DWA-M 552 und DWA-M 553
§ 72 WHG:
„Hochwasser ist eine zeitlich beschränkte Überschwemmung von normalerweise
nicht mit Wasser bedecktem Land, insbesondere durch oberirdische Gewässer
oder durch in Küstengebiete eindringendes Meerwasser. Davon ausgenommen
sind Überschwemmungen aus Abwasseranlagen.“
DWA-Regelwerk M552: Stochastische und deterministische Wege zur Ermittlung
von Hochwasserwahrscheinlichkeiten (März 2025)
DWA-Regelwerk M553: Hochwasserangepasstes Planen und Bauen (November
2016)
-> DWA Regelwerk M552
-> DWA Regelwerk M553
Ursachen von Hochwasser:
Auslösende Ereignisse für ein Hochwasser:
Wichtige Faktoren für die Ereignisschwere:
• Extreme Niederschläge (Intensität, Dauer)
• Starke Schneeschmelze
• Topographie
• Vorfeuchte der Böden
• Vegetation
• Landwirtschaftliche Nutzung
• Mobilisierbare Geschiebemenge
• Schneeverteilung
• Technische Eingriffe an den Gewässern
Hochwassertypisierung – M 552 Teil 1
• Niederschlagsbedingte Hochwasser haben sehr unterschiedliche
meteorologische Ursachen:
• kurzzeitige konvektive Starkregen
• großräumige Dauerregen
• abtauender Schnee
• Durch konvektive Starkregen ausgelöste Hochwasser sind für gewöhnlich von
kürzerer Dauer und geringerem Volumen als Hochwasserereignisse, die durch
Dauerregen ausgelöst werden.
Hochwassertypisierung um Abhängigkeit der Ereignismerkmale von den
Entstehungsursachen zu berücksichtigen
Hochwassertypisierung – M 552 Teil 2
• Meteorologische Klassifizierung
räumliche und zeitliche Niederschlagsverteilung
Temperatur
Wetterlage
Schneemenge
• Hydrologische Klassifizierung
Zustand des Einzugsgebiets (Vorfeuchte, geodätische Höhe etc.)
• Ganglinienbasierte Klassifizierung
Form der Hochwasserwelle
Hochwassertypen
Hochwasserstatistik
• Hochwasser sind natürliche Zustände in einem Gewässer, bei denen der
Wasserstand aufgrund erhöhter Abflüsse einen bestimmten Schwellenwert
überschreitet.
• Überflutungen aufgrund von Hochwassern sind weder ein neues Phänomen,
noch grundsätzlich negativ zu beurteilen; sie haben das Aussehen unserer
Flusslandschaften zu allen Zeiten geprägt und sind notwendige
Voraussetzungen für eine intakte Entwicklung von Flora und Fauna. Als
Bestandteil des natürlichen Wasserkreislaufs sind Hochwasser nicht zu
vermeiden.
• Je nach Ausprägung unterscheidet man zwischen Hochwassern, die jährlich
auftreten und großen Hochwassern mit kleinen Eintrittswahrscheinlichkeiten.
Überflutungstypen (nach Ursprung) – M 553
• Hochwasser bzw. Überflutungen haben verschiedene Ursachen und
Erscheinungsformen
• Es ist nicht immer möglich die Ursachen klar voneinander abzugrenzen, da die
steuernden Prozesse ineinander übergehen
• Interaktionen zwischen verschiedenen Hochwassertypen möglich
Kenngrößen von Hochwasserereignissen
• Hochwasserstatistik wird in der Regel für den Hochwasserscheitelabfluss (die
Hochwasserspitze) durchgeführt (univariate Hochwasserstatistik)
• Neben dem Hochwasserscheitelabfluss sind weitere Kenngrößen wichtig:
Hochwasserstand
Abflussvolumen
Hochwasserdauer
Ganglinie des Hochwasserereignisses
1) Datenprüfung (Homogenität, Konsistenz, Unabhängigkeit)
Ursachen und Entstehung von Hochwasser
Eingriffe des Menschen
• Können Hochwasser durch Veränderungen am Flusssystem verstärken, dazu
gehören:
Flussbegradigung und Eindeichung
Versieglung
Nutzung von Überschwemmungsgebieten
Flussbegradigung und Eindeichung
Flussbegradigung und
Eindeichung
• Landgewinn
• Schifffahrt
• Wasserkraft
Einfluss auf Hochwasser
• Weniger
Überschwemmungsflächen
• Höhere Fließgeschwindigkeiten
• Steilere Abflusswellen
Versiegelung
Niederschlag und Abschluss
Wald als Wasserspeicher
• Niederschlag & Abfluss:
• Auf undurchlässigem Boden: schnelles Abfließen Hochwassergefahr
• In natürlichen Gebieten: Speicherung in Mulden und Senken verzögerter Abfluss
• Wald als Wasserspeicher:
• Interzeption: Blätter fangen Wasser auf, ein Teil verdunstet
• Waldboden: Tropfen versickern langsam, Speicherung im Laub-/Nadelteppich
• Wasser versickert langsam
Grundwasserneubildung
Speist Bäche und Flüsse in trocknen Zeiten mit Basisabfluss
Bild Versiegelung
Effektiver Niederschlag
Abflussbeiwert
• Effektiver Niederschlag: Regenanteil, der direkt über die Bodenoberfläche den
Gräben und Bächen und später den Flüssen zugeführt wird Direktabfluss
• Abflussbeiwert: Anteil des Niederschlags, der zum Direktabfluss führt
• Einfluss der Versiegelung:
• Im Mittel 3% des Einzugsgebiets versiegelt
• Kleine Einzugsgebiete (< 100 km²): tatsächlicher Anteil an versiegelter
Fläche in bebauten Gebieten meist deutlich höher Versiegelung verstärkt
Hochwasser (großer Abflussbeiwert)
• Große Einzugsgebiete (> 100 km²): Versiegelung weniger relevant bei der
Entstehung von Hochwassern
Nutzung von Überschwemmungsgebieten
• Schäden an Hab und Gut entstehen erst, wenn ein Hochwasser bebaute oder
landwirtschaftlich sensible Flächen erreicht
• Verschlechterung der Situation in den letzten Jahrzehnten, z.B.:
• Bebauung, gewerbliche und landwirtschaftliche Nutzung von ehemaligen
Überschwemmungsflächen ohne Bewusstsein für die Risiken
• Im Bereich des Wohnungsbaus wurden Kellerräume zu Wohnzwecken
eingerichtet und mit teuren Gütern versehen
Enorme Schäden, durch Hochwasser durch geänderte Nutzung ehemaliger
Nutzung von Überschwemmungsgebieten Teil 2
• Um diese Entwicklung zu unterbinden, wurden Gesetze zur Verbesserung des
vorbeugenden Hochwasserschutzes (§ 31b Wasserhaushaltsgesetz, WHG, Mai
2005) geschaffen:
Ausweisung von Überflutungsflächen für ein HQ100
Erhaltung dieser Flächen als natürliche Rückhalteflächen
Schutz und – wenn möglich – Wiederherstellung dieser Flächen
Klimawandel – Klimamodelle
• Abschätzung der künftigen Entwicklung des
globalen und regionalen Klimas durch
Klimamodelle
Durch zunehmende Instabilität der
Atmosphäre wird eine Häufung extremer
Witterungseinflüsse vorhergesagt
• Grobe räumliche Auflösung der globalen
Klimamodelle sehr begrenzt bezüglich
ihrer Aussagefähigkeit für kleinregionale
Gebiete
Klimawandelmodelle Teil 2
• In den Jahrzehnten wird die durchschnittliche Temperatur im Winter und im
Sommer deutlich ansteigen
• Es wird im Winter deutlich mehr Niederschlag geben, der aber aufgrund der
wärmeren Durchschnittstemperaturen hauptsächlich als Regen fällt
• Die Zahl heißer Sommertage mit Temperaturen über 30° Celsius wird sich
deutlich erhöhen
• Häufigere Hochwasser werden eine Folge der Klimaänderung sein
• Die frostsichere Zeit wird sich verlängern, was für die Landwirtschaft künftig
weniger Frostschäden zur Folge hat
Viele Bundesländer tragen dieser Klima-Prognose bereits heute Rechnung:
„Klimaänderungsaufschlag“ von bis zu 15 Prozent versehen, z.B. bei der
Festlegung eines hundertjährlichen Bemessungshochwassers
Klimawandel
• Es ist eine deutliche Erhöhung der bodennahen Temperaturen im letzten Jahrhundert festgestellt worden
• Es besteht eine deutliche Tendenz eines weiteren Temperaturanstiegs
Verbunden damit wird eine steigende
Intensität und Häufigkeit von
Extremereignissen wie Dürren einerseits und Hochwassern andererseits prognostiziert
Kipppunkte des Klimasystems
Klima-Kippelemente sind wichtige Bestandteile des Erdsystems, die ein
Schwellenverhalten aufweisen: Bei zunehmender globaler Erwärmung bleiben
sie zunächst im Wesentlichen stabil, können dann aber ab einem bestimmten
Schwellenwert bereits durch kleine zusätzliche Störungen in einen qualitativ
neuen Zustand versetzt werden, d.h. sie „kippen"
Klimawandel in Niedersachsen
Das Projekt KliBiW
Wasserwirtschaftliche Folgenabschätzung
des globalen Klimawandels für die
Binnengewässer in Niedersachsen
Klimafolgenforschung Niedersachsen (KliBiW)
Aus den Trendanalysen der klimatischen Verhältnisse der Vergangenheit
können für Niedersachsen folgende Kernaussagen zusammengefasst werden:
• Temperaturen haben landesweit zugenommen, vor allem im Maximum
• Niederschläge haben zugenommen
• vor allem im Norden,
• im Sommerhalbjahr z.T. auch im Westen
• Ähnliche Tendenzen zeigen auch extreme Niederschläge und deren Häufigkeit
• Dauer von Niederschlagsereignissen hat sich kaum verändert
• Geringste Veränderungen in Bezug auf die Niederschlag-Kenngrößen zeigen
sich im zentralen Flachland von Niedersachsen.
Klimafolgenforschung Niedersachsen (KliBiW) Teil 2
• Änderungssignale der verschiedenen Hochwasserkenngrößen unterscheiden
sich für die einzelnen Klimamodelle und Referenzpegel teilweise deutlich
• Bei den meisten Kenngrößen unterscheiden sich die Referenzpegel im Harz
(kleine Einzugsgebiete, hohe Geländeneigung) von den übrigen Referenzpegeln
in Niedersachsen
• Scheitelabflüsse (MHQ, HQ5, und insbesondere HQ20, HQ100) nehmen
deutlich zu
• Hochwasserregime in Niedersachsen verändern sich in der Zukunft
• Häufigeres Auftreten von größeren Hochwasserereignissen
• Zunahme der Hochwasserdauer und der Scheitelabflüsse
Zukünftig verschärften Hochwassersituationen sollten in Planungsprozessen
vorausschauend und vorsorgend berücksichtigen werden
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