Welche Merkmale kennzeichnen ein Unternehmen aus realwirtschafllicher und
finanzwirtschaftlicher Sicht?
• Realwirtschaftlich: Ressourcenverfügbarkeit (Vermögen, Wissen), Arbeitsteilung, Abhängigkeit von der Umwelt, Leistungserstellung und -vermarktung zur Fremdbedarfsdeckung
• Finanzwirtschaftlich: Vermeidung von Zahlungsunfähigkeit/Misserfolg, Monetarisierung des Erfolgs, Abbildung durch Rechnungswesen und Finanzwesen.
Welche Unternehmensumwelten lassen sich unterscheiden? Erläutern Sie diese
Umwelten kurz.
Makroumwelt: Ökonomische Faktoren oder technologische / politische Entwicklung
Branchenumwelt: Wettbewerber, Kunden
Was bedeutet Shareholder- und Stakeholder-Value-Orientierung?
Die Shareholder-Value-Orientierung bedeutet, dass sich ein Unternehmen hauptsächlich
an den Interessen der Eigentümer bzw. Anteilseigner (Shareholder) orientiert.
Ziel ist es, den Unternehmenswert und den Gewinn langfristig zu maximieren, damit die
Kapitalgeber eine möglichst hohe Rendite erhalten.
Die Stakeholder-Value-Orientierung bedeutet, dass ein Unternehmen die Interessen aller
Anspruchsgruppen berücksichtigt und ausgleicht, um den langfristigen Unternehmenserfolg
zu sichern. (Intern Eigentümer, sowie Extern Kunden)
Erläutern Sie kurz die Annahmen und die wesentlichen Aussagen der Principal-Agent-Theorie!
Die Prinzipal-Agent-Theorie (Principal-Agent-Theory)
analysiert Vertragsbeziehungen, bei denen ein Auftraggeber (Prinzipal) Aufgaben an einen Auftragnehmer (Agent) überträgt. Aufgrund von Informationsasymmetrien – der Agent weiß oft mehr als der Prinzipal – und unterschiedlicher Interessen kann der Agent eigennützig handeln. Ziel ist die optimale Vertragsgestaltung, um dieses Verhalten zu minimieren.
Zentrale Annahmen sind:
• Unterschiedliche Interessen: Principal und Agent verfolgen oft eigene Ziele, die nicht
vollständig übereinstimmen.
• Informationsasymmetrie: Der Agent besitzt mehr Informationen über sein Handeln als
der Principal.
• Begrenzte Kontrollmöglichkeiten: Der Principal kann das Verhalten des Agents nicht
vollständig überwachen.
Aus diesen Annahmen ergeben sich typische Probleme:
• Der Agent kann eigennützig handeln und Entscheidungen treffen, die nicht im
Interesse des Principals liegen.
• Dadurch entstehen Kontroll- und Anreizprobleme.
• Unternehmen müssen daher Kontrollmechanismen und Anreizsysteme (z. B. Verträge, Vergütungssysteme, Überwachung) einsetzen, um das Verhalten des Agents stärker an den Interessen des Principals auszurichten.
Was versteht man unter dem Begriff “Unternehmenskultur"?
Die Unternehmenskultur bezeichnet die Gesamtheit gemeinsamer Werte, Normen und
Einstellungen innerhalb eines Unternehmens, die das Denken, Verhalten und die
Entscheidungen der Mitglieder der Organisation prägen
Erläutern Sie kurz die Elemente des Modells der Unternehmenskultur von
Schein!
Nach Schein besteht Unternehmenskultur aus…
Artefakten -> sichtbare Kultur
Werten und Normen -> bewusste Regeln
Annahmen -> tief verankerte Überzeugungen
…die gemeinsam das Verhalten im Unternehmen beeinflussen.
Welche Arten von Unternehmenskulturen unterscheiden Deal/Kennedy?
Erläutern Sie kurz, welche Formen der Diversifikation unterschieden werden können!
Horizontal: Selbe Wertschöpfungsebene, aber neue, ähnliche Produkte
Vertikal: Entlang der Wertschöpfungskette. Bsp.: Möbelhersteller öffnet eigene Filialen und verkauft nicht mehr ausschließlich B2B.
Lateral: Völlig neues Geschäftsmodell. Bsp.: IKEA baut plötzlich Autos
Durch welche Merkmale ist ein Wettbewerbsvorteil gekennzeichnet?
• Kundennutzen
Der Wettbewerbsvorteil muss für den Kunden einen besonderen Wert bzw. ein
besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.
• Wahrnehmbarkeit
Der Vorteil muss von den Kunden erkannt und als wichtig angesehen werden.
• Dauerhaftigkeit
Der Vorteil muss gegenüber der Konkurrenz bestehen bleiben und darf nicht
leicht imitierbar sein.
• Wirtschaftlicher Vorteil
Der Wettbewerbsvorteil führt dazu, dass die Zahlungsbereitschaft der Kunden langfristig die Kosten des Angebots übersteigt.
Erläutern Sie kurz die generischen Wettbewerbsstrategien nach Porter!
Stiftet besonderen Wert für Kunden (Preis-Leistungsvorteil)
weißt dauerhaft Unterschiede zur Konkurrenz auf, weckt die Zahlungsbereitschaft
übersteigt dauerhaft die Kosten des Leistungsangebots.
Was ist eine Outpacing-Strategie?
Die Outpacing-Strategie ist eine Wettbewerbsstrategie, bei der ein Unternehmen Kostenführerschaft und Differenzierung kombiniert, um gegenüber Wettbewerbern sowohl kostengünstiger als auch leistungsstärker zu sein.
Was sind Porters Five Forces und wozu dienen sie?
Wettberwerbskräfte nach Porter (Five Forces):
Analyse der Branchenattraktivität durch..
Rivalität der Wettbewerber
Neue Anbieter
Lieferantenmacht
Abnehmermacht
Ersatzprodukte
Anwendung: Sinnvoll zur Bewertung der Marktattraktivität und Wettbewerbsintensität
Was ist unter Skalen-, Verbund- und Erfahrungskurveneffekte zu verstehen?
Skaleneffekte: Kosten sinken bei höherer Menge
Verbundeffekte: Kostenersparnis durch gemeinsame Nutzung
Erfahrungskurve: Kosten sinken durch Lernen und Erfahrung
Welche grundsätzlichen Überlegungen liegen der Entwicklung einer Differenzierungsstrategie zu Grunde?
Die Differnezierungsstrategie zielt darauf ab, durch einzigartige Produktmerkmale (Qualität, Design) einen überdurchschnittlichen Kundennutzen zu schaffen, der einen Preisaufschlag (Premiumpreis) rechtfertigt und die Markentreue erhöht.
-> USP - unique selling point
Grenzen Sie die formale und informale Organisation voneinander ab.
Formale Organisation: Offiziell festgelegte, schriftlich geregelte Unternehmensstruktur.
Informale Organisation: Spontan entstehende Beziehungen und Kommunikationsstrukturen zwischen Mitarbeitenden.
Erläutern Sie kurz das Prinzip des organisatorischen Gleichgewichts sowie das damit verbundene Substitutionsgesetz!
Das organisatorische Gleichgewicht beschreibt das Zusammenspiel von Organisation, Disposition und Improvisation, um Stabilität und Flexibilität sicherzustellen.
Das Substitutionsgesetz besagt, dass mit zunehmender Wiederholung von Aufgaben Improvisation durch Disposition und später durch feste organisatorische Regeln ersetzt wird.
Was ist unter Outsourcing zu verstehen und welche Ziele werden damit verfolgt? Nennen Sie die damit verbundenen Vorteile und Nachteile!
Outsourcing bezeichnet die Auslagerung von Unternehmensaufgaben an externe Dienstleister, um z. B. Kosten zu senken, Know-how zu nutzen und sich auf Kernkompetenzen zu konzentrieren.
Vorteile sind u. a. Kostentransparenz und Expertenwissen.
Nachteile können Know-how-Verlust, Abhängigkeit und zusätzliche Kosten sein.
Grenzen Sie operatives und strategisches Controlling voneinander ab.
Während das strategische Controlling langfristig die Erfolgspotenziale sichert (“Effektivität”),
fokussiert sich das operative Controlling auf die kurzfristige Steuerung von Wirtschaftlichkeit und Liquidität innerhalb des laufenden Geschäftsjahres (“Effizienz”).
Eine wichtige Funktion des Controllings ist unter anderem die Rationalitätssicherung der Führung. Beschreiben Sie diese Controlling-Funktion ausführlich!
Stellen Sie dabei die Aufgaben des Controllings und die damit verbundenen Voraussetzungen dar. Geben Sie hierzu sinnvolle Beispiele an.
1. Was ist Rationalitätssicherung?
Die Rationalitätssicherung basiert auf der Erkenntnis, dass Manager keine „perfekten Entscheider“ sind. Sie haben begrenzte Kapazitäten und eigene Interessen. Das Controlling fungiert hier als Kontrollinstanz, die sicherstellt, dass Entscheidungen zweckorientiert, logisch und nachvollziehbar getroffen werden. Es geht darum, das „Bauchgefühl“ durch „Zahlen und Fakten“ zu ergänzen oder zu korrigieren.
2. Die zwei zentralen Problemfelder (Ursachen)
Das Controlling greift ein, wenn die Rationalität durch zwei Arten von Barrieren gefährdet ist:
Könnensbeschränkungen (Kognitive Grenzen):
Der Manager ist überfordert, hat unvollständige Informationen oder unterliegt Denkfehlern (z. B. Optimismus-Falle).
Aufgabe Controlling: Informationsversorgung. Es liefert die notwendigen Daten und Analysen, um das Wissen des Managers zu vervollständigen.
Wollensbeschränkungen (Interessenkonflikte):
Der Manager handelt eigennützig oder im Interesse seiner eigenen Abteilung, statt im Sinne des Gesamtunternehmens (z. B. ein Prestige-Projekt).
Aufgabe Controlling: Transparenzschaffung. Es macht die Konsequenzen von Entscheidungen sichtbar, sodass Fehlverhalten auffällt.
3. Aufgaben des Controllings in diesem Prozess
Um die Rationalität zu sichern, muss der Controller aktiv werden durch:
Methodische Unterstützung: Bereitstellung von Tools (z. B. Investitionsrechnungen, Wirtschaftlichkeitsanalysen).
Kritische Reflexion: Als „Sparringspartner“ oder „Advocatus Diaboli“ Pläne des
Managements hinterfragen.
4. Voraussetzungen für den Erfolg
Damit Rationalitätssicherung gelingen kann, müssen folgende Punkte erfüllt sein:
Unabhängigkeit des Controllers: Er darf nicht weisungsgebunden vom zu kontrollierenden Manager sein.
Akzeptanz: Das Management muss das Controlling als Partner verstehen, nicht als
„Unternehmenspolizei“.
Datenqualität: Nur korrekte und aktuelle Daten ermöglichen eine rationale Analyse.
Praxis-Beispiel für die Klausur
Szenario: Ein Marketingleiter möchte ein extrem teures Werbeevent in St. Moritz veranstalten (Wollensbeschränkung: Prestige). Eingriff Controlling: Der Controller fordert eine Nutzen-Kosten-Analyse und vergleicht das Event mit günstigeren Alternativen (Könnensbeschränkung: Aufzeigen von Alternativen). Durch die Transparenz der Kosten und des geringen erwarteten Mehrwerts wird die Entscheidung rationalisiert (entweder abgesagt
oder effizienter geplant).
Erläutern Sie kurz anhand von Beispielen das Spannungsfeld zwischen Informationsangebot, -nachfrage und -bedarf!
Bereich 1 (Das Ziel): Die perfekte Übereinstimmung. Alles, was objektiv gebraucht wird (Bedarf), wird vom Mitarbeiter gewollt (Nachfrage) und vom System geliefert (Angebot).
Bereiche 2, 3, 7 (Ballast/Overload): Informationen, die zwar da sind oder gewollt werden, aber für die Aufgabe nicht nötig sind (objektiver Bedarf fehlt).
Bereiche 4, 5, 6 (Informationslücken): Informationen, die objektiv für die Aufgabe notwendig wären, aber entweder nicht angeboten oder nicht nachgefragt werden.
Kreis oben Links = Informationsangebot - Dieser Kreis wird von den vorhandenen Instrumenten (IT-Systeme, Datenbanken, ERP-Software) bestimmt. Es ist das, was technisch machbar ist.
Der Kreis oben rechts = Informationsnachfrage - Bedeutung: Dieser Kreis wird durch das Verhalten und die subjektive Wahrnehmung des Menschen bestimmt. Was glaubt der Manager zu brauchen? Was ist er gewohnt abzufragen?
Der Kreis unten = Informationsbedarf - Bedeutung: Dieser Kreis wird rein durch das sachliche Problem oder die Aufgabe definiert. Was ist objektiv nötig, um die Aufgabe zu lösen? (Völlig egal, ob die IT das kann oder der Mensch das will).
Was wird unter Aufbau- und Ablauforganisation verstanden?
Aufbauorganisation:
Die Aufbauorganisation beschreibt die strukturelle Gliederung eines Unternehmens. Sie teilt Aufgaben in Stellen, Abteilungen und Hierarchien auf und ordnet sie zu.
Bei der Aufgabenanalyse wird die Gesamtaufgabe des Betriebes in Teilaufgaben unterteilt.
Bei der Aufgabensynthese werden die Teilaufgaben zu Einheiten verbunden, die verknüpft miteinander die organisatorische Struktur eines Betriebes bilden.
Ablauforganisation:
Die Ablauforganisation befasst sich mit den Arbeitsabläufen innerhalb der betrieblichen Struktur. Sie ordnet ein, wie Abläufe und Tätigkeiten miteinander verbunden und ausgeführt werden können.
Auch sie baut auf der Aufgabensynthese auf und folgt ebenfalls einem Analyse-Synthese-Konzept.
Geben Sie einen Überblick über grundsätzliche Möglichkeiten zur Realisierung von Kostenvorteilen!
Skaleneffekte: Menge hoch -> Stückkosten runter. Bsp.: Kapazität eines Autowerks werden ausgenutzt und es werden 1000 statt 100 Autos produziert.
Verbundeffekte: Gemeinsame Produktion günstiger. Bsp.: Molkerei kann in der gleichen Anzahl von Schritten auch noch Butter parallel zu Käse herstellen.
Erfahrungskurveneffekte: Je öfter man etwas produziert, desto kosteneffizienter, da Prozesse optimiert werden.
Was bedeutet Effizienz?
Effizienz ist Wirtschaftlichkeit.
Verhältnis vom Ergebnis zu eingesetzten Ressourcen.
Bsp.: Ein MA löst 5 Aufgaben pro Tag statt 2, bei gleichem Qualitätsniveau
Was bedeutet Effektivität?
Effektivität ist Wirksamkeit. Das Ziel erreichen.
Bsp.: Ein Produkt liefert das, was Kunden erwarten.
Was bedeutet Input?
Ressourcen, die in einen Prozess hineinfliessen.
Bsp.: Arbeitsstunden, Rohstoffe
Was bedeutet Output?
Das direkte Ergebnis eines Prozesses.
Bsp.: 10 produzierte Einheiten.
Was bedeutet Outcome?
Die Wirkung des Outputs, bspw. beim Kunden.
Bsp.: Kundenzufriedenheit
Was ist ein Formalziel und was ist ein Sachziel?
Formalziel: Ein übergeordnetes, wirtschaftliches Ziel.
Bsp.: Gewinn oder Rentabilität steigern
Sachziel: Das konkrete Inhaltsziel.
Bsp.: Optimierung des Produkts bis zum Ende des Monats
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