(Folie 3) Warum zeigt das Prüfungsbeispiel, dass Emotionen aus mehreren Komponenten bestehen?
Emotion (z. B. Angst) zeigt sich gleichzeitig auf mehreren Ebenen:
• Subjektives Erleben → Unlust, Nervosität
• Motivation → Flucht, Unruhe (auf und ab gehen)
• Expressive Komponente → zittern, Körperhaltung
• Physiologische Komponente → Herzfrequenz ↑, Blutdruck ↑
• Kognitive Komponente → Fokus auf prüfungsrelevante Inhalte, Denken eingeengt
👉 Emotion ist kein einzelnes Gefühl, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Systeme
(Folie 3) Welche Funktion hat Emotion laut Prüfungsbeispiel?
Emotion dient der Anpassung an eine Situation:
• Nützlich:
→ z. B. kognitive Fokussierung auf relevante Inhalte
• Unpassend:
→ z. B. Fluchtverhalten
👉 Emotionen können adaptive und maladaptive Effekte haben
(Folie 5) Was ist eine Emotion laut Arbeitsdefinition (Eder & Brosch, 2024)?
Eine Emotion ist:
• auf ein Objekt ausgerichtete affektive Reaktion
• verbunden mit zeitlich befristeten Veränderungen
• betrifft:
Erleben
Verhalten
(Folie 5) Welche 3 zentralen Merkmale definieren Emotionen?
• Objektbezug
→ Emotion richtet sich auf etwas (z. B. Ereignis, Person)
• Zeitliche Begrenzung
→ Emotion ist nicht dauerhaft
• Mehrere Komponenten
→ Verhalten + subjektives Erleben + Physiologie
(Folie 5) Wie unterscheiden sich Emotion, Stimmung und Gefühl?
• Emotion
→ objektbezogen, zeitlich begrenzt, mehrere Komponenten
• Stimmung
→ kein klarer Objektbezug, länger anhaltend, weniger intensiv
• Gefühl
→ nur subjektives Erleben (z. B. Unlust)
👉 Im Alltag oft synonym verwendet
(Folie 6) Welche zwei grundlegenden Ansätze gibt es zur Strukturierung von Emotionen?
• Diskrete Ansätze
→ wenige Basisemotionen
• Dimensionale Ansätze
→ Emotionen auf Dimensionen eingeordnet
(Folie 7) Was sind Basisemotionen im diskreten Ansatz?
Basisemotionen sind Emotionen, die:
• angeboren sind
• bei allen Menschen auftreten
• klaren Ausdruck im Verhalten haben
• spezifische physiologische Muster erzeugen
(Folie 7) Welche Emotionen werden fast immer als Basisemotionen genannt?
• Furcht
• Ärger
• Traurigkeit
• Freude
(Folie 7) Warum gibt es unterschiedliche Listen von Basisemotionen?
• Kriterien werden nicht einheitlich angewendet
→ unterschiedliche Theorien → unterschiedliche Listen
👉 Trotzdem Überschneidung bei Kernemotionen
(Folie 8) Wie funktionieren dimensionale Ansätze von Emotionen?
Emotionen werden als Position auf Dimensionen beschrieben:
• Gegensatzpaare (bipolar)
• keine einzelnen Emotionen, sondern Grunddimensionen
(Folie 8) Welche Dimensionen schlägt Wundt (1905) vor?
• Lust ↔ Unlust
• Erregung ↔ Beruhigung
• Spannung ↔ Entspannung
(Folie 9) Was sind die zwei Hauptdimensionen im Circumplexmodell?
• Valenz → angenehm vs. unangenehm
• Erregung (Arousal) → aktiviert vs. ruhig
(Folie 9) Wie ordnet das Circumplexmodell Emotionen an?
• kreisförmig
• Emotionen liegen in gleichmäßigen Abständen
• Kombination aus Valenz + Erregung bestimmt Position
👉 z. B.:
• hohe Erregung + negative Valenz → Angst
• niedrige Erregung + positive Valenz → Ruhe
(Folie 11) Welche fünf Komponenten umfasst das Komponentenmodell der Emotion?
Emotion besteht aus fünf Komponenten:
• Erleben → subjektive Gefühle
• Kognition → Einschätzung, Bewertung
• Physiologie → körperliche Aktivierung
• Motivation → Handlungsbereitschaft
• Ausdruck → Mimik, Stimme
👉 Alle Komponenten beziehen sich auf ein persönlich relevantes Ereignis
(Folie 11) Was zeigt das Komponentenmodell über das Zusammenspiel von Emotionen?
• Emotion ist ein multikomponentiales System
• Komponenten wirken zusammen, nicht isoliert
👉 Emotion entsteht durch das Zusammenspiel aller Prozesse
(Folie 12) Was ist das subjektive Erleben in der Emotion?
• Individueller, subjektiver Erlebniseindruck
• entspricht dem Gefühl
(Folie 12) Wie wird subjektives Erleben gemessen (Introspektion)?
• Selbstbericht durch Beobachter
Probleme:
• geringe Generalisierbarkeit & Reliabilität
• individuelle Unterschiede in Emotionsbegriffen
• Verzerrung durch Sprache
• soziale Erwünschtheit
(Folie 12) Was sind Emotions-Adjektiv-Listen und ihr Problem?(Folie 12) Was sind Emotions-Adjektiv-Listen und ihr Problem?
• Verfahren mit sprachlich vorgegebenen Begriffen
Problem:
• Verzerrung durch sprachliche Vorgaben
(Folie 13) Welche Eigenschaften haben Ratingskalen zur Emotionsmessung?
• einfach
• reliabel
Aber:
• können sprachgebunden oder sprachfrei sein
(Folie 13) Welche Arten von Ratingskalen werden verwendet?
(laut Abbildung)
• Likert-Skalen
• visuelle Analogskalen
• semantisches Differential
• Gesichtsskalen (Smiley-Skalen)
👉 unterscheiden sich v. a. in Darstellung und Sprachbindung
(Folie 14) Welche drei Dimensionen beschreiben subjektives Erleben?
• Valenz → Wohlgefallen (Lust ↔ Unlust)
• Arousal → Erregung (aktiviert ↔ ruhig)
• Dominanz → Gefühl von Kontrolle / Stärke
(Folie 14) Was ist das Self-Assessment Manikin (SAM)?
• sprachfreies Verfahren
• zeitsparend
• misst:
Valenz
Arousal
Dominanz
👉 visuelle Figuren statt Sprache
(Folie 15) Was ist das International Affective Picture System (IAPS)?
• Sammlung von über 800 Bildern
• standardisiert bewertet mit SAM
(Folie 15) Welche Dimensionen werden bei IAPS gemessen?
• Valenz
• Arousal
• (Dominanz optional)
(Folie 15) Was zeigt das Diagramm zu Valenz und Arousal?
• Zusammenhang zwischen emotionaler Bewertung (Valenz)
und Erregung (Arousal)
👉 Emotionen lassen sich entlang dieser Dimensionen systematisch einordnen
(Folie 16) Was beschreibt die motivationale Komponente von Emotion?
• beeinflusst Verhalten
• ist von außen beobachtbar
👉 Emotion zeigt sich in Handlungsbereitschaft
(Folie 16) Warum ist motivationale Emotion gut erkennbar?
• selbst bei reduzierten Informationen gut interpretierbar
Beispiel:
• Körperbewegungen (Gewinner vs. Verlierer im Stadion)
👉 Verhalten liefert klare Hinweise auf Emotion
(Folie 17) Was zeigt die Studie von Walk & Homan (1984)?
• Bewegung dargestellt durch 12 Punkte an Gelenken
Ergebnis:
• Emotionen und Tanzstile gut erkennbar
👉 Emotion kann aus minimalen Bewegungsinformationen erkannt werden
(Folie 17) Wie gut können Emotionen aus Bewegung erkannt werden?
• hohe Trefferquote (z. B. > 71 % bei Tanzstilen)
👉 Motorik ist ein starker Hinweis auf Emotion
(Folie 17) Was ist die zentrale Aussage zur Verhaltenskomponente?
• Emotionen sind über Bewegung gut erkennbar
• auch bei wenig Information
(Folie 18) Was umfasst die expressive Komponente von Emotion?
• Mimik
• Stimme
👉 wichtig für nonverbale Kommunikation
(Folie 18) Wie gut werden Emotionen über Mimik erkannt?
• grundsätzlich zuverlässig
• hohe Übereinstimmung über Kulturen hinweg
(Folie 18) Welche Einschränkung gibt es bei der Emotionserkennung?
• Erkennung ist interkulturell gefärbt
👉 nicht vollständig universell
(Folie 19) Was ist das Facial Action Coding System (FACS)?
• Kategoriensystem zur Analyse von Mimik
• erfasst alle sichtbaren Gesichtsbewegungen
(Folie 19) Was ist das Ziel von FACS?
• reliable Kodierung von Gesichtsausdrücken
👉 standardisierte Erfassung von Emotion über Mimik
(Folie 19) Welche Einschränkung hat FACS (indirekt aus Folienkontext)?
• erfasst nur sichtbare Bewegungen
👉 keine verdeckten Muskelreaktionen (→ kommt später bei EMG)
(Folie 20) Wie wird Mimik physiologisch gemessen?
• über Elektromyogramm (EMG)
• Messung von Gesichtsmuskeln:
Corrugator (Stirn)
Zygomaticus (Wange)
(Folie 21) Was zeigt die Studie von Dimberg et al. (2002) zum EMG?
• EMG misst Muskelaktivität bei:
happy faces
angry faces
sogar bei Instruktion: „keine Mimik zeigen“
👉 Muskelreaktionen treten trotz Unterdrückung auf
(Folie 21) Was ist der entscheidende Vorteil von EMG gegenüber FACS?
• EMG erkennt verdeckte Muskelreaktionen
• FACS erkennt nur sichtbare Bewegungen
👉 EMG ist sensitiver
(Folie 22) Welche peripheren physiologischen Veränderungen gehören zu Emotionen?
• Herzfrequenz
• Blutdruck
• Durchblutung
• Hautleitfähigkeit (Schweiß)
(Folie 22) Welche Funktion haben physiologische Veränderungen bei Emotion?
• versetzen den Organismus in Verhaltensbereitschaft
👉 Anpassung an Umweltsituation
(Folie 22) Warum sind einzelne physiologische Maße problematisch?
• geringe Trennschärfe
👉 einzelne Werte zeigen keine klare Emotion
(Folie 22) Was zeigt Ekman et al. (1983) zu physiologischen Mustern?
• erst die Kombination mehrerer Veränderungen ergibt ein klares Bild
👉 Emotion = Muster, nicht Einzelwert
(Folie 23) Wie werden zentralnervöse emotionale Prozesse gemessen?
• fMRT
• PET
• EEG
(Folie 23) Welche Hemisphärenunterschiede gibt es bei Emotionen?
• links-frontal → positive Emotionen + Annäherung
• rechts-frontal → negative Emotionen + Rückzug
(Folie 23) Wie strikt ist die Hemisphärentrennung?
• nur eine Tendenz, keine klare Trennung
(Folie 24) Welche zwei Verarbeitungswege beschreibt LeDoux?
• Low Road (direkt)
schnell
ungenau
grob
affektiv
• High Road (indirekt)
langsam
genau
kognitiv
(Folie 24) Warum ist die Low Road funktional, aber fehleranfällig?
• ermöglicht schnelle Reaktion
• kann unangemessene Emotionen auslösen
(z. B. Angst vor ungefährlicher Blindschleiche)
(Folie 24) Wie wirken Low und High Road zusammen?
• zuerst schnelle emotionale Reaktion (Low Road)
• danach kognitive Überprüfung (High Road)
👉 kann zu Korrektur der Reaktion führen
(Folie 25) Welche kognitiven Prozesse werden durch Emotion beeinflusst?
• Aufmerksamkeit
• Gedächtnis
• Denken
• Wahrnehmung
(Folie 25) Was beschreibt der „Tunnelblick“ bei Emotion?
• verengte Aufmerksamkeit
• Fokus auf Details
👉 führt zu:
• besserem Detailgedächtnis (bei emotionalen Reizen)
(Folie 25) Was zeigt die Stroop-Studie von Hänze (1997)?
• kleinerer Stroop-Effekt bei depressiven Personen
→ Interpretation:
• mehr kontrolliertes, weniger automatisches Verarbeiten
• erklärt durch Tunnelblick
(Folie 26) Was bedeutet Emotionskohärenz?
• beschreibt den Zusammenhang zwischen Emotionskomponenten
• starkes Gefühl → starke körperliche Reaktion?
👉 Frage: Wie stark hängen die Komponenten zusammen?
(Folie 26) Welche fünf Arten von Emotionsreaktionen wurden unterschieden?
• Kognitive Reaktionen → Wahrnehmen, Erinnern
• Urteile → Präferenzen, Risikoeinschätzung
• Verhaltensreaktionen → Mimik, Reaktionsgeschwindigkeit
• Gefühlsreaktionen → subjektives Erleben
• Physiologische Reaktionen → Herzrate, Hautleitfähigkeit
(Folie 26) Was ist das zentrale Ergebnis von Lench et al. (2011)?
• nur loses Zusammenspiel der Komponenten
👉 keine starke Kopplung zwischen:
• Verhalten
• Physiologie
• Kognition
(Folie 26) Was bedeutet das Ergebnis für das Verständnis von Emotion?
• Emotion ist kein einheitlich synchrones System
• Komponenten können unabhängig variieren
👉 wichtig:
• starkes Gefühl ≠ automatisch starke Körperreaktion
(Kapitelüberblick) Was ist die wichtigste Kernaussage zum Komponentenmodell?
• Emotion besteht aus mehreren Komponenten
• diese sind:
nicht vollständig gekoppelt
wirken aber gemeinsam
👉 Emotion = koordiniertes, aber lockeres System
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