Was ist der Unterschied zwischen Angst und Furcht?
Angst: Antizipation künftiger Bedrohung / Gefahr
-> Zustand erhöhter Muskelspannung und Hypervigilanz (Wachsamkeit)
-> Vorbereitung auf Gefahr, aber auch Vermeidungsverhalten möglich
Furcht: Emotionale Reaktion auf eine reale / unmittelbar bevorstehende Bedrohung
-> EInleitung Kampf- oder Fluchreaktion
Hat Angst eine Funktion?
Ja, …
da (Früh) Warnsystem des Körpers
Ein Leben ohne Angst ist nicht möglich!
Auf welchen Ebenen zeigt sich Angst?
Körperebene
-> Reaktion des Sympatikus (autonomes Nervensystem)
beschleungter Herzschlag
beschleunigte Atmung (bis hin zur Hyperventilation)
Schwitzen
Zittern
erhöhte Muskelanspannung und Muskeldurchblutung
Haut wird blasser und kühler
Pupillen sind weit
Verringern der Verdauungsfunktion, dadurch evtl.. Übelkeit,
Erbrechen, Durchfall
Verstärkte Ausschüttung von Noradrenalin und Adrenalin
Gefühls- und Gedankenebene
-> andere Gefühle werden nicht mehr wahrgenommen
-> Gedanken kreisen fast ausschließlich um Angst
Bei patholoigischer (krankhafter) Angstreaktion:
Katastrophisierende Gedanken
Worst-Case Szenarien
Fehlinterpretation körperlicher Signale
Irrationale Gedanken und Überzeugungen
Ausblenden von Aspekten der äußeren Situation
Verhaltensebene
-> Optionen: Kampf / Flucht / Erstarren
in der Regel findet keine angemessene Kampfreaktion statt
es bleiben Flucht und Vermeidung bzw. Freeze als nicht zweckdienliches Verhalten
Angsterkrankung: sehr ausgeprägtes Vermeidungsverhalten oder
Fluchtverhalten
Angst wir pathologisch, wenn ….
… sie unangemessen stark ist
… sie zu häufig ist
… zu lange auftritt bzw. persistierend ist
… man die Kontrolle verliert
… man Angstsituationen vermeiden muss
… man stark unter ihr leidet
… sie einen beeinträchtigt
… man Angst vor ihr bekommt
Was verbindet und was trennt Angststörungen voneinander?
Gemeinsamkeiten
Exzessive Furcht- und Angstreaktionen
Entsprechende Verhaltensauffälligkeiten, z.B.
ausgeprägtes Vermeidungsverhalten
Panikattacken
Unterschiede
in Bezug auf die Arten von Objekten oder Situationen, die Furcht,
Angst oder Vermeidungsverhalten auslösen
in Bezug auf die damit verbundenen kognitiven Merkmale und
Prozesse (Gedanken / Überzeugungen)
In der LV wurden vier Angststörungsbilder behandelt:
6B00 Generalisierte Angststörung
6B01 Panikstörung
6B02 Agoraphobie
6B04 Soziale Angststörung
Erkläre die Bedeutung für Betroffene.
ACHTUNG: Es geht hier NICHT um „ausgeprägte Schüchternheit“
und infolgedessen Rückzug aus größeren Gruppen
SONDERN: Umfassendes Leiden und Beeinträchtigungen
Verminderte subjektive Lebensqualität
Einschränkungen in sozialen Funktionsbereichen
Typisch sind frühzeitiger Schulabbruch, höheres Risiko für Arbeitslosigkeit, Arbeit in Positionen unterhalb der eigentlichen Qualifikation
Häufige Komorbiditäten (v.a. andere Angststörungen, depressive
Störungen UND v.a. erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Störungen durch Substanzgebrauch zur Kompensation von Angstsymptomen)
Genetische Risikofaktoren
Familiäre Häufungen von Angststörungen:
Genetische Transmission für prädisponierende Eigenschaften (z.B. Verhaltenshemmung)
ABER AUCH psychosoziale Transmissionsmechanismen durch familiär geteilte Umwelten
-> Familiäre Häufung im Sinne von Gen-Umwelt-Interaktionen
Bedeutsamer Erbfaktor bei Angststörungen von ca. 30-40%
Agoraphobie: Stärkste und spezifischste Assoziation mit einem genetischen Faktor, der die Veranlagung für Phobien repräsentiert, unter den verschiedenen Phobien (Heritabilität von 61%)
Temperamentsbezogene Risikofaktoren
-> Mit Angststörungen in Zusammenhang stehende Temperamentsfaktoren bzw. Persönlichkeitsmerkmale:
Umweltbezogene Risikofaktoren
ACHTUNG: Es handelt sich nur um korrelative Zusammenhänge!
Erziehungsstil:
Elterliche Überbehütung: Generalisierte Angststörung, Agoraphobie, Spezifische Phobie
Kritisch-zurückweisender Erziehungsstil : Agoraphobie
Negative Ereignisse in der Kindheit:
Kritische Lebensereignisse (z.B. Trennung, Tod eines Elternteils): Agoraphobie, Generalisierte Angststörung, spezifische Phobie
Sexuelle oder körperliche Missbrauchserfahrungen: Panikstörung, Soziale Phobie, Spezifische Phobie
UND: Akute Belastungsfaktoren als Auslöser von Angststörungen
(z.B. Krankheiten, Todesfälle, Überfall/ Raub negative Erfahrungen
mit Drogen, Arbeitslosigkeit etc.): Generalisierte Angststörung,
Panikstörung , Agoraphobie, Soziale Phobie , Spezifische Phobie
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