Was ist Lesen?
Aktivierung der Aussprache (Phonologie) und Semantik anhand von orthographischer Information (visuelle Struktur)
Was ist der verwandtes zwischen geschriebener und gesprochener Sprache?
Was sagt die Neuronal Recycling Hypothesis aus?
Befasst sich mit der Frage wie wir des Lesens mächtig sind, obwohl es keine angeborenen neuronalen Strukturen im Gehirn dafür gibt
Antwort: Via Neuronal Recycling:
Neuronale Strukturen, die für andere erstanden sind, werden “recycled” und für den Leseprozess benutzt
Visual Word Form Area (VWFA) spielt zentrale Rolle für die orthographische Verarbeitung und verbindet visuelle Informationen mit
Mentalen Lexikon
Semantik
Phonologie
Wie sieht das Netzwerk von Gehirnarealen aus, die für das Lesen zuständig sind?
Blau V1: Visuelle Verarbeitung
Gelb Dorsal Stream (V5, PPC): Visuelle Aufmerksamkeit
Rot Visual Word Form Area (VWFA): Äquivalent zu Fusiform Face Area (FFA) in der rechten Hemisphäre, verbindet visuelle Information mit Phonologie, Semantik & Lexikon
Grün Semantische Verarbeitung (“parasitisch” auf Sprache)
Orange Motorische Prozesse (Aktivierung der Artikulation)
Wieso liegt die Visual Word Form Area (VWFA) in der linken Hemisphäre?
Weil Lesen eine visuelle Eingangsfunktion für Sprache ist und sprachliche Verarbeitung beim Menschen überwiegend links-lateralisiert ist.
Wie erfolgt das Erkennen von Buchstaben?
Buchstaben werden als abstrakte Symbole erkannt, d.h. ein Buchstabe wird trotz unterschiedlicher Schreibweisen erkannt
Priming-Studien: civic – CIVIC vs. rents – RENTS: Gleich effektiv, auch wenn die Buchstaben bei “rents” verschieden als Klein- vs. Großbuchstaben aussehen (Kinoshita & Kaplan, 2008)
Top-Down Prozesse: Word Superiority Effect (z.B. Carr, 1979) “Ist der Buchstabe “R” in dem kurz präsentierten Wort enthalten?”
CARPET (Wort) – HARPOT (Pseudowort) – CTRPSL (Konsonantenreihe)
Unterschied zwischen Wort und Konsonantenreihe
Inkonsistente Befunde für Unterschied zwischen Wörtern & Pseudowörtern
Effekt zeigt, dass Wörter orthografisch im mentalen Lexikon verankert sind, was einen Top-Down-Einfluss auf die Buchstabenerkennung hat
Was lässt sich über die Visual Word Form Area: “Das” Neuronale Korrelat des Lesens sagen?
Was sagt das Zwei-Wege-Modell aus?
geht von lexikalischer und sublexikalischer Route aus
Doppeldissoziation:
Unregelmäßige Wörter (“yacht”) OK, Pseudowörter (“grenty”) beeinträchtigt → Lesen via lexikalische Route möglich, sublexikalische gestört
= phonologische Dyslexie
Pseudowörter OK, unregelmäßige Wörter beeinträchtigt → Lesen via sublexikalische Route möglich, lexikalische gestört
= Surface-Dyslexie
Phonologische Aktivierung bei sublexikalischer Route ist obligatorisch beim Lesen (“innere Stimme” beim Leise lesen)
Was sagt das Dreiecksmodell (Konnektionistisches Modell) aus?
Ähnlichkeit zu Zwei-Wege-Modell: Zwei Wege, die Orth., Sem. & Phon. verbinden
Unterschiede zu Zwei-Wege-Modell:
Lernt durch neuronale Netzwerke → Zuerst zufällig zugeteilte Parameter, dann Feedback mit Backpropagation
👉 Verhalten entsteht durch Training, nicht durch eingebaute Regeln
Sublexikalische Kenntnis als statistische Muster gespeichert, nicht als Regeln
👉 Das Modell „weiß“, dass GH oft /g/ oder /f/ sein kann, nicht weil eine Regel existiert, sondern weil es das gelernt hat.
Wortkenntnis distribuiert statt mentalem Lexikon
👉 Ein Wort ist kein Ort, sondern ein Aktivierungsmuster
Zwei-Wege-Modell erklärt Lesen durch Struktur – Drei-Wege-Modell erklärt Lesen durch Lernen.
Welche Arten der Dyslexie gibt es?
Acquired Dyslexia: Beeinträchtigung der Lesefähigkeit nach Läsion
Developmental Dyslexia: Schwierigkeiten beim Lesenlernen bei Kindern
Interaktionen im Laufe der Entwicklung
Korrelate vs. Ursachen: Phonologische Bewusstheit: Was ist “PLARST” ohne ‘s’? → “Plart” (mündliche Aufgabe). Starkes Korrelat, aber ist dies kausal?
Potentieller kausaler Zusammenhang (etwas kontrovers): Phonologische Bewusstheit → Verständnis des Prinzips, dass ein Phonem einem Buchstaben entspricht → Dekodieren von unbekannten Wörtern (bzw. Pseudowörtern)
Heterogenität der Manifestation: Zusammenspiel von vielen (neuro)kognitiven Prozessen
Was sagt die Magnocellular/Dorsal Deficit Theory aus?
Ein Defizit in den Magnozellen führt dazu, dass die Verarbeitung im Dorsal Stream beeinträchtigt ist
Kinder mit Developmental Dyslexia haben einen magnozellulären Defizit, sodass der Dorsal Stream weniger effektiv ist.
Durch die Beeinträchtigung des Dorsal Streams haben sie Probleme, die visuelle Aufmerksamkeit auf die richtige Stelle im Text zu richten.
Was ist Letter-Speech-Sound Processing und wie hängt es mit der Missmatch-Negativity zusammen?
Letter-Speech-Sound-Processing
bezeichnet die Fähigkeit visuelle Buchstaben mit ihren entsprechenden Sprachlauten zu verknüpfen.
Missmatch-Negativity
ist ein EEG-Paradigma mit dem man misst, ob das Gehirn automatisch eine Abweichung in der Reizsequenz erkennt
Bei Personen mit Dyslexie verzögert/ reduziert
Kinder mit Dyslexie haben keine Schwierigkeiten mit der Wahrnehmung von Lauten (klassische Kondition zeigt MMN); zusätzlicher Mismatch erhöht den MMN nicht → keine automatische Integration
Personen mit mit Dyslexie zeigen eine Einschränkung im Letter-Speech-Sound-Processing, d.h. Sie haben Probleme Grapheme (Buchstaben) automatisiert mit ihrem Phonem zu verknüpfen. Dass dieser Prozess automatisiert abläuft, ist notwendig, um flüssig zu lesen
Welche Ursachen hat Dyslexie?
Zusammenspiel biologische, kognitiven, entwicklungsbedingten- & Umweltfaktoren
Distale versus proximale (unmittelbare) Ursachen: Genetik → Gehirn → Kognition → Verhalten
Welche Aussagen stimmen zur Zahlenverarbeitung?
Wie lassen sich die numerischen Fähigkeiten lateralisieren?
Hypothese: Rechte Hemisphäre für ungefähre Zahlenverabeitung, linke Hemisphäre für genaue
Wieso? → Sprachverarbeitung als Unterstütung für genaue Zahlenverarbeitung
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