Dynamisch-interaktionistisches Modell
Zusammenspiel Anlage (Genetik) und Umwelt.
Das Individuum ist Produkt seiner Umwelt und handelndes Subjekt, das aktiv Umwelten auswählt, die zu seinen Anlagen passen.
Anlage-Umwelt-Interaktionen
• Passiv: Umwelt beeinflusst Entwicklung unabhängig vom Verhalten des Individuums.
• Evokativ: Individuelles Verhalten ruft Reaktionen aus der Umwelt hervor.
• Aktiv (Nischenwahl): Individuum sucht gezielt Umwelten aus, die zu seinen Anlagen passen.
• Postulat von Lerner (2006): Mensch ist Produkt und Produzent seiner Entwicklung.
Konzept der Entwicklungsaufgaben
Definition
Havighurst
-Altersspezifische Herausforderungen
-bewältigt werden müssen
=um Kompetenzen, Autonomie und soziale Integration zu entwickeln.
-Jeder Mensch durchläuft seine Entwicklungsaufgabe/ fortlaufender Prozess
-Bewältigung führt zu Zufriedenheit / gesellschaftlicher Anerkennung
-Scheitern zu Problemen in späteren Lebensphasen
Normativ
Nicht-normativ
Vulnerabilität
Wechselwirkung
Normativ: Alters- und kulturtypisch
(z. B. Schuleintritt, Pubertät, Berufseintritt).
Nicht-normativ: Unvorhersehbar oder selten
(z. B. Unfall, Scheidung).
Vulnerabilität: Erhöhte Anfälligkeit für Belastungen, genetisch, angeboren, Umwelt erworben.
Wechselwirkung: Normative + nicht-normative = Überforderung erzeugen,
Bewältigungsstrategien / Umweltunterstützung sind entscheidend.
Frühe Kindheit (0–6 )
Mittlere Kindheit ( 6-12 )
Adoleszenz (12–18 )
Frühes Erwachsenenalter (18–35 )
Mittleres Erwachsenenalter (35–65 )
Späteres Erwachsenenalter (ab 60 )
Frühe Kindheit (0–6 Jahre): Laufen, sprechen, Ausscheidung kontrollieren, Lesen lernen, Geschlechtsidentität entwickeln, Gewissen.
Mittlere Kindheit (6–12 Jahre): Spielen, soziale Fähigkeiten, Schulwissen, moralische Entwicklung, persönliche Unabhängigkeit.
Adoleszenz (12–18 Jahre): Freundschaften & intime Beziehungen, Geschlechtsrollenklärung, Pubertätsakzeptanz, Autonomie, Lebensplanung.
Frühes Erwachsenenalter (18–35 Jahre): Partnersuche, Liebesbeziehung, Familie gründen, Berufseinstieg, Bürgerrolle.
Mittleres Erwachsenenalter (35–65 Jahre): Kindererziehung, beruflicher Erfolg, Freizeitgestaltung, Partnerschaft pflegen, Anpassung an körperliche Veränderungen.
Späteres Erwachsenenalter (ab 60 Jahre): Anpassung an Alter, Ruhestand, Verlust von Partnern, Altersgruppenintegration, Lebenszufriedenheit.
Eriksons Acht-Stufen-Modell
Zentrale Idee: Entwicklung erfolgt durch die Bewältigung von Konflikten, die Identität prägen.
• definierte Stufen
• Krisen
• Aufbau stabiler Identität und Ich-Stärke
—> Erfolgreiche Bewältigung jeder Phase führt zu stabiler Identität / psychischer Gesundheit;
-Misserfolg Unsicherheiten / psychische Belastungen erzeugen.
Maslow Büdedniss Pyramide
- Maslow ordnet Bedürfnisse hierarchisch, höhere Bedürfnisse erst relevant, wenn die unteren erfüllt sind.
• Physiologische Bedürfnisse: Essen, Trinken, Schlaf.
• Sicherheit: Schutz vor Gefahren, Stabilität, Gesundheit.
• Soziale Beziehungen: Freundschaft, Liebe, Zugehörigkeit.
• Wertschätzung: Anerkennung, Selbstwert, Status.
• Selbstverwirklichung: Entfaltung der eigenen Potenziale, Kreativität, Sinnsuche.
Grawes psychische Geundbedürfnisse
Grawe sieht Bedürfnisse als gleichwertig und parallel wirksam, die Motivation ist dynamisch und situationsabhängig.
1. Orientierung und Kontrolle
• Bedürfnis, die eigene Umgebung zu verstehen, vorhersehen und beeinflussen zu können.
• Kontrolle und Vorhersagbarkeit fördern Lebenszufriedenheit, Stressresistenz und Bewältigungsressourcen.
• Verletzung: Misshandlung oder traumatische Ereignisse führen zu Kontrollverlust und langfristigen psychischen Problemen.
2. Lustgewinn und Unlustvermeidung
• Menschen streben nach angenehmen Zuständen und vermeiden Unangenehmes.
• Bewertung von Ereignissen ist subjektiv; z. B. schmecken Kinder bitteres Essen oft als unangenehm, Erwachsene akzeptieren es.
• Grundlage vieler Lern- und Verstärkungsprozesse (z. B. funktionale Verhaltensanalyse).
3. Selbstwerterhöhung/Selbstwertschutz
• Menschen wollen sich selbst als wertvoll empfinden.
• Positive Selbsteinschätzungen sind Schutzfaktor, negative können zu Depressionen oder sozialer Phobie führen.
• Kinder brauchen Ermutigung und Wertschätzung durch Bezugspersonen.
• Verletzung: Misshandlung oder Missbrauch führen häufig zu Selbstabwertung.
4. Bindung
• Lang anhaltendes emotionales Band zu wichtigen Bezugspersonen.
Bindungs Typen
• Sicher gebunden: explorativ, tröstbar, positive Beziehungserfahrungen.
• Unsicher-vermeidend: wenig Bindungsverhalten, misstrauisch, emotional distanziert.
• Unsicher-ambivalent: anhänglich, unsicher, inkonsistente Reaktionen auf Bezugspersonen.
• Desorganisiert: bizarres, aggressives Verhalten, starkes Kontrollbedürfnis.
Sicher gebunden
Wie kommt es dazu
Wie verhalten sich Kinder
Wie kommt es dazu?
• Bezugsperson ist zuverlässig, liebevoll und feinfühlig
• Reagiert angemessen auf Signale (trösten, schützen, ermutigen)
• Gibt dem Kind Sicherheit und Freiheit
Wie verhalten sich Kinder?
• Erkunden ihre Umwelt neugierig (explorativ)
• Suchen bei Stress Nähe zur Bezugsperson
• Lassen sich gut trösten
• Zeigen Freude beim Wiedersehen
• Haben Vertrauen in Beziehungen
Innere Haltung:
„Ich bin sicher. Hilfe ist da, wenn ich sie brauche.“
Unsicher-vermeidend
• Bezugsperson ist oft emotional kühl oder abweisend
• Gefühle werden ignoriert oder abgewertet („Stell dich nicht so an“)
• Nähebedürfnisse werden nicht beantwortet
• Zeigen wenig offensichtliches Bindungsverhalten
• Wirken „unabhängig“, brauchen scheinbar niemanden
• Vermeiden Nähe
• Unterdrücken Gefühle
• Wirken distanziert und kontrolliert
„Wenn ich Gefühle zeige, werde ich zurückgewiesen – also brauche ich niemanden.“
Unsicher-ambivalent
• Bezugsperson reagiert unberechenbar
• Mal liebevoll, mal abweisend
• Kind weiß nie, was es erwarten kann
• Sehr anhänglich
• Trennung fällt extrem schwer
• Lassen sich kaum trösten
• Schwanken zwischen Nähe suchen und Wut
• Wirken unsicher und ängstlich
„Ich muss mich festklammern, sonst verliere ich dich.“
Desorganisierte Bindung
• Bezugsperson ist selbst ängstigend, gewalttätig, traumatisiert oder missbrauchend
• Die Person, die Schutz geben sollte, ist gleichzeitig eine Gefahr
• Kind erlebt massive Überforderung
• Widersprüchliches, „chaotisches“ Verhalten
• Erst Nähe suchen, dann aggressiv reagieren
• Erstarren, Rückzug oder extreme Kontrolle
• Bizarre oder unvorhersehbare Reaktionen
„Die Person, die mich schützen soll, macht mir Angst.“
Klassische Konditionierung
Lernen durch Koppelung zweier Reize.
-ursprünglich neutraler Reiz (NS) wird durch wiederholte Paarung mit unkonditionierten Stimulus (UCS) zum konditionierten Stimulus (CS).
-Der CS löst dann eine konditionierte Reaktion (CR) aus, die vorher nur durch den UCS ausgelöst wurde.
• Lernprinzip: Verknüpfung von Reizen
• Fokus: Automatische, emotionale Reaktionen
• Vorteil: Wirksam bei emotionalen oder physiologischen Reaktionen
• Nachteil: Schwer gezielt steuerbar
UCS =Unkonditionierter Stimulus
Ein Reiz, der natürlich eine Reaktion auslöst
Spinne taucht plötzlich auf
UCR =Unkonditionierte Reaktion
Natürliche, automatische Reaktion auf den UCS
Erschrecken, Angst
NS =Neutraler Stimulus
Reiz, der zuerst keine Reaktion auslöst
z. B. ein dunkler Raum
CS =Konditionierter Stimulus
Früher neutraler Reiz, der nach Lernen eine
Reaktion auslöst
Dunkler Raum (nach wiederholtem Zusammenhang mit Spinne)
CR =Konditionierte Reaktion
Erlernte Reaktion auf den CS
Angst im dunklen Raum
Kontinuierliches Verhalten
-Verhalten wird schneller erlernt aber auch wieder schell verlernt
-Verhlaten immer gleich / erwartetet kontinuierlicher Belohnung (verstärkt )
-ohne Belohnung Einstellung des Verhalten -Anwendung: Ideal für die Anfangsphase, wenn ein neues Verhalten aufgebaut werden soll.
Interveniertes Verhalten (auch: diskretes Verhalten)
-Belohnung nur manchmal
-Verhalten nur langsameren
-Verhalten nachhaltiger und löschungsresistenter macht
Unregelmäßige Belohnung → Verhalten extrem stabil (Glücksspielprinzip)
-Anwendung: Nützlich, um Verhaltensweisen zu festigen, die auch ohne ständige Belohnung zuverlässig abgerufen werden sollen.
Operantes Konditionieren:
- Verhalten durch seine Konsequenzen beeinflusst.
- Handlungen, die zu positiven Ergebnissen führen (Belohnung), treten häufiger auf. Handlungen, die negative Konsequenzen haben (Bestrafung), werden seltener gezeigt.
• Lernprinzip: Lernen durch Konsequenzen (Belohnung oder Bestrafung)
• Beispiel (Gesundheitspsychologie): Regelmäßiges Training durch Lob oder kleine Belohnungen
• Vorteil: Effektiv bei Verhaltensänderungen
• Nachteil: Gefahr der Abhängigkeit von äußeren Belohnungen
Modellernen
Grundprinzip
• Lernen durch Beobachtung eines Modells.
• Verhalten muss nicht selbst erlebt werden → stellvertretendes Lernen.
Bedingungen erfolgreichen Modelllernens
1. Aufmerksamkeit: Modell muss attraktiv, kompetent oder sympathisch wirken.
2. Behalten: Beobachtetes Verhalten muss im Gedächtnis gespeichert werden.
3. Reproduktionsfähigkeit: Klient/in muss Verhalten auch körperlich/kognitiv ausführen können.
4. Motivation: Modell muss Erfolg haben oder Verhalten muss verstärkt werden.
Assimilation
Assimilation: Ein neues Objekt oder Ereignis wird in ein bereits bestehendes Schema „eingepasst“.
Beispiel: Ein Kind erkennt, dass ein Hund vier Beine hat und sagt, dass alle vierbeinigen Tiere „Wau-Wau“ heißen.
Akkommodation
Akkommodation: Das bestehende Schema wird verändert oder erweitert, um neue Informationen aufzunehmen.
Beispiel: Das Kind lernt, dass ein Schaf nicht „Wau-Wau“ macht, sondern „Mäh“.
Äquilibration
Ausgleich zwischen Assimilation und Akkommodation. Neue Erfahrungen führen zu kognitiven Konflikten, die eine Anpassung erfordern. So entsteht ein neues Gleichgewicht zwischen Denken und Umwelt.
Animismus
Das Kind schreibt unbelebten Dingen Eigenschaften von Lebewesen zu.
Beispiel: „Der Tisch ist böse, weil ich mich daran gestoßen habe.“
Magisches Denken
Eigene Wünsche & Gedanken beeinflussen Ereignisse, auch wenn kein kausaler Zusammenhang besteht.
Beispiel: „Wenn ich zehnmal den Ball fange, regnet es nicht am Wochenende.“
Egozentrismus
Definition: Welt wird ausschließlich aus der eigenen Perspektive wahrgenommen. Schwierigkeiten, die Sichtweise anderer einzunehmen. (Theory of mind )
• Relevanz für die Praxis: Kinder fühlen verantwortlich für Ereignisse , die sie gar nicht beeinflussen können.
• Psycholog*innen und Eltern sollten Schuldgefühle adressieren und erklären, dass das Kind nicht verantwortlich ist.
Zentrierung:
Konzentration auf ein einzelnes auffälliges Merkmal eines Objektes und Vernachlässigung anderer Merkmale.
Beispiel: Bei einer Wasserversuchsreihe denkt ein Kind, dass im hohen schmalen Glas mehr Wasser ist, weil es bis obenhin voll ist.
Fehlende Invarianz:
Kinder erkennen nicht, dass grundlegende Eigenschaften gleich bleiben, auch wenn das Erscheinungsbild verändert wird.
Beispiel: Knetmasse wird gerollt oder gepresst – die Menge bleibt gleich, wird aber vom Kind als unterschiedlich wahrgenommen.
Heteronome Moral
Regelverständniss
Regeln sind:
• fest
• unveränderbar
• von Erwachsenen vorgegeben
• Regelbruch = automatisch falsch
Gerechtigkeit
• Immanente Gerechtigkeit
• Fehlverhalten → Strafe folgt automatisch
• Typische kindliche Vorstellung:
• „Ich bin krank, weil ich böse war“
• Glaube nimmt mit dem Alter ab
Verantwortlichkeit
Bewertung nach :
• Folgen, nicht nach Absichten
• Beispiel:
• 12 zerbrochene Tassen = schlimmer als 1 zerbrochene beim Stehlen
Strafe
Strafe = Vergeltung / Süne
• Je strenger, desto gerechter
Lüge
Lüge ist schlimm, weil:
• sie bestraft wird
• Unterscheidung zwischen:
• Lüge & Irrtum noch unscharf
Autonome Moral (10-12)
Regelverständnis
• verhandelbar
• durch Absprachen änderbar
• Austeilende Gerechtigkeit
• Strafe nur, wenn:
eine Instanz eingreift (Richter, Eltern, Polizei)
Autonome Moral (10–12 )
Verantwortung
Bewertung nach:
• Absichten & Motiven
Lügen sind schlimm, weil:
• sie Vertrauen zerstören
Autonome Moral ( 10–12 )
Ziel der Strafe:
• Wiedergutmachung
• angemessene Konsequenzen
Kohlberg Moralentwicklung
Moral entwickelt sich:
• stufenweise
• unumkehrbar
• nicht jeder erreicht Stufe 5 oder 6
Entwicklung ist:
• universell
• Förderung durch:
• Rollenübernahme
• Dilemma-Diskussionen
• Mitbestimmung (Just Community)
VORKONVENTIONELLE PHASE (Kindheit)
Stufe 1: Bestrafung & Gehorsam
• Gut = was nicht bestraft wird
• Orientierung an:
• Angst vor Strafe
• Autorität
• „Ich lüge nicht, sonst schimpft Mama“
⸻
Stufe 2: Instrumentell-relativistisch
• Gut = was mir nützt
• Erste Gegenseitigkeit:
• „Ich helfe dir, wenn du mir hilfst“
• Moral = Tauschprinzip
• Eigener Vorteil im Mittelpunkt
POSTKONVENTIONELLE PHASE (Erwachsenenalter – selten)
Stufe 5: Sozialvertrag
• Gesetze:
• wichtig
• aber veränderbar
• Menschenrechte stehen über Gesetzen
• Ziel:
• größter Nutzen für möglichst viele
• Abwägen verschiedener Perspektiven
Stufe 6: Universelle ethische Prinzipien
• Gerechtigkeit
• Menschenwürde
• Gleichheit
• Gewissen wichtiger als Gesetze
• Rettung eines Lebens ist immer
KONVENTIONELLE PHASE (Jugend)
Stufe 3: Gute-Kind-Orientierung
• Gut = was:
• anderen gefällt
• Anerkennung bringt
• Wunsch nach:
• Zustimmung
• Lob
• Familie, Freunden, Clique
Stufe 4: Recht & Ordnung
• den Gesetzen
• Regeln des Staates entspricht
• Pflichtbewusstsein
• Ordnung muss erhalten bleiben
• Gesetze werden nicht hinterfragt
Piaget
Heteronome vs. Autonome Moral
Grundidee
• Moral entwickelt sich qualitativ
• Übergang:
• von Autoritätsmoral
• zu Autonomie & gegenseitiger Achtung
Identität (nach Erikson)
• Antwort auf die Frage: „Wer bin ich?“
Identität
• Definition: Einzigartige Kombination persönlicher Merkmale (Name, Alter, Geschlecht, Beruf) + Bild, das andere von einem haben.
• Persönliche Identität: Bewusstsein über sich selbst, eigene Werte, Fähigkeiten
• Soziale Identität: Integration in Gesellschaft, soziale Rollen
• Ich-Identität: Kombination von persönlicher + sozialer Identität
Vier Identitätszustände (nach Marcia)
• Diffuse Identität:
• keine Ziele, keine Werte, keine Orientierung
• Übernommene Identität:
• Werte unkritisch von Eltern/Umfeld übernommen
• Identitätsmoratorium:
• aktive Suche, Zweifel, Ausprobieren
• Erarbeitete Identität:
• eigene Werte, klare Entscheidungen, gefestigte Richtung
→ Moratorium & erarbeitete Identität = psychisch am günstigsten
Ressourcen als Schutz vor psychischen Problemen
• Positive Kindheits- und Jugenderfahrungen können vor psychischen Erkrankungen schützen.
• Wichtiger Befund: Je mehr positive Erfahrungen vorhanden desto geringer das Risiko für psychische Störungen – auch bei negativen Erfahrungen
positive Erfahrungen haben eine protektive (schützende) Wirkung.
Fazit: Die Förderung positiver Erfahrungen ist ein zentraler Ansatzpunkt für pädagogische und sozialarbeiterische Unterstützung.
Wichtige Schutzfaktoren
Beziehungen / Bindungen (Bezugsperson / Sicherheit / Freunde )
Familie & Emotionen (Unterstützung/ Gefühle/ Routine )
Persönliche Erlebnisse (selbst mögen )
Kulturelle Einbindung (Traditionen )
Ressourcen nach Klemenz (2003)
Persönliche Ressourcen
• Physische Ressourcen: z. B. Gesundheit, körperliche Attraktivität
• Psychische Ressourcen: z. B. kognitive Fähigkeiten, Talente, Interessen
Umweltressourcen
• Soziale Ressourcen (Familie, Freunde, Beziehungen)
• Ökonomische Ressourcen (Einkommen, Taschengeld)
• Ökologische Ressourcen (Wohnbedingungen, Umgebung)
Identität und Gruppen
Du übernimmst Werte, Normen, Kleidung, Sprache oder Verhaltensweisen dieser Gruppen.
• Stärkt das Wir-Gefühl und beeinflusst dein Selbstbild.
Identität im Verlauf Erikson
Jugendalter:
• Identität : Entwicklung von Werten, Selbstvertrauen, Sicherheit
• Identitätsdiffusion : Unsicherheit, Überforderung
Junges Erwachsenenalter:
• Intimität/Solidarität : Aufbau enger Beziehungen, Bindungen und Solidarität
• Isolation: Einsamkeit
Mittleres Erwachsenenalter:
• Generativität : Sorge für nächste Generation, berufliche/soziale Produktivität
• Stagnation : Gefühl der Sinnlosigkeit oder Selbstbezogenheit.
Hohes Erwachsenenalter:
• Ich-Integrität : Rückblick auf das eigene Leben zufrieden
• Verzweiflung : Bedauern/Verzweiflung
Der Wechsel von der heteronomen (fremdbestimmten) zur autonomen (selbstbestimmten) Moral hängt von mehreren Entwicklungsfaktoren ab:
• Soziale Interaktion: Durch Austausch mit Gleichaltrigen lernen Kinder, Regeln nicht nur zu befolgen, sondern auch auszuhandeln und zu hinterfragen.
• Kognitive Entwicklung: Mit zunehmender Denkfähigkeit (Stadium der konkret- bzw. formal-operationalen Stufe) können Kinder Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, Absichten und Konsequenzen differenziert verstehen.
• Perspektivübernahme (Theory of Mind) : Kinder lernen, sich in andere hineinzuversetzen und deren Gefühle, Absichten und Sichtweisen zu berücksichtigen. Dadurch richtet sich moralisches Urteil nicht mehr nur nach äußeren Folgen (z. B. Schaden), sondern nach inneren Beweggründen.
ADHS
Situation der Eltern
• starke Überlastung
• Hoffnungslosigkeit
• Resignation
• Belastungsfaktoren:
• ständige Konflikte
• schulischer Druck
• gesellschaftliche Stigmatisierung
• Geringe Anfangsmotivation für Veränderung
• ADHS ist oft:
• chronisch
• bei ca. 1/3 der Betroffenen bis ins Erwachsenenalter vorhanden
• Erhöhtes Risiko für:
• zusätzliche psychische Störungen
Typische Symptome von ADHS
Unaufmerksamkeit
• Flüchtigkeitsfehler
• scheinbares Nicht-Zuhören
• schlechte Planung & Organisation
• leichte Ablenkbarkeit
Überaktivität
• starke motorische Unruhe
• lautes Spielen
• Zappeln
• Rennen und Klettern
Impulsivität
• Dazwischenreden
• nicht warten können
• vorschnelles Handeln
• Aufgaben lösen, bevor sie vollständig verstanden sind
ADHS Therapie
• intensives Verhaltenstraining
• schrittweises Erlernen strukturierter Arbeitsweise
verhaltenstherapeutisch Trainings:
• Spieltraining
• Arbeitstraining
Ziele:
• Selbstkontrolle
• Emotionsregulation
• soziale Kompetenzen
• Organisationsfähigkeit
Elterntraining:
• besonders wirksam
• z. B. THOP, Triple P
ADHS Medikamente
Medikamentöse Therapie
Besonders wirksam bei:
• mittlerem & schwerem ADHS
Mittel der Wahl:
• Stimulanzien
Wirkung:
• Reduktion der Kernsymptome
• bessere Lern- & Entwicklungsbedingungen
Keine Heilung:
• Symptome oft bis ins Erwachsenenalter
Langfristige Wirksamkeit:
• begrenzt
• weiterer Forschungsbedarf
ADHS Komorbiditäten
• Häufig zusätzliche Probleme:
• Selbstwertstörungen
• emotionale Störungen
• Angst
• Depression
• Im Jugendalter:
• Risiko für Drogenkonsum (Selbstmedikation)
ADHS Pädagogische & Sozialarbeiterische Unterstützung
Medikations-Adhärenz fördern
• Aufklärung
• Abbau von Ängsten
• Elterntrainings & Beratung
• Struktur vermitteln
• konsequente Regeln
• Beziehungsarbeit
• Motivierende Unterstützung
viele Eltern sind:
• resigniert
• frustriert
• erschöpft
Wichtig:
• Wertschätzung statt Schuldzuweisung
Kurzfassung – PASS bei ADHS:
• Planungsfähigkeit (P):
Schwierigkeiten, Aufgaben zu strukturieren, vorauszudenken und geplant zu handeln → impulsives, chaotisches Arbeiten.
• Aufmerksamkeit (A):
Leichte Ablenkbarkeit, kurze Konzentrationsspanne, Probleme beim Dranbleiben.
• Simultanität (S):
Probleme, mehrere Informationen gleichzeitig zu verarbeiten und Zusammenhänge zu erkennen.
• Sukzessivität (S):
Schwierigkeiten, Informationen Schritt für Schritt in richtiger Reihenfolge zu verarbeiten (z. B. beim Lesen, Rechnen, Anleitungen).
Biologische Faktoren
genetische Veranlagung (Zwillingsstudien)
• EEG:
• erhöhte Theta-Wellen → Unterstimulation des
ADHS Gehirns
• Dopaminmangel:
• Suche nach Stimulation durch:
• Unruhe
• Lautstärke
• Bewegung
ADHS Psychologische Faktoren
mangelnde:
• Planung
• Steuerungsfähigkeit
• Folgen:
• geringer Selbstwert
• Misserfolgserwartung
• Frustration
• emotionale Probleme
Soziale Faktoren
• heutige Lebenswelt verlangt:
• Ruhe
• Konzentration
• Schutzfaktor:
• mütterliche Wärme
• Risikofaktoren:
• frühe Traumata
• Gewalt
• instabile Familien
• fehlende Struktur
• wenig liebevolle Erziehung
ICD-10:
„ Hyperkinetische Störung“
ICD-11 & DSM-5:
Bezeichnung: ADHS
Unterscheidung von Subtypen:
vorwiegend unaufmerksam
vorwiegend hyperaktiv-impulsiv
kombinierter Typ
Aggressives Verhalten Definition
• Aggressives Verhalten = Verhalten mit bewusster Schädigungsabsicht gegenüber anderen, das von der Umwelt negativ bewertet wird
• Entgegen der öffentlichen Meinung:
• Aggressives Verhalten von Jugendlichen ist nicht häufiger oder intensiver als früher.
• Teilweise ist sogar ein Rückgang feststellbar (Baier 2011).
Eriksons Acht-Stufen
Stufen:
1. Säugling: Urvertrauen vs. Urmisstrauen
2. Frühe Kindheit: Autonomie vs. Scham/Zweifel
3. Kindheit: Initiative vs. Schuldgefühl
4. Schulalter: Werksinn vs. Minderwertigkeit
5. Jugend: Ich-Identität vs. Identitätsdiffusion
6. Frühes Erwachsenenalter: Intimität vs. Isolation
7. Mittleres Erwachsenenalter: Generativität vs. Stagnation
8. Hohes Erwachsenenalter: Ich-Integrität vs. Verzweiflung
SORCK
S= Stimulus
O= Organismus
R= Reaktion
C= Consequences
K = Kontingenz
Entwicklungsaufgaben nach Lebensphasen (Havighurst, Erikson)
• Mittlere Kindheit (6–12 Jahre): Spielen, soziale Fähigkeiten, Schulwissen, moralische Entwicklung, persönliche Unabhängigkeit.
• Adoleszenz (12–18 Jahre): Freundschaften & intime Beziehungen, Geschlechtsrollenklärung, Pubertätsakzeptanz, Autonomie, Lebensplanung.
• Frühes Erwachsenenalter (18–35 Jahre): Partnersuche, Liebesbeziehung, Familie gründen, Berufseinstieg, Bürgerrolle.
• Mittleres Erwachsenenalter (35–65 Jahre): Kindererziehung, beruflicher Erfolg, Freizeitgestaltung, Partnerschaft pflegen, Anpassung an körperliche Veränderungen.
• Späteres Erwachsenenalter (ab 60 Jahre): Anpassung an Alter, Ruhestand, Verlust von Partnern, Altersgruppenintegration, Lebenszufriedenheit.
S=
O=
R=
C=
K =
• S – Stimulus: Die auslösende Situation oder der Reiz, der das Verhalten hervorruft.
• O – Organismus: Individuelle Merkmale und Voraussetzungen der Person, wie biologische Dispositionen, Erfahrungen, Persönlichkeitseigenschaften, Gefühle und Gedanken.
• R – Reaktion: Das sichtbare Verhalten selbst, das auf kognitiver, motorischer oder emotionaler Ebene stattfindet.
• K – Kontingenz: Die Regelmäßigkeit, mit der eine bestimmte Konsequenz auf eine Reaktion folgt.
• C – Consequence (Konsequenz): Die Folgen des Verhaltens. Diese können kurz- und langfristig sein und das Verhalten entweder verstärken (belohnen) oder abschwächen (bestrafen).
Selbstkonzept
Selbstwert
emotionale Bewertung der eigenen Person
Selbstkonzept: kognitiv → Wissen über sich selbst
• Selbstwert: affektiv → emotionale Einstellung zu sich selbst
hoher Selbstwert:
• Selbstvertrauen
• Selbstwirksamkeit
• psychische Gesundheit
Förderung durch:
• liebevolle Eltern
• unterstützendes Familienklima
• Anerkennung durch Gleichaltrige
• schulische Erfolge
Risiken bei niedrigem Selbstwert
• erhöhte Gefahr für:
• Aggression
• Drogenkonsum
• sozialen Rückzug
• Suizidgedanken
Geschlechtsunterschiede Selbstwert
Jungen:
• höherer Selbstwert
Mädchen:
• stärkerer Selbstwertabfall in der Pubertät
• bleibt auch später niedriger
Das Jugendalter ist die Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter, ca. 10–18/21 Jahre, in Studien oft 12–25 Jahre.
1. Körperlich: Wachstumsschub, Geschlechtsreife (Pubertät)
2. Kognitiv: Entwicklung formal-operationaler Denkfähigkeiten → Reflexion, innere Abgrenzung, autonome Prozesse
3. Emotional/sozial: Veränderung der Beziehung zu Eltern, Hinwendung zu Gleichaltrigen
4. Sozial: Neue Rollen, Selbstständigkeit, Lebensplanung
Warum Fokus auf Ressourcen in Sozialarbeit und Therapie?
• fühlen sich oft nur als „Problemfälle“ wahrgenommen.
• Gespräche, die nur über Schwierigkeiten gehen, demotivieren und schaden der Beziehung.
• über Stärken, Interessen, Fähigkeiten gesprochen wird:
• verbessert sich die Beziehung
• entsteht Motivation und Hoffnung
• wird das Selbstwertgefühl gestärkt
• Ressourcen werden oft von Betroffenen selbst nicht erkannt, erst durch Außenstehende sichtbar und nutzbar.
Pränatale und frühe Risiken
• Risikoverhalten, Ängste und Stress in der Schwangerschaft →
• Prä- und perinatale Probleme
• Regulationsstörungen (Schreien, Schlafen, Füttern)
• Leichte neurologische Auffälligkeiten (v. a. Feinmotorik)
Kognitives Modell aggressiven Verhaltens (nach Kaufmann)
1. Wahrnehmung
• Gefiltert durch kognitive Schemata
• Aggressive Kinder nehmen Situationen schneller als feindselig wahr
2. Interpretation
• Neutrale Reize werden als Angriff interpretiert
3. Handlungsauswahl
• Aggressive Kinder:
• Eingeschränktes Handlungsrepertoire
• Aggression als naheliegendste Reaktion
• Unauffällige Kinder:
• Vielfältige, auch soziale Reaktionsmöglichkeiten
4. Hemmungsmechanismen
• Moralische Normen, Selbstbild
• Können aggressive Handlung noch verhindern
5. Antizipation der Folgen
• Aggressive Kinder erwarten positive kurzfristige Effekte
• Negative Folgen wirken zeitlich verzögert und kaum hemmend
Implikationen für Intervention
• Veränderung kognitiver Schemata (psychotherapeutisch)
• Erweiterung des Handlungsrepertoires:
• Rollenspiele
• Modelllernen
• Soziale Trainings
• Förderung moralischer Entwicklung
• Klare, schnelle negative Konsequenzen für aggressives Verhalten
Wirksamkeit von Interventionen
•Verhaltenstherapeutische Sozialtrainings:
• Wirksam bei leicht bis mittelgradiger Aggression
• Bei hoch aggressiven frühen Startern:
• Nur Teil eines umfassenden, mehrdimensionalen Interventionskonzepts
Belohnung und Bestrafung – operantes Vorgehen
Methode
Grundidee: Verhalten wird durch seine Folgen gesteuert.
• Belohntes Verhalten → tritt häufiger auf
• Unangenehme Konsequenzen → tritt seltener auf
Methoden
1. Bestrafung
• Unangenehme Konsequenz auf unerwünschtes Verhalten (z. B. Time-out).
• Wirksam, aber kann Angst oder Trotz erzeugen; erklärt kein alternatives Verhalten.
2. Löschung
• Verhalten wird nicht mehr verstärkt (keine Aufmerksamkeit).
• Funktioniert nur, wenn konsequent umgesetzt; anfangs kann Verhalten zunehmen.
3. Response Cost
• Entzug von etwas Positivem nach Fehlverhalten (z. B. Punkte abziehen).
• Aggression verliert Nutzen; sofortige, nachvollziehbare Konsequenz wichtig.
4. Token-System
• Tokens (Sterne, Punkte) für erwünschtes Verhalten sammeln, später gegen Belohnung eintauschen.
5. Soziale Verstärkung
• Lob, Anerkennung oder freundliche Zuwendung für positives Verhalten.
• Besonders wirksam, wenn sofort und konkret.
Rushhour des Lebens (Freund & Nikitin, 2018)
• Frühes Erwachsenenalter = Phase zentraler Lebensentscheidungen
• Entscheidungen mit langfristigen / irreversiblen Folgen:
Psychologische Faktoren
Folgen:
Oppositionell-aggressive Symptome
• Häufige oder besonders starke Wutausbrüche
• Häufiges Streiten
• Aktive und häufige Ablehnung von Regeln und Anweisungen Erwachsener
• Aufsässiges, trotziges Verhalten
Aggressiv-dissoziale Symptome
• Körperliche Grausamkeit gegenüber Menschen
• Tierquälerei
• Stehlen von Wertgegenständen
• Zwingen anderer zu sexuellen Handlungen
Frühe Kindheit
• Regulationsstörungen →
• Chronische elterliche Überlastung
• Schwierigkeiten beim Aufbau sicherer Bindung
• Unangemessene elterliche Reaktionen →
• Intensives Trotzverhalten
• Hyperkinetisches Verhalten im Vorschulalter
• Folge:
• Ungünstige Herangehensweise an kognitive Aufgaben
• Verzögerungen in der kognitiven Entwicklung
Grundschulalter
• Häufig schulische Probleme
• Aggressives Verhalten als Fortsetzung früherer Auffälligkeiten
• Überlastete Eltern + schwieriges Kind + schulische Probleme →
• Erhöhte Wahrscheinlichkeit aggressiven Erziehungsverhaltens
• Aggression wird durch Modelllernen verstärkt
Aggressives Verhalten
Soziale Folgen und Jugendalter
• Ablehnung durch Gleichaltrige
• Weniger Freundschaften, meist nur mit ebenfalls aggressiven Kindern
• Bildung aggressiver Subgruppen
• Delinquenz
• Drogenprobleme
• Affektive Störungen (z. B. Depression)
Erwachsenenalter
• Rückgang offener Delinquenz
• Aggressives Verhalten verlagert sich in die Familie
• Erhöhte Wahrscheinlichkeit für:
• Paarkonflikte
• Abhängigkeit von staatlicher Hilfe
• Zusammenhang zwischen aggressivem Verhalten in Kindheit/Jugend und:
• Dissozialer Persönlichkeitsstörung im Erwachsenenalter
Generationentransfer
• Hochbelastete Familien mit wenigen Ressourcen →
• Erhöhte Wahrscheinlichkeit erneuter Risikoverläufe
• Aggressives Erziehungsverhalten →
• Erhöhtes Risiko aggressiver Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern
Zentrale Einordnungen
• Entwicklungsverlauf ist nicht zwangsläufig
• Ca. 50 % Persistenz vom Vorschul- ins Jugendalter
• Ebenfalls ca. 50 % zeigen später keine Symptome mehr
Frühe Starter vs. späte Starter
• Frühe Starter:
• Auffälligkeiten seit früher Kindheit
• Komplexe Problemlagen (familiär, schulisch, emotional, sozial)
• Intervention schwierig, langfristig, unsicherer Ausgang
• Späte Starter:
• Keine frühen Auffälligkeiten
• Aggression erst im Jugendalter (Peer-Einfluss, kritische Ereignisse)
• Gut behandelbar mit verhaltenstherapeutischen Methoden
Kindeswohlgefährdung als Verletzung von Grundbedürfnissen
Grund Bedürfnisse
Frühe Bindungsverletzungen beeinträchtigen:
• Stressresistenz
• soziales Verhalten
Psychische und schulische Entwicklung von Pflegekindern
psychisch belastet:
• 48,1 % emotionale Probleme
• 44,2 % Verhaltensauffälligkeiten
• 32,3 % Hyperaktivität
• 53 % Probleme mit Gleichaltrigen
• 56,7 % erreichen klinisch auffällige Gesamtwerte
schulisch
• geringerer Besuch Gymnasien und Realschulen
• Förderschulbesuche
• häufig Sprach-, motorische und kognitive Entwicklungsstörungen
Positive Pflegeeltern
positive Entwicklungen:
• Rückgang emotionaler und sozialer Probleme
• Aufholen von Entwicklungsrückständen
• Aufbau enger Beziehungen zu Pflegeeltern
Der Bindungsaufbau gelingt:
• am besten bei Aufnahme vor dem zweiten Lebensjahr
• bei älteren Kindern langsamer und oft mit Rückschlägen
Auch nach Jahren können alte Bindungserfahrungen in Stresssituationen wieder aktiviert werden.
Belastungen und Ressourcen von Pflegefamilien
Pflegeeltern stehen vor großen Herausforderungen:
• belastende Verhaltensweisen der Kinder
• Kritik von außen
• konflikthafte Besuchskontakte mit Herkunftsfamilien
• unübersichtliche Hilfe- und Rechtssysteme
Pflegekinder
Als Schutzfaktoren wirken:
• sichere Bindungsrepräsentation der Pflegeeltern
• soziale Unterstützung
• professionelle Begleitung
• konstruktive Regelung der Herkunftskontakte
Umgang mit Herkunftsfamilien
Ein zentrales Spannungsfeld besteht zwischen:
• dem Recht des Kindes auf Herkunft
• dem Bedürfnis nach stabiler Bindung in der Pflegefamilie
• Ergänzungsfamilie (intensive Kontakte zur Herkunftsfamilie)
• Ersatzfamilie (starke Integration in die Pflegefamilie)
Die Mehrheit der Pflegeeltern versteht sich als Ersatzfamilie. Besuchskontakte müssen individuell, realistisch und bindungsförderlich gestaltet werden.
Bindungsorientierte Beratung und Förderung
Pflegeeltern benötigen eine entwicklungspsychologisch fundierte, bindungsorientierte Beratung. Zentrale Elemente sind:
• realistische Erwartungen
• Verständnis für traumabedingtes Verhalten
• Orientierung am emotionalen Entwicklungsstand des Kindes
• Förderung feinfühligen elterlichen Verhaltens (Sensibilität, Annahme, Zugänglichkeit)
Auch bei älteren Kindern sind korrigierende Bindungserfahrungen möglich und sinnvoll.
Partizipation, Kontinuität und professionelle Unterstützung
Pflegekinder brauchen:
• klare, verlässliche Entscheidungen
• altersangemessene Beteiligung
• Transparenz und Kontinuität
Professionelle Hilfen sollten:
• frühzeitig
• gut vernetzt
• niedrigschwellig
• bindungs- und traumasensibel erfolgen
Pflegekinder Aussichten
Pflegekinder haben trotz schwerer Startbedingungen gute Entwicklungschancen, wenn:
• stabile Pflegeverhältnisse bestehen
• Bindung gezielt gefördert wird
• Pflegeeltern professionell begleitet werden
• klare strukturelle und rechtliche Rahmenbedingungen gegeben sind
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