Heuristiken - Grundidee
Heuristiken = mentale Faustregeln
Vereinfachen Urteile und Entscheidungen
Schnell, ressourcensparend, meist unbewusst
Können zu systematischen Verzzerungen führen
Verfügbarkeitsheuristik
Einschätzung von Häufigkeit oder Wahrscheinlichkeit
Orientierung daran, wie leicht Beispiele abrufbar sind
Bsp: Nach Berichten über Flugzeugabstürze wird Fliegen als gefährlicher eingeschätzt als Autofahren
Saliente, emotionale oder mediale Ereignisse dominieren
Repräsentativitätsheuristik
Beurteilung nach Ähnlichkeit zu einem Prototyp
Basisraten und Wahrscheinlichkeit werden vernachlässigt
Bsp: „Markus fährt kein Auto und lebt nachhaltig“ → eher als "Ingenieur und Mitglied einer Umweltorganisation" eingeschätzt statt nur "Ingenieur"
Typisch bei Kategorien & Personenurteilen
Ankerheuristik
Urteile werden durch einen Startwert (Anker) beeinflusst
Auch irrelevante Zahlen wirken verzerrend
Bsp: Ein Produkt wird teuer angeboten, um es dann reduziert als Schnäppchen erscheinen zu lassen.
Anpassung vom Anker erfolgt oft unzureichend
Logisches Denken und Schlussfolgern
Wir können in gewissen Rahmen, logisch denken:
Schlussfolgern aus Regeln oder Prämissen
Unterscheiden zwischen gültigen und ungültigen schlüssen
Nutzt Deduktion und Induktion
Logisches Denken und Schlussfolgern - Fehler
Verständnisfehler
Prämisse oder Konsequenzen nicht richtig enkodiert
Prozessfehler
Informationen gehen mangels Aufmerksamkeit bei der Verarbeitung verloren
Strategiefehler
Steuerung und Kontrolle verschiedener Schemata schlagen fehl
Antezedenz und Konsequenz
Modus ponens
Wenn “Sie haben die Vorlesung zu Ende gehört” wahr ist, dann stimmt es auch, dass Sie mit menschlichem Denken auskennen, wenn die Prämisse stimmt
Modus tollens
Wenn “Sie kennen sich nicht mit menschlichem Denken aus” wahr ist, dann stimmt es auch, dass Sie Vorlesung nicht zu Ende gehört haben, wenn die Prämisse stimmt
Negation der Antzedenz/Beobachten der Konsequenz
Durch Negation der Antzendenz
Aus “Sie haben die Vorlesung nicht zu Ende gehört” können wir nichts folgern. Vielleicht kennen Sie sich aus, vielleicht aber auch nicht
Durch Beobachten der Konsequenz
Aus “Sie können sich mit menschlichen Denken aus” können wir nichts folgern. Vielleicht haben Sie die VL zu Ende gehört, vielleicht nicht.
Theorie Mentaler Modelle
Grundidee: Menschen schließen, indem sie mentalen Modelle der Situation konstruieren
Ein mentales Modell ist eine mentale Repräsentation der Welt, die die Prämisse erfüllt
Schlüsse werden gezogen, in dem alle konsistenten Modelle geprüft werden
Intuitive Fehler entstehen, wenn nicht alle Modelle berücksichtigt werden
Bsp: „Wenn es regnet, ist die Straße nass.“ Es regnet → Straße ist nass; jedoch: Falsch! Wir sind in einen Tunnel.
Theorie der mentalen Modelle - 3 Schritte
Verstehen: Mentale Modelle aus Prämissen und Vorwissen bilden
Kombinieren: Modelle zu einem konsistenten Gesamtmodell zusammenführen
Validieren: Alternative Modelle prüfen, Schlussfolgerung ggf. verwerfen
Rolle von Quantoren in Mentalen Modellen
Rolle von Quantatoren: Bestimmen, welche Elemente die Prämissen in den mentalen Modellen erfüllen müssen
Universell (kopfstehndes A): Alle Elemente einer Kategorie erfüllen eine Eigenschaft
Bsp: „Alle Katzen miauen“ → Mentales Modell: jede Katze → miaut
Partikulär (Umgedrehtes E): Mindestens ein Element einer Kategorie erfüllt eine Eigenschaft
Bsp: „Mindestens eine Katze ist schwarz“ → Mentales Modell: mindestens eine schwarze Katze, andere Farben möglich
Quantatoren
Kategoriale Syllogismen & mentale Modelle
Einfacher Syllogismus (universelle Quantatoren (kopfstehendes A))
1. Alle Katzen sind Tiere (kopfstehndes A)
2. Alle Tiere brauchen Luft (kopfstehndes A)
-> Alle Katzen brauchen Luft
Schwieriger Syllogismus (umgedrehtes E + kopfstehendes A)
1. Einige Studierende sind Musiker ( umgedrehtes E)
2. Alle Musiker sind Kreativ (kopfstehendes A)
-> Einige Studierende sind kreativ
Besonders Schwieriger Syllogismus (zwei partikuläre Quantatoren (umgedrehtes E))
1. Einige Studierende sind Musiker (umgedrehtes E)
2. Einige Musiker sind kreativ (umgedrehtes E)
-> Einige Studierende sind kreativ (intuativ plausibel, aber logisch ungültig)
Belief Bias bei kategoriellen Syllogismen
Beispiel (inhaltlich plausibel, logisch ungültig):
1. Alle Ärzte haben studiert (kopfstehendes A)
2. Einige Studierende sind besonders intelligent (umgedrehtes E)
-> Einige Ärzte sind besonders intelligent
Formale Bewertung: Schlussfolgerung logisch ungültig
Typische Intuition: Schluss wird akzeptiert, weil er inhaltlich plausibel ist
Belief Bias: Bewertung nach Weltwissen statt nach logischer Form
Was ist ein Problem?
Ausganspunkt: aktueller Zustand
Zielzustand: gewünschter Zustand
Hindernisse: verhindern die direkte Zielerreichung
Problem: kein offensichtlicher Weg vom Ausgans- zum Zielzustand
Bsp:
Ausgangspunkt: Sie sind in einer fremden Stadt.
Ziel: Sie wollen pünktlich zu ihrem Termin kommen
Hinderniss: keine Ortkenntnis, Zeitdruck, Kein Internet
-> Wie kommen Sie ans Ziel?
Kognitives Problemlösen bei Raben - Aufbau
Eine Futterbelohnung, die aber nicht direkt erreicht werden kann
Ein kurzer Stock an einem Band, dass aufgespult werden muss, um den
Stock zu bekommen
Stein, der mit kurzem Stock erreicht werden kann
Wippe, die bei drei Steinen kippt und einen langen Stock frei gibt
Kognitives Problemlösen bei Raben - Kognitives Problemlösen
Die einzelnen Teilaufgaben sind der Krähe bekannt, deren Kombination nicht!
Die Krähe konstruiert spontan durch Denken eine Lösung
Aufgabe als ganzes ist nicht trainiert worden
Sie arbeitetet nicht nur mit Trial und Error
-> Echtes kognitves Problemlösen
Kisten-Banane-Problem - Aufgabe
Ausgangssituation: Banane hängt außer Reichweite von der Decke
Ziel: Banane erreichen
Hindernis: Banane zu hoch
Material: mehrere Kisten im Raum
Problem: Kisten werden zunächst nur als Sitz- Ablagefläche gesehen
Kiste-Banane-Problem - Lösung
Lösung: Kiste stapeln
Kiste als Hilfsmittel zur Höhenüberbrückung umdeuten
Einsicht: Repräsentationswechsel des Problems
Beobachtung: Lösung erscheint oft plötzlich
Vor Einsicht: ineffektives Ausprobieren
Interpretation: Problemlösen ungleich schrittweises Suchen
Zwei-Seil-Problem - Aufgabe
Ausgangssituation: Zwei Seile hängen von der Decke
Beide Seile sind zu weit voneinander entfernt, um sie gleichzeitig zu greifen
Ziel: Beide Seile zusammenknoten
Hindernis: Reichweite des Körpers begrenzt
Hilfmittel: Gegenstände im Raum
Zwei-Seil-Problem - Lösung
Lösung: Ein Seil als Pendel
Werkzeug an Seil binden & anschwingen
ggf. durch Hinweis des Versuchsleiters, versehentliches Anschwingen der Seile
Einsicht: Funktionelle Umdeutung des Objekts
Beobachtung: Lösung tritt oft plötzlich ein
Vor Einsicht: ziellose, ineffektive Versuche
Kerzenproblem - Aufgabe
Ausgangssituation: Kerze, Reißzwecken und Streichholzschachtel
Ziel: Kerze an der Wand befestigen
Hindernis: Wachs tropft, Kerze fällt herunter
Randbedingung: Kerze darf nicht direkt angeheftet werden
Problem: Streichholzschachtel wird nur als Behälter wahrgenommen
Kerzenproblem - Lösung
Lösung: Streichholzschachtel als Kerzenhalter nutzen
→ Schachtel an die Wand heften → Kerze in die Schachtel stellen
Einsicht: Funktionale Umdeutung eines Objekts
Zentrales Hindernis: funktionale Fixierung
Beobachtung: Lösung oft plötzlich nach Umstrukturierung
Problemraumtheorie
Problemlösung als Suche in einem Problemraum
Ausgangszustand kann iterativ verändert werden, bis ein Lösungsweg gefunden ist
Individuum testet hypothetisch Lösung mit mentalen Operatoren
Problemräume sind oft sehr groß -> Einsatz von Heuristiken
Problemraumtheorie - Alogrithmus & Heuristiken
Algorithmus: eindeutige Handlungsvorschrift, die zum Ziel führt
Zielzustand durch Subziele erreichen -> Abstand zum Ziel schrittweise verringern
Heuristik: Faustregel, geringer Aufwand, keine Garantie zum Ziel
Kaplan & Simon: Einsichtsprobleme entstehen, wenn Ausgangs- oder Zielzustand nicht angemessen kodiert sind
Elaborationsprozesse ermöglichen erneute Repräsentation des Problems
Erklärt Umstrukturierungsprozesse -> innovative Lösungen, ungewohnte Lösungschemata und Strukturen
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