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MGF Infokarten

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by Stef L.




Beziehungsaufbau

Der weitere Beziehungsaufbau – hin zu einer stabilen therapeutischen Allianz – erfolgt laut den Seminarunterlagen durch eine Kombination aus einer wertschätzenden Grundhaltung, dem Einsatz spezifischer Kommunikationstechniken und einer kontinuierlichen Selbstreflexion.

Hier sind die zentralen Schritte für den weiteren Prozess:

1. Vertiefung der Basisvariablen (nach Rogers)

Um Vertrauen nachhaltig zu festigen, müssen die drei Basisvariablen der Beziehungsgestaltung konsequent gelebt werden:

  • Empathisches Verstehen: Den Klienten aus dessen Voraussetzungen heraus verstehen und die Welt aus seinem emotionalen Blickwinkel betrachten.

  • Akzeptanz (Wertschätzung): Den Patienten ernst nehmen und seine Inhalte annehmen, ohne sie sofort positiv oder negativ zu bewerten.

  • Kongruenz (Echtheit): Der Behandler sollte als menschliches Gegenüber greifbar sein und nicht hinter einer fachlichen Fassade verschwinden.

2. Fortführung des Aktiven Zuhörens

Die im vorherigen Schritt begonnene Arbeit mit dem Aktiven Zuhören dient dazu, Missverständnisse zu vermeiden und dem Gegenüber das Gefühl zu geben, wirklich gehört zu werden. Dabei sollten die drei Stufen systematisch genutzt werden:

  • Paraphrasieren: Wiederholung der sachlichen Inhalte.

  • Verbalisieren: Widerspiegeln der mitschwingenden Gefühle.

  • Explizieren: Vertiefendes Nachfragen, um das „Gemeinte“ hinter dem „Gesagten“ zu klären.

3. Anwendung des „Spirit“ der Motivierenden Gesprächsführung (MI)

Der weitere Aufbau sollte dem Geist des MI folgen, was als „Tanzen statt Ringen“ beschrieben wird:

  • Partnerschaftlichkeit: Eine Atmosphäre schaffen, die Veränderung ermöglicht, statt sie zu erzwingen.

  • Evokation: Davon ausgehen, dass die Ressourcen zur Lösung im Patienten selbst liegen.

  • Autonomie: Das Recht des Patienten auf Selbstbestimmung explizit würdigen.

4. Umgang mit Dissonanz und Widerstand

Sollte Widerstand auftreten (z. B. Argumentieren, Pessimismus oder Ignorieren), wird dies als Zeichen von Dissonanz in der Beziehung gewertet. Der Aufbau wird fortgesetzt, indem man:

  • Widerstand umlenkt: Statt gegenzuargumentieren, nutzt man reflektierende Erwiderungen (einfache, verstärkte oder doppelseitige Reflexion).

  • Die „Expertenfalle“ vermeidet: Nicht ungefragt Ratschläge erteilen oder die Rolle des allwissenden Experten einnehmen, da dies Bevormundung signalisiert.

5. Struktur und Klärung der Rahmenbedingungen

Ein professioneller Beziehungsaufbau benötigt einen geschützten Rahmen. Dazu gehört die Klärung von:

  • Rollen: Wer nimmt welche Position im Gespräch ein?

  • Zielen: Welche Anliegen haben beide Parteien an die Situation?

  • Werten: Der Einsatz eines Wertekompasses hilft zu verstehen, wofür das Leben des Patienten stehen soll, um die Therapieziele daran auszurichten.

6. Kontinuierliche Selbstreflexion

Für den Beziehungsfortschritt ist es entscheidend, die eigene Wahrnehmung zu prüfen:

  • Ich-Du-Wir-Ebene: Reflexion der eigenen Bedürfnisse und Ziele im Vergleich zu denen des Gegenübers.

  • Monitoring des Erlebens: Nutzung von Tools wie dem Affekt- und Schwingungsbarometer, um Konsonanz (Einklang) oder Dissonanz (Widerstand) frühzeitig bei sich selbst wahrzunehmen und das eigene Verhalten anzupassen.




Fallen in der frühen Phase der MGF

In der professionellen Gesprächsführung, insbesondere im Rahmen der Motivierenden Gesprächsführung, gibt es spezifische Stolpersteine in der Anfangsphase, die den Aufbau einer therapeutischen Allianz gefährden können. Laut den Seminarunterlagen werden diese als „Fallen in der frühen Phase“ bezeichnet.

Hier sind die Erklärungen und Beispiele für diese sechs Fallen:

1. Frage-Antwort-Falle (Kaskade der geschlossenen Fragen)

  • Erklärung: Der Gesprächsführer stellt eine Reihe von geschlossenen Fragen, die vom Klienten nur kurz beantwortet werden können. Dies drängt den Klienten in eine passive Rolle und verhindert eine tiefere Exploration der eigenen Motive.

  • Beispiel: „Haben Sie Ihre Übungen gemacht?“ – „Ja.“ – „Hat es geholfen?“ – „Nein.“ – „Wollen Sie es morgen wieder versuchen?“ – „Vielleicht.“ Das Gespräch gleicht einem Verhör statt einem Austausch auf Augenhöhe.

2. Partei zu ergreifen (Gefahr, mit der Veränderungsoption abgeschossen zu werden)

  • Erklärung: Der Behandler argumentiert einseitig für eine Veränderung. Dies führt bei Klienten in Ambivalenz oft dazu, dass sie automatisch die Gegenposition einnehmen und Gründe für den Status Quo nennen, wodurch die Veränderungsoption „abgeschossen“ wird.

  • Beispiel: „Sie müssen unbedingt mit dem Rauchen aufhören, das schadet Ihrem Herzen!“ Der Klient reagiert mit Widerstand: „Aber es ist meine einzige Entspannung im Stress.“.

3. Experte sein (Gefahr, am Ende die Schuld am Scheitern zu tragen)

  • Erklärung: Der Behandler nimmt eine autoritäre Expertenrolle ein und gibt ungefragt Ratschläge oder fertige Lösungen vor. Dies verletzt die Autonomie des Klienten. Scheitert der Plan, wird die Verantwortung oft dem „Experten“ zugeschoben.

  • Beispiel: „Ich als Fachmann sage Ihnen: Machen Sie genau diesen Plan, dann wird alles gut.“ Wenn es nicht funktioniert, sagt der Patient: „Ihr Plan war eben nicht praxistauglich.“.

4. Etikettierungsfalle (Gefahr, auf Nebenschlachtfeldern das Leben zu verlieren)

  • Erklärung: Hierbei wird versucht, dem Klienten eine bestimmte Diagnose oder ein Label (z. B. „Alkoholiker“) zuzuschreiben. Dies führt oft zu unnötigen Diskussionen über den Begriff anstatt über das eigentliche Verhalten („jemand ist“ statt „jemand tut“).

  • Beispiel: Der Therapeut sagt: „Sie sind depressiv.“ Der Klient antwortet: „Ich bin nicht depressiv, ich bin nur müde.“ Das Gespräch dreht sich nun nur noch um die Definition von Depression, nicht um die Belastungen des Klienten.

5. Sich zu früh auf etwas zu konzentrieren (Gefahr, den Patienten aus dem Blick zu verlieren)

  • Erklärung: Der Behandler legt sich zu schnell auf ein Ziel oder ein Thema fest, ohne die Anliegen des Klienten ausreichend exploriert zu haben. Der Patient fühlt sich dadurch „abgehängt“ oder nicht ernst genommen.

  • Beispiel: Ein Arzt spricht sofort über Gewichtsreduktion, obwohl der Patient wegen massiver Rückenschmerzen gekommen ist und den Zusammenhang (noch) nicht sieht.

6. Schuldfalle (Gefahr, wegen anderer nicht handlungsfähig zu sein)

  • Erklärung: Im Gespräch wird zu viel Energie darauf verwendet, zu klären, wer „schuld“ am Problem ist. Wenn die Schuld bei anderen gesucht wird, fühlt sich der Klient oft nicht mehr handlungsfähig oder verantwortlich für seine eigene Veränderung.

  • Beispiel: Der Klient sagt: „Ich trinke nur, weil mein Chef mich so mobbt.“ Wenn der Therapeut in diese Falle tappt und nur über das Fehlverhalten des Chefs spricht, verliert man den Fokus auf die Selbstwirksamkeit des Klienten.

Um diese Fallen zu vermeiden, empfehlen die Quellen den Einsatz von Aktivem Zuhören (Paraphrasieren, Verbalisieren, Explizieren) und die Einhaltung des MI-Spirits (Partnerschaftlichkeit, Evokation, Autonomie).

Change Talk

Gute Frage – Change Talk ist im Grunde das Herzstück der Motivierenden Gesprächsführung (MI) ❤️ Ich erkläre dir klar, praxisnah und anwendbar, wie Change Talk entsteht, wie du ihn förderst und wie du damit arbeitest (z. B. bei gesünderer Lebensweise/Ernährung).


1. Was ist Change Talk? (kurz & klar)

Change Talk sind Aussagen des Klienten, die für Veränderung sprechen.

👉 Nicht du überzeugst – der Klient hört sich selbst zu, wie er Gründe für Veränderung ausspricht.

Beispiele:

  • „Ich möchte mich fitter fühlen.“

  • „So wie jetzt geht es eigentlich nicht weiter.“

  • „Vielleicht wäre weniger Zucker ganz gut.“

  • „Ich habe früher schon gezeigt, dass ich das kann.“


2. Die Arten von Change Talk (DARN-CAT)

Eine bewährte Struktur:

🔹 DARN – Vorbereitung

  • Desire (Wunsch): „Ich möchte…“

  • Ability (Fähigkeit): „Ich könnte…“

  • Reason (Gründe): „Das wäre gut, weil…“

  • Need (Notwendigkeit): „Ich muss / sollte…“

🔹 CAT – Umsetzung

  • Commitment (Entschluss): „Ich werde…“

  • Activation (Bereitschaft): „Ich bin bereit…“

  • Taking steps (erste Schritte): „Ich habe schon angefangen…“

👉 In frühen Gesprächen reicht DARN völlig.


3. Wie entsteht Change Talk? (deine wichtigste Aufgabe)

Change Talk entsteht durch Evokation, nicht durch Belehrung.

🔑 Grundprinzip:

Fragen → Zuhören → Spiegeln → Vertiefen


4. Konkrete Methoden, um Change Talk zu fördern

4.1 Offene Fragen (der Klassiker)

Beispiele (Ernährung / Lebensstil):

  • „Was würde sich verbessern, wenn Sie sich gesünder ernähren?“

  • „Was stört Sie am aktuellen Essverhalten?“

  • „Warum wäre Ihnen eine Veränderung wichtig?“

  • „Was spricht für eine Veränderung?“

👉 Vermeide:

  • „Warum machen Sie das nicht?“ (Druck!)

  • „Wissen Sie nicht, dass…?“ (Belehrung)


4.2 Skalierungsfragen

Sehr MI-typisch: „Auf einer Skala von 0 bis 10 – wie wichtig ist Ihnen eine Veränderung?“

Dann nicht fragen „Warum so niedrig?“, sondern:

  • „Warum nicht niedriger?“ → fördert Change Talk

  • „Was bräuchte es, um einen Punkt höher zu kommen?“

4.3 Rückblick & Vorausblick

Rückblick: „Gab es Zeiten, in denen das Essen besser gepasst hat? Was war da anders?“

Vorausblick: „Stellen Sie sich vor, es ist ein Jahr später und Sie haben etwas verändert – was wäre dann besser?“

👉 Sehr starke Change-Talk-Auslöser.


4.4 Ambivalenz bewusst machen

Change Talk wächst oft neben Sustain Talk.

Beispiel:

„Einerseits genießen Sie Süßes sehr – andererseits merken Sie, dass es Ihnen Energie raubt.“

👉 Kein Auflösen erzwingen. 👉 Ambivalenz laut denken lassen.


4.5 Erfolgserlebnisse aktivieren

„Was haben Sie früher schon geschafft, obwohl es schwierig war?“ „Was sagt das über Sie?“

➡️ Fördert Ability-Change-Talk („Ich kann das.“)


5. Change Talk verstärken (sehr wichtig!)

Sobald Change Talk auftaucht:

🔁 Spiegeln (einfach oder komplex)

Klient: „Ich wäre gern fitter.“ Du: „Fitness ist Ihnen wichtig – Sie wünschen sich mehr Energie im Alltag.“

Oder:

„Das klingt, als ob Sie sich nach mehr Leichtigkeit sehnen.“

👉 Spiegeln = lauter machen, nicht kommentieren.

🧲 Zusammenfassen

„Sie möchten sich fitter fühlen, merken, dass Zucker Ihnen nicht guttut, und wissen aus Erfahrung, dass kleine Schritte für Sie funktionieren.“

➡️ Das wirkt oft stärker als jeder Ratschlag.


6. Was tun mit Sustain Talk? (nicht bekämpfen!)

Sustain Talk = Gründe, warum Veränderung schwer ist.

❌ Nicht:

  • diskutieren

  • überzeugen

  • korrigieren

✅ Stattdessen:

  • spiegeln

  • wertschätzen

  • daneben Change Talk fördern

Beispiel:

„Verzicht fühlt sich für Sie nach Druck an – und gleichzeitig wünschen Sie sich mehr Wohlbefinden.“


7. Mini-Beispiel (Ernährungsberatung)

Du: „Was würde Ihnen eine Veränderung bringen?“ Klient: „Ich hätte wahrscheinlich mehr Energie.“ (Reason) Du: „Mehr Energie wäre ein echter Gewinn für Sie.“ (Spiegeln) Klient: „Ja, vor allem nach der Arbeit.“ (Vertiefung) Du: „Was würden Sie mit dieser Energie gerne machen?“ (Evokation) 👉 Change Talk verstärkt sich selbst


8. Häufige Fehler (und wie du sie vermeidest)

🚫 Zu früh Lösungen anbieten 🚫 Gegenargumentieren 🚫 Change Talk ignorieren 🚫 Commitment erzwingen

✅ Zuhören ✅ Spiegeln ✅ Raum lassen ✅ Kleine Schritte würdigen


9. Merksatz

Change Talk entsteht nicht durch gute Argumente – sondern durch gute Fragen und echtes Zuhören.


·         Links Oben = unsere Stärke mit unseren Vorteile

·         Rechts Oben = ist das Gegenteil unserer Stärke mit seinen Vorteilen

·         Rechts Unten = stellt die Schwächen des Gegenteils

·          Links Unten = die Schwächen unserer Stärke

·         Quint Essenz ist, dass alle Verhaltensweisen, Charakterzüge etc. niemals nur gut oder schlecht, sondern beides sind. Durch dieses herausarbeiten, soll die Diskrepanz erhöht und eine Bereitschaft zur Verhaltensänderung leichter geöffnet werden.

 

Vier-Felder-Schema

MI-Fragenliste für jedes Feld

Die Fragen sind offen, nicht wertend und evokativ (du kannst sie 1:1 im Gespräch verwenden).

 

Feld 1 – Vorteile des Status quo (Sustain Talk verstehen & würdigen)

Ziel: Anerkennen, warum das jetzige Verhalten Sinn macht.

Fragen:

  • „Was funktioniert für Sie im Moment gut?“

  • „Was mögen Sie an Ihrer jetzigen Ernährungsweise?“

  • „Was gibt Ihnen das Essen so, wie es jetzt ist?“

  • „Was würde fehlen, wenn sich nichts ändert?“

  • „Was spricht dafür, alles so zu lassen wie bisher?“

Beispielantworten:

  • Genuss

  • Entspannung

  • Gewohnheit

  • Zeitersparnis

  • Zugehörigkeit (Familie, Kultur)

➡️ nicht kommentieren, nicht korrigieren.

 

Feld 4 – Nachteile der Veränderung (Sorgen & Befürchtungen ernst nehmen)

Ziel: Ängste sichtbar machen, ohne sie zu entkräften.

Fragen:

  • „Was macht Ihnen an einer Veränderung Sorgen?“

  • „Was könnte schwierig werden?“

  • „Wovor haben Sie Respekt?“

  • „Was müsste sich verändern, dass Sie eigentlich nicht wollen?“

  • „Was hat bei früheren Versuchen nicht gut funktioniert?“

Beispielantworten:

  • Verzicht

  • Überforderung

  • Scheitern

  • Verlust von Genuss

  • Druck von außen

➡️ Hier wächst Vertrauen, wenn du nicht beschwichtigst.

 

Feld 2 – Nachteile des Status quo (Change Talk: Gründe & Notwendigkeit)

Ziel: Aufmerksamkeit auf Belastungen des jetzigen Verhaltens lenken.

Fragen:

  • „Was stört Sie an der aktuellen Situation?“

  • „Welche Nachteile merken Sie bereits?“

  • „Welche Folgen hat das für Ihren Alltag?“

  • „Wenn sich nichts ändert – was befürchten Sie?“

  • „Was sagt Ihr Körper Ihnen im Moment?“

Beispielantworten:

  • Müdigkeit

  • Unwohlsein

  • Gesundheitswerte

  • schlechtes Gewissen

  • eingeschränkte Leistungsfähigkeit

➡️ Hier entsteht starker Change Talk.

 

Feld 3 – Vorteile der Veränderung (Change Talk: Wunsch & Hoffnung)

Ziel: Veränderung attraktiv und persönlich bedeutsam machen.

Fragen:

  • „Was würde sich verbessern, wenn Sie etwas verändern?“

  • „Was würden Sie gewinnen?“

  • „Wie würden Sie sich dann fühlen?“

  • „Wem würde diese Veränderung noch guttun?“

  • „Was wäre Ihnen daran besonders wichtig?“

Beispielantworten:

  • mehr Energie

  • bessere Gesundheit

  • Stolz

  • Vorbild sein

  • Selbstwirksamkeit

➡️ Dieses Feld immer spiegeln und vertiefen.

 

Was ist Sustain Talk? (= Widerstand)

Sustain Talk sind Aussagen des Klienten, die für das Beibehalten des Status quo sprechen.

👉 Also alles, was erklärt, warum Veränderung schwierig, unerwünscht oder unnötig ist.

Beispiele:

  • „So schlimm ist es ja nicht.“

  • „Ich esse gern so.“

  • „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.“

  • „Ich habe schon alles versucht.“

  • „Gesund essen passt gerade nicht in mein Leben.“

MI-Grundregel:

Sustain Talk nicht bekämpfen – sondern spiegeln und daneben Change Talk fördern.

Wie grenzt sich 'Widerstand' von der 'Ambivalenz' des Klienten ab?

In der Motivierenden Gesprächsführung (MI) werden Ambivalenz und Widerstand als unterschiedliche Phänomene betrachtet, die jedoch eng miteinander verknüpft sind. Die Abgrenzung lässt sich wie folgt beschreiben:

1. Ambivalenz als innerer Zustand

  • Definition: Ambivalenz wird als ein Zustand definiert, in dem Ziele „streiten“. Es ist ein normaler Zustand in der motivationalen Lage von Menschen.

  • Charakter: Sie ist geprägt von einem Für und Wider in Bezug auf einen Zielzustand (Annäherungs-Vermeidungskonflikt). Der Klient sieht gleichzeitig Gründe, die für eine Veränderung sprechen, und Gründe, die dagegen sprechen.

  • Rolle im MI: Das Ziel der Motivierenden Gesprächsführung ist die Erforschung und Auflösung von Ambivalenz, um die intrinsische Motivation zu steigern.

2. Widerstand als Beziehungsphänomen

  • Definition: Widerstand äußert sich als Ablehnung, Vermeidung oder aktives Gegensteuern gegenüber Veränderungen.

  • Charakter: Er ist kein stabiles Persönlichkeitsmerkmal des Klienten, sondern ein Resultat der therapeutischen Beziehung. Er zeigt sich durch spezifische Verhaltensweisen wie Argumentieren, Unterbrechen, Negieren, Pessimismus oder Ignorieren.

  • Rolle im MI: Widerstand ist ein deutliches Signal für Dissonanz in der Beziehung.

Zentraler Unterschied: Innerer Konflikt vs. Interpersonelle Dissonanz Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass Ambivalenz den inneren Entscheidungskonflikt des Klienten beschreibt, während Widerstand auftritt, wenn es im Gespräch zu einer Dissonanz zwischen Therapeut und Klient kommt.

Dissonanz (und damit Widerstand) entsteht laut den Quellen oft dadurch, dass:

  • Die Ziele und Anliegen beider Parteien nicht übereinstimmen.

  • Der Therapeut Partei für eine Veränderung ergreift, während der Klient noch in der Ambivalenz steckt.

  • Ein unklares oder widerstreitendes Rollenverständnis vorliegt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Während Ambivalenz das psychologische „Tauziehen“ im Klienten selbst ist, ist Widerstand das Signal dafür, dass die therapeutische Allianz durch widerstreitende Motive oder Ziele (Dissonanz) unter Spannung steht.

Author

Stef L.

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