Was sind implizite Motive?
Motive, die auf frühkindlichen, vorsprachlichen affektiven Erfahrungen von Kindern mit bestimmten Anreizen. Durch diese affektiven Erfahrungen bilden sich stabile Präferenzen für bestimmte Anreize heraus, die auch in Zukunft vergleichbare Affekte versprechen.
Mit welchen Verfahren lassen sich implizite Motive erfassen?
Zu den Verfahren zur Erfassung impliziter Motive gehören projektive Verfahren wie der Thematische Apperzeptionstest (TAT), die sogenannte Gittertechnik bzw. die aktuelle computerbasierte Version als Multi-Motiv-Gitter (MMGC) und schließlich der Operante Motivtest (OMT) bzw. die Weiterentwicklung dieses Verfahrens mit dem Titel Operanter Multi-Motiv-Test.
Was sind explizite Motive?
Motive, die auf Anforderungen und Erwartungen von wichtigen Bezugspersonen und von gesellschaftlichen Normen und Regeln basieren. Sie sind Teil des Selbstkonzeptes und bestehen aus bewussten Selbstzuschreibungen.
Mit welchen Verfahren lassen sich explizite Motive erfassen?
Explizite Motive lassen sich über Fragebögen zur Selbsteinschätzung erfassen, wie bspw. dem Personality Research Form (PRF), der Achievement Motive Scale (AMS) oder der Mehrabian Achievement Risk Preference Scale (MARPS).
Was wird unter Motivinkongruenz verstanden?
Motivinkongruenz beschreibt eine mangelnde übereinstimmende Ausprägung von expliziten und impliziten Motiven
Unterscheiden Sie explizite und implizite Motive und erläutern Sie, auf welche Kontroverse diese Unterscheidung zurückzuführen ist.
Die Erforschung von Leistungs-, Anschluss- und Machtmotiv war stets mit der Frage verknüpft, mit welcher Messmethode interindividuelle Unterschiede in diesen Motiven am besten erfasst werden können. Dabei wurde schon früh deutlich, dass Motive, die über den Thematischen Auffassungstest (TAT) erhoben worden waren, nicht mit den Ergebnissen von Messinstrumenten korrelierten, welche die gleiche Motivinhaltsklasse per Selbstbericht zu erfassen versuchten. Zunächst entstand eine heftig geführte Kontroverse über die Reliabilität und Validität unterschiedlicher Messmethoden, die mit einer Alternativerklärung für die mangelnde Korrelation aufgelöst werden konnte. Es wurde angenommen, dass die beiden Messinstrumentarten Unterschiedliches messen und demnach die Messergebnisse auch gar nicht miteinander korrelieren können. Als Erklärung für die mangelnde Korrelation wurde die Existenz von zwei unabhängigen Motivsystemen vorgeschlagen, die als implizite Motive und explizite Motive bezeichnet wurden.
Implizite Motive basieren auf frühkindlichen, vorsprachlichen affektiven Erfahrungen von Kindern mit bestimmten Anreizen. Im Falle des Leistungsmotivs handelt es sich dabei um die positive affektive Erfahrung Stolz zu erleben, wenn eine herausfordernde Aufgabe gelungen ist. Durch diese affektiven Erfahrungen bilden sich stabile Präferenzen für bestimmte Anreize heraus, die auch in Zukunft vergleichbare Affekte versprechen. Implizite Motive werden auch als affektgesteuerte Bedürfnisse bezeichnet. Da diese Bedürfnisse unbewusst sind, können sie auch nicht direkt über den Selbstbericht erfasst werden. Hier ist ein indirekter Zugang erforderlich, der keine bewusste Kognition erfordert. Daher werden implizite Motive über den Thematischen Auffassungstests (TAT) und ähnliche Instrumente erfasst.
Explizite Motive basieren dagegen auf Anforderungen und Erwartungen von wichtigen Bezugspersonen und auf gesellschaftlichen Normen und Regeln. Explizite Motive sind Teil des Selbstkonzeptes und bestehen aus bewussten Selbstzuschreibungen. Dementsprechend handelt es sich um kognitive Bedürfnisse. Diese basieren auf sozialen Interaktionen, die eng an Sprache gebunden sind und daher auch im Erwachsenenalter der Sprache zugänglich bleiben. Daher werden explizite Motive auch per Selbstbericht über den Fragebogen erfasst. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass explizite Motive das motivationale Selbstkonzept einer Person darstellen, während implizite Motive die nicht notwendig bewusste affektive Basis aller Motivationsprozesse bilden.
Unterscheiden Sie vor dem Hintergrund expliziter und impliziter Motive respondentes und operantes Verhalten.
Explizite Motive sagen Reaktionen in klar strukturierten Situationen vorher. Solche Reaktionen werden als respondentes Verhalten bezeichnet. Klar strukturiert sind Situationen dann, wenn im Rahmen von Entscheidungen und Bewertungen bewusste Abwägungsprozesse involviert sind. Im Falle des Leistungsmotivs könnte beispielsweise zwischen mehreren Aufgaben unterschiedlicher Schwierigkeit zu entscheiden sein. Da in der Regel in solchen Fällen die Entscheidungs- und Bewertungsprozesse nicht durch die Person selbst ausgelöst werden, sondern diese auf äußere Umstände (zum Beispiel auf Vorschläge des Vorgesetzten) reagiert, wird auch von „respondentem Verhalten“ gesprochen. Implizite Motive sagen Reaktionen vorher, die von sich aus auftreten, demnach spontan sind und auf Eigeninitiative beruhen. Solche Reaktionen werden als operantes Verhalten bezeichnet. Im Falle des Leistungsmotivs drückt sich dies beispielsweise in der längerfristigen beruflichen Karriere oder in unternehmerischen Erfolgen aus, die regelmäßige und zahlreiche Auseinandersetzungen mit eigenen inneren Leistungsmaßstäben erfordern.
Zeigen sie auf, wie und mit welchen Folgen implizite und explizite Motive miteinander interagieren.
Es hat sich gezeigt, dass die beiden Motivsysteme (implizit versus explizit) miteinander interagieren, wobei sie sich gegenseitig hemmen oder fördern können. Dabei wird angenommen, dass implizite und explizite Motive arbeitsteilig wirken. Während implizite Motive einen energetisierenden Charakter haben, haben explizite Motive einen steuernden Charakter. Motivkongruenz meint die übereinstimmende Ausprägung von impliziten und expliziten Motiven. Motivinkongruenz meint dagegen die mangelnde übereinstimmende Ausprägung von expliziten und impliziten Motiven. Je nach Ausprägung des impliziten und expliziten Motivs können vereinfacht vier unterschiedliche Motivkongruenztypen unterschieden werden:
Motivkongruenztyp I: Dieser Typ ist durch gering ausgeprägte explizite wie implizite Motive gekennzeichnet. Das wäre im Bereich des Leistungsmotivs der Fall, wenn eine Person sich zum einen nicht mit selbstgesteckten Zielen auseinandersetzt, um sich selbst als tüchtig zu erleben, und für die zum anderen Leistungsorientierung kein besonderer Teil des Selbstkonzeptes ist. Bei diesem Typ konfligieren explizite und implizite Motive nicht, es kommt aber entsprechend auch nicht zu einer gewissen Energetisierung des Verhaltens.
Motivkongruenztyp II: Dieser Typ ist durch hohe Ausprägungen in beiden Motiven gekennzeichnet. Das wäre im Bereich des Leistungsmotivs der Fall, wenn bei einer Person durch das hohe explizite Motiv das Setzen von anspruchsvollen Leistungszielen mit dem Erleben von Erfolg einhergeht und damit wiederum das implizite Motiv befriedigt wird. Auch bei diesem Typ konfligieren explizite und implizite Motive nicht, es kommt zu einer gewissen Energetisierung und möglichst optimalen Ausrichtung des Verhaltens.
Motivinkongruenztyp I: Dieser Typ ist durch gering ausgeprägte explizite, aber hoch ausgeprägte implizite Motive gekennzeichnet. Bei diesem Typ konfligieren explizite und implizite Motive demnach. Dies bedeutet, dass die Person auf der einen Seite ein hohes Verlangen nach herausfordernden Tätigkeiten hat und es genießt diese zu bewältigen. Auf der anderen Seite entwickelt das niedrige explizite Leistungsmotiv keine ausreichend anspruchsvollen Leistungsziele, sodass sich die Person zumeist in leistungsneutralen Umgebungen aufhält. Das implizite Motiv kann sich also nicht entfalten und die Motivbefriedigung tritt nicht ein. Personen dieses Typs könnten sich unter anderem folgendermaßen äußern: „Ich habe das Gefühl, nicht so zu handeln, wie ich wirklich bin.“
Motivinkongruenztyp II: Dieser Typ ist durch auch ausgeprägte explizite, aber gering ausgeprägte implizite Motive gekennzeichnet. Bei diesem Typ konfligieren ebenfalls explizite und implizite Motive. Dies bedeutet, dass die Person auf der einen Seite hoch anspruchsvolle Leistungsziele generiert, für deren erfolgreiche Umsetzung dann aber die ausreichende Ausprägung des impliziten Leistungsmotivs fehlt. Da die gewählte Tätigkeit an sich keine Freude bereitet, muss die notwendige Energie alleine aus den extrinsischen Anreizen (zum Beispiel Anerkennung durch andere, das Erreichen einer bestimmten beruflichen Position oder eines bestimmten Gehalts) „gezogen“ werden. Personen dieses Typs könnten sich unter anderem folgendermaßen äußern: „Ich muss mich überwinden, die Tätigkeit anzugehen
Es wird davon ausgegangen, dass Motivinkongruenz negative Folgen haben kann, da sie als ein dauerhaft wirkender intrapsychischer Stressor das psychische wie physische Wohlbefinden und damit auch die Lebenszufriedenheit beeinträchtigt.
Erklären Sie, welche Erklärungslücke das Konzept der Volition schließt.
Erwartungs-Mal-Wert-Modelle der Motivation gehen davon aus, dass die Motivation für solche Ziele am höchsten ist, für die das Produkt aus Erwartung und Wert maximal ist. Im Alltag zeigt sich dann aber, dass Menschen nicht immer alles tun, was sie sich vorgenommen haben, dass Dinge auf die lange Bank geschoben oder dass gute Vorsätze über Bord geworfen werden. Es muss also keineswegs immer so sein, dass ein Ziel, welches sowohl von hohem Wert als auch realisierbar ist, in die Tat umgesetzt wird. Diese Erfahrung wird in Theorien zur Volition berücksichtigt, indem zwischen Prozessen der Zielwahl und Prozessen der Zielrealisierung unterschieden wird. Klassische Erwartungs-Mal-Wert-Modelle beziehen sich lediglich auf Prozesse der Zielwahl durch Wünschbarkeit (Wert) und Realisierbarkeit (Erwartung). Prozesse der Zielrealisierung sind aber keine Frage der Motivation, sondern der Volition. Es geht also um die Frage, wie Menschen etwas realisieren, obwohl es sie abschreckt, wie Menschen „sich zusammenreißen“ und sich eben „nicht gehen lassen“. Bei der Volition geht es um den Willen.
Erläutern Sie den Unterschied zwischen Absicht und Vorsatz in den Begrifflichkeiten des Rubikonmodells.
Absicht meint eine Zielintention, während Vorsatz eine Implementierungsintention meint. Ausgangspunkt dieser Unterscheidung ist die Beobachtung, dass Menschen sich vor Schwierigkeiten, die einer Realisierung von Absichten entgegenstehen, schützen, indem sie eine Implementierungsintention bilden. Darunter wird eine mentale Verknüpfung zwischen einer passenden Handlungsgelegenheit und einer passenden Handlung im Sinne einer Wenn-Dann-Aussage verstanden: Wenn Gelegenheit „x“ auftritt, dann wird Handlung „y“ ausgeführt. Während sich eine Person im Rahmen einer Zielintention, also einer Absicht, auf einen angestrebten Zielzustand festlegt, legt sich eine Person im Rahmen der Implementierungsintention, also einem Vorsatz, auf eine konkrete Handlungsausführung fest. Zielintentionen konkretisieren also den angestrebten Zielzustand, während Implementierungsintentionen konkretisieren, bei welcher Gelegenheit, welche zielführenden Handlungen ausgeführt werden. So wäre eine Zielintention: „Ich will die Klausur im Modul Allgemeine Psychologie schreiben.“ Um diese Zielintention zu fördern, könnte folgende Implementierungsintention gebildet werden: „Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, dann schlage ich Seite X des Studienbriefs auf und werde 10 Seiten konzentriert durcharbeiten.“
Was meint vor dem Hintergrund der Handlungskontrolltheorie der Begriff „Kontrollzustand“ und wovon ist dieser Zustand abhängig?
Wie gut Handlungskontrollstrategien funktionieren, hängt vom Kontrollzustand ab. Dabei werden zwei Zustände unterschieden. Der erste Kontrollzustand wird Handlungsorientierung genannt und ist dadurch gekennzeichnet, dass Personen mittels Handlungskontrollstrategien flexibel auf Handlungsanforderungen reagieren. Der zweite Kontrollzustand wird als Lageorientierung bezeichnet und ist dadurch gekennzeichnet, dass Personen nicht aktiv reagieren, sondern sich in negativen Gedanken verfangen. Dadurch wird der Einsatz der Handlungskontrollstrategien erschwert. Diese neqativen Gedanken kommen Sorgen gleich und können sich beispielsweise folgendermaßen äußern: „Es ist alles so schwierig. Warum ist das gerade mir passiert und wie soll ich das alles bloß schaffen?“ Die Ausprägung des Kontrollzustandes ist abhängig von zwei Faktoren: zum einen von den aktuellen äußeren Umständen, zum anderen von überdauernden persönlichen Dispositionen, eher zum einen oder zum anderen Kontrollzustand zu neigen. Es scheint also ein Persönlichkeitsmerkmal der Handlungs- und Lageorientierung zu existieren. Dieses Persönlichkeitsmerkmal kann mittels des Handlungskontrollfragebogens nach J. Kuhl (1994) erfasst werden.
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