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Bodenkunde

JH
by Jules H.

Warum kommt es zur C-Sättigung (auch ohne Menschen)?

  1. Endliche „Stabilisierungskapazität“ an Mineraloberflächen

    • großer Teil des langlebigen SOC wird über Mineralassoziation stabilisiert

      -> schützt organische Substanz vor Abbau

    • aber: reaktive Oberflächen, Ladungen und funktionelle Gruppen sind begrenzt

    • sind gut bindende Plätze „belegt“, kann zusätzlicher C weniger effektiv in stabile Formen überführt werden

  2. Begrenzung & Nicht-Linearität durch Aggregierung/physikalische Abschirmung

    • physikalischer Schutz passiert u. a. in Aggregaten/Mikroaggregaten mit organo-mineralischen Assoziationen

    • Strukturen können nicht beliebig immer mehr C „wegschließen“; zudem können sie durch Prozesse wie schnelle Wiederbefeuchtung destabilisiert/zerstört werden (was geschützten C wieder zugänglich macht)

  3. Mikrobielle Prozesse holen „auf“, je mehr Substrat zugänglich ist

    • ob eingetragener C im Boden bleibt oder als CO₂ wieder rausgeht, hängt stark von Substratzugang und mikrobieller Effizienz sowie vom Mikroklima/Redox ab

    • wenn zusätzlicher C nicht mehr gut mineralgebunden/abgeschirmt wird, bleibt er mikrobiell leichter erreichbar → Mineralisierung steigt, und Netto-Zunahme flacht ab

  4. Natürliche Störungen/Klimaextreme verhindern dauerhaftes „Durchladen“

    • Dürre, Hitze, Frost, Feuer, Schädlingsfolgen können CO₂-Flüsse stark negativ verschieben und so C-Aufbau immer wieder zurücksetzen

  5. Beobachtetes Muster: abnehmender Grenznutzen („diminishing returns“)

    • C-Sequestrierung ist begrenzt und Effektivität der Corg-Akkumulation nimmt mit der Zeit ab


Trockener Boden + Starkregen: was passiert?

1) Direkt beim Auftreffen: Rainsplash + Verschlämmung/Krustenbildung

  • Regentropfen wirken als Dispersions- und Verdichtungs-Agenten: schlagen Bodenpartikel los (Rainsplash) und können die Poren an der Oberfläche verstopfen, wodurch sich Oberflächenkruste bildet

  • Kruste senkt die Infiltration zusätzlich → Wasser läuft leichter oberflächlich ab

2) “Luftsprengung” (Aggregate brechen bei schnellem Wiederbefeuchten)

  • bei sehr schneller Wiederbefeuchtung dringt Wasser zuerst in größere Poren ein; in kleineren Poren bleibt Luft eingeschlossen

  • wenn Wasser weiter eindringt, steigt Luftdruck in Lufteinschlüssen – Aggregate werden destabilisiert und können auseinanderbrechen

    -> Ergebnis: mehr feine, leicht transportierbare Partikel

3) Dann: Oberflächenabfluss (Runoff) setzt ein

  • sobald Oberflächenspeicher/Depressionsspeicher oder Bodenwasserspeicherung überschritten sind, entsteht Oberflächenabfluss

  • Abfluss löst und transportiert Material: erst flächig (Sheet/Schichterosion), dann in Linien (Rillen/Gräben)

4) Erosion + Folgen: Nährstoffe/organische Substanz weg, Gewässerprobleme rauf

  • On-site (am Standort):

    • Boden geht verloren

    • Struktur bricht weiter runter

    • organische Substanz & Nährstoffe nehmen ab

    • Fruchtbarkeit und nutzbare Bodenfeuchte sinken

  • Off-site (außerhalb):

    • Sedimente/Nährstoffe belasten Gewässer

    • Überflutungsrisiko steigt

    • P & N fördern Eutrophierung

5) Warum “nach Trockenheit” besonders schlimm? Vegetationsdecke fehlt

  • Dürre/Hitze → Pflanzensterben → weniger Vegetationsbedeckung -> Erosion begünstigt

  • Nährstoffverluste und schlechtere Bodenqualität

  • Vegetationsrückkehr wird erschwert

  • Starkregen/Überflutung kann ebenfalls Erosion/Nährstoffverluste fördern und Bodenqualität verschlechtern

6) C-/Wasserqualitäts-Effekte nach Trocken→Nass

  • Birch-Effekt

    • nach Trockenheit sinkt mikrobielle Aktivität stark; bei Wiederbefeuchtung kann es zu einem Birch-Effekt kommen (plötzlich erhöhte CO2-Freisetzung)

  • DOC/“Humus-Flush” in Gewässer

    • lange Trockenperioden + Starkregen sind Treiber für Transport von DOC ins Gewässer

    • dabei können hohe Humus- und Aromatenanteile im DOC auftreten


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Jules H.

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