Warum braucht man Bewertungsrahmen für Natur?
Natur als Grundlage menschlichen Wohlergehens sichtbar machen
gemeinsame “Sprache” für Ökologie, Ökonomie, Politik
Unterstützung für Entscheidungen (Planung, Schutz, Investitionen)
Wie hat sich die Sicht auf Natur historisch verändert?
früher: Natur v. a. als Ressource
später: Natur als „Dienstleisterin“ (Leistungen für Menschen)
Entwicklung: Environmental Services → Ecosystem Services → NCP
Definition von Ökosystemdienstleistungen (MA 2005)
Funktionen/Produkte von Ökosystemen
bringen Menschen direkt oder indirekt Nutzen
Ziel des ES-Konzepts
Naturleistungen sichtbar machen
messbar und bewertbar machen
Integration in Politik und Wirtschaft ermöglichen
Die 4 ES-Kategorien (MA 2005)
bereitstellend: Nahrung, Holz, Wasser
regulierend: Klimaregulation, Bestäubung, Wasserreinigung
kulturell: Erholung, Spiritualität, Ästhetik
unterstützend: Nährstoffkreisläufe, Bodenbildung, Photosynthese
Was bringt das ES-Konzept (Bedeutung/Beitrag)?
vereinfacht Kommunikation zwischen Disziplinen/Politik
Grundlage für Programme/Initiativen (z. B. TEEB, IPBES, PES)
Zentrale Kritik am ES-Konzept
Ökonomisierung: Reduktion komplexer Natur auf Geldwerte
Funktionen vs. Dienste verwechselt → doppelte Zählung möglich
Biodiversität nur „Mittel zum Zweck“ → intrinsische Werte geraten in den Hintergrund
zu wenig sozial-ökologische Kontextualisierung
Was bedeutet „Doppelte Zählung“ (Funktionen vs. Dienste)?
ein Prozess wird als „Service“ gezählt und sein Ergebnis nochmal
Beispiel: Nährstoffkreislauf (Funktion) + Ernte (bereitstellender Dienst)
Risiko: Nutzen wird überschätzt / inkonsistente Bewertungen
Was sind PES (Payments for Ecosystem Services)?
Zahlungen/Anreize für Schutz oder Bereitstellung von Ökosystemleistungen
oft: Wasserqualität, Biodiversität, Kohlenstoff, Landschaftspflege
Trinkwasserschutz München (Mangfalltal): Kernaussagen
großer Anteil des Münchner Trinkwassers aus dem Mangfalltal
Schutz über Wasserschutzgebiete + nachhaltige Forstwirtschaft + Ökolandbau
viele Landwirte stellen um; Ausgleichszahlungen pro ha und Jahr
Ziel: Wasserqualität sichern statt nachträglich teuer aufbereiten
New York City (Catskills/Delaware): Grundidee
statt (sehr teurer) Filtrationsanlage: Watershed-Programm
Investition in Schutz/Management des Einzugsgebiets
Argument: Prävention kann günstiger sein als technische Reinigung
Waldbeispiel: Bodenfilterfunktion (Nitrat)
Waldstandorte können Nitrat im Sickerwasser deutlich reduzieren
Vergleich: Wald häufig deutlich niedriger als Grenzwert (EU-Grenzwert genannt)
Bedeutung: Trinkwasserschutz durch Standort/Management
Waldbeispiel: Klimaregulation (Kühlung & C-Speicher)
Kühlung durch Evapotranspiration
Kohlenstoffspeicherung als Klimaschutzbeitrag
Stadtbezug: Baumkronen können sommerliche Temperaturen deutlich senken
Waldbeispiel: Luftfilterung & Gesundheit
Bindung von Feinstaub und Stickoxiden
Modellierungen zeigen: relevante Mengen Luftschadstoffe werden gebunden
daraus abgeleitete Gesundheitsnutzen (monetär abschätzbar)
Definition Ecosystem Disservices (EDS)
Ökosystem-generierte Funktionen/Prozesse/Eigenschaften
haben negative Auswirkungen auf menschliches Wohlbefinden
Beispiele für EDS
Gesundheit: Allergene/Pollen, Krankheitsüberträger (z. B. Mücken)
Landwirtschaft: Wildtiere zerstören Ernten
kulturell: Angst, Schmutz, Lärm
Wald/Stadt: Sturmschäden, Laub, Insektenbefall
Warum ist der Kontext bei EDS so wichtig?
Wahrnehmung/soziale Bewertung entscheidet, ob etwas als „disservice“ gilt
„EDS-biased behavior“: Menschen reagieren je nach Erfahrung, Kultur, Risiko
Konsequenz: Management muss sozial + ökologisch zusammendenken
Was fordert die EDS-Forschung für bessere Integration?
Co-Produktionen von ES & EDS berücksichtigen
räumliche/zeitliche Variationen einbeziehen
Trade-offs beachten (EDS–EDS & EDS–ES)
Einbindung in soziokulturelle Beziehungen
operationalisierte EDS-Klassifikation entwickeln
Kritik am Kaskadenmodell (Kirchhoff): zentrale Annahmen
Interesse der Menschen wird vorausgesetzt
EDS werden (implizit) ausgeblendet/vernachlässigt
„ontologische Realität“ wird angenommen (Werte als objektiv behandelbar)
Warum wurde NCP eingeführt (IPBES-Kontext)?
Reaktion auf Kritik am ES-Konzept
mehr Pluralismus in Werten und Wissensformen
Mensch–Natur-Beziehung wechselseitig (nicht nur „Natur für Menschen“)
negative Beiträge (EDS) sollen mitgedacht werden
NCP: Grunddefinition (Kernidee)
Beiträge der lebenden Natur zur Lebensqualität
sowohl positiv als auch negativ
NCP-Kategorien
materielle Beiträge
regulierende Beiträge
nicht-materielle Beiträge
Was bedeutet „Co-Produktion“ bei NCP?
Naturbeitrag entsteht durch Natur + menschliches Handeln zusammen
natürliches Kapital: ökologische Strukturen/Prozesse
anthropogenes Kapital: Wissen, Arbeit, Technik, Infrastruktur, Management
Beispiele für Co-Produktion
Bestäubung: Bestäuber + landwirtschaftliches Wissen/Management
Trinkwasser: Waldboden/Humus/Poren + Forstmanagement/Wasserschutz
Luftfilterung: Blatt/Krone + Stadtplanung/Standort- & Baumartenwahl
ES vs. NCP: wichtigste Unterschiede (kurz)
Ziel: ES eher ökonomisches Sichtbarmachen; NCP eher pluralistische Werte
Werte: ES utilitaristisch/monetär; NCP relational/kulturell/qualitativ
Mensch: ES = Empfänger; NCP = Co-Produzent
lokales Wissen: ES eher gering; NCP stärker
EDS: ES kaum integriert; NCP zumindest benannt
Was sind „relationale Werte“ (im NCP-Kontext)?
Wert entsteht aus Beziehungen (Mensch–Natur–Gemeinschaft)
nicht nur „Nutzung/Geld“, sondern Identität, Verantwortung, Verbundenheit
passt besonders zu kulturellen/indigenen Perspektiven
NCP: wichtige Neuerungen gegenüber ES
kulturelle Dimension stärker betont
indigenes & lokales Wissen integriert
relationale Werte explizit
negative Beiträge (z. B. Krankheiten, Konflikte) anerkannt
Kritik an ES
Reduktion von Natur auf Nutzen
unscharfe Trennungen/Abgrenzungen
Gefahr der Kommodifizierung (Natur wird zur „Ware“)
Gemeinsame Probleme von ES & NCP
Abstraktion der Mensch–Natur-Beziehung (zu schematisch)
Mangel an Operationalisierung (schwer messbar/indikatorisiert)
Kritik an NCP
eher semantisch neu (Umbenennung) statt methodisch neu
wissenschaftliche Unschärfe: fehlende Indikatoren/Vergleichbarkeit
Fragmentierung: ES- und NCP-Daten evtl. nicht kompatibel
Gefahr: ökologische Prozesse werden zu wenig beachtet (zu sozial fokussiert)
aus EDS-Sicht: negative Beiträge genannt, aber kaum empirisch integriert/messbar
a) Fazit zu ES
b) Fazit zu NCP
a)
starke Kommunikationsleistung
politisch wirksam
ökonomisch gut anschlussfähig
b)
konzeptionell offener und sozial inklusiver
methodisch/indikatorisch noch schwach ausgearbeitet
Warum sind EDS „unverzichtbar“?
realistisches Bild: Natur liefert Nutzen und verursacht Kosten/Risiken
bessere Entscheidungen durch Abwägung von Trade-offs
verhindert „Schönfärben“ von Naturbeiträgen
Zukünftige Forschung: wichtigste Punkte
ES + NCP + EDS integrieren (ganzheitlicher Rahmen)
Co-Produktion & soziale Gerechtigkeit stärker berücksichtigen
lokale Wissenssysteme & kulturelle Werte ernst nehmen
Fokus: welche Mensch–Natur-Beziehung wir fördern, nicht nur Begriffe
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