Geburtstgewicht = Indikator für …
Einfluss des intrauterinen Milileus auf den Fetus
hohes Geburtsgewicht - Assoziation
häufig assoziiert mit weiteren pränatalen Einflussfaktoren kindlicher Adipositas wie Gestationsdiabetes, mütterliches Übergewicht, etc. -> siehe fuel-mediated-in utero-Hypothese, fetale Programmierung
niedriges Geburtsgewicht - Einflussfaktor für …
als Einflussfaktor für Erkrankungen des Stoffwechsels und kindlicher Adipositas -> siehe mismatch-Hypothese, fetale Programmierung
hohes Geburtsgewicht/Makrosomie - Gramm
>4500 g
Normales Geburtsgewicht - Gramm
2500 bis 4499 g
Niedriges Geburstgewicht LBW (low birth weight) - Gramm
<2500 g
Sehr niedriges Geburtsgewicht VLBW (very low birth weight) - Gramm
<1500 g
Extrem niedriges Geburtsgewicht ELBW (extreme low birth weight) - Gramm
<1000 g
Geburt - Einteilung nach Schwangerschaftswochen: Übertragenes Neugeborenes
>42+0 SSW
Geburt - Einteilung nach Schwangerschaftswochen: Zum Termin Geborenes
>37+0 und <42+0 SSW
Geburt - Einteilung nach Schwangerschaftswochen: Frühgeborenes
<37+0 SSW
Geburt - Einteilung nach Schwangerschaftswochen: Sehr Frühgeborenes
<32+0 SSW
Geburt - Einteilung nach Schwangerschaftswochen: Extrem früh Frühgeborenes
<28+0 SSW
Definition: niedriges Geburtsgewicht nach Perzentilen
SGA = small for gestational age (<10. Perzentile)
AGA = appropiate for gestational age (10. bis 90. Perzentile)
LGA = large for gestational age (>90. Perzentile)
Pränatale Risikofaktoren für Übergewicht
Gestationsdiabetes
Übergewicht der Mutter
Hohe Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
Niedriges Geburtsgewicht
Hohes Geburtsgewicht
Pränatale Risikofaktoren für Übergewicht: Gestationsdiabetes
Erhöhung des Risikos: +++
Begünstigt:
späteres Übergewicht, metabolisches Syndrom und Diabetes mellitus Typ 2
Makrosomie
Pränatale Risikofaktoren für Übergewicht: Übergewicht der Mutter
Erhöhung des Risikos: +
späteres Übergewicht
Entwicklung eines Gestationsdiabetes
Pränatale Risikofaktoren für Übergewicht: Hohe Gewichtszunahme in der Schwangerschaft
Erhöhrung des Risikos: ++
Entwicklung Gestationsdiabetes
Pränatale Risikofaktoren für Übergewicht: Niedriges Geburtsgewicht
Erhöhung des Risios: ++
späteres Übergewicht und Diabetes melliuts Typ 2
mit erhöhtem (abdominalen) Körperfettanteil assoziiert
Pränatale Risikofaktoren für Übergewicht: Hohes Geburtsgewicht
Erhöhung des Risikos: +?
späteres Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2
hohes Geburtsgewicht per se: zwar höherer BMI aber auch höhere fettfreie Masse
Postnatale Risikofaktoren für Übergewicht
Stillen
Hohe Proteinzufuhr
Schnelle Gewichtszunahme (in den ersten beiden Lebensjahren)
Postnatale Risikofaktoren für Übergewicht: Stillen
Senkung des Risikos: - -
vermindert das Übergewichtsrisiko im Kindesalter um ca. 20 %
anhaltender Schutz vor Übergewicht bis ins Erwachsenenalter unklar
Postnatale Risikofaktoren für Übergewicht: Hohe Proteinzufuhr
-> vor allem aus Milch/Milchprodukten bei Einführung in die Familienkost erhöht das Übergewichtsrisiko im Kindesalter
Postnatale Risikofaktoren für Übergewicht: Schnelle Gewichtszunahme (in den ersten beiden Lebensjahren)
Erhöhung des Risikos:
Begünstig späteres Übergewicht
Risikoerhöhung auch bei Kindern, die normal groß/lang bei Geburt waren
Ungünstiger Effekt kann durch Stillen reduziert werden
Wachstum = wichtigster Indikator für …
Gesundheit und Ernährungszustand
Wachstumsgeschwindigkeit und -verlauf
Zunahme von Körpergewicht und -länge nicht kontinuierlich: Phase des schnellen Wachstums vor allem im Säuglingsalter (und der Pubertät)
Abweichungen von durchschnittlichen Wachstumsverlauf (v.a. in der Phase der ersten 1000 Tage) können Risikofaktor für spätere Erkrankungen sein
Überdurchschnittliches Wachstum in den ersten Lebensjahren
Risikofaktor für Übergewicht im späteren Leben
siehe accelerated postnatal growth-hypothesis, fetale Programmierung
Durchschnittliche Gewichtszunahme: 0-2 Monate
ca. 170 bis 330 Gramm pro Woche
Durchschnittliche Gewichtszunahme: 2-4 Monate
ca. 110 bis 330 Gramm pro Woche
Durchschnittliche Gewichtszunahme: 4-6 Monate
ca. 70 bis 140 Gramm pro Woche
Durchschnittliche Gewichtszunahme: 6-12 Monate
ca. 40 bis 110 Gramm pro Woche
Gewichtsentwicklung nach der Geburt - 1. und 2. Lebenstag (8-12 Mahlzeiten)
Gewichtsabnahme (bis ca. 7 % physiologisch)
8-10 %: Stillmanagement überprüfen
>10 %: mögliche Indikation zur Zufütterung
Gewichtsentwicklung nach der Geburt - 3. Lebenstag (8-12 Mahlzeiten)
Gewichtsplateau
Gewichtsentwicklung nach der Geburt - bis 30. Lebenstag (6-12 Mahlzeiten)
Geburtsgewicht wird wieder erreicht, danach mind. 20 g pro Tag Gewichtszunahme
Gewichtsverlauf und Wachstum = wichtige Indikatoren zur …
Beurteilung von Gedeihen und körperlicher Entwicklung des Säuglings
Längenwachstum
beginnt erst, wenn das Geburtsgewicht wieder erreicht ist
Gründe für Kaiserschnitte - absolute Indikation
Gesundheit von Kind (und Mutter) sind einer vaginalen Geburt akut gefährdet
Dauerhafte Querlage des Kindes
ein (drohender) Gebärmutterriss
Die Plazenta verdeckt den Muttermund des Gebärmutterhalses
Vorzeitige Ablösung der Plazenta (Plazentaablösung)
Präeklampsie oder HELLP-Syndrom
Unterversorgung des Kindes mit Sauerstoff (z.B. durch überlange Geburtsdauer)
Ein im Verhältnis zum mütterlichen Becken sicher zu großes Kind
Beckenverformungen der Mutter
Die Nabelschnur legt sich vor das Kind und wird eingeklemmt (Nabelschnurvorfall)
Akute Infektion der Früchthöhle, Plazenta, Eihäute und eventuell des Kindes (Amnioinfektionssyndrom)
Gründe für Kaiserschnitte - Relative Indikation
Gesundheit von Kind (und Mutter) können bei einer vaginalen Geburt gefährdet sein:
vorangegangener Kaiserschnitt
vorangegangene Operation im Scheidenbereich
außergewöhnlich verzögerte Geburt oder Geburtsstillstand
besonders großes Kind mit mehr als 4.500 Gramm Geburtsgewicht
ein im Verhältnis zum mütterlichen Becken wahrscheinlich zu großes Kind
ungünstige Variante der Beckenendlage, das Baby hat sich nicht gedreht und liegt mit dem Steiß (Hinterteil) in bestimmter Art und Weise nach unten
bestimmte Zwillinge oder mehr Babys (Mehrlingsgeburt)
-> Liegen diese Indikationen vor, werden bei der Entscheidung für oder gegen eine Schnittentbindung Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen und Vor- und Nachteile einer natürlichen Geburt besprochen
Wunschkaiserschnitt
wenn der Eingriff auf Wunsch der Schwangeren ohne medizinischen Anlass erfolgt
Gesundheit von Kind (und Mutter) sind bei einer vaginalen Geburt nicht unverhältnismäßig gefährdet
Gründe für Wunschkaiserschnitt
bessere Planbarkeit (bestimmte Geburtszeit/Geburtsort aus beruflichen/terminlichen Gründen) -> 2-3 % der Frauen wünschen aus diesen Gründen einen Kaiserschnitt
Angst vor Schmerzen einer Geburt/Sorge vor möglichen Folgeschäden (z.B. Verletzungen des Beckenbodens) -> 6-8 % der Frauen
Ängste, besonders wenn durch traumatische Erfahrungen einer vorangegangenen Geburt = medizinischer Anlass
Wenn ein Wunschkaiserschnitt gewünscht wird
Gründliche Beratung wichtig, um mögliche Ängste + Bedenken gegen natürliche Geburt abzubauen, inkl. Vorteile + Risiken
Wunsch der Schwangeren bleibt entscheidend für Geburtsweg
Gründe, warum es trotzdem häufiger zu einem Kaiserschnitt kommt:
Lange galt “Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt”
neue Diagnosemöglichkeiten = Ärzte können vermehrt Risikofaktoren identifizieren
mehr Risikoschwangerschaften u.a. durch mehr “ältere” Schwangere
Personelle Besetzung in der Klinik + Erfahrung der Geburtshelfer im Dienst hat Einfluss auf: Qualität der Beratung zum Geburtsweg -> Entscheidung der Eltern
Große Geburtskliniken (>1000 Geburten pro Jahre) führen seltener Kaiserschnitte durch -> v.a. wegen besserer Personaldecke + größere Erfahrung der Geburtshelfer
Nicht nur medizinische Gründe relevant, teilweise auch äußere Umstände:
Personalmangel: eine natürliche Geburt kann sich stunden- oder sogar tagelang hinziehen, Kaiserschnitt bindet weniger Personal
Organisatorische Gründe: Kaiserschnitte besser planbar -> mehr Geburten in kürzerer Zeit
Finanzieller Fehlanreiz: Krankenkkassen vergüten einen Kaiserschnitt höher als eine vaginale Geburt
Mangelnde Erfahrung der Geburthelfer: Angst Komplikationen falsch einzuschätzen und Fehler zu machen = einer der wichtigsten Gründe für einen Kaiserschnitt
Angst vor juristischen Auseinandersetzung
Risikoerhöhung durch Kaiserschnitt
spätere Adipositas (+35,9 %)
Anämie (+35,2 %)
Atemwegsprobleme wie chronische Bronchitis im Kindesalter
Allergien
Mangelernährung
gastrointestinale Erkrankungen
Mögliche Ursachen für Unterschiede - Vaginale Geburt
Hormonausschüttung
Im Geburtskanal wird die Lunge zusammengedrückt
Darmmikrobiom
Mögliche Ursachen für Unterschiede - Vaginale Geburt: Hormonausschüttung
Vorbereitung auf Geburt für Mutter und Kind
Milchbildung wird angeregt
stark emotionale Bindung
Mögliche Ursachen für Unterschiede - Vaginale Geburt: Im Geburtskanal wird Lunge zusammengedrückt
Fruchtwasser wird aus der Lunge gepresst -> geringeres Risiko für Infektionen der oberen Atemwege
Impuls zur selbstständigen Atmung, Lungenumstellung auf Luftatmung
Mögliche Ursachen für Unterschiede - Vaginale Geburt: Mikrobiom
Mikrobielle Erstbesiedelung, Zusammensetzung des Darmmikrobioms -> vaginales Mikrobiom der Mutter = vermehrte Bifidobakterien
Mögliche Ursachen für Unterschiede - Kaiserschnitt: Mikrobiom
Mikrobielle Erstbesiedelung, Zusammensetzung des Darmmikrobioms -> (Krankenhaus-) Umwelt = vermehrte pathogene Bakterien wie Entero- und Staphylococcen
Therapieansatz: “vaginal microbial transfer” oder “vaginal seeding” - Pro-Argumente
Besiedlung einer vaginalen Geburt nachahmen und damit Risiko für verschiedene Krankheiten senken (Allergien, Asthma, Diabetes mellitus Typ 1, …)
Einfache Durchführung + kostengünstig
wird bereits in mehreren Ländern angewandt (z.B. Australien, Großbritannien, USA)
Risiko ist nicht höher als bei vaginaler Geburt -> dort wird auch nicht auf Pathogene getestet
Eltern aufklären und informed choice ermöglichen
Therapieansatz: “vaginal microbial transfer” oder “vaginal seeding” - Contra-Argumente
Noch keine eindeutige Evidenz für langfristigen Nutzen
Risiko für Infektionen der Neugeborenen mit Pathogenen wie z.B. Herpesviren, HIV, Chlamydien, Streptokokken Typ B, etc.
Mikrobiom nach Kaiserschnitt
unabhängig von der Geburtsmethode erhalten Babys in den ersten Lebenswochen essenzielle Mikrooragnismen der Mutter -> nach 30 Tagen kaum noch Unterschiede
Stillen nach dem Kaiserschnitt besonders wichtig: Mikroorganismen werden vor allem durch das Stillen übertragen
Forschende begrüßen die Ergebnisse und die Entkräftung der Annahme, dass Babys nach einer Kaiserschnittgeburt ein Defizit an mütterlichen Mikroben haben -> vagianl seeding wäre nicht notwendig (Forschung läuft noch)
Wenn die Unterschiede NICHT an der mikrobiellen Erstbesiedelung liegen, woran dann?
Mögliche Confounder der Studien:
Unterschiede im Gewichtsstatus vor/Gewichtsentwicklung während Schwangerschaft -> fetale Programmierung
Unterschiede in der Stilldauer -> längeres Stillen scheint vor Adipositas zu schützen
Kaiserschnitt betrifft meist Risikoschwangerschaften/Geburtskomplikationen -> Gründe dafür könnten die tatsächliche Ursache für das höhere Adipositas-Risiko sein
Aktuelle Studien + Meta-Analyse zeigen:
wenn für diverse Einflussfaktoren adjustiert wird, minimiert sich das Risiko für Übergewicht/Adipositas nach Kaiserschnitt
Größter Einfluss: Gewichtsstatus der Mutter vor der Schwangerschaft -> fetale Programmierung
Neugeborenen Screening - U1: Direkt nach Geburt
Apgar-Score nach 1, 5 und 10 min: APGAR = Atmung, Puls, Grundtonus, Aussehen, Reflexe -> Beurteilung klinischer Zustand des Neugeborenen
pH-Wert Nabelschnurblut -> O2-Versorgung während Geburt
Äußerlich erkennbare Fehlbildungen
Gewicht, Länge, Kopfumfang
Vitamin K-Gabe -> Vorbeugung vor inneren Blutungen (Vitamin-K-Mangelblutung)
Neugeborenen Screening - U1: nach 24. bis 48. Lebensstunde
Test auf kritische angeborene Herzfehler
Neugeborenen Screening - U1: nach 36. bis 72. Lebensstunde (3 Tagen)
Fersenblut-Abnahme -> erweitertes Neugeborenen-Screening auf angeborene Stoffwechselstörungen, u.a. Mukoviszidose
Screening auf angeborene Hörstörungen
Ultraschall-Untersuchung zum Ausschluss einer Hüftgelenksdysplasie
Erweitertes Neugeborenen-Screening
Hypothyreose
Adrenogenitales Syndrom (AGS)
Biotinidasemangel
Galaktosämie
Phenylketonurie (PKU) und Hyperphenylalaninämie (HPA)
Ahornsirupkrankheit (Maple Sirup Urine Disease, MSUD)
Medium-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase (MCAD)-Mangel
Long-Chain-3-Hydroxy-Acyl-CoA-Dehydrogenase (LCHAD)-Mangel
Very-Long-Chain-Acyl-CoA-Dehydrogenase (VLCAD)-Mangel
Carnitinzyklusdefekte
Carnitin-Palmitoyl-Transferase-I (CPT-I)-Mangel
Carnitin-Palmitoyl-Transferase-II (CPT-II)-Mangel
Carnitin-Acylcarnitin-Translokase (CACT)-Mangel
Glutarazidurie Typ I (GA I)
Isovalerianazidurie (IVA)
Tyrosinämie Typ I
Schwere kombinierte Immundefekte (SCID)
Zystische Fibrose (Mukoviszidose) -> seit 2016
Kaiserschnittrate in DE umd Emfpehlung
Anzahl der Kaiserschnitte in DE ist viel zu hoch (32,6 %)
WHO-Empfehlung: 10 bis 15 %
Gewichtszunahme beim auschließlichen Stillen
Kinder, die ausschließlich gestillt wurden, nehmen in den ersten Monaten mehr zu als flaschenernährte Kinder, später sind sie aber tendenziell schlanker.
Wachstumskurven: BMI von 0-2 Jahren
BMI-Kurven machen deutlich:
starke Gewichtszunahme im 1. Halbjahr
danach stetig abfallender BMI bis 2. Geburtstag
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