Buffl

Wasser

JH
by Jules H.

Eutrophierung im Fließgewässer

  • Definition

  • Seen vs. Flüsse

  • Ablauf

  • Einfluss auf hyporheisches Interstitial

  • Ursachen

  • Folgen

  • Prävention


  • Eutrophierung = Nährstoffüberschuss im Gewässer

    • durch Phosphor (P) und Stickstoff (N)

    • getrieben durch menschliche Aktivitäten

    • führt zu Verschlechterung der Gewässerqualität


Warum Flüsse „anders“ reagieren als Seen

  • Seen:

    • stehendes Wasser

    • tendenziell wärmer

    • oft weniger O₂

    • anfälliger („Nährstoffkreislauf“)

  • Flüsse:

    • Strömung

    • meist mehr O₂

    • kühler

    • insgesamt weniger anfällig

    • Nährstoffe werden entlang des Flusses transportiert („Nährstoffspirale“)


Ablauf

  1. Erhöhter N- und P-Eintrag

  2. Übermäßiges Algen-/Pflanzenwachstum

  3. weniger Licht + mehr Abbau organischer Masse

  4. Sauerstoff zehrt & Wasserqualität sinkt

  5. Lebensraumverschlechterung


Schlüsselstelle in Fließgewässern: hyporheisches Interstitial (Kieslückensystem)

  • Flüsse haben Selbstreinigungskraft über das durchströmte, belebte Porensystem der Gewässersohle (Austausch Flusswasser ↔ Grundwasser)

  • Funktion: Abbau von Nähr- und Schadstoffen + Lebensraum

  • Problem bei Eutrophierung: Algen-/Feinsedimente begünstigen Kolmation → Selbstreinigung & Lebensraum gehen verloren


Ursachen

  • Natürliche Quellen:

    • Verwitterung

    • Auswaschung organischen Materials

    • Deposition

    • biologische Fixierung

    • natürliche Selbstreinigung

  • Anthropogene Quellen (Haupttreiber):

    • Industrie

    • Landwirtschaft

    • Abwässer

    • Landnutzungsänderung

    • Düngung + Erosion


Folgen

Wasserqualität

  • O₂ sinkt

  • Lichtdurchlässigkeit sinkt

  • N- und P-Konzentrationen steigen

Biodiversität & Habitat

  • konkurrenzstarke, „eutrophe“ Pflanzen/Algen nehmen zu → Verdrängung

  • Kolmation → Verlust von Laichplätzen und Lebensraum

  • Risiko der Begünstigung invasiver Arten

Sozioökonomisch

  • schlechtere Badewasser-/Erholungsqualität

  • Tourismusverluste

  • teure Trinkwasseraufbereitung

  • Gesundheitsrisiken


Prävention/Maßnahmen

Im Einzugsgebiet

  • Landwirtschaft: angepasste Düngung, Erosionsschutz, Zwischenfrüchte, Extensivierung

  • Stadt: Sturmwassermanagement

Im Gewässerraum

  • strukturverbessernde Maßnahmen

  • Flussrenaturierung

  • Pufferzonen/Uferstreifen

  • Wiederanbindung von Auen


Erosion von Feinpartikeln in Fließgewässer. Was kann passieren und warum ist das

schlecht?

  • wenn in Fließgewässer Feinpartikel erodiert werden, werden sie mit Strömung transportiert und lagern sich in ruhigen Bereichen und im Kieslückensystem ab

  • kann mehrere „Kettenreaktionen“ auslösen

Was kann passieren?

1) Trübung & Sedimentfracht steigt

  • Wasser wird trüb, Licht dringt schlechter ein → weniger Photosynthese

  • Feinpartikel können Kiemen/Filterorgane von Tieren belasten

2) Ablagerung im Kiesbett → Kolmation

Kolmation = Feinmaterial verstopft Porenräume im Kies/Schotter des Gewässerbetts

Folgen:

  • weniger Wasseraustausch zwischen Flusswasser und Porenraum

  • Sauerstoff kommt schlechter nach

  • entstehen leichter sauerstoffarme bis anoxische Zonen

  • Feinsedimente bringen oft auch organisches Material + Nährstoffe mit → mikrobielle Zersetzung zieht zusätzlich O₂ ab

3) Zusetzung der hyporheischen Interstitialräume

  • Hyporheikum ist Übergangszone, wo Flusswasser in Untergrund einsickert und wieder austritt

  • Interstitial sind Hohlräume zwischen Kies/Steinen

Wenn diese Räume zu sind:

  • Lebensraum geht verloren

  • Stoffaustausch wird stark reduziert

4) Brutplätze von Kieslaichern werden unbrauchbar

  • viele Fische legen Eier in Kiesgruben

  • Feinsediment:

    • verklebt Zwischenräume → Eier ersticken, weil O₂-Nachschub fehlt

    • erschwert das Schlüpfen/Abwandern der Larven

5) Chemische Effekte: Nährstoff-/Schadstofftransport

Feinpartikel haben große Oberfläche → binden leicht

  • Phosphor/Nährstoffe → Eutrophierungsimpulse

  • Schadstoffe/Metalle → Eintrag in sensible Bereiche des Systems


Wer lebt im hyporheischen Interstitial – und warum ist das wichtig?

Wer lebt dort?

  • Mikroorganismen

  • Meiofauna

  • Makrozoobenthos zwischen Kies

  • frühe Lebensstadien vieler Arten: Eier/Larven

Warum sind die wichtig?

  • „Bioreaktor“ des Flusses (zentrale Abbau- und Umwandlungsprozesse):

    • Abbau von organischer Substanz

    • Nährstoffumsetzungen

  • stabilisiert Wasserqualität

  • Basis für Nahrungsketten

  • Refugium: Hyporheikum kann Rückzugsraum sein


Methoden zur Ermittlung der Stellung im Nahrungsnetz

1) Mageninhaltsanalyse (wer frisst was?)

  • Mikroskopie: Identifikation der aufgenommenen Ressourcen im Magen/Darm

  • besonders gut bei Karnivoren

  • zeigt sehr kurzfristige Ernährungsänderungen

  • technisch/laborativ relativ einfach

  • Metabarcoding: genetische Auswertung von Mageninhalten

  • Einschränkung: bei Primärkonsumenten oft geringe Aussagekraft (z. B. „amorpher Detritus“)


2) Stabile Isotope (was wird langfristig assimiliert?)

  • δ¹⁵N: zeigt, auf welcher trophischen Ebene Konsumenten stehen bzw. ob sich ihre Position verschiebt

  • δ¹³C: zeigt Energiequelle (z. B. ob Energie aus benthischen Ressourcen in höhere Ebenen „hochgetragen“ wird)

  • wichtiger Punkt: Isotope erfassen langfristige Effekte, nicht nur Momentaufnahmen

  • Prinzip: Mit jedem trophischen Transfer kann sich das „schwere“ Isotop anreichern

  • Grenzen im Freiland:

    • überlappende Isotopensignaturen der Ressourcen

    • Konsumenten außerhalb des Mischungsraums

Erweiterungen innerhalb des Isotopen-Ansatzes

  • Isotopenadditions-Experimente, um Stoff-/Energieflüsse gezielter nachzuverfolgen

  • Wasserstoffisotope als alternativer Tracer


3) Literaturdatenbanken

  • Nutzung vorhandener Ernährungs-/Link-Informationen aus der Literatur, um trophische Links und damit trophische Positionen zuzuordnen


4) Quantitative Auswertung/Modelle (aus Daten wird „trophische Ebene“)

  • für Konstruktion und Berechnung (u. a. „trophische Ebene jedes Konsumenten“) werden Software/Ansätze genannt


5) „Schnell“ über Ernährungstypen (trophische Rolle als Proxy)

  • im Fließgewässer wird oft über Ernährungstypen eingeordnet (z. B. Grazer/Weidegänger, Detritivore/Collectors mit Shreddern & Filtrierern; Omnivore, invertebrate Räuber, Fische)

  • ist eher funktionelle Einordnung und kann als Proxy für die Stellung im Nahrungsnetz dienen



Author

Jules H.

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