5.1 Recycling in der LCA
Was bedeutet Cradle-to-Grave?
Generalized LCA Framework:
Lebenszyklus von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung: Rohstoff → Produktion → Distribution → Nutzung → End-of-Life
Emissionen entstehen in jeder Phase.
Warum ist Recycling in der LCA methodisch schwierig?
Das Recycling-Problem:
Multifunktionalität (Abfallbehandlung + Sekundärmaterialproduktion)
Umweltlasten & Nutzen müssen zwischen Produktsystemen verteilt werden
Wahl der Allokationsmethode beeinflusst Ergebnisse stark
5.2 Recycling Optionen
Überblick
Was ist Closed-Loop Recycling?
Closed-Loop ist Recycling im gleichen Produktsystem.
Varianten:
Ohne Qualitätsänderung (z.B. Aludosen)
Mit Downcycling (z.B. Glas hell → dunkel)
Was ist Open-Loop Recycling?
Open-Loop Recycling ist Recycling in anderes Produktsystem
Downcycling (z.B. Mischkunststoffe)
Ohne Qualitätsänderung (PET → Faser)
Upcycling (z.B. chemisches Recycling zu Monomeren)
5.3 Recycling-Methoden in der LCA
Simple Cut-Off (100/0-Methode)
Prinzip
Charakteristik
Pro/Contra
Prinzip: Cut-off beim Abfall → Abfall trägt keine Last
Charakteristik:
Alles wird dem ursprünglichen Produkt zugerechnet
Rezyklat startet „belastungsfrei“
Pro: ✔ Einfach ✔ Anreiz für Rezyklateinsatz
Contra: ✘ Kein Anreiz für Recycling am Lebensende ✘ Input/Output nicht verbunden ✘ Qualität nicht berücksichtigt
Cut-Off mit ökonomischer Allokation
Prinzip: Cut-off nach Vorprozess, wenn Abfall Marktwert erhält
Recyclinglasten werden geteilt
Wirtschaftlicher Wert als Allokationsbasis
Pro: ✔ Etwas realistischer als einfacher Cut-off
Contra: ✘ Double Counting möglich ✘ Qualität nicht berücksichtigt
Cut-Off plus Credit (Modul D)
Anwendung: z.B. im Bausektor nach EN 15804
Prinzip:
Module A–C: Produktsystem
Modul D: Recyclinglasten + Gutschrift für vermiedene Primärproduktion
Pro: ✔ Credits werden berücksichtigt ✔ Fördert Recycling
Contra: ✘ Zusätzliche Daten nötig ✘ Qualität nicht berücksichtigt
Closed-Loop – Allocation to Material Losses (0/100-Methode)
Prinzip: Betrachtung des Materiallebenszyklus
Annahme: Materialverluste müssen durch Primärmaterial ersetzt werden
Pro: ✔ Anreiz für Recyclingfähigkeit
Contra: ✘ Kein Anreiz für Rezyklateinsatz im Produkt
5.4 Foreground and background systems
Definition Hintergrundsystem
Definition Vordergrundsystem
Definition: Prozesse außerhalb der direkten Kontrolle des Entscheidungsträgers
Beispiele:
Stromerzeugung
Kraftstoffproduktion
Rohstoffmärkte
Standard-Recyclingszenarien
Datenquelle: LCI-Datenbanken (z.B. Ecoinvent)
Definition: Prozesse unter Kontrolle des Entscheidungsträgers
Eigene Produktion
Energieverbrauch
Spezifische Transporte
Eigene Materialwahl
Weitere Infos
Je nach Produktionsstätte und Größe der Unternehmen können verschiedene Anteile des Gesamtprozesses als Vordergrund oder Hintergrund auftreten.
Für Daten der Hintergrundsysteme der regionale und zeitliche Rahmen entscheidend.
Beispiele für Hintergrundprozesse sind bspw. Stromerzeugung. Kraftstoffherstellung, Rohmaterialien, etc. für Vordergrundprozesse Energieverbrauch, Prozessschritte, etc.
Last changed5 days ago