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Implizite und Explizite Motive, Volition

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by nils R.

Unterscheiden Sie explizite und implizite Motive und erläutern Sie, auf welche Kontroverse diese Unterscheidung zurückzuführen ist.

Die Erforschung von Leistungs-, Anschluss- und Machtmotiv war stets mit der Frage verknüpft, mit welcher Messmethode interindividuelle Unterschiede in diesen Motiven am besten erfasst werden können. Dabei wurde schon früh deutlich, dass Motive, die über den Thematischen Auffassungstest (TAT) erhoben worden waren, nicht mit den Ergebnissen von Messinstrumenten korrelierten, welche die gleiche Motivinhaltsklasse per Selbstbericht zu erfassen versuchten. Zunächst entstand eine heftig geführte Kontroverse über die Reliabilität und Validität unterschiedlicher Messmethoden, die mit einer Alternativerklärung für die mangelnde Korrelation aufgelöst werden konnte. Es wurde angenommen, dass die beiden Messinstrumentarten Unterschiedliches messen und demnach die Messergebnisse auch gar nicht miteinander korrelieren können. Als Erklärung für die mangelnde Korrelation wurde die Existenz von zwei unabhängigen Motivsystemen vorgeschlagen, die als implizite Motive und explizite Motive bezeichnet wurden.


Implizite Motive basieren auf frühkindlichen, vorsprachlichen affektiven Erfahrungen von Kindern mit bestimmten Anreizen. Im Falle des Leistungsmotivs handelt es sich dabei um die positive affektive Erfahrung Stolz zu erleben, wenn eine herausfordernde Aufgabe gelungen ist. Durch diese affektiven Erfahrungen bilden sich stabile Präferenzen für bestimmte Anreize heraus, die auch in Zukunft vergleichbare Affekte versprechen. Implizite Motive werden auch als affektgesteuerte Bedürfnisse bezeichnet. Da diese Bedürfnisse unbewusst sind, können sie auch nicht direkt über den Selbstbericht erfasst werden. Hier ist ein indirekter Zugang erforderlich, der keine bewusste Kognition erfordert. Daher werden implizite Motive über den Thematischen Auffassungstests (TAT) und ähnliche Instrumente erfasst.

Explizite Motive basieren dagegen auf Anforderungen und Erwartungen von wichtigen Bezugspersonen und auf gesellschaftlichen Normen und Regeln. Explizite Motive sind Teil des Selbstkonzeptes und bestehen aus bewussten Selbstzuschreibungen. Dementsprechend handelt es sich um kognitive Bedürfnisse. Diese basieren auf sozialen Interaktionen, die eng an Sprache gebunden sind und daher auch im Erwachsenenalter der Sprache zugänglich bleiben. Daher werden explizite Motive auch per Selbstbericht über den Fragebogen erfasst. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass explizite Motive das motivationale Selbstkonzept einer Person darstellen, während implizite Motive die nicht notwendig bewusste affektive Basis aller Motivationsprozesse bilden.

Zeigen sie auf, wie und mit welchen Folgen implizite und explizite Motive miteinander interagieren.

 Es hat sich gezeigt, dass die beiden Motivsysteme (implizit versus explizit) miteinander interagieren, wobei sie sich gegenseitig hemmen oder fördern können. Dabei wird angenommen, dass implizite und explizite Motive arbeitsteilig wirken. Während implizite Motive einen energetisierenden Charakter haben, haben explizite Motive einen steuernden Charakter. Motivkongruenz meint die übereinstimmende Ausprägung von impliziten und expliziten Motiven. Motivinkongruenz meint dagegen die mangelnde übereinstimmende Ausprägung von expliziten und impliziten Motiven. Je nach Ausprägung des impliziten und expliziten Motivs können vereinfacht vier unterschiedliche Motivkongruenztypen unterschieden werden:

Motivkongruenztyp I: Dieser Typ ist durch gering ausgeprägte explizite wie implizite Motive gekennzeichnet. Das wäre im Bereich des Leistungsmotivs der Fall, wenn eine Person sich zum einen nicht mit selbstgesteckten Zielen auseinandersetzt, um sich selbst als tüchtig zu erleben, und für die zum anderen Leistungsorientierung kein besonderer Teil des Selbstkonzeptes ist. Bei diesem Typ konfligieren explizite und implizite Motive nicht, es kommt aber entsprechend auch nicht zu einer gewissen Energetisierung des Verhaltens.

Motivkongruenztyp II: Dieser Typ ist durch hohe Ausprägungen in beiden Motiven gekennzeichnet. Das wäre im Bereich des Leistungsmotivs der Fall, wenn bei einer Person durch das hohe explizite Motiv das Setzen von anspruchsvollen Leistungszielen mit dem Erleben von Erfolg einhergeht und damit wiederum das implizite Motiv befriedigt wird. Auch bei diesem Typ konfligieren explizite und implizite Motive nicht, es kommt zu einer gewissen Energetisierung und möglichst optimalen Ausrichtung des Verhaltens.

Motivinkongruenztyp I: Dieser Typ ist durch gering ausgeprägte explizite, aber hoch ausgeprägte implizite Motive gekennzeichnet. Bei diesem Typ konfligieren explizite und implizite Motive demnach. Dies bedeutet, dass die Person auf der einen Seite ein hohes Verlangen nach herausfordernden Tätigkeiten hat und es genießt diese zu bewältigen. Auf der anderen Seite entwickelt das niedrige explizite Leistungsmotiv keine ausreichend anspruchsvollen Leistungsziele, sodass sich die Person zumeist in leistungsneutralen Umgebungen aufhält. Das implizite Motiv kann sich also nicht entfalten und die Motivbefriedigung tritt nicht ein. Personen dieses Typs könnten sich unter anderem folgendermaßen äußern: „Ich habe das Gefühl, nicht so zu handeln, wie ich wirklich bin.“

Motivinkongruenztyp II: Dieser Typ ist durch auch ausgeprägte explizite, aber gering ausgeprägte implizite Motive gekennzeichnet. Bei diesem Typ konfligieren ebenfalls explizite und implizite Motive. Dies bedeutet, dass die Person auf der einen Seite hoch anspruchsvolle Leistungsziele generiert, für deren erfolgreiche Umsetzung dann aber die ausreichende Ausprägung des impliziten Leistungsmotivs fehlt. Da die gewählte Tätigkeit an sich keine Freude bereitet, muss die notwendige Energie alleine aus den extrinsischen Anreizen (zum Beispiel Anerkennung durch andere, das Erreichen einer bestimmten beruflichen Position oder eines bestimmten Gehalts) „gezogen“ werden. Personen dieses Typs könnten sich unter anderem folgendermaßen äußern: „Ich muss mich überwinden, die Tätigkeit anzugehen



Es wird davon ausgegangen, dass Motivinkongruenz negative Folgen haben kann, da sie als ein dauerhaft wirkender intrapsychischer Stressor das psychische wie physische Wohlbefinden und damit auch die Lebenszufriedenheit beeinträchtigt.

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nils R.

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