4.1 Produktmanagement
(Produkt- und Sortimentspolitik)
4.1.1 Grundlagen
Umfasst alle Entscheidungen und Maßnahmen, die sich auf:
die Gestaltung von Produkten (materiellen leistungen), deren Kombination und die Zusammensetzung des Produktprogramms (Hersteller) & des Sortiments (Handel) beziehen
Zentrale Grundlage sind Probleme und Bedürfnisse der Käufer
Ein Produkt kann verstanden werden als:
Mittel zur Bedürfnisbefriedigung
Problemlösungsinstrument
Bündel von nutzenstiftenden Eigenschaften
Hat zentrale Bedeutung für den Unternehmenserfolg, weil:
Produkte entwickelt und verbessert werden
dadurch Bedürfnisse langfristig erfüllt werden
daraus Wettbewerbsvorteile entstehen
Beantwortet die Frage: Warum sollte der Kunde dieses Produkt kaufen und nicht das der Konkurrenz?
Schlüsselbegriff: Unique Selling Proposition (USP)
Ein Merkmal oder eine Funktion
Ist allein bereits verkaufsfördernd
„Produkt“ wird heute sehr weit gefasst:
Güter (z. B. Sportkleidung)
Dienstleistungen (z. B. Sportveranstaltungen)
Personen (z. B. Sportler)
Institutionen (z. B. Vereine)
→ Alles kann eine vermarktbare Leistung sein
Produkt ist der direkte Kontaktpunkt zum Kunden
Über das Produkt werden transportiert:
Kommunikationspolitik
Preispolitik
Distributionspolitik
Die Produkt- und Sortimentspolitik umfasst drei Hauptentscheidungen:
Produktinnovation → Entwicklung neuer Produkte
Produktvariation → Veränderung bestehender Produkte
Produkteliminierung → Entfernen von Produkten aus dem Sortiment
Die Abbildung verdeutlicht zusätzlich weitere Aspekte wie:
Entwicklung neuer Produkte
Produktvarianten (inkl. Verbesserung & Differenzierung)
Zusammensetzung des Gesamtsortiments
4.1.2 Produktinnovation
4.1.2.1 Begriff
Produktinnovationen sind die wichtigste Grundlage für langfristiges Wachstum und hohe Gewinne eines Unternehmens.
Sie verbessern die Wettbewerbsposition
ermöglichen eine Strategie der Qualitätsführerschaft
helfen, Risiken zu streuen, z. B. durch neue Kundengruppen
können die Grundlage für eine Marktführerschaft sein
👉 Damit sind Produktinnovationen ein zentraler Treiber für den Unternehmenserfolg.
Unter Produktinnovation versteht man:
die Entwicklung von Neuprodukten bzw. Problemlösungen
sowie die dazugehörigen Prozesse im Unternehmen
Wichtig ist die Abgrenzung:
Innovation umfasst auch die Markteinführung
Invention endet bereits beim Prototypen
Der Begriff „neu“ ist nicht eindeutig, sondern abhängig von der Perspektive:
Es muss geklärt werden:
Für wen ist etwas neu?
Wie stark ist die Veränderung? (radikal vs. Modifikation)
Daraus ergeben sich zwei Dimensionen:
Subjektdimension
absolut neu
neu für das Unternehmen
neu für den Markt
Objektdimension
neu in Bezug auf:
Material
Verfahren
Produkt
Problementdeckung
Der Produktbegriff ist vielschichtig und besteht aus drei Ebenen:
1. Kernprodukt (Kernnutzen)
Grundlegender Nutzen / Problemlösung
funktional-technische Leistung
2. Formales Produkt
Merkmale, die über die Kernleistung hinausgehen, z. B.:
Verpackung
Marke
Qualität
Design
Funktionalität
3. Erweitertes Produkt
Zusatzleistungen, die zusätzlichen Nutzen schaffen:
materielle Ergänzungen
Dienstleistungen
👉 Diese Zusatzleistungen führen zu einem Produkterweiterungsnutzen.
Kombination aus:
Kernprodukt + formale Merkmale
Wird als Regelprodukt bezeichnet
Die Abbildung verdeutlicht die drei Ebenen:
Kernleistung → innerster Bereich (Grundnutzen)
Produkteigenschaften (formales Produkt) → z. B. Design, Marke, Verpackung
Zusatzleistungen (erweitertes Produkt) → z. B. Service, Schulung, Garantie
👉 Gleichzeitig beantwortet die Produktpolitik damit die zentrale Frage: „Warum soll der Kunde unsere Leistung kaufen?“
4.1.2.2 Aufgabe
Die mit der Produktinnovation verbundenen Prozesse müssen systematisch geplant werden.
Ziel der Neuproduktplanung ist:
Entwicklung von Produktalternativen
deren Bewertung und Auswahl
👉 Das bedeutet: Produktinnovation ist kein Zufallsprozess, sondern ein strukturierter Ablauf.
Der Prozess der Produktinnovation umfasst eine Vielzahl von:
Informationsgewinnungsprozessen
Informationsverarbeitungsprozessen
Dabei müssen:
neue Ideen generiert
die besten Ideen ausgewählt
und anschließend umgesetzt werden
Der Innovationsprozess lässt sich in mehrere aufeinanderfolgende Phasen unterteilen:
Innovationsbedarfserkennung
Ideengewinnung
Ideenbewertung und -auswahl
Ideentest
Markt- und Produkteinführung
👉 Diese Phasen bauen logisch aufeinander auf und strukturieren den gesamten Prozess.
Am Anfang steht immer die Erkennung eines Innovationsbedarfs.
Dieser kann entstehen durch:
konkrete Problem- oder Bedarfsanalysen
technischen Fortschritt und daraus resultierende Produktweiterentwicklungen
veränderte Kundenanforderungen
den Wunsch, neue Märkte zu erschließen
Ausgehend vom erkannten Bedarf müssen im ersten Schritt Ideen entwickelt werden.
👉 Diese Ideengenerierung bildet die Grundlage für alle weiteren Phasen der Produktinnovation.
4.1.2.3 Ideengewinnung
Produktideen stammen grundsätzlich aus zwei Quellen:
unternehmensintern
unternehmensextern
👉 Die wichtigste Quelle ist der Markt, insbesondere:
Kunden
Konkurrenzunternehmen
Der zentrale Erfolgsfaktor ist dabei ein Produkt, das dem Kunden einen einzigartigen Nutzen bietet.
Der Kunde steht im Mittelpunkt der Innovationsaktivitäten, weil:
nur er selbst weiß, was ihm tatsächlich nützt
der Innovationsbedarf daher beim Kunden identifiziert und bewertet werden muss (Marketingforschung)
👉 Für erfolgreiche Innovationen müssen viele Informationen aus dem Kundensegment berücksichtigt werden.
Ideen entstehen aus vielfältigen Anregungen, z. B.:
Kundenbezogene Informationen
Wünsche, Beschwerden
Reparaturen, Garantiefälle
Anfragen, Ausschreibungen
Marketingforschung
Weitere Quellen
Konkurrenzprodukte (national/international)
Patentanmeldungen
betriebliches Vorschlagswesen
Forschungsergebnisse
Einzelne Kundenbedürfnisse reichen nicht aus.
👉 Erst wenn:
viele Kunden ähnliche Probleme oder Bedürfnisse haben, → entsteht eine wirtschaftlich sinnvolle Grundlage für eine Produktinnovation.
Besonders schwierig ist es:
latente (verborgene) und zukünftige Bedürfnisse zu erkennen
sowohl rationale als auch emotionale Bedürfnisse zu berücksichtigen
Da klassische Marketingmethoden dafür oft nicht ausreichen, wurden spezielle Konzepte zur Innovationsbedarfserfassung entwickelt.
Wege zur Ideengewinnung
Einfachster Weg zur Ideengewinnung
Nutzung von Informationen:
aus dem Unternehmen
aus der Umwelt
Problem:
Auswahl relevanter Quellen
Bewertung der Ideen hinsichtlich Erfolgschancen
Hier entstehen neue Lösungen durch:
kreatives Denken
schöpferisches Potenzial
👉 Es gibt zwei Hauptgruppen von Methoden:
Hier wird ein Problem in Teilprobleme zerlegt, um neue Lösungen zu kombinieren.
Fragenkataloge
Produkt und Nutzung müssen genau beschrieben sein
gezielte Fragen (z. B. zu Material oder Verwendung) liefern neue Ansätze
Funktionsanalyse / Morphologischer Kasten
Ablauf:
Grundproblem definieren
Zerlegung in Teilprobleme (intensionale Merkmale)
Lösungsalternativen je Teilproblem sammeln (extensionale Merkmale)
Kombination in einer Matrix (morphologischer Kasten)
Kombination zu neuen Lösungen
Problemkreisanalyse
Statt Funktionen werden Problemfelder analysiert
Zerlegung in Unterprobleme, um alle Einzelfragen zu erfassen
Hier wird das Problem als Ganzes betrachtet.
Grundidee:
spontane Äußerung und Weiterentwicklung von Ideen
Bildung von Assoziationsketten
Regeln:
6–12 Teilnehmer
15–40 Minuten Dauer
Quantität vor Qualität
Ideen dürfen weiterentwickelt werden
keine Kritik erlaubt
keine Hierarchieunterschiede
Moderator überwacht Regeln
👉 Ideen werden protokolliert und später bewertet.
6 Teilnehmer schreiben je 3 Ideen in 5 Minuten
Blätter werden weitergereicht und ergänzt
Ideen werden mehrfach weiterentwickelt
basiert auf Analogien und Verfremdung
Problem wird aus anderen Perspektiven betrachtet
Zu Beginn des Prozesses werden die Mitglieder mit der Problemstellung vertraut gemacht.
Die systematische Verfremdung erfolgt durch die Bildung direkter Analogien, z. B. durch die Suche nach Problemlösungen in anderen Bereichen
z. B. Problem: Reduktion des Luftwiderstandes bei Fahrzeugen;
Analogie: Wie wird dieses Problem in der Biologie gelöst?
Welche Tiere weisen einen geringen Luftwiderstand auf?
Diese Analogien werden dann auf die eingangs definierte Problemstellung übertragen.
Blue Ocean: Innovation durch Eliminieren, Reduzieren, Steigern, Kreieren
Design Thinking: nutzerorientiertes Arbeiten in Teams
Crowdsourcing: Einbindung externer Nutzer
Open Innovation: Integration von Kunden, Partnern etc.
Online-Tools: digitale Unterstützung (z. B. Brainstorming, Wikis, Patente)
Welche Methode eingesetzt wird, hängt immer ab von:
dem konkreten Problem
den Gegebenheiten im Unternehmen
👉 Es gibt keine allgemeingültige „beste“ Methode.
4.1.2.4 Auswahl von Produktideen (Screening)
Nach der Ideensammlung folgt die Ideenprüfung.
Ziel:
Aus vielen Ideen die erfolgversprechendsten auswählen
👉 Dieser Auswahlprozess erfolgt in zwei Phasen:
Vorauswahl
Wirtschaftlichkeitsanalyse
In der Vorauswahl wird geprüft, ob die Ideen grundsätzlich zu den Anforderungen des Unternehmens passen.
Dazu werden Ideen anhand von festgelegten Kriterien bewertet
Ein häufig genutztes Verfahren sind sogenannte Punktbewertungsmodelle (Scoring-Modelle).
👉 Problem dieser Modelle:
Auswahl der richtigen Kriterien
richtige Gewichtung dieser Kriterien
Es sollten nur wenige, wichtige Ziele definiert werden
Grund: Zu viele Ziele → zu hoher Informationsbedarf
Festlegung von Beurteilungsfaktoren und Skalen
Kriterien sollten leicht messbar sein
Beispiele (für Markterfolg):
Zugang zu Absatzwegen
Preis im Vergleich zur Konkurrenz
Produktqualität
👉 Die Ideen werden anschließend durch Punktevergabe bewertet.
Kriterien werden unterschiedlich gewichtet
Dadurch wird ihre Bedeutung für den Erfolg berücksichtigt
Hier wird geklärt:
Gibt es Mindestanforderungen?
Welche Mindestpunktzahl ist erforderlich?
👉 Beispiel: Auch wenn viele Kriterien gut bewertet sind, kann eine Idee ausscheiden, wenn ein entscheidender Faktor (z. B. Absatzmenge) bei null liegt.
Gesamtbewertung = Gewichtung eines Kriteriums × Punktwert dieses Kriteriums
Alle Werte werden zu einem Gesamtindex zusammengeführt
Der errechnete Index ist nur sinnvoll:
im Vergleich mit anderen Ideen
oder durch Einordnung (z. B. unbrauchbar, brauchbar, gut)
Die Anwendung ist mit mehreren Schwierigkeiten verbunden:
Keine eindeutige Entscheidungsregel
Subjektivität bei Gewichtungen
Kriterien sind oft nicht eindeutig voneinander abgrenzbar
👉 Dadurch bleibt die Bewertung trotz Systematik teilweise unsicher und interpretationsabhängig.
Das Screening dient dazu, die große Anzahl an Ideen systematisch zu reduzieren, sodass nur die vielversprechenden Konzepte in die nächste Phase (Wirtschaftlichkeitsanalyse) gelangen.
4.1.2.5 Ideentest
Eine erfolgreiche Markteinführung erfordert umfassende Informationen über das Produkt, z. B. zu:
Design (Form, Farbe)
Preis
Name und Marke
👉 Das vorhandene Wissen im Unternehmen reicht dafür meist nicht aus. Deshalb müssen Produktideen systematisch getestet werden.
Es werden zwei zentrale Testformen unterschieden:
Beim Konzepttest wird die Idee zunächst verständlich dargestellt, z. B.:
verbal (Beschreibung der Funktionen)
visuell (Skizzen, Darstellungen)
Anschließend wird die Reaktion potenzieller Kunden untersucht durch:
Gruppendiskussionen
Befragungen
Beobachtungen
Verhaltenstests
👉 Ziel:
Einschätzung der Kundenmeinung und des Verhaltens
Mögliche Bewertungsindikatoren:
Produktdesign
Produktname
Gewährleistung
Es werden meist ca. 100 Testpersonen einbezogen
Ziel ist es, Verbesserungshinweise zu erhalten und die Durchführbarkeit zu prüfen
👉 Ideen, die bestehen, werden zu Prototypen weiterentwickelt.
Beim Produkttest wird der Prototyp getestet.
Ziel: Erkenntnisse über die subjektive Wirkung des Produkts
Fokus auf psychische Größen:
Einstellungen
Präferenzen
Wahrnehmungen
Testformen:
Einzeltest (Produkt für sich)
Vergleichstest (z. B. Paarvergleich)
Volltest vs. Partialtest
Volltest:
Bewertung des gesamten Produkts
inkl. Qualität, Verpackung, Preis, Werbung
Partialtest:
Bewertung einzelner Komponenten
Ziel: Einfluss einzelner Merkmale bestimmen
👉 Dabei werden Komponenten schrittweise entfernt, bis nur noch das Kernprodukt bewertet wird.
Conjoint-Analyse
Ein wichtiges Verfahren im Partialtest ist die Conjoint-Analyse.
Ziel: Bestimmung des Beitrags einzelner Merkmale zum Gesamtnutzen
Vorgehen:
Kunden bewerten zunächst das Gesamtprodukt
anschließend nehmen sie Abwägungen (Trade-offs) vor
z. B.: Qualität vs. Preis
👉 Dadurch wird eine realitätsnahe Kaufsituation simuliert, da Kunden verschiedene Produkteigenschaften gegeneinander abwägen.
Der nächste Schritt ist der Markttest:
Probeweiser Verkauf unter kontrollierten Bedingungen
Durchführung in einem abgegrenzten Testmarkt
Ziele:
Gewinnung von Prognoseinformationen
Test von Marketingmaßnahmen
👉 Wichtig:
Testmarkt muss repräsentativ sein
ggf. Vergleich mit einem Kontrollmarkt
günstiger und schneller als Markttest
aber:
künstliche Situation
mögliche verzerrte Ergebnisse
Produktideen, die das Screening bestanden haben, werden anschließend wirtschaftlich bewertet.
👉 Sie bildet die Grundlage für die Entscheidung zur Umsetzung.
1. Break-even-Analyse
-> Ab wann verdient das Produkt Geld?
Bestimmung der Gewinnschwelle:
Punkt, an dem Umsatz = Kosten
👉 Entscheidung:
Umsatz über Schwelle → Produkt lohnt sich
Umsatz darunter → nicht wirtschaftlich
berücksichtigt keine zeitliche Entwicklung
sagt nichts darüber, wann der Break-even erreicht wird
2. Dynamische Amortisationsrechnung
-> Hier geht es um die Frage: Wie lange dauert es, bis sich das Produkt „bezahlt gemacht hat“?
Fixkosten = Kosten, die immer anfallen (z. B. Maschinen, Entwicklung)
Deckungsbeitrag = Umsatz – variable Kosten → das ist der Betrag, der zur Deckung der Fixkosten beiträgt
kumuliert = aufaddiert über die Zeit
Es wird berechnet, wann gilt:
Das ist der Zeitpunkt, an dem alle Kosten „wieder reingeholt“ sind.
Die rechnung Bestimmt also den Zeitraum, bis:
kumulierte Deckungsbeiträge = kumulierte Fixkosten
Entscheidungsregel:
Lebensdauer des Produkts > Amortisationsdauer → Produkt kann weiterverfolgt werden
Der Ideentest und die Wirtschaftlichkeitsanalyse sorgen dafür, dass:
nur marktfähige und wirtschaftlich sinnvolle Produkte umgesetzt werden
👉 Sie bilden damit die letzte Prüfphase vor der Markteinführung.
Break-even: „Ab welcher Menge mache ich Gewinn?“
Amortisation: „Wie lange dauert es, bis ich meine Kosten wieder drin habe?“
4.1.2.6 Produkteinführung
Wenn Tests zeigen, dass ein Produkt ausreichende Erfolgschancen im Markt hat, beginnt das Einführungsprogramm.
Ziel: Das Produkt soll klar und eindeutig im Markt positioniert werden.
Die Produktpositionierung soll erreichen, dass:
das Produkt im Vergleich zur Konkurrenz eine klare Stellung im Markt hat
die wahrgenommenen Eigenschaften mit den Erwartungen der Kunden übereinstimmen
👉 Ergebnis: Kundenzufriedenheit
Ein Produkt kann über verschiedene Merkmale positioniert werden:
1. Über das Produkt selbst (Kern- und Regelleistung)
Grundnutzen und Zusatznutzen
Zuverlässigkeit
2. Über das erweiterte Produkt
Lieferung (z. B. frei Haus)
Gewährleistung und Garantien
Planung / Konzeption
Schulungen
3. Über die Marke
Corporate Identity
Branding / Markenführung
4. Über das Personal
Ausbildung der Mitarbeiter
Umgang mit Kunden
fachliche und soziale Kompetenz
Die gewählten Merkmale müssen:
für den Kunden wahrnehmbar sein
für den Kunden wichtig sein
einen Nutzen stiften
eine überlegene Problemlösung darstellen
einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz bieten
Ein Beispiel ist die Entwicklung einer speziellen Stollenkonfiguration bei Fußballschuhen, die dem Spieler mehr Stabilität bietet.
Hier erfolgt die Positionierung über einen konkreten Zusatznutzen.
Die Umsetzung der Positionierung im Marketingmix wird erleichtert, wenn:
eine Marktsegmentierung vorliegt
Kenntnisse über die Verbreitung neuer Produkte (Diffusion) vorhanden sind
Diffusion und Adoption
Untersucht:
Wie schnell sich Informationen über neue Produkte verbreiten
Über welche Kanäle diese Informationen zu den Kunden gelangen
Beschreibt:
wie Kunden sich verhalten
vom ersten Kontakt mit der Information bis zur Übernahme (Kauf)
beschreibt die Ausbreitung einer Innovation im Markt
vom ersten bis zum letzten Käufer
Unterschiedliche Kundentypen reagieren verschieden auf Innovationen:
Innovatoren
Frühadopter
Spätadopter
Nachzügler
👉 Diese Unterschiede helfen, ein zielgruppenspezifisches Marketingprogramm zu entwickeln.
Die Produkteinführung ist die Phase, in der:
das Produkt aktiv im Markt platziert wird
und durch gezielte Positionierung und Marketingmaßnahmen der Markterfolg realisiert werden soll
4.1.3 Produktvariation
Bei der Produktvariation werden bestehende Produkte am Markt verändert.
Dabei werden bestimmte Eigenschaften gezielt angepasst.
Die Änderungen können sich beziehen auf:
Funktionale Eigenschaften (z. B. Qualität, Haltbarkeit, Material)
Ästhetische Eigenschaften (z. B. Farbe, Verpackung, Form)
Symbolische Eigenschaften (z. B. Marke)
Zusatzleistungen (z. B. Gewährleistung, Service)
Erhöhung des Kundennutzens, indem:
mehr objektive Vorteile oder
mehr subjektive Vorteile für den Kunden geschaffen werden.
Anpassung an veränderte Kundenbedürfnisse
Reaktion auf:
gesetzliche Vorgaben
Maßnahmen der Konkurrenz
Ziel kann auch eine Neupositionierung des Produkts sein
Das bestehende Produkt bleibt erhalten
Es werden gezielt einzelne Eigenschaften verändert
Beispiel:
Ein Joggingschuh wird mit:
neuer Farbe
neuem Material auf den Markt gebracht → Das alte Modell wird dann nicht mehr verkauft
Das Produkt wird stark verändert oder neu gestaltet
bei stagnierenden oder sinkenden Umsätzen reagieren
die Lebensdauer des Produkts verlängern
das Produkt neu im Markt positionieren
Besonders sinnvoll in der:
Reife- oder Stagnationsphase des Produktlebenszyklus
Ein Joggingschuh erhält:
neue Sohlentechnik
neue Materialien
neue Farben → Das alte Modell wird ersetzt durch ein stark verändertes neues Produkt
Das bestehende Produkt bleibt bestehen
Zusätzlich wird ein weiteres Produkt eingeführt
Anpassung an:
verschiedene Marktsegmente
unterschiedliche Zielgruppen
Grundlage: differenziertes Marketing
Ein Cabrio wird zusätzlich zu einem bestehenden PKW-Modell angeboten
Baukastensysteme
Kunden stellen sich Produkte individuell zusammen (z. B. modulare Systeme wie bei Dell)
Value Added Services
Zusätzliche Dienstleistungen erhöhen den Nutzen eines Produkts
Ein Fußballschuh wird in verschiedenen Varianten angeboten:
für Hobbyspieler
für modebewusste Kunden
für Profis
4.1.4 Produktelimination
Unternehmen mit mehreren Produkten müssen regelmäßig prüfen:
Leistet jedes Produkt noch den gewünschten Beitrag zu den Unternehmenszielen?
Ziel ist die Entscheidung:
Soll ein Produkt aus dem Sortiment entfernt werden?
Dafür werden quantitative und qualitative Bewertungskriterien benötigt.
Diese dienen zur Bewertung der Wirtschaftlichkeit eines Produkts:
Umsatz
Marktanteil
Deckungsbeitrag
Gewinn
Rentabilität
Umschlagshäufigkeit
Diese ergänzen die Bewertung und berücksichtigen weitere Einflussfaktoren:
Einfluss auf das Firmenimage
Gesetzliche Vorschriften
Zukünftige Nachfrageentwicklungen
Verbundeffekte mit anderen Produkten
Rohstoffverfügbarkeit
Konjunkturelle Entwicklungen
Technologische Entwicklungen
Gesellschaftliche Entwicklungen
Der Fußballschuh „Predator“ von adidas soll vom Markt genommen werden
Kombination aus quantitativen und qualitativen Kriterien
Umsetzung mithilfe eines Punktbewertungsverfahrens
Problem dabei:
Festlegung von:
Gewichtungen der Kriterien
Grenze, ab der ein Produkt eliminiert wird ist schwierig
Bevor ein Produkt endgültig entfernt wird, müssen zusätzlich betrachtet werden:
Synergieeffekte
-> Hier geht es darum, ob das Produkt andere Bereiche im Unternehmen unterstützt
z. B. Cross-Selling
Das Produkt sorgt dafür, dass andere Produkte mitverkauft werden
Wenn man es entfernt, könnten auch diese Verkäufe zurückgehen
Auslastung von Produktionsanlagen
Das Produkt hilft dabei, Maschinen auszulasten
Ohne das Produkt könnten Maschinen weniger genutzt werden
-> Auch wenn das Produkt selbst vielleicht nicht so gut läuft, kann es indirekt wichtig sein.
Verbundbeziehungen
-> Hier geht es darum, ob das Produkt typischerweise zusammen mit anderen (erfolgreichen) Produkten gekauft wird
z. B. Kauf zusammen mit umsatzstarken Produkten
-> Wenn man dieses Produkt entfernt, könnten Kunden weniger von den eigentlich erfolgreichen Produkten kaufen
Abstimmung mit:
Management
Vertrieb
1. Sofortige Elimination
Produkt wird direkt vom Markt genommen
Beispiel: bei gesundheitlichen Risiken
2. Desinvestitionsstrategie
Geplanter, schrittweiser Rückzug vom Markt
Zeitpunkt
Art und Weise der Elimination
Maßnahmen dabei:
Abverkauf der Restbestände, z. B. durch:
Preisaktionen
direkte Kundenansprache
Abschluss:
nicht verkaufte Bestände werden:
abgeschrieben
vernichtet
4.1.5 Programm- und Sortimentspolitik
4.1.5.1 Begriffe
Ziel ist eine optimale Gestaltung des Produktprogramms bzw. Sortiments.
Unternehmen müssen festlegen:
welche Produkte angeboten werden (inhaltlich)
wie viele davon (Menge)
wann sie angeboten werden (zeitlich)
welche Zusatzleistungen dazugehören
Produktprogramm → Angebot eines Herstellers
Sortiment → Angebot eines Händlers
Produktlinie:
Gruppe von Produkten mit engem Zusammenhang, z. B.:
gleiche Funktion
gleiche Zielgruppe
gleiche Vertriebswege
ähnliche Preisklasse
Im Handel nennt man das:
Warengruppe
Diese beiden Begriffe beschreiben den Aufbau des Angebots.
Die Tabelle zeigt das Produktprogramm am Beispiel von Sportschuhen:
Produktlinien (Programmbreite) links:
Laufschuhe
Fußballschuhe
Sportschuhe
Produkttypen innerhalb einer Linie (Programmtiefe) rechts:
z. B. Wettkampf-, Gelände-, Barfußschuhe
Kinder-, Amateur-, Profischuhe
Outdoor-, Indoorschuhe
👉 Merke:
Breite = Anzahl der Produktlinien (z. B. Laufschuhe, Fußballschuhe)
Tiefe = Varianten innerhalb einer Linie (z. B. Kinder-, Profi-Modelle)
Gibt an, wie viele Produktlinien ein Unternehmen anbietet
Waschmaschinen, Trockner, Kühlschränke usw.
Abhängig von:
der Marketingstrategie
Gibt an, wie viele Varianten innerhalb einer Produktlinie existieren
verschiedene Waschmaschinenmodelle
Unternehmen müssen zusätzlich entscheiden:
in welchem Preis- und Qualitätssegment sie ihre Produkte anbieten
Wichtige Produktlinienentscheidungen
Erweiterung:
nach unten (günstigere Produkte)
oder allgemein Ausweitung
Ein Autohersteller bietet zusätzlich zu Mittelklassewagen ein günstiges Einstiegsmodell an.
neue Zielgruppen ansprechen
Kannibalismus (Produkte konkurrieren im eigenen Unternehmen)
Bestehende Linie wird innerhalb erweitert
Lücken schließen
Wichtig:
keine Erweiterung nach oben oder unten
Zwischen zwei bestehenden Automodellen wird ein weiteres Modell eingeführt, das genau die Preislücke füllt.
Neue Produkte unter bestehender Marke
Vorteile:
Nutzung des bestehenden Markenimages
geringe Kosten
Nachteile:
Gefahr der Imageverwässerung bei zu starker Ausweitung
Eine Schokoladenmarke bringt zusätzlich Kuchen unter dem gleichen Markennamen heraus.
Neue Marke für gleiche Produktlinie
mehr Platz im Handel
Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen
interner Wettbewerb
hohe Kosten
Gefahr von:
geringer Rentabilität
Kannibalisierung
Ein Unternehmen verkauft Katzenfutter unter zwei unterschiedlichen Marken, die jeweils andere Käufer ansprechen.
Komplett neue Angebote
neue Zielgruppen
keine negativen Effekte auf bestehende Marken
Nachteil:
hohe Kosten für Markteinführung
Bsp.:
→ Ein Unternehmen bringt ein alkoholfreies Getränk unter einer völlig neuen Marke auf den Markt.
Durch viele Entscheidungen kann das Produktprogramm:
unübersichtlich
zersplittert werden
👉 Deshalb müssen bei der Planung:
mehrere zusammenhängende Einflussfaktoren berücksichtigt werden
4.1.5.2 Programm- und Sortimentsplanung
Bei der Planung des Produktprogramms/Sortiments gibt es Leitlinien, an denen sich Unternehmen orientieren.
Zusätzlich spielen wirtschaftliche Überlegungen eine wichtige Rolle.
Die Leitlinien der Programm- und Sortimentsgestaltung geben Unternehmen eine Orientierung, nach welchen Kriterien sie ihr Angebot zusammenstellen sollen (z. B. nach Kundenbedarf, Preisniveau oder eigenen Fähigkeiten).
Ihr Zweck ist es, sicherzustellen, dass das Sortiment systematisch geplant wird und sowohl zu den Kundenanforderungen als auch zu den Unternehmensmöglichkeiten passt.
Das Sortiment wird durch das Material der Produkte bestimmt.
Gründe:
Spezialisierung auf bestimmte Materialien (z. B. Textilien)
vorhandene Ressourcen und Fähigkeiten im Unternehmen (z. B. Maschinen, Rohstoffe)
👉 Kernaussage: Das Unternehmen bietet vor allem das an, was es gut herstellen oder verarbeiten kann.
Ausgangspunkt ist der Bedarf der Kunden in einem bestimmten Bereich.
möglichst viele Bedürfnisse einer Zielgruppe abdecken
Beispiele:
Krankenhausbedarf
Campingbedarf
„Alles fürs Auto“
Kernaussage: Das Sortiment wird so gestaltet, dass es ein konkretes Kundenproblem vollständig löst.
Das Sortiment richtet sich nach dem Preisbewusstsein der Kunden.
unterschiedliche Angebote je nach Marktsegment (günstig vs. hochwertig)
👉 Kernaussage: Die Produkte werden so ausgewählt, dass sie zum gewünschten Preisniveau der Zielgruppe passen.
Die Zusammensetzung des Sortiments hängt davon ab, wie erklärungsbedürftig ein Produkt ist.
Unterscheidung:
nicht erklärungsbedürftige Produkte → Selbstbedienung möglich (z. B. Alltagsprodukte)
erklärungsbedürftige Produkte → Beratung notwendig (z. B. Fachhandel)
👉 Kernaussage: Das Sortiment wird danach gestaltet, wie viel Beratung die Produkte benötigen.
Das Sortiment orientiert sich an den Kompetenzen des Unternehmens.
Softwareentwicklung
Motorenbau
👉 Kernaussage: Ein Unternehmen bietet vor allem Produkte an, in denen es fachlich stark ist.
Wirtschaftliche Einflussfaktoren
Neben den Leitlinien bestimmen auch wirtschaftliche Aspekte das Sortiment:
Ertragsmöglichkeiten
abhängig von Art und Höhe der Nachfrage
Kosten
beeinflussen die Preisgestaltung
Deckungsbeiträge
Beitrag eines Produkts zur Kostendeckung
Kapitalbindung
wie viel Kapital im Produkt gebunden ist
Kunden kaufen mehrere Produkte gleichzeitig
Produkte passen zusammen (z. B. Hemd + Schlips)
gemeinsames Angebot im selben Geschäft
👉 Bedeutung:
Unternehmen nehmen gezielt Produkte ins Sortiment auf, um solche Zusatzkäufe zu fördern
Wenn die Zusammensetzung festgelegt ist, unter Berücksichtigung von:
Personal
Raum
Finanzen
→ muss entschieden werden:
Welche zusätzlichen Leistungen angeboten werden sollen
Wie man sich von der Konkurrenz abhebt
4.1.5.3 Planung der programmpolitischen Nebenleistungen
Neben dem eigentlichen Produkt spielen Zusatzleistungen eine wichtige Rolle, da sie den Kundennutzen erhöhen und Kaufentscheidungen beeinflussen können.
Besonders wichtig bei:
hochwertigen
komplexen Produkten
Kann ein entscheidendes Kaufargument sein
Gesetzliche Gewährleistung ist Pflicht
Zusätzliche Garantieleistungen (über das Gesetz hinaus) wirken:
verkaufsfördernd (akquisitorisch)
Dauer der Garantie
Großzügigkeit
Schnelligkeit
Qualität der Abwicklung
👉 Zusammenhang: Gewährleistung ist eng mit dem Kundendienst verbunden
Zusatzleistung nach dem Kauf
reibungsloser Einsatz des Produkts
Erhöhung des Kundennutzens
Technischer Kundendienst
Sicherstellung der Funktionsfähigkeit
z. B. Reparatur, Wartung
Kaufmännischer Kundendienst
Unterstützung beim Kauf und danach, z. B.:
Beratung
Umtauschrechte
Lieferung und Verpackung
Kostenvoranschläge
individuelle Betreuung
Informationsgewinnung
über Produktqualität und Kundenprobleme
Grundlage für:
Produktverbesserungen
Produktvariationen
Produktinnovationen
Aufbau von:
Vertrauen
Kundentreue
führt zu:
größerem Preisspielraum
Kosten schwer kalkulierbar
Festlegung von Preisen für Serviceleistungen schwierig
Auswirkungen auf Umsatz schwer planbar
Stärke der Kundenbindung schwer messbar
Verpackung hat absatzpolitische Wirkung
bietet Nutzen für:
Hersteller
1. Schutz- und Transportfunktion
schützt Produkt
bestimmt Verkaufseinheiten
2. Verkaufsförderung
wirkt als:
Informationsmedium (z. B. Aufschriften)
Kaufanreiz (Design, Farbe, Gestaltung)
kann Qualität symbolisieren
beeinflusst:
Verbrauchsdauer
Wirtschaftlichkeit
Nutzungskomfort
Wiederverwendung
Umweltfreundlichkeit
Recyclingfähigkeit
Verpackung hilft beim:
Markenaufbau
Wiedererkennen von Produkten
Umfasst alle Entscheidungen zu:
Markierung
Namensgebung
Anzahl der Marken
Aufbau von Markenpräferenzen
Abgrenzung zur Konkurrenz
Förderung von:
Absatz
Kundenbindung
Möglichkeit:
unterschiedliche Marktsegmente anzusprechen (z. B. Premium vs. günstig)
Schaffung von:
Preisspielräumen
Werbewirkung
Name
Zeichen
Farben
Verpackung → oft in Kombination eingesetzt
Mehrere Produkte können unter einer Marke zusammengefasst werden → bilden eine Markenfamilie
Produktprogramm und Sortiment müssen regelmäßig geprüft werden:
Entsprechen sie noch den Marketingzielen?
Nebenleistungen = wichtiger Teil der Produktpolitik
Dazu gehören:
Kundendienst
Markenpolitik
Kundennutzen erhöhen
Kaufentscheidung beeinflussen
Kunden binden
Wettbewerbsvorteile schaffen
4.1.6 Produkt- und Programmanalysen
Das Produktprogramm muss regelmäßig an veränderte Umwelt- und Unternehmensbedingungen angepasst werden.
Zentrale Fragen:
Ob Änderungen nötig sind
Wann sie erfolgen sollen
Wie sie umgesetzt werden
Erfolgt mithilfe des Rechnungswesens (Kennzahlen)
Dient der:
kurz- und mittelfristigen Steuerung
👉 Besonders wichtig:
Umsatzentwicklung → Grundlage für weitere Analysen
4.1.6.1 Umsatzstrukturanalyse
Zeigt die Bedeutung einzelner Produkte für den Gesamtumsatz
Betrachtung:
absolute Anteile
relative Anteile am Umsatz
Einteilung der Produkte nach ihrem Umsatzbeitrag:
A-Produkte
wenige Produkte
hoher Umsatzanteil (z. B. 20 % → 70–80 % Umsatz)
B-Produkte
mittlerer Beitrag
C-Produkte
viele Produkte
geringer Umsatzanteil
Identifikation von:
wichtigen Umsatzträgern
eliminationsverdächtigen Produkten
Zeigt:
Kernsortiment
Hinweise auf die Marktsituation
4.1.6.2 Deckungsbeitragsstrukturanalyse
Umsatz allein zeigt nicht den tatsächlichen Erfolg eines Produkts
Ermittlung des Beitrags eines Produkts zur Kostendeckung
Zeigt, wie viel vom Umsatz übrig bleibt für:
Fixkosten
Erstellung einer Rangfolge der Produkte
Bewertung der wirtschaftlichen Bedeutung
Entscheidungen über Programmänderungen
4.1.6.3 Kundenstrukturanalyse
Analyse, wie sich der Umsatz auf:
Aufträge verteilt
Schlüsselkunden (Key Accounts)
Aufdeckung von:
Abhängigkeiten von einzelnen Kunden
Einschätzung:
Risiken bei Kundenverlust
Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn
4.1.6.4 Altersstrukturanalyse
Bei Produkten mit:
schnellen technischen Veränderungen
starken Modetrends
Analyse des Verhältnisses von:
jungen Produkten
alten Produkten
Viele junge Produkte:
sprechen für bessere zukünftige Entwicklung
Viele alte Produkte:
Risiko von Umsatzrückgang
Verbindung zum:
Produktlebenszyklus
Ziel: Anpassung des Produktprogramms
Grundlage: Kennzahlen aus dem Rechnungswesen
Umsatzanalyse → Wer bringt Umsatz?
Deckungsbeitrag → Wer bringt Gewinn?
Kundenanalyse → Wer sind die wichtigsten Kunden?
Altersanalyse → Wie „alt“ ist das Sortiment?
4.2 Kontrahierungspolitik
4.2.1 Begriff
Zur Abbildung:
Die Kontrahierungspolitik umfasst mehrere zentrale Instrumente:
Rabattpolitik
Lieferungs- und Zahlungsbedingungen
Garantien und Kundendienstleistungen
Die Kontrahierungspolitik beinhaltet alle Entscheidungen und Maßnahmen, die sich beziehen auf:
den Preis (Entgelt) eines Leistungsangebots
mögliche Rabatte
Liefer-, Zahlungs- und Finanzierungsbedingungen
Sie hat eine starke akquisitorische Wirkung, da sie direkt mit jedem Kauf verbunden ist.
Im Mittelpunkt steht das Preis-Leistungs-Verhältnis:
Preis = Gegenleistung des Kunden
Leistung = nutzenstiftendes Angebot des Unternehmens, für das der Kunde zahlt
Die Preispolitik ist das wichtigste Instrument innerhalb der Kontrahierungspolitik.
Sie gilt als entscheidender Einflussfaktor für den Absatzerfolg.
Die Preisgestaltung muss mit den anderen Marketinginstrumenten abgestimmt werden, um den gesamten Marketingmix zu optimieren.
4.2.2 Bestimmungsfaktoren der Preispolitik
4.2.2.1 Reaktion der Nachfrage
Preis-Absatz-Funktion
Zeigt, wie sich Preisänderungen auf die Nachfrage (Menge) auswirken.
Grundsätzlich gilt:
Preis steigt → Nachfrage sinkt
Besondere Verläufe
Es sind auch abweichende Reaktionen möglich:
Bei angenommenem Preis-Qualitäts-Zusammenhang kann eine Preiserhöhung die Nachfrage steigern
Ebenso beim Snob-Effekt
Marktsituation
Preis-Absatz-Funktionen sind vor allem auf Massenmärkten bestimmbar.
Bei wenigen Nachfragern entstehen Preise häufig durch Verhandlungen.
Die Preiselastizität misst:
Wie stark die Nachfrage auf Preisänderungen reagiert
Definition:
Verhältnis von:
relativer Mengenänderung (%)
zur relativen Preisänderung (%)
Beispiel
10 % Preissenkung → 50 % Mengensteigerung → Preiselastizität = –5 → elastische Nachfrage
Durch Kenntnis der Preiselastizität kann ein Unternehmen:
die Auswirkungen von Preisänderungen auf den Umsatz berechnen
indem die neue Absatzmenge mit dem jeweiligen Preis multipliziert wird
4.2.2.2 Kostensituation
Die Preisfindung wird wesentlich durch die Kostensituation eines Unternehmens beeinflusst.
Jede Leistungserstellung erfordert den Einsatz von Produktionsfaktoren, die Kosten verursachen.
Die Preise müssen daher langfristig:
alle Kosten decken
und zufriedenstellende Gewinne ermöglichen
Die Höhe der Kosten hängt von mehreren Größen ab, z. B.:
Betriebsgröße
Fertigungsprogramm
Fertigungsprozess
Faktorpreise
Beschäftigungsgrad
Für preispolitische Entscheidungen ist die Unterscheidung zentral:
Variable Kosten
verändern sich mit der Ausbringungsmenge
Fixe Kosten
entstehen unabhängig von der Ausbringungsmenge
bleiben zumindest innerhalb bestimmter Intervalle konstant
Vollkostenrechnung
Berücksichtigt alle anfallenden Kosten (fixe + variable)
Teilkostenrechnung / Deckungsbeitragsrechnung
Die Teilkostenrechnung schaut nicht auf alle Kosten, sondern nur auf die Kosten, die sich durch eine Entscheidung verändern
Das sind in der Regel die variablen Kosten.
Das sind die Kosten, die sich durch eine Preisentscheidung verändern
Wird eingesetzt bei Entscheidungen wie:
Annahme von Zusatzaufträgen (Lohnt sich diese Entscheidung kurzfristig?)
Bestimmung von Preissenkungsspielräumen
Eine Preissenkung führt zu höherer Nachfrage
→ Variable Kosten steigen
→ Fixe Kosten bleiben unverändert
Stell dir vor:
Verkaufspreis: 10 €
Variable Kosten: 6 €
Fixe Kosten: 1.000 € (bleiben gleich)
Ein Kunde will kaufen, aber nur für 8 € pro Stück
Jetzt die Frage: Annehmen oder nicht?
Preis: 8 €
Variable Kosten: 6 € → Deckungsbeitrag = 2 € pro Stück
Das bedeutet:
Du verdienst 2 € zusätzlich pro Stück
Die fixen Kosten bleiben ja sowieso bestehen
👉 Also: Annahme lohnt sich kurzfristig
Auch wenn kurzfristig mit Teilkosten gerechnet wird, gilt:
Langfristig müssen die Preise alle Kosten (Vollkosten) decken
4.2.2.3 Absatzwege
Bei der Preisfestsetzung muss der Absatzweg berücksichtigt werden, insbesondere bei mehrstufigen Absatzkanälen:
➡️ Beispiel: Hersteller → Handel → Kunde
Der Handel (Absatzmittler) reagiert auf die Preispolitik des Herstellers.
Diese Reaktion beeinflusst, wie stark ein Produkt unterstützt und verkauft wird.
Niedriger Endverkaufspreis
Führt in der Regel zu:
hoher Nachfrage der Endkunden
Der Handel erzielt nur geringe Stückgewinne
→ unterstützt die Preispolitik weniger stark
Hoher Endverkaufspreis
geringerer Nachfrage
Vorteil:
Der Handel erzielt höhere Stückgewinne
→ stärkere Verkaufsförderung durch den Handel
Wenn der Handel die Preise selbst festlegen kann:
fügt er eigene Preisaufschläge hinzu
→ der Endverkaufspreis wird vom Handel bestimmt
👉 Konsequenz:
Der Hersteller muss bei seiner Preisfestsetzung berücksichtigen, dass der Handel den Preis weiter erhöht
4.2.2.4 Absatzverbünde
Bei der Preisfindung kann es wichtig sein, dass:
➡️ der Absatz eines Produkts den Absatz eines anderen Produkts fördert
→ das nennt man Absatzverbund (komplementäre Produkte)
In solchen Fällen kann es sinnvoll sein:
den Preis eines Produkts unter die Kosten zu setzen
👉 Begründung:
Das günstigere Produkt steigert den Absatz eines anderen Produkts
→ insgesamt kann dies akquisitorisch vorteilhaft sein
Preise sollten nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit anderen Produkten betrachtet werden
4.2.3 Preisbestimmung
4.2.3.1 Preispolitische Modelle
In der Mikroökonomie werden Modelle zur Bestimmung optimaler Preise entwickelt, z. B. für:
Monopol
Oligopol
Polypol
Diese Modelle liefern zwar didaktisch hilfreiche Erkenntnisse, basieren jedoch auf realitätsfernen Annahmen.
👉 Deshalb:
Sie können reale Preisentscheidungen nicht ausreichend erklären
und werden hier nicht weiter vertieft
4.2.3.2 Kostenorientierte Preisbestimmung
Auch wenn Preise im Markt nicht direkt aus Kosten ableitbar sind, bleiben Kosten ein zentrales Kriterium.
Sie zeigen dem Management:
welchen Preis ein Produkt mindestens erzielen muss,
um Kosten zu decken und
einen geplanten Gewinn zu erreichen
Der Preis soll:
Vollkosten oder zumindest
Teilkosten decken
Die benötigten Informationen stammen aus der Kostenrechnung
Retrograde Kalkulation (vom Preis ausgehend)
Progressive Kalkulation (von den Kosten ausgehend)
→ besonders relevant bei Massen- oder Serienfertigung
– variable Stückkosten = Stückdeckungsbeitrag
× absetzbare Menge = Gesamtdeckungsbeitrag
– fixe Kosten = Gewinn
Es wird zwischen fixen und variablen Kosten unterschieden.
Variable Kosten sind kurzfristig entscheidungsrelevant:
→ bilden die kurzfristige Preisuntergrenze
Langfristig gilt:
Der Preis muss die Vollkosten (inkl. fixe Kosten) decken
Deckungsbeitrag:
Beitrag eines Produkts zur:
Deckung der fixen Kosten
Erzielung von Gewinn
Schwierige Mengenschätzung
Fixkosten sind nicht immer konstant
→ besonders geeignet bei auftragsbezogener Einzelfertigung
Einzelkosten:
direkt einem Produkt/ Auftrag zurechenbar
Gemeinkosten:
nicht direkt zurechenbar
werden über Schlüssel verteilt
Marktfaktoren werden nicht berücksichtigt, z. B.:
Preiselastizität der Nachfrage
Konkurrenzsituation
👉 Folge:
Der berechnete Preis kann am Markt nicht durchsetzbar sein
Besonders problematisch:
Unternehmen mit hohen Kosten
→ riskieren, zu teuer im Vergleich zur Konkurrenz zu sein
4.2.3.3 Konkurrenzorientierte Preisbestimmung
Der Preis wird an den Preisen der Wettbewerber ausgerichtet.
Orientierung erfolgt z. B. an:
dem Preis des Marktführers
oder einem Branchendurchschnittspreis
Es besteht keine feste Verbindung zwischen Preis und eigenen Kosten
Je nach Markt und Produktbeschaffenheit gibt es drei grundlegende Strategien:
Anpassung an den Marktpreis → gleicher Preis wie Konkurrenz
Preisunterbietung (bei gleicher Qualität) → günstiger als Wettbewerber
Preisüberbietung (bei höherer Qualität) → teurer als Wettbewerber
Der Preis wird hier zunächst festgelegt:
unabhängig von
der eigenen Kostensituation
dem Verhalten der Nachfrager
4.2.3.4 Kundenorientierte Preisbestimmung
Der Preis orientiert sich am Verhalten und an den Wertvorstellungen der Kunden
Zentrale Größe ist:
die Zahlungsbereitschaft der Nachfrager
Zahlungsbereitschaft → bestimmt die Preisobergrenze
Reaktion auf Preisänderungen → Preiselastizität
Preisdifferenzierung → unterschiedliche Preise je nach Situation/Kunde
Der wahrgenommene Nutzen kann gesteigert werden durch:
Produktanreicherungen
zusätzliche Funktionen
Serviceleistungen
Wahlleistungen
👉 Effekt:
höhere Zahlungsbereitschaft
geringere Vergleichbarkeit mit Konkurrenzprodukten
Paketpreise → ein Preis für mehrere Leistungen
Nicht-lineares Pricing → Preis hängt von der gekauften Menge ab (z. B. Bonussysteme)
Performance Pricing → Preise für Zwischenhändler abhängig von Kundenzufriedenheit (= Leistungsrabatte)
Bepreisung des Zusatznutzens → Preis orientiert sich am Mehrwert gegenüber der nächstbesten Alternative
Merkmalen und Funktionen, die einen Mehrwert für den Kunden darstellen
Ziel ist es:
dass Kunden bereit sind, mehr zu bezahlen
👉 Übergeordnetes Ziel:
Abschöpfung der Konsumentenrente
Der Preis muss:
mit den Wertvorstellungen der Kunden übereinstimmen
Gleichzeitig gilt:
Der Preis beeinflusst selbst die Wahrnehmung des Werts
👉 Kunden bewerten nicht isoliert den Preis, sondern:
das Preis-Leistungs-Verhältnis
Die Wertschätzung eines Produkts kann sich erst durch den Preis entwickeln
Fitness First:
Monatsbeitrag je nach:
Standort
Ausstattung
Vertragslaufzeit
Preisbeispiele:
44,99 € (Lifestyle-Club)
129,99 € (Black-Label-Club)
👉 zeigt:
unterschiedliche Preise je nach wahrgenommenem Leistungsumfang und Nutzen
4.2.4.1 Abschöpfungspreispolitik (Skimming Pricing)
Gehört zur nachfrageorientierten Preisbestimmung
hoher Einführungspreis in der Anfangsphase
danach schrittweise Preissenkung
Einführungsphase:
hoher Preis
geringe Absatzmengen
hohe Stückkosten
Mit wachsender Markterschließung:
Preis wird sukzessive gesenkt
→ neue Käuferschichten werden erschlossen
Fokus auf Innovatoren:
Kunden, die bereit sind, für Neuheiten hohe Preise zu zahlen
→ schnelle Amortisation der Entwicklungs- und Einführungskosten
= Die Rückgewinnung der zuvor entstandenen Kosten
Die Strategie ist sinnvoll, wenn:
das Segment der Innovatoren ausreichend groß ist
diese preisunempfindlich sind
es sich um:
modische oder
schnell veraltende Produkte handelt
geringe oder keine Wettbewerbsintensität besteht
👉 Daher besonders geeignet für:
Produkte mit hohem Innovations- oder Imagewert
Hohe Deckungsbeiträge zu Beginn
können zur Finanzierung anderer Investitionen genutzt werden
Bei neuen Produkten:
Kunden haben noch keine festen Wertvorstellungen
→ ein hoher Preis kann als Orientierungsmaßstab dienen
Ein hoher Preis wirkt anziehend auf Wettbewerber
→ erhöht die Wahrscheinlichkeit von Markteintritten
4.2.4.2 Penetrationspreispolitik
Einführung eines Produkts mit einem niedrigen Preis
schnelle Erschließung eines Massenmarktes
hohe Marktanteile gewinnen
Niedriger Preis → hohe Nachfrage
→ steigende Absatzmenge
👉 Dadurch entstehen:
Kostendegressionseffekte
Stückkosten sinken, wenn die produzierte Menge steigt
Erfahrungskurveneffekte
Mit steigender Produktionsmenge wird ein Unternehmen effizienter, das führt ebenfalls zu sinkenden Stückkosten
→ führen zu sinkenden Stückkosten
Der niedrige Preis:
schreckt Konkurrenz ab
bildet eine Marktzutrittsschranke für Nachahmerprodukte (Me-too-Produkte)
die Preiselastizität hoch ist → Kunden reagieren stark auf Preisänderungen
eine hohe Wettbewerbsintensität besteht
Längere Amortisationsdauer → Kosten werden langsamer zurückgewonnen
Risiko:
Kunden schließen vom niedrigen Preis auf geringe Qualität
Geringer Preisspielraum
nach unten:
wegen Kostenbegrenzung
nach oben:
weil sich ein niedriger Referenzpreis etabliert
4.2.4.3 Preisdifferenzierungsstrategie
Ein gleiches Produkt wird zu unterschiedlichen Preisen verkauft
Grundlage:
bestimmte Differenzierungskriterien
differenzierte Marktbearbeitung
Damit Preisdifferenzierung funktioniert, müssen erfüllt sein:
Marktaufteilung nach Kriterien, z. B.:
räumlich (→ gleiche Leistung, unterschiedliche Preise je nach Ort)
sachlich (Bahn: 1. vs 2. Klasse)
zeitlich (→ Preis hängt vom Zeitpunkt ab: Frühbucherrabatt bei Flügen)
personell
fehlende Markttransparenz
Trennung der Käufergruppen
kein Weiterverkauf zwischen den Gruppen (kein Zwischenhandel)
→ Unternehmen bestimmt den Preis
a) Individuelle Preisdifferenzierung
Preis wird für jeden Kunden einzeln festgelegt
idealerweise nach dessen Zahlungsbereitschaft
Bsp.: Geschäftskunden erhalten besonderes Angebot
b) Gruppenbezogene Preisdifferenzierung
Preise nach Personengruppen, z. B.:
Alter (studentenrabatt etc.)
Einkommen
c) Regionenbezogene Preisdifferenzierung
unterschiedliche Preise je nach geografischem Markt
z. B. verschiedene Länder (Kino: Versch. Preise je nach Groß- oder Kleinstadt)
→ Kunden wählen selbst die passende Preisvariante
Formen:
Mehr-Personen-Preise → Preis abhängig von der Anzahl der Personen (Familienkaate im Zoo=
Zeitbezogene Differenzierung → Preis variiert nach:
Tageszeit (Happy Hour)
Wochentag
Saison (Hotelbuchungen)
Mengenbezogene Differenzierung → Preis abhängig von der gekauften Menge („3 Stück für 10 €“)
Leistungsbezogene Differenzierung → unterschiedliche Preise für ähnliche Produktvarianten (Economy vs. Business Class)
→ leicht veränderte Produkte zu unterschiedlichen Preisen
iPhone:
verschiedene Modelle (Standard, Pro, Pro Max)
Auto:
Basismodell vs. Vollausstattung
unterschiedliche Zahlungsbereitschaften abschöpfen
Preisbündelung (Price Bundling)
→ mehrere Produkte als Paket
McDonald's Menü:
Burger + Pommes + Getränk günstiger als einzeln
Softwarepakete:
Microsoft Office (Word, Excel, PowerPoint zusammen)
Mehrere Produkte werden zu einem Paketpreis angeboten
Cross-Selling
Nutzung von:
nicht ausgeschöpfter Zahlungsbereitschaft
→ dadurch:
Steigerung des Absatzes
4.2.4.4 Preispolitischer Ausgleich
Der preispolitische Ausgleich verbindet Preispolitik mit Sortimentspolitik.
Die Sortimentspolitik sorgt dafür, dass komplementäre Güter angeboten werden.
Ziel ist es, dass:
geringe Gewinne oder Verluste bei einzelnen Produkten → durch Gewinne anderer Produkte ausgeglichen werden.
Insgesamt muss gelten:
Die Gewinne aus dem Sortiment sind mindestens so hoch, dass Vollkostendeckung erreicht wird.
Simultankompensation: Produkte werden gleichzeitig gekauft.
Sukzessivkompensation: Käufe erfolgen zeitlich versetzt.
Der Ausgleich kann erfolgen über:
einzelne Produkte
Artikelgruppen
Abteilungen
Filialen
→ wichtigste Form im Handel: Artikelausgleich
Ziel ist häufig eine werbliche Wirkung.
Niedrig kalkulierte Produkte (z. B. Sonderangebote):
locken Kunden an
regen zum Kauf eines bestimmten Produkts an
Bei komplementären Gütern:
fördern Sonderangebote zusätzlich den Kauf anderer Produkte
Reaktion der Konkurrenz:
Wenn Wettbewerber ähnlich vorgehen → sinkt der Ausgleichsspielraum
Zeitfaktor:
kurzfristige Maßnahmen → geringere Reaktionsmöglichkeiten der Konkurrenz
besonders geeignet: leicht verderbliche Waren und Saisonartikel
Problemverhalten der Kunden:
Kunden kaufen eventuell nur die Sonderangebote
4.2.5 Konditionenpolitik
Umfasst alle kontrahierungspolitischen Instrumente, die Bestandteil von vertraglichen Vereinbarungen sein können.
Die Konditionenpolitik ist ein Heterogenisierungsinstrument.
Auch wenn Leistungen von Unternehmen vergleichbar sind:
kann über Konditionen eine Differenzierung des Preis-Leistungs-Verhältnisses erreicht werden.
4.2.5.1 Rabattpolitik
Rabatte sind Preisnachlässe, die für bestimmte Leistungen des Abnehmers gewährt werden.
Sie verändern unmittelbar den Preis. → Damit ist die Rabattpolitik ein Instrument der Preisvariation.
Rabatte können eingesetzt werden, um:
den Umsatz zu erhöhen
Kunden zu binden
den Auftragseingang zeitlich zu steuern
Als wesentliche Rabattformen im Sinne prozentualer Preisabschläge lassen sich Funktions-, Mengen-, Zeit- und Treuerabatte unterscheiden.
Werden meist dem Handel gewährt.
Stellen ein Entgelt für übernommene Handelsfunktionen dar, z. B.:
Lagerhaltung
Präsentation der Ware
Beziehen sich auf:
einen einzelnen Auftrag oder
den Umsatz innerhalb einer Periode (→ Bonus)
Begründung:
kostengünstigere Abwicklung größerer oder regelmäßiger Aufträge
Verkaufsfördernde Wirkung:
besonders bei progressiv gestaffelten Rabatten
Kunden tätigen ggf. Zusatzkäufe, um höhere Rabatte zu erreichen
den Bestellzeitpunkt oder
den Abnahmezeitpunkt
Steuerung des Auftragseingangs
bessere Disposition des Auftragnehmers
👉 Zusammenhang:
Zeitüberbrückungsfunktionen → Saison-, Vorausbestellungsrabatte
Ziel: Kundenbindung
Kunden erhalten einen Anreiz,
ihre Waren ausschließlich bei einem Anbieter zu beziehen
Qualitätsfunktionen → Mengen-, Umsatz-, Treuerabatte
Maßgeblich sind die absatzpolitischen Ziele
Analyse des Bestellverhaltens der Kunden
Berechnung von:
Kosteneinsparungen (z. B. weniger kleine Bestellungen)
Erlöseinbußen durch gewährte Rabatte
→ Ziel ist die Bestimmung der optimalen Rabatthöhe
4.2.5.2 Valutierung
4.2.5.3 Liefer- und Zahlungsbedingungen
Bei der Valutierung wird das Rechnungsdatum absichtlich nach hinten verschoben.
Der Kunde hat mehr Zeit zum Bezahlen
Auch Fristen (z. B. für Skonto) starten später
👉 Einfach gesagt: Der Verkäufer gibt dem Kunden mehr Zeit, bevor er zahlen muss.
Lieferbedingungen / Geschäftsbedingungen
Das sind die Regeln eines Kaufvertrags, die festlegen, wie ein Geschäft abläuft.
Sie sorgen dafür, dass alles klar und abgesichert ist
Besonders wichtig ist das im internationalen Handel
Es gibt dafür standardisierte Regeln, die man häufig nutzt:
Diese sind nicht direkt Gesetz, aber werden in der Praxis wie verbindliche Regeln behandelt
Die wichtigsten davon sind die Incoterms (z. B. ex works, fob, cif).
Diese regeln zum Beispiel:
Wer trägt das Risiko beim Transport
Wann geht das Risiko auf den Käufer über
Wann wird man Eigentümer der Ware
Wer zahlt die Transportkosten
👉 Einfach gesagt: Incoterms legen fest, wer was beim Transport organisiert, bezahlt und verantwortet.
Diese regeln, wie und wann der Käufer bezahlt.
Dazu gehört:
Wie gezahlt wird (z. B. Überweisung)
Wann gezahlt werden muss (Fristen)
Wie die Zahlung abgewickelt wird
Ob es Skonto gibt
Skonto bedeutet:
Der Käufer bekommt Rabatt, wenn er früh bezahlt
Zahlung innerhalb von 10 Tagen → Preis wird reduziert
👉 Einfach gesagt: Zahlungsbedingungen legen fest, wie das Geld fließt und wann – und ob man durch schnelles Zahlen sparen kann.
4.2.5.4 Finanzierungsbedingungen
4.2.5.5 Kostenübernahmen
Ein Unternehmen hilft Kunden beim Kaufen, indem es:
ihnen einen Kredit gibt oder
ihnen hilft, einen Kredit zu bekommen
👉 Das richtet sich an Kunden, die etwas kaufen möchten, aber gerade nicht genug Geld haben
Es gibt zwei unterschiedliche Interessen (Konflikt):
1. Marketinginteressen (verkaufen wollen)
Ziel: Mehr verkaufen
Dafür soll es für den Kunden möglichst einfach sein:
wenig Aufwand (wenig Bürokratie)
keine strengen Sicherheiten
lange Zahlungsfristen
geringe finanzielle Belastung
👉 Einfach gesagt: Der Kunde soll leicht und bequem kaufen können, auch auf Kredit.
2. Finanzpolitische Interessen (Geld absichern)
Risikobegrenzung
Sicherung der Finanzkraft
👉 Problem: Diese Ziele stehen im Gegensatz zu den Marketinginteressen.
Marketing: „Möglichst einfach Kredit geben“
Finanzen: „Möglichst sicher und risikoarm bleiben“
Ein Unternehmen bietet dem Kunden zusätzliche Leistungen, ohne sie direkt zu berechnen.
1. Kostenübernahmen
vor allem Werbekostenzuschüsse (Das Unternehmen übernimmt Kosten für Werbung)
Zweck:
Finanzierung von Werbemaßnahmen
können auch:
als preisreduzierende Vergünstigung genutzt werden
2. Sachleistungen
Der Kunde bekommt etwas extra dazu, ohne dafür zu zahlen.
Leistungen in Form von:
Waren
Warenträgern (Displays, Verkaufsständer)
4.2.6 Preisoptik / psychologische Preisgestaltung
Preisoptik ist ein preispolitisches Instrument, das vor allem im Einzelhandel eingesetzt wird.
Es handelt sich um eine optische bzw. psychologische Maßnahme, ohne den tatsächlichen Preis zu verändern.
Produkte sollen günstiger wirken, als sie tatsächlich sind.
Neben der Preisoptik gibt es weitere Maßnahmen:
Hat eine werbliche Wirkung und kann den Kunden beeinflussen.
Schafft eine angenehme Atmosphäre
Kunde soll sich wohlfühlen
möglichst lange im Geschäft bleiben
👉 Hintergrund:
Längere Aufenthaltsdauer → mehr Produktkontakte → höhere Wahrscheinlichkeit für Impulskäufe
Regalfläche:
Je größer die Kontaktstrecke → desto höher die Kaufwahrscheinlichkeit
Regalhöhe:
Produkte auf Augenhöhe werden eher gekauft
Produkte oben oder unten weniger
👉 Hinweis:
Diese Annahmen sind nicht eindeutig empirisch belegt
Musik:
Angenehme Musik soll die Kaufbereitschaft erhöhen
Gerüche (Duftstoffe):
sollen Umsatz steigern
Markenwert erhöhen
Wirkung erfolgt über das limbische System
👉 Auch hier: keine eindeutigen Beweise
Händler müssen Preise auszeichnen mit:
Verkaufseinheit
Vergleichseinheit
Gütebezeichnung
Preisvergleiche ermöglichen
Wettbewerb fördern
Ganze Preise: runde Beträge (z. B. 10 €)
Gebrochene Preise: knapp darunter (z. B. 9,99 €)
👉 Praxis:
Meist werden gebrochene Preise verwendet
👉 Psychologischer Effekt:
9,99 € wirkt günstiger als 10 €
Kunde ordnet Preis eher der niedrigeren Preisstufe zu
👉 Forschung:
Ergebnisse dazu sind nicht eindeutig
👉 Zusatzwirkung:
Preise wirken genau kalkuliert
Preisgünstigkeit wird zusätzlich vermittelt durch:
auffällige Darstellung im Verkaufsraum
Symbole (z. B. Blitze, „Tiefstpreise“)
Begriffe wie:
Sonderangebot
Räumungsverkauf
Schnäppchen
👉 Kunden sehen dies oft als Hinweis auf günstige Preise, ohne sie zu prüfen
Dient dazu, Einfluss auf Endpreise zu behalten
besonders seit Wegfall der Preisbindung (außer bei Büchern)
Kontrolle:
Bundeskartellamt prüft, um „Mondpreise“ zu verhindern
Schüttplatzierungen / Wühltische:
vermitteln den Eindruck von sehr günstigen Preisen
oft kombiniert mit Preisreduzierungen
durch Groß- oder Multipackungen
tatsächlicher Preis ist:
nur durch Berechnung erkennbar
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