Wie definiert Max Weber „Macht“?
Macht = jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, egal worauf diese Chance beruht (Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, S. 28).
Welche Eigenschaften hat Macht nach Weber?
Amorph und wandelbar: Macht kann sich verändern, ist nicht fix
Vielfältig: unterschiedlichste Erscheinungsformen
Beziehungsabhängig: existiert nur in sozialen Interaktionen
Was ist der Unterschied zwischen Macht und Herrschaft?
Macht: flexibel, dynamisch, kann spontan sein
Herrschaft: stabilisierte, institutionaliserte Macht, anerkannt und geregelt
Was sind die Phasen der Politikethnologie?
Die Politikethnologie entwickelt sich von beiläufigen Beobachtungen → systematischer Analyse traditioneller Institutionen → umfassender, interdisziplinärer Macht- und Kulturanalyse, die alles als politisch verstehen kann.
Wann und durch welches Werk wurde die Politikethnologie etabliert?
1940: African Political Systems (Hg. Evans-Pritchard & Fortes)
Ziel: Politik als eigenständiger Gegenstand der Anthropologie untersuchen
Kern: Objektive Analyse von Kontrolle und Regulierung physischer Gewalt
Was sagt Evans-Pritchard & Fortes über den Staat?
Staat wird oft als übergeordnete Einheit mit „eigenem Willen“ gedacht
Realität: Staat = Fiktion, gibt es nicht
Existiert nur als Organisation von Menschen, verknüpft durch komplexe soziale Beziehungen
Macht = Beziehung zwischen Individuen, nicht mystische Institution
Wie hängt die Politikethnologie mit dem Strukturfunktionalismus zusammen?
Radcliffe-Brown: Institutionen stabilisieren Gesellschaft
Evans-Pritchard & Fortes: Politische Organisation = Mechanismus, um Menschen zu verbinden und Ordnung zu schaffen
Macht = Ergebnis von sozialen Beziehungen, nicht abstrakten Entitäten
Worum geht es in der Politikethnologie?
Politikethnologie analysiert Macht und Ordnung als Beziehungen zwischen Menschen, nicht als abstrakten Staat.Strukturfunktionalismus betont, dass politische Institutionen die gesellschaftliche Stabilität sichern.
Wer waren die Nuer und warum interessant für Evans-Pritchard?
Nuer = pastorale, patrilineare Gesellschaft im Sudan
Keine zentrale Regierung oder Staat („kopflose Gesellschaft“)
Ordnung & Macht = durch Abstammungsgruppen (Lineages), Rituale, Fehden geregelt
Perfektes Beispiel für politische Organisation ohne Staat
Was bedeutet „patrilineare Deszendenz“?
Abstammung und Rechte laufen über die männliche Linie
Kinder gehören zur Linie des Vaters, nicht der Mutter
Macht, Status, Besitz, Loyalität → folgen dem männlichen Stammbaum
Dynamisch: Linien können sich zusammen- oder auseinanderfinden je nach Konflikt oder Kooperation
Kann eine Gesellschaft ohne Staat auskommen?
Evans-Pritchard zeigt, dass auch Gesellschaften ohne Staat stabil sein können, wenn Macht und Ordnung durch Abstammungsgruppen, soziale Normen und Rituale verteilt sind.
Was ist Gluckmans/Manchester Schule Ansicht auf die Politik,wie entsteht Macht?
Gluckman / Manchester Schule = Politik als dynamischer Prozess, Macht & Ordnung entstehen durch alltägliche Interaktionen, nicht nur durch stabile Institutionen.
Was ist der Unterschied der Manchester Schule / dem Strukturfunktionalismus?
Strukturfunktionalismus = Gesellschaft wie Uhrwerk, alles soll stabil laufenManchester Schule = Gesellschaft wie Fluss, Strömungen, Spannungen und Konflikte gehören dazu → Ungleichgewicht wird akzeptiert, Ordnung entsteht immer wieder neu -> Rituale der Rebellion gehören zur Aufrechterhaltung
Wie entsteht Ordnung bei der Manchester Schule?
Ordnung = nicht permanent, sondern entsteht immer wieder neu durch Interaktionen
Was bedeutet „Von Struktur zu Prozess“ in der Manchester Schule?
Gesellschaft = nicht nur stabile Strukturen, sondern dynamische Prozesse
Fokus: wie Ordnung entsteht, sich verändert und wiederhergestellt wird
Konflikte, Machtspiele, Migration = normaler Teil des Systems
Wie definiert Foucault Macht?
Macht = nicht nur Zwang oder Verbot
Macht = produktiver Prozess, der Regeln, Normen und Verhalten schafft
Macht = überall, in Beziehungen, nicht etwas, das man besitzt
Macht als produktiver Prozess – was bedeutet das?
Macht erschafft Institutionen, Wissen, soziale Normen
Macht bewahrt Ordnung und Strukturen
Macht ermöglicht Rollen, Verhalten und Perspektiven
Was bedeutet Focaults Machtbegriff in Form von Biopolitik?
Biopolitik = Regulierung des Volkskörpers, Macht wird produktiv eingesetzt, z. B. durch Gesundheitspolitik, Hygiene, Statistik, Sozialmaßnahmen. KEIN DURCHSETZEN VON ZWÄNGEN
Prämissen
als Aufklärungssubjekt gilt der eigenverantwortlich
handelnde, mündige Bürger (m) im seiner
Rechte und Vernunft
Last changed17 days ago