a) Was sind Arzneimittelrückstände?
b) Abgrenzung: Was zählt nicht dazu?
a)
Rückstände von therapeutisch eingesetzten Wirkstoffen in Umwelt/Produkten (APIs / PhACs)
können als Wirkstoff, Metabolit oder Transformationsprodukt auftreten
b)
Abgrenzung zu:
Körperpflegeprodukten
Naturstoffen
Genussmitteln & Drogen
Warum sind Arzneistoffe als Umweltkontaminanten besonders heikel?
wirken schon bei sehr niedrigen Konzentrationen
treffen teils auf konservierte Zielstrukturen (auch bei Nicht-Zielorganismen)
zeigen teils Persistenz durch chemische Stabilität
verursachen teils chronische Toxizität, teilweise Bioakkumulation
erzeugen Cocktail-Effekte (Stoffgemische)
Was bedeutet „Emerging Contaminants“?
meint „neue/aufkommende“ Schadstoffe im Fokus von Forschung/Monitoring
geht oft mit unzureichender Datenlage zu Umweltverhalten & Wirkungen einher
Verbrauchstrends Humanmedizin – Kernaussagen
zeigt weltweit steigenden Arzneimittelverbrauch
umfasst ca. 3.500–10.000 Wirkstoffe weltweit
wächst im Markt ca. 5,8 % pro Jahr
betrifft besonders Antibiotika, Analgetika/NSAIDs, Antiretrovirale, Onkologika
Verbrauchstrends Veterinärmedizin – Kernaussagen
betrifft hohen Einsatz in Tierhaltung
liegt Antibiotikaverbrauch (2020) bei ca. 99.500 t
prognostiziert Anstieg bis 2030
umfasst Aquakultur mit >10.000 t
erfolgt teils prophylaktisch und zur Wachstumsförderung
Was sagt der Forschungsstand zur globalen Verbreitung?
nimmt Forschung stark zu seit ca. 20 Jahren
fokussiert häufig aquatische Systeme
enthält UBA-Datenbank ca. 277.000 Messwerte aus 89 Ländern
nennt globale Studie (2022) mit 53 Wirkstoffen in Oberflächengewässern
Wo bestehen große Forschungslücken?
ist Umwelttoxizität vieler Stoffe unklar
fehlen Daten besonders zu Böden & Pflanzen
sind Cocktail-Effekte und Langzeitwirkungen schlecht untersucht
a) Haupteintragspfad 1: Humanmedizin
b) Haupteintragspfad 2: Veterinärmedizin
c) Haupteintragspfad 3: Produktion/Industrie
d) Haupteintragspfad 4: Unsachgemäße Entsorgung
führt Anwendung zu Ausscheidung/Abwasser
gelangt über Kanalisation → Kläranlage → Oberflächengewässer
entsteht Eintrag über Gülle/Mist aus Tierhaltung
wirkt Boden als Zwischenmedium
erfolgt Weitertransport zu Oberflächengewässer/Grundwasser
c)
verursacht Einträge aus Herstellung/Industrie
erfolgt Einleitung direkt oder indirekt in Oberflächengewässer
d)
passiert durch Entsorgung in Toilette/Abfluss oder falsch im Müll
erhöht dadurch Belastung von Abwasser und Umwelt
Welche Expositionswege gegenüber dem Menschen werden genannt?
erfolgt über Rückstände in Nutzpflanzen
erfolgt über Rückstände in tierischen Produkten (Fleisch, Eier, Fisch)
erfolgt über Rückstände im Trinkwasser
Wie gelangen Arzneimittelrückstände in Nutzpflanzen?
liegen Rückstände in der Bodenlösung vor
werden über Wurzeln aufgenommen
werden im Pflanzengewebe translokiert
Wie gelangen Rückstände in tierische Produkte?
passieren direkt durch Verabreichung von Tierarzneimitteln
passieren indirekt über Fütterung belasteter Nutzpflanzen
Welche Analyseschritte sind typisch für den Nachweis?
erfolgt Aufkonzentrierung der Probe (z. B. Festphasenextraktion, SPE)
erfolgt Trennung über Chromatographie (LC/GC)
erfolgt Identifikation über Massenspektrometrie (Masse/Ladung)
Was leisten MS/MS und HRMS?
liefert Tandem-MS (MS/MS) zusätzliches Fragment-/„Fingerabdruck“-Signal
ermöglicht HRMS auch Nachweis unbekannter Metabolite
Was ist LOD?
bedeutet Limit of Detection (LOD)
ist Stoff erkennbar, aber nicht quantifizierbar
Was ist LOQ?
bedeutet Limit of Quantification (LOQ)
erlaubt verlässliche Mengenangabe
Was bedeutet „n.d.“ / „< LOD“ – und warum ist das heikel?
heißt: unterhalb der Geräteleistung
sinken Nachweisgrenzen, wenn Analytik besser wird
können biologische Wirkungen unterhalb der Messgrenze auftreten
ist „nicht nachweisbar“ technisch, nicht automatisch ökologisch harmlos
Warum sind Metabolite/Transformationsprodukte wichtig?
werden viele Arzneistoffe als Metabolite ausgeschieden
entstehen Umwandlungen durch Oxidation, Photolyse, mikrobiellen Abbau
können Transformationen auch in Nutzpflanzen stattfinden
Welche Besonderheit wird zu Metaboliten genannt?
liegen Metabolite teils in höheren Konzentrationen vor als Ausgangsstoffe
bleiben viele Abbauprodukte biologisch aktiv
sind einzelne Transformationsprodukte global verbreitet nachgewiesen
Was meint „selektive Messung“ als Unsicherheitsfaktor?
existieren tausende Wirkstoffe, aber nur wenige werden routinemäßig untersucht
fokussiert Monitoring oft prioritäre Einzelstoffe statt realer Gemische
Was ist der „Cocktail-Effekt“?
treten Arzneimittel in der Umwelt als komplexe Mischungen auf
bilden Studien reale Bedingungen nur unvollständig ab
ist Umwelttoxizität vieler Wirkstoffe unbekannt (in den Folien: ~88 %)
Welche Ökosystem-Effekte werden genannt?
umfassen endokrine Effekte
umfassen Verhaltensänderungen (z. B. durch Psychopharmaka)
umfassen subletale Effekte (z. B. Wachstum Pflanzen/Algen)
umfassen (indirekte) Bioakkumulation
umfassen immunologische Effekte
verändern mikrobielle Gemeinschaften
a) Beispiel endokriner Effekt: Ethinylestradiol (EE2)
b) Welche Beispiele für Verhaltensänderungen werden genannt?
verursacht synthetisches Estrogen (EE2) Verweiblichung von Fischen
verändert Fress- und Fluchtverhalten
reduziert Territorialverhalten
erhöht Prädationsanfälligkeit
Was ist das zentrale Problem bei der gesundheitlichen Bewertung für den Menschen?
liegen Konzentrationen sehr niedrig, aber chronisch vor
wirken Gemische statt Einzelstoffe
sind Langzeitwirkungen kaum untersucht → Bewertung schwierig
Antibiotikaresistenz: Warum ist die Umwelt relevant?
fördert niedrige chronische Belastung Selektion resistenter Bakterien
wird Umwelt zum Speicher resistenter Gene
Warum reichen konventionelle Kläranlagen oft nicht aus?
entfernen konventionelle Kläranlagen (CAS) APIs häufig unzureichend
braucht es daher erweiterte Abwasserreinigung
Was umfasst die „vierte Reinigungsstufe“?
nutzt Aktivkohle zur Adsorption an poröser Oberfläche
nutzt Ozonierung zur oxidativen Zerstörung von Wirkstoffen
nutzt Membranverfahren als physikalische Barriere (z. B. MBR, NF, RO, EMR)
nutzt Mycoremediation über Pilze/Enzyme
Warum ist „Reduktion an der Quelle“ wichtig?
reicht Abwasserreinigung allein nicht aus
senkt eco-directed prescribing und weniger Überverschreibung den Eintrag
helfen Rücknahmesysteme (z. B. Apotheken) + Förderung
reduzieren Tierhaltung-Maßnahmen Antibiotikaeinsatz und verbessern Güllebehandlung
braucht es Zusammenarbeit aller Sektoren
Welche Gesetze/Regelungen werden genannt?
nennt AMG und TAMG
beschreibt ERA (Environmental Risk Assessment):
gilt Veterinär: seit 1998
gilt Human: seit 2001
verschärft seit 2004 EU-Verordnung Anforderungen an Umweltsicherheit
Was kann im Zulassungsprozess passieren, wenn Risiken nicht minimierbar sind?
kann ein Medikament nicht zugelassen werden, wenn keine Risikominderung möglich ist
Fazit der Folien – Kernaussagen
sind Rückstände in mehreren Umweltmedien nachweisbar
bestehen viele Forschungslücken/Unsicherheiten (Cocktail, chronische Exposition, Langzeit)
zeigen sich Auswirkungen auf Ökosysteme und potenziell Menschen
erfordert es einen One-Health-Ansatz
braucht Schutz Maßnahmen an der Quelle, bessere Zulassung/Überwachung und Weiterentwicklung der Abwasserbehandlung
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