Ausschließliches Stillen
Stillen
ggf. zusätzliche Medikamente, Vitamine, Mineralstoffe
Überwiegendes Stillen
wie “ausschließliches Stillen”
zusätzlich Flüssigkeiten, z.B. Wasser, Tee, Zuckerlösung
Vollstillen
Ausschließliches und überwiegendes Stillen insgesamt
Zwiemlich
Muttermilch und Muttermilchersatz
Teilstillen
Muttermilch und Muttermilchersatz und/oder Beikost
Muttermilchersatz
Industriell oder selbst hergestellte Säuglings(milch)nahurng unabhängig von der Eignung
Säuglingsanfangsnahrung
industriell hergestellte Nahrung, die gesetzlichen Vorgaben entsprechen muss und von Geburt an gefütter werden kann
Folgenahrung
industriell hergestellte Nahrung, die gesetzlichen Vorgaben entsprechen muss und frühestens mit Beginn der Beikost gefüttert werden soll
Beikost
Alle Nahrungsmittel (flüssig, breiig, fest) außer Mutermilch
Säuglingsanfangs- und Folgenahrung
Aktuelle Stillempfehlungen - WHO
Stillen innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt beginnen -> ausschließlich für 6 Monate
weiteres Stillen nach der exklusiven Stillzeit bis zu ca. 2 Jahren
Akutelle Stillempfehlungen - Nationale Stillkommission
ausschließliches Stillen für die ersten 4 bis 6 Monate
auch nach Beikost-Einführung weiter stillen
Stillen solange Mutter und Kind wünschen
auch Kinder mit erhöhte Allergierisiko sollten entsprechend diesen Empfehlungen gestillt werden
Nationale Stillkomission - Ziel und Aufgaben
Ziel: Entwicklung neuer Stillkultur in Deutschland, Stillen als normale Ernährung für Säuglinge
berät die Bundesregierung
gibt Richtlinien, Empfehlungen und Stellungnahmen heraus
unterstützt Initiativen zur Beseitigung bestehender Stillhindernisse
praktische Empfehlungen rund um das Stillen für Ärzte, Hebammen, Klinikpersonal und Mütter, die auf der Internetseite oder in Informationsblättern für Schwangere und Stillende veröffentlicht sind
Stillquoten
Auschließliches Stillen bis zum 7. Monat:
Europa -> ca. 25 %
Südostasien -> ca. 43 %
In entwickelten Ländern (Europa, Nordamerika, Ozeanien):
eindeutige Korrelation zwischen Stillrate und sozioökonomischem Status (SES) der Mutter/Familie -> SES ↑ = Stillrate ↑
Stillen als Adipositas Prävention
Dosis-Wirkungs-Beziehung des Stillens in Hinblick auf das Adipositas-Risiko
Energiebedarf
Energiemenge, um ausgeglichene Energiebilanz bei gesunden Personen zu erreichen
Abhängig von Alter, Geschlecht, Körpergröße und –Gewicht, körperlicher Aktivität
täglicher Energiebedarf Säugling
ca. 90 kcal/kg Körpergewicht
Energiebedarf Säuglinge: 0 bis 4 Monate
Jungen: 550 kcal pro Tag
Mädchen: 500 kcal pro Tag
Wie viel ml Muttermilch hat 500 kcal?
ca. 700 ml
Trinkverhalten in den ersten Lebenstagen
spätestens ab der 34. SSW sind alle Reflexmechanismen so weit entwickelt, dass das Neugeborene sich ernähren kann
Folgende Reflexverhalten stellen die Nahrungsaufnahme sicher:
Suchreflex
Saugreflex
Schluckreflex
Greifreflex
Ist die Trinkmenge aureichend?
Urinproduktion (nasse Windeln)
Ist das Neugeborene hungrig?
Schluckgeräusche beim Stillen
Beim Aufstoßen oder nach dem Trinken spuckt das Baby etwas/wenig Milch
Gewichtszunahme adäquat (ca. 120-200 g/d)
Vor und nach dem Stillen wiegen
Anzeichen für Hunger/Stillzeichen
Suchen mit Lippen/Mund/Kopf
Bewegungen der Arme (Hand zum Mund, Beugen der Arme) und/oder der Beine (wie beim Fahrradfahren)
Fäuste ballen
Anspannung
Unruhe
sanfte Laute, Seufzen
Schreien ist das letzte Alarmzeichen!
Anzeichen für Sättigung
Verschwinden der Stillzeichen
hörbares Schlucken
längere Pausen zwischen den Saugepisoden
verstärktes non-nutritives Saugen
Baby lässt von selbst die Brust los
entspannte Hände, Arme und Beine
schläfrig
Muttermilch abpumpen und aufbewahren - Vorbereitung
Hände und Brustwarze gründlich waschen
Muttermilch abpumpen und aufbewahren - Abpumpen
Manuell mit der Hand bzw. einer manuellen Pumpe oder elektrisch
Muttermilch abpumpen und aufbewahren - Lagerung
Im Kühlschrank unter 5 °C maximal 72 Stunden (3 Tage)
tiefgekühlt bei -18 bis -22 °C maximal 6 Monate
Muttermilch abpumpen und aufbewahren - Handhabung
Schonend und langsam auftauen
anschließend vorsichtig auf Zimmer- oder Trinktemperatur
(max. 37 °C) erwärmen
Muttermilch abpumpen und aufbewahren - Reste
Wegwerfen!
Muttermilch abpumpen und aufbewahren - Reinigung
von Flaschen, Deckel und Milchpumpenaufsatz
Milchbildung - Physiologie der Laktation: Fakten
Kein anderes Organ ist so wandlungsfähig in den verschiedenen Lebensphasen (sowohl anatomisch als auch funktionell) wie die weibliche Brust
Anlage des Drüsengewebes bereits beim Fetus
In Pubertät fortschreitende Entwicklung des Drüsengewebes
Ab 16. SSW kann die weibliche Brust Milch bilden
Milchbildung - Physiologie der Laktation: Funktionen
Brustdrüsen -> Milchproduktion
Drüsenlappen/Milchsäckchen -> Pumpfunktion
Milchgänge -> Milchtransport
Mamille (Brustwarze)
Areal an der Spitze der Brust
Enthält glatte Muskelzellen -> Aufrichtung der Brustwarze
Wichtig zur Orientierung des Kindes
Areola (Warzenhof)
Auf Areola -> viele kleine Drüsen: Montgomery-Drüsen
Diese enthalten einen für die Frau charakteristischen Duftstoff (Pheromon) -> daran erkennt das Kind die Mutter
Anatomie der Brust:
Drüsenlappen
Drüsenläppchen -> ca. 10-100 Milchbläschen (Alveolen)
Blutgefäße
Milch
milchbildende Epithelzellen = Laktozyten
Muskelzellen
Milchgang
Milchbläschen
Brustdrüsengewebe und Milchgänge
Bildet sich durch Östrogen und Progesteron in der Schwangerschaft weiter aus -> Brust wird sichtbar größer und schwerer
Bildung der Muttermilch findet in den mammären sekretorischen Epithelzellen (Laktozyten) statt -> in Milchbläschen (Alveolen) angeordnet -> Speicherort der gebildeten Milch
aus dem Drüsengewebe führen durchschnittlich 9 Milchgänge zur Mamille
Milchgänge - Aufgabe
Milchtransport
Milchgänge liegen sehr oberflächlich und sind damit leicht komprimierbar (cave: Brustmassage)
Bei der Milchbildung beteiligte Hormone - Welche und Ort der Bildung
Östrogen und Progesteron -> Bildung erst in Eierstöcken bzw. im Gelbkörper, dann in Plazenta
Prolaktin
Oxytocin
Bei der Milchbildung beteilitgte Hormone - Aufgaben von Östrogen und Progesteron
regen den Aufbau der Brustdrüse während der Schwangerschaft an
Progesteron verhindert Milchbildung in der Schwangerschaft -> blockiert Rezeptoren an den Milchdrüsen, nicht aber Entwicklung des Drüsengewebes
Beide Hormone nach der Geburt (mit Ausstoß der Plazenta) ↓↓↓
Bei der Milchbildung beteilitgte Hormone - Prolaktin
“Mütterlichkeitshormon”
volle Wirkung erst nach der Geburt -> Progesteron und Östrogen sinken
fördert Wachstum des Drüsengewebes (zusammen mit dem Humanem Plazenta Laktogen)
Prolaktin regt Brustdrüse zur Milchbildung an -> Galaktopoese
Je häufiger und länger angelegt wird -> höhere Prolaktinspiegel
Verbleiben mehr als 20 % der Milch in den Milchgängen -> Reduktion der Milchmenge
wirkt entspannend, macht gelassener, weckt Beschützergefühle
im Laufe der Stillzeit reduziert
Prolaktin-Sekretion
Maternale Zirkulation -> Rezeptor-Bindung im Drüsengewebe -> Milchbildungsreflex
Hypophysen-Vorderlappen -> Hypothalamus -> Gehirnstamm -> Saugen an der Brust
Prolaktinspiegel im Verlauf
Hoher Prolaktinspiegel für Bildung von Milchdrüsengewebe erforderlich
Häufige + gründliche Entleerung der Brust nach der Geburt = Anzahl Prolaktinrezeptoren an Brustdrüsen ↑ ->Aufrechterhaltung der Laktogenese: hohe Prolaktin-Spiegel nicht mehr notwendig
Prolaktin - Mythos
hoher Prolaktinspiegel unterdrückt Eisprung + Regelblutung = schützt vor Schwangerschaft -> Ist zwar häufig der Fall, aber es gibt keine Garantie! -> Verhütung auch zu Beginn der Stillzeit!
Verhütung wärend der Stillzeit
Verhütung mit Kondome, Spirale oder Minipille (ausschließlich Gestagen) -> Östrogen aus der Kombi-Pille würde Milchbildung hemmen und kann Milchqualität verringern
Bei der Milchbildung beteilitgte Hormone - Oxytocin
“Kuschelhormon”
bewirkt Kontraktion der Muskelfasern um Milchdrüsen/-gänge
Kompression der Milch-Säckchen
Galaktokinese
verringert Ausschüttung von Stresshormonen bei Mutter & Kind -> Blutdruck + Schwankungen geringer
fördert emotionale Bindung
Auch für Rückbildung der Gebärmutter verantwortlich
Oxytocin-Sekretion
Maternale Zirkulation -> Rezeptor-Bindung im Drüsengewebe -> Myoepitheliale Zellkontraktion -> Milchspenderreflex
Milchspenderreflex
Ohne ihn (nur durch Saugen/Ausdrücken) -> 1-10 ml Milch, Rest verbleibt in der Brust -> erst durch Milchspendereflex wird die Milch aus den Alveolen in die Milchgänge freigesetzt
Durch Oxytocin ausgelöst -> durch Saugen des Kindes/Abpumpen
Pro Stillmahlzeit und Brust = 2-3 Milchspendereflexe (max. 9) bzw. bei 15-min-Pumpen 3-6
Langer Reflex bis zu 3,5 min – kurzer Reflex z.B. 45 sek
Erster Reflex einer Stillmahlzeit ist am stärksten -> ~45 % der Gesamtmilchmenge der Mahlzeit, Intensität nimmt dann innerhalb der Stillmahlzeit ab
Reflex betrifft immer beide Brüste
wenn Milch nicht entleert wird, fließt diese zurück in die Alveolen = retrograder Milchfluss
in zweiter Brust oder in aktiver Brust am Ende der Stillmahlzeit (nie vollständige Entleerung)
Mütterliche und kindliche Stillreflexe steuern Regelkreis
Zusammenspiel von mütterlichem Stillverhalten und kindlichem Saugverhalten -> Gleichgewicht zwischen Milchproduktion und Bedarf pendelt sich ein
Phasen der Milchbildung - Laktogenese 1
Vergrößerung von Drüsengewebe + Umfang der Brust in der Schwangerschaft -> Kein Zusammenhang zwischen Ausmaß der Vergrößerung und späterer Milchmenge
auch bei geringer Brustvergrößerung
i.d.R. ausreichende Milchmenge
Bildung des Kolostrums während der zweiten Hälfte der Schwangerschaft -> endokrin = hormonell gesteuert
Kolostrum
bereits aber der 16. bis 22. SSW gebildet (in unterschiedlichen Mengen)
in den letzten Wochen vor der Geburt als Vormilch abgesondert
dickflüssig, wegen hohem Gehalt an Betacarotin gelblich
reich an Protein, Vitamin A, E, B12, Zink + enthält relativ viel Salz
hoher Anteil an Immunglobulinen, Laktoferrin, Lysozym und Makrophagen: schützt das Kind vor Viren und Bakterien -> “erste Schutzimpfung”
enthält wenig Fett + Kohlenhydrate -> kalorienarm + leicht verdaulich
Regt Darmtätigkeit an -> erster Stuhlgang um Reste aus der Zeit um Uterus zu entfernen -> “Kindspech” oder Mekonium (grünschwarze Paste)
Flüssigkeitsaufnahme durch Kolostrum
2-10 ml/Mahlzeit am ersten Lebenstag
15 ml bzw. 30 ml pro Mahlzeit am 2. und 3. Lebenstag
bei gesunden, reifen Neugeborenen ohne besondere Risikofaktoren kein Zufüttern notwendig
Phasen der Milchbildung - Laktogenese 2
Bildung der reifen Muttermilch wird endokrin initiiert -> Zeitpunkt der Bildung von Übergangsmilch
Übergang von Kolostrum zu reifer Muttermilch dauert 7-14 Tage
Auslöser: Geburt, Entfernung der Plazenta
30-40 Stunden nach der Geburt: Milchmenge beginnt zuzunehmen
50-73 Stunden (2-3 Tage) nach Geburt: Milcheinschuss
Milcheinschuss
= maximale Steigerung der Milchmenge
Leichte Beschwerden, selte >24 h:
Spannungsgefühl in der Brust
Empfindlichkeit der Brust
Venenzeichnung der Haut
Drüsengewebe wird fester
Brust wird größer
Leichte Temperaturerhöhung
Übergangsmilch
wird in der frühen Nachgeburtsperiode gebildet
etwa vom 3. bis 14. Tag nach der Geburt gebildet = mit dem Milcheinschuss
flüssiger und weißlicher als das Kolostrum
Zusammensetzung ändert sich weiter bis zur Bildung der reifen Muttermilch
Phasen der Milchbildung - Laktogenese 2: Bei Nicht-Stillen
Rückbildung der Milchdrüsen nach 3-4 Tagen in das inaktive Stadium (Involution) -> wichtig: Brustentleerung früh, häufig und effektiv (mind. 8-12x pro Tag)
Phasen der Milchbildung - Laktogenese 2: Verzögerte Laktogenese 2/zu geringe Bildung von reifer Muttermilch bei ungünstigen Verläufen
z.B. Kaiserschnitt, langwierige Geburt, zu spätes/seltenes Anlegen, Frühgeburt, unnötiges Zufüttern des Babys
Folge: Baby verliert zu viel Gewicht, häufig Zufütterung notwendig
Laktogenese 2 = Typischer Zeitpunkt, zu dem Probleme der Milchbildung beginnen
Richtiges Stillmanagement: Einfluss auf langfristigen Erfolg
Phasen der Milchbildung - Laktogenese 3
Bildung reifer Muttermilch wird aufrechterhalten
Phasen der Milchbildung erfolgt autokrin
Milchbildendes Brustdrüsengewebe kann sich noch vermehren/an Bedarf des Kindes anpassen
ab circa dem 14. Tag
Zusammensetzung bleibt die ganze Stillzeit über relativ stabil
Die Menge regelt sich nach der Saugleistung des Kindes
Phasen der Milchbildung - Laktogenese 3: Phasen der Milchbildung erfolgt autokrin
Angebot- und Nachfrage-Prinzip -> es wird so viel Milch gebildet, wie aus den Brüsten entleert wird
Phasen der Milchbildung - Laktogenese 3: in den ersten 3-6 Wochen
Kalibierung der individuellen Milchmenge
Phasen der Milchbildung - Laktogenese 3: Durchnittliches trinken während der ersten 6 Monate
700 bis 900 ml pro Tag Muttermilch (Spanne zwischen 500 bis 1300 ml pro Tag)
Phasen der Milchbildung - Laktogenese 3: Zusammensetzung und Kalorien
besteht zu einem Großteil aus Wasser -> Flüssigkeitsbedarf des Säuglings auch bei Hitze gedeckt
Laktose ist das Hauptkohlenhydrat der Muttermilch
mehr Kalorien als das Kolostrum:
höherer Anteil an Kohlenhydraten (Laktose) und Fett (v.a. Triglyceride)
weniger Protein, Mineralstoffe, Natrium, Zink und v.a. fettlösliche Vitamine
Tageszeit und Dauer einer Stillmahlzeit beeinflussen den Kaloriengehalt der Muttermilch erheblich
Reife Muttermilch - Laktogenese 3: Vordermilch
zu Beginn jeder Stillmahlzeit
wässriger und durchschimmernd
wird zwischen den Stillmahlzeiten gebildet und in der Brust gespeichter
Reife Muttermilch - Laktogenese 3: Hintermilch
wird erst über den Milchspenderreflex freigesetzt
Fettreicher (4-5-mal fetter als Vordermilch)
wird während/am Ende der Stillmahlzeit ausgegeben
weißlich, gleicht fetter Sahne
Fettschicht bei gründlicher Entleerung der Brust
>10 %
Fettschicht bei geringer Entleerung der Brust
<4 %
Menge der Milchbildung: Kurzfristige Steigerung der Milchbildung
Abhängig von Entleerungsgrad der Brust
Entleerte Brüste = Milchbildung wird gesteigert
Volle Brüste = Milchbildung wird gehemmt
Milchsyntheserate ändert sich innerhalb eines Tages mehrfach
Menge der Milchbildung: Langfristige Steigerung der Milchbildung
Maximale Milchmenge abhängig von der Menge des aktiven, milchbildenden Brustdrüsengewebes
häufiges + gründliches Entleeren der Brust = Milchdrüsengewebe ↑
Innerhalb der ersten 3 bis 6 Wochen schnell möglich, danach mehrere Tage bis Wochen notwendig
Je früher nach der Geburt die Frau mit dem häufigen und gründlichen Entleeren der Brust beginnt (mindestens 8-12x/Tag), umso besser sind ihre Chancen, noch zum Vollstillen zu gelangen
Falls kein Vollstillen mehr möglich: Teilstillen als Option
Kolostrum (Vormilch) vs. transitorische Milch (Übergangsmilch) vs. reife Muttermilch
transitorische Milch
reife Muttermilch
erste Lebenstage (bis Milcheinschuss)
nur in geringe Mengen (ca. 10 ml/Mahlzeit)
gelb bis orange
reich an Protein und Immunoglobuline
besonders gut verdaulich
andere Konsistenz und Nährstoffdichte als reife Muttermilch
bis ca. Anfang 3. Woche
weniger Protein als Kolostrum
etwas fettreicher als Kolostrum
ab circa. 3. Woche
dünnflüssig
weißlich
hoher Fettgehalt und essentielle Fettsäuren
hoher Laktosegehalt
Reife Muttermilch - Zusammensetzung
88 % Wasser
wichtigster Kohlenhydrat-(Energie-)Lieferant: Laktose (40 % des Energiegehaltes)
Verhältnis von Casein zu Laktalbumin (Molkenprotein: 2:3
Hormone, Immunglobline, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente
ca. 50 % des Energiegehalts: Fette (v.a. Triglyceride, aber auch PUFAs, Cholesterin)
Prä- und probiotisch wirksame Substanzen
Reife Muttermilch - Zusammensetzung: Mikronährstoffe
Fett- und wasserlösliche Vitamine
Mineralstoffe
Reife Muttermilch - Zusammensetzung: Hormonell wirksame Substanzen
Unterschiedliche Konzentrationen in Milcharten und im Tagesverlauf
Ghrelin, Leptin, Adiponectin, Melatonin
Steuerung der Appetit- und Wachstumsregulation, Biorhythmus
Reife Muttermilch - Zusammensetzung: immunologisch wirksame Substanzen
Entwicklung des kindlichen Immunsystem, Schutz vor Infektionen -> z.B. durch Leukozyten + Lysozym
antimikrobiell (Immunglobuline), antientzündlich (Zytokine), immunmodulierend
Feste Bestandteile der Muttermilch
Humane Milch-Oligosaccharide (HMO)
HMOs sind aus 5 Monosacchariden aufgebaut: Fucose, Galaktose, Glukose, Sialinsäure, N-Acetyl Glucosamin
Basis bildet immer Laktose -> Dazu können spezifische Strukturen in verschiebenen Kombinationen zugefügt werden
sind komplexe Zucker
es wurden bereits mehr als 200 HMOs identifiziert und in 3 Kategorien eingeteilt: >75 % neutrale HMOs in der Muttermilch
Humane Milch-Oligosaccharide (HMO) - 3 Kategorien
Nicht-fucosylierte HMOS
Fucosylierte HMOs
Sialylierte HMOs
Humane Milch-Oligosaccharide (HMO) - 3 Kategorien: Nicht-fucosylierte HMOs
42-55 &
Neutral
Zugabe von N-Acetylglucosaminen an der Endposition
Beispiel: LNnT
Humane Milch-Oligosaccharide (HMO) - 3 Kategorien: Fucosylierte HMOs
35-55 %
Zugabe von Fucose an der Endposition
Beispiel: 2’FL
Humane Milch-Oligosaccharide (HMO) - 3 Kategorien: Sialylierte HMOs
12-14 %
Säurehaltig
Zugabe von einer Sialingruppe an der Endposition
Beispiel: 3’SL
Humane Milch-Oligosaccharide (HM=) in reifer Muttermilch
Größte Gruppen der HMOs:
ca. 30 % 2‘-Frucosyllactose (2‘FL)
2. 10 % Lacto-N-neoTetraose (LNnT)
Reife Muttermilch = 10-15 g/L HMOs (im Kolostrum noch höher)
für das Baby meist unverdaulich -> nur zu 1-2 % resorbiert
Extrem bedeutend für die Entwicklung eines gesunden Darmmikrobioms!
Individuelle Zusammensetzung von verschiedenen Faktoren abhängig -> große Vielfalt an HMOs
Größter Unterschied zwischen Muttermilch und Formulanahrung
HMOs
mittlerweile auch schon HMOs in Säuglingsnahrung zugesetzt: 2‘FL und LNnT (Premium-Varianten von Säuglingsnahrung)
HMO: Sekretor- und Nichtsekretormütter
28 % Nicht-Sekretormütter
72 % Sekretormütter:
Frauen besitzen das Enzym Fucosyltransferase 2 (FUT-2)
Enzym ermöglicht Bildung von 2 verlinkten Fucosyloligosacchariden wie HMOs
weisen mehr positive Bifidobakterien auf
HMO-Menge in der Muttermilch bestimmt mit, wie …
sich das Mikrobiom des Babys entwickelt
Präbiotische Ballaststoffe:: FOS
Fructo-Oligo-Saccharide (FOS) wie z.B. Inulin
pflanzliche Oligosaccharide aus Fructose
vorkommen in Früchten und Gemüse, wie z.B. Chicoree, Lauch, Zwiebeln, Bananen
Präbiotische Ballaststoffe: GOS
Galacto-Oligo-Saccharide (GOS)
Oligosaccharide aus Milchzucker gewonnen
Präbiotische Ballaststoffe: FOS/GOS in Muttermilch
keine FOS (keine Fructose)
nur sehr wenige GOS
HMOs -> stärkere Wirkung, da komplexe Strukuren
FOS = 2 Komponenten in einem Bindungstyp
GOS = 2 Komponenten mit verschiedenen Bindungstypen
HMOs = minds. 3 Komponenten mit vielfältigen verschiedenen Bindungstypen
Wirkung von HMOs
Fördern Wachstum von Bifidobakterien im Säuglingsdarm
“ködern” Pathogene und werden mit dem Stuhl ausgeschieden
Stärken Darmbarrierefunktion, verhindern Anheften von Pathogenen an Darmzellen
Immunregulierende Wirkung, tragen bei zur ausgewogenen Entwicklung von Th2/Th2-Immunantwort
-> HMOs bieten die positiven Eigenschaften der Muttermilch und ermöglichen umfassenden Schutz der kindlichen Darmflora
Proteine in der Muttermilch
0,9 bis 1,2 g Protein pro 100 ml Milch -> deutlich weniger Protein als Kuhmilch
Lysozym als wichtiges antimikrobielles Enzym
Antikörper, Interleukine
Wachstumshormone
Transportproteine
Proteine in der Muttermilch: Proteinanteil unterscheidet sich auch in der Zusammensetzung von der Kuhmilch
Kuhmilch: 80 % Kasein, 20 % Molkenprotein
Muttermilch: 40 % Kasein, 60 % Molkenprotein (in Kolostrum bis zu 80-90 %) -> Molkenproteine deutlich leichter verdaubar als Kasein
Muttermilch: überwiegend ß-Kasein vs. 50 % α-Kasein in Kuhmilch -> α-Kasein aus Kuhmilch verringert Eisenresorption!
Vorteile von Molkenproteinen
Das am häufigsten vorkommende Molkenprotein ist α-Lactalbumin:
antibakterielle + immunstimulierend
bildet mit 1,4-Galaktosyltransferase einen Enzym-Komplex, wodurch die Bildung von Laktose in der Milchdrüse katalysiert wird
weitere wichtige Molkenproteine:
Lactoferrin -> antimikrobielle Eigenschaften = entzündungshemmend
sekretorisches Immunglobulin A (sIgA) -> wichtige Immunfunktion: soll vor Atemwegs- & Darmbakterien, sowie Viren schützen
Molkenproteine sind deutlich leichter verdaubar als Kasein!
Lysozym
wichtigstes Enzym der Muttermilch
Hydrolase, sehr effektives antimikrobielles Protein -> unspezifisches Immunsystem
Gehören zu den robustesten Enzymen, überleben selbst Magenpassage
Erhebliche Bedeutung für die Zusammensetzung des Mikrobioms, da Besiedlung mit Bifidobakterien bevorzugt wird -> Einfluss auf Darmentwicklung und Darmgesundheit
Lysozym in Muttermilch
Kommen in Muttermilch in deutlich höheren Konzentrationen vor als in Kuh- oder Ziegenmilch -> höhere antimikrobielle Wirkung der Muttermilch
Lysozym - Wirkweise
Wirkt durch den Abbau der β-1,4 glykosidischen Verknüpfungen der N-Acetylmuraminsäure -> Abbau bakterieller Zellwand -> Schutz gegen Gram-positive und Gram-negative Bakterien
Bifidogene Wirkung von Muttermilch
Niedriger Proteingehalt, aber hoher Anteil an Molkenprotein
Probiotische Bakterien (z.B. Bifidobakterien, Laktobazillen)
Bioaktive Komponente wie Immunfaktoren und HMOs
Bifidogene Wirkung von Muttermilch: Niedriger Proteingehalt, aber hoher Anteil an Molkenprotein
-> Lactoferrin + slgA + hoher Gehalt an Lysozym -> antimikrobielle Wirkung + bevorzugt Bifidobakterien (BifB) ↑
Bifidogene Wirkung von Muttermilch: hoher Laktosegehalt
saures Milieu im Darm = ungewollte Bakterien ↓, BifB ↑
Ligand für pathogen Keime = können nicht an Epithelzellen anheften
Bifidogene Wirkung von Muttermilch: Bioaktive Komponenten wie Immunfaktoren + HMOs
HMOs stimulieren BifB
Mikrobiom gestillter Säuglinge: hauptsächlich BifB, wenig potentiell pathogene Bakterien
Lipide in der Muttermilch
Muttermilch enthält über 200 Fettsäuren
98 % des Fettes in der Muttermilch: Triglyceride -> decken 50 % der gesamten Energieaufnahme von Säuglingen.
Cholesterin = wichtiger Bestandteil -> hoher Gehalt wünschenswert, wichtig für das Hirnwachstum
Hoher Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (α-Linolensäure und Docosahexaensäure): wichtig für neurologische Entwicklung und Entwicklung der Retina
Lipide in der Muttermilch - Vergleich zu Kuhmilch
Kuhmilch enthält relativ hohen Anteil an Palmitinsäure
Kann von Säuglingen schlecht resorbiert werden
Bildung unverdaulicher Seifen:
führt zu reduzierten Aufnahme von Nahrungsfetten und Calcium
Irritationen des Magen-Darm-Traktes
harter Stuhlgang
In Muttermilch deutlich weniger Palmitinsäure:
weist eine weitere Veresterung auf
deutliche Verbesserung der Bindung von Calcium und Magnesium
Lipide in der Muttermilch - Was hat Einfluss auf die Fettmenge und Fettsäurezusammensetzung
Ernährung der Mutter kann die Fettmenge nicht beeinflussen, jedoch die Fettsäurezusammensetzung
Tageszeit hat einen Einfluss auf den Fettgehalt: Nachmittags und Abends am höchsten, Nachts am niedrigsten
Lipide in der Muttermilch - Besonderheiten
strukturelle Unterschiede zu Lipiden in Milch von anderen Spezies
besondere Zusammensetzung der Micellen (noch unklar ob relevant für Funktionalität)
kaum in Säuglingsnahrung nachzustellen
Muttermilch füe Frühgeborene
Jeder Tropfen zählt!
Wachstum: Grundvoraussetzung ist ausreichende Energiezufuhr
täglicher Kalorienbedarf: 30-40 % höher als beim Reifgeborenen -> ca. 140 kcal pro kg Körpergewicht
Muttermilch wird angereichert mit: Hypoallergenem Protein, Laktose, Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen
Jeweils individuelle Anpassung
Muttermilch füe Frühgeborene = geringeres Risiko für …
Entwicklungsverzögerungen des Nervensystems
Stabilere Darmschleimhaut (Muttermilch unterstützt das Wachstum der natürlichen Darmflora)
Nekrotisierende Enterokolitis (NEC) und andere Darmerkrankungen -> besonders gefährlich für Frühchen!
Enterale Nahrungsintoleranz
Infektionen (Harnweg, Sepsis)
Chronische Lungenerkrankungen
Frühgeborenen-Retinopathie
Erneute Hospitalisierungen
Stillen - Vorteile für das Kind: Laut BfR reduziert das ausschließliche Stillen in den ersten 4 bis Lebensmonaten
Anzahl der Infektionen um 40-70 %
Krankenhausaufnahmen der Säuglinge im ersten Lebensjahr um >50 %
Risiko für Krankheiten wie Magen-Darm-Infektionen, Mittelohrentzündungen, Infekte der unteren Atemwege
Stillen - Vorteile für das Kind: Schutz vor Infektionen im Respirations- und Gastrointestinaltrakt
Risiko von respiratorischen Krankheiten im 1. Lebensjahr ist bei Säuglingen geringer, die über 4 Monate exklusiv gestillt wurden
Geringeres Risiko für Durchfallerkrankungen durch Laktose: diese fördert die Bildung von Laktobazillen im Dickdarm, die wiederum die Vermehrung von pathogenen Keimen verhindern
Stillen - Vorteile für das Kind: Kieferentwicklung
Saugen an der Brust der Mutter unterstützt die Formung des Kiefers und senkt die Wahrscheinlichkeit für Zahnfehlstellungen
Stillen - Vorteile für das Kind: Allergien und Unverträglichkeiten
Kinder, die gestillt wurden, leiden seltener unter Ekzemen, Asthma oder Allergien (exklusive Stilldauer von mindestens 4 Monaten)
Stillen - Vorteile für das Kind: weitere gesundheitliche Vorteile im späteren Leben
Geringeres Risiko für Übergewicht im späteren Leben: Selbstkontrolle bei Fütterung an der Brust, geringerer BMI und höhere Konzentration vom HDL-Lipoprotein
Schutz vor Typ 2 Diabetes und Multiple Sklerose: Häufigere Inzidenz bei „Flaschenkindern“
Gesundheitliche Auswirkungen einer langen Stilldauer: Sicherung des Nährstoffbedarfs
vor allem in Entwicklungsländern (Beikost KH-reich, fettarm)
Muttermilch ist fettreich: wichtige Quelle von Energieträgern, essentiellen Fettsäuren & fettlöslichen Vitaminen
Muttermilch zwischen 1. und 3. Lebensjahr wichtiger Beitrag zur Prävention von Vitamin A-Mangel
Gesundheitliche Auswirkungen einer langen Stilldauer: Bedeutung im Krankheitsfall
Kinder mit Durchfall- und fieberhaften Infekten nahmen weiterhin Muttermilch zu sich, auch wenn Appetit & Aufnahme von anderen Nahrungsmitteln reduziert war -> höhere Energieaufnahme als nicht-gestillte Kinder + zusätzliche Aufnahme von immologischen Bestandteile (Zytokine), Verdauungsenzyme
Gesundheitliche Auswirkungen einer langen Stilldauer: Erkrankungs- und Mortalitätsrisiko
für gesunde Entwicklung: Aufnahme von immunologisch wirksamen Faktoren wie IgA, auch über 1. Lebensjahr hinaus von Bedeutung
Bei Kindern, die über 2-3 Jahre gestillt werden: geringere Morbiditäts- und Mortalitätsrate nachgewiesen
Vorteile des Stillens für die Mutter
fördert die Uterusrückbildung nach der Geburt -> durch Ausschüttung des Hormons Oxytocin
Risikominderung für Brust-, Gebärmutter- und Ovarialkrebs
Geringeres Risiko für Osteoporose im Alter:
Trotz Calciumverlust von 200 mg/Tag kein gesteigertes Risiko für Osteoporose
Knochendichte ist bei Frauen, die gestillt haben, sogar erhöht
Seltener krank
Emotional ausgeglichener
Blutdruck wird gesenkt
emotionale Bindung zum Kind wird unterstützt
Generelle Vorteile des Stillens:
Stillen ist kostenlos -> praktisch, spart Geld und Zeit, umweltfreundlich
Nahrung perfekt auf den Entwicklungsstand bzw. die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt
Hohe Flexibilität: Stillen ist theoretisch zu jeder Zeit und an jedem Ort möglich, immer verfügbar
Muttermilch ist hygienisch einwandfrei und frei von pathologischen Keimen
Muttermilch hat stets die korrekte Temperatur & ist immer trinkfertig
Keine Verpackung (Müllvermeidung)
Muttermilchbanken
Milch für Frühchen mit einem Geburtsgewicht <1.500 g
Milch von Müttern, deren Kinder Patienten im UKSH sind
bei Einverständnis wird die überschüssige Milch tiefgefroren
Prüfung des Gesundheitszustands der Spenderin + der gespendeten Milch
Gabe an Kinder nur pasteurisiert & nach Einwilligung der Eltern
Empfehlungen von WHO & UNICEF wird damit erfüllt
Spenderinnenmilch als beste Alternative, wenn Kinder nicht mit der Milch der eigenen Mutter ernährt werden können
Last changed5 days ago