Muttermilchersatznahrung
industriell oder selbst hergestellte Säuglings(milch)nahrung
unabhängig von der Eignung
Säuglingsanfangsnahrung
industriell hergestellte Nahrung, die gesetzlichen Vorgaben entsprechen muss und von Geburt an gefüttert werden kann (in Deutschland mit dem Zusatz “Pre” oder der Ziffer “1”)
Säuglingsmilchnahrung
ausschließlich auf Basis von Kuh- oder Ziegenmilchprotein
Folgenahrung
industriell hergestellte Nahrung, die gesetzlichen Vorgaben entsprechen muss und frühestens mit Beginn der Beikost gefüttert werden soll (in Deutschland mit der Ziffer “2” oder “3”)
Beikost
alle Nahrungsmittel (flüssig, breiig, fest) außer Muttermilch und Säuglingsanfangsnahrung oder Folgenahrung
Industriell hergestellte Säuglingsnahrung
Ermöglichen eine vollwertige und sichere Ernährung durch einen konstanten Gehalt an Energie und Nährstoffen (u.a. Jod, Eisen) -> vollbilanzierte Diäten
strenge gesetzliche Vorgaben -> europaweit einheitlich geregelt
keine selbst hergestellte Milchnahrung verwenden!
Industriell hergestellte Säuglingsnahrung - dürfen hergestellt werden aus …
Kuhmilchprotein
Proteinhydrolysaten (HA)
Sojaproteinisolate
Ziegenmilchprotein
Industriell hergestellte Säuglingsnahrung - gesetzliche Vorgaben
Zusammensetzung (Art und Anteil der Aminosäuren, Fettsäuren, Kohlenhydraten, Mineralstoffe, Vitamine)
Rückstandshöchstmengen
Etikettierung
Definition: Säuglingsanfangsnahrungen
= für besondere Ernährung von Säuglingen in den ersten Lebensmonaten bestimmt + entsprechen allein den Ernährungserfordernissen bis zur Einführung angemessener Beikost
Säuglingsanfangsnahrung für gesamtes erstes Lebensjahr - Pre- & 1er Nahrung
Zusammensetzung der Muttermilch bestmöglich angepasst = entspricht Bedürfnissen
können (wie Muttermilch) nach Bedarf gegeben werden
In den ersten 6 Monaten ausschließlich, ab dann auch als Ergänzung zur Beikost möglich
Pre-Milch enthält nur Laktose als KH-Quelle (ca. 7,5 g/100ml Milch)
1-er Milch darf noch andere Kohlenhydrate enthalten: glutenfreie Stärke, Maltose, Maltodextrin, Glukosesirup (Praxis: meistens nur Stärke drin), Saccharose nicht erlaubt!
Werbung verboten
Definition: Folgenahrung
= für besondere Ernährung von Säuglingen ab Einführung einer angemessenen Beikost -> größter flüssiger Anteil einer nach und nach abwechslungsreicheren Kost
Säuglingsfolgenahrung ab dem 6. Monat - 2er & 3er Nahrung
Zusammensetzung weniger stark an Muttermilch angelehnt
2er = ab dem 6. Monat, 3er ab dem 10. Monat
Zusätzliche KH-Quellen möglich: Maltose, Maltodextrine, Glukose, Saccharose, Fructose, Honig, Stärke
enthält neben den ungewünschten Zuckerzusätzen teilweise auch Aromastoffe (3er)
Energiegehalt nach EU-Richtlinie max. 70 kcal/100 ml, früher: 2er/3er hochkalorischer als 1er/Pre
u.a. mehr Eisen & Calcium als in Pre/1er-Nahrung -> vorteilhaft bei späterer Beikosteinführung
darüber hinaus kein zusätzlicher Nutzen gegenüber Anfangsnahrung!
Rechtliche Grundlagen Anfangs- und Folgenahrung
enthält Bestimmungen für Lebensmittelkategorien, die für bestimmte Verbrauchergruppen als unverzichtbar angesehen werden:
Säuglingsanfangsnahrung (AN) und Folgenahrung (FN) ->Delegierte Verordnung (EU) Nr. 2016/127 -> keine Idealisierung, Einschränkung der Abb. -> Schutz des Stillens
Getreidebeikost und andere Beikost
Ausnahme: Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder, für die auf EU-Ebene keine speziellen Regelungen bestehen -> „Kleinkindermilch“
Schutz des Stillens: Werbeeinschränkungen
Gesetzlich geregelt: Werbung für Säuglingsanfangsnahrung ist verboten, wenn Kaufanreize geschaffen werden
durch z.B. Proben, kostenlose/verbilligte Produkte
weder direkt noch indirekt über in der Gesundheitsvorsorge tätige Institutionen/Personen
Werbung für Säuglingsanfangsnahrung oder Folgenahrung nur, wenn es klare Auskünfte gibt über:
den Nutzen und die Vorzüge des Stillens,
die Ernährung der Mutter sowie die Vorbereitung auf das Stillen und Möglichkeiten zur Fortsetzung des Stillens,
die mögliche negative Auswirkung der zusätzlichen Flaschennahrung auf das Stillen,
die Schwierigkeit, den Entschluss, nicht zu stillen, rückgängig zu machen,
erforderlichenfalls die sachgemäße Verwendung der Säuglingsanfangsnahrung.
Konsequenzen aus WHO-Kodex, nationaler und EU-Verordnung
Muttermilchersatzprodukte (= Pre-Milch, 1-er Milch) dürfen nicht beworben werden
Muttermilchersatzprodukte dürfen nicht rabattiert verkauft werden
auf Verpackungs- und Informationsmaterial muss auf die Vorteile des Stillens hingewiesen werden
keine Idealisierung von Anfangs- und Folgenahrung
Gesetzliche Vorgaben: Anfangs- und Folgenahrung - Zusammensetzung
bligatorische Anreicherung mit DHA in AN und FN
obligatorische Anreicherung mit Cholin in AN
Gesetzliche Vorgaben: Anfangs- und Folgenahrung - Kennzeichnung und Werbung
Auf AN keine nährwert- & gesundheitsbezogenen Angaben (Health Claims) erlaubt. Ausnahmen:
„nur Laktose enthalten“
“laktosefrei“
„enthält DHA (gesetzlich für Säuglingsanfangsnahrung vorgeschrieben)“ -> nur wenn vor 22.02.2025 in Verkehr gebracht
Keine Werbung erlaubt!
Keine Abbildungen von Kindern auf Packungen
Folgen einer proteinreichen Säuglingsnahrung
Je höher der Proteingehalt, desto schneller verdoppelt sich das Geburtsgewicht!
Gesetzliche Änderung: Angangs- und Folgenahrung -
obligatorische Anreicherung mit DHA
bisher Zusatz von 0,3 % Fettsäuren als DHA und 0,5 % als Arachidonsäure (ARA) = mittlerer Gehalt von Muttermilch
Neu: 20-50 mg DHA pro 100 kcal = 0,5-1 % dwa Fettgehaltes, ARA nicht vorgegeben
2-3-fach höhere Gehalte von DHA als im Mittel in Muttermilch, aber keine ARA obwohl diese in Muttermilch sogar in größerer Menge als DHA enthalten ist -> ARA:DHA-Ratio verschoben
Eignung und Sicherheit für Säuglinge nicht geprüft oder nachgewiesen, Stellungnahmen von Fachgesellschaften sprechen sich weiterhin für Anreicherung mit DHA + ARA aus
Säuglingsnahrung: erlaubte Zusätze - Präbiotika
GOS, FOS, HMO
Unverdauliche Nahrungsbestandteile, meist komplexe Kohlenhydrate, die selektiv Wachstum und Aktivität bestimmter Mikroorganismen fördern und dadurch gesundheitsfördernde Effekte erzielen
Keine nachteiligen Wirkungen bekannt (evtl. Blähungen)
HMO zeigen stärkere Wirkung als GOS oder FOS -> in Premium-Produkten enthalten
Säuglingsnahrung: erlaubte Zusätze
Präbiotika
Taurin
Säuglingsnahrung: erlaubte Zusätze - Taurin
schwefelhaltige Aminosäure
semiessentieller Nährstoff, für Fetus + Säugling essentiell!+
Hohes Vorkommen in Muttermilch! -> Wird in den meisten Formulanahrungen zugesetzt (max. 12 mg/100 kcal)
Taurin - Bedarf
keine genauen Angaben, da teilweise endogene Synthese
Taurin - Vorkommen
v.a. in tierischen Produkten (Fleisch, Fisch, Milch)
CAVE: Pflanzen-basierte Ernährung
Taurin - Funktion
Entwicklung des Nervensystems und der Retina
Schutz + Stabilisierung von Zellmembranen
Neurotransmitter -> Kommunikation der Nervenzellen
Konjugation von Gallensäuren (verbesserte Wasserlöslichkeit) -> Fettverdauung
Taurin - Mangel
fetale Wachstumsrestriktion, verminderte kognitive Entwicklung des Kindes, eingeschränkte Entwicklung des endokrinen Pankreas und der Retina
Spezialnahrung für Säuglinge
HA-Nahrung für allergiegefährdete Kinder
Säuglingsmilchnahrung bei Blähungen, Koliken, Verstopfung
Säuglingsmilchnahrung bei Reflux
Heilnahrung bei Durchfall
Milchfreie Spezialnahrung bei Laktoseintoleranz
HA-Nahrung
für allergiegefährdete Kinder
Kuhmilchprotein -> Aufspaltung um Antigen-Gehalt zu reduzieren
partielles Protein-Hydrolysat (schwache Aufspaltung, auf Molken-/Casein-Basis) vs. Extensives (starkes) Hydrolysat vs. Aminosäure-Formula
werden vom Organismus des Babys als weniger fremd empfunden = hypoallergen (HA)
Schmecken durch die Hydrolysate bitterer als „normale“ Formulanahrung
NICHT geeignet bei Kuhmilchproteinallergie!
GINI-Studie
HA-Nahrung bis zum 5. Monat -> -44 % Risiko für atopische Dermatitis ↓ (bis 15 Jahre)
extensives Caseinhydrolysat zeigte ebenfalls Wirkung
extensives Molkenhydrolysat aber nicht
Das in der Studie getestete partielle Molkenhydrolysat: Nestlé BEBA HA-Nahrungen
Allergiepräventive Wirkung von HA-Nahrung nur bis zur Einführung von Beikost in Studie belegt -> dann kann auf normale Säuglingsnahrung umgestellt werden
Keine Health Claims „hypoallergen“ und „allergiepräventiv“ mehr erlaubt! -> EFSA erkennt Nachweise der Wirkung nicht mehr an
Folgende Veränderungen gegenüber der „normalen“ Milch sind
möglich:
reduzierter Laktosegehalt
aufgespaltenes Eiweiß
besonders leicht verdauliches Fett
enthält präbiotische Ballaststoffe
natürliche Milchsäurekulturen
Nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt!
Folgende Veränderungen gegenüber der „normalen“ Milch sind möglich:
besonders sämig (z.B. durch Johannisbrotkernmehl oder Maisstärke)
hoher Faseranteil (meistens durch Banane) fördert die rasche Normalisierung des Stuhls
kann als Milch oder im Beikost-Alter als Brei gefüttert werden
Milchfreie Spezialnahrung bei Laktoseintoleranz und Milcheiweißallergie (SL)
(SL) = sine lacte
auf Basis von rein pflanzlichem, biologisch hochwertigem Sojaprotein
enthält oft auch keine Fruktose (einsetzbar bei Fruktose- und Saccharoseunverträglichkeiten)
KH-Quellen sind dann Dextrine, Maltose und Glukose
Es gibt keine Empfehlung für Sojamilch als Säuglingsmilch!
Pre - Kohlenhydrate, Eigenschaften, Zeitraum
Anfangsmilch
Laktose
Ähnlich dünnflüssig wie Muttermilch
gesamtes erstes Lebensjahr
1 - Kohlenhydrate, Eigenschaften, Zeitraum
Anfangsnahrung
Laktoes + Stärke, Maltose, Maltodextrine, Glucosesirup möglich; Saccharose verboten
Sämigere Konsistenz, aber gleicher Energiegehalt wie Pre
HA-Nahrung (Pre & 1) - Kohlenhydrate, Eigenschaften, Zeitraum
Health Claim nicht mehr erlaubt
Laktose, Stärke, Saccharose, Glucose möglich
Hypoallergene Milch für nichtgestillte, allergiegefährdete Säuglinge, partiell hydrolysiertes Protein zur Senkung des Allergenpotentials
Gesamtes erstes Lebensjahr
2 & 3 - Kohlenhydrate, Eigenschaften, Zeitraum
Folgemilch
Health Claims nicht mehr erlaubt
Laktoes, Stäkre, Maltose, Saccharose, Maltodextrin, Glucosesirup, Fruktose, Honig möglich
Leicht erhöhter Nährstoffgehalt, Zusatz von Zuckern und Aromastoffen erlaubt
Frühestens Anfang 5. Monat in Kombination mit Beikost
Zubereitung von Milchnahrung
immer frisch zubereiten
nicht getrunkene Milch verwerfen
zur Zubereitung frisches (kaltes) Trinkwasser verwenden
vor der Zubereitung Hände waschen
nicht gleichzeitig rohe Lebensmittel zubereiten
Flaschen, Sauger nach jeder Mahlzeit reinigen
Wasser für die Zubereitung von Milchnahrung
Frisches Trinkwasser (Leitungswasser): Standwasser ablaufen lassen, kein Wasserfilter verwendet (Keimbelastung), in den meisten Fällen in DE belastet
Trinkwasser (Leistungswasser) ist ungeeignet, wenn: >50 mg Nitrat pro L Trinkwasser, Bleirohre vorhanden sind, Kupferrohrleitungen vorhanden sind und der pH-Wert des Wasser <7,0-7,3
Mineralwasser:
Vermarktung von Säuglingsnahrung: WHO-Kodex - Ziel des WHO-Kodex
schützt und fördert das Stillen sowie die sichere Ernährung von Säuglingen mit Muttermilchersatznahrung, wenn diese benötigt wird
Vermarktung von Säuglingsnahrung: WHO-Kodex - Gültigkeitsbereich
Vermarktung von Muttermilch-Ersatzprodukten
Verstöße können der “Aktionsgruppe Babynahrung” gemeldet werden
Vermarktung von Säuglingsnahrung: WHO-Kodex - Problem
Vermarktung von Säuglingsnahrung: WHO-Kodex - Kriterien des WHO-Kodex
Verbot von Werbung
Keine Produktmuster
Keine Einflussnahme über Einrichtungen des Gesundheitswesens
Keine Sonderangebote
Sachliche Informationen
Informative Etikettierung
Vermarktung von Säuglingsnahrung - Realität
Konzerne nutzen gezielte Strategien um ‚first-food‘-System zu beeinflussen. -> globale Expansion erhalten + verstärken
Haupthindernis der globalen Einführung & Umsetzung des ‚Internationaler Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten‘ und anderer politischer Strategien um das Stillen zu schützen und zu fördern
Neue Modalitäten wie Public Health Aktionen benötigt um die Macht der Konzerne über die Mutter-Kind-Beziehung und das Stillen zu beschränken
Vermarktung von Säuglingsnahrung - Health Claims
≥1 health claim auf den meisten Produkten -> große Bandbreite an claims für ähnliche Inhaltsstoffe & mehrere Klassen von Inhaltsstoffen als Grundlage für ähnliche claims
53 % "hilft/unterstützt die Entwicklung des Gehirns und/oder der Augen und/oder des Nervensystems„
39 % "stärkt/unterstützt ein gesundes Immunsystem"
37 % "hilft/unterstützt Wachstum und Entwicklung"
74 % der Produkte mit ≥1 health claim -> keine Belege
Wenn in den health claims wissenschaftliche Beweise angeführt wurden
14 % der Zitate = registrierte klinische Studien
davon 90 % mit hohem Risiko der Verzerrung
davon 84 % von der Nahrungsmittelindustrie finanziert
Vermarktung von Säuglingsnahrung - Health Claims: Fazit
Überarbeitung des gesetzlichen Rahmens für Muttermilchersatzprodukte:
Verbraucher besser vor aggressiver Vermarktung schützen
Verbraucher besser vor für sie nicht nachvollziehbaren/geltenden Gesundheitsversprechen schützen
Allergische Reaktion gegen Nahrungsmittel (Typ 1 Allergie)
IgE-vermittelte Allergie
Erster und Zweiter Kontakt
Allergische Reaktion gegen Nahrungsmittel (Typ 1 Allergie) - Erster Kontakt
= Sensibilisierung
Allergene durchdringen die Schleimhaut
Immunsystem wird sensibel
B-Zelle setzt IgE-Antikörper frei
Sensibilisierung der Mastzelle
-> Normale Schleimhaut
Allergische Reaktion gegen Nahrungsmittel (Typ 1 Allergie) - Zweiter Kontakt
Allergene durchdringen die Schleimhaut, das Immunsystem reagiert sofort allergisch
Allergen koppelt am Antikörper der Mastzelle an -> Botenstoffe werden freigesetzt
Schleimhaut schwillt an
Allergische Reaktion gegen Nahrungsmittel (Typ 1 Allergie) - Sensibilisierung möglich über …
Haut, Verdauungstrakt und Atemwege
zeigt an diesen Stellen Symptome
Einschränkung der Lebensqualität
Kann zu Wachstumsstörungen führen
Allergie-Symptomatik - Haut
50 % zeigen Haut-Reaktionen
Atopische Dermatitis (Neurodermitis), atopisches Ekzem
Urtikaria (Nesselsucht) = Ausschlag mit Quaddeln und Nesseln
Juckreiz
Allergie-Symptomatik - Verdauung
25 bis 50 % zeigen Verdauungssymptome
Bauchschmerzen, Koliken, Reflux, Erbrechen
Diarrhoe, Obstipation, Gedeihstörungen
Appetitlosigkeit
Allergie-Symptomatik - Atemwege
bis zu 30 % zeigen Atemwegssymptome
Rhinitiden (allergischer Schnupfen)
Asthma, zischende/pfeifende Atemgeräusche
Allergie-Symptomatik - Allgemein
untröstliches Weinen
Anaphylaxien eher selten
Unruhe
Müdigkeit
Kuhmilchproteinallergie (KMPA)
ist die häufigste Nahrungsmittelallergie im Säuglingsalter
Reaktion des Immunsystems auf Proteine aus der Kuhmilch (meistens auf mehrere Milchkomponenten sensibilisiert)
2-3 % der Säuglinge sind betroffen
bleibt oft unentdeckt -> “typische Anpassungsbeschwerden”
Kuhmilch ist das erste Fremdprotein, welches (nicht-gestillte) Säuglinge aufnehmen
auch voll gestillte können eine KMPA entwickeln
jeder 2. betroffene Säugling entwickelt zusätzliche Nahrungsmittelallergien
in 70 bis 90 % der Fälle verschwindet KMPA bis zum Schulalter
Wann treten Symptome auf?
in den ersten Lebensmonaten, nach erstem Kuhmilchproteinverzehr
auch ausschließlich gestillte Säuglinge können Symptome zeigen -> Allergenkontakt über die Muttermilch (bei Kuhmilchverzehr der Mutter)
Sofort-Reaktion
direkt nach der Mahlzeit (Minuten bis 2 Stunden) -> häufig
meist IgE-vermittelt
Spät-Reaktion
erst bis zu 48 bis 72 Stunden nach der Mahlzeit -> non-IgE-vermittelt
KMPA und Laktoseintoleranz - Ähnlichkeit und Unterschiede
Gastrointestinale Symptome (Diarrhoe, Blähungen etc.) ähneln denen einer Laktoseintoleranz
Laktoseintoleranz bei Säuglingen und Kleinkindern ist sehr selten, manifestiert sich meist erst im Schulalter
KMPA bei Säuglingen und Kleinkindern mit 2-3 % viel häufiger
KMPA = Mengen-unabhängige Reaktion vs. Laktoseintoleranz = Mengen-abhängige Reaktion
Diagnostik
Verdacht: Symptome erkennbar
Kinderarzt/Allergologe: Anamnese
Allergietest
Anamnese
Entwicklung des Kindes
Ernährungsweisen
Familiäre Allergiedisposition
Zeitpunkt der Symptome
Allergietests
IgE-Bluttest: Hauptallergietest für Säuglinge
Pricktest: Hauttest, bei Säuglingen und Kleinkindern angewendet
Eliminationsdiät
Diagnostik - non-IgE-vermittelte KMPA
beide Tests negativ
muss über Eliminationsdiät diagnostiziert werden
IgE-Bluttest
Milch-Allergen Bos d 8
Messung der spezifischen IgE-Antikörperkonzentration gegen bestimmte Allergene der Kuhmilch
Allergen Bos d 8
Kasein
Hauptallergen der Milch = Risikomarker für Reaktionen auf Kuhmilch in allen Zubereitungsformen
Hitzestabiles und Verdauungsresistentes Protei
Bei Sensibilität gegen Bos d 8 -> Gefahr schwerer Reaktionen nach dem Verzehr von Profukten, die Kasein als Zusatzstoff enthalten (z.B. Wurst, Schokolade und Kartoffelchips)
IgE-Konzentration gegen Bos d 8
zeigt den Schweregrad der KMPA:
spezifisches IgE ↑: Hinweis auf Allergie gegen frische + erhitzte Kuhmilch -> persisterende KMPA
spezifisches IgE ↓ oder nicht nachweisbar: Hinweis auf Toleranz gegen erhitzte Kuhmilch z.B. in Kuchen und Gebäck
IgE-Bluttest - empfohlenes Testprofil
Wenn IgE gegen Kasein im Bluttest negativ ist -> in manchen Fällen hilfreich weitere Allergene der Kuhmilch zu testen:
Milchprotein: 80 % Kasein + 20 % Molkenprotein -> vgl. Muttermilch
Molkenprotein enthält die Proteine β-Lactoglobulin, α-Lactalbumin, Serumalbumin und Lactoferrin
Molkenproteine sind meistens hitzelabil -> nach Erhitzen keine allergischen Symptome mehr
Allergen Bos d 4 – Milch: α-Lactalbumin -> Risiko für Reaktionen auf frische Kuhmilch
Allergen Bos d 5 – Milch: β-Lactoglobulin -> Risiko für Reaktionen auf frische Kuhmilch
Allergen Bos d 6 – Rinder-Serumalbumin (BSA)
Vorkommen in Blut/Fleisch/Milch
Risiko für Reaktionen auf frische Kuhmilch
Hauptallergen im Rindfleisch: KMPA mit Sensibilisierung gegen Bos d 6 -> häufig auch Rindfleisch-Allergie
IgE-Bluttest - Milch-Allergene
Sensibilisierung gegen Bos d 4, Bos d 5 und Bos d 6 + geringes IgE gegen Bos d 8 ->erhitzte Milchprodukte werden häufig vertragen
Bei Kindern wächst sich eine Kuhmilch-Allergie häufig aus
Beobachtung des Bos d 8-spezifischen IgE-Wertes über längere Zeit kann die ersten Zeichen einer Toleranzentwicklung aufzeigen.
auch sinkende IgE-Werte gegen Bos d 4, 5 und 6 zeigen Toleranzentwicklung
Wenn IgE gegen Bos d 8 ↓ = Provokationstest mit Kuhmilch möglich
Therapie
Eliminationsdiät (Kuhmilchproteinfreie Ernährung, Ernährungs-beratung)
Bei gestillten Kindern -> Mutter
Therapie - Eliminationsdiät mit Hydrolysatnahrung
Partiell hydrolysierte Säuglingsersatznahrung (HA)
Extensiv hydrolysierte Formularnahrung (ehF)
Aminosäuren-Formulanahrung (AAF)
Therapie - Eliminationsdiät mit Hydrolysatnahrung: Partiell hydrolysierte Säuglingsersatznahrung (HA)
Milchproteine sind nur teilweise gespalten
Bis 2022: Einsatz bei der allgemeinen Allergieprävention und bei bestehendem Allergierisiko
Seit 2022 kein Einsatz mehr
Alle “HA-Nahrungen” -> “Pre-HA”, “1-HA!
Frei verkäuflich
-> nicht geeignet bei einer KMPA!
Therapie - Eliminationsdiät mit Hydrolysatnahrung: extensiv hydrolysierte Formulanahrung (ehF)
Milchproteine sind stärker gespalten
Einsatz: bei schwahen Symptomen einer KMPA
Alfaré, Althéra und Milupa Aptamil Pregomin
Verschreibungspflichtig
bis zum vollendeten 12. Lebensmonat
Therapie - Eliminationsdiät mit Hydrolysatnahrung: Aminosäuren-Formulanahrung (AAF)
künstlich hergestellte Säuglingsmilch
besteht aus Aminosäuren, die keine Allergie auslösen
Frei von Kuhmilch
Einsatz: bei manifester KMPA und Nahrungsmittelallergiem
Milupa Aptamil Pregomin AS und Neocate
Zu beachten bei einer Eliminationsdiät
“kann Spuren von Milch enthalten”
Zutatenliste - Vorsicht Kuhmilch: Begriffe können auf verpackten Lebensmitteln auf die Verwendung von Kuhmilch hinweisen
Flüssigkeitsersatz für Kuhmilch
Calcium ist der wichtigste Nährstoff, der bei KMPA ersetzt werden muss
Zu beachten bei einer Eliminationsdiät: “Kann Spuren von Milch enthalten”
Kennzeichnung ist für Hersteller freiwillig
z.B. wenn Lebensmittel Milch (oder ein anderes Allergen) nicht als Zutat enthält, es aber z.B. in einer Fabrik hergestellt wird, in der auch Milch (oder andere Allergene) verarbeitet werden.
Wenn Hersteller nicht ausschließen kann, dass kleine Teilchen der Milchprodukte auch in ilch-freie Produkte gelangen – trotz aller Vorsichtsmaßnahmen.
Bewertung ist deshalb schwierig, weil nicht klar ist, ob der Hinweis dort nicht steht, weil
Hersteller ganz sicher weiß, dass keine kleinsten Milchbestandteile enthalten sind oder
Hersteller den freiwilligen Hinweis einfach nicht auf seine Produkte druckt
Zu beachten bei einer Eliminationsdiät: Folgende Begriffe können auf verpackten Lebensmitteln auf die Verwendung von Kuhmilch hinweisen
Milchpulver
Molke
Molkenpulver
Milcheiweißpulver
Milcheiweiß(-protein)
Molkeeiweiß
Casein (Kasein)
Caseinate (Kaseinate)
Lactalbumin
Lactogloublin
Zu beachten bei einer Eliminationsdiät: Flüssigkeitsersatz für Kuhmilch
Kokosmilch, Reis-, Hafer- oder Mandeldrink
können wie Milch zum Kochen und Backen verwendet werden
Möglichst die Variante „Calcium-angereichert“ verwenden
Guter „küchentechnischer“ Ersatz, decken aber nicht den Nährstoffbedarf des Kindes!
Zu beachten bei einer Eliminationsdiät: Nährstoffe
Bedarf an Protein, Vitamin B2, Jod kann über andere Lebensmittel gedeckt werden
Bedarf an Calcium schwer über andere Lebensmittel zu decken
Kritische Nährstoffe bei einer KMPA
Vitamin D und Calcium
Calciumquellen: Ca-reiche Mineralwässer (mind. 150 mg Ca/L), Ca-reiche Gemüsesorten wie Grünkohl, Spinat, Brokkoli, Fenchel
Vitamin D: weiter supplementieren, auch über 1. Lebensjahr hinaus
Mit Beginn der Beikost werden Vitamin B2, B12, Jod, Fluor, tierische Proteine gedeckt über: Mageres Fleisch, Seefisch, Vollkorngetreide und Gemüse
Nicht geeignete Milchsorten bei KMPA
Säuglingsnahrung auf Ziegen- und Schafsmilchbasis -> hohe Kreuzreaktivität der Allergene
Säuglingsnahrung auf Sojabasis im ersten Lebensjahr -> hoher Gehalt an Isoflavonen und Phytaten
Sojaprotein
Säuglingsnahrung aus Sojaeiweiß ist kein Ersatz für Kuhmilchprodukte
Sojabohnen enthalten natürlicherweise in relativ hohen Konzentrationen Isoflavone -> v.a. Genistein und Daidzein -> ähneln in ihrer chemischen Struktur dem Östrogen
Wie sich eine erhöhte Zufuhr an Isoflavonen bei Säuglingen auswirkt, (insbesondere Langzeiteffekte) ist nicht abschließend geklärt.
Sojanahrung kann auch den natürlichen Pflanzeninhaltsstoff Phytat enthalten -> hemmt die Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen und Spurenelementen
keine aussagekräftigen klinischen Studien zu den Auswirkungen einer Ziegenmilchnahrung auf Wachstum und Nährstoffversorgung im Säuglingsalter
Nicht zu empfehlen als Präventionsnahrung bei familiär erhöhtem Atopie-Risiko
Nicht geeignet als therapeutische Nahrung bei Säuglingen mit einer Kuhmilcheiweißallergie! (Proteinkomponenten in Ziegen- und Kuhmilch sind ähnlich!)
Kommission rät generell von der Verwendung ab!
Oraler Provokationstest - Warum?
Beeinträchtigung der Lebensqualität verhindern (ggf. Diät unnötig, da die KMPA nicht mehr besteht)
Kosten einsparen (teure Therapienahrung)
Oraler Provokationstest - Wann?
Verlieren der klinischen Symptome bei der Eliminationsdiät
Kann ab dem Säuglingsalter durchgeführt werden, i.d.R. nach 6-18-monatiger therapeutischer Diät
Oraler Provokationstest - Vorraussetzung
Kinder werden ärztlich beobachtet -> Bereitschaft jederzeit auch Notfallsituationen zu beherrschen
Bei ausgeprägter KMPA erst ab dem 1. Geburtstag mit Provokation beginnen
Oraler Provokationstest - Durchführung
Säuglingsmilch auf Kuhmilchbasis oder pasteurisierte Kuhmilch
Schrittweise Gabe von Verdünnungen (mit 30-minütigem Abstand auf 100 ml gesteigert)
Je nach Stärke der Ausprägung der Symptome muss mit kleinsten Mengen begonnen werden
Oraler Provokationstest - negative Provokatio
Kuhmilch sollte zu Hause täglich weiter verabreicht werden!
Oraler Provokationstest - positive Provokation
Diät um 12 Monate verlängert, anschließend erneute Provokation
Vorgehen bei Verdacht auf KMPA
Weitere Nahrungsmittelallergien bei Säuglingen & Kindern
Hühnerei, Erdnuss, Soja, Weizen
Nahrungsmittelallergien können bereits im frühesten Säuglingsalter und hier auch bei voll gestillten Säuglingen auftreten. Dabei erfolgt die Sensibilisierung primär oral
ABER: Prävalenz frühkindlicher Nahrungsmittelallergien wird in der Bevölkerung überschätzt!
S3-Leitlinie zur Allergieprävention: Schwangerschaft, Stillzeit und Beikosteinführung
abwechslungsreiche, ausgewogene, nährstoffbedarfsdeckende Ernährung inkl. Gemüse, Milch/ Milchprodukte, Obst, Nüsse, Eier und Fisch -> nichts präventiv weglassen!
Jegliches Stillen hat viele Vorteile für Mutter & Kind -> 4-6 Monate ausschließlich + begleitend zur Beikost
Beikost frühestens ab Beginn des 5. und spätestens ab Beginn des 7. Lebensmonats.
S3-Leitlinie zur Allergieprävention: erste Lebenstage
Bei Stillwunsch der Mutter, Vermeiden einer Zufütterung von kuhmilchbasierter Formulanahrung
Wenn vorübergehende Supplementierung medizinisch notwendig → AAF (oder ehF).
In dieser Situation AAF in den ersten Lebenstagen führt zu einer deutlichen Risikosenkung der KMPA
S3-Leitlinie zur Allergieprävention: Muttermilchersatz
Wenn nicht/nicht vollständig gestillt werden kann -> Säuglingsanfangsnahrung
Risikokinder: Säuglingsanfangsnahrung mit in Studien zur Allergieprävention nachgewiesener Wirksamkeit verfügbar?
Aktuelle Bewertung EFSA: Säuglingsnahrung aus zugelassenem hydrolysierten Molkenprotein für Prävention atopischer Dermatitis bei Säuglingen mit erhöhtem Risiko
→ keine entsprechende Wirkung aus den vorgelegten Daten für HA-Nahrung ableitbar -> GINI-Studie, Nestlé
S3-Leitlinie zur Allergieprävention: weitere Nahrungen
Sojabasierte Säuglingsnahrungen zum Zweck der Allergieprävention nicht geeignet -> nicht dafür verwenden
Keine allergiepräventive Wirkung von anderen Tiermilchen wie Ziegenmilch (auch nicht als Basis von Säuglingsnahrungen), Schafs-/Stutenmilch oder Getreidedrinks
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