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Akutes Koronarsyndrom (DGK)

LE
by Leon E.

Akutes Koronarsyndrom - Klinik und Diagnostik


  • Schildern Sie den diagnostischen Pfad, wenn Ihnen ein Patient mit V.a. ACS in der Notaufnahme vorgestellt wird? Welche Erstmaßnahme muss unbedingt schnellstmöglich erfolgen?

  • Welche Klinik sollte Sie an ein ACS denken lassen? Wie ist die stabile AP definiert? Wie ist die instabile AP definiert? Welche Begleitsymptome sind denkbar?

  • Kennen Sie die CCS-Klassifikation? Wozu dient Sie und wie erfolgt die Einteilung?


Patient mit typischen pektanginösen Beschwerden bzw. Zuweisung bei V.a. ACS:

  1. Wenn ein Patient Anzeichen/Symptome hat, die auf ein ACS hindeuten, führen Sie innerhalb von 10 Minuten nach Erstkontakt (!) ein 12-Kanal EKG durch und erheben die Vitalparameter (klinisch stabil vs. instabil).

  2. Arbeitsdiagnose: STEMI oder NSTE-ACS (= Pat. mit akutem Brustschmerz oder Brustschmerz-äquivalenten Anzeichen/Symptomen mit oder ohne ST-Hebungen im EKG.

  3. Weitere Untersuchungen: hs-cTn-Werte ± Angiographie ± Bildgebung (Echo)

  4. Endgültige Diagnose: STEMI, NSTEMI, instab. AP, Nicht-ACS Diagnose


ACS-Symptomatik

  • Obligat: Instabile Angina pectoris (AP)

    • Lang anhaltende Beschwerden (> 20 Min.)

    • Erstauftreten (De-novo-Angina)

    • Jede Angina pectoris nach stattgehabtem Myokardinfarkt

    • Entwicklung aus einer stabilen AP heraus möglich, dann durch Zunahme der Beschwerden charakterisiert (Crescendo-Angina)

  • Angina-Äquivalente

    • Dyspnoe

    • epigastrische Schmerzen

    • Schmerzen im linken/rechten Arm oder Hals/Kiefer

  • Mögliche Begleitsymptome

    • Vegetative Reaktionen (Schwitzen, Übelkeit/Erbrechen, Angst/Agitation)

    • Zeichen der akuten Herzinsuffizienz

      • Atemnot, Schwindel, Bewusstseinsstörung

      • Feuchte Rasselgeräusche, Hypotension

      • Gräuliches Hautkolorit, periphere Minderperfusion, Kaltschweißigkeit

    • Herzrhythmusstörungen

      • Herzrasen, Palpitationen

  • Stabile Angina pectoris

    • Reproduzierbare Symptomatik einer AP ohne Anhalt für klin. Progredienz

      • Auslöser: Psychische oder körperliche Belastung

      • Kälteexposition

      • Geblähter Magen (Roemheld-Syndrom)

    • Verlauf: Beschwerden klingen i.d.R. nach kurzer Zeit (ca. 10 Min.) oder ggf. nach Gabe von Nitroglycerin innerhalb von 2 Min. ab.


CCS-Klassifikation

  • = Stadieneinteilung der stabilen Angina pectoris (Canadian Cardiovascular Society)

    • Grad 0 - Asymptomatische Ischämie

    • Grad I - Beschwerden bei schwerer körperlicher Belastung

    • Grad II - Geringe Symptomatik bei normaler körperlicher Aktivität

    • Grad III - Erhebliche Symptomatik bei normaler körperlicher Aktivität

    • Grad IV - Beschwerden bereits bei geringer Belastung und/oder in Ruhe


Akutes Koronarsyndrom - Klinik und Diagnostik


  • Was sind die wichtigsten Differentialdiagnosen beim Leitsymptom “Thoraxschmerz”?

  • Welche weiteren Differentialdiagnosen kommen Ihnen in den Sinn?

  • Was ist der Marburger-Herzscore und wofür kann er nützlich sein?


  • “Big Five” bei Thoraxschmerz (= wichtigsten und bedrohlichste Differentialdiagnosen)

    1. Akutes Koronarsyndrom (ACS)

    2. Lungenarterienembolie (LAE)

    3. Spannungspneumothorax

    4. Akutes Aortensyndrom/Aortendissektion

    5. Boerhaave-Syndrom

      ————————————————————————————

    6. Perikardtamponade

      ————————————————————————————

  • Marburger Herzscore

    -> Scoring System bei Thoraxschmerz zur Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer zugrunde liegenden stenosierenden KHK auf hausärztlicher Versorgungsebene


Punktzahl

  • Alter (♂ ≥55 Jahre; ♀ ≥65 Jahre)

1

  • Anamnestisch vaskuläre Erkrankung (KHK, pAVK, Z.n. Schlaganfall)

1

  • Belastungsabhängige Beschwerden

1

  • Schmerzen durch Palpation nicht reproduzierbar

1

  • Patient:in vermutet, dass Schmerz vom Herzen kommt

1

  • Wahrscheinlichkeit einer stenosierenden KHK als Ursache des Thoraxschmerzes

    • Punktzahl 0–1: <1% (sehr gering)

    • Punktzahl 2: 4% (gering)

    • Punktzahl 3: 17% (mittel)

    • Punktzahl 4-5: 50% (hoch)

  • Weitere Differentialdiagnosen Thoraxschmerz:

    • Muskuloskelettal (Costochondritis, Tietze-Syndrom, Interkostalneuralgie)

    • Chronisches Koronarsyndrom

    • Perikarditis/Myokarditis

    • Tachyarrhythmia absoluta

    • Herzinsuffizienz

    • Hypertensive Entgleisung und hypertensiver Notfall

    • Aortenklappenstenose

    • Funktionelle Herzbeschwerden (psychogen)

    • Respiratorische Infektion

    • Pleuritis sicca

    • Gastroösophagealer Reflux/Gastroduodenaler Ulkus

    • Akute Pankreatitis

    • Sympt. Cholezystolithiasis/Cholezystitis

    • Herpes zoster

    • Anämie


Akutes Koronarsyndrom - Diagnostik (EKG)

  • Welche EKG-Kriterien müssen erfüllt sein, damit man von einem akuten Koronarsyndrom mit persistierender ST-Strecken-Hebung sprechen kann?

  • Welche zusätzlich zum Standard 12-Kanal-EKG möglichen Ableitungen, können in der Diagnostik eines STEMI entscheidend sein?



ST-Hebung am J-Punkt gemessen in mindestens zwei zusammenhängenden Ableitungen gilt im entsprechenden klinischen Kontext als Hinweis auf einen anhaltenden akuten Koronararterienverschluss:

  • Infarktzeichen bei STEMI im Ruhe-EKG

    1. Signifikante ST-Hebungen

      • In mind. zwei benachbarten Ableitungen ≥0,1 mV (≥1 mm vertikal), gemessen am J-Punkt

      • Für ST-Hebungen in V2 und V3 gelten abweichende Grenzwerte

        • Männer

          • Alter <40 Jahre: ST-Hebungen ≥0,25 mV (≥2,5 mm vertikal)

          • Alter ≥40 Jahre: ST-Hebungen ≥0,2 mV (≥2 mm vertikal)

        • Frauen: ST-Hebungen ≥0,15 mV (≥1,5 mm vertikal)

    2. Linksschenkelblock bzw. Rechtsschenkelblock: Können ST-Hebungen maskieren und sind bei klinischem Verdacht im Zweifel als STEMI zu werten (siehe auch: Sgarbossa-Kriterien)

      • Modifizierte Sgarbossa-Kriterien: Ermöglichen Diagnose eines STEMI bei Linksschenkelblock [17]

        • Ansatz: Konkordanz der ST-Streckenveränderungen

        • Diagnose eines STEMI: Sobald eines der folgenden drei Kriterien positiv ausfällt

          1. Konkordante ST-Hebung ≥0,1 mV (≥1 mm)

          2. ST-Senkung ≥0,1 mV (≥1 mm) in V1–V3

          3. Diskordante exzessive ST-Hebung ≥25% vom S und ≥0,1 mV (≥1 mm) (bzw. ST-Streckenhebung ≥0,5 mV (≥5 mm) in Ableitungen mit einem negativen QRS-Komplex)

        • Sgarbossa-Kriterien (Rechner)

    3. Zusätzlich ventrikuläres Schrittmachersystem: Kann ST-Hebungen durch LSB-artige EKG-Veränderungen maskieren

      • Anwendung gleicher Kriterien wie beim Linksschenkelblock (siehe auch: Sgarbossa-Kriterien)

      • Anwendung normaler Kriterien möglich, wenn intakte AV-Leitung: Nach Herabsetzung der Stimulationsfrequenz werden QRS-Komplexe sichtbar

      • Ggf. weitere Zeichen bei vorhandenem Vergleichs-EKG: Neu aufgetretene Q-Zacken, R-Verluste oder ST-Streckenveränderungen bei gleicher Stimulation des Herzschrittmachers

      • Schnelle Koronarangiografie zur Diagnosestellung


Erweiterte Ableitungen:

  • Bei Patienten mit V.a. einen inferioren STEMI werden ergänzend die rechts-präkordialen Ableitungen (V3R und V4R) empfohlen, um einen begleitenden rechtsventrikulären Infarkt zu erkennen:


  • Posteriore Ableitungen (V7-V9) können ebenfalls aufgezeichnet werden, um nach einem posterioren STEMI zu suchen, insb. bei Patienten mit anhaltenden Symptomen und einem nicht eindeutigen 12-Kanal-Standard-EKG


Akutes Koronarsyndrom - Diagnostik (EKG)

  • Welche EKG Veränderungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines ACS, wenn ein ST-Strecken-Hebungsinfarkt ausgeschlossen wurde (NSTEMI-EKG-Befunde)?

  • Welche Hochrisiko-EKG Befunde kennen Sie im Zusammenhang mit dem NSTE-ACS?


  • ST-Strecken-Senkungen

  • T-Wellen Veränderungen (insb. biphasische T-Wellen, ausgeprägt negative T-Wellen)

  • U-Wellen-Inversion


Wellens-Syndrom

  • Definition: Charakteristische Konfiguration der T-Welle, die bei Patienten mit intermittierender Angina pectoris im beschwerdefreien Intervall auftritt

  • Ätiologie: hochgradige Stenose des RIVA der LCA (LAD); a.e. ausgelöst durch postischämisches Ödem der Kardiomyozyten

  • EKG Veränderung tritt auf, wenn das inital stenosierte od. vasospastische Koronargefäß wieder besser durchblutet wird

  • EKG-Befund:

    • typischerweise in den Brustwandableitungen, insb. V2-V3

      • Wellens Typ A (25% d. Fälle): biphasische T-Welle

      • Wellens Typ B (75% d. Fälle): tief negative (“invertierte”) T-Welle

      • Typ A geht in den Typ B über

      • ST-Strecke verläuft normal oder ist minimal angehoben (<1 mm)

      • Q-Zacke fehlt meistens, R-Progression ist erhalten


  • Klinik: Brustschmerz, Dyspnoe, Schwitzen, d.h. Symptome eines Myokardinfarkts , die aber zum Zeitpkt. der Ableitung des EKG bereits wieder verschwunden sind

  • ACHTUNG: Sehr instabiler Zustand mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass das Gefäß erneut stenosiert wird, im EKG “Pseudo-Normalisierung” mit wieder positiver T Welle möglich

  • Therapie: Sofortige Koronarangiographie in Interventionsbereitschaft


De-Winter-T-Welle

  • Definition: EKG-Konfiguration in den Vorderwandableitungen V1-V6, die als Hinweis auf einen Vorderwandinfarkt gilt

  • meist bei jüngeren, männlichen Patienten mit akutem Koronarsyndrom

  • EKG-Befund:

    • ST-Senkungen (> 1 mm am J-Punkt) mit einer daraus aufsteigenden hohen und symmetrischen T-Welle, ohne dass ST-Hebungen vorliegen (es kann jedoch eine geringgradige ST-Hebung (0,5 - 1 mm) in der Ableitung aVR vorhanden sein





Aslanger-Zeichen

  • Definition: EKG-Muster bei akutem Koronarsyndrom, das bei inferioren Myokardinfarkten (häufig RCA-Okklusion) auftreten kann, ohne die klassischen STEMI-Kriterien zu erfüllen

  • Kann Hinweis auf eine akute Koronarokklusion sein

  • Diagnosekriterien:

    —> Das typische Muster umfasst:

    • ST-Hebung in Ableitung III (aber nicht in II oder aVF)

    • Fehlende reziproke ST-Senkung in aVL

    • ST-Senkung in den lateralen Ableitungen (V4-V6 und/oder I, aVL), die nicht als reziproke Veränderung zu III erklärbar ist

    • Meist konkordante T-Negativierungen in den gleichen Ableitungen

    • Häufige Begleitzeichen: Zeichen einer rechtsventrikulären Belastung oder linksventrikulären Hypertrophie

  • Pathophysiologie

    • Aslanger-Zeichen entsteht durch eine Überlagerung unterschiedlicher Ischämievektoren. Die ST-Hebung in Ableitung III reflektiert die inferiore Ischämie, während gleichzeitig bestehende subendokardiale Ischämien in anderen Myokardarealen (z.B. lateral) zu ST-Senkungen führen. Diese sind nicht als klassische reziproke Veränderungen zu interpretieren, sondern Ausdruck einer zusätzlichen Ischämie.

      Durch die resultierende Vektorsummation kann die typische ST-Hebung in den inferioren Ableitungen (II, III, aVF) unvollständig ausgeprägt sein oder die STEMI-Kriterien nicht erfüllen, obwohl eine relevante Koronarokklusion vorliegt.


Akutes Koronarsyndrom - Diagnostik (Labor/Biomarker)

  • Was sind Troponine überhaupt? Was ist die CK, was die CK-MB und wofür sind sie spezifisch? Wann sind Troponin, CK und CK-MB ünerhaupt nachweisebar und wann erreichen sie ihr Maximum?

  • Wer sollte eine Troponindiagnostik erhalten?

  • Welcher Algorithmus zur Troponin-Bestimmung sollte verwendet werden?


Kardiales Troponin (T/I)

—> = Proteine (!) des kontraktilen Apparates des Herzens (eigentlich keine “Enzyme”, weshalb der Begriff “Herzenzyme” formal falsch ist); wichtigste Biomarker eines akuten Myokardinfarkt

  1. (Kardiales) Troponin T/I

    • Anstieg: ca. 1-3 h nach Infarkt

    • Maxiumum: 12-96 h nach Infarkt

    • Normalisierung: 6-14 Tage nach Infarkt

Kreatinkinase —> Enzym des Phosphokreatinstoffwechsels (Kreatin + ATP -> Phosphokreatin + ADP)

  1. CK-Gesamt (= nicht herzspezifisch, Leitenzym für Herz- u. Skelettmuskelschäden)

    • Anstieg: ca. 3-12 h nach Infarkt

    • Maxiumum: 12-24 h nach Infarkt

    • Normalisierung: 2-6 Tage nach Infarkt

  2. CK-MB (= herzspezifisch, Korrelation mit Infarktgröße)

    • Cave: Ein CK-MB Anteil von 6-20% der Gesamt-CK spricht für eine Schädigung der Herzmuskulatur

    • Ein Anteil von > 20% an der Gesamt-CK spricht a.e. für falsch-hohe Werte, bspw. im Rahmen einer Makro-CK (CK-Typ mit höherer Molekülmasse, der eine Erhöhung vortäuscht)

    • Anstieg: ca. 3-12 h nach Infarkt

    • Maxiumum: 12-24 h nach Infarkt

    • Normalisierung: 2-3 Tage nach Infarkt



  • Wer sollte eine Troponindiagnostik erhalten?

    • Bei allen Patienten mit Verdacht auf ein ACS wird die Messung eines Biomarkers für die Schädigung der Kardiomyozyten empfohlen, vorzugsweise hochsensitives kardiales Troponin (hs-cTn)

  • Welcher Algorithmus zur Troponin-Bestimmung sollte verwendet werden?

    • Es wird empfohlen, den 0 h/1 h-Algorithmus (beste Option) zu verwenden



Akutes Koronarsyndrom - Diagnostik (Labor/Biomarker)

  • Wie bereits besprochen verwenden wir am UKK standardmäßig den 0/1h Rule-In/Out-Algorithmus. Wovon ist abhängig ob unter Umständen dennoch eine 3h Kontrolle des Troponins erforderlich wird?

  • Welche Risikokategorien werden in der SOP NSTEMI des UKK unterschieden?


  • Bei Patienten mit Symptombeginn < 3h oder bei Patienten mit einer relevanten Dynamik im 0/1h Algorithmus bzw. bei persistierendem V.a. myokardiale Ischämie, soll ergänzend eine 3h-Kontrolle erfolgen

  • Der Zeitpunkt der Troponinbestimmung ist die Blutentnahme!


Risikokategorien

  1. Very low Risk

    • Beschwerdebeginn > 3h

    • Initiales Troponin von < 0,005 ug/l

    —> Sehr geringe Wahrscheinlichkeit für NSTEMI. Keine Hospitalisierung notwendig.

    —> Pat. kann in Abhängigkeit der Vortestwahrscheinlichkeit und der begleitenden Umstände optional Abklärung im Verlauf empfohlen werden (“Rule Out”)

    —> Dennoch auch bei diesen Patienten orientierende TTE vor Entlassung

  2. Low Risk

    • Beschwerdebeginn > 3h

    • Initiales Troponin von < 0,012 ug/l

    —> 1h Kontrolle durchführen:

    • Keine signifikante Dynamik in der 1h Kontrolle (d.h. < 0,003 ug/l 1hΔ)

      —> “Rule out”; in Abhängigkeit Begleitumstände optional weitere Abklärung ambulant

    • Signifikante Dynamik in der 1h Kontrolle (d.h. ≥ 0,005 ug/l 1hΔ)

      —> Hohe Wahrscheinlichkeit für NSTEMI: “Rule in”; Hospitalisierung + Abklärung

    • Suspekte Dynamik in der 1h Kontrolle (d.h. 0,004 ug/l 1hΔ)

      —> Weitere Troponinkontrolle nach 3h: “Observe”

      —> In dieser 3h Verlaufskontrolle Orientierung an der etablierten 20% Dynamik zur Diagnosestellung NSTEMI

  3. High Risk

    • Beschwerdebeginn > 3h

    • Initiales Troponin von ≥ 0,052 ug/l

      —> Keine Kontrolle notwendig. Hohe Wahrscheinlichkeit für NSTEMI

      —> Hospitalisierung + Abklärung

      —> Sofortige invasive Diagnostik (< 2h) bei:

      • hämodyn. Instabilität

      • Arrhythmien

      • akute Herzinsuffizienz bzw. deren klinische Zeichen

      • persist. Thoraxschmerz

      —> Erweiterte EKG Ableitungen (V7-V9)

      —> Bei V.a. ACS mit rechtsventrikulärer Beteiligung ergänzend rechtskordiale Ableitungen (V3R, V4R)


Bei welchen Zeichen (Klinik, EKG, TTE) muss an eine rechtsventrikuläre Beteiligung gedacht werden?


  • Klinische Trias:

    1. Hypotonie

    2. erhöhter Jugularvenendruck

    3. fehlender Hinweis auf Lungenstauung

  • EKG:

    • ST-Hebung in der Ableitung V1 oder in den Ableitungen II, III, aVF

    • Höhergradige AV-Blockierungen

  • TTE:

    • segmentale Akinesien

    • globale syst. Funktionseinschränkung des rechten Ventrikels

    • RV Dilatation mit paradoxer Septumbewegung (DD LAE)




Akutes Koronarsyndrom - Reperfusionstherapie bei STEMI

  • Welche Empfehlung gibt es für die Reperfusionstherapie eines STEMI? Welche Rolle spielt hier das Onset der Beschwerden?

  • Was tun Sie, wenn eine Reperfusion mittels pPCI nicht rechtzeitig zur Verfügung steht?

  • Wann sollte trotz bereits erfolgter Fibrinolyse dennoch eine zusätzliche PCI durchgeführt werden?

  • Was machen Sie, wenn ein Patient mit STEMI erst > 12h nach Onset der Beschwerden bei Ihnen vorstellig wird?

  • Ab welchem Vorstellungszeitpunkt seit Onset bzw. in welcher klinischen Konstellation macht eine PCI bei STEMI keinen Sinn mehr?


  • Reperfusionstherapie bei allen Patienten mit der Arbeitsdiagnose STEMI (persist. ST-Strecken-Hebung oder Äquivalente) und Ischämiesymptomen von ≤ 12 Stunden Dauer empfohlen (IA)

  • pPCI Strategie bevorzugt gegenüber Fibrinolyse, wenn voraussichtliche Zeit von Diagnose bis PCI < 120 Minuten beträgt

  • Wenn bei Patienten mit der Arbeitsdiagnose STEMI keine rechtzeitige pPCI (< 120 min) durchgeführt werden kann, wird bei Patienten ohne Kontraindikatio nen eine fibrinolytische Therapie innerhalb von 12 Stunden nach Symptombeginn empfohlen.

  • Eine Notfall-PCI wird empfohlen bei fehlgeschlagener Fibrinolyse (d. h. ST-Strecken-Besserung von < 50 % innerhalb von 60–90 Minuten nach Verabreichung des Fibrinolytikums) oder bei hämodynamischer oder elektrischer Instabilität, Verschlechterung der Ischämie oder anhaltenden Brustschmerzen.

  • Bei Patienten mit der Arbeitsdiagnose eines STEMI und einer Dauer seit Symptombeginn von > 12 Stunden wird eine pPCI-Strategie empfohlen, wenn anhaltende Symptome vorliegen, die auf eine Ischämie, hämodynamische Instabilität oder lebensbedrohliche Arrhythmien hindeuten.

  • Eine routinemäßige PCI einer verschlossenen IRA (= Infarct related artery) wird bei STEMI-Patienten, die sich > 48 Stunden nach Symptombeginn und ohne persistierende Symptome vorstellen, nicht empfohlen.


Akutes Koronarsyndrom - Antithrombotische Therapie

  • Wie behandeln Sie ihren Patienten nach ACS antithrombozytär weiter? Welche Medikamente sind empfohlen und für wie lange muss der Patient sie einnehmen?

  • Die Einnahme welches weiteren Medikaments ergibt sich aus den Empfehlungen in Punkt 1 in der Regel?

  • Sprechen wir etwas detaillierter über die verschiedenen antithrombozytären Substanzen in der Therapie des ACS

    • Wann besteht die Indikation zur Gabe von Prasugrel?

    • Wann sollte der Patient eher Ticagrelor einnehmen?

    • Wann besteht die Indikation zur Einnahme von Clopidogrel?

  • In welcher Situation kann erwogen werden, die Patienten bereits vor der PCI mit einer DAPT zu versorgen? Wann sollte das nicht erfolgen?

  • Ihr Patient erhält im Rahmen eines ACS die Erstdiagnose Koronare-3-GE mit Indikation zur Bypass Versorgung. Sie versorgen den Patienten mit einer DAPT und verlegen ihn in die Herzchirurgie. Nun fragen die Kollegen, wie sie im Zusammenhang mit der Bypass OP mit der DAPT umgehen sollen?


  1. ASS

    • ASS wird für alle (ACS-) Patienten ohne Kontraindikation in einer anfänglichen oralen LD von 150–300 mg (oder 75–250 mg i.v.) und einer MD von 75–100 mg 1x tägl. für die Langzeitbehandlung empfohlen.

  2. P2Y12-Rezeptorantagonist

    • Bei allen ACS-Patienten wird zusätzlich zu ASS ein P2Y12-Rezeptorantagonist empfohlen, der zuerst als orale LD verabreicht wird, gefolgt von einer MD für 12 Monate; es sei denn, es liegt ein HBR vor.

  3. Protonenpumpeninhibitor

    • Ein Protonenpumpenhemmer in Kombination mit DAPT wird bei Patienten mit hohem Risiko für gastrointestinale Blutungen empfohlen.


  • Prasugrel

    • Prasugrel wird bei P2Y12-Rezeptorantagonist-naiven Patienten (mit ACS), die sich einer PCI unterziehen, empfohlen (60 mg LD, 10 mg 1x tägl. MD; 5 mg 1x tägl. MD für Patienten im Alter von ≥ 75 Jahren oder mit einem Körpergewicht < 60 kg)

    • Prasugrel sollte bei ACS-Patienten, die sich einer PCI unterziehen, gegenüber Ticagrelor bevorzugt werden.

  • Ticagrelor

    • Ticagrelor wird unabhängig von der Behandlungsstrategie (invasiv oder konservativ) empfohlen (180 mg LD, 90 mg 2x tägl. MD).

  • Clopidogrel

    • Clopidogrel (300–600 mg LD, 75 mg 1x tägl. MD) wird (beim ACS) empfohlen, wenn Prasugrel oder Ticagrelor nicht verfügbar sind, nicht vertragen werden oder kontraindiziert sind.

    • Bei älteren ACS-Patienten, insbesondere bei hohem Blutungsrisiko, kann Clopidogrel als P2Y12-Rezeptorantagonist erwogen werden.


Vorbehandlung mit einer DAPT vor PCI

  • Bei ACS-Patienten, die sich einer primären PCI-Strategie unterziehen, kann eine Vorbehandlung mit einem P2Y12-Rezeptorantagonisten erwogen werden

  • Eine Vorbehandlung mit einem P2Y12-Rezeptorantagonisten kann bei NSTE-ACS-Patienten erwogen werden, bei denen keine frühe invasive Strategie (< 24 h) zu erwarten ist und die kein HBR haben.

  • Eine routinemäßige Vorbehandlung mit einem P2Y12- Rezeptorantagonisten wird bei NSTE-ACS-Patienten, bei denen die Koronaranatomie nicht bekannt ist und eine frühe invasive Behandlung (< 24 h) geplant ist, nicht empfohlen.


DAPT und Bypass-OP

  • Wenn Patienten mit einem ACS die DAPT unterbrechen, um sich einer CABG zu unterziehen, wird empfohlen, die DAPT nach der Operation wieder aufzunehmen, und zwar für mindestens 12 Monate.


Akutes Koronarsyndrom - Antithrombotische Therapie

  • Sollte ein Patient unter einer OAK mit Apixaban der mit V.a. ACS vorgestellt wird nach der aktuellen ESC Guideline troztdem ein Loading mit UFH erhalten?

  • Ihr Patient hat eine akutes Koronarsyndrom erlitten und wurde notfallmäßig einer pPCI mit Stentimplantation unterzogen. Nun erkundigt sich der Patient nach seiner Entlassmedikation. Was empfehlen Sie ihm zur antithrombotischen Therapie?


Heparin-Loading bei Patienten unter OAK

  • Kein routinemäßiges Heparin-Loading bei bestehender OAK in der Notaufnahme.

    • Die therapeutische Antikoagulation besteht unter Apixaban bereits; ein zusätzlicher voller Heparin-Bolus stapelt nur das Blutungsrisiko ohne belegten ischämischen Nutzen. Heparin gehört bei diesen Patienten in den Herzkatheter, nicht in die ZNA.

    —> Die Class-I-Empfehlung „parenterale Antikoagulation bei allen ACS-Patienten bei Diagnosestellung" zielt auf antikoagulationsnaive Patienten.

  • Im Katheterlabor. Hier gilt die Kernaussage: Bei Patienten unter OAK wird periprozedural zusätzlich parenteral antikoaguliert — unabhängig vom Zeitpunkt der letzten DOAK-Einnahme.

    • Man verlässt sich also nicht auf den Apixaban-Spiegel, sondern gibt UFH, üblicherweise in reduzierter Dosis (in der Praxis meist etwa 30–50 IE/kg statt der üblichen 70–100 IE/kg) und ACT-gesteuert. Die Leitlinie selbst nennt keine feste reduzierte Dosis; das ist zentrumsabhängige Praxis.

    • UFH außerdem wenn bei Patienten, die mit VKA behandelt werden, der INR-Wert < 2,5 ist.

  • Was sich beim STEMI ändert. Bei primärer PCI wird UFH als Teil des Primär-PCI-Pfades gegeben, also faktisch beim Katheter-Start oder unmittelbar davor. (siehe “im Katheterlabor”) Das ist kein „Loading auf Verdacht", sondern periprozedurale Antikoagulation bei feststehender Indikation. Beim NSTE-ACS unter Apixaban gibt es dagegen keinen Grund, vor der Diagnosesicherung und vor der Strategieentscheidung zu heparinisieren.


Kombination von Thrombozytenaggregationshemmern und OAK

  • Als Standardstrategie für Patienten mit Vorhofflimmern und einem CHA2DS2-VASc-Score ≥ 1 bei Männern und ≥ 2 bei Frauen wird nach einer bis zu einwöchigen antithrombotischen Dreifachtherapie nach dem ACS-Ereignis eine duale antithrombotische Therapie mit einem NOAK in der empfohlenen Dosis zur Schlaganfallprävention und einem einzelnen oralen Thrombozytenaggregationshemmer (vorzugsweise Clopidogrel) für bis zu 12 Monate empfohlen.

  • Die Verwendung von Ticagrelor oder Prasugrel als Teil einer antithrombotischen Dreifachtherapie wird nicht empfohlen.


Akutes Koronarsyndrom - Antithrombotische Therapie


  • Worauf ist bei Patienten zu achten, die eine Indikation für einen Vitamin K Antagonisten haben und zusätzlich mit ASS und/oder Clopidogrel behandelt werden sollen?

  • Ihr Patient hat bei Vorhofflimmern Rivaroxaban in der Hausmedikation und benötigt nach ACS nun eine zusätzliche Thrombozytenaggregationshemmung. Welche Frage müssen Sie sich in diesem Zusammenhang stellen und welche Konsequenz könnte sich daraus ergeben?

  • Selten sieht man auch noch Patienten unter Dabigatran. Worauf ist im Zusammenhang mit dieser Substanz bei Notwendigkeit einer zusätzlichen Thrombozytenaggregationshemmung zu achten?

  • In welcher Situation kann es notwendig sein zusätzlich zur OAK eine DAPT, d.h. ASS UND Clopidogrel zu verabreichen? Für wie lange ist diese Triple Therapie empfohlen?

  • Ihr Patient nimmt seit einem ACS zusätzlich zu seiner OAK mit Apixaban noch Clopidogrel ein. Nun erkundigt er sich, wann er das Clopidogrel weglassen kann. Was antworten Sie?


Indikation für OAK mit VKA in Kombination mit ASS und/oder Clopidogrel

  • sorgfältige Steuerung der Dosisintensität des VKA mit Ziel-INR 2,0 - 2,5


Rivaroxaban in der Hausmedikation und Notwendigkeit einer DAPT

  • Wird Rivaroxaban verwendet und überwiegen die Bedenken wegen eines HBR gegenüber einem ischämischen Schlaganfall, sollte Rivaroxaban 15 mg 1x tägl. für die Dauer der begleitenden SAPT oder DAPT gegenüber Rivaroxaban 20 mg 1x tägl. bevorzugt werden


Dabigatran und Notwendigkeit einer zusätzlichen Thrombozytenaggregationshemmung

  • Bei Patienten mit einem HBR sollte Dabigatran 110 mg 2x tägl. für die Dauer der begleitenden SAPT oder DAPT gegenüber Dabigatran 150 mg 2x tägl. bevorzugt werden, um das Blutungsrisiko zu mindern.


Notwendigkeit einer Triple-Therapie aus OAK, ASS und Clopidogrel

  • Bei Patienten, die mit einem OAK behandelt werden, sollte ASS plus Clopidogrel für länger als eine Woche und bis zu einem Monat erwogen werden, wenn ein hohes ischämisches Risiko besteht oder andere anatomische/prozedurale Merkmale vorliegen, die das Blutungsrisiko überwiegen.

Zeitpunkt des Absetzens der Thrombozytenaggregationshemmung bei bestehender OAK

  • Bei (ACS-)Patienten, die eine OAK benötigen, kann das Absetzen der antithrombozytären Therapie nach 6 Monaten bei gleichzeitiger Fortsetzung der OAK erwogen werden.


Akutes Koronarsyndrom - Antithrombotische Therapie

—> Thema: Verkürzung/Deeskalation der antithrombotischen Therapie


  • Welche Möglichkeiten der Deeskalation der antithrombotischen Therapie nach ACS gibt es, wenn Sie das Blutungsrisiko bei Ihrem Patienten verringern möchten? (3 Punkte)

  • Was ist die Minimaldauer für die doppelte Plättchenhemmung nach ACS bzw. bis zu welchem Zeitpunkt sollte die Therapie nicht deeskaliert werden?

  • Wann sollte die antithrombozytäre Therapie umgekehrt spätestens abgesetzt werden, wenn bei Ihrem Patienten eine OAK besteht?


Möglichkeiten der Deeskalation der antithrombotischen Therapie nach ACS

  1. Bei Patienten, die nach 3–6 Monaten DAPT ereignisfrei sind und bei denen kein hohes Ischämierisiko besteht, sollte eine antithrombozytäre Monotherapie (vorzugsweise mit einem P2Y12-Rezeptor antagonisten) erwogen werden.

  2. Eine Deeskalation der Behandlung mit P2Y12-Rezeptor antagonisten (z. B. mit einem Wechsel von Prasugrel/ Ticagrelor zu Clopidogrel) kann als alternative DAPT-Strategie zur Verringerung des Blutungsrisikos erwogen werden.

  3. Bei HBR-Patienten kann eine ASS- oder P2Y12-Rezeptor antagonist-Monotherapie nach einem Monat DAPT erwogen werden.


Minimaldauer für die Dauer der doppelte Plättchenhemmung

  • Eine Deeskalation der antithrombozytären Therapie innerhalb der ersten 30 Tagen nach einem ACS-Ereignis wird nicht empfohlen.


Maximaldauer der antithrombozytären Therapie bei bestehender OAK

  • Es wird empfohlen, die antithrombozytäre Therapie bei Patienten, die mit einem OAK behandelt werden, nach 12 Monaten abzusetzen.


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Leon E.

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