Unter welcher Frage untersuchen liberale Theorien die internationalen Beziehungen?
Was ist die zentrale Annahme?
Wie beeinflussen innerstaatliche Strukturen und gesellschaftliche Gruppen die Außenpolitik von Staaten?
=> internationale Politik wird nicht nur durch Anarchie, sondern auch durch innerstaatliche Präferenzen und gesellschaftliche Strukturen bestimmt
Wo ist der zentrale Unterschied zwischen Theorien wie dem Realismus oder Institutionalismus?
Liberale Theorien öffnen die ,,black box” und können somit auch als Ergänzung zu den beiden anderen Theorien gesehen werden, die die innerstaatliche Struktur komplett ausblenden
Was sind die 5 Kernannahmen liberaler Theorien?
Das prägende Strukturmerkmal internationaler Beziehungen sind Anarchie und staatliche und gesellschaftliche Strukturen.
Die wichtigsten Akteure sind innerstaatliche Akteure, die nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung handeln.
Die Kennzeichen des internationalen Systems werden durch die Interaktionen zwischen Staaten herausgebildet (umgedrehte Logik also)
Liberaler Internationalismus: Internationale Beziehungen streben auf die Etablierung von Institutionen hin, die Akteuren größtmögliche Freiheit gewähren: liberale Institutionen.
Analytischer Liberalismus: Ähnliche Strukturen, Präferenzen , Werte = Stabilität und andersrum.
Welche 2 Arten liberaler Theorie lassen sich unterscheiden? Was untersuchen sie?
Liberaler Internationalismus (wertbezogene Variante)
Analytischer Liberalismus (analytische Variante)
=> untersuchen Faktoren, die zu Kooperation oder Konflikt in internationalen Beziehungen führen
Was fragt liberaler Internationalismus?
Was ist der Einfluss von liberalen Werten und Institutionen (Freiheit, Menschenrechte, Demokratie) auf internationale Beziehungen?
Was sind die spezifischen Charakteristika liberaler Ordnungen/was zeichnet liberale Weltordnungen im Vergleich zu illiberalen aus?
=> z.B Debatte um ,,demokratischen Frieden”
Was fragt der liberale Internationalismus bei der Debatte um sog. ,,demokratischen Frieden” ?
Was ist die Erkenntnis?
Was sind die Gründe dafür?
Frage: Warum führen Demokratien miteinander wenig Kriege (historisch betrachtet) ?
Erkenntnis: Dyaden (Paare) von Demokratien haben ein anderes Konfliktverhalten als Dyaden von Nichtdemokratie und Demokratie
=> weniger Konflikte generell, wenn Konflikt, dann nicht gewaltvoll
Gründe: Demokratische Ordnungen sind wirtschaftlich offener (und somit interdependenter) und haben rechtsbasierte Ordnungen (Völkerrecht, Menschenrecht)
=> dies bestätigt die Annahme liberaler Theorien: innere Verfasstheit von Staaten beeinflusst Frieden im internationalen System!
Worauf basiert liberaler Internationalismus?
Diese Theorie basiert auf der Idee des Liberalismus
(Freiheit des Einzelnen als grundlegende Norm menschlichen Zusammenlebens)
=> ursprüngliche Vertreter: John Locke, Adam Smith, Kant
Was fragt analytischer Liberalismus? (explizite Gegenbewegung zum wertorientierten Liberalismus)
Was ist der Einfluss innerstaatlicher Faktoren (Präferenzen innerstaatlicher Gruppen und Institutionen) auf Außenpolitik und Kooperation?
=> also eine breitere Vorgehensweise als liberaler Internationalismus, betrachtet nicht nur liberale Institutionen, sondern auch illiberale
Was sind die Annahmen über Akteure im analytischen Liberalismus?
Die relevanten Akteure sind in Gruppen organisierte Individuen (z.B Parteien, Gewerkschaften,..)
Individuen handeln rational, aber auch risikoavers
Gruppen sind unterschiedlich mit Ressourcen ausgestaltet
Keine Harmonie, Konflikte über Werte und Ressourcen (Knappheit) und Konflikte bei ungleicher Machtverteilung
Auf welche zwei Arten kann Außenpolitik durch innerstaatliche Faktoren laut dem analytischen Liberalismus beeinflusst werden?
Von unten nach oben: innerstaatliche Präferenzen beeinflussen Außenpolitik (Gouveritsch)
Von oben nach unten: Internationale Effekte werden durch innerstaatliche Präferenzen und Strukturen gefiltert und wirken sich je Land unterschiedlich aus (Katzenstein)
Analytischer Liberalismus
Wie analysiert Moravcsik den kausalen Nexus zwischen der Gesellschaft und dem staatlichen Verhalten in der Außenpolitik?
Was bedeutet das für das Handeln von Staaten in internationalen Beziehungen?
Mithilfe von drei Analyseebenen
die Präferenzen auf der Ebene der innerstaatlichen Gruppen
die Interessenaggregation durch Staaten
die Interaktionsebene zwischen Staaten, die sich in innerstaatlichen Präferenzen und in der Interessenaggregation unterscheiden
=> Staaten maximieren nicht fixe und/oder homogene Konfigurationen (z.B Macht, Sicherheit,…), sondern verfolgen spezifische Konfigurationen
=> nämlich die, die sich die dominanten gesellsch. Gruppen wünschen
Wann kooperieren die Staaten letzten Endes und wann gibt es einen Konflikt (laut Moravscik) ?
Ähnliche Präferenzen = Kooperation
Inkompatible Präferenzen = Konflikt
Was soll das Modell der Zwei-Ebenen-Spiele von Robert Putman darstellen?
Das Modell soll internationale Verhandlungen darstellen
=> Regierungen verhandeln gleichzeitig auf zwei Ebenen
auf einer internationalen Ebene
auf einer innenpolitischen Ebene
=> Internationale Verhandlungen kommen nur zustande, wenn sie auf beiden Ebenen akzeptiert werden
Zwei Ebenen Spiele (Robert Putnam)
Erkläre die beiden Ebenen und deren jeweiliges Ziel
Was ist die Folge für internationale Verhandlungen?
Internatioanale Ebene (Verhandlungen zwischen den Staaten)
=> Ziel : Abschluss eines internationalen Abkommens
Innenpolitische Ebene (Verhandlungen der Regierung mit Parlamenten, Interessengruppen, der Öffentlichkeit)
=> Ziel: Zustimmung (Ratifikation) & Umsetzung der internationalen Vereinbarung
Das bedeutet: Internationale Verhandlungsergebnisse stehen immer unter einem innenpolitischen Ratifikationsvorbehalt
Erklär die beiden für das Modell der Zwei-Ebenen-Spiele relevanten Kernbegriffe Win-Set und Ratifikation
Was ist die Folge eines großen Win-Sets, was die eines kleines?
Win-Set: Die Gesamtheit aller möglichen Verhandlungsergebnisse, die sowohl international akzptabel als auch innenpolitisch ratifizierbar sind
=> d.h eine internationale Einigung nur möglich bei Überschneidung der Win-Sets der Staaten, die beteiligt sind
Großes Win-Set => erleichtert Kompromisse, aber Verhandlungsmacht schwach
Kleines => erschwert zwar Einigungen, aber stärkt die Verhandlungsmacht
Ratifikation: Unterscheidung zwischen Unterzeichnung (Staat stimmt zu, Vertrag noch nicht rechtlich bindend) & Ratifikation (Zustimmung/Genehmigung der nationalen Parlamente)
Moravcsiks Fallstudie zur unterschiedlichen Unterstützung zur Etablierung der europäischen Menschenrechtskonvention hatte eine Kernaussage, welche war das?
Aufgrund des Lock-In-Effekts unterstützten vor allem neu etablierte Demokratien das Vorhaben: Schaffung quasi-unabhängiger juristischer Gremien (wie ECHR) ist eine Taktik, mit der Regierungen ihre demokratischen Institutionen an die internationale Ebene binden und somit Glaubwürdigkeit und Stabilität gegen nicht-demokratischen Kräfte erhöhen
Das innerstaatliche Selbstinteresse der Regierungen erklärt die Unterstützung zur Etablierung von Menschenrechtsabkommen (nicht der Status als Demokratie oder so)
=> Das bedeutet, dass internationale Abkommen lediglich Interessenkonvergenzen reflektieren
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