(Folie 5) Was zeigt das Münzbild über die Beziehung zwischen Enkodierung und Erinnerungsleistung?
Die Erinnerungsleistung hängt von der Art der Enkodierung ab.
• Informationen werden unterschiedlich gut erinnert, je nachdem wie sie beim Lernen verarbeitet wurden.
• Nicht nur die Information selbst ist entscheidend, sondern der Verarbeitungsprozess während der Enkodierung.
Details merken:
• Die Abbildung zeigt mehrere sehr ähnliche 1-Cent-Münzen, von denen eine verändert ist.
• Der Pfeil markiert die abweichende Münze.
• Das Beispiel verdeutlicht, dass oberflächliche Wahrnehmung oft nicht ausreicht, um Details zuverlässig zu erinnern.
(Folie 6) Was besagt die Theorie der Verarbeitungstiefe über Erinnerungsleistung?
Die Theorie der Verarbeitungstiefe geht davon aus:
• Erinnerungsleistung hängt von Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsprozessen während der Enkodierung ab.
• Je tiefer die Verarbeitung eines Inhalts, desto besser wird er erinnert.
• Theorie nach Craik & Lockhart (1972).
• Es werden verschiedene Verarbeitungstiefen unterschieden.
(Folie 6) Wie wurde die Theorie der Verarbeitungstiefe experimentell überprüft?
Versuchspersonen erhielten Wortlisten und mussten eine Orientierungsaufgabe durchführen.
Diese Aufgaben erzwangen unterschiedliche Verarbeitungstiefen:
Perzeptuelle Verarbeitung (oberflächlich) • Beispiel: „Ist das Wort in Großbuchstaben geschrieben?“
Phonologische Verarbeitung • Beispiel: „Reimt sich das Wort auf Clown?“
Semantische Verarbeitung (tief) • Beispiel: „Passt das Wort in den Satz: Er traf ein ___ auf der Straße?“
Details merken (Mitschrift-Ergänzung):
• Bei der semantischen Aufgabe muss das Wort inhaltlich interpretiert werden, während die anderen Aufgaben eher Oberfläche oder Klang betreffen.
(Folie 6) Welches Ergebnis zeigen Untersuchungen zur Verarbeitungstiefe?
Die Gedächtnisleistung unterscheidet sich je nach Verarbeitungstiefe:
• Beste Erinnerungsleistung:
→ semantische (tiefe) Verarbeitung
• Schlechteste Erinnerungsleistung:
→ perzeptuelle (oberflächliche) Verarbeitung
• Befunde z.B. bei Hyde & Jenkins (1973).
(Folie 7) Was ist der Unterschied zwischen inzidentellem und intentionalem Lernen?
Der Unterschied betrifft die Lernabsicht der Versuchspersonen.
• Inzidentelles Lernen
→ Personen wissen nicht, dass ihre Gedächtnisleistung später getestet wird.
• Intentionales Lernen
→ Personen wissen vorher, dass sie sich die Informationen merken sollen.
(Folie 7) Welche Ergebnisse zeigte die Studie von Hyde & Jenkins (1969) zu Lernabsicht und Gedächtnisleistung?
Die Studie zeigte:
• Keinen generellen Unterschied zwischen inzidentellem und intentionalem Lernen.
• Die Orientierungsaufgabe beeinflusst die Gedächtnisleistung in beiden Gruppen.
Kernaussage:
→ Die Lernabsicht spielt keine entscheidende Rolle für die Erinnerungsleistung.
• Entscheidend bleibt die Verarbeitungstiefe, nicht ob man bewusst lernen wollte.
(Folie 8) Wann fällt die Erinnerungsleistung laut Konzept der elaborativen Enkodierung besonders gut aus?
Die Erinnerungsleistung ist besser, wenn das Lernmaterial:
• mit möglichst vielen bereits im Langzeitgedächtnis gespeicherten Informationen verknüpft wird
• dadurch mehr Beziehungen zwischen Wissenselementen entstehen
→ Dieser Prozess wird elaborative Enkodierung genannt.
Details merken (Mitschrift):
• Entscheidend ist, wie viele bereits bekannte Informationen mit dem neuen Inhalt verbunden werden.
(Folie 8) Warum führt Elaboration zu besserem Erinnern?
Beim Lernen entsteht eine verständnisorientierte Repräsentation.
Das bedeutet:
• Das neue Element wird mit anderen Elementen eines Kontexts verknüpft
• Dadurch entsteht eine strukturierte Repräsentation im Langzeitgedächtnis
→ Diese Beziehungen erleichtern später den Gedächtnisabruf.
(Folie 8) Was zeigt das Telefon-Beispiel zur elaborativen Enkodierung?
Ein Wort wird besser erinnert, wenn es in einen reichhaltigen Kontext eingebettet ist.
Beispiel:
• Wenig Elaboration:
„Er griff nach dem ___“
• Hohe Elaboration:
Eine längere Szene mit Geräusch, Bewegung und Kontext des Telefons.
Ergebnis:
• Beim zweiten Satz muss das Wort mit mehreren Elementen der Szene verknüpft werden
• Dadurch entsteht eine stärkere Gedächtnisrepräsentation.
• Das Wort Telefon wird mit mehreren Ereignissen und Objekten der Szene verbunden.
(Folie 9) Was bedeutet transferangemessene Verarbeitung für das Erinnern?
Die Erinnerungsleistung hängt nicht nur von der Verarbeitungstiefe beim Lernen ab.
Wichtig ist auch:
• die Übereinstimmung zwischen Enkodierung und Abrufprozessen
→ Je besser Enkodierung und Testanforderungen zusammenpassen, desto besser gelingt der Abruf.
(Folie 9) Wie wurde die transferangemessene Verarbeitung experimentell untersucht?
Versuchspersonen lernten Wortlisten mit zwei möglichen Aufgaben:
Semantische Verarbeitung → Bedeutung des Wortes analysieren
Phonologische Verarbeitung → Reimaufgabe („Reimt sich das Wort auf …?“)
Anschließend gab es zwei Testarten:
• Standard-Test: Wiedererkennen der Wörter
• Rhyming-Test: Wörter auswählen, die sich reimen
• Beim Reim-Test wäre phonologische Verarbeitung beim Lernen günstiger gewesen.
(Folie 9) Welches zentrale Ergebnis zeigt das Experiment zur transferangemessenen Verarbeitung?
Die Gedächtnisleistung hängt von der Passung zwischen Enkodierung und Testanforderung ab.
Ergebnisse:
• Standard-Test:
→ bessere Leistung nach semantischer Verarbeitung
• Rhyming-Test:
→ semantische Verarbeitung kann nachteilig sein, weil der Test phonologische Informationen verlangt
→ Entscheidend ist die Passung zwischen Enkodierung und Abrufanforderung.
(Folie 10) Was sind Retrieval Cues und welche Rolle spielen sie beim Erinnern?
Retrieval Cues sind Hinweise oder Reize, die das Abrufen von Erinnerungen auslösen können.
• Bestimmte Wahrnehmungen oder Hinweise können Erinnerungen aktivieren.
• Beispiele sind Orte, Wörter oder Kategorien, die mit einer Erinnerung verknüpft sind.
→ Sie erleichtern den Gedächtnisabruf.
• Beispiel: Eine Einkaufsliste fällt einem in der Küche leichter wieder ein.
• Der Ort fungiert als Abrufhinweis.
(Folie 10) Warum können Retrieval Cues einen zuvor gescheiterten Gedächtnisabruf ermöglichen?
Ein Hinweis kann die passende Gedächtnisrepräsentation aktivieren.
• Häufig gelingt ein Abruf erst nach Darbietung eines passenden Cues
• Beispiele für Cues:
• erster Buchstabe eines Wortes
• Oberbegriff oder Kategorie
→ Der Cue erleichtert den Zugang zur gespeicherten Information.
(Folie 10) Warum ist Wiedererkennen meist leichter als Reproduktion?
Beim Wiedererkennen fungiert das Lernmaterial selbst als Retrieval Cue.
• Wiedererkennen:
→ Hinweis ist vorhanden
• Reproduktion (free recall):
→ Hinweis fehlt
→ Deshalb ist die Wiedererkennungsleistung meist besser als die reine Reproduktion.
(Folie 11) Wie wurde die Wirkung von Retrieval Cues im Experiment von Tulving & Psotka (1971) untersucht?
Versuchspersonen lernten mehrere Listen von Wörtern, die jeweils zu einer semantischen Kategorie gehörten.
Beispiele für Kategorien:
• Kleidung
• Möbel
• Obst
Ablauf:
Nach jeder Liste wurde die Erinnerung getestet (original learning).
Am Ende sollten alle Wörter aus allen Listen erinnert werden (total free recall).
(Folie 11) Was zeigte der Vergleich zwischen total free recall und cued recall?
Die Erinnerungsleistung unterscheidet sich stark:
• Total free recall:
→ deutlich schlechtere Leistung
• Cued recall (Kategorie als Hinweis):
→ keine Leistungsverschlechterung
→ Die Kategorien fungierten als Retrieval Cues und erleichterten den Abruf.
(Folie 11) Was zeigt das Diagramm zum Experiment von Tulving & Psotka?
Das Diagramm zeigt drei Bedingungen:
• Original learning
• Cued recall
• Total free recall
• Original learning und cued recall zeigen ähnliche Leistungen
• Total free recall ist deutlich schlechter
→ Retrieval Cues können starke Abrufprobleme kompensieren.
(Folie 12) Was versteht man unter Kontexteffekten beim Gedächtnis?
Kontexteffekte beschreiben den Einfluss des Lernkontexts auf die Erinnerungsleistung.
• Wird Lernmaterial mit Kontextinformationen enkodiert,
• verbessert sich die Erinnerung, wenn Lern- und Abrufkontext übereinstimmen.
→ Der Kontext kann beim Abruf als Retrieval Cue wirken.
(Folie 12) Was zeigt das Taucherexperiment von Godden & Baddeley (1975) über Kontexteffekte?
Das Experiment zeigt kontextabhängiges Erinnern.
• Wörter, die unter Wasser gelernt wurden, wurden unter Wasser besser erinnert.
• Wörter, die an Land gelernt wurden, wurden an Land besser erinnert.
→ Übereinstimmung von Lern- und Abrufkontext verbessert die Gedächtnisleistung.
• Lernen und Abrufen im gleichen Kontext führt zu besserer Leistung.
(Folie 12) Können Kontexteffekte auch innere Zustände betreffen?
Ja, Kontexteffekte können auch interne Zustände betreffen.
• Erinnerungsleistung ist besser, wenn in Lern- und Abrufphase Alkohol konsumiert wird,
• als wenn Alkohol nur in einer der beiden Phasen konsumiert wird.
→ Auch innere Zustände können als Kontext dienen.
• Ähnliche Effekte können auch bei anderen Zuständen wie Rauchen auftreten.
(Folie 12) Wann verschwindet der Effekt der Kontextübereinstimmung weitgehend?
Der Kontexteffekt verschwindet weitgehend, wenn:
• Wiedererkennungstests verwendet werden.
Grund:
• Beim Wiedererkennen fungiert das Testmaterial selbst als Retrieval Cue,
• wodurch der Kontext weniger wichtig wird.
(Folie 13) Welche praktische Konsequenz ergibt sich aus Kontexteffekten für Lernsituationen?
Die Lernsituation sollte möglichst viele Überschneidungen mit der Abrufsituation haben.
→ Ähnliche Kontexte erleichtern später den Gedächtnisabruf.
• Taucher sollten sicherheitsrelevante Informationen unter Wasser lernen.
(Folie 13) Wie kann die Vorstellung eines Lernkontexts die Erinnerung beeinflussen?
Bereits die mentale Vorstellung des Lernkontexts kann die Gedächtnisleistung verbessern.
• Personen erinnern sich besser, wenn sie sich den ursprünglichen Lernkontext vorstellen.
(Folie 13) Welche Rolle spielen Kontexteffekte im kognitiven Interview?
Beim kognitiven Interview werden Zeugen angeleitet:
• sich möglichst viele Details des ursprünglichen Kontexts zu erinnern
Beispiele für Kontextdetails:
• Beobachtungsstandpunkt
• Beleuchtungsverhältnisse
• emotionaler Zustand
→ Diese Informationen können als Retrieval Cues den Gedächtnisabruf verbessern.
• Zeugen rekonstruieren sowohl äußeren Kontext als auch innere Zustände.
(Folie 14) Wie erklären viele Gedächtnismodelle den Abruf über Aktivationsausbreitung?
Viele Modelle gehen davon aus, dass beim Gedächtnisabruf eine Aktivationsausbreitung stattfindet.
• Wird ein Gedächtniseintrag aktiviert,
• breitet sich die Aktivierung zu verknüpften Einträgen aus.
→ Dadurch können weitere Informationen leichter abgerufen werden.
• Wenn ein Knoten im Informationsnetz aktiviert wird, werden auch benachbarte Knoten aktiviert.
(Folie 14) Warum verbessert Elaboration die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Gedächtnisabrufs?
Elaboration führt zu mehr Verknüpfungen zwischen Gedächtnisinhalten.
• Je mehr Verbindungen zwischen einem Lernelement und anderen Gedächtniseinträgen bestehen,
• desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer Eintrag als Retrieval Cue dienen kann.
→ Mehr Verknüpfungen erhöhen die Abrufwahrscheinlichkeit.
• Ein größeres Netzwerk von Informationen erhöht die Chance, dass ein Hinweis die Erinnerung aktiviert.
(Folie 14) Wie können mehrere Hinweise als Retrieval Cues wirken?
Mehrere Hinweise können gemeinsam den Gedächtnisabruf erleichtern.
• Je mehr Informationen eines Netzwerks gegeben werden,
• desto besser können diese Informationen als Retrieval Cues fungieren.
Beispiel (Mitschrift):
• „Es war dunkel UND es hat geregnet.“
→ Mehr Kontextinformationen erhöhen die Abrufwahrscheinlichkeit.
(Folie 15) Was versteht man allgemein unter Amnesie?
Amnesie bezeichnet Gedächtnisstörungen, die nach Schädigungen von Hirnstrukturen auftreten können.
Mögliche Ursachen:
• Schlaganfall
• Trauma
• virale Enzephalitis
→ Die Schädigung kann verschiedene Gedächtnisfunktionen beeinträchtigen.
(Folie 15) Was ist anterograde Amnesie?
Anterograde Amnesie bedeutet:
• Störung des Neuerwerbs von Informationen
• seit der Schädigung können keine neuen Gedächtnisinhalte gebildet werden
→ Es entsteht kein neues Langzeitgedächtnis nach dem Ereignis.
(Folie 15) Was ist retrograde Amnesie?
Retrograde Amnesie bezeichnet eine:
• Störung des Gedächtnisses für Informationen vor der Schädigung
Dies betrifft:
• Gedächtnislücken kurz vor einem Trauma
• Teile des Altgedächtnisses
→ Häufig zeigt sich ein zeitlicher Gradient.
• Retrograde Amnesie tritt häufig nach Traumata auf.
(Folie 16) Was bedeutet, dass Amnesien selektiv sein können?
Amnesien können sich auf bestimmte Gedächtnisfunktionen beschränken.
• Manche Patienten zeigen fast ausschließlich Langzeitgedächtnisausfälle,
• während andere Gedächtnisfunktionen relativ intakt bleiben.
(Folie 16) Was zeigt der Fall des Patienten H.M. über Gedächtnisstörungen?
Patient H.M. zeigte:
• unauffällige sofortige Reproduktion
• aber starke Probleme beim Erwerb neuer Informationen
Beispiele:
• erkennt Personen nach wenigen Minuten nicht wieder
• kann sich nicht an gerade durchgeführte Untersuchungen erinnern
→ Hinweis auf Störungen des Langzeitgedächtniserwerbs.
• Selbst bedeutsame Veränderungen (z.B. Tod von Angehörigen) konnten nicht gelernt werden.
(Folie 17) Was besagt die Konsolidierungshypothese für anterograde Amnesie?
Die Hypothese nimmt an:
• Die Störung liegt in der Konsolidierung neuer Informationen
• also in der Verfestigung im Langzeitgedächtnis
→ Neue Informationen können nicht dauerhaft gespeichert werden.
(Folie 17) Welche Rolle spielt der Hippocampus bei der Konsolidierung?
Der Hippocampus spielt eine zentrale Rolle:
• verbindet neue Informationen
• mit bereits vorhandenen Langzeitgedächtnisinhalten
Diese Informationen sind über verschiedene kortikale Areale verteilt.
→ Der Hippocampus unterstützt die Integration neuer Informationen ins Gedächtnis.
(Folie 17) Was zeigt das Beispiel von American-Football-Spielern mit Gehirnerschütterung?
Direkt nach dem Ereignis können Spieler:
• beschreiben, was gerade passiert ist
Einige Minuten später:
• können sie sich nicht mehr daran erinnern
→ Hinweis darauf, dass Konsolidierung gestört ist, nicht unbedingt die Informationsaufnahme.
(Folie 18) Was bedeutet der zeitliche Gradient retrograder Amnesie?
Der zeitliche Gradient beschreibt:
• Weiter zurückliegende Erinnerungen sind weniger betroffen
• Neuere Erinnerungen vor der Erkrankung gehen eher verloren
→ Erinnerungen unterscheiden sich in ihrer Stabilität im Gedächtnis.
(Folie 18) Wie erklärt die Konsolidierungshypothese den zeitlichen Gradienten?
Die Konsolidierung wird als länger dauernder Prozess angenommen.
Daraus folgt:
• Ältere Erinnerungen hatten genug Zeit, vollständig konsolidiert zu werden
• Neuere Erinnerungen waren noch nicht vollständig stabilisiert
→ Eine Hirnschädigung kann den laufenden Konsolidierungsprozess unterbrechen.
• Deshalb können Patienten sich besser an weiter zurückliegende Ereignisse erinnern.
(Folie 19) Was zeigt die Beobachtung der Erholung von Amnesiepatienten über Vergessen?
Viele Amnesiepatienten zeigen mit zunehmender Zeit eine teilweise Erholung der Gedächtnisleistung.
• Die Phase des Gedächtnisverlusts kann sich
z. B. von zwei Jahren auf zwei Wochen vor der Schädigung verkürzen.
→ Dies spricht dagegen, dass Erinnerungen vollständig zerfallen sind.
(Folie 19) Was zeigen Fallberichte über den Abruf autobiografischer Erinnerungen bei Amnesie?
In einigen Fällen konnte eine starke Gedächtnisstörung:
• Monate nach dem Ereignis plötzlich verschwinden,
• wenn eine Situation an ein früheres Erlebnis erinnerte.
→ Ein Teil der Erinnerungen war nicht verloren, sondern konnte nicht abgerufen werden.
• Hinweis: Vergessen bedeutet nicht immer Zerfall, sondern kann auch ein Abrufproblem sein.
(Folie 20) Was ist die Peterson-Aufgabe?
Die Peterson-Aufgabe untersucht Probleme beim Behalten im Kurzzeitgedächtnis.
Versuchsaufbau:
• Personen sollen sich drei Buchstaben merken
• direkt danach müssen sie eine Subtraktionsaufgabe lösen
→ Dadurch wird Wiederholen (Rehearsal) verhindert.
• Die Rechenaufgabe blockiert die aktive Wiederholung im Kurzzeitgedächtnis.
(Folie 20) Welches Ergebnis zeigt die Peterson-Aufgabe?
Bereits wenige Sekunden reichen aus, um die Reproduktion stark zu beeinträchtigen.
• Versuchspersonen können oft nicht einmal drei Elemente erinnern,
• obwohl dies unter der normalen Merkspanne liegt.
(Folie 20) Wie wurde das Ergebnis der Peterson-Aufgabe ursprünglich interpretiert?
Ursprüngliche Interpretation:
• Ohne aktives Wiederholen (Rehearsal)
• zerfallen Gedächtnisspuren im Kurzzeitgedächtnis sehr schnell.
→ Diese Erklärung wird Spurenzerfall genannt.
(Folie 21) Warum muss schlechte Leistung in der Peterson-Aufgabe nicht unbedingt Spurenzerfall bedeuten?
Die schlechte Erinnerungsleistung kann auch durch Interferenz erklärt werden.
• andere Gedächtnisinhalte stören den Abruf der Zielinformation.
→ Der Abruf misslingt, obwohl die Information noch vorhanden sein kann.
• Die Versuchsperson kann Informationen eventuell nicht mehr auseinanderhalten.
(Folie 21) Was sind proaktive und retroaktive Interferenz?
Interferenz beschreibt Störungen des Gedächtnisabrufs durch andere Inhalte.
• Retroaktive Interferenz
→ neu gelernte Informationen stören ältere Erinnerungen
• Proaktive Interferenz
→ bereits vorhandene Informationen stören das Lernen oder Abrufen neuer Inhalte
(Folie 21) Welche Alltagsbeispiele zeigen Interferenz im Gedächtnis?
Retroaktive Interferenz
• neue PIN oder Telefonnummer überlagert die alte
• alte Nummer ist schwer abrufbar
Proaktive Interferenz
• der Name eines neuen Freundes wird mit dem des alten verwechselt
→ Ähnliche Informationen stören sich gegenseitig.
• Die Störung wird stärker, je ähnlicher sich die Inhalte sind.
(Folie 22) Wie wird proaktive Interferenz im Experiment mit Paarassoziationen untersucht?
• Personen lernen zwei Listen mit Wortpaaren
z. B. Haus – Auto
Experimentalbedingung:
• das erste Wort bleibt gleich,
• das zweite Wort ändert sich in der zweiten Liste.
Beim Test:
• soll Liste 2 erinnert werden.
• Liste 1 stört den Abruf von Liste 2.
→ Dies ist proaktive Interferenz.
• In der Kontrollbedingung sind die Listen unterschiedlich und verursachen weniger Interferenz.
(Folie 22) Wie wird retroaktive Interferenz im Paarassoziationslernen gezeigt?
• zwei Listen mit ähnlichen Wortpaaren werden gelernt.
• soll Liste 1 erinnert werden.
• Liste 2 stört den Abruf von Liste 1.
→ Dies ist retroaktive Interferenz.
• In beiden Fällen ist die Leistung schlechter als in der Kontrollgruppe.
(Folie 23) Was besagt die Theorie der Verarbeitungstiefe?
Die Theorie besagt:
• Die Erinnerungsleistung hängt von Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsprozessen während der Enkodierung ab.
• Je tiefer Informationen verarbeitet werden, desto besser werden sie erinnert.
Beispiele für Verarbeitungstiefen:
Perzeptuelle Verarbeitung (oberflächlich)
Phonologische Verarbeitung
Semantische Verarbeitung (tief)
→ Tiefe Verarbeitung führt zur besten Gedächtnisleistung.
(Folie 23) Was bedeutet verständnisorientierte Repräsentation?
Eine verständnisorientierte Repräsentation entsteht, wenn:
• ein Lernelement mit möglichst vielen vorhandenen Informationen im Langzeitgedächtnis verbunden wird.
Dies geschieht durch:
• elaborative Enkodierung
• Aufbau von Beziehungen zwischen Wissenselementen
→ Dadurch wird der spätere Abruf erleichtert.
(Folie 23) Was beschreibt transferangemessene Verarbeitung?
Transferangemessene Verarbeitung bedeutet:
• Die Übereinstimmung zwischen Enkodierungsprozessen und Abrufanforderungen beeinflusst die Erinnerungsleistung.
→ Erinnern gelingt besser, wenn:
• Art der Verarbeitung beim Lernen
• zur Art des Gedächtnistests
passt.
(Folie 23) Was ist ein Retrieval Cue?
Ein Retrieval Cue ist ein Hinweisreiz, der den Gedächtnisabruf erleichtert.
• Kategorie eines Begriffs
• ein bestimmter Ort
→ Retrieval Cues können einen zuvor gescheiterten Abruf ermöglichen.
(Folie 23) Was beschreibt der Begriff Kontexteffekte?
Kontexteffekte bedeuten:
• Erinnerungsleistung ist besser, wenn Lern- und Abrufkontext übereinstimmen.
• Kontextinformationen können beim Abruf als Retrieval Cues fungieren.
• gleicher Ort
• gleicher innerer Zustand
(Folie 23) Was bezeichnet der Begriff Amnesie?
Amnesie bezeichnet Gedächtnisstörungen nach Hirnschädigungen.
Zwei Hauptformen:
• anterograde Amnesie
→ Störung des Neuerwerbs von Informationen
• retrograde Amnesie
→ Verlust von Erinnerungen aus der Zeit vor der Schädigung
(Folie 23) Was besagt die Konsolidierungshypothese?
Die Konsolidierungshypothese nimmt an:
• neue Informationen müssen stabilisiert und im Langzeitgedächtnis verfestigt werden.
Dabei spielt eine wichtige Rolle:
• der Hippocampus, der neue Informationen mit bestehenden Gedächtnisinhalten verbindet.
→ Wird dieser Prozess gestört, entstehen Gedächtnisprobleme.
(Folie 23) Was versteht man unter Spurenzerfall?
Spurenzerfall beschreibt die Annahme:
• Gedächtnisspuren verfallen mit der Zeit,
• besonders wenn sie nicht aktiv wiederholt werden.
Diese Idee wurde u. a. aus der Peterson-Aufgabe abgeleitet.
(Folie 23) Was bedeutet Interferenz im Gedächtnis?
Interferenz beschreibt:
• Störungen des Gedächtnisabrufs durch andere Gedächtnisinhalte.
Zwei Formen:
→ alte Informationen stören neue
→ neue Informationen stören alte
→ Besonders stark bei ähnlichen Lerninhalten.
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