Beratung - Begriffsklärung
Information / Auskunft
Wissen zur Verfügung stellen, jemanden über etwas benachrichtigen
Aneignung des Wissens obliegt empfangender Person
Aufklärung
Problemverständnis, meist bei bestimmten Zielgruppen erzeugen, welches zu Einstellungs- und/oder Verhaltensänderungen führen soll
Aneignung des Wissens obliegt empfangenden Zielgruppen
z. B. Aufklärungskampagnen zum Rauchen in der Schwangerschaft
Schulung / Anleitung
gezieltes Vermitteln von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten
Aneignung wird mittels didaktischen Methoden gesteuert und unterstützt
Case Management
richtet sich an Menschen in (hoch-)komplexen Problemlagen und Versorgungskonstellationen
erfolgt bezogen auf den Einzelfall und längerfristig
zentrale Aufgaben: Identifikation von Fällen, Assessment der Versorgungssituation, Entwicklung und Abstimmung eines Versorgungsplanes, Umsetzung, Monitoring und Evaluation der Versorgung
Wie ist die Definition von Beratung nach dem Zentrum für Qualität und Pflege?
„Beratung ist eine als Kurzzeitintervention konzipierte Unterstützung, die das Ziel verfolgt, Strategien zur Problemlösung zu entwickeln. Sie ist auf einen bestimmten Zeitraum bezogen und nicht dauerhaft angelegt.“
(Zentrum für Qualität in der Pflege, 2016)
Was ist das Ziel von Beratung?
Beratung
Ziel: Horizont der Klienten zu erweitern
Berater*in stellt eigene Sichtweisen und Meinungen zurück
Ratsuchende beauftragen den Beratenden nicht, für sie zu handeln
Beratung ist nicht direktiv, sondern begleitend ausgerichtet
Wie lautet das Menschenbild beim Konzept der Integrativen Beratung nach Sue Culley?
Konzept der Integrativen Beratung nach Sue Culley
Zugrundliegendes Menschenbild
Jeden Menschen so akzeptieren, wie er/sie ist, und Verständnis entgegenbringen, weil er/sie ein Mensch ist.
Menschen können sich ändern.
Menschen verschaffen ihren Handlungen ihre eigne Bedeutung.
Menschen sind Expert:innen für sich selbst.
Menschen wollen ihre Potentiale in die Tat umsetzen.
Menschen handeln zweckhaft.
Wenn Menschen ihre Ziele selbst setzen können, arbeiten sie härter an deren Umsetzung
Was bedeutet Kommunikative Grundhaltung?
Kommunikative Grundhaltung
Grundhaltungen der personenzentrierten Gesprächsführung nach Carl R. Rogers
Echtheit (auch Authentizität, Kongruenz, Wahrhaftigkeit)
Wertschätzung (auch wertschätzende Annahme, Akzeptanz und Toleranz)
Einfühlendes Verstehen (auch Einfühlung, Empathie)
Wie lauten die Beratungsphasen nach Culley?
Beratungsphasen
Anfangsphase: Fokus auf den Aufbau einer tragfähigen Arbeitsbeziehung, die Klärung des Problems und die Festlegung eines gemeinsamen „Arbeitsvertrages“.
Mittelphase: Umfasst die Neubewertung der Probleme sowie die gezielte Vorbereitung von Veränderungen unter Beibehaltung der Zielorientierung.
Endphase: Sicherstellung des Transfers der Lernerfolge in die spezifische Lebenswelt der Klient*innen sowie die Bearbeitung von Umsetzungsbarrieren.
Wie lauten die Ziele der Beratungsphasen nach Culley?
Ziele der Beratungsphasen
Was sind Notwendige Fertigkeiten & Strategien in den einzelnen Phasen nach Culley?
Notwendige Fertigkeiten & Strategien
Welche grundlegenden Fertigkeiten werden in den Beratungsphasen genutzt?
Grundlegende Fertigkeiten
zuhören (aktives Zuhören)
reflektieren (vergleichbar mit aktivem Zuhören)
wiederholen
paraphrasieren
zusammenfassen
sondieren
durch Fragen
durch Feststellungen
durch Konkretisieren
Was heißt Wiederholen im Sinne der Reflexion?
Reflexion
Wiederholen
einzelne Wörter oder Sätze wortwörtlich wiedergeben
emotional stark aufgeladene und bedeutsame Wörter / Sätze
ermutigt zu weiteren Ausführungen
günstiger als eine direkte Nachfrage
Beispiel:
„Das war ein sehr einschneidendes Erlebnis mit dem Schlaganfall.“
„Einschneidend…“ vs. „Was meinen Sie mit: einschneidend?“
Was heißt Paraphrasieren im Sinne der Reflexion?
Paraphrasieren
wiederholen von Inhalten und wahrgenommenen Gefühlen mit eignen Worten
Wirkungen / Absichten
Wahrnehmung überprüfen, was gesagt wurde
Verstehen und Akzeptanz vermitteln
Informationen sammeln
vertrauensvolle Beziehung aufbauen
ermuntert, entschleunigt, kommunikationsförderlich
Wie kann Paraphrasieren umgesetzt werden?
Paraphrasieren umsetzen
als „schwebende“ Frage formulieren
kurze, wertfreie Formulierungen
keine Deutungen oder Informationen in Paraphrase einbauen
gleichmäßige Stimmlage
Beispielformulierungen:
„Sie sagten gerade, dass …“,„Wenn Sie sagen, dass … bedeutet dies dann, dass…?“
„Habe ich richtig verstanden, dass…?“
Was heißt Paraphrasieren von Gefühlen im Sinne der Reflexion?
Paraphrasieren von Gefühlen / Verbalisieren emotionaler Erlebnisinhalte (VEE)
die mit dem Gesagtem verbundenen Gefühle erfassen und ansprechen
nicht nur Emotionen, die bewusst sind
auch Gefühle wiedergeben, die Gesprächspartner/in noch nicht in Worte fassen kann, die aber vielleicht im Gesagtem „mitschwingen“
Ziel: Berater:in erlangt Klarheit über Gefühle des/der Klient:in
z.B. „Das klingt für mich so, als seien Sie traurig …“
Was heißt Begleitendes Zusammenfassen im Sinne der Reflexion?
Begleitendes Zusammenfassen
Zusammenfassen mehrerer Aspekte, Probleme, Inhalte, die angesprochenen wurden
länger als eine Paraphrase
Welche Funktionen hat Begleitendes Zusammenfassen im Sinne der Reflexion?
Funktionen
Beginnen und Beenden einer Beratungssitzung
Zusammenfassen, um Klarheit über Inhalte und Gefühle zu bekommen
„Ich möchte einmal prüfen, ob ich Sie richtig verstanden habe. …“
Rückblick auf die bisherige Beratungsarbeit / Bestandsaufnahme
Prioritäten setzen / Schwerpunkte wählen
zusammenfassen, um einen neuen Schwerpunkt in der Beratung zu setzen
—>Wahl liegt aber beim/bei der Klient*in
„Worauf sollten wir uns jetzt konzentrieren?“
Was ist geeinget und nicht geeignent beim Sondieren durch Fragen stellen werden?
Sondieren
durch Fragen stellen
geeignet: offene Fragen, hypothetische Fragen, zirkuläre Fragen
nicht geeignet: geschlossene Fragen, Entweder-Oder-Fragen, Warum-Fragen (Wie kommt das - Fragen), mehrere Fragen hintereinander stellen
Wie kann Sondieren durch Fragen stellen umgesetzt werden?
Umsetzungsempfehlungen
kurze, direkte Fragen stellen
wenn passend, kurz sagen, weshalb Sie die Frage stellen
„Ich möchte mir Klarheit verschaffen: …“
„Ich möchte prüfen, ob ich Sie richtig verstanden habe:“
aber Frage ohne lange Erläuterungen oder Erklärungen stellen
wenn möglich, Frage mit vorher Gesagtem verbinden
Was ist Sondieren durch Feststellungen ?
nach kurzer Zusammenfassung des bisher Gesagten, erfolgt ein Statement der/des Berater:in
wenn Sie das Gefühl haben, das Fragen zu aufdringlich sind
Wie kann Sondieren durch Feststellungen umgesetzt?
z. B. „Sie haben bisher … geschildert. Es würde mich interessieren, wie ihre Mutter über ihre Lebenssituation denkt.“ statt „Wie denkt ihr Mutter über ihre Lebenssituation?“
Welche Funktionen hat Sondieren durch Feststellungen?
Fokus von anderen auf sich richten
z. B. „Sie haben mir erzählt, wie ihr Vater die Situation sieht. Mich würde interessieren, wie Sie die Situation einschätzen.“
Bewegung vom Vagen zum Konkretem
z. B. „Sie haben mir über Probleme und damit im Zusammenhang stehenden Menschen in Ihrem Leben berichtet. Ich bin insbesondere daran interessiert, um welche einzelnen Probleme es sich handelt.“
Bewegung vom Inhalt zu Gefühlen
z. B. „Sie haben mir von der häuslichen Situation mit Ihrer Mutter berichtet und die damit verbundenen Probleme geschildert. Ich denke, dass damit auch Gefühle verbunden sind, von denen wir bisher noch nicht gesprochen haben.“
Voraussetzung: Einfühlungs- und Vorstellungsvermögen des/der Berater:in
Was ist Sondieren durch Konkretisieren?
Konkretisieren
insbesondere bei vagen und unklaren Aussagen
Konkretisierung von Gedanken, Gefühlen oder Deutungen Voraussetzung für Veränderung von Verhalten, Sichtweisen oder Deutungen
mittels einer Frage nach einem Beispiel
z. B. „Was wäre ein Beispiel für eine schwierige Situation mit ihrem Sohn?“
mittels eines Beispiels des/der Berater:in
z. B. „Wenn ihr Sohn abends nicht zur vereinbarten Zeit nach Hause kommt, ist das dann ein Beispiel, für eine schwierige Situation?“
Anfangsphase
Wie kann eine tragfähige Arbeitsbeziehung aufgebaut werden?
Aufbau einer tragfähigen zwischenmenschlichen Arbeitsbeziehung
Rogers Grundhaltungen – Empathie, Wertschätzung, Echtheit (s. Blended Learning– Inhalte)
Akzeptanz
Wertschätzung von Unterschiedlichkeit und Anerkennung der Erfahrungen der Klient*innen
Menschen agieren so wie es ihnen in der Situation am besten möglich ist
(Einfühlendes) Verstehen
Lebenswelt von Klient*innen aus deren Perspektive sehen und für deren Erfahrungen offen sein
aber: es ist nie möglich, Menschen vollständig und wirklich zu verstehen
Unterstützung und Herausforderung
Unterstützung: an Seite der Klient*innen stehen, aber nicht erretten wollen
Herausforderung: Aspekte von Verhalten oder Denken thematisieren, die hinderlich / ungünstig sind
Vertrauen
konsistentes und zuverlässiges Verhalten miteinander
gegenseitiges Akzeptieren und einander Verstehen wollen
auch wenn Klient*innen verbal angreifen oder negative Emotionen entgegenbringen
emotionale Nähe und Distanz
paradoxe Situation: intime Gedanken und Gefühle von Klient*innen kennen UND gleichzeitig auf eine professionelle Distanz achten
Wie können Probleme geklärt und abgegrenzt werden?
Klärung und Abgrenzung von Problemen
Zentrale Fragen
Welche Themen und Anliegen wollen Klient*innen bearbeiten?
Wie sehen die Klient*innen sich und ihre Probleme?
Welche Sichtweisen und Erklärungen haben die Klient*innen zum Anliegen?
Wie fühlen sich die Klient*innen bezogen auf das Anliegen?
Wer ist für das Anliegen noch relevant?
Was ist das Ziel der Anfangsphase?
Ziel: Erarbeitung eines gemeinsamen Verständnisses, was Themen der Beratung sein sollen und welche Ziele innerhalb der Beratung verfolgt werden sollen
In welchen Dimensionen/ Bereichen können Probleme der Klienten betrachtet werden?
Bewertung der Probleme
Ein Bezugsrahmen … drei Dimensionen menschlicher Existenz
Einschätzungsfragen aus Sicht von Berater*innen:
Ist die Beratung, die ich anbieten kann, die passende für die/den Klient*in? Kann er/sie einen Nutzen für sich aus der Beratung ziehen?
Was weiß ich darüber, wie und womit der/die Klient*in Zeit und Energie verwendet (Arbeiten), welche Unterstützung und Herausforderungen er von anderen Menschen erfährt oder an diese abgibt (Beziehung) und welches Bild hat er/sie von sich selbst?
Was weiß ich darüber, wie sich der/die Klient*in fühlt, denkt und wie sie sich verhält? Was weiß ich nicht?
Was glaubt der/die Klient*in von sich, was hält sich von anderen und generell vom Leben?
Ist ein Muster oder ein Generalthema erkennbar?
Gibt es Themen, die möglicherweise vermieden oder als weniger wichtig angesehen oder übersehen werden?
Welche Widersprüchlichkeiten (verbal vs. nonverbal) kann ich im Verhalten erkennen?
Welchen Zwängen ist er/sie ausgesetzt, über welche Ressourcen verfügt er/sie und wo liegen die Defizite?
Strategien der Anfangsphase
Was ist das Ziel des Explorierens?
Explorieren
Ziel: Klient*innen unterstützen ihre Anliegen zu artikulieren
Wie kann Explorieren umgesetzt werden?
Wie?
konkrete und spezifische Formulierung von Gedanken, Gefühlen und Verhalten anregen bzw. dazu ermutigen
Wie geht es Ihnen? vs. Wie ist es Ihnen letzte Woche ergangen?
Mit Ihrem Leben sind Sie nicht zufrieden? vs. Was ist denn im Besonderen schief gelaufen?
Beispiele zur Konkretisierung anbieten oder nach konkreten Beispielsituationen fragen
konzentrierte Arbeit am Thema unterstützen
z. B. ein Thema noch einmal ansprechen, wenn Klient*innen schnell zwischen Themen springen „Vorher haben Sie darüber gesprochen, dass …. Möchten dazu noch etwas sagen oder wollen wir lieber zum Thema X weiter sprechen?
=>Veränderung des Verhaltens setzt voraus, dass Klient*innen verstehen, wie sie fühlen, denken und handeln und in welcher Weise dies hinderlich ist.
Klient*innen ermuntern über sich, anstatt bedeutsame andere Personen zu sprechen
nur das eigne Verhalten und Denken kann verändert werden —>Verantwortung für sich und eignes Handeln übernehmen lernen
Kontrastieren: Klient*in auffordern sich vorzustellen, dass sie sich anders als bisher verhalten
z. B. „Wie würden Sie sich denn verhalten, wenn Sie nicht scheu wären?“
z. B. „Wenn Sie sich vorstellen, dass Sie sich gern gegenüber Ihrem Kollegen anders verhalten wollen: Wie würde dieses Verhalten aussehen? ODER Was für ein Bild haben Sie davon?“ „Woran könnte der Kollege, ihr neues Verhalten erkennen?“
ermöglicht klares Teilergebnis der Beratung zu formulieren
zeigt konkret auf, welche Art der Veränderung des Verhaltens von Klient*in gemeint ist
Was können Einschätzungsfragen aus Sicht der Berater sein?
Auf welche Anliegen hat sich der/die Klient*in konzentriert?
Welche wichtigen Bereiche sind ausgelassen wurden?
Was bewirken die Anliegen für den/die Klient*in?
Wer außer dem/der Klient*in ist betroffen?
Wann tauchen die besprochenen Probleme typischerweise auf?
Was hat der/die Klient*in bereits versucht, um das Problem zu bewältigen?
Welche Unterstützung hat der/die Klient*in?
Prioritäten setzen und Fokussieren
Was heißt das ?
mit den Klient*innen entscheiden, welches Problem Vorrang gegenüber anderen Problemen hat und zuerst bearbeitet werden soll
Was sind hilfreiche Überlegungen oder Fragen?
hilfreiche Fragen / Überlegungen:
Welches Ihrer Probleme ist von größter Bedeutung?
Welches Anliegen verursacht die größten Schwierigkeiten?
Welches Problem würde für Sie den größten positiven Effekt haben, wenn wir es im Gespräch klären können?
Welche Themen betreffen Sie unmittelbar und welche könnten wir hinten anstellen?
Welches Problem könnte am leichtesten angegangen und gelöst werden und könnte ihm/ihr ein Erfolgserlebnis versprechen?
Welches Problem eignet sich für die Beratung im Gespräch und welches sollte anders angegangen werden?
Vermitteln von Grundwerten
Wie lässt sich Akzeptanz, Wertschätzung und einfühlendes Verstehen vermitteln?
Akzeptanz und Verstehen werden vermittelt, indem man den Klienten als Partner auf Augenhöhe behandelt, seine Sichtweise durch Spiegeltechniken (Paraphrasieren) validiert und auch in schwierigen emotionalen Phasen eine verlässliche, nicht-beurteilende Präsenz zeigt
Vermittlung durch wertschätzende Haltung
Anerkennung der Einzigartigkeit: Jeden Menschen so akzeptieren, wie er ist, und Unterschiedlichkeit sowie die individuellen Erfahrungen des Klienten anerkennen
Positiver Blick auf das Handeln: Davon ausgehen, dass Menschen in einer Situation so agieren, wie es ihnen aktuell am besten möglich ist
Rollenverständnis: Den Klienten als Experten für sich selbst betrachten und ihm zutrauen, dass er seine Potenziale umsetzen möchte
Umgang mit Widerstand: Akzeptanz bedeutet auch, konsistent und zuverlässig zu bleiben, selbst wenn der Klient (wie im Fallbeispiel Herr Renner) verbale Angriffe oder negative Emotionen zeigt
Methodische Vermittlung (Kommunikative Fertigkeiten)
Aktives Zuhören: Dem Klienten signalisieren: „Ich bin ganz Ohr“. Dies geschieht durch volle Aufmerksamkeit und das Zurückstellen eigener Filter wie Werte, Meinungen oder kulturelle Vorurteile
Paraphrasieren: Das Wiederholen von Inhalten und wahrgenommenen Gefühlen mit eigenen Worten. Dies zeigt dem Klienten, dass seine Botschaft ankommt, und ermöglicht es der Fachkraft, die eigene Wahrnehmung wertfrei zu überprüfen.
Verbalisieren emotionaler Erlebnisinhalte (VEE): Hierbei werden Gefühle angesprochen, die im Gesagten „mitschwingen“, aber vielleicht noch nicht ausgesprochen wurden (z. B. „Das klingt für mich so, als seien Sie traurig...“). Dies vermittelt tiefes einfühlendes Verstehen (Empathie).
Wiederholen: Das wortwörtliche Wiedergeben emotional aufgeladener Wörter ermutigt den Klienten zu weiteren Ausführungen und zeigt, dass seine Gefühle ernst genommen werden.
Einfühlendes Verstehen (Empathie) konkret umsetzen
Lebenswelt des Klienten aus dessen Perspektive sehen und offen für seine Erfahrungen sein
professionelle Distanz zu wahren: Man kennt die intimen Gedanken des Klienten, bleibt aber in der Beraterrolle, ohne ihn „erretten“ zu wollen.
Durch begleitendes Zusammenfassen zeigt der Berater, dass er den roten Faden der Erzählung verstanden hat und hilft dem Klienten, Klarheit über die eigenen Inhalte und Gefühle zu gewinnen.
Wie vermitteln Sie Akzeptanz, Wertschätzung und einfühlendes Verstehen?
Patient*innen und deren An- und Zugehörigen
Aufbau einer tragfähigen Arbeitsbeziehung
Akzeptanz vermitteln: Erkennen Sie die Erfahrungen der Betroffenen (z. B. die Sorgen der Tochter Lotte oder den Frust von Herrn Renner) als deren individuelle Realität an. Akzeptanz bedeutet hier auch, konsistent und zuverlässig zu bleiben, selbst wenn der Patient (wie Herr Renner) verbal angreift oder negative Emotionen zeigt
Wertschätzung: Patient = Experte für sich selbst. Dies zeigen Sie, indem Sie eigene Sichtweisen zurückstellen und den Patientinnen ermöglichen, ihre Anliegen selbst zu artikulieren.
Einfühlendes Verstehen: Lebenswelt aus Perspektive des Pat. zu sehen; Verbalisieren emotionaler Erlebnisinhalte (VEE) nutzen, um mitschwingende Gefühle wie Angst oder Überforderung anzusprechen (z. B.: „Es klingt für mich so, als hätten Sie große Sorge um Ihren Vater...“).
Kolleg*innen, Mitarbeitenden
Grundwerte helfen, Missverständnisse zu reduzieren und die Zusammenarbeit zu stärken
Aktives Zuhören: eigene Filter (wie Vorurteile oder eigene Meinungen) bewusst ausschalten
Paraphrasieren: Sachverhalte mit eigenen Worten wiederholen, um sicherzustellen, dass die Position richtig verstanden wurde. Vermittelt dem Gegenüber Verstehen und Akzeptanz
Sondieren durch Feststellungen: Wenn Sie das Gefühl haben, dass direktes Fragen im Team als zu aufdringlich empfunden wird, nutzen Sie Feststellungen (z. B.: „Ich habe gehört, dass Sie mit der neuen Planung unzufrieden sind. Mich würde interessieren, wie Sie die Situation einschätzen.“).
Familienmitgliedern
Herausforderung hier die Selbstbetroffenheit, die als Filter beim Zuhören wirken kann
Akzeptanz: Akzeptieren Sie Familienmitglieder so, wie sie sind, ohne sie sofort ändern oder „erretten“ zu wollen.
Wiederholen: Nutzen Sie das wortwörtliche Wiederholen emotional aufgeladener Begriffe. Wenn ein Familienmitglied sagt, eine Situation sei „furchtbar“, wiederholen Sie das Wort fragend („Furchtbar...?“), um tieferes Interesse zu signalisieren, ohne durch eigene Deutungen zu unterbrechen.
Echtheit: Seien Sie als Familienmitglied kongruent und authentisch in Ihrer Kommunikation.
Freunden
Emotionale Nähe steht im Vordergrund, wobei die Techniken der Gesprächsführung das Vertrauen vertiefen können.
Empathie: Versuchen Sie, für die Erfahrungen der Freunde offen zu sein, auch wenn diese sich von Ihren eigenen unterscheiden.
Konkretisieren: Unterstützen Sie Freunde bei vagen Schilderungen durch das Fragen nach Beispielen (z. B.: „Was wäre ein Beispiel für eine schwierige Situation in deinem Job?“), um echtes Interesse an ihrem Alltag zu zeigen.
Zusammenfassen: Nutzen Sie das begleitende Zusammenfassen, um bei komplexen persönlichen Problemen gemeinsam Klarheit über die Gefühle und Inhalte zu gewinnen
Mittelphase
Was sind Ziele der Mittelphase?
Ziele
Neubewertung von Problemen
=>ohne Neubewertung keine Veränderungen des Verhaltens möglich
=>nur neue Sichtweisen eröffnen neue Handlungsmöglichkeiten
Bedeutung von Problemen wird bei Klient:innen verändert
hat Klient:in erst einmal neue Sicht- oder Verhaltensweisen für sich erkannt, fällt es schwerer auf alte Verhaltensweisen zurückzugehen
Erkenntnis, dass Klient:innen selbst zumindest teilweise „Architekt:innen“ ihrer eignen Probleme sind, kann schmerzhaft sein
Strategien der Mittelphase
Herausfordern
… meint Infrage stellen von Bisherigem, diskutieren, stimulieren und hervorrufen
… zielt darauf ab, Aspekte von Anliegen dem Klient:innen selbst bewusst zu machen, die bisher kaum oder nicht bewusst waren.
Berater:innen teilen Hypothesen über Klient:innen selbst und deren Problem mit diesen
z. B. „Ich bin mir nicht sicher, ob das, was ich Ihnen jetzt sagen werde, für Sie Sinn macht. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Mahlzeiten für Sie eher ein Muss als ein Genuss sind. Könnte es sein, dass Sie sich deshalb wenig Zeit dafür nehmen und häufig nebenbei essen.“
z. B. „Mir geht dazu folgendes durch den Kopf: Ich möchte Sie gern daran teilhaben lassen. Mir scheint es so, dass es Ihnen wichtig ist, über alles in Ihrem Unternehmen Bescheid zu wissen und es Ihnen deshalb schwer fällt, Aufgaben zu delegieren.“
… bedeutet nicht, dass es eine „richtige“ Sichtweise gibt, sondern ist vielmehr die Absicht zu einer Neubewertung zu verhelfen
Was sind Inhalte?
Inhalte?
Angedeutetes àaktives Zuhören (Was schwingt zwischen den Zeilen mit?)
identifizierte Muster und Themen, die das Leben von Klient:innen durchziehen
Hinweise darauf z. B. „Das ist mal wieder typisch für mich, dass ich mich nicht getraut habe, meine Meinung zu sagen.“
von Klient:innen übersehene Ressourcen, Defizite, Fähigkeiten oder Fertigkeiten
Was nehmen Sie für Ressourcen, Fähigkeiten oder Defizite war, die Klient:innen nicht sehen?
Glaubenssätze und deren Folgerungen
Glaubenssätze sind tief verwurzelte Überzeugungen, die unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen und im ungünstigen Fall begrenzen.
… werden oft mit Hilfszeitwörtern umschrieben z. B. sollte, müsste, hätte/hat zu geschehen
z. B. „Ich sollte auf ihn nicht wütend sein. Er kann nichts für sein Verhalten. Es liegt an der Erkrankung.“
z. B. „Sie hatte nicht das Recht, mir böse zu sein. Ich wollte doch nur das Beste für sie.“
unausgedrückte Gefühle
Wie kann das umgesetzt werden?
offene, beiläufige Formulierung
Klient:in fähig, Herausforderung anzunehmen und für sich zu nutzen
„Verkraftet“ Klient:in Herausforderung?
Herausforderung relevant für Anliegen, welches bearbeitet wird?
Beachte: Keine Kritik von wenig hilfreichen Verhaltensweisen oder Glaubenssätzen!
Herausfordern durch Konfrontieren
Mit was kann herausgefordert werden durch Konfrontation?
Mit was?
Widersprüchlichkeiten …
Selbst- und Fremdbild (vgl. Feedback)
der Weise, wie Klient:innen sich selbst wünschen und wie sie wirklich sind
z. B. „Sie wünschen sich im Umgang mit den Kolleg:innen mutiger sein und Ihre Meinung zu vertreten, gleichzeitig meiden Sie Kontakt zu Kolleg:innen, von denen Sie wissen, dass Sie unterschiedliche Positionen vertreten.“
verbalen und nicht-verbalem Verhalten
z. B. „Sie erzählen mir, dass Sie den Alltag mit Ihrem Kind gut bewältigen, gleichzeitig sehe ich Ihre hängenden Schultern und den erschöpft wirkenden Blick und ihre Stimme wird dabei leiser.“
dem, was Klient:innen sagen, dass sie es möchten und dem, was zu tun, um es zu bekommen
z. B. „Sie erzählen mir, dass Sie sich vorgenommen haben, ein Musikinstrument zu erlernen. Gleichzeitig fällt es Ihnen schwer, sich von Ihrer Arbeit zu lösen und übernehmen regelmäßig Zusatzaufgaben. Wie klingt das für Sie?
mit „Entschuldigungen“ bzw. „Vorwänden“ bestimmte Dinge (nicht) zu tun oder bestimmte Verhaltensweisen (nicht) anzuwenden
Herausfordern durch Feedback geben
Was heißt das?
Berater:innen geben Feedback an Klient:innen über diese
Klient:in kann das Selbstbild mit Fremdbild des/der Berater:in in Beziehung setzen
Feedback zu wahrgenommenen Stärken und Ressourcen oder zu Defiziten
Veränderungsprozess dadurch einleiten, dass Klient:innen mehr von dem tun, was für sie positiv als, als sich darauf zu konzentrieren, negative Verhaltensweisen zu vermeiden
Beschreibung von konkreten Verhaltensweisen
Ich-Botschaften
z. B. „Ich habe bemerkt, dass …“ „Ich habe das Gefühl, …“ Ich denke im Moment, dass …“ „Ich möchte wissen, ob …“
Beschreiben der möglichen Konsequenzen des Verhaltens
z. B. „Ich erlebe, dass Sie sehr gedankenreich, über das sprechen, was Sie tun. Sie sagen aber nichts über Ihre Gefühle und drücken diese auch nicht aus. Daher ist es für mich schwer 46 vorzustellen, was für Sie von Bedeutung ist.“
Herausfordern durch Selbstmitteilung von Berater:innen
Berater:innen teilen eigne Erfahrungen mit ihren Klient:innen
Beachte: Fokus geht auf Berater:in über, daher nur sparsam verwenden
passend zur Situation der Klient:innen wählen
Ich-Form
klare, eindeutige Worte wählen
am Ende, Fokus wieder an Klient:in zurückgeben
z. B. „Ich möchte wissen, ob das bei Ihnen ähnlich ist?“ „Gibt dieses Beispiel für Ihre Situation einen Sinn?“
z. B. „Ich denke, wenn ich in der Situation wäre, würde ich auch niedergeschlagen und verletzt sein. Ich möchte wissen, ob das bei Ihnen ähnlich ist?“
z. B. „Mir fiel es bis vor einem Jahr auch schwer, jeden Tag mit dem Fahrrad auf Arbeit zu fahren, insbesondere wenn es regnete, setzte ich mich wieder ins Auto. Gibt dieses Beispiel für Ihre Situation einen Sinn?“
z. B. „Wenn mein Sohn mit mir so umgehen würde, wäre ich auch wütend und es fiele mir schwer, auf ihn zu zugehen. Ich möchte wissen, ob das bei Ihnen ähnlich ist?“
Endphase
Was passiert in der Endphase?
Ziele setzen
Ziele sind das, was Klient:innen erreichen wollen.
Ziele müssen von Klient:innen entwickelt und formuliert werden.
Ziele müssen operationalisiert werden und erreichbar sein.
Es kann hilfreich sein verschiedene Ziele abzuwägen.
z. B. Vorteile und Nachteile aufschreiben / diskutieren, die mit diesem oder jenem Ziel verbunden sind
Gefühle, die mit den Zielen in Verbindung stehen, thematisieren, hilfreich bei Abwägungsprozess
Wie zur Zielentwicklung kommen?
Brainstorming: Alle Bedenken, Ängste und kritischen Selbsturteile beiseitelassen und so viele Möglichkeiten von künftigen Veränderungen ins Auge fassen, die vorstellbar sind.
unterstützende Fragestellungen:
a) Kennen Sie jemanden, der ein ähnliches Problem managt: Was macht diese Person?
b) Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihr Problem auf eine neue, verrückte Weise lösen: Was würden Sie dann machen?
im zweiten Schritt: alle Ideen auf Umsetzbarkeit prüfen (Realitätscharakter, Ressourcen)
im dritten Schritt: Auswahl der besten Ziel(e) durch Klient:in
Satzergänzung: Berater:innen geben Satzanfänge vor, die geäußerte Vorstellungen oder Wünsche von Klient:innen enthalten, z.B.
„Wenn mein Management mit dem Reitstall völlig anders wäre als bisher, dann …“
„Wenn mein Leben mit den Töchtern völlig anders wäre als bisher, dann …“
„Wenn meine Ernährung gesünder als bisher wäre, dann …“
Wunderfrage
Fantasie in die Zukunft
Stellen Sie sich unterschiedliche Zukünfte vor
anschließend Auswahl der für den/die Klient:in „besten Zukunft“
Zielentwicklung
Was ist eine Wunderfrage?
Was ist eine Fanatasiereise in die Zukunft?
Mit welchen Modellen können Ziele formuliert werden?
Formulierung von Zielen
RUMBA-Prinzip
Relevant
Ziel(e) stimmt mit den Wünschen bzw. Zielen des/der Klient:in überein
Understandable (verständlich)
Der/die Klient:inversteht, worum es bei der Zielerreichung geht.
Measurable (messbar)
Es existieren messbare Kriterien, die die Verbesserung / Veränderung für Klient:in und Berater:in beschreiben können.
Behaviorable (durch Verhaltensänderung beeinflussbar)
Das Ziel soll durch Verhaltensänderung erreichbar sein.
Achievable (erreichbar)
Ziel(e) ist/sind im terminierten Zeitabschnitt erreichbar.
SMART-Prinzip
Spezifisch
Die Definition des Ziels sollte eindeutig definiert sein.
Messbar
Das Erreichen des Ziels (der Erfolg) muss messbar sein.
Attraktiv
Das Ziel muss attraktiv, akzeptabel und motivierend sein.
Realistisch
Das Ziel muss mit realistischem Aufwand zu erreichen sein.
Terminiert
Die Zielerreichung sollte terminiert sein.
Handlungen planen
Was ist das Ziel?
Ziel: das „wie“ der Umsetzung der formulierten Ziele entwickeln
Welche denkbaren Handlungsoptionen gibt es?
Welche denkbaren Handlungsoptionen gibt es überhaupt? —>Brainstorming
z. B. „Ich schlage vor, dass wir alle Wege, an die man denken kann und die helfen könnten, um Ziel X zu erreichen, auf eine Liste setzen.“
im zweiten Schritt: Handlungsoptionen abwägen
z. B. Passen die Optionen zu den Möglichkeiten oder Werten der/des Klient:in?
z. B. Welche Vorteile oder Nachteile bieten die Handlungsoptionen?
Überlegungen der/des Berater:in: Meidet der/die Klient:in bestimmte Handlungsoptionen?
im dritten Schritt: Auswahl der für die Klient:in besten Handlungsoption(en)
Was hindert Klient:innen zu handeln?
Es fehlen Ihnen geeignete Fertigkeiten.
z. B. Menschen, welche sehr lange arbeitssuchend sind, hilft weniger eine erneute Bewerbung, sondern bspw. ein Training zur Steigerung des Selbstwertgefühls und für Präsentationsfertigkeiten.
Die Handlungen sind mit Nachteilen / Risiken verbunden.
Ängste, Sorgen oder Nachteile können real oder auch nur angenommen sein.
Ängste explorieren, Realitätscharakter gemeinsam eruieren oder auch Ängste auf einer Skala einschätzen lassen und damit Bedrohlichkeit verringern
Abwägen von positiven Aspekten für Handeln und möglichen Risiken.
Belohnungen für die Handlungen werden als nicht groß genug angesehen.
Die Konsequenzen des veränderten Handeln sind nicht bedeutsam genug und/oder weitreichend genug. (vgl. Theorie des geplanten Verhaltens)
Was heißt Handlungen evaluieren?
Handlungen evaluieren
Problem gelöst, auf dem Weg sich zu lösen?
Sind neue Verhaltensweisen zielführend?
Wenn nicht: mit Klient:innen erarbeiten, wo die Schwierigkeiten liegen
Am Ziel selbst? An den gewählten Handlungsoptionen? Zeigen sich nicht vorhersehbare Schwierigkeiten?
je nach Schwierigkeit, Lösung für das Problem entwickeln
Ziel neu formulieren; andere Handlungsoptionen erarbeiten oder auf erstellte Liste zurückgreifen und neu auswählen; Umgang mit unvorhersehbaren Schwierigkeiten entwickeln (Ziel formulieren, Handlungsoptionen finden und auswählen)
Abschluss der Beratung
Wann ist das Ende der Beratung erreicht?
Ende der Beratung erreicht, …
wenn Klient:innen das erreicht haben, was diese erreichen wollten
wenn Klient:innen gut mit Ihren Problemen klar kommen und keine weitere Unterstützung mehr benötigen
wenn der/die Klient:in den Beratungsprozess abbricht
Wie kann der Abschluss der Beratung geplant werden?
den Abschluss planen
z. B. „Wir haben in der kommenden Woche unseren letzten Termin miteinander. Mich würde interessieren, was für Gedanken und Gefühle Sie dabei haben?“
Wie kann der Lernprozess durch den Klienten reflektiert werden?
Reflexion des Lernprozesses durch Klient:innen
Fragen Sie die Klient:innen, wo sie zu Beginn des Beratungsprozesses standen und lassen Sie das mit dem jetzigen Denken und Verhalten vergleichen.
Ermutigen Sie positive Fortschritte auch im positiven Licht zu sehen.
Geben Sie eine Feedback, wie sich aus Ihrer Sicht die Klient:innen entwickelt und verändert haben.
Besprechen Sie auch besondere oder kritische Punkte im Verlauf der Beratung.
Blick in die Zukunft: Diskutieren Sie, inwieweit das neue Verhalten in Zukunft bei ähnlichen Problemen helfen bzw. genutzt werden kann.
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