3.1 Allgemein
Schema und iteratives Verhalten der Ökobilanz
Alle Schritte einer Ökobilanz beeinflussen sich gegenseitig, womit sie iterativ aufgebaut ist (klassisches Bild mit Pfeilen zwischen den benachbarten Schritten in beide Richtungen).
Die vier Schritte sind dabei die Festlegung des Ziels und Untersuchungsrahmens, die Sachbilanz, die Wirkungsabschätzung und die Auswertung.
3.1 Schritt 1: Festlegung des Ziels und Untersuchungsrahmens
Erklärung
Step: Zweck der Studie (Bsp. Welche Verpackung ist umweltfreundlicher?) -> Umfang und Tiefe der Studie
In der Zieldefinition werden der vorgesehene Anwendungszweck, die Gründe für die Studie/Fragestellung und die Zielgruppe festgelegt.
Untersuchungsrahmen: Geographisch z.B. Europa; Technisch z.B. Papier, Kunststoff; Zeithorizont z.B. für 2020; Systemgrenzen z.B. inkl. Entsorgung
Die Festlegung des Untersuchungsrahmens definiert, welche funktionelle Einheit und Referenzströme benutzt werden sowie die einzubeziehenden Parteien (Stakeholder).
Funktionelle Einheit: „gleicher Nutzen“, z.B. Transport von 4 Litern, Schutz gegen Fall
Beispiel: Untersuchung welche Kraftstoff-Antriebs-Kombination die geringsten CO2-Emissionen pro gefahrenen km hat - für strategische Beurteilung
Kritische Prüfung
Eine kritische Prüfung ist ein Verfahren zur Überprüfung, ob eine Ökobilanz:
mit den Anforderungen der internationalen Normen übereinstimmt
wissenschaftlich korrekt durchgeführt wurde
transparent, konsistent und nachvollziehbar ist
Ziel: Qualitätssicherung der Studie
Sicherstellen, dass:
Methodik normkonform ist
Systemgrenzen korrekt definiert sind
Annahmen nachvollziehbar sind
Datenquellen angemessen gewählt wurden
Ergebnisse sachlich korrekt interpretiert werden
Interne Sachverständige (unabhängig vom Projektteam)
Externe Sachverständige
Wichtig: Die Prüfer müssen unabhängig von der Erstellung der Ökobilanz sein.
In den Ökobilanzbericht müssen aufgenommen werden:
Gutachten der Prüfer
Stellungnahmen der Ersteller
Reaktionen auf Empfehlungen
→ Vollständige Transparenz
Zusammenfassung
Definiert:
Fragestellung
Anwendungszweck
Zielgruppe
Produktalternativen
Systemgrenzen
Funktionelle Einheit
Referenzströme
Annahmen & Methodik
Anforderungen an Daten & Datenqualität
→ Enthält ein Systemfließbild als Grundlage für die Sachbilanz
3.2 Schritt 2: Sachbilanz
Allgemein
Prozeskette wir allgemein modelliertr
Ermittelung, Zusammenstellung und Quantifizierung aller Stoff- und Energieströme (Inputs und Outputs) für ein gegebenes Produktsystem
Datensammlung
Qualitative Bewertung der Daten
Warum Sachbilanz?
In der Sachbilanz werden die Emissions- und Verbrauchs Mengen von Produkten oder Prozessen tabelliert in der Absicht, sich in der Folge ein Bild zu machen über die Veränderungen der natürlichen Umwelt, welche diese Emissionen und Verbräuche bewirken können.
Bilanzierung
Jedes Produkt, Zwischenprodukt, Material sollte bis zu Elementarflüssen runtergebrachten werden.
Jedes Element/Prozessmodul sollte mit seinen In- und Outputs betrachtet werden
Die Sachbilanz setzt sich aus der Aggrega on der Einzelbilanzen zusammen
Jedes Produkt, Zwischenprodukt, Material sollte bis zu Elementarflüssen runtergebrachten werden
Beispiel: TV für Input und Output
Problem und Lösung
Durch zusammenhängende Module und mehrfache Produktströme kann die Sachbilanz sehr komplex werden.
Ein Datenerhebungsblatt hilft bei der Übersicht der vorhandenen und noch zu findenden Daten (zudem teilweise Umwandlung der Einheiten notwendig, dabei wird jedes Prozessmodul mit In- und Outputs möglichst einzeln betrachtet).
Zum endgültigen Aufstellen der Gesamtströme muss der Pfad vom Ende betrachtet werden, um die Effizienzen pro Stufe korrekt zu berücksichtigen (für Referenzflüsse).
3.3 Schritt 3: Wirkungsabschätzung
Einleitung
In der Wirkungsabschätzung folgt die Quantifizierung der Umweltwirkungen pro Wirkungskategorie (Ausgangspunkt bildet die Sachbilanz mit In- und Outputstömen).
-> Herstellung eines funktionalen Zusammenhangs zwischen den erhobenen Daten der Sachbilanz und den Umweltauswirkungen
Output-basierte Eingriffe z.B. (CO2 Emissionen, Giftgase, Müll etc.) VS. Input-basierte Eingriffe z.B. (Rohstoffentnahme)
direkte Eingriffe (Ursache und Wirkung am selben Ort) VS. indirekte Eingriffe (Ursache und Wirkung an anderer Stelle)
Komplexe Wirkungen von Emissionen
Fate – Exposure – Effect
Verschiedene Grade und Stufen der Auswirkung
Fate: Was passiert mit dem Stoff in der Umwelt? (Transport, Abbau, Verteilung etc.
Exposure: Wer oder was kommt in Kontakt mit dem Stoff? (Mensch: Einatmen, Nahrung, Hautkontakt; Ökosysteme: Pflanzen, Tiere, Gewässer
Effect: Welche Wirkung entsteht durch die Exposition? (Toxizität, Ökologische Schäden etc.)
Wirkungsmodelle
Wirkungskategorien
Midpoint und Endpoints
Viele verschiedene Modelle
Viele Kategorisierungsarten Beispiele:
Treibhausgaspotential -> Erwärmung der Erdatmosphäre
Versauerung -> Bildung von Säuren die auf Boden / Wasser einwirken
Sommersmog -> Bildung von bodennahem Ozon
Midpoints: Umweltveränderung
Endpoints: Wirkungsendpunkt
Bestandteile
Klassifizierung
Klassifizierung: Klassifizierung wird jeder Elementarfluss den Wirkungskategorien zugeordnet
Charakterisierung
Charakterisierungsfaktor (CF): Quantitative Beschreibung der Bedeutung einer spezifischen Emission oder Resourcen Extraktion - in Bezug zur Referenz-Substanz
Impact Score: Summe aus CFi*mi
Charakterisierung Beispiele
Treibhausgaspotential: Beitrag zur Erwärmung der Erde; Substanz absorbiert im IR-Bereich und gibt die Wärmestrahlung an die Atmosphäre ab. -> globale Wikrung
Versauerungspotential: Senkung des pH-Wertes bei terrestrischen bzw. aqua schen Ökosystemen, Wirkung des Stoffes als Säure -> lokale Wirkung
Eutrophierung: Beitrag zur Überdüngung in Gewässern und Böden, Wirkung des Stoffes als Wachstumsförderer —> Sauerstoffzehrung im Gewässer -> lokale Wirkung
Wirkungsabschätzung auf Basis von End-Point-Indikatoren
Schluss auf Endpoints kann über Wirkungspfade geschehen (Bereiche der Umwelt, auf die die Eingriffe in letzter Konsequenz eine Wirkung haben: menschliche Gesundheit, Ökosysteme, Ressourcen, Klimawandel).
Wirkungsabschätzung auf Basis von End-Point-Indikatoren -Zusammenfassung -
Mid-point VS. Endpoint
4.1 Schritt 4: Auswertung
In der Auswertung folgen die Überprüfung und Interpretation der Ergebnisse sowie die Vorbereitung zur Kommunikation.
Ziel ist kein ökologisches Gesamturteil, sondern mehr eine Vergleichbarkeit verschiedener Produktsysteme und eine Beurteilung der Ergebnisse mittels Prüfungen der Konsistenz, Sensitivität und Vollständigkeit.
-> Schlussfolgerungen, Empfehlungen, Berichte signifikanter Parameter
-> Kritische Hinterfragung der einzelnen Aspekte erwünscht (auch einfache Fragen)
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