Leib-Seele-Problem
Dualismus vs. Monismus: Lässt sich das Ich vollständig anhand des Gehirns definieren?
Monismus
Geist und Körper sind nicht voneinander getrennt
Mentale Prozesse unterliegen einer einheitlichen physikalischen Basis, d.h. jeder mentale Zustand hat ein physikalisches Equivalent
Standard in der experimentellen Forschung, da Läsionen, Stimulation, Pharmaka etc. mentale Zustände verändern und Monismus das Interaktionsproblem auflöst
Dualismus
Leib und Seele als getrennte Entitäten
Interaktionsproblem: wie kann etwas Materielles etwas Immaterielles beeinflussen?
Determinismus vs. Freier Wille: Inwiefern beschränkt die Einsicht, dass Emotion, Kognition und Handeln von Gehirn gesteuert wird, die Vorstellung, dass wir einen freien Willen haben?
Die Einsicht, dass Emotion, Kognition und Handeln von Gehirn gesteuert wird schränkt die Idee des freien Willen insofern ein, dass das Gehirn der Motor eines Automaten, des Menschen, zu sein scheint.
Dualismus nach Descartes
Nach Descartes existieren zwei menschliche Fähigkeiten, die sich nicht auf physikalischer/ mechanischer Ebene erklären lassen: Lesen und Sprechen
Anhand dieser Fähigkeiten unterscheidet sich der vernunftbegabte Mensch von Automaten
Grundannahme der kognitiven Neurowissenschaft
Worauf beruhen mentale (kognitive, affektive, motivationale) Zustände und Prozesse (Wahrnehmung, Planen, Entscheiden, Absichten, Emotionen)?
Auf neuronalen Mechanismen im Gehirn.
Diese Mechanismen lassen sich als Prozesse der Informationsverarbeitung interpretieren und anhand komputationaler Modelle beschreiben und erklären.
Was sind die grundlegenden Meilensteine in der Geschichte der kognitiven Neurowissenschaft?
Phrenologie
Psdeudowissenschaft mit Annahme, dass sich kognitve Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale lokalisieren lassen und in Größe entsprechender kortikaler Regionen manifestieren
Frage zur Lokalisation nach wie vor aktuell, aber:
Die meisten Hirnregionen sind nicht nur an einer Funktion beteiligt
Komplexe Funktionen (wie Objekteahrnehmung, Entscheiden, Planen, Sprechen, etc.) beruhen auf ganzen Netzwerken von Hirnsystemen
Innerhalb dieser Netzwerke können Teilsysteme eine funktionale Spezialisierung für eine Teilfunktion aufweisen
Behaviorismus
Kognition und Gehirn als Black Box
Stimulus -> Black Box -> Behavior
Computer Metaphor
Black Box funktioniert wie Computer (Geist als Infirmagtionsverarbeitung)
Beschreibt aber noch keine konkrete Rechenregel wie komputationale Modelle
Broadbents Filter Model
Von der Kognition zur Neurokognition
technischer Fortschritt in neuronaler Bildgebung
Neuroplausible Modelle von kognitiven Prozessen
Was sind die zentralen Kritikpunkte an der kognitiven Neurowissenschaft?
1) Der Geist lässt ich studieren ohne das Hirn zu untersuchen (Infragestellen der Notwendigkeit einer kognitiven Neurowissenschaft)
Gegenargument:
Ja, es gibt nunmal mehrere Anlyseebenen derselben Sache, die sich in unterschiedlichen Ebenen manifestiert
Betrachtung von Verhalten und kognitiven Prozessen, von Neuronalen Systemen (durch funktionelle Bildgebung beispielsweise) oder auf molekularer Ebene (z.B. Einzelzellableitungen)
2) Funktionelle Bildgebungsmethoden sagen uns WO, aber nicht WIE (Funktionsweise) kognitive Prozesse stattfinden
Gegenargument 1:
Auch andere abhängige Maße wie RT oder Fehlerquote sagen uns nicht direkt wie kognitive Prozesse funktionieren
Nicht die Daten in denen sich ein Phänomen erklären das wie, sondern unsere Theorien
Funktionelle bildgebung ist somit eine weitere Möglichkeit unsere Theorien zu überprüfen
Gegenargument 2:
Ziel der funktionellen Bildgebung ist nicht primär Lokalisation, sondern dynamische Interaktion von Hirnnetzwerken
Außerdem muss funktionelle Bildgebung in Theorie/ Paradigmen eingebettet sein
Gegenargument 3:
Experiment konnte zeigen, dass die Geschwindigkeit der semantische Verarbeitung von Worten von ihrer physischen Erscheinung unabhängig ist und es dazu ein neuronales Korrelat gibt (gleiches zeigt sich bei Hirnaktivität, erhoben anhand funktioneller Bildgebungsmethoden)
Neurowissenschaftliche Daten geben also sehr wohl Aufschluss über kognitive Verarbeitungsprozesse
3) Kognitive Neurowissenschaft als moderne Form der Phrenologie
Empirie zeigt, dass Menschen Scheinerklärungen für psychische Prozesse eher glauben, wenn diese gemeinsam mit Hirnscan präsentiert werden
Kognitive Neurowissenschaft zeigt methodische Probleme in der Replizierbarkeit
Es werden unzulässige Schlüsse getroffen wie Reverse Inference (Fehlerhafter Schluss von Aktivierung einer Hirnregion auf einen spezifischen mentalen Zustand)
4) Kognitive Neurowissenschaft entwertet Psychotherapie und fördert eine biologistische Sicht auf menschliches Verhalten und psychische Störungen
nur weil Phänomene neuronal Korrelate haben, heißt das nicht, dass
Verhalten angeboren ist
Verhalten nicht veränderbar ist
Verhalten nur pharmakologisch verändert werden kann
Die kognitive neurowissenschaftliche Forschung zeigt vielmehr Plastizität des Gehirns, welches sich durch Lernen verändert
Somit ist Psychotherapie ein Weg das Gehirn zu verändern und nutzt in diesem Sinn biologische Mechanismen
Inwiefern sind sich die Psychologie und die kognitive Neurowissenschaft gegenseitig nützlich?
Beispiel:
Die Aktivierung präfontaler Hirnregionen die an der Überwachung von Fehlern und der Reaktionsinhibition beteiligt sind, korrelieren mit individuellen Unterschieden in der Selbstkontrolle im Alltagshandeln
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