Buffl

3 Unternehmensziele

LK
by Lara K.

Zwischen zwei Zielen 1 und 2 können folgende Zielbeziehungen bestehen:

  • Ziele sind trotz verschiedener Bezeichnungen identisch (Zielidentität), wie Umsatz & Erlöse. In der folgenden Abb. stellt die Winkelhalbierende diese Art der Zielbeziehung dar. In so einem Fall kann eines der beiden Ziele aus der Betrachtung entfernt werden, da keine wirkliche Mehrfachzielsetzung vorliegt

  • Verfolgung des einen Ziels hat keine Auswirkungen auf die Erreichung des anderen Ziels (Zielindifferenz o. Zielneu-tralität). In der Abb. wird dieser Fall durch eine waagerechte bzw. eine senkrechte Gerade dargestellt. Das Zielausmaß des einen Ziels ändert sich, aber nicht das Zielausmaß des anderen Ziels

  • Verfolgung von Ziel 1 fördert Erreichung des anderen Ziels 2 (Zielharmonie o. Zielkomplementarität). So führt Umsatz-erhöhung (Ziel 1) bei gleichen Kosten zu einer Gewinn-steigerung (Ziel 2). Dieser Fall wird durch steigende Gerade dargestellt. Fall ist relativ unproblematisch, da er gut zu handhaben ist. In Kennzahlenpyramiden wird dieser Zusammenhang als Zweck-Mittel-Beziehung benutzt. Die Erreichung untergeordneter Ziele (= Mittel) fördert die Erreichung übergeordneter Ziele (Zweck)

  • Verfolgung von Ziel 1 führt zu Verschlechterung der Erreichung des Ziels 2 (Zielkonflikt o. Zielkonkurrenz), z. B. Lohnerhöhungen (Ziel 1) & Gewinnsteigerung (Ziel 2). Ein Zielkonflikt wird durch fallende Gerade im Diagramm der Zielbeziehungen dargestellt. Zur Lösung von Zielkonflikten gibt es 2 grundlegende Mechanismen: Bei der Zielgewichtung werden Ziele mit Gewichtungsfaktoren, die die Bedeutung der Ziele repräsentieren, versehen. So kann Ziel 2 einen Gewichtungsfaktor von 3 erhalten, wenn es 3x so wichtig ist wie Ziel 1, das mit dem Gewichtungsfaktor 1 versehen wird. Die Zielgewichtung funktioniert nur, wenn alle Ziele gleiche Dimension aufweisen, z. B. Wertgrößen (Euro) o. Nutzenziffern. Bei der Zielrangordnung wird in Haupt- & Nebenziele unterschieden. Die Nebenziele sind als Nebenbedingungen zuerst zu erfüllen, danach kann das Hauptziel verfolgt werden. Damit sind Nebenziele nicht „Ziele zweiter Klasse“, denn sie trennen die Lösungs-möglichkeiten für ein Problem in zulässige und unzulässige Alternativen. Aus den zulässigen Alternativen wird dann mit dem Hauptziel die optimale Lösungsalternative bestimmt.

  • Ziele können auch widersprüchlich bzw. unvereinbar sein (Zielantinomie), sodass die Erreichung des einen Ziels die Erreichung des anderen Ziels unmöglich macht, z. B. lautet Ziel 1 „Absatz nur in Deutschland“ und Ziel 2 „Absatz nur nach Spanien“. Im Zieldiagramm ist dieser Fall durch Geraden auf den Diagrammachsen dargestellt. In solch einem Fall ist eines der beiden Ziele zu eliminieren, da eine falsche Zielsetzung vorliegt




Koalitionstheorie

Die verhaltenswissenschaftliche Koalitionstheorie betrachtet ein Unternehmen als eine Koalition von Individuen und Gruppen, die für das Unternehmen solange Beiträge leisten, wie die vom Unternehmen gewährten Anreize mind den Beiträgen entsprechen.

  • Zielverhandlung steht im Mittelpunkt

  • Barnard (1938)

  • Es wird davon ausgegangen, dass ein Unternehmen an sich keine Ziele haben kann, sondern nur die Personen und Gruppen, die mit dem Unternehmen interagieren. Deren Ziele werden dann vom Management des Unternehmens unter bestimmten Bedingungen übernommen und in die Ziele des Unternehmens integriert.

  • Unternehmen als eine Koalition von Individuen bzw. Gruppen angesehen, deren Grenze fließend ist. Sie entscheiden sich zur Teilnahme und zur Erbringung von Beiträgen verschiedenster Art für das Unternehmen – z. B. Arbeitsleistungen, Schaffung eines Rechtsrahmens oder Kauf der Produkte – für die sie im Gegenzug Anreize materieller oder immaterieller Art (z. B. Vergütung, Steuern, Nutzen) erhalten.

    • Solange Gleichgewicht von empfangenen Anreizen und geleisteten Beiträgen vorliegt, wird Unternehmen durch Beiträge weiter unterstützt bzw. bleibt die Koalition und damit das Unternehmen erhalten. Sind die Anreize des Unternehmens geringer als die erbrachten Beiträge, wird das Unternehmen nicht mehr oder mit verminderten Beiträgen unterstützt – z. B. Kauf von Produkten der Mitbewerber, Leistungs-zurückhaltung oder Kündigung von MA – und sein Bestand wird gefährdet. Demzufolge muss Management eines Unternehmens die Ziele der Koalitionäre – ihre Ansprüche – bei der Erstellung des Zielsystems des Unternehmens berücksichtigen.


Shareholder Value Vorteile nach Hungenberg & Wulf?

  • Es erfolge Orientierung an einer mittel- bis langfristigen Zielgröße, die mit Zeithorizont strategischer Entscheidungen korrespondiert. Durch Zukunftsgerichtetheit und Orientierung an Zahlungsgrößen erfüllt Shareholder Value eine Vorsteuerungsfunktion, insb im Hinblick auf die langfristige Liquidität

  • Durch Orientierung an Zahlungsgrößen statt Buchhaltungs-größen besteht wenig Spielraum für Manipulationen.

  • Der Shareholder Value orientiert sich am Ziel der Vermögens-maximierung der Anteilseigner. Ein positiver Shareholder Value bedeutet eine Steigerung des Wertes des Eigenkapitals für die Eigentümer

  • Bei börsennotierten Unternehmen erschwert ein hoher Shareholder Value eine (unfreundliche) Übernahme durch andere Unternehmen, sodass die Unabhängigkeit des Unternehmens geschützt wird

  • Bei börsennotierten Unternehmen verbessert ein Management nach dem Shareholder Value die Finanzierung mit Eigenkapital, denn je höher der Aktienkurs = Marktwert des Unternehmens ist, desto höher sind die Ausgabekurse bei Neuemissionen

  • Verteilung finanzieller Mittel in einem Unternehmen mit mehreren Geschäftsfeldern kann nach den Shareholder Values der einzelnen Geschäftsfelder erfolgen, wodurch Über- & Unterinvestitionen auf der Grundlage operativer Zielgrößen tendenziell verhindert werden. Ebenso wird eine Quersubventionierung zwischen Geschäftsfeldern wie nach dem traditionellen Portfoliomanagement erschwert, da alle Geschäftsfelder eine angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapitals erwirtschaften müssen. Geschäftsfelder, die den Mindestverzinsungsanspruch nicht erfüllen, werden abgestoßen. Unter der Annahme, dass die Geschäftsfelder „stand alone“ (wie eigenständige Unternehmen) geführt werden, kann neben den Shareholder Values der Geschäftsfelder auch der Shareholder Value der Unternehmenszentrale, also ihr Wertbeitrag für das Unternehmen, ermittelt werden.

  • Durch das Formalziel Shareholder Value wird verhindert, dass wechselnden Themen oder Moden des strategischen Managements unreflektiert gefolgt wird. Jede Strategie muss auf ihr Wertsteigerungspotenzial untersucht werden.


ZUSAMMENFASSUNG

Unternehmensziele sind angestrebte, zukünftige Zustände des gesamten Unternehmens. Sie lassen sich in Unternehmenszweck, Vision, Mission und Unternehmensziele (im engeren Sinne) klassifizieren. Ferner sind Bereichsziele bis hin zu Stellenzielen vorhanden. Die vielen Ziele in einem Unternehmen können nach dem Zielinhalt in Sach-, Formal- und Sozialziele, nach dem Zielausmaß in Extremierungs-, Satisfizierungs- und Fixierungsziele und nach der Zieldauer in kurz-, mittel- und langfristige Ziele unterschieden werden. Für die Praxis sind vor allem Zielharmonie und Zielkonflikt als Zielbeziehungen von hoher Relevanz. Bei Zielharmonie werden Ziel-Mittel-Beziehungen zwischen Ober- und Unterzielen genutzt, um Kennzahlpyramiden zu erstellen. Zielkonflikte lassen sich zum einen durch Zielgewichtung und zum anderen durch Zielrangordnung lösen. Eine operationale, also nachprüfbare Zieldefinition umfasst Zielinhalt, - ausmaß, -dauer, -träger und -raum. Die Funktionen von Zielen sind: Entscheidungsunterstützung, Handlungssteuerung, Koordination, Legitimation und Konfliktlösung. Die Koalitionstheorie erklärt die Entstehung von Unternehmenszielen verhaltenswissenschaftlich. Individuen oder Gruppen unterstützen ein Unternehmen durch Beiträge verschiedenster Art und erhalten dafür Anreize. Solange ein Anreiz-Beitrag-Gleichgewicht existiert, wird ein Unternehmen von den Stakeholdern unterstützt. Bei einem Ungleichgewicht wird das Unternehmen nicht mehr – z. B. durch die Kündigung eines Mitarbeiters – oder in verringertem Maße – z. B. durch Leistungszurückhaltung eines Mitarbeiters – unterstützt. Aus diesem Grunde ist es für das Management eines Unternehmens wichtig, die Ansprüche der Individuen und Gruppen in das Zielsystem des Unternehmens zu integrieren, um das Unternehmen als Quelle von Anreizen am Leben zu erhalten. Stakeholder sind Individuen oder Gruppen, die die Unternehmenstätigkeit beeinflussen oder von ihr beeinflusst werden. Beim StakeholderAnsatz als Idealtyp werden alle Stakeholder als gleichberechtigt im Zielsystem des Unternehmens berücksichtigt. Beim Shareholder-Ansatz werden nur die Ziele der Eigentümer im Zielsystem erfasst. In der Realität dominiert der Shareholder-Ansatz, da er den Spielregeln der Marktwirtschaft am ehesten entspricht. Der Shareholder Value ist eine für das strategische Management adäquate Zielgröße aufgrund der Zukunftsgerichtetheit, der Mehrperiodigkeit und der Kapitalmarktorientierung

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Lara K.

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