Gedächtnissysteme
Struktur des Gedächtnis
Gedächtnis = Enkodierung, Speicherung, Abruf
Ermöglicht Lernen, Planung und Identität
Nicht direkt beobachtbar -> Experimentelle Erschließung
Alltag: Gedächtnis als Speicher vs. Psychologie: Gedächtnis als Prozess
Vergessen nicht gleich Versagen, sondern funktional
Struktur des Gedächtnisses - Mehrspeichermodell
Sensorischer Speicher
Sehr kurze Speicherung sensorischer Informationen
Große Kapazität
In verschiedenen Modalitäten (visuell, auditiv, uw.)
Meist nicht bewusst zugänglich
Oft topographisch (e.g. visuell: retinotop = räumlich wie die Retina)
Sensorischer Speicher - Ikonischer Speicher
Sperling, 1960 - Whole Reprot vs. Partial Report
Kurze Darbietung eines Buchstabenrasters
Whole Report: Versuchspersonen können nur ca. 4 Buchstaben berichten
Visuelles Arbeitsgedächtnis (VWM- Visual Working Memory, VSTM - Visual Short-Term Memory) fasst nur ca. 4 Elemente
Partial Report: Cue sagt nach der Darbietung, welche Zeile berichtet werden soll, VPs können diese Zeilen Berichten
Die Informationen müssen noch nach der Darstelung im ikonischen Speicher verfügbar sein und können dort selektiert werden
Kurzeit Gedächtnis
Begrenzte Kapazität
Begrenzte Dauer (Sekunden)
Anfällig für Interferenz
Kurzeit Gedächtnis - Kapazität des KZG
Miller, 1956
Leistungsdaten aus Kurzzeitgedächtnisaufgaben (z.B. Erinnern von Ziffern., Buchstaben- oder Wortfolgen)
Daten aus absoluten Urteilsaufgaben (Unterscheidung von Reizen entlang einer Dimension, z.B. Tonhöhen oder Lautstärken)
Befund: 7+- 2 Informationseinheiten
Einheit = Chunk -> Chunking erhöht effektive Kapazität
Beispiel für Chunking: 32433331 -> 32, 43, 33, 31 -> 32, 4*3, 1
Arbeitsgedächtnis
Arbeitsgedächtnis = Kurzeitgedächtnis + aktive Manipulation/Verarbeitung
Arbeitsgedächtnis Modell (Baddeley & Hitch, 1994)
Zentrale Exekutive
Kontrolliert Informationsfluß, steuert Aufmerksamkeit, koordiniert Verarbeitung durch die Subsysteme um Handlungen zu planen
Phonologische Schleife
kurzzeitiges Speichern und Einstudieren von verbalen Inhalt
Phonologische Speicher -> Kurzzeitiges Speichern auditiver Informationen
Artikulatorischer Kontrollprozess -> Wiederholt Geräusche im inneren um Verblassen zu verhindern
Visuell-räumliches Notizbuch
Vorübergehendes Speichern von räumlichen und visuellen Informationen, ähnlich einer mentalen Leinwand
Episodischer Puffer
Dient als temporärer Speicher, der Informationen aus der phonologischen Schleife, dem visuell-räumlichen Notizblock und dem Langzeitgedächtnis integriert, um ein vollständiges, zusammenhängendes Bild von Ereignissen zu schaffen und ein zeitgefühl zu vermitteln
Langzeitgedächtnis
Sehr große (theoretisch unbegrenzt) Kapazität
Langfristige Speicherung
Vergessen oft Abrufprobleme
Langzeitgedächtnis - Ebbinghaus und das Vergessen
Ebbinghaus, 1885
Verwendung von sinnlosen Silben -> keine Vorerfahrungen / Assoziationen
Lernvorgang: Wiederholtes Einprägen von Silbenlisten
Abruftest: Rekapitulieren der Silben in richtiger Reihenfolge
Zeitpunkte der Messungen: wenige Minuten bis mehrere Tage nach dem Lernen
Ergebnisse: Vergessenskurve - schnelles Vergessen am Anfang, dann Abflachen
Langezeitgedächtnis - Primacy / Recency Effekte
Bezogen auf Ebbinghaus, 1885
Bessere Erinnerung an erste Items (Primacy Effekt)
Bessere Erringerung an letzte Items (Recency Effekt)
Mittlere Items werden schlechter Erinnert
-> Deutet auf Unterschiedliche Gedächtnissysteme (KZG/LZG) hin
Konsolidierung und Schlaf
Neu gelernte Inhalte zunächst labil
Konsolidierung stabilisiert Gedächtnisspuren über Zeit
Schlaf verbessert Behalten gegenüber Wachphasen
Tiefschlaf -> deklarative Inhalte
REM-Schlaf -> deklarative Inhalte
Organisation und Abruf
Nicht als lineare Liste, sondern als verneztes System
Inhalte werden nach Bedeutung, Kategorie und Erfahrung organisiert
Struktur beeinflusst Abruf und Erinnerung
Explizities und Implizites Gedächtnis
Explizites (deklaratives) Gedächtnis: Bewusst zugänglich
Episodisch: persönliches Erlebnisse
Semantisch: Fakten und Wissen
Implizites (prozedurales) Gedächtnis: unbewusst
Konditionierung
Priming
Skills
Erwartungen
Schemata & Kategorien
Wissen wird in unterschiedlichen Kategorien organisiert:
Kategorien: Gruppen von Objekten oder Konzepten mit gemeinsamen Merkmalen
Bsp: Obst -> Äpfel, Birnen, Bananen
Fokus: Klassifikationen, statisch
Schemata: Strukturierte Wissenseinheiten für ganze Situationen, Ereignisse oder Abläufe (“Skript” wenn es zeitliche Abläufe sind)
Bsp: Restaurant-Schema -> Kunde wird begrüßt, besttelt, isst, zahlt
Fokus: dynamische, kontextbezogen, unterstützt Interpretation & Abruf
Beziehung: Kategorien können Teil von Schemata sein -> Schemata = erweiterte, kontextuelle Strukturen
Assoziative Netzwerke
Wissen als Netzt aus Knoten (Begriffe) und Kanten (Beziehungen)
Hierarchisch oder semantisch organisiert
Aktivierung breitet sich über Knoten aus -> Spreading Activation
Erklärt Abrufzeit, Assoziationen, Priming, usw.
Unter Priming versteht man eine schnellere und/oder genauere Verarbeitung als Konsequenz einer vorangegangenen Verarbeitung der Reize, Objektwahrnehmung bzw. Ereignisse. Man kann Priming auch als "Prozess des Wiedererlernens" von etwas, was bereits zuvor einmal erlernt wurde, bezeichnen.
Priming erlaubt beispielsweise die Vervollständigung von Wörtern oder Bildern.
Konstruktives Gedächtnis - Loftus & Palmer
Loftus & Palmer, 1994
Beobachtung eines Autounfalls, dann suggestive Frage Stellung
Verb in Frage, gibt “Hinweis”, der Geschwindigkeitseinschätzung beeinflussen kann
Konstruktives Gedächtnis
Beschreibt die Eigenschaft unseres Gehirns, Erinnerungen nicht wie exakte Videoaufzeichnung abzurufen, sonder sie bei jedem Abruf neu zusammenzusetzen
Wobei Informationen aus dem Gedächtnis, Vorwissen, Emotionen und Kontext verschmelzen -> Führt zu Vereinfachung, Verzerrung oder falschen Erinnerungen führen kann
Erinnerung sind also temporäre Konstruktionen und keine unveränderlichen Kopien der Vergangenheit
Konstrukives Gedächtnis - Inferenzen
Ergänzung durch plausible Informationen
Ergänzungen werden uns nicht bewusst
Weitere konstruktive Prozesse durch Stereotypen, Schemata & Skripte
Echte Erinnerungen sind von falschen nicht unterscheidbar
Gedächtnis als Assoziatives Netzt
Vor Experiment: Assoziatives Netzwerk um Kozept Autounfall
Nach dem Video: Es besteh noch keine starke Assoziation zu “zerbrochenen Glas”
Nach der Frage: starke Verbindung zu “zerbrochenen Glas" über den Kontext der Frage
Implikationen für Diagnostik und Therapie
False Memory Syndrom
Rich Flase Memory im Labor
Erinnerungensverzerrungen beeinflussen Verhalten
Kein besonderer Umstand, Gedächtnis ist immer Konstruktiv
Social Media & Fake News
Gefakte Bilder, Audio, etc. erzeugen falsche Erinnerungen (Liv & Greenbaum, 2020)
Ständige Wiederholung verstärken sie
Push Polls (Murphy et al. 2021)
Would you be more or less likely to vote for John McCain if you knew he had fathered an illegitimate black child?
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