Kardiogener Schock
Reduzierte Herzauswurfleistung („cardiac index“ <1,8 l/min/m2 ohne Therapie oder <2,2 l/min/m2 unter Therapie)
Erhöhte ventrikuläre Füllungsdrücke = erhöhte atriale Drücke
Schockformen
Ursachen akute Aorteninsuffizienz
infektiöse Endokarditis (häufigste Ursache)
Aortendissektion Typ A
rupturierte Defekte der Klappensegel
stumpfes Thoraxtrauma
Dysfunktion (Thrombose oder Ausriss) einer Klappen- prothese
Ursachen akute Mitralklappeninsuffizienz
Sehnenfaden- oderPapillarmuskelruptur
ischämische Papillarmuskeldysfunktion (meist nach inferiorem Infarkt wegen der singulären Blutversorgung des posteromedialen Papillar- muskels)
akute Linksherzinsuffizienz mit sekundärer Mitralinsuffizienz
rheumatische Karditis (in Entwicklungsländern)
infektiöse Endokarditis
akute Rechtsherzversagen
LAE
(akute RV-Dilatation, Trikuspidalinsuffizienz, ansteigende Wandspannung, neurohumorale Aktivierung und myokardiale Inflammation sowie Ischämie mit Abnahme der RV -Kontraktilität. Als Folge der reduzierten RV-Auswurfleistung sinkt die Vorlast des LV und damit auch dessen Auswurf)
SOFA-(„Sequential Organ Failure Assess- ment“-)Score
Organmonitoring bei Kardiogenem Schock
invasive Blutdruckmessung
veränderter neurologischer Bewusstseinszustand
kalte, blasse Haut und Extremitäten
Oligurie mit Urinproduktion<30ml/h
Serumlaktat>2,0mmol/l (>18mg/dl)
Primäre Hämostase
1) Anheften an den Endotheldefekt mittels von-Willebrand-Faktor (Adhäsion)
2) Abgabe gerinnungsfördernder Substanzen ins Blut (Aktivierung)
3) Vernetzung untereinander durch Fibrinogenmoleküle (Aggregation).
Zielbereiche des Gerinnungs- monitorings unter unfraktioniertem Heparin bei ECLS
ACT = „activated clotting time“ (Zeit, gemessen in Sekunden, in der das Blut als Reaktion auf ein Fibrin-aktivierendes Reagens verklumpt)
PTT = Thromboplastinzeit (Zeit, in der kalziumfreies Plasma verklumpt)
UFH vs. NMH
Direkte Thrombininhibitoren (DTI) als alternative Antikoagulanzien bei HIT-II
Merkmale einer Heparin-induzierten Thrombozytopenie
IABP (intraaortale Ballonpumpe)
Intraaortale Gegenpulsation:
schnell bettseitig einsetzbar, effek- tiv, verhältnismäßig kostengünstig und ein komplikationsarmes Verfahren.
Wirkprinzip der IABP
Ballon in die deszendierende Aorta nach Abgang der linken Arteria subclavia eingebracht, dort EKG-gesteuert in der frü- hen Diastole gefüllt, also aufgeblasen, und unmittelbar vor der Systole wieder entleert wird
Die hämodynamischen Effekte einer diastolischen Augmentation bei IABP
Erhöhung des mittleren arteriellen Blutdrucks
Nachlastsenkung
Verbesserung der Koronarperfusion
Senkung des myokardialen Sauerstoffverbrauchs
Indikation IABP
Insgesamt kein routinemäßiges Verfahren mehr (keine Überlebensvorteil in einigen Studien)
Hochrisikopatienten mit eingeschränkter Pumpfunktion
akuter Ischämie
instabiler Angina pectoris
hochgradiger Hauptstammstenose präoperativ zur Vorbereitung der OP
NICHT MEHR EMPFOHLEN BEI KARDIOGENEM SCHOCK
IABP kann auch als einfachstes Herzunterstützungssystem zur Überbrückung bis zur Herztransplantation bei chronischer Herzinsuffizienz verwendet werden, allerdings limitiert die – zumindest in Deutschland – aktuell sehr lange Wartezeit auf ein Spenderorgan den Einsatz einer IABP bei dieser Indikation
Kontraindikation IABP
schwere pAVK (wegen Zugangsweg)
BAA
Aortendissektion
Aortenklappeninsuffizienz
Systeme zur linksventrikulären mechanischen Kreislaufunterstützung
TandemHeart allgemein
extrakorporale Zentrifugalpumpe (“pLVAD”- perkutane LVAD)
Einflusskanüle transseptal in linkes Atrium und Blutrückgabe über A. femoralis
bis zu 30 Tage
Tandem Heart Indikation
Akuter Myokardinfarkt
Mechanische Komplikationen des akuten Myokardinfarkts (ventrikulärer Septum-
defekt, Mitralklappeninsuffizienz)
Hochrisiko-PCI („percutaneous coronary intervention“)
VT-Ablation mit hämodynamischer Unterstützung
TAVI („transcatheter aortic valve implantation“)
Myokarditis
Entlastung des linken Ventrikels während VA-ECMO (venoarterielle extrakorporale Membranoxygenierung)
„Bridge to decision“
„Bridge to durable“-LVAD
Überprüfen der Funktion des rechten Ventrikels vor LVAD-Implantation
„Bridge to recovery“
Akute Herztransplantatabstoßung
VA-ECMO
Zentrifugalpumpe, Membranoxygenator, Heizung
Blutentnahme aus V. femoralis und Rückgabe über A. femoralis (bessere / steuerbare Oxygenierung)
gute Vorlastseknung beider Ventrikel
—> durch retrograden Blutfluss in Aorta jedoch erhöhte Nachlast linksventrikulär (erhöhte linksventrikuläre Füllungsdrücke, gesteigerter Sauerstoffverbrauch und Entwicklung riskanter Lungenstauung)
—> Extremfall: Aortenklappe öffnet nicht mehr -> Thrombosierung linker Ventrikel
Devices bei Rechtsherzversagen
TandemHeart RVAD: Zentrifugalpumpe, Entnahme aus rechten Vorhof - Abgabe in Pulmonalarterie, Implantation jugulär / bifemoral möglich
Impella RP: Mikroaxialpumpe, Entnahme Venenwinkel - Abgabe in Pulmonalarterie
hochkomplexe PCI
Reduzierte LV-Funktion (EF < 35%)
Ungeschützter linker Hauptstamm (LM-Stenose)
Letztes offenes Gefäß (last remaining vessel)
Komplexe Mehrgefäß-KHK bei eingeschränkter Funktion
Kein chirurgisches Backup möglich (zu hohes OP-Risiko)
Protected PCI
PCI mit mechanischer Kreislaufunterstützung
Harlekin Phänomen / North-South-Syndrom oder differential hypoxia
Definition: Differentielle Hypoxie bei peripherer VA-ECMO mit noch erhaltener LV-Funktion
Ursache: ECMO pumpt O₂-reiches Blut retrograd (von A. femoralis) – Herz pumpt desaturiertes Blut (schlechte Lunge) antegrad (von oben) → Mischungszone in der Aorta
Folge: Obere Körperhälfte (Herz, Hirn) hypoxisch – untere gut oxygeniert
Monitoring: SpO₂ / BGA rechte A. radialis (präduktal)
Therapie:
Lungenoptimierung (Beatmung)
ECMO-Fluss ↑
V-AV-ECMO (Kanüle V. jugularis)
Ggf. zentrale ECMO
Merke: SpO₂ rechte Hand < SpO₂ Fuß = Harlekin
Implantation einer temporären RVAD (t-RVAD)
Rechtsherzversagen
Biventrikuläre Herzinsuffizienz
Während / nachLVAD-Implantation
Akuter Rechtsherzinfarkt
Lungenarterienembolie
Akuter, schwerer kardiogener Schock (INTERMACS 1–2)
Entscheidungshilfe durch z.B. CRITT Score:
C = erhöhter Zentralvenöser Druck > 15mmHg
R = hochgradige RV-Dysfunktion
I = präoperative Intubation
T = Trikuspidalklappeninsuffizienz
T = Tachykardie
Kontraindikation: irreversibles Multiorganversagen, Sepsis
Möglichkeiten einer tRVAD
Tandem Heart (extrakorporale Zentrifugalpumpe, Drainage rechter Vorhof - Abgabe Pulmonalarterie, möglich mit ProtekDuo Kanüle, Oxygenator möglich, Liegedauer max. 30 Tage, Implantation über Jugularvene möglich - anschließend Pat gut mobilisierbar)
Impella RP (transvenöse, intrakardiale Mikroaxialpumpe, Drainage VCI - Abgabe Pulmonalarterie, Liegedauer 14 Tage, keine Oxygenierung möglich)
VA-ECMO (Umgehung des rechten Ventrikels, weil Drainage rechter Vorhof - Abgabe A. femoralis) —> eher nicht gut, weil linker Ventrikel arbeitet noch normal und dann sehr hohe Nachlast, außerdem IMMER Oxygenator notwendig (hier CAVE hohe Gefahr von Thrombosen)
INTERMACS (Interagency Registry for Mechanically Assisted Circulatory Support
Klassifikationssystem für Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz)
beschreibt den hämodynamischen Status vor MCS-Implantation (v.a. LVAD)
Generelle Aspekte mechanschische Herzkreislaufunterstützung
VA-ECMO – Prinzip & Indikation
Temporäres System (Tage–Wochen)
Ersetzt Herz- und Lungenfunktion
Indikationen: akuter kardiogener Schock, periop. Herzversagen, Bridge-to-Decision
Kein aktiver LV-Entlast → erhöht LV-Nachlast (retrograder Aortenfluss)
Gefahr: LV-Distension → pulm. Ödem, Thrombenbildung
Lösung bei LV-Distension: ECPELLA (ECMO + Impella)
LVAD/BiVAD – Prinzip & Indikation
Langzeitsystem (Monate–Jahre)
LVAD: Apex → Aorta, entlastet LV aktiv
BiVAD: bei biventrikulärem Versagen
Indikationen: Bridge-to-Transplantation (BTT), Destination Therapy, Bridge-to-Recovery
Patient kann mobilisiert werden / nach Hause
Typische Komplikationen: Driveline-Infekt, Schlaganfall, RV-Versagen
VA-ECMO vs. LVAD – Warum nicht immer ECMO?
ECMO = kurzfristig, LVAD = langfristig
ECMO entlastet LV nicht → bei chron. Herzversagen ungeeignet
ECMO: keine Mobilisation möglich
LVAD: gezielte, dauerhafte Unterstützung mit Lebensqualität
Merksatz: ECMO = Feuerwehr, LVAD = Dauerpflege
Rollerpumpe vs. Rotationspumpe
Rollerpumpe – okklusiv (eher früher bei VA-ECMO)
Stell dir einen Gartenschlauch vor, den jemand mit einer Rolle entlangfährt und das Wasser mechanisch vorwärts schiebt.
Der Schlauch wird komplett zusammengedrückt (okklusiv)
Das Blut wird rein mechanisch vorwärts geschoben – egal was dahinter oder davor passiert
Der Fluss ist deshalb vorlast- und nachlastunabhängig: Die Pumpe liefert immer dasselbe Volumen pro Umdrehung
Problem: Wenn der Ausfluss versehentlich geklemmt ist → enormer Druckaufbau → Schlauch kann platzen → deshalb braucht man Druckalarm-Systeme
Rotationspumpe – nicht-okklusiv (aktuell bei VA-ECMO)
Hier dreht sich ein Impeller (wie ein Schiffsmotor) und erzeugt einen Druckgradienten, der das Blut ansaugt und vorwärts treibt – aber der Schlauch bleibt offen.
Entscheidend: Weil der Schlauch nicht verschlossen wird, kann Blut theoretisch auch rückwärts fließen, wenn der Gegendruck groß genug ist.
Vorlast ↓ (wenig Blut kommt an) → Pumpe "saugt ins Leere" → Fluss ↓
Nachlast ↑ (hoher Widerstand dahinter) → Gegendruck überwindet Pumpendruckgradienten → Fluss ↓
Die tatsächliche Förderleistung ist also immer ein Gleichgewicht aus Pumpendrehzahl, Vorlast und Nachlast
Rotationspumpen: Zentrifugalpumpe
Ein Laufrad (Impeller) dreht sich und schleudert das Blut durch Zentrifugalkraft nach außen
Blut tritt axial (von vorne) ein und verlässt die Pumpe radial (seitlich/tangential)
Erzeugt primär Druckdifferenz
Fluss relativ nachlastabhängig
Große Blutvolumina bei niedrigeren Drehzahlen → geringere Hämolyse
Beispiel: ECMO-Pumpen (z.B. Rotaflow, CentriMag)
Rotationspumpen: Axialpumpe
Ein schraubenförmiger Rotor (wie eine Schiffsschraube) dreht sich und treibt Blut geradlinig in Flussrichtung vorwärts
Blut tritt ein und verlässt die Pumpe in derselben Achse
Erzeugt primär Fluss
Braucht hohe Drehzahlen für ausreichend Förderleistung → mehr Scherkräfte → mehr Hämolyse
Sehr kompakt → passt in kleine Systeme
Beispiel: Impella (sitzt direkt im LV!)
ECMO-Antikoagulation – 1. Wahl
Mittel: Unfraktioniertes Heparin (UFH), kontinuierlich iv
Bolus bei Kanülierung, dann Dauerinfusion
Wirkmechanismus: Heparin → AT III-Aktivierung → Hemmung von Faktor IIa (Thrombin) + Faktor Xa
Vorteile: Schneller Wirkungseintritt, kurze HWZ, reversibel mit Protamin
Cave: Heparinresistenz bei AT III-Mangel → AT III substituieren
Cave: HIT II → sofort Heparin stoppen, Alternativen einleiten
ECMO-Monitoring – Anti-Xa als neuer Goldstandard
Anti-Xa: Misst direkt die Heparinaktivität im Plasma → Zielwert 0,25–0,7 IU/mL
Vorteil gegenüber ACT/aPTT: weniger störanfällig, bessere Korrelation zur Heparindosis
Störfaktoren Anti-Xa: AT III-Mangel, Hämolyse, Hyperbilirubinämie
ACT: weiterhin bettnah genutzt, Ziel ~160–200 sek (ECMO), aber unzuverlässiger
aPTT: Ziel 60–90 sek, ebenfalls limitiert bei ECMO-Patienten
TEG/ROTEM: viskoelastische Assays zunehmend als Ergänzung eingesetzt
Antithrombin III (AT III) – unterschätzt aber wichtig
AT III ist der eigentliche Effektor von Heparin → ohne AT III wirkt Heparin nicht
Normwert: 80–120%
Supplementation empfohlen bei AT III < 50–70%
Folge von AT III-Mangel: Heparinresistenz → Patient braucht immer höhere Dosen → Blutungsrisiko ↑
Ursachen an der ECMO: Verbrauch durch Aktivierung, Hämodilution
AT III-Konzentrat iv substituieren bis Spiegel > 70%
HIT II an der ECMO – Alternativen zu Heparin
HIT II = Antikörper gegen Heparin-PF4-Komplex → Thrombozytenaktivierung → paradoxe Thrombosen
Diagnose: Thrombozytensturz >50%, 4T-Score, ELISA + Bestätigungstest
Sofortmaßnahme: Alle Heparinformen stoppen (inkl. Spüllösungen!)
Verzögerung der Alternativantikoagulation → +5–10% Risiko/Tag für Thrombose, Extremitätenverlust, Tod
Alternativen:
Bivalirudin (direkter Thrombininhibitor) – zunehmend bevorzugt, kurze HWZ (~25 min), kein Antidot
Argatroban (direkter Thrombininhibitor) – hepatisch eliminiert, gut bei Niereninsuffizienz
Parenterale Xa-Inhibitoren – Nischensituation, wenig Daten
Bivalirudin – der wichtigste Heparin-Ersatz
Direkter Thrombininhibitor (DTI) → hemmt Thrombin ohne Antithrombin
Vorteil: Vorhersagbarer als Heparin, kein HIT-Risiko, wirkt auch bei AT III-Mangel
Nachteil: Teurer, kein Antidot, Monitoring schwieriger (aPTT-gesteuert, Ziel ~60–80 sek)
HWZ: ~25 min → cave bei Niereninsuffizienz (verlängert)
Indikation: HIT II unter ECMO, zunehmend auch als primäre Alternative diskutiert
Trend – Niedrigdosis-Antikoagulation bei ECMO
aktueller Trend: niedrigere Heparindosen, v.a. bei VV-ECMO
Rationale: Blutungskomplikationen korrelieren stärker mit Mortalität als Thrombosen
Studiendaten: Therapeutische ACT-Ziele (180–220 sek) → signifikant mehr Blutungen + Blutungstod vs. niedrige Ziele (140–160 sek)
Wichtig: Heparinbeschichtete ECMO-Systeme erlauben niedrigere systemische Dosen
Cave: Kein einheitlicher Standard – zentrumsabhängige Protokolle
venoarterielle-venöse ECMO (VAV)
Wenn linker Ventrikel noch Auswurf hat und schlechter oxygeniertes Blut (weil Lungensschaden o.ä.) auswirft, wird dieses in Aorta gepumpt und anschließend besonders in den Truncus brachiocephalicus und A. carotis communis sinistra (Nord/Süd bzw Harlequin Phänomen)
—> neurologische Folgeschäden
—> Diagnostik mit aBGA am RECHTEN ARM
Lösung:
1) Umkanülieren auf zentrale VA-ECMO
2) VAV ECMO mit Drainage venös und oxygeniertes Blut in Arterie (wie gehabt) und zusätzlich in den rechten Vorhof
Aufbau HLM
Antikoagulation an der HLM
Hochdosis UFH vor Kanülierung (300 IE/kg)
Ziel-ACT: >480 Sekunden (viel höher als ECMO!), normal: 90-130s
Antagonisierung nach HLM: Protamin (1 mg/100 IE Heparin)
Cave: Protamin-Reaktion (Hypotonie, Bronchospasmus, anaphylaktischer Schock)
Herzstilllegung – Kardioplegie
Ziel: elektromechanischen Herzstillstand induzieren → O₂-Verbrauch ↓↓
Lösung mit hohem Kalium → depolarisiert Myokard dauerhaft → Stillstand
Zusätzlich Kühlung (4°C) → Metabolismus ↓
Applikation: antegrad (Aortenwurzel/Koronararterien) oder retrograd (Koronarsinus)
Wiederholung alle 20–30 min bei langen Operationen
Systemische Hypothermie
HLM ermöglicht gezielte Abkühlung des gesamten Körpers
Milde Hypothermie: 32–35°C → Standardeingriffe
Moderate: 25–32°C → komplexere Eingriffe
Tiefe Hypothermie: 18–20°C → Kreislaufstillstand möglich (z.B. Aortenbogenchirurgie)
Vorteil: O₂-Bedarf ↓ (pro 1°C ca. 7% weniger)
NW HLM: Hämodilution
Priming-Volumen der HLM (500–1500 ml kristalloide Lösung) verdünnt das Blut
Hkt fällt akut auf ~20–25% → Transfusionsbedarf
Verdünnung von Gerinnungsfaktoren + Thrombozyten → Blutungsrisiko ↑
AT III wird verdünnt → Heparinresistenz möglich
NW HLM: Inflammatorische Reaktion (SIRS)
Blutkontakt mit Fremdoberfläche → Komplementaktivierung, Zytokinausschüttung
Folge: kapilläres Leck, Ödembildung, Organschäden
Je länger die HLM-Zeit, desto ausgeprägter
NW HLM: Neurologische Komplikationen
Mikroembolien (Luft, Fett, Debris) → kognitive Defizite, Schlaganfall
Inzidenz neuropsychologischer Defizite nach HLM: bis zu 30–50% (meist transient)
"Pump head" = umgangssprachlich für kognitive Verschlechterung nach HLM
NW HLM: Hämolyse
Scherkräfte der Pumpe + Fremdoberfläche → Erythrozytenlyse
Freies Hämoglobin → Nierenschaden (Hämoglobinurie)
NW HLM: Gerinnungsstörung
Thrombozytopenie + -dysfunktion durch HLM
Verdünnung aller Gerinnungsfaktoren
Fibrinolyse kann aktiviert werden
NW HLM: Nierenschaden (AKI)
Kombination aus: Hämodilution, nicht-pulsatilem Fluss, Hämolyse, Inflammation
AKI nach Herzchirurgie: 5–30% je nach Definition
Danaparoid
Lepirudin
Argatroban
Bivalirudin
TAH bei Herz-OP
Kristalloide Kardioplegie
Blutkardioplegie
Del Nido Kardioplegie
Kardioplegie Applikationsform
1. Antegrade Kardioplegie
Injektion in die Aortenwurzel (nach Aortenklemmung) → Lösung fließt durch Koronararterien in das Myokard
Oder direkt in die Koronarostien (bei offener Aorta, z.B. Aortenklappenersatz)
Vorteil: Physiologischer Flussweg, einfach, schneller Herzstillstand
Nachteil: Bei hochgradigen Koronarstenosen (KHK) → distale Areale werden nicht ausreichend versorgt → Ischämiegefahr
2. Retrograde Kardioplegie
Injektion über einen Ballonkatheter im Koronarsinus → Lösung fließt retrograd durch das Venensystem ins Myokard
Vorteil: Versorgt auch Areale distal hochgradiger Koronarstenosen gleichmäßig; unabhängig vom arteriellen System
Nachteil: Rechter Ventrikel wird schlechter versorgt (RV drainiert überwiegend direkt in den rechten Vorhof, nicht über Koronarsinus); technisch aufwendiger; Koronarsinusdruck muss überwacht werden (Rupturrisiko bei >40 mmHg)
3. Kombiniert antegrad + retrograd
In der Praxis häufigste Methode bei komplexen Eingriffen
Start antegrad → dann retrograde Erhaltungskardioplegie → sichert gleichmäßige Versorgung
Besonders wichtig bei: hochgradiger KHK, Reoperation, schlechter LV-Funktion
Van’t-Hoff-Regel
Bei einer Absenkung der Herztemperatur sinkt der myokardiale Metabolismus
pro 10 °C um 50 %
Protaminsyndrom
Was ist Protamin?
Antagonisiert Heparin nach HLM (1 mg / 100 IE Heparin)
Langsam iv über 5–10 min → sonst Reaktion
3 Reaktionstypen
Typ I – Hämodynamisch (häufigste)
Ursache: Zu schnelle Gabe → Histaminfreisetzung
Klinik: Hypotonie, Flush, Tachykardie
Therapie: Langsamer geben, Volumen, Noradrenalin
Typ II – Anaphylaxie
IIA: Komplementaktivierung durch Heparin-Protamin-Komplex → Bronchospasmus, Hypotonie
IIB: Echte IgE-Anaphylaxie bei Sensibilisierten
Risikogruppen: Fischallergiker, NPH-Insulin-Diabetiker, Vasektomierte
Therapie: Adrenalin, Kortison, Antihistaminika
Typ III – Pulmonale Hypertonie (gefährlichste)
Ursache: TXA₂-Freisetzung → pulmonale Vasokonstriktion → akutes RV-Versagen
Klinik: PAP ↑↑, RV-Versagen, Hypotonie, Bronchospasmus
Therapie: iNO, Iloprost inhalativ, Milrinon, ggf. Rückkehr an HLM
Koronarstenosegraduierung
AHA/ACC; angiografische Erscheinungsform
Wann PCI, wann CABG?
Wann PCI bevorzugt?
Akutintervention (STEMI, NSTEMI, kardiogener Schock)
1-2 Gefäß-KHK ohne komplexe Anatomie
Hohes OP-Risiko (Komorbidität, hohes Alter, schlechter AZ)
SYNTAX-Score niedrig
Patient lehnt OP ab
Erneute Revaskularisation nach CABG (native Gefäße oft verschlossen)
Wann CABG bevorzugt?
3-Gefäß-KHK oder Hauptstammstenose mit mittlerem/hohem SYNTAX-Score → CABG bringt im Langzeitverlauf geringere Mortalität und Morbidität DGK Leitlinien
Diabetes mellitus + Mehrgefäß-KHK → CABG klar überlegen (FREEDOM-Studie)
Komplexe Bifurkationsstenosen
Chronische Totalverschlüsse (CTO) nicht-PCI-geeignet
Begleiteingriff nötig (z.B. gleichzeitig Klappenersatz, Aortenchirurgie)
Schlechte LV-Funktion
SYNTAX-Score
Was?
Angiographisches Scoring-System zur Quantifizierung der KHK-Komplexität
Bewertet alle Stenosen ≥50% in Gefäßen ≥1,5mm
Bewertungskriterien (Punkte addiert pro Läsion)
Lage im Gefäßbaum (proximal > distal)
Totaler Verschluss (CTO) → +5
Kalzifikation, Tortuosität, Bifurkation → je +1–2
Aorto-ostial, Thrombus, Länge >20mm → je +1
Auswertung
Score
Empfehlung
0–22
PCI = CABG gleichwertig
23–32
Tendenz CABG
>32
CABG klar bevorzugt
SYNTAX-Score II
Ergänzt anatomischen Score um klinische Faktoren (Alter, EF, Kreatinin, Diabetes, COPD, pAVK)
Gibt separate Mortalitätsprognose für PCI vs. CABG aus
Grenzen
Rein anatomisch (klassischer Score) → keine Funktionsdiagnostik (FFR/iFR)
Interobserver-Variabilität
Immer kombiniert mit Heart-Team-Entscheidung
Elektive Revaskularisation bei stabiler AP (CCS)
Grundprinzip
Erst optimale medikamentöse Therapie (OMT) → dann Revaskularisation
Revaskularisation verbessert primär Symptome, nicht automatisch Prognose
Stufenschema
OMT → Betablocker + Nitrate + Kalziumantagonisten + ASS + Statin
Symptome persistieren → Ischämienachweis (Stress-Echo, MRT, FFR ≤0,80, iFR ≤0,89)
Ischämie bestätigt → PCI vs. CABG nach SYNTAX-Score + Heart-Team
Wann trotzdem prognostischer Benefit durch Revaskularisation?
Hauptstammstenose
Proximale LAD-Stenose
3-Gefäß-KHK + reduzierte EF
→ Hier auch ohne persistierende Symptome Revaskularisation indiziert
Wichtig
Rein angiographische Stenose reicht nicht als Indikation
Funktioneller Ischämienachweis obligat (FFR/iFR)
COX-Hemmer
ASS (Acetylsalicylsäure)
Mechanismus: Irreversible Acetylierung der COX-1 → kein TXA₂ → keine Aggregation
Bindung: Irreversibel (Thrombozyt lebenslang gehemmt)
Dosis: 75–100 mg/Tag
Indikation: KHK, Sekundärprophylaxe Herzinfarkt/Schlaganfall, Basis jeder DAPT
Besonderheit: Einziger TAH ohne Rezeptorbindung an Thrombozytenoberfläche; Cave Reye-Syndrom bei Kindern
P2Y12-Hemmer (ADP-Rezeptor-Antagonisten)
Clopidogrel, Prasugrel, Ticlopidin, Ticagrelor und Cangrelor hemmen alle die Thrombozytenaktivierung durch Blockade des ADP-Rezeptors P2Y12. Während Clopidogrel, Prasugrel und Ticlopidin Prodrugs sind, die den Rezeptor irreversibel hemmen, inhibieren Ticagrelor und Cangrelor reversibel.
Substanz
Prodrug
Bindung
Besonderheit
Clopidogrel
Ja (CYP2C19)
Irrev.
Non-Responder möglich
Prasugrel
Ja (kein CYP-Problem)
Stärker als Clopidogrel
Ticagrelor
Nein
Rev.
Schnell, stark, 2×/Tag, Dyspnoe
Cangrelor
Nein (iv)
HWZ 3–6 min, Bridge-Substanz
Ticlopidin
Ja
Veraltet, starke NW (Agranulozytose)
GPIIb/IIIa-Inhibitoren
Blockade der Glycoprotein-GPIIb/IIIa-Rezeptoren führt zu einer direkten Hemmung der Thrombozytenaggregation – diese Rezeptoren stellen die gemeinsame Endstrecke aller Aktivierungswege dar.
HWZ
Einsatz
Abciximab (ReoPro)
Irrev. (monoklonaler AK)
30 min (Rezeptor 12–24 h)
PCI bei ACS
Tirofiban (Aggrastat)
2 h
PCI, ACS
Eptifibatid (Integrilin)
2,5 h
Alle nur iv → ausschließlich Katheterlabor/ICU
Prodrug → Aktivierung über CYP2C19 in der Leber
Genetische Non-Responder (~30%): Loss-of-function-Mutation CYP2C19 → kein aktiver Metabolit → keine Wirkung → erhöhtes Stentthromboserisiko
Lösung: Genotypisierung möglich → dann Umstieg auf Prasugrel/Ticagrelor
Interaktion mit Omeprazol/Pantoprazol: Omeprazol hemmt CYP2C19 → Wirkabschwächung; Pantoprazol gilt als weniger problematisch
Raucher-Paradox: Tabakrauch induziert CYP1A2 → verbesserte Aktivierung von Clopidogrel → Raucher sprechen paradoxerweise besser an
Prodrug, aber Aktivierung über CYP3A4/CYP2B6 → kein CYP2C19-Problem → zuverlässigere Wirkung
Stärker + schneller wirksam als Clopidogrel
Kontraindikationen (wichtig!):
Schlaganfall / TIA in der Vorgeschichte → absolut kontraindiziert (erhöhtes intrakranielles Blutungsrisiko)
Alter >75 Jahre → relativ kontraindiziert (Nutzen-Risiko-Abwägung)
Körpergewicht <60 kg → reduzierte Dosis (5 mg statt 10 mg)
Kein Vorteil bei STEMI-Patienten ohne PCI
Kein Prodrug → direkte Wirkung, kein CYP-Problem
Reversible Bindung → aber biologische Wirkdauer trotzdem 3–5 Tage (Rezeptorkinetik)
2× täglich nötig (HWZ 7–9 h)
Metabolisierung über CYP3A4 → Interaktionen mit starken CYP3A4-Inhibitoren (Ketoconazol, Clarithromycin) → Wirkungsverstärkung
Besondere Nebenwirkungen:
Dyspnoe (~14%) – häufigste NW, Mechanismus unklar (vermutlich Adenosin-vermittelt), meist reversibel, kein Bronchospasmus
Bradykardie/Pausen – asymptomatische ventrikuläre Pausen in ersten Wochen möglich
Erhöhte Harnsäure → Cave Gicht
Kreatinin-Anstieg möglich
Kontraindiziert bei mäßiger bis schwerer Leberinsuffizienz
Einziger i.v. P2Y12-Hemmer
ATP-Analogon (kein ADP-Analogon wie die anderen!)
HWZ 3–6 min → Thrombozytenfunktion nach ~60 min wieder normal
Klinischer Einsatz:
Bridge-Strategie: Patient auf oralem P2Y12-Hemmer → präoperativ absetzen → Cangrelor als Überbrückung → kurz vor OP stoppen
Periprozedural bei PCI wenn kein oraler TAH vorgeladen
Cave: Nicht zusammen mit Clopidogrel/Prasugrel laden – Cangrelor blockiert den P2Y12-Rezeptor und verhindert die Bindung der Thienopyridin-Metaboliten → orale Substanz wirkt nicht → erst nach Cangrelor-Stopp laden!
Ticagrelor kann jedoch während Cangrelor gegeben werden (anderer Bindungsmechanismus)
P2Y12-Hemmer – Wann welcher?
Situation
Wahl
Kurzgrund
STEMI / NSTEMI
Schnellster Wirkbeginn, Mortalitätsvorteil, kann vor Angio gegeben werden
Elektive PCI / stabile KHK
Ausreichend wirksam, kein Zusatznutzen der stärkeren Substanzen bei stabiler Situation
Schlaganfall / TIA
Zugelassen; Prasugrel absolut KI hier!
pAVK
Einzige Zulassung für diese Indikation
Triple-Therapie (VHF + PCI)
Einziger P2Y12-Hemmer der mit DOAK kombiniert werden darf
CYP2C19-Non-Responder
Ticagrelor oder Prasugrel
Clopidogrel wird nicht aktiviert → wirkungslos
Bridge vor dringlicher OP
Cangrelor iv
Einzige Option – Wirkung nach 60 min weg
Die 3 wichtigsten Merkregeln
Prasugrel NIE vorladen vor Angiographie → Anatomie unbekannt → evtl. CABG nötig → 7 Tage Wartezeit
Prasugrel-KIs merken:
SAG – Schlaganfall/TIA · Alt (>75J) · Gewicht (<60 kg)
Clopidogrel-Falle:
Omeprazol hemmt CYP2C19 → Wirkabschwächung → lieber Pantoprazol!
DOAKS
CABG Conduit
Conduit
Typ
10-Jahres-Offenheit
A. thoracica interna (LIMA/RIMA)
Arteriell
~90%
Goldstandard; LIMA auf LAD = wichtigste Anastomose
A. radialis
~80%
2. arterielle Option; cave Raynaud, Allen-Test präop.
V. saphena magna
Venös
~50–60%
Leicht verfügbar; niedrigere Langzeitoffenheit
A. gastroepiploica
Gut
Selten, bei Reoperation oder fehlenden anderen Optionen
Merksatz: Arteriell > venös im Langzeitverlauf → möglichst viele arterielle Conduits anstreben
CABG Steckbrief
Indikationen
3-Gefäß-KHK, v.a. mit SYNTAX-Score >22
Hauptstammstenose (>50%)
3-Gefäß-KHK + Diabetes mellitus → CABG klar überlegen
Kombination mit anderen Eingriffen (Klappenersatz, Aortenchirurgie)
Schlechte LV-Funktion (EF <35%) + KHK
Technisch nicht PCI-bare Läsionen
Operationstechnik
On-pump (Standard)
HLM übernimmt Herz- + Lungenfunktion
Herz wird mit Kardioplegie stillgelegt
Anastomosen am blutleeren, stillgelegten Herzen
Vorteil: Ruhiges OP-Feld, gute Übersicht
Off-pump (OPCAB)
Am schlagenden Herzen ohne HLM
Stabilisatorsystem hält Anastomosenbereich ruhig
Vorteil: Kein HLM-SIRS, weniger Hämodilution, weniger neurologische Komplikationen
Nachteil: Technisch anspruchsvoller, schlechtere Anastomosenqualität bei Unerfahrenen
Indikation: Kalzifizierte Aorta, schlechte Lungenfunktion, hohes SIRS-Risiko
Minimal-invasiv (MIDCAB / TECAB)
Kleiner linksseitiger Schnitt oder roboterassistiert
Meist nur LIMA auf LAD (1-Gefäß)
Zunehmend bei geeigneten Patienten
Anastomosen
Proximal: Conduit wird an Aorta ascendens angenäht (Seit-zu-End) → Ausnahme: LIMA entspringt direkt aus A. subclavia (kein proximaler Anschluss nötig)
Distal: Conduit wird distal der Stenose ans Koronargefäß genäht (End-zu-Seit)
Sequenzielle Bypässe: Ein Conduit versorgt mehrere Koronargefäße hintereinander → spart Conduit-Material
Wichtige perioperative Aspekte
ASS perioperativ fortführen (Schutz vor Bypassverschluss)
Statine perioperativ fortführen
DAPT präoperativ: P2Y12-Hemmer absetzen (Clopidogrel 5d, Prasugrel 7d, Ticagrelor 5d)
Postoperativ: ASS lebenslang; bei ACS zusätzlich P2Y12-Hemmer für 12 Monate
CABG Komplikationen
Komplikation
Häufigkeit
Bemerkung
Wundinfektion / Sternumosteomyelitis
1–3%
Besonders bei Diabetes + bilateraler ITA-Entnahme
Neurologische Defizite / Schlaganfall
Mikroembolien, Hypoperfusion
Vorhofflimmern postop.
20–40%
Häufigste Arrhythmie, meist selbstlimitierend
Bypassverschluss (früh)
<5%
Technischer Fehler, Thrombose
Bypassverschluss (spät, venös)
~40% nach 10 J.
Atherosklerose im Venenbypass
Perikarderguss / Dressler-Syndrom
10–20%
Postperikardiotomiesyndrom
Nierenschaden (AKI)
5–30%
HLM-bedingt
Ergebnisse
30-Tage-Mortalität elektiv: ~1–2%
10-Jahres-Überleben mit LIMA auf LAD: deutlich besser als mit Venenbypass
Symptomfreiheit nach 5 Jahren: ~80%
Reintervention nach 10 Jahren: ~10–15%
Dressler-Syndrom / Postperikardiotomiesyndrom – Steckbrief
Entzündliche Reaktion des Perikards nach Herzoperation (oder Herzinfarkt)
Autoimmunreaktion gegen freigesetzte Herzantigene → Antikörperbildung → Perikarditis
Tritt typischerweise Wochen bis Monate nach dem Eingriff auf (klassisch 2–6 Wochen)
Pathomechanismus
Herzoperation → Perikard wird eröffnet → Herzmuskelzellen + Perikardgewebe werden verletzt
Freigesetzte Antigene → Immunantwort → IgG-Antikörper gegen Herzgewebe
→ Perikarditis, Pleuritis, manchmal Pneumonitis
Klinik
Fieber (oft >38,5°C)
Retrosternale Schmerzen (lageabhängig – besser im Sitzen/Vorbeugen)
Perikardreiben (auskultierbar)
Perikarderguss → bei großem Erguss: Tamponadegefahr!
Pleuritis + Pleuraerguss möglich
Erhöhte Entzündungsparameter (CRP, BSG ↑)
Diagnose
Klinik + Zeitverlauf (Wochen nach OP)
Echo → Perikarderguss nachweisen
EKG → diffuse ST-Hebungen (konkav), PR-Senkung
Labor: CRP ↑, Leukozyten ↑, BSG ↑
Therapie
ASS oder Ibuprofen → erste Wahl
Colchicin → zusätzlich, verkürzt Verlauf und verhindert Rezidive
Kortison → nur wenn NSAR versagen oder kontraindiziert (cave: erhöht Rezidivrisiko)
Bettruhe bei schwerem Verlauf
Bei Tamponade → Perikardpunktion (Notfall!)
CABG-Techniken – Wann welche?
Technik
Zugang
HLM
Indikation
Vorteile
Nachteile / Cave
On-pump CABG (Standard)
Sternotomie
Mehrgefäß-KHK, komplexe Anatomie, Kombination mit Klappeneingriff, eingeschränkte LV-Funktion
Ruhiges OP-Feld, beste Anastomosenqualität, vollständige Revaskularisation möglich
HLM-SIRS, Hämodilution, neurologische Komplikationen, Hämolyse
Off-pump CABG (OPCAB)
Kalzifizierte Aorta (kein Klemmen möglich), schlechte Lungenfunktion, hohes SIRS-Risiko, Niereninsuffizienz
Kein HLM → weniger SIRS, weniger Hämodilution, weniger Nierenschaden, weniger Schlaganfall
Technisch anspruchsvoll, schlechtere Anastomosenqualität bei Unerfahrenen, unvollständige Revaskularisation möglich
MIDCAB (minimal-invasiv direkt)
Kleine linksseitige Thorakotomie
1-Gefäß-KHK (LIMA auf LAD), junger Patient, elektiv, isolierte LAD-Stenose
Kleiner Schnitt, schnelle Erholung, kein Sternum durchtrennt
Nur 1–2 Gefäße versorgbar, eingeschränkte Sicht, technisch schwierig
TECAB (roboter-assistiert)
3–4 kleine Ports
Nein (oder Ja)
Isolierte LAD-Stenose, elektiv, geeignete Anatomie, erfahrenes Zentrum
Minimalstes Trauma, beste Kosmetik, schnellste Erholung
Sehr teuer, nur wenige Zentren, langer Lerneffekt, nur 1–2 Gefäße, strenge Patientenselektion
Hybrid-Revaskularisation
MIDCAB + PCI kombiniert
Mehrgefäß-KHK + nicht-LAD-Stenosen PCI-geeignet, hohe Komorbidität, Patient lehnt Sternotomie ab
LIMA auf LAD (bester Langzeitbypass) + PCI der Nicht-LAD-Gefäße → beste Kombination
Zwei Eingriffe, DAPT-Management komplex, nicht überall verfügbar
CABG Nachsorge
Medikamentöse Nachsorge
Medikament
Beginn
Dauer
Grund
ASS 100 mg
6–24 h postop
Lebenslang
Bypassoffenheit ↑, Sekundärprophylaxe
P2Y12-Hemmer (bei ACS)
Nach OP fortführen
12 Monate
DAPT nach ACS-indiziertem CABG
Statin
Präop fortführen / postop starten
Bypassatherosklerose ↓, Plaquestabilisierung
Betablocker
Präop fortführen
Langfristig
Vorhofflimmern-Prophylaxe, Herzschutz
ACE-Hemmer / AT1-Blocker
Postop starten
Bei EF <40%, Diabetes, Hypertonie
Antikoagulation
Nur bei Zusatzindikation (VHF, mech. Klappe)
Je nach Indikation
Kein Routine-DOAK nach CABG
Typische postoperative Komplikationen + Management
Zeitpunkt
Maßnahme
Vorhofflimmern
1.–4. Tag (häufigste!)
Betablocker, Amiodaron, Kardioversion
Perikarderguss / Dressler
2–6 Wochen
ASS + Colchicin, Echo-Kontrolle
Sternuminstabilität
Früh postop
Restenotomie + Drahtrefixation
Wundinfektion / Mediastinitis
1–2 Wochen
Debridement, VAC-Therapie, Antibiotika
Stunden–Tage
Notfall-Angiographie, Re-PCI oder Re-CABG
Pleuraerguss
Wochen
Punktion wenn symptomatisch
Volumen, Diuretika, ggf. Dialyse
Indikationsspektrum für biologische bzw. mechanische Herz-
klappenprothesen
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