Was versteht man unter Entwicklung?
Veränderungsreihe in Richtung eines Endzustands
Abfolge der Schritte wird als irreversibel angenommen
Entwicklungsstufen
Starke Korrelation mit dem Lebensalter
Universelle Entwicklungsverläufe
Laufen bei jedem gleich ab
Veränderungen sind nicht immer als Abfolge bestimmter Schritte beschreibbar
Auch innerhalb einer Stufe können Veränderungen geschehen, hat nicht immer ein “Stufenaufstieg” zur Konsequenz
Qualitative und Quantitative Veränderungen
Qualitativ: Gangbild schwankt
Quantitativ: Gang wird langsamer
Entwicklung wird über Veränderung definiert
Reihenfolge des Erwerbs basaler motorischer Fertigkeiten
Aufeinander aufbauende “qualitative” stufen innerhalb einer Fertigkeit
Veränderung spezifischer motorischer Leistungen und in der Funktionsweise einer Fertigkeit
Worin unterscheiden sich Entwicklung und Lernen?
Entwicklung ist keine Anpassung an äußere Reize
Lernen ist das reagieren auf äußere Reize
Motorische Entwicklung und motorisches Lernen werden als Veränderung des Verhaltens im Zeitverlauf beschrieben
Entwicklung und Lernen unterscheiden sich bezüglich der Zeitskala und bezüglich der Ursachen für die Veränderung
Zeitskala
Lernen: Minuten/Stunden/Tage/Wochen
Entwicklung: Wochen/Monate/Jahre
Ursachen
Lernen: Übung, Informationsverarbeitung, neuronale Plastizität
Entwicklung: zusätzlich auch Wachstums- und Reifungsprozesse
Wie sieht der Einfluss von Training im Altersverlauf aus?
höhere Intensität steigert die Leistungsfähigkeit mehr als mittlere Intensität als geringe Aktivität als gar keine
Leistungsfähigkeit ist auch im höheren Alter vom Training abhängig
Was ist das chronologische Alter?
auch kalendarisches Alter
Bezieht sich auf die Tage, Monate, Jahre, die seit der Geburt einer Person vergangen sind
Bietet einen Vergleichsmaßstab für Entwicklungsprozesse, darf aber nicht als Ursache für Entwicklung missverstanden werden
Was versteht man unter der psychischen Entwicklung?
geordnete (regelhafte), gerichtete und längerfristige Veränderung des Erlebens und Verhaltens über die Lebensspanne
Was ist das motorische Alter?
Altersstufe, die die motorischen Fertigkeiten wiedergeben
Fertigkeit xy kann man im Alter von 5 (motorisches Alter)
Was bedeutet Lernen?
relativ dauerhafte Veränderungen motorischer Funktionen im Minuten-, Stunden- oder Tagesbereich werden üblicherweise der Domäne motorischen Lernens zugeschrieben
Lernen fokussiert außerdem auf solche Prozesse, die durch Übung verbessert werden
Was bedeutet Reifung?
In der Entwicklung werden Veränderungen auf Reifung zurückgeführt, wenn sie universell in einem Altersabschnitt vorkommen und wenn sie nicht auf Lernen beruhen
In der Biologie wird unter Reifung die genetisch gesteuerte Entfaltung von Strukturen und Funktionen verstanden
Was umfasst die motorische Entwicklung?
Worauf baut sie auf?
umfasst Lebensalters-bezogene Veränderungen motorischer Funktionsprozesse, die sich in der Regel in größeren Zeitabschnitten manifestieren
Baut auf motorischen Lernprozessen auf, ist darüber hinaus aber auch von Wachstums- und Reifungsprozessen und der Entwicklung physiologisch-konditioneller Funktionsbereiche, wie Kraft, Ausdauer usw abhängig
Wie sehen die Phasen der motorischen Entwicklung aus?
Reflexgesteuerte Bewegungen
Pränatal bis 6 Monate
Rudimentäre Bewegungen
Geburt bis 2. Lebensjahr - Ausbildung Willkürbewegungen
Entwicklung grundlegender Bewegungsfertigkeiten
Bis Schuleintritt
Entwicklung spezifischer, häufig sportartbezogener Fertigkeiten
Kindes- und Jugendalter
Phase höchster Leistung
ca 25-30 Jahre
Wie verändert sich die Größe im Laufe des Lebens?
Geburt
Jungen & Mädchen circa 50 cm
1. Lebensjahr
Jungen ca 76 cm und Mädchen ca 74 cm
2. bis 5. Lebensjahr
Jährliche Wachstumsrate circa 7 cm
Ab 6. Lebensjahr
Jährliche Wachstumsrate circa 6 cm
Adoleszenz
98 % der Mädchen haben mit 16,5 Jahren ihre Erwachsenenstatur erreicht
98 % der Jungen haben mit 18 Jahren ihre Erwachsenenstatur erreicht
Ab dem 40. Lebensjahr Abnahme der Körpergröße
Durch Haltungsveränderungen
Wirbelstauchen
Wie verändern sich die Proportionen im Verlauf der Jahre?
Kopf bei Neugeborenem macht 1/4 der Körpergröße aus
Im Erwachsenenalter nur noch 1/8
Wie verändert sich das Skelett im Laufe der Jahre?
Nach der Geburt sind Knochen noch nicht komplett ausgebildet, werden erst mit der Zeit mineralisiert
Dicke der Cortikalis nimmt bis zum 20. Lebensjahr zu und nimmt danach wieder ab
Bei Frauen schneller und deutlicher
Was ist der säkulare Trend?
Größe nahm seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa deutlich zu
1-2cm/Dekade
Auch Alter der ersten Regelblutung wird früher
Mögliche Ursachen
Verbesserung der Ernährung, der hygienischen Verhältnisse und der medizinischen Versorgung
Zunahme der Größe in den letzten 30 Jahren aber verringert
Unter 1cm/Dekade in Deutschland
Wachstum und Tempo körperlicher Entwicklung scheinen begrenzt zu sein
Wie verändert sich das Gewicht im Laufe des Lebens?
Jungen 3,4 kg; Mädchen 3,2 kg
Jungen 10,2 kg; Mädchen 9,5 kg
Jährliche Zunahme circa 2,3 kg
Jährliche Wachstumsrate circa 3 kg
Im Alter von 18 Jahren wiegen Jungen durchschnittlich knapp 69 kg und Mädchen knapp 57 kg
Ab 19. Lebensalter
Gewicht ist abhängig von Energieverbrauch und -zufuhr
Ab dem 60. Lebensjahr nimmt Gewicht nochmal ab
Durch Muskelverlust
Wie verändert sich der Körperfettanteil und die Muskelmasse?
Körperfettanteil nimmt zu
Muskelmasse nimmt ab
Wie unterscheidet sich der Größen- und Kraftwachstum bei Mädchen und Jungen?
Jungs wachsen erst, danach kommt der Kraftwachstum
Mädchen wachsen gleichzeitig mit Kraftwachstum
Jungen sind ca 10% stärker als Mädchen
Nach der Pubertät
Mädchen erreichen ca 70% der Muskelkraft der Männer
Kraft im Oberkörper ist um 50% geringer als bei Männern
Kraft in den unteren Extremitäten ist um 20-30 % geringer
Welche Muskelart wird eher erhalten im Alter?
Muskeln, die im Alltag benutzt werden
Isometrische Kraft
Exzentrische arbeitende Muskeln
Langsam kontrahierende Muskulatur
Wiederholt geringe kleinere Kontraktionen
Quasi Kraftausdauer
Muskeln bei Männern
Welche Einflussfaktoren gibt es auf die Muskelkraft?
Ernährung
Physical Activity
Muskelatrophie
Änderung der Zusammensetzung der Muskelfasern
Änderungen im Blutfluss
Änderungen des Nervensystems
Erkrankungen
Wie verändert sich die Beweglichkeit im Alter?
Kniebeweglichkeit
Männer sind unbeweglicher als Frauen
Schulterbeweglichkeit
Anfangs relativ ähnlich
Im Alter sind Männer unbeweglicher als Frauen
Fußgelenksbeweglichkeit
Anfangs sind Frauen etwas beweglicher
Im Alter nähert sich die Beweglichkeit an
Was sind Ursachen für den Rückgang der Beweglichkeit im Alter?
Degeneration von Skelettmuskulatur und Bindegewebe
Zunahme von Kollagen und Abnahme von Elastin führen zu Rückgang der Gelenkbeweglichkeit
Nichtgebrauch verstärkt die Alterseffekte
Umfang noch unklar
Krankheitsbedingte Veränderungen, bspw Osteoarthritis oder Osteoporose verstärkt Rückgang
Welche anatomischen Geschlechtsunterschiede gibt es?
Mit wie vielen Nervenzellen kommen Neugeborene auf die Welt?
100 bis 200 Millionen
Anzahl verändert sich nicht mehr, ist mit Geburt festgelegt
Neurone nehmen an Größe zu
Wie verändert sich das Gehirngewicht?
Gehirngewicht in den ersten beiden Lebensjahren wird verdreifacht
Im Alter von 2 Jahren hat Gehirn 75% der Größe des erwachsenen Gehirns erreicht
Was ist die Myelinisierung? Ist sie mit der Geburt schon abgeschlossen?
Myelin umhüllt Nervenfasern
Funktion
Erhöhung der Leitfähigkeit der Nervenzellen
Myelinisierung ist mit der Geburt noch nicht abgeschlossen
Sie beginnt für die Verbindung zwischen Kleinhirn und Kortex erst nach der Geburt
Was sind die vier Grundprinzipien der körperlichen Reifung?
Cephalocaudal-Prinzip
Erst Kopf und obere Körperregionen, dann der Rest des Körpers
Proximodales Prinzip
Von der Körpermitte hin zu den Extremitäten
Prinzip der hierarchischen Integration
Einfache Fertigkeiten werden separat und unabhängig entwickelt und werden später in komplexe Fertigkeiten integriert
Prinzip der Unabhängigkeit der Systeme
Verschiedene Körpersysteme entwickeln sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten
Welches System reift am schnellsten?
Nervensystem am stärksten
Körpergröße bis zum 2. Lebensjahr sehr schnell, danach langsamer und ab dem 14. Lebensjahr wieder schneller
Sexuelle Systeme wachsen erst ab dem 12. Lebensjahr und dann sehr viel steiler als die anderen beiden Systeme
Wie entwickelt sich die pränatale Bewegung?
Etwa in der 8. Schwangerschaftswoche treten die ersten peripher stimulierten Bewegungen auf
Stimulation des Muskels führt zur Erregung der Alpha Motoneurone
Ab der 20. Schwangerschaftswoche sind Bewegungen gesteuert durch das Zentrale Nervensystem
Abhängig von der Myelinisierung
Welche Bedeutung hat die pränatale Bewegung?
Zentral für das Aufwachsen/Überleben im Uterus
Vorwegnahme postnataler Bewegung
treten zB
Einfluss auf Entwicklung des Skelettsystems
Wichtiger Einfluss auf die Entwicklung des ZNS
Was sind Ursachen für Fehlbildungen pränatal?
Infektionen und Krankheiten
Diabetes mellitus (bis zu 50% Fehlgeburten)
Rauchen
Erhöhte Wahrscheinlichkeit für Missbildungen
Verdoppelte Wahrscheinlichkeit für niedriges Geburtsgewicht
Alkohol
Starker Einfluss auf motorische Entwicklung
Leber des Kindes kann Alkoholkonsum nicht kompensieren
Was sind Risikofaktoren für eine Frühgeburt?
ungeplante Schwangerschaft
Unter anderem, weil Lebensstil noch nicht angepasst
Junges Alter der Mutter
Unter- oder Übergewicht der Mutter
Rauchen / Drogenmissbrauch
Stehende Tätigkeit der Mutter
Physikalische Gründe
Stress
Wie wird Frühgeburt definiert?
Frühgeburt: Unter 37 Wochen
Niedriges Geburtsgewicht: unter 2500g, bzw sehr niedrig unter 1500g
Was ist auffällig bei Kindern mit einem Geburtsalter unter 29 Wochen?
Grundschulalter
69% weisen eine Form Entwicklungsdefizit oder Behinderung auf
Frühe Jugend
59% weisen eine Form Entwicklungsdefizit oder Behinderung auf
Bei einem Geburtsgewicht unter 1000g zeigt eine Studie bei 50% der 14jährigen Defizite auf
Was sind Folgen von Frühgeburt für die Motorik?
Niedriger Muskeltonus
Muskelhypotonie
Geringere Beweglichkeit von Gliedmaßen, Rumpf und Hüfte
Erhöhte Synchronität von Bewegungen
Was sind Langzeitfolgen eines niedrigen Geburtsgewichts?
Konzentrationstest
Mathenoten
Non-verbale Intelligenz
Motorische Skills
Je niedriger das Geburtsgewicht, desto schlechter war die Leistung
aber trotzdem noch im Normbereich
Wie nimmt die Frühgeburt Einfluss auf die Seitigkeit?
erhöhter Anteil an Links-händigkeit oder Nicht-Rechtshändigkeit bei Frühgeburten
Verbunden mit Geburtsstress und möglichen Gehirnschädigungen
Ambidexter auch deutlich erhöht
Keine ausgeprägte Seitigkeit
Gestörte Asymmetrie der Handmotorik
Frühgeburten weisen etwa doppelte Inzidenz für nicht-Rechtshändigkeit aus
Mangelnde Seitenausprägung Ursache für Entwicklungsdefizite
Welchen Einfluss hat eine Frühgeburt auf das Greifen?
Objekte werden gleich häufig gegriffen, wie die typisch entwickelten Kinder greifen
Greifbewegungen sind weniger gerade, sondern eher kurvige Bewegungstrajektorien
Es werden stärker beidhändige Strategien verwendet
Wie ist die Epidemiologie der fetalen Alkoholspektrums-Störung?
Prävalenz variiert lokal zwischen 0,5 und 7,1%
Neueres Problem entstand durch das binge drinking
Was sind spezifische Risiken für das FASD?
Alkoholkonsum im 1. Trimester
Morphologische Veränderungen des Gehirns und des Gesichts
Alkoholkonsum im 2. Trimester
Risiko für Fehlgeburt steigt
Körperliche Entwicklungsstörung- und Wachstumsverzögerungen
Alkoholkonsum im 3. Trimester
Störungen im Kleinhirn, Hippocampus und Präfrontalen Kortex
Wachstumsstörungen
Was sind Folgen der FASD?
Physische Merkmale
Missbildung des Gesichts
Geringes Körpergewicht und geringes Körperwachstum
Verlangsamte Reaktionszeiten
Insbesondere bei Wahlreaktionsaufgaben
Motorik
Kleinhirndefizite führen zu Stand- un dGangdefiziten
Basalganglienstörungen äußern sich durch Perseverationen und Probleme beim räumlichen Gedächtnis
Verhalten
ADHS-vergleichbare Defizite
Sekundäre soziale Probleme
Was sind typische Folgen von FASD?
Tremor
Defizite bei der Auge-Hand-Koordination
Probleme bei der Kraftregulation
Probleme bei der bimanualen Koordination
Verringerte Kontrolle bei der Okulomotorik
Probleme der posturale Kontrolle
Was ist Gleichgewicht?
Ein Körper ist physikalisch im Gleichgewicht, wenn er sich im Zustand der Ruhe (statisches Gleichgewicht) oder der gleichförmigen Bewegung (dynamisches Gleichgewicht) befindet
Ein physikalisches System gilt dann als stabil, wenn sich sein Zustand nicht nennenswert verändert, auch wenn es von außen einwirkenden Kräften ausgesetzt ist
Wie spielen posturale Kontrolle und Balance zusammen?
Sichtbare Bewegung nur Spitze des Eisbergs
Haltungs- und Stützmotorik nicht sichtbarer Berg
Gleichgewicht wird ständig durch innere (Herzschlag, Atmung) und äußere Einflüsse gestört
Haltung und Balance erfordern nicht nur das Wiedererreichen eines Gleichgewichtszustandes, sondern auch das Antizipieren möglicher Instabilitäten
Posturale Stabilität beinhaltet das Beibehalten der Körperposition, spezifisch des Körperschwerpunktes, innerhalb bestimmter räumlicher Grenzen - innerhalb dieser Grenzen behält der Körper seine Position, ohne Veränderung der Unterstützungsfläche
Was ist das vertikale Gleichgewicht?
Quiet Stance
Das Gleichgewicht bleibt erhalten, wenn die Projektion des Körperschwerpunktes auf die Unterstützungsfläche fällt
Was gilt als Indikator für die Güte der Haltungs- und Standkontrolle?
Verlagerungen des Center of Pressure
Die Bodenreaktionskräfte werden durch die Ausgleichsbewegungen aufgrund von Schwankungen beeinflusst
Was erfordert eine erfolgreiche Haltungskontrolle?
Verarbeitung vielfältiger sensorischer Informationen
Sensorische Prozesse
Aktives Erzeugen der notwendigen Kräfte zur Stabilisierung und Positionierung des Körpers
Prozesse müssen ausgebildet, aufeinander abgestimmt und fortlaufend in Einklang gebracht werden
Lernprozesse durch Erfahrungen
Wie entwickelt sich die Kopfkontrolle?
Koordinierte Aktivitäten der Halsmuskulatur zur Stabilisierung des Kopfes im Schwerefeld der Erde treten erst mit dem zweiten Lebensmonat in Erscheinung
Die unzureichende Kopfkontrolle Neugeborener beruht nicht nur auf einem Mangel an Muskelkraft, sondern vor allem auf einem Mangel an angemessener organisierter Muskelaktivität
Was ist die Landau-Reaktion?
Frühkindlicher Stellreflex, der bei Säuglingen in Bauchlage durch horizontales Schweben ausgelöst wird
Er zeigt sich typischerweise ab dem 3.-4. Monat durch Anheben des Kopfes, Streckung der Wirbelsäule und Beine
Welche Faktoren tragen zur Stabilität bei?
Ausrichtung des Körpers kann Effekte der Gravitation reduzieren
Muskeltonus
Steifheit der Muskeln
Hintergrundtonus
Posturaler Tonus
Was sind posturale Synergien?
sind definiert als funktionale Kopplung verschiedener an und für sich voneinander unabhängiger Muskelgruppen
Werden in einer festen Reihenfolge aktiviert
Agieren wie eine koordinative Einheit
Sind zeitlich gebunden und dienen einem bestimmten Zweck
Sicherung des Gleichgewichts
Vereinfachen den Kontrollaufwand des Zentralen Nervensystems
Werden erlernt und können durch Übung und Erfahrung angepasst und optimiert werden
Werden auf allen Ebenen des Zentralen Nervensystems organisiert
Entscheidende Integrationsebene ist jedoch der Hirnstamm
Was sind die drei posturale Synergien im Stand?
Fußgelenksynergie
Hüftsynergie
Schrittsynergie
Kann man posturale Synergien trainieren?
Studie zeigt: Trainingsgruppe baut im Vergleich zur Kontrollgruppe nach einem dreitägigen Gleichgewichtstraining mehr Muskeln auf
Bei Kontrollgruppe nehmen Muskeln teilweise sogar ab im Nachtest
Wie ist die Entwicklungsabfolge der posturalen Synergien?
Fußgelenksynergie ist ab dem Alter von 9 Monaten verfügbar
Kinder bis zu 1-1,5 Jahre verwenden fast ausschließlich die Fußgelenksynergie
Ab 1,5 Jahre zwar schon Schrittsynergie, aber auch - überwiegend unangemessen - die Fußgelenksynergie
Hüftsynergie erst ab 4 Jahren, konsistent ab 7-10 Jahre
Ab dann werden Strategien auch variabel an Bedingungen angepasst
Wie werden Körperposition und die Position relativ zur Umwelt bestimmt?
durch Informationen aus verschiedenen sensorischen Modalitäten
Integration der sensorischen Informationen findet im posterioren parietalen Kortex und in den sekundären somatosensorischen Arealen statt
Was sind Funktionen der somatosensorischen Wahrnehmung?
Sensomotorische Koordination
Informationen über die relative Lage und die Bewegung von Körperteilen
Wahrnehmung von Berührung, Schmerz usw
Welche beiden Wahrnehmungsbereiche beinhaltet die Propriozeption?
die Wahrnehmung der eigenen Bewegung
Kinästhetische Wahrnehmung
Die Wahrnehmung stationärer Körperpositionen
Was sind Funktionen der taktilen Wahrnehmung?
Berührungswahrnehmung
Registrieren von Druck, Berührung und Vibration auf der Haut
Erkundung / Haptik
Aktives Erkunden von Objekten (Form, Gewicht, Konsistenz) durch gezielte Bewegung
Temperaturwahrnehmung
Unterscheidung von warm und kalt über Hautrezeptoren
Schmerzwahrnehmung
Wichtigstes Warnsystem des Körpers gegen verletzende Einwirkungen
Körperbewusstsein
Hilfe bei der Verortung des eigenen Körpers im Raum & Abgrenzung zur Umwelt
Was ist das Moving-Room Paradigma?
Wird der umgebende Raum nach vorne bewegt, erzeugt das die visuelle Illusion einer Rückwärtsbewegung
Die Propriozeption meldet dagegen Standstabilität
Ein Moving-Room erzeugt automatisch Ausgleichsbewegungen
Bei Kleinkindern sind die Reaktionen sehr stark und führen oft zum Umfallen - zeigt die starke Abhängigkeit von Kindern von visuellen Informationen
Was bedeutet antizipatorische Haltungskontrolle?
bedeutet, dass der Beginn posturaler Veränderungen vor dem Beginn posturaler Dysbalancen und Störungen einsetzt
Diese Art der Feedforward-Kontrolle verhindert, dass sich die Störungen auswirken
Was sind Beispiele für die antizipatorische Haltungskontrolle?
Rumpfbewegungen durch Atmung sind mit Hütbewegungen in entgegengesetzter Richtung verbunden
Wird der Arm schnell gehoben, so setzt zuerst eine Innervierung der Bein- und dann erst der Armmuskulatur ein
Wird eine Armbewegung mit einem zusätzlichen Gewicht ausgeführt, erhöht sich die Latenzzeit für diese Bewegung, weil die antizipative Haltungskontrolle mehr Zeit benötigt
Wie unterscheidet sich die antizipatorische posturale Kontrolle bei selbstinitiierten vs reaktiven Aktionen?
Bei externer Entlastung
Reaktion 100ms nach der Entlastung
Bei selbstinitiierter Entlastung
Reaktion 100ms vor der Entlastung
6-8 jährige
Überantizipation bei selbstinitiierter Entlastung -200ms
Was beinhaltet der Erwerb der antizipatorischen posturalen Kontrolle?
beinhaltet im Allgemeinen die Überführung von Feedback-regulierten posturalen Korrekturen in feedforward-gesteuerte Kontrolle, um so Störungen der Haltung gar nicht erst entstehen zu lassen
Wie sehen Feedforward und Feedback Kontrolle bei der Haltung aus?
Wann wird Feedforward und Feedback integriert?
bis zum 4. Lebensjahr reagieren Kinder auf Körperschwerpunkt-Verlagerungen erst ab einer relativ hohen Schwelle und dann mit ballistischen Korrekturen
5./6. Lebensjahr
Differenzierung der ballistischen Korrekturen
Austesten von Feedback-Strategien
Übergang zu dualen Kontrollstrategien mit 7,5 Jahren abgeschlossen
Wie kann sich eine motorische Unsicherheit / Ungeschicklichkeit aus einer vestibulären Überempfindlichkeit entwickeln?
Kinder sind von jeglicher Beanspruchung ihres Gleichgewichtssystems verunsichert
Vermeiden es zu Kletten, balancieren, schaukeln
Schwindelgefühl und Übelkeit bei Drehungen sind typisch
Daher werden Bewegungsspiele gemieden, wodurch sich eine motorische Unsicherheit / Ungeschicklichkeit entwickeln kann
Was sind typische Reaktionen bei einer vestibulären Überempfindlichkeit?
taktile Überempfindlichkeit / heftige Reaktion bei zufälligem Anstoßen
Neigung zur Selbstunterforderung / Vermeidung
Mädchen neigen zum Weinen, Jungen zum Überspielen / Kaspern
Vergesslichkeit
Zehenspitzengang, Henkelstellung, Ruderbewegung der Arme
Spielplätze / Turngeräte werden gemieden
Was ist die vestibuläre Unterempfindlichkeit?
kaum zu befriedigendes Bewegungsbedürfnis
Drang nach intensiver Gleichgewichtsstimulation durch schnelles Drehen, Schaukeln und Wippen
Kinder können ihre Leistungsfähigkeit nicht richtig einschätzen, haben vor nichts Angst und probieren alles aus
Aufgrund mangelnder vestibulärer Reizverarbeitung häufig Schwierigkeiten der Bewegungskoordination
Orientierungsprobleme im Raum / Rechts - Linksschwäche
Was sind typische Reaktionen bei vestibulärer Unterempfindlichkeit?
Hyperaktivität durch Senkung der Reizschwelle, vestibuläre Stimulation wird permanent benötigt
Ständiges In-Bewegung-Sein, Ruhelosigkeit, mangelnde Impulskontrolle
Häufiges Anstoßen anderer Kinder
Stürmisches Temperament
Schrift oft ausfahrend mit wenig Druck
Kraftdosierung in den Händen zu fest oder zu locker
Wie werden vestibuläre Störungen behandelt?
Vielfältiges Bewegungsangebot bereitstellen, aus dem gewählt werden darf
Abstufung der Reizintensität
Prinzip der Freiwilligkeit
Spielerisches und freudvolles Erproben, positive Erfahrungen wichtig
Was sind altersbedingte Veränderungen der posturalen Kontrolle?
Rückgang von Muskelkraft und Gelenkbeweglichkeit
Degenerative Erscheinungen im Nervensystem
Verschlechterung der propriozeptiven Wahrnehmung
Verlängerte Latenzzeiten von Ausgleichsbewegungen
Verlangsamte Kraftentfaltung
Funktionsminderung des Vestibularsystems
Probleme bei Sinnesintegration
Geringe Korrekturantworten bei externen Störungen
Sehsinn wird dominant
Problem bei Verschlechterung der Sehleistung
Haltung und Gleichgewicht zunehmend kognitiv kontrolliert
Probleme bei Doppelaufgaben
Korrekturen langsamer und schwächer
ABER: Haltungskontrolle trainierbar
ZB Krafttraining gegen hohe Widerstände
Dynamisches Gleichgewichtstraining & sensorisches Trainung unter reizdeprivierten Bedingungen
Tägliches Heimtraining
Was ist posturale Kontrolle zuallererst? Worüber wird sie realisiert?
ist zuallererst ein motorischer Prozess, der über posturale Synergien realisiert wird
Was kann über den Anteil der vestibulären Informationsverarbeitung an der posturalen Kontrolle gesagt werden?
wird meist überschätzt
Bleibt das Gewicht der sensorischen Modalitäten über den Entwicklungsprozess gleich?
nein, ändert sich
Was sind Meilensteine bei der Fortbewegung?
Nicht alle Kinder durchlaufen die typische Entwicklungsabfolge
Rolling over
Rollen, Brücke, Schlangenartige Bewegungen
Pivoting
Auch aufsetzen und mit den Händen sich vorwärts ziehen / drücken
Auf dem Bauch krabbelnd
Auf den Händen und Knien krabbelnd
Aufstehen
Welche Umweltbedingungen sind für das KRabbeln wichtig?
Boden muss den Körper unterstützen
Unterstützungsfläche muss groß genug sein, um ein “Durchkommen” zu ermöglichen
Bodenfläche muss genug Reibung aufweisen, um bequeme Bewegung zu ermöglichen
Wie sieht die Abfolge der Entwicklung der Fortbewegung aus?
Kriechen
Kinn und Bauch auf dem Boden
Krabbeln
Bauch nicht mehr am Boden
Beine arbeiten symmetrisch
Bodenkontakt nur durch Hände und Unterschenkel
Hin- und Herschaukeln in hoher Position
Krabbeln mit alternierendem Arm/Bein-Bewegungsmuster
Was bildet das Anforderungsprofil für den aufrechten Gang?
Zyklisches Bewegungsmuster (Fortbewegung)
Posturale Stabilität
Adaptivität für Ziele und Umweltbedingungen
Wozu dienen spinale Mustergeneratoren?
Grundlage jeder Fortbewegung und der koordinierten Muskelaktionen ist eine rhythmisch-reziproke neuronale Aktivität des Rückenmarks
Rückenmark verfügt über angeborene, eigenrhythmische Impuls- oder Mustergeneratoren für jedes einzelne Bein (Halbzentren-Modell)
Was ist das Anforderungsprofil für die Lokomotion?
Bewegungsmuster wird auf spinaler Ebene programmiert
Modulation durch Afferenzen
Bewegungsmuster und Reflexe stehen unter suprasinaler Kontrolle
Flexoren überwiegend zentrale Kontrolle
Extensoren überwiegend propriozeptive Kontrolle
Welche Funktionen haben höhere Kontrollzentren bei der menschlichen Fortbewegung?
Steuerung von Start und Geschwindigkeit im Motorkortex
Feinabstimmung im Kleinhirn
Planung komplizierter Schreitbewegungen durch Basalganglien und Motorkortex
Zunächst entwickelt sich das rhythmische Schreitmuster
Vorbedingung für den Vortrieb
Dann entwickeln sich die Mechanismen der Standkontrolle
Voraussetzung für den Stabilitätserhalt beim Gehen
Die Entwicklung der Anpassungsmechanismen erfolgt über einen längeren Zeitraum
Welche posturalen Leistungen sind Voraussetzungen für die Lokomotion?
Abstützen aus der Bauchlage ist absolute Voraussetzung für die ersten Formen der Fortbewegung
Gilt auch für das Sitzen und das Erreichen einer aufrechten Position im Stand
Dabei bildet jeweils die Kopfkontrolle eine wichtige Voraussetzung
Was ist der Vorläufer des Gehens?
Kicking Behavior
Spontanes Verhalten von Babys im Alter von 2-26 Wochen
Erste koordinierte, synchrone und alternierende Bewegungsmuster der unteren Extremitäten zeigen sich schon vor der Geburt
Bewegungsmuster zeichnet sich durch eine Koordination von Fuß-, Knie- und Hüftgelenk aus
Normalerweise tritt dieses spontane Verhalten in der liegenden Position auf
Säuglinge zeigen es aber auch, wenn sie in aufrechter Position gehalten werden
Resultierende Bewegungsmuster ähnelt dem der erwachsenen Gehbewegung
Was zeigt die bilaterale Koordination beim Strampeln?
Innerhalb der ersten sechs Lebensmonate zeigt sich zunächst eine verstärkte Synchronisierung der Gelenke auf einer Seite, dann für beide Seiten
Ebenso zeigt sich eine zunehmende Synchronisierung von Beinen und Armen
Dies stellt eine wichtige Voraussetzung für die Fortbewegung dar
Was sind die Phasen der Gangentwicklung nach McGraw?
Schreitreflex
Verschwinden des Schreitreflexes
Wiederauftreten des Schreitreflexes
Gehen mit Unterstützung
Gehen mit hoher Schutzhaltung
Gehen mit seitlicher Armhaltung
Gehen
Kopf und Rumpf richten sich zunehmend auf, kontralaterale Arm-Bein-Koordination
Was ist der Schreitreflex?
Ab der Geburt zeigen Kinder ein koordiniertes Schreitverhalten, wenn man sie in leichter Vorlage hält und die Fußsohlen die Unterlage berühren
Dieser Schreitreflex verliert sich im Alter von 2-3 Monaten und tritt im Alter von etwa 10 Monaten wieder auf
Das Verschwinden des Schreitreflexes hängt vor allem mit der sehr starken Gewichtszunahme der Kinder in den ersten Monaten zusammen
Es fehlt an Kraft, die Beine ausreichend zu heben
Im Auftrieb des Wassers oder in Rückenlage werden die Schreitbewegungen auch weiterhin produziert
Was sind Limitierende Faktoren beim Übergang zum Gehen?
Posturale Kontrolle
Kraft in den Beinen
Koordination der Extremitäten ist von Bedeutung
Erfolg beim Krabbeln scheint Motivation für aufrechtes Gehen negativ zu beeinflussen
Was ist das Cruising?
Übergangsphase - Gehen mit Unterstützung
Typischerweise im Alter von 7-12 Monaten
Resultiert häufig in Seitwärtsbewegung
Hilft die zunächst vorhandenen Probleme bezüglich der Balance auszugleichen
In welche Phasen wird der Gang eingeteilt?
Standphase 60%
Horizontale und vertikale Kräfte, Gleichgewicht
Schwungphase 40%
Vorwärtsbewegung, Vorbereitung der Standphase, Berücksichtigung von Hindernissen
Wie sieht das Schreitmuster beim Gehen aus?
zyklische, symmetrisch alternierende Bewegung mit einer Phasenverschiebung von 0,5
10% Doppelkontakt beim Gehen
Sinusförmigen Auf- und Abbewegung des Körperschwerpunkts
Wie ist die Veränderung des Gangmusters in den ersten vier Jahren?
Abnahme der relativen Dauer der Doppelstützphase während der ersten vier Jahre selbstständigen Gehens
Zunahme der relativen Schrittlänge bei gleichzeitiger Abnahme der relativen Schrittbreite
Wie zeigt sich der Fußaufsatz?
Einige Kinder setzen zu Beginn des Gehen-Lernens den Fußballen beim Gehen auf
Generell wird aber vor dem klassischen Abrollen des Fußes dieser flach aufgesetzt - daraus resultiert eine relativ geringe Schrittlänge
Zu Beginn relativ große Schrittbreite
Veränderungen bei einzelnen Merkmalen des Schrittes finden sich bis zum 7. Lebensjahr, allerdings sind manche Merkmale schon bei 3-jährigen ähnlich denen der Erwachsenen
Wie wird Vortrieb im frühen Gehen erzeugt?
Twister
Verwringung in der Hüfte unterstützt den Schwung des Beins
Faller
Gravitationsstrategie - das Kind lässt sich (kontrolliert) nach vorne fallen (Umwandlung potentieller in kinetische und dann wieder potentielle Energie)
Stepper
Bewegung wird wesentlich durch Kniehub erzeugt, Fuß wird wieder sehr schnell auf den Boden gesetzt
Wie ist die Armhaltung in den frühen Entwicklungsphasen?
Zuerst: Hohe Schutzhaltung beider Arme
Arme werden dann nach unten und näher zum Körper geführt - aber noch ohne alternierende Bewegung
Alternierende Bewegung der Arme - gegengleich zur Beinbewegung
Was sind Prädiktoren für die Gangentwicklung?
spezifische Geherfahrung
Wie ist die Reaktion von Kindern auf einem Laufband, dessen Geschwindigkeit sich plötzlich ändert?
Antwortreaktion von 4-jährigen ist denen von Erwachsenen ähnlich
Bei 1-2,5 jährigen treten noch Streckreflexe auf, die nicht in das Bewegungsmuster integriert werden können
Schrittstrategie als Kompensationsmechanismus tritt allerdings schon nach 3 Monaten Geherfahrung auf
Wie verändern sich die Zeitproportionen beim Gehen und Laufen?
Vordere Stützphase nimmt beim Laufen ungefähr gleich viel Prozent des Gangzyklus ein, wie beim gehen
Hintere Stützphase nimmt beim Laufen deutlich weniger Prozent ein
Je schneller der Lauf, desto weniger
Hintere Schwungphase nimmt beim Laufen deutlich mehr Prozent ein
Je schneller der Lauf, desto mehr
Vordere Schwungphase nimmt etwas mehr Prozent beim Laufen ein
Was kann beim Rennen und weiteren Fortbewegungsarten beobachtet werden?
Präferenz zunächst für das starke Bein
Landung zunächst auf dem flachen Fuß
Zu Beginn unökonomischer Armeinsatz
Abfolge: Gehen - Rennen - Galopp - Hüpfen - Skip
Wie lange lassen sich Entwicklungsfortschritte beobachten?
Was sind die limitierenden Faktoren?
bis 18 Jahre
Limitierend
Gleichgewichtsentwicklung bis zum 7. Lebensjahr
Bilaterale Koordinationsmuster (zB beim Hüpfen)
Kontrolle der Muskelspannung - erst ab 12 entwickeln sich Gewichtszunahme und Muskelspannung im Gleichklang
Was sind alterstypische Veränderungen des Gangmusters?
Verringerung der Gehgeschwindigkeit
Verringerung der Schrittlänge
Steigerung der Variabilität
Steigerung der Koaktivierung der Miuskulatur unterer Extremitäten und damit der Gelenksteifigkeit
Verringerung Kraftentwicklung beim Fußabdruck
Erhöhtes Sturzrisiko
4fach für Wegrutschen bei Fußaufsatz
70% Stürze durch Ausrutschen oder Stolpern
Was sind Ursachen für das erhöhte Sturzrisiko im Alter?
Altersbedingte Beeinträchtigungen reaktiver Schrittanpassungen
Verlangsamte und in Stärke abgesenkte neuromuskuläre Antwort auf externe Störungen
Geringe Schnellkraftentwicklung bei Stolperreaktion
Gleichgewichtsstabilisierende Reaktionen nicht an spezifische Phase des Gangzyklus angepasst
Nachlassende Kraft und verringerte sensorische Information
Schlechtere antizipatorische Schrittanpassungen
Erhöhte kognitive Anforderungen zur Gangkontrolle
insbesondere bei exekutiven Funktionen und räumlich-visueller Kontrolle
Wie kann man Zielbewegungen differenzieren?
Stoß- und Anschlagbewegungen
Reichbewegungen
Zeigebewegungen
Greifbewegungen
Was sind stoß- und Anschlagbewegungen?
Hand wird mit Armstreckung von proximalem Startpunkt zu distalem Zielpunkt geführt
Muss im Ziel nicht abgebremst werden (zB Fauststoß)
Beansprucht Richtungskontrolle
Was sind Reichbewegungen?
Hand wird mit Armstreckung zu distalem Zielpunkt transportiert
Wird am Ziel punktgenau zur Ruhe gebracht
Beansprucht Richtungs- und Entfernungskontrolle
Beide erfordern Abstimmung von Schulter- und Ellenbogengelenkrotationen
Was sind Ziegebewegungen?
Arm gestreckt, Zeigefinger wird durch Schulterrotation zu Zielpunkt bewegt
Transportkontrolle weniger komplex als bei Reichbewegungen
Beansprucht Entfernungs- und Richtungskontrolle
Was ist das Greifen von Objekten?
Objekte unterscheiden sich in Oberflächenbeschaffenheit, Form und Gewicht
Neben Richtungs- und Entfernungskontrolle auch Justierung von Griff- und Hebekraft & Auswahl von Objekt- und zweckangemessener Griffformation
Was sind funktionale Anforderungen an Zielbewegungen?
Orientierung
Lage des Objekts im externalen Raum und Lage der verschiedenen Körperkomponenten zueinander und in Bezug auf das Objekt
Egozentrisches Bezugssystem
Transportkontrolle der Hand
Bewegung wird vorprogrammiert und im Verlauf der Bewegung mithilfe von Feedback korrigiert
Was sind funktionale Anforderungen an das Greifen?
Neben der Reichbewegung wird ein Greifakt notwendig, bei dem Objekteigenschaften so zu berücksichtigen sind, dass der intendierte Zweck (zB Halten des Objektes) verfolgt werden kann
Abhängig von Intention kann bei gleichem Objekt anderer Griff notwendig sein
Wie unterscheiden sich Kraftgriff und Präzisionsgriff?
Kraftgriff
Grifföffnung weit
Handausrichtung senkrecht
Präzisionsgriff
Grifföffnung eng
Handausrichtung proniert
Wie entwickelt sich die Zielbewegungskontrolle in den ersten drei Lebensjahren?
Sensomotorische Grundfunktionen: Optimierung der Transportkontrolle
Eingipflige Geschwindigkeitsprofile
Nutzbarmachung äußerer Kräfte
Zeitgenaue Muskelsynergien
Beim Erwachsenen findet man eingipflige Geschwindigkeitsprofile
Beschleunigungsphase folgt eine Abbremsphase (Homing-in)
Bewegungsmuster entwickeln sich über die ersten 2-3 Jahre hinweg
Annäherung an Objekt erfolgt in mehreren Schritten
Sie ist vor allem in der Endphase mit wiederholter Richtungsumkehr verbunden
Entsprechend der Anzahl von Teilbewegungen findet man vielfache Geschwindigkeitsmaxima vor
Wie lernen Kinder, die durch die Bewegung erzeugten reaktiven Kräfte abzuschätzen und sie angemessen in die Bewegungskontrolle zu integrieren?
5-9 Monate alte Kinder
Bis zu 20 mal Wechsel zwischen Beuge- und Streckdrehmomenten innerhalb einer Reichbewegung
Kein Kraft- sondern ein Koordinationsproblem
Die maximalen erzeugbaren Drehmomente im Schultergelenk verändern sich im weiteren Entwicklungsverlauf nicht wesentlich
Wie bilden Kinder die Greifsynergie aus?
Anfangs bewegen die Kinder Ober- und Unterarm relativ unabhängig voneinander
Ellenbogenstreckung geht der Schulterbeugung voraus oder folgt ihr nach
Ab 24 Monate (voll entwickelt ab 36 Monate) bildet sich konsistent das Muster heraus, das bei Erwachsenen zu beobachten ist
Schulterbeugung leitet Zielbewegung ein und Ellenbogenstreckung erfolgt danach
Wie entwickeln sich die Zielbewegungen ab dem vierten Lebensjahr?
Kleinkinder kontrollieren Bewegung zu Beginn visuell
Dann folgt Phase, in der Reich- und Zeigebewegungen ballistisch ausgeführt werden
Korrektur nur zwischen den Ausführungen
Beim Erwachsenen erfolgt nach der Zielerfassung
Größtenteils vorprogrammierte Transportbewegung
Online-kontrollierte Objektannäherung
Abgleich von Online-Kontrolle und Programmierung beginnt etwa im 5. Lebensjahr und ist auch im 11. Lebensjahr noch nicht voll abgeschlossen
Entwicklung ist mit nicht-monotonen Verläufen bei Leistungsparametern (Zielgenauigkeit) verbunden
Wie entwickelt sich die Richtungs- und Entfernungskontrolle ab dem vierten Lebensjahr?
Bei visueller Kontrolle der Bewegungsrichtung verbessert sich die Genauigkeit signifikant vom 6. zum 8. Lebensjahr und bleibt bis zum 10. Lebensjahr mit einer Abweichung von 1 Grad stabil
Ändert sich, wenn visuelle Kontrolle der Hand entfällt: Dann nimmt zwar bei allen Altersgruppen der Richtungsfehler gleichermaßen zu - der Entfernungsfehler aber in unterschiedlichem Ausmaß
Drastischer Fehleranstieg (systematisches Unterschießen des Ziels) bei Kindern im Alter von 7 bis 9 deutet auf (vorübergehende) Dominanz visueller Feedbackkontrolle und auf die Anwendung einer überkontrollierten Fehlervermeidungsstrategie hin
Welche Kontrollstrategien bei Zielbewegungen im Entwicklungsverlauf gibt es?
Strategie I
Ballistische, vorprogrammierte Bewegung
Strategie II
Kombination von vorprogrammierter Transportphase und langsamer Feedback-kontrollierter Zielphase
Strategie III
Fortlaufende Feedback-Kontrolle
Wie verändern sich die Feedbackstrategien ab dem 4. Lebensalter?
5 jährige nutzen überwiegend Strategie I
Spielt daher kaum eine Rolle, ob die Hand-Trajektorie visuell kontrolliert wird
Visuelle Kontrolle findet nach Abschluss der Bewegung statt und findet erst bei erneuten Programmierung der Bewegung Berücksichtigung
7 jährige nutzen vorrangig Strategie II und III
Feedbackkontrolle am ausgeprägtesten
Steuerung und Regelung sind hier noch nicht gut integriert
Bei Entfallen der visuellen Kontrolle werden Zielbewegungen nicht angemessen abgebremst, daraus resultiert Überkompensation der Weitenreduktion
9 bis 11 Jährige verwenden Strategie II, I tritt kaum noch in Erscheinung
Was zeigen Prismenversuche?
Kinder tragen Prismenbrille, die tatsächliche Ziel an einer anderen Stelle erscheinen lässt
5 jährige führen Korrekturen erst sehr spät durch (40 % nach Abschluss der ursprünglich programmierten Bewegung)
7 jährige leiten Korrekturen überwiegend sehr früh ein (noch ca 20% nach Abschluss)
9 bis 11 Jährige korrigieren im Schlussabschnitt der Bewegung (nur noch 10% nach Abschluss)
Kognitiver Kontrollaufwand nimmt mit dem Alter ab
Wie funktioniert das Greifen nach einem Objekt?
Beim Greifen eines Objektes wird die Hand zum Objekt geführt (Transport)
Die Hand öffnet sich (Griffapertur) proportional zur Objektgröße und schließt sich dann wieder beim Zugreifen. Dabei interessiert spezifisch die maximale Grifföffnung, die im Verlaufe der Bewegung eingenommen wird
Wie entwickelt sich die antizipatorische Griffapertur?
Jüngere Kinder öffnen ihre Hand früher als Ältere und Erwachsene
Bereits im Alter von 5 bis 6 Monaten beginnt sich die Hand bei Annäherung an das Objekt zu schließen
13 Monate alte Kleinkinder können die Schließung der Handöffnung noch nicht an die Objektgröße anpassen
Selbst 6 bis 7 jährige sind bei der Griffanpassung noch an visuelles Feedback angewiesen
Welche Handlungs- und objektbezogenen feinmotorischen Fertigkeiten können Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren ausführen?
3 Jahre
Verschlüsse an der Kleidung öffnen
Auf einer Linie schneiden
4 Jahre
Verschlüsse öffnen und schließen (zB Reißverschluss)
Essen mit Messer und Gabel
5 Jahre
Schleife binden
Formen mit einer Schere ausschneiden
Falten eines Papiers
6 Jahre
Brot mit Messer gleichmäßig bestreichen
Gebrauch Spitzer und Radiergummi
Welche Probleme haben Kinder mit einer Entwicklungsverzögerung der Feinmotorik?
Schwierigkeiten im Erlernen von Schuhebinden
Schwierigkeiten beim Auf- und Zuknöpfen
Lassen häufig Sachen fallen
Sehnenreflexe können seitengleich verstärkt oder abgeschwächt sein
Können schlecht Puzzle legen
Können schlecht Konstruktionsspiele benutzen
Können schlecht Modelle bauen
Was ist die Grafomotorik?
Alle Prozesse, die zu einer Produktion von graphischen Zeichen mit einer Hand und einem Schreibgerät auf einem Untergrund führen
Aus dem Zusammenspiel von Motorik, Kognition und visueller / taktiler sowie propriozeptive Wahrnehmung entsteht die Fähigkeit des Malens und Schreibens
Inhaltliche Gestaltung von Bildern und Rechtschreibung zählen nicht unter den Begriff
Visual Motor Integration
Was liegt der Schreibhandlung zugrunde?
grob- und feinmotorische Prozesse
Für Schreibbewegung der Finger ist immer die grobkoordinative Arm- und Schulterbewegung Grundlage
In kindlicher Entwciklung beeinflussen sich Grobmotorik, Feinmotorik und Sinneswahrnehmung gegenseitig
Zu den wichtigsten feinmotorischen Fähigkeiten für die Graphomotiorik gehören Handgeschicklichkeit, Augen-Hand- und Hand-Hand-Koordination
Wie unterscheiden sich visuelle Wahrnehmung, Körperschema und Praxie der Grafomotorik?
Welche Griffe sind dargestellt?
Welche Probleme haben Kinder mit Entwicklungsstörung der Grafomotorik?
dürftige Handschrift
Zeichenfertigkeiten meist schlecht
Kind kann schlecht Landkarten Zeichen
Was sind Ursachen der Entwicklungsstörung der Grafomotorik?
Einschränkungen
Der Grob- und Feinmotorik
Koordination
Bewegungskontrolle / Zielgenauigkeit beim Ausführen
Gleichgewichtsreaktion
Tonusregulation / Kraftdosierung / Rumpfstabilität
taktil kinästhetischen Wahrnehmung / visuelle Wahrnehmung
Altersbedingt
Was sind Symptome einer Entwicklungsstörung der Grafomotorik?
ungern schreiben / malen
Auffällige Stifthaltung (zu steil, verkrampft)
Häufiges Absetzen des Stiftes, Ausschütteln der Hand
Verlangsamtes Abschreibtempo
Stift wird mit zu viel / wenig Kraft verwendet
Wortabstände ungleichmäßig
Zeilen können nur schwer eingehalten werden
Ausmalen gelingt nur ungenügend, Formen und bildhaftes Malen auffällig
Assoziierte Bewegungen mit Zunge
Was sind Ziele in der Förderung der Grafomotorik?
Verbesserung der
Wahrnehmung und Motorik
Tonusregulation / Rumpfstabilität
Feinmotorik
Schreibflusses, Formvielfalt
Aufbau von Motivation gegenüber graphomotorischen Aufgaben
Partizipation im gesamten Umfeld des Kindes ermöglichen
Aufklärung und Beratung zur Diagnose
Wie kann die graphomotorik gefördert werden?
Themenspezifische Spiel und Bewegungsangebote
Handwerkliche Tätigkeiten
Zahlen / Buchstaben mit allen Sinnen erfahren
Schulung der Körperhaltung und Rumpfkontrolle
Verwendung verschiedener Materialien (Stifte, Fingerfarben)
Malen / Schreiben in Sandwanne
Förderung der Wahrnehmung (taktil, kinästhetisch, visuell, auditiv)
Regulation des Muskeltonus (lockern / aktivieren)
Spaß und Erfolgserlebnisse vermitteln
Alternative feinmotorische Übungen (zB Perlen auffädeln, Kneten)
Grafomotorisches Training
Optimieren der Stiftauswahl, Schreibunterlage, Stifthaltung und Führung
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