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Grundlegende Motive

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by nils R.

Erläutern Sie den Kern des Leistungsmotivs und grenzen Sie dabei leistungsmotiviertes Verhalten von Verhaltensweisen mit Leistungsbezug ab, welches selbst aber nicht leistungsmotiviert ist.

Leistungsmotiviertes Verhalten ist auf einen Gütemaßstab, einen Gütestandard hin ausgerichtet. Als leistungsmotiviert gilt demnach Verhalten, welches darauf ausgerichtet ist, eine Aufgabe zu meistern, etwas besonders gut zu machen, sich selbst zu übertreffen oder sich im Wettbewerb mit anderen zu beweisen. Leistungsmotiviertes Verhalten liegt also vor, wenn zum Beispiel ein Sportler versucht seine Bestmarke zu unterbieten. Entscheidend für das Vorliegen von Leistungsmotivation ist, dass der Anreiz für eine Handlung ausschließlich in der Tätigkeit selbst und in den selbstbewertenden Emotionen im Fall von Erfolg (Zufriedenheit oder Stolz) oder im Fall von Misserfolg (Scham oder Niedergeschlagenheit) liegt. Wird Leistungsverhalten gezeigt, um anderen Personen zu imponieren, handelt es sich nicht um Leistungsmotivation. Im Zentrum steht also nicht das oberflächlich beobachtbare Verhalten, sondern die mit dem gezeigten Verhalten einhergehende emotionale Reaktion. Der Kern des Leistungsmotivs liegt in der affektiven Befriedigung, die aus der selbstgesteuerten Bewältigung von Leistungsanforderungen gezogen wird. Das Ziel sind positive Emotionen, die aus der Tatsache resultieren, dass man sich selbst oder andere übertreffen konnte beziehungsweise eine schwierige Aufgaben gemeistert oder ein Hindernis überwunden hat.

Was ist mit der aufsuchenden und was ist mit der meidenden Komponente des Leistungsmotivs gemeint?

Leistungsbezogenes Handeln muss aber nicht mit einem Erfolg enden, sondern birgt auch immer das Risiko zu scheitern. Entsprechend existiert eine aufsuchende Komponente des Leistungsmotivs (Hoffnung auf Erfolg), die auf den möglichen Erfolg ausgerichtet ist, und eine meidende Komponente (Furcht vor Misserfolg), die auf die Vermeidung der negativen Konsequenzen abzielt, die mit einem Misserfolg einhergehen. Dabei werden Misserfolge deshalb gefürchtet, weil sie mit zwei Konsequenzen einhergehen können. Zum ersten können Misserfolge auf eine mangelnde Begabung zurückgeführt werden (anstatt auf mangelnde Anstrengung) und daher aversive Emotionen, wie Scham, Peinlichkeit oder Schuld auslösen. Zum anderen können Misserfolge wegen der zu erwartenden negativen (sozialen) Konsequenzen wie Tadel oder Unzufriedenheit von anderen gefürchtet werden. Personen mit einer starken Furcht vor Misserfolg neigen dazu, auf mangelnde Begabung zu attribuieren und mit hohen negativen Konsequenzen zu rechnen. In Zusammenhang mit der Furcht vor Misserfolg werden darüber hinaus zwei weitere Formen unterschieden: Die sogenannte ktive Misserfolgsfurcht meint, dass eine Person gelernt hat, dass die befürchteten negativen Konsequenzen von Misserfolg ausbleiben, wenn man erfolgreich ist. Solche Personen sind in leistungsthematischen Situationen hochmotiviert Misserfolg zu vermeiden, indem ein Erfolg angestrebt wird. Die sogenannte passive Misserfolgsfurcht meint, dass eine Person keine Hoffnung hegt, durch Ausdauer und Anstrengung einen Misserfolg abwenden zu können. Solche Personen versuchen leistungsthematische Situationen zu vermeiden oder zeigen eine Form von „Selbstsabotage“, indem sie beispielsweise am Abend vor einer wichtigen Prüfung ausschweifend und lange feiern, um selbstwertbedrohliche Ursachenzuschreibungen für einen Misserfolg abzuwenden.

Erläutern Sie die Bedeutung und die Entstehung des Anschlussmotivs.

Das Streben nach befriedigenden zwischenmenschlichen Beziehungen ist ein universelles menschliches Bedürfnis, positive affektive Beziehungen aufzubauen und zu unterhalten. Die Befriedigung dieses Bedürfnisses ist eine der wichtigsten Quellen für emotionales Wohlbefinden und damit Lebenszufriedenheit, aber auch für das objektive physische Wohlergehen. Die Frustration dieses Bedürfnisses in Form von Zurückweisung beeinträchtigt entsprechend das Wohlbefinden und geht mit Angst, Niedergeschlagenheit sowie einem niedrigen Selbstwertgefühl einher. Vordergründig anschlussthematisches Verhalten, wie Beziehungen zu anderen zu knüpfen und auszubauen, muss aber nicht unbedingt durch das Anschlussmotiv angeregt worden sein. So kann Anschlussverhalten auch zum Ziel haben, andere zu beeinflussen oder zu beherrschen. Dann wäre dieses aber dem Machtmotiv zuzuordnen. Beziehungen zu anderen Menschen sind biologisch adaptiv, da sie der Anpassung des Menschen an seine Umwelt dienen. Die Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen gelingt dem Menschen nur in der Gruppe. So war der Mensch bei bestimmten Formen der Jagd auf eine Gruppe angewiesen. Auch die verhältnismäßig lange Schwangerschaft, während der sowohl die Mutter als auch das ungeborene Kind Gefahren vergleichsweise schutzlos ausgeliefert sind, zeigt die Bedeutung von zwischenmenschlichen Beziehungen und Unterstützung auf, die in der Verletzlichkeit des einzelnen Individuums liegt. Diese evolutionsbiologische Notwendigkeit der Bindung an Bezugspersonen bildet den Kern des Anschlussmotivs.

Was sind die „zwei Gesichter“ des Anschlussmotivs?

Die „zwei Gesichter“ des Anschlussmotivs zeigen sich in bei Unterscheidung in eine aufsuchende Komponente als Hoffnung auf Anschluss und in eine meidende Komponente als Furcht vor Zurückweisung. Während die Hoffnung auf Anschluss eine generalisierte Erfolgserwartung in sozialen Beziehungen darstellt und darauf ausgerichtet ist, soziale Kontakte aufzubauen, hemmt die Furcht vor Zurückweisung als generalisierte Misserfolgserwartung in sozialen Beziehungen eine unangemessene Annäherung an andere Personen. Damit unterstützt die Motivkomponente Hoffnung auf Anschluss das Aufeinanderzugehen, während die Motivkomponente Furcht vor Zurückweisung zu Vorsicht im Umgang mit anderen ermahnt. „Hoffnung auf Anschluss"-Motivierte sind beispielsweise dadurch gekennzeichnet, dass sie andere Personen positiver beurteilen und denken, dass andere Personen ihnen selbst ähnlicher sind, dass sie andere mehr mögen und auch von anderen mehr gemocht werden. „Furcht vor Zurückweisung“-Motivierte sind wiederum beispielsweise dadurch gekennzeichnet, dass sie dazu neigen, mehrdeutige Signale in sozialen Situationen als Zurückweisung zu interpretieren, dass sie in sozialen Situationen nicht besonders geschickt agieren und sich auch selbst als unbeholfener, unbeliebter und einsamer wahrnehmen. „Hoffnung auf Anschluss“-Motivierte zeigen dabei eine positive Stimmung, die sich auf andere Personen überträgt. Dies führt zu einer entspannten Atmosphäre, die wiederum bewirkt, dass sich das Anschlussmotiv auch eher erfüllt. In der Folge werden „Hoffnung auf Anschluss“-Motivierte zusätzlich in ihrer Hoffnung gestärkt, positive soziale Kontakte auch zukünftig herbeiführen zu können. Es entsteht auf diese Weise ein positiver Kreislauf der Selbstbekräftigung, in dem sich auf der einen Seite die Hoffnung stabilisiert und sich auf der anderen Seite in Zukunft ähnlich sozial geschickt verhalten wird. Bei „Furcht vor Zurückweisung“-motivierten Personen zeigt sich dagegen ein entsprechender Teufelskreis. Die Tendenz in sozialen Situationen eher die Gefahr der Zurückweisung zu sehen, führt zu einem unsicheren Verhalten in diesen Situationen. Die Interaktionspartner nehmen dieses Verhalten wahr und reagieren ihrerseits mit Unbehagen und senden somit keine Signale, die auf Akzeptanz hinweisen. Dieses Unbehagen wird von „Furcht vor Zurückweisung“-motivierten Personen wiederum als Ablehnung interpretiert dadurch wird langfristig die Furcht vor Zurückweisung stabilisiert.

Was ist das Machtmotiv und wodurch speist sich Macht?

Das Machtmotiv zielt darauf ab, ein Gefühl von Stärke und Überlegenheit zu empfinden, welches sich einstellt, wenn körperlich, mental oder emotional auf andere Einfluss genommen wird. Es wird angenommen, dass ein Gefühl von Selbstwirksamkeit entsteht, wenn Personen in der Lage sind, ihre Umwelt zu kontrollieren. Dieses Gefühl verstärkt seinerseits wieder erfolgreiches machtbezogenes Verhalten. Das eigentliche Motivziel ist also das Gefühl von Selbstwirksamkeit bei Erreichen von Kontrolle, dessen Eintritt erhofft und dessen Ausbleiben gefürchtet wird. Menschen handeln also machtthematisch, um ein positives Gefühl von Selbstwirksamkeit zu erfahren. Es werden sechs Quellen der Macht unterschieden:

Belohnungs- und Bestrafungsmacht: Andere für ihr Verhalten belohnen und bestrafen können.

Legitimierte Macht: Eine Person darf aufgrund von Normen oder Regeln einer Gesellschaft ganz legitim Macht auch gegen den Willen einer anderen Person ausüben (Festnahmen der Polizei, Sanktionen von Vorgesetzten bei mangelnder Arbeitsleistung).

Vorbildmacht: Auch Vorbilder üben Macht in dem Sinne aus, dass sie andere dazu veranlassen, zu werden wie sie.

Expertenmacht: Expertise ist eine weitere Quelle der Macht, bei der andere auf das Wissen oder die Fähigkeiten einer anderen Person angewiesen sind. Ein Beispiel für Expertenmacht sind ärztliche Gesundheitsempfehlungen, die mehr Einfluss auf die Verhaltensänderung haben als der Rat eines Bekannten, doch endlich mit dem Rauchen aufzuhören.

Informationsmacht: Gemeint ist, dass die Kenntnis von Informationen über die zu beeinflussenden Personen und der Handlungsspielraum, diese Kenntnisse zugunsten oder zuungunsten dieser Personen einzusetzen, eine Quelle der Macht darstellt.


Wie entsteht ein hohes Machtmotiv und was sind seine Folgen?

Ein hohes Machtmotiv wird durch frühe Lernerfahrungen erworben. Dabei können nach dem Prinzip der klassischen Konditionierung neutrale Stimuli (beliebige Objekte), die mit unkonditionierten Stimuli (Machtanreize, zum Beispiel in Form von dominanzausstrahlenden Gesichtern) gepaart werden, ähnlich starke Reaktionen auslösen, wie die unkonditionierten Stimuli selbst und damit zu konditionierten Stimuli werden. Nach dem Prinzip der operanten Konditionierung werden Verhaltensweisen, die zu machtthematischen Erfolgen führen – also belohnt werden –, verstärkt und damit in ihrer Auftretenswahrscheinlichkeit erhöht. Verhaltensweisen, die nicht zu machtthematischen Erfolgen führen, werden dementsprechend in ihrer Auftretenswahrscheinlichkeit abgeschwächt. Hochmachtmotivierte unterscheiden sich in ihrer Informationsverarbeitung und in ihrer Erinnerungsleistung von Niedrigmachtmotivierten. Dies äußert sich darin, dass Hochmachtmotivierte machtthematische Inhalte besser erinnern können. Dabei handelt es sich sowohl um Inhalte der eigenen Biografie als auch des Alltags, aber durchaus auch um fiktive Inhalte. Hochmachtmotivierte zeigen bevorzugt bestimmte Verhaltensweisen. Diese reichen von primitiven Beeinflussungsversuchen wie körperlicher Bedrohung bis hin zu sehr komplexen und subtilen Manipulationsversuchen in Form von geschickten Verhandlungsstrategien. Hochmachtmotivierte werden als überzeugender und kompetenter eingeschätzt. Dabei beruht diese Einschätzung anscheinend nicht auf den Inhalten der vorgetragenen Argumente, sondern auf mimischen und gestischen Besonderheiten, die Machtmotivierte zeigen. Hochmachtmotivierte haben häufig Ämter inne, bevorzugen Wettkampfsportarten, schreiben gern Leserbriefe, besitzen und zeigen gern Prestigegüter (zum Beispiel auffällige Autos), zeichnen sich aber auch durch den Konsum von Alkohol und das Lesen von Sport- und Erotikmagazinen aus. Hochmachtmotivierte machen früher ihre ersten sexuellen Erfahrungen, haben häufiger Geschlechtsverkehr und mehr Sexualpartner. Sie gehen weniger feste Beziehungen ein und präferieren stattdessen häufige Partnerwechsel. Bei Frauen geht ein erhöhtes Machtmotiv mit einer hohen Anzahl mitgeführter Kreditkarten und einer hohen Anzahl an Schlankheitskuren einher. Im Berufsleben zeichnen sich Hochmachtmotivierte zunächst dadurch aus, dass sie Berufe wählen, in denen sie Einfluss auf andere ausüben können, sowie anschließend durch steile Karrieren in Führungslaufbahnen. Im Privatleben versuchen Hochmachtmotivierte andere durch Luxusgüter zu beeindrucken und zeigen ein vergleichsweise höheres Risikoverhalten in Spielsituationen.

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nils R.

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