Was ist internationale Politik?
Gemäß der Definition von Frank Schimmelfennig (2021) und der Vorlesung: „Internationale Politik ist die Gesamtheit aller Interaktionen, die auf die autoritative Verteilung von Werten jenseits staatlicher Grenzen gerichtet sind.“
Warum sind die Internationalen Beziehungen relevant?
Aufgrund der zunehmenden Interdependenz (gegenseitige Abhängigkeit), globaler Herausforderungen (Klimawandel, Sicherheit, Pandemien), der Notwendigkeit internationaler Kooperation und der Analyse von Konflikt- und Friedensursachen.
Was ist das didaktische Konzept?
Das Konzept dieser Vorlesung (Uni Potsdam) setzt auf die Verknüpfung von Theorie und Empirie, unter anderem durch die von dir genannte One-Pager Methode (Strukturierung komplexer Inhalte auf einer Seite) sowie problemorientiertes Lernen anhand aktueller Fallbeispiele.
Die internationale Politik ist formal nicht hierarchisch geordnet, ihr Ordnungsprinzip ist daher die Anarchie. Wahr oder falsch?
Wahr. Anarchie bezeichnet in den IB das Fehlen einer zentralen Weltregierung, die Regeln verbindlich durchsetzen kann.
Durch die in der internationalen Politik dominierende Anarchie verfügen Staaten nicht über die vollständige interne Souveränität. Wahr oder falsch?
Falsch. Souveränität ist das Gegenstück zur Anarchie: Staaten verfügen (völkerrechtlich) über die ausschließliche Kompetenz im Inneren, während sie nach außen keiner höheren Instanz unterstellt sind.
Welche aktuellen Themen bzw. Nachrichten können Sie eindeutig dem Bereich der internationalen Politik zuordnen?
Beispiele aus der Übung: Die Treffen der Ramstein-Kontaktgruppe zur militärischen Unterstützung der Ukraine, internationale Klimagipfel (COPs) oder Verhandlungen über globale Handelszölle.
Bei welchen Ereignissen der aktuellen internationalen Politik können Sie Effekte der Bedingungen der „Anarchie“ beobachten?
Wenn Staaten Selbsthilfe betreiben (z. B. eigenständige Aufrüstung), wenn internationale Haftbefehle (z. B. des IGH/IStGH) ignoriert werden oder wenn Sicherheitsdilemmata entstehen (ein Staat rüstet zur Verteidigung auf, was andere als Bedrohung wahrnehmen).
Was sind und wozu brauchen wir Theorien der internationalen Politik?
Theorien dienen als „Brillen“ zur Komplexitätsreduktion. Sie helfen dabei, die Realität zu ordnen, zu erklären, Vorhersagen zu treffen und Handlungsempfehlungen zu geben.
Welche Bedeutungen haben die verschiedenen Analyseebenen der Theorien der Internationalen Beziehungen?
Sie bestimmen den Fokus der Erklärung: Suchen wir die Ursache beim Individuum (Staatschef), beim Staat (Innenpolitik/Regimetyp) oder in der Systemstruktur (Anarchie/Machtverteilung)?
Nennen Sie zwei Ebenen zur Analyse von Phänomenen der internationalen Politik. Charakterisieren Sie je ein Unterscheidungsmerkmal und nennen Sie je ein Beispiel!
Systemische Ebene: Fokus auf die Struktur des internationalen Systems. Beispiel: Das Sicherheitsdilemma im Kalten Krieg aufgrund der bipolaren Machtverteilung.
Staatliche Ebene: Fokus auf die inneren Merkmale eines Staates (z. B. Regimetyp). Beispiel: Der „Demokratische Friede“ (Demokratien führen gegeneinander keinen Krieg).
Nennen und beschreiben Sie zwei Funktionen, die Theorien erfüllen!
Erklärungsfunktion: Identifikation von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen (Warum gibt es Krieg?).
Orientierungs-/Ordnerfunktion: Systematisierung von Informationen durch Konzentration auf wesentliche Variablen.
Welche Theoriegattungen kennen Sie?
Rationalistische Theorien (Realismus, Institutionalismus, Liberalismus), konstruktivistische Theorien und kritische Theorien (Feminismus, Postkolonialismus).
Welches Strukturmerkmal kennzeichnet das internationale System?
Anarchie
Was bezeichnet der Begriff „Disposition“ in Zusammenhang mit IB-Theorien nach Schimmelfennig?
Disposition bezeichnet die handlungsrelevanten Merkmale der Akteure (wie Identitäten, Interessen, Ressourcen oder Präferenzen), die zusammen mit der Situation das Handeln bestimmen.
Welches der folgenden aktuellen Ereignisse illustriert eindeutig die Definition von internationaler Politik (gemäß Vorlesung und Frank Schimmelfennig)?
Welche Funktionen erfüllen deskriptive und kausalanalytische Theorien?
„Der Nahost-Konflikt lässt sich nur durch die israelische Innenpolitik verstehen!“ Welche Analyseebene ist hier angesprochen?
„Die deutsche Außenpolitik gegenüber Russland ist das Ergebnis der Fehleinschätzungen Angela Merkels!“ Welche Analyseebene ist hier angesprochen?
„Im Ukraine-Krieg geht es nicht um die Ukraine, sondern um den Großmächte-Konflikt zwischen den USA, Russland und China!“ Welche Analyseebene ist hier angesprochen?
Was sind die Annahmen und Theorieelemente in der realistischen Theorieschule?
Zentrale Akteure: Staaten sind die wichtigsten Akteure (Einheitliche Akteure, oft als „Black Box“ bezeichnet).
Struktur: Das internationale System ist geprägt durch Anarchie (Fehlen einer Weltregierung).
Handlungslogik: Staaten streben nach nationalem Interesse, definiert als Macht (klassisch) oder Sicherheit/Überleben (neorealistisch).
Sicherheitsdilemma: Das Streben nach Sicherheit führt zu kollektiver Unsicherheit.
Interaktion: Fokus auf relative Gewinne (Nullsummenspiel).
Welches Vorhersagen trifft die realistische Theorieschule über die internationale Ordnung und das Vorkommen von Krieg?
Krieg ist ein unvermeidbares Merkmal der internationalen Politik.
Frieden ist nur als negativer Frieden (Abwesenheit von Krieg) durch ein Machtgleichgewicht (Balance of Power) möglich.
Stabilitätsversprechen: Bipolare Systeme (z. B. Kalter Krieg) gelten als stabiler als multipolare Systeme.
Machtverschiebungen (Power Transitions) erhöhen die Kriegswahrscheinlichkeit.
Warum wurde der realistischen Theorieschule der Rücken gekehrt?
Scheitern der Vorhersage: Der Realismus konnte das friedliche Ende des Ost-West-Konflikts (Kalter Krieg) nicht erklären.
Zunehmende Kooperation: Die Gründung und der Erfolg internationaler Institutionen widersprachen dem rein kompetitiven Weltbild.
Neue Akteure: Die wachsende Bedeutung von NGOs, internationalen Organisationen und globalen Märkten ließ das „Staaten-zentrierte“ Bild lückenhaft erscheinen.
Hat die neorealistische Theorie ihre Erklärungskraft im 21. Jahrhundert verloren?
Diskussion: In der VL/Übung wird oft Michael Zürn zitiert.
Argumente für den Erhalt: Der Ukraine-Krieg wird oft als „Rückkehr des Realismus“ gesehen (Machtpolitik, Einflusssphären, Sicherheitsbedenken Russlands).
Argumente für den Verlust: Transnationale Probleme wie der Klimawandel oder Pandemien lassen sich mit rein machtpolitischen Logiken nicht lösen, da sie globale Kooperation erfordern.
Worin liegen die beiden in der VL diskutierten Besonderheiten des Neorealismus im Vergleich mit dem vorangegangenen klassischen Realismus?
Analyseebene: Der klassische Realismus (Morgenthau) setzt am Individuum an (menschlicher Machttrieb). Der Neorealismus (Waltz) setzt am System an (Anarchie/Struktur).
Zielsetzung: Im klassischen Realismus streben Staaten nach Machtmaximierung. Im Neorealismus streben sie primär nach Sicherheitsmaximierung (Überleben).
Anders als ein Multipolares System schafft ein Unipolares System temporär weitgehende Stabilität in der internationalen Politik. Wahr oder Falsch?
Falsch. Laut neorealistischer Logik (Waltz) ist Unipolarität instabil, da der Hegemon Widerstand und „Balancing“-Versuche anderer Staaten provoziert. Bipolarität gilt als das stabilste System.
In einem bipolaren System sind zwei mächtige Staaten im Konflikt, die anderen Staaten ordnen sich einem der beiden Staaten (z.B. in Form eines „Blocks“) zu. Wahr oder Falsch?
Wahr. Dies beschreibt die typische Blockbildung (wie im Kalten Krieg), bei der die kleineren Staaten Schutz bei einer der beiden Supermächte suchen.
Was beschreibt das "Sicherheitsdilemma"?
Welcher Faktor entscheidet dem Realismus zufolge über die Position eines Landes im internationalen System?
Welches der folgenden Merkmale weist der offensive Realismus Nationalstaaten zu:
Welche Ausprägung des internationalen Systems ist – vor allem Neorealismus zufolge – am ehesten instabil und kriegsanfällig?
Wie erklärt die Perspektive des Neorealismus den Kalten Krieg?
Warum, wann und wo werden welche Kriege geführt?
Warum: Ursachen sind vielfältig – Machtstreben (Realismus), Sicherheitsdilemmata, Ressourcenkonkurrenz oder Identitätskonflikte (Konstruktivismus).
Wann: Häufig bei Machtverschiebungen im internationalen System, beim Zerfall staatlicher Autorität oder bei der Verletzung von Normen.
Wo: Aktuell finden Kriege vermehrt im Globalen Süden (z. B. Sudan, Myanmar) sowie in Osteuropa (Ukraine) statt.
Welche: Man unterscheidet nach Akteuren:
Zwischenstaatlich: Staat gegen Staat.
Innerstaatlich (Bürgerkrieg): Regierung gegen Rebellen (heute die häufigste Form).
Extrastaatlich: Staat gegen einen nicht-staatlichen Akteur außerhalb des eigenen Territoriums (z. B. koloniale Kriege).
Wie erklärt die realistische Theorieschule Kriege, insbesondere die Abnahme zwischenstaatlicher Kriege, die Verteilung von Kriegen und die Zunahme innerstaatlicher Kriege?
Abnahme zwischenstaatlicher Kriege: Realisten erklären dies primär durch Abschreckung (insbesondere nuklear) und das Machtgleichgewicht (Balance of Power). Der „Großmachtfrieden“ seit 1945 ist für sie ein Erfolg stabiler Abschreckungskonstellationen.
Verteilung von Kriegen: Kriege konzentrieren sich dort, wo Machtvakua entstehen oder wo das System aus der Balance gerät.
Zunahme innerstaatlicher Kriege: Dies ist für den klassischen Realismus schwer zu erklären, da er den Staat als Einheit sieht. Moderne Realisten betrachten Staatszerfall jedoch als „Mikro-Anarchie“, in der verschiedene Gruppen (wie Milizen) in ein Sicherheitsdilemma geraten und um das Überleben kämpfen.
Warum, wann und wo werden welche Kriege geführt? (Erklärungsfaktoren auf verschiedenen Analyseebenen) Die Übungsfolien (Woche 2 & 4) strukturieren die Erklärungen so:
Individuelle Ebene: Merkmale von Entscheidungsträgern (z. B. Putins Ideologie, psychologische Faktoren, Fehlwahrnehmungen).
Staatliche Ebene: Regimetypen (Demokratie vs. Autokratie), wirtschaftliche Stabilität, interne Machtkämpfe oder Staatskapazität.
Systemische Ebene: Die Struktur des Systems (Anarchie), die Verteilung von Machtressourcen (Bipolarität vs. Multipolarität) und technologische Faktoren (Kernwaffen).
Eine multipolare Welt ist anfälliger für Kriege als eine bipolare Welt. Wahr oder Falsch?
Wahr. Laut dem Neorealismus (Kenneth Waltz) sind bipolare Systeme stabiler, weil sie die Komplexität reduzieren: Es ist klar, wer der Gegner ist, und es gibt weniger Unsicherheit über Bündniswechsel. Multipolarität führt eher zu Fehlkalkulationen und Instabilität.
Dem Realismus zufolge treten in Phasen starker Hegemonie eine Staats viele Kriege auf, da der Hegemon sich global durchsetzen möchte. Wahr oder falsch?
Falsch, da laut Realismus (Theorie hegemonialer Stabilität) führen Phasen starker Hegemonie zu Stabilität und weniger Kriegen. Machtkonzentration verringert die systemische Unsicherheit. Kriege entstehen demnach eher bei Machtverschiebungen, wenn die Vormachtstellung eines Hegemons schwindet oder herausgefordert wird.
Zur Analyse der Ursachen, Strategien und Lösungsansätzen internationaler Konflikte unterscheidet der (Neo-)Realismus drei Analyseebenen (Images). Welche gehört nicht dazu?
In welcher Region finden derzeit die meisten Konflikte statt?
Welche Aussage beschreibt das Menschenbild des klassischen Realismus (z.B. nach Morgenthau) am besten?
Was versteht man unter dem Phänomen “Großmachtfrieden“?
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