einem Spannungsfeld zur konstruktiven und ökologischen Logik des Holzbaus.
Vorteile Holz im Materialkreislauf und wie man diese noch optimieren kann
erneuerbar
Speicherfähig CO2
Mehrfach nutzbar
Herstellung mit geringer grauer Energie
Weiter optimiert durch:
sortenreine Konstruktion
Konstruktiven Holzschutz
Rückbaubare Verbindungen
Langlebige, anpassungsfähige Gebäude
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