Dutta-Bergman, M.J. (2006). The demographic and psychographic antecedents of attitude toward advertising.
Die Studie untersucht individuelle Unterschiede, die erklären, warum Menschen unterschiedlich gegenüber Werbung eingestellt sind.
➡ Zwei zentrale Dimensionen von Attitude toward Advertising:
Informational Utility → Werbung als Informationsquelle für Kaufentscheidungen
Regulation / Censorship Support → Unterstützung für Regulierung wegen negativer sozialer Effekte
Werbung ist gesellschaftlich zentral.
Einstellungen zu Werbung beeinflussen:
Ad Effectiveness
Einstellung zur Anzeige
Markenhaltung
Kaufverhalten
Einstellung zu Werbung ist multidimensional, nicht global.
Menschen bewerten Werbung gleichzeitig positiv (Information) und negativ (soziale Effekte).
Segmentierung nach Psychographie ist strategisch wichtiger als reine Demographie.
Sie verschiebt die Forschung von globalen Einstellungen hin zu einer psychographischen Segmentlogik und zeigt, dass dieselbe Person Werbung gleichzeitig nutzen UND regulieren wollen kann — erklärbar über den Third-Person-Effekt.
Definition (Lutz 1985):
learned predisposition to respond favorably/unfavorably to advertising in general.
➡ Learned disposition = sozial & psychologisch geformt.
Dimension
Bedeutung
Informational Utility
funktionaler Nutzen
Regulatory Support
moralisch-soziale Bewertung
➡ zentrale Spannung der Werbung als Institution.
Activities – Interests – Opinions
Psychographische Faktoren:
Health consciousness
Environmental consciousness
Community involvement
Trust
Opinion leadership
Innovativeness
Price consciousness
Product consciousness
Brand consciousness
Fashion consciousness
Gender conservatism
Demographie allein erklärt Werbungseinstellungen nicht ausreichend.
Psychographische Faktoren erklärt zusätzliche Varianz und somit Einstellungen zu Werbung besser als reine Demographie.
Einstellungen sind Segment-spezifisch.
H1: Demographische Variablen beeinflussen ATA.
H2: Psychographische Variablen erklären zusätzliche Varianz.
H3: Informational utility und regulation haben unterschiedliche Prädiktoren.
Datensatz: DDB Needham Lifestyle Survey
N = 3350
Repräsentative US-Stichprobe
Mail Survey
Hierarchische multiple Regression (Block 1: Demographie → danach Block 2: Psychographie)
Informational Utility ↑ / ↓ bei:
Alter ↑
geringere Bildung
geringeres Einkommen
Innovativeness (stärkster Predictor)
Regulation Support ↑ / ↓ bei:
Frauen
ältere Personen
geringes Einkommen
Conservatism (stärkster Predictor)
Religiosity
Trust (negativ)
Innovativeness (negativ)
Was ist der Third-Person Effect?
Warum ist er gefährlich?
Menschen glauben, dass Medien andere stärker beeinflussen als sie selbst
Menschen nutzen Werbung selbst → wollen sie aber regulieren, weil sie negative Effekte auf andere befürchten (v.a. ältere Menschen)
Erklärt die gleichzeitige Nutzung und Forderung nach Zensur → scheinbarer Widerspruch
Gefahr? → Der Third-Person Effect ist keine getestete Theorie in der Studie. Autorin nutzt ihn nur interpretativ, um zu erklären, warum Personen Werbung gleichzeitig nutzen und Regulierung unterstützen.
Worum geht es?
Kernkonzepte
Argumentationslinie
Begriffe, die du exakt beherrschen musst
Attitude toward Advertising
Psychographics vs Demographics
Third-Person Effect
Werbung gesellschaftlich relevant
ATA multidimensional
Forschung bisher zu stark demographisch
Psychographie ergänzt Erklärung
Regression zeigt starke psychographische Effekte
Konsequenzen für Targeting & Policy
Informational utility
Regulatory attitude
Psychographics (AIO)
Nomological network
Hierarchical regression
Third-person effect
Was ist Attitude toward Advertising?
Gelernte generelle positive oder negative Disposition gegenüber Werbung.
Was bedeutet Informational Utility?
Wahrgenommener Nutzen von Werbung als Informationsquelle.
Was ist Regulatory Support?
Unterstützung für Werberegulierung aufgrund sozialer Risiken.
Was sind Psychographics?
Aktivitäten, Interessen und Meinungen, die Konsumverhalten erklären.
Warum ist ATA multidimensional?
Werbung wird gleichzeitig funktional und moralisch bewertet.
Klassischer Konflikt?
Wirtschaftlicher Nutzen vs soziale Schäden.
Zusammenhänge
Innovativeness → Advertising Utility? → Positiv (β=.22).
Trust → Regulation? → Negativ (weniger Vertrauen = mehr Zensur).
Conservatism → Regulation? → stärkster positiver Effekt.
Gender → Regulation? → Frauen stärker pro Regulierung.
Warum Psychographie wichtiger?
erklärt zusätzliche Varianz + kreative Strategie.
Bildungseffekt?
weniger Bildung = mehr Werbenutzung + mehr Regulierung.
Kritikpunkte
Hauptmethodische Schwäche? → Sekundärdaten.
Reliabilitätsproblem? → niedrige Alphas (z.B. Trust .35).
Generalisierbarkeit? → US-Sample, überwiegend weiß.
Modellkritik / Erklärungskraft? → nur moderate Varianzaufklärung (R²); wichtige Einflussfaktoren fehlen vermutlich.
Transferpunkte
Was bedeutet Innovativeness praktisch? → Werbung ideal für Produktinnovationen.
Green Marketing? → Umweltbewusste nutzen Werbung, reagieren positiv auf informative Werbung → gute Zielgruppe.
Health Marketing? → Werbeinfos wichtig für gesundheitsbewusste Konsumenten.
Influencer Advertising? → Psychographische Segmentierung erklärt unterschiedliche Reaktionen auf Influencer besser als Demographie.
Social Media Regulation? → Gleiches Muster: Nutzer können Plattformen nutzen, aber mehr Regulierung fordern.
Nudging vs Werbung? → Werbung = freiwillige Information; Nudging = Verhaltenssteuerung → stärkere Regulierungsdebatte.
Digital Targeting heute → Psychographics zentral für algorithmisches Targeting.
Warum wichtig-Punkte
Warum relevant für Media Planning? → Segmentierung nach psychographischen Profilen.
Warum wichtig für Policy? → Werberegulierung wird durch bestimmte Gruppen getragen.
a. Warum ist Attitude toward Advertising (ATA) multidimensional?
b. Warum nur zwei ATA-Dimensionen?
a. Weil Werbung gleichzeitig funktional (Information) und sozial-moralisch (Regulation) bewertet wird. Positive und negative Bewertungen können parallel existieren.
b. Fokus auf ökonomische vs soziale Kernspannung von Werbung.
Welche zwei Dimensionen untersucht die Studie?
Informational Utility und Support for Advertising Regulation.
Warum Psychographie statt nur Demographie?
Psychographische Variablen erklären zusätzliche Varianz und ermöglichen strategische Zielgruppen-Segmentierung.
Welche Variable erklärt Utility am stärksten?
Welche Variable erklärt Regulation am stärksten?
Utility — Innovativeness (β = .22).
Regulation — Conservatism (β = .22).
Welche Variablen waren nicht signifikant?
Preisbewusstsein, Produktbewusstsein, Opinion Leadership (teilweise).
Welche Rolle spielt Trust?
Mehr Trust → mehr Werbenutzung, weniger Wunsch nach Regulierung.
Warum ist Innovativeness wichtig?
Innovative Personen nutzen Werbung aktiv zur Informationssuche über neue Produkte.
Alter-Effekt: Warum sind ältere Konsumenten ambivalent?
Sie nutzen Werbung stärker als Informationsquelle, unterstützen aber gleichzeitig Regulierung.
Problem: Paradox: mehr Nutzung + mehr Regulierung.
Geschlechterunterschied?
Frauen unterstützen Werbungskontrolle stärker; kein Unterschied bei Utility.
Einfluss von Bildung?
Weniger Bildung → mehr Werbenutzung und mehr Regulierungsunterstützung.
Was bedeutet nomological network?
Theoretisch erwartete Zusammenhänge zwischen Variablen, die empirisch bestätigt werden.
Wie wird Regulation gemessen?
Zustimmung zu Werbebeschränkung (z.B. Alkohol-, Sex-, Kinderwerbung).
Ist Cronbach α = .35 problematisch?
Ja — geringe Reliabilität, Messqualität eingeschränkt.
Sind Ein-Item-Messungen valide?
Eingeschränkt; komplexe Konstrukte werden reduziert gemessen.
Kausalität möglich?
Nein, nur Zusammenhang (Querschnittsdaten).
Panel Bias?
Möglich durch Selbstselektion und Panel-Attrition.
Psychographics ≠ Personality
Unterschied?
Psychographics = Lifestyle & Einstellungen, nicht stabile Persönlichkeitsmerkmale.
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