Wie ist der Aufbau eines Neurons?
Wie erfolgt die Kommunikation zwischen Neuronen?
ein Neuron kommuniziert, indem es elektrische Signale (Aktionspotenziale) entlang seines Axons schickt
Ausgangszustand ist das Ruhepotenzial, wo Neuron kein Signal sendet und das Innere des Neurons negativ geladen ist
Erst ab bestimmter Schwellenspannung, ausgelöst durch einen Reiz an den Dendriten, kommt es zum Auslösen eines Aktionspotenzials
Es erfolgt die Depolarisation, d.h. das Innere des Neurons wird zunehmend positiv geladen, wodurch es zum Startschuss des Signals kommt
Dann kommt die Repolarisation, wo das Neuron wieder Richtung Normalzustand geht, d.h. wieder zunehmend negativ geladen ist
Dann erfolgt die Hyperpolarisation - ein Zustand in dem das Neuron eine negativere Ladung hat als im Ruhepotenzial —> Schutzmechanismus um nicht dauernd Signale zu senden
Danach geht das Neuron wieder in das Ruhepotenzial
Welche Schnittebenen zur Beschreibung des Gehirns gibt es?
Axial/ Transversal: Liegt etwas dorsal (oben) oder ventral (unten)?
Coronal: Liegt etwas frontal/anterior (vorne) oder posterior (hinten)?
Sagittal: Lieht etwas eher links oder rechts?
Funktionale Dissoziationen
Was ist eine einfache Dissoziation?
Läsion in Bereich X beeinträchtigt Funktion A, aber nicht Funktion B
Spricht nicht zwingend dafür, dass Funktion A und B unterschiedliche Hirnsysteme beanspruchen
Funktion A und B können dasselbe neuronale System in unterschiedlichem Ausmaß beanspruchen, sodass der geschädigte Bereich dennoch in der Lage ist die leichtere Aufgabe auszuführen und nur die schwierigere beeinträchtigt ist
Was ist eine doppelte Dissoziation?
Läsion in Bereich X führt zu Beeinträchtigung von Funktion A, Funktion B bleibt intakt
Läsion in Bereich Y führt zu Beeinträchtigung von Funktion B, Funktion A bleibt intakt
Evidenz, dass Funktionen A und B separate Syteme beanspruchen
Welche Fehler können im Rahmen einer Aquired Dyslexia auftreten?
Regularisierungsfehler
Irreguläre Wörter (z.B. Worcestershire) werden regular ausgesprochen
Lexikalisierungsfehler
Es wird ein anderes Wort gelesen z.B. wird ein Pseudowort “grenty” als “grumpy” gelesen
Was erklärt das Zwei-Wege-Modell von Coltheart?
Das Zwei-Wege-Modell von Coltheart erklärt wie geschriebene Wörter gelesen werden und wieso dabei unterschiedliche Fehler auftreten können.
Bekannte Wörter werden i.d.R. über den lexikalischen Weg gelesen
Pseudowörter können nur über den sublexikalischen Weg gelesen werden
Irreguläre Wörter benötigen den lexikalischen Weg, um korrekt ausgesprochen zu werden
Was funktioniert im Sinne des Zwei-Wege-Modells nach Colheart bei der Phonological Dylexia nicht?
Das Grapheme-Phoneme-Sytem ist geschädigt, sodass einzelne Buchstaben nicht in Laute übersetzt werden können. Damit funktioniert der sublexikalische Weg in der Wortverarbeitung nicht und Pseudowörter können nicht korrekt ausgesprochen werden.
Was funktioniert im Sinne des Zwei-Wege-Modells nach Colheart bei der Surface Dylexia nicht?
Das Orthographic Input Lexicon und das Phonological Output Lexicon sind geschädigt, sodass der lexikalische Weg, also die Verarbeitung des geschriebenen Wortes als Ganzes nicht mehr funktioniert. Folglich werden Irreguläre Wörter falsch ausgesprochen, da sie nun über den lexialischen Weg verarbeitet werden.
Was ist die Funktionsweise von Single-Cell Recording?
Beim Single-Cell Recording wird die Frequenz der Aktionspotenziale (Spikes) eines einzelnen Neurons gemessen. Die Methode ermöglicht eine Untersuchtung der Synchronisierung verschiedener Neurone.
Sehr invasive Methode (Tierstudien oder Studien mit Patienten)
Sehr präzise Methode, die starkes Signal liefert
Single-Cell Recording ermöglicht einen Blick auf die hierarchische Verarbeitung und neuronale Repräsentation von Tätigkeiten/ Aufgaben.
Wie erfolgt die hierarchische Verarbeitung von Reizen beim Lesen von Worten?
Was bedeuten lokale und verteilte Repräsentation?
Lokale Repräsentation meint, dass ein einzelnes Neuron sehr spezifisch feuert. Man spricht auch von der “grandmother cell”. Allerdings feuert Neuron nicht nur bei diesem Reiz, sondern auch bei gelernten Assoziationen
Verteilte Repräsentation meint, dass die neuronale Repräsentation eines Reizes über ein Muster mehrerer Neurone erfolgt. Letztlich sind auch grandmother cells Teil eines Neuronennetzwerkes.
Was ist die Funktionsweise der Elektroenzephalographie [EEG]?
Elektroden außerhalb des Schädels
Neuronale Signale sehr schwach und stark verzerrt
viel Rauschen durch Blinzeln, Muskelaktivität, Augenbewegungen usw.
Bearbeitung der Daten erfolgt via
Ausschließen von Artefakten (z.B. durch Blinzeln)
Vergleich mit Baseline (Mastoid-Knochen Elektrode als Referenz oder Durchschnitt aller Elektroden)
Zwei Annahme zum zeitlichen Ablauf der Aktivierung von Neuronen:
Synchronisierung - Spikes sind nicht zufällig, sondern aufeinander abgestimmt
Parallele Ausrichtung - Neuronen sind räumlich/ funktional auf dasselbe Ziel ausgerichtet
Was sind Ereigniskorrelierte Potenziale [ERPs]?
zeitlich gebundene Veränderungen im EEG, die durch ein Ereignis ausgelöst werden (experimentelles Paradigma)
Präsentation desselben Reizes mehrere Male (z.B. 50-100 Trials pro VP)
Betrachtung der EEG-Segmente die zeitlich parallel zum Ereignis stattgefunden haben
Mitteln der EEG-Segmente
—> Zufälliges Rauschen in den Daten mitteilt sich somit aus und erhalten bleibt ein ereignisgebundenes Signal
Wo finden Ereigniskorrelierte Potenziale Anwendung?
Beispielsweise im klinischen/pädagogischen Kontext zur Untersuchung einer isolierten Leseschwäche oder einer isolierten Rechtschreibschwäche.
Veränderungen in der Late Positive Component (späte Welle in ereigniskorrelierten Potenzialen), welche mit kontrollierter Verarbeitung in Verbindung gebracht wird, weisen auf Störungen in den orthographischen Abruf- und Outputprozessen hin
ERPs sind btw keine Aktionspotenziale sondern die großflächige dendritische Aktivität
Was sind Neural Oscillations?
sind rhythmische Schwankungen bzw. periodische Muster mit denen Neuronen zeitlich koordiniert arbeiten
Spontane oder reizinduzierte Synchronisierung einer Gruppe von Neuronen
Sind also typische Aktivitätsmuster mit einem bestimmten Frequenzband
Bsp.: Synchronisierung zu Sprache
Prosodie (Melodische und rhythmische Eigenschaften von Sprache): Delta
Silben: Theta
Phoneme (kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit, z.B. ch = ein Phonem): Gamma
Das Gehirn nutzt also unterschiedliche Oszillationsfrequenzen, um sprachliche Einheiten unterschiedlicher zeitlicher Größe zu verarbeiten
Was ist Magnetenzephalographie (MEG)?
Neural Oscillations (Synchronisierung von Neuronen) produzieren magnetische Felder, welche mithilfe von “Superconducting
quantum interference device” (SQUID) gemessen werden können
Untersuchung Ereigniskorrelierter Potenziale
Bessere räumliche Auflösung als EEG
Aber: Viel teurer und umständlicher!
Was sind die Grundlagen funktioneller Bildgebung?
Das Gehirn verbraucht in etwa 20% des aufgenommenen Sauerstoffs, speichert allerdings keinen Sauerstoff und muss daher über die lokale Durchblutung mit Sauerstoff versorgt werden
Neuronale Aktivität → erhöhter Energiebedarf → Reduktion von sauerstoffreichem Blut → wird durch verstärkte Versorgung aktiver Regionen mit sauerstoffreichem Blut (über)kompensiert
Funktionelle Bildgebung = Messung von Fluktuationen metabolischer Prozesse (Stoffwechsel), die mit neuronalen Prozessen korreliert sind, die ihrerseits mit kognitiven Prozessen korreliert sind
Beispiele:
− PET: regionaler Blutfluss
− fMRT: Sauerstoffkonzentration im Blut
Funktionelle Aktivierung wird aus relativen Unterschieden der metabolischen Prozesse zwischen experimentellen Bedingungen erschlossen
Wahl sinnvoller Vergleichsbedingungen auf der Basis von psychologischem Wissen über Aufgaben und kognitive Prozesse ist entscheidend, denn metabolische Prozesse haben Latenz von mehreren Sekunden → schlechte zeitliche Auflösung
Was ist die Positronen-Emissions-Tomographie (PET)?
Messung der regionalen Hirndurchblutung (regional cerebral blood flow; rCBF)
Radioaktiver Tracer (mit radioaktivem Sauerstoff-Isotop 15O markiertes Wasser) wird ins Blut injiziert
Isotop emittiert Positronen, die mit Elektronen kollidieren → zwei Photonen werden in entgegengesetzter Richtung ausgesandt
PET-Scanner registriert die Strahlen
Aus raumzeitlicher Verteilung und Koinzidenzen der Zerfallsereignisse wird auf räumliche Verteilung des Radiopharmakons im Gehirn geschlossen und Serie von Schnittbildern errechnet
Nachteile: Teuer, invasiv, schlechte zeitliche Auflösung (minimal einige Minuten)
Ist nach wie vor wichtige Methode für bestimmte Fragestellungen (z.B. Untersuchung v. Neurotransmittersystemen; pharmakologisches Imaging)
Was ist die Magnetresonanztomographie (MRT) ?
Strukturelles MRT (sMRT)
Darstellen von Weichgewebe
Weichgewebe besteht teilweise aus Wasser
Protonen in den Wassermolekülen haben ein schwaches magnetisches Feld
Magnetisches Feld wird von Scanner produziert, wodurch sich Protone reorientieren, das Magnetisches Feld ändert sich und ein MR-Signal entsteht
Funktionelles MRT (fMRT)
Kombiniert hochauflösende anatomische Bilder mit funktionellen Scans der hämodynamischen Aktivität (Blutströmungsmechanik)
Basiert darauf, dass neuronale Aktivität die Zufuhr sauerstoffhaltigen Bluts in aktive Gehirnregionen erhöht
Dies verändert magnetische Eigenschaften des Blutes
Sauerstoff ist ein natürliches Kontrastmittel: Deoxyhämoglobin ist paramagnetisch (stört Magnetfeld leicht), Oxyhämoglobin nicht
Ist Grundlage des BOLD- (blood oxygen level dependent) Kontrasts
Peak der hämodynamischen Antwort nach 6 bis 10 Sek.
Was sind BOLD-contrast & hemodynamic response function (HRF)?
Worin besteht die Schwierigkeit von fMRT-Studien?
Problem: Gehirn ist immer aktiv → Um Aktivität auf einen bestimmten Reiz zu quantifizieren, brachen wir eine Vergleichskondition
Möglichkeiten sind:
Subtraktionsmethode
Faktorielles Design (Cognitive Conjunction)
Parametrisches Design
Worauf basiert die Subtraktionsmethode?
basierend auf der Annahme das komplexe kognitive Prozesse aus einfacheren Teilprozessen bestehen
AktivierungExperiment - AktivierungBaseline (Experiment minus Baseline-Messung)
Worauf basieren Faktorielle Designs / Cognitive Conjunctions ?
bei Faktoriellen Designs/ Cognitive Conjunctions werden mehrere Faktoren gleichzeitig variiert (z.B. 2x2 Design)
Beispiel: Untersuchung wieso wir uns nicht selbst kitzeln können, Bedingung 1: Selbst/Fremd-induzierte Bewegung, Bedingung 2: Berührung ja nein
Aktivität im somatosensorischen Kortex, die durch Berührung ausgelöst wird, ist kleiner für selbstgenerierte im Vergleich zu fremdgenerierten taktilen Reizen
Effekt von Berührung (touch): Aktivierung aller Regionen, die mit dem Gefühl der Berührung assoziiert sind
Effekt von Bewegung (self-movement): Aktivierung aller Regionen, die mit der Bewegung assoziiert sind
Interaktion: Regionen, die in der Self-Movement - und Touch + Kondition aktiviert sind, aber nicht bei den anderen, sind Korrelate für die Wahrnehmung von Kitzeln
Worauf basieren Parametrische Designs?
Variation einer kontinuierlich abgestuften unabhängigen Variablen
z.B. Grad der Arbeitsgedächtnisbelastung; Schwierigkeit einer Problemlösenaufgabe
Suche nach Hirnregionen, in denen Aktivierung mit der Variation der UV korreliert
Bsp.: Verschiedene Hirnregionen zeigen unterschiedliche Reaktionsprofile auf unterschiedliche schnelle Wortpräsentationen
Was ist das Probem bei der Interpretation von fMRT-Daten?
Gehirn ist immer aktiv
Es braucht eine gute Baseline-Messung
Was ist p-Hacking?
systematisches Ausprobieren vieler statistischer Analysen bis ein signifikanter p-Wert gefunden wird
Problem: Neurowissenschaftliche Daten sind häufig hochdimensional (viele Voxel, Elektroden, Zeitpunkte, Frequenzen), rauschbehaftet und werden häufig in kleinen Stichproben erhoben —> dadurch viele Freiheitsgrade
Neurokognitive Theorien oft zu unspezifisch für eine Eingrenzung des exakten Bereichs / Zeitfensters …
Hinzukommende Probleme:
Publikationsbias: Selektive Publizierung von Studien mit signifikanten Ergebnissen (File Drawer Problem)
Niedrige statistische Power: häufig in Neuro-Studien, wegen dem niedrigen Signal-Rausch-Verhältnis
Folgen:
→ Hohes Verhältnis von False Positive und True Positive Ergebnissen
→ Niedrige Replizierbarkeit, entweder weil (1) Originalstudie False Positive, oder (2) weil Replikationsstudie unterpowert
Was ist die Transkraniale Magnetstimulation (TMS)?
Magnetfelder werden generiert
Aktivierung von Aktionspotentialen in der Region
Interferenz mit relevanten kognitiven Funktionen
TMS: Dauer von <1 ms, Effekt auf Kognition: paar Dutzend ms
rTMS (repetitive TMS): Stimulation von mehreren Minuten, Effekt auf Kognition: ca. 20 Minuten
Online versus Offline: Bearbeitung einer Aufgabe während vs. nach der Stimulierung
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