Buffl

Anästhesie (me)

MK
by Max K.

Kristalloide Infusionen

Kristalloide: ohne Makromoleküle, geringer intravasaler Volumeneffekt durch rasche Verteilung im gesamten Extrazellulärraum (EZR)


Isotone Infusionslösungen

  • Vollelektrolytlösungen (VEL):

    • Ähnliche Elektrolytzusammensetzung und -konzentration wie im Blutplasma

    • Deutlich mehr Chlorid-Ionen als im Blutplasma

    • Indikationen: 1. Wahl für

      • Kurzfristigen Volumenersatz bei leichter Hypovolämie

      • Flüssigkeitsersatz bei isotoner oder hypotoner Dehydratation

      • Flüssigkeits- und Elektrolytersatz bei normalem Säure-Basen-Haushalt oder bei (drohender) Azidose

    • Beispiele

      • Ringer-Lösung

      • Sterofundin

  • Balancierte Vollelektrolytlösungen

    • Eigenschaften

      • Ähnliche Elektrolytzusammensetzung und -konzentration wie im Blutplasma

      • Im Vergleich zu herkömmlichen VEL: Reduzierte Chloridkonzentration durch Zusatz von Anionen (Malat, Acetat oder Lactat)

    • Indikationen: Analog zu Vollelektrolytlösungen

      • Insb. bei größeren Infusionsmengen

  • Kaliumfreie Elektrolytlösung

    • unphysiologisch

    • als Trägerflüssigkeit für Medikamente

    • NaCl

Hypotone Infusionslösungen

  • Glucose-Lösungen

    • Eigenschaften

      • Hypotone Glucoselösung (Glucose 5%)

      • Anteil an Glucose entscheidend für Volumeneffekt

    • Indikationen

      • Flüssigkeitsersatz bei hypertoner Dehydratation

      • Trägerlösung für kompatible Medikamente

Hypertone Infusionslösungen

  • Glucose 20%

  • v.a. Glucosegabe bei Hypoglykämie

Kristalloide verteilen sich im gesamten Extrazellulärraum, also auch im Interstitium! Nur ca. ¼ des Volumens verbleiben intravasal.

Als Trägerlösung für Medikamente sind bspw. Glucose 5%, Aqua ad injectabilia und NaCl 0,9% geeignet. Vollelektrolytlösungen sollten wegen ihres Calciumgehalts nicht dafür verwendet werden!


Vergleich Allgemeinanästhesie oder Analgosedierung

1) Allgemeinanästhesie (= AA)

Vollständiger, reversibler Bewusstseinsverlust mit vier Komponenten (Hypnose, Analgesie, Amnesie, Reflexdämpfung, uU Muskelrelaxation)

2) Analgosedierung (= „Monitored Anesthesia Care", MAC, oder prozedurale Sedierung)

Abgestufte Dämpfung von Bewusstsein und Schmerzempfinden, aber kein vollständiger Bewusstseinsverlust. Ziel ist ein kooperativer oder schlafender, aber erweckbarer Patient.


Die Tiefe wird nach Bedarf titriert:

Tiefe

Bewusstsein

Atemweg

Beispiel

Anxiolyse/Minimale Sedierung

wach, kooperativ

selbstständig

Midazolam vor Bronchoskopie

Moderate Sedierung

schläfrig, erweckbar

selbstständig

Propofol bei Koloskopie

Tiefe Sedierung

kaum erweckbar

meist noch selbstständig

aufwändige Interventionen

Allgemeinanästhesie

nicht erweckbar

Sicherung nötig

OP

Schutzreflexe sind bei moderater Sedierung noch erhalten – das ist der entscheidende Unterschied.

Klinisch-praktische Abgrenzung

Der Übergang ist fließend, nicht binär. Wichtige Merkmale im Vergleich:

  • Nüchternheit: Bei Allgemeinanästhesie strikt (6h fest, 2h klar); bei elektiver Analgosedierung ebenfalls empfohlen, aber Risiko geringer

  • Atemwegssicherung: Bei AA obligat, bei Analgosedierung nur bei tiefer Sedierung oder Risikopatienten

  • Überwachung: Beide brauchen Monitoring (SpO₂, EKG, RR), aber AA erfordert deutlich mehr personellen und apparativen Aufwand

  • Antagonisierbarkeit: Ein Vorteil der Analgosedierung mit Opioid + Benzodiazepin ist die Reversibilität mit Naloxon/Flumazenil – bei Inhalations- oder Propofolnarkose nicht möglich


Nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien

Mechanismus: (nAChR-Antagonisten)

Kompetitiver ACh-Antagonist am nikotinischen Rezeptor · keine Depolarisation → keine Faszikulationen


Succinylcholin

Rocuronium

Cisatracurium

Typ

Depolarisierend

Nicht-dep.

Nicht-dep.

Dosis

1,5 mg/kg (RSI)

0,6 mg/kg · RSI: 1,2 mg/kg

0,15 mg/kg

Anschlag

~60 s

60–90 s · RSI: ~60 s

3–5 min

Wirkdauer

~10 min

30–60 min

40–60 min

Elimination

Pseudocholinesterase

Renal (75%) / hepatisch

Hofmann-Elimination

Antagonist

Keiner!

Sugammadex

Neostigmin (Cholinesterasehemmer = mehr ACh im synaptischen Spalt) + Atropin

Besonderheit

Faszikulationen · K⁺↑

RSI-Alternative zu Succi

Leber/Niere egal → ICU

KI

Verbrennung · Crush · Immob. · Myopathie · MH

Keine absoluten

Keine relevanten

Hofmann-Elimination

Spontaner chemischer Zerfall bei Körpertemperatur und physiologischem pH – unabhängig von Leber und Niere. Ideal bei Organversagen auf der ICU.

Sugammadex – Dosen nach TOF

Situation

TOF

Dosis

Moderate Blockade

≥2/4

2 mg/kg

Tiefe Blockade

0/4

4 mg/kg

Sofortantagonisierung (can't intubate!)

RSI-Dosis

16 mg/kg

TOF-Monitoring

4 Reize à 2 Hz am N. ulnaris → Zählen der Daumenzuckungen. TOF-Ratio >0,9 = sicher für Extubation. Klinische Zeichen (Kopfheben, Handgriff) können bei Ratio 0,7 noch gelingen → unzuverlässig.


Mivacurium und Atracurium können über eine direkte Interaktion mit Mastzellen zu einer Histaminfreisetzung führen —> “nicht-allergische anaphylaktische Reaktion”


Merksätze

Succinylcholin = schnellster Anschlag, kein Antagonist, K⁺-Gefahr bei Verbrennung/Crush.

Rocuronium RSI = 1,2 mg/kg + Sugammadex 16 mg/kg bereit → sichere Alternative.

Cisatracurium = Hofmann → Leber/Niere egal → ICU-Standard. TOF >0,9 vor Extubation – nie nur klinisch beurteilen.


Maligne Hyperthermie

hereditäre Myopathie mit gestörter Calciumhomöostase der Skelettmuskulatur, die eig subklinisch abläuft, aber getriggert werden kann (durch bestimmte Substanzen, da diese eine erhöhte Calciumkonzentration bedingen können)


  1. Verabreichung Triggersubstanz

  2. Intrazelluläre Calciumzunahme → Erhöhte Kontraktilität der Skelettmuskulatur

  3. Kontraktionen → Stark gesteigerter Stoffwechsel mit O2-Verbrauch↑ → Zunahme von Lactat durch anaerobe Glykolyse, gesteigerte CO2- und Wärmeproduktion

  4. Azidose und Calciumakkumulation → Entkopplung der oxidativen Phosphorylierung → Zusammenbruch der Energieversorgung der Zelle → Zelluntergang (bis hin zur Rhabdomyolyse)

  5. Zelluntergang → Hyperkaliämie, Anstieg von CK und Myoglobin


  • Funktionelle Veränderung von Ca2+-Kanälen im sarkoplasmatischen Retikulum (Dihydropyridin- und Ryanodinrezeptoren)

  • Meist autosomal-dominant vererbte Mutation des Ryanodinrezeptors


Eindeutige Triggersubstanzen

  • Succinylcholin

  • Volatile Anäs­the­ti­ka

    • Desfluran, Sevofluran, Isofluran


Frühzeichen:

  • bei maschineller Beatmung Anstieg des etCO2, Tachykardie, Muskelrigidität, Masseterspamus (Trismus)

Spätzeichen:

  • Temperaturanstieg, Rhabdomyolyse, HRST, paO2 sinkt


Therapie

  • Triggersubstanz beenden

  • Vermehrte Beatmung (Erhöhung AF, FiO2 auf 1,0)

  • Dantrolengabe (Verhindert Ca2+-Freisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum der quergestreiften Muskulatur (Calciumfreisetzungs-Inhibitor))

  • Hyperkaliämie ausgleichen: forcierte Diurese oder Glukose-Insulin-Gabe

  • Akutes Nierenversagen: Forcierte Diurese, Volumentherapie

  • HRST: Amiodaron





Komplikationen & Notfallsituationen bei Spinalanästhesie / Epiduralanästhesie

Komplikation

Mechanismus

Maßnahme

Blutdruckabfall

Sympathikolyse → Vasodilatation

Volumen, Vasopressor (Ephedrin, Noradrenalin)

Postpunktioneller KS

Liquorverlust durch Duraperforation

Horizontal lagern, Koffein, Blood Patch

Totale Spinalanästhesie

Epiduraldosis versehentlich intrathekral → hohe Blockade bis C-Fasern der Atemmuskulatur

Sofort intubieren, Vasopressoren, Intensivstation

Intravasale Injektion

Katheter in Epiduralvene → LA ins Blut → Krampf, Herzrhythmusstörung

Sofort stoppen · Intralipid 20% bei Kardiotoxizität

Epidurales Hämatom

Verletzung Epiduralvene, bes. unter Antikoagulation

Notfall-MRT, neurochirurgische Dekompression <6h

Epiduraler Abszess

Infektion (selten) – Tage nach Anlage

Antibiotika, ggf. chirurgische Drainage

Absolute Kontraindikationen

Ablehnung durch Patient · Gerinnungsstörung / Antikoagulation (zeitliche Abstände beachten: NMH-Prophylaxe 12h, therapeutisch 24h) · Infektion an Punktionsstelle · erhöhter ICP · schwere Hypovolämie

Antikoagulation – Zeitintervalle (ESRA-Leitlinie)

Substanz

Pause vor Punktion

Pause nach Punktion

NMH prophylaktisch

12h

4h

NMH therapeutisch

24h

4h

Marcumar

INR <1,4

nach Katheterentfernung

NOAK (DOAK)

48–72h

6h

ASS 100

keine Pause nötig

Merksatz Totale Spinalanästhesie

Epiduralkatheter immer mit Testdosis prüfen. Totale Spinalanästhesie = Atemstillstand + Kreislaufkollaps innerhalb Minuten. Airway first – sofort intubieren, dann Kreislauf stabilisieren.

Prämed kardialer Patient

Kardiale Risikostratifikation – was muss ich wissen?

Parameter

Bedeutung / Grenzwert

NYHA-Klasse

III–IV = hohes perioperatives Risiko → Kardiologie einbeziehen

EF (Ejektionsfraktion)

<35% = schwer eingeschränkt → hohes Risiko, Intensivplanung

Letzte Dekompensation

<3 Monate → elektiven Eingriff verschieben wenn möglich

Stent / PCI

Bare Metal Stent: mind. 4 Wochen · Drug Eluting Stent: mind. 6–12 Monate → Thromboserisiko bei Pausierung Plättchenhemmer

Schrittmacher / ICD

Typ, Programmierung, Abhängigkeit klären · ICD-Schockfunktion perioperativ abschalten?

Klappenvitium

Aortenstenose = höchstes Risiko aller Vitien · Fläche <1 cm² = kritisch

Koronare Reserve

Angina pectoris stabil? Stresstest bekannt? MET-Kapazität?

MET-Kapazität (Metabolic Equivalents)

Schätzt die kardiale Reserve ohne Stresstest: <4 MET = schlechte Reserve (Patient schafft keine Treppe ohne Luftnot) → hohes perioperatives Risiko · ≥4 MET = ausreichend (ein Stockwerk, flaches Gehen möglich)

Medikamente – was pausieren, was weitergeben?

Medikament

Perioperativ

Grund

Betablocker

Weitergeben!

Abruptes Absetzen → Rebound-Tachykardie, Ischämie

Statine

Weitergeben

Pleiotrope protektive Effekte perioperativ

ACE-Hemmer / AT1

Am OP-Tag pausieren

Anhaltende Vasodilatation → schwere intraoperative Hypotonie

ASS 100

meist weitergeben

Stentschutz überwiegt Blutungsrisiko bei den meisten Eingriffen

P2Y12-Hemmer (Clopidogrel, Ticagrelor)

Rücksprache Kardiologie · meist 5–7 Tage Pause

Stent-Thrombose vs. Blutungsrisiko abwägen

Diuretika

Situationsabhängig

Hypovolämie vs. Dekompensationsrisiko

Digitalis

Spiegel kontrollieren

Enge therapeutische Breite, Hypokaliämie verstärkt Toxizität

Merksatz

Betablocker nie absetzen. ACE-Hemmer am OP-Tag pausieren. Stentpatient mit P2Y12-Hemmer → immer Kardiologie fragen. MET <4 = schlechte Reserve = hohes Risiko.

Prüfungs-Merkhilfen kardialer Patient Anästhesie

Die 5 gefährlichsten Situationen beim kardialen Patienten

  • Einleitung – Blutdruckabfall durch Propofol bei schlechter EF → Etomidat, langsam, Vasopressor bereit

  • Intubation – Sympathikusstimulation → Tachykardie, Hypertonie → ausreichend Opioid vorab

  • Intraoperative Hypotonie – Koronarperfusion bricht ein → sofort Vasopressor, Ursache suchen

  • Tachykardie – O₂-Verbrauch ↑, Perfusionszeit ↓ → Betablocker (Metoprolol/Esmolol), Ursache behandeln

  • Ausleitung / Extubation – Sympathikusstimulation → Hypertonie, Tachykardie → ruhige Ausleitung, ausreichende Analgesie

Schlüsselfragen in der Prüfung

Frage

Antwort

Welches Hypnotikum bei EF 20%?

Etomidat – kardiovaskulär neutralstes Hypnotikum

Warum Betablocker weitergeben?

Rebound-Tachykardie bei Absetzen → Ischämie

Warum ACE-Hemmer pausieren?

Anhaltende Vasodilatation → schwere intraoperative Hypotonie

Warum ist Tachykardie bei KHK schlecht?

O₂-Verbrauch ↑ + Diastolendauer ↓ = Doppeltes Ischämierisiko

Hypotonie bei Aortenstenose?

Noradrenalin – kein Vasodilatator, kein Dobutamin

Was sagt MET <4?

Schlechte kardiale Reserve → erhöhtes perioperatives Risiko

Wann ICD abschalten?

Bei Elektrochirurgie (HF-Strom kann Schock triggern) → Magnet oder Reprogrammierung

Stent-Patient, Clopidogrel pausieren?

Immer Kardiologie fragen · DES <12 Monate → möglichst nicht pausieren

Goldener Merksatz für die Prüfung

Das kranke Herz braucht: ausreichend Zeit in der Diastole (keine Tachykardie), ausreichend Druck (keine Hypotonie), ausreichend O₂-Träger (kein Hb <8), keine Mehrarbeit (keine Hypertonie, keine Hypovolämie). Alles andere ist Symptombehandlung.

Ketamin

Wirkmechanismus

NMDA-Rezeptor-Antagonist → dissoziative Anästhesie: Bewusstsein und Schmerzwahrnehmung getrennt.


HWZ / Kinetik

Eliminations-HWZ ~150 min · ksHWZ ~90 min (Gewebe noch nicht gesättigt)


Dosierung

Phase

Dosis

Einleitung i.v.

1–2 mg/kg i.v.

Einleitung i.m.

4–6 mg/kg i.m. (Kinder, Notfall)

Analgesie sub-dissoz.

0,1–0,5 mg/kg i.v.

Perfusor

0,5–2 mg/kg/h

S-Ketamin (doppelt potent)

halbe Dosis

Kardiale Wirkung

Sympathomimetisch → HF↑, RR↑, HZV↑, Koronardurchblutung↑ → bei Hypovolämie und Schock ideal. Cave: direkt myokard-depressiv (überlagert durch Sympathikusstimulation – bei erschöpften Reserven kann RR fallen)

Besonderheit

  • Einziges Anästhetikum mit analgetischer Wirkkomponente.

  • Erhält Schutzreflexe (relativ) und Spontanatmung → aber kein Ersatz für Atemwegssicherung bei tiefer Narkose.

  • Bronchodilatation → gut bei Asthma.

  • Psychomimetische Nebenwirkungen (Halluzinationen, Albträume) → Benzodiazepin co-applizieren.

Vorteile

  • Analgesie + Hypnose ·

  • sympathomimetisch → gut bei Schock ·

  • bronchodilatatorisch ·

  • i.m. möglich ·

  • Spontanatmung erhalten

Nachteile / KI

  • Psychomimetische NW (Alpträume, Halluzinationen) ·

  • Hypersalivation ·

  • ICP↑ (bei erhöhtem ICP KI) ·

  • RR↑ bei Hypertonie ·

  • Laryngospasmus möglich trotz erhaltener Reflexe

  • KI: Erhöhter ICP (relativ – wird heute differenzierter gesehen) · unkontrollierte Hypertonie · Eklampsie · schwere KHK (Mehrarbeit) · Schilddrüsenüberfunktion

Merksatz

Ketamin = das Schock-Anästhetikum und das Notfall-i.m.-Anästhetikum. Immer Benzodiazepin dazu (Midazolam) um Psychomimetik zu dämpfen. S-Ketamin = doppelt potent = halbe Dosis.

Propofol

Wirkmechanismus

  • GABA-A-Rezeptor-Agonist → Cl⁻-Einstrom ↑ → Hyperpolarisation → ZNS-Depression. in Formatio reticularis

  • Zusätzlich: Hemmung von NMDA-Rezeptoren und Natriumkanälen.

  • Antiemetischer Effekt wahrscheinlich über dopaminerge Hemmung im Brechzentrum + vagale Wirkung.

Hepatische Glucuronidierung + extrahepatischer Abbau (Lunge, Niere).

Stark lipophil → rascher ZNS-Eintritt, aber auch schnelle Umverteilung. Gewebesättigung bleibt kontrollierbar → ksHWZ steigt kaum an → ideal für Dauerinfusion.


Dosierung

Phase

Dosis

Einleitung

1–2 mg/kg i.v. (titriert, langsam!)

Aufrechterhaltung TIVA

4–10 mg/kg/h (Perfusor)

Sedierung ICU

0,3–4 mg/kg/h

Analgosedierung / Prozedurale Sedierung

0,5–1 mg/kg Bolus, dann titrieren

Antiemetisch

10–20 mg Bolus (Subanästhetisch)

Kardiale Wirkung

  • Vasodilatation (↓ SVR) + neg. Inotrop → RR↓ ausgeprägt ·

  • HF steigt reflektorisch ·

  • HZV kann sinken.

  • Bei schneller Bolusinjektion oder hoher Dosis → ausgeprägte Hypotonie.

  • Bei schlechter EF oder Hypovolämie besonders gefährlich → langsam titrieren, Vasopressor bereithalten.

Vorteile

  • Sehr gut steuerbar ·

  • antiemetisch ·

  • angenehmes Aufwachen ·

  • kurze stabile ksHWZ → TIVA ideal ·

  • antikonvulsiv ·

  • bronchodilatatorisch

Nachteile / KI

  • Ausgeprägte Hypotonie ·

  • Injektionsschmerz ·

  • keine Analgesie ·

  • Propofol-Infusionssyndrom (PRIS) bei Langzeit/Hochdosis ·

  • Allergie Soja? (umstritten)

Propofol-Infusionssyndrom (PRIS) – prüfungsrelevant

Seltene, lebensbedrohliche Komplikation bei Hochdosis (>4 mg/kg/h) über >48h (besonders ICU, Kinder).

Mitochondriale Toxizität → Entkopplung der Atmungskette.

Symptome: Metabolische Azidose · Rhabdomyolyse · Nierenversagen · Herzrhythmusstörungen · Lipämie · grüner Urin

Therapie: Propofol sofort stoppen · supportiv · Hämofiltration


Merksatz

Propofol = das ideale TIVA-Hypnotikum durch stabile ksHWZ – aber kein Analgetikum. Langsam einleiten, Vasopressor bereit. PRIS bei >4 mg/kg/h über >48h → immer Dosis im Auge behalten auf der ICU. Die weiße Farbe ist kein Zufall – Fettlösung bedeutet Infektionsrisiko.

MAC

MAC = Minimale Alveoläre Konzentration

Die Konzentration eines Inhalationsanästhetikums in der Alveole, bei der 50% der Patienten auf einen standardisierten Schmerzreiz (Hautschnitt) nicht mehr reagieren.

MAC50 = ED50 – eine Dosis, die bei der Hälfte der Patienten wirkt.


MAC gibt Potenz an

z.B. Sevofluran:

1 MAC = 2% (des Gases in der Alveole nötig, damit 50% keinen Schmerzreiz bka bla)


0,5 MAC = 1% (leichte Sedierung)

1,3 MAC (~95% der Patienten reagieren nicht → das ist der übliche klinische Zielwert) = 2,6%


Beispiel Desfluran:

1,0 MAC = 6,5%

1,3 MAC = ~8,5%


Vollständige Tabelle

MAC-Stufe

Sevofluran

Desfluran

Isofluran

Klinische Bedeutung

0,5 MAC

1,0%

3,3%

0,6%

Sedierung, Anxiolyse

1,0 MAC

2,0%

6,5%

1,2%

50% kein Reaktion auf Hautschnitt

1,3 MAC ★

2,6%

8,5%

1,6%

Klinischer Zielwert (~95% reagieren nicht)

2,0 MAC

4,0%

13,0%

2,4%

Tiefe Narkose, starke Kreislaufdepression

N₂O – Sonderfall

MAC-Stufe

N₂O

Problem

1,0 MAC

105%

Physikalisch unmöglich (max. 100% eines Gases)

0,5 MAC (max. möglich)

~50%

Kombination mit anderem Volatile nötig

+ 0,5 MAC Sevo

50% N₂O + 1,0% Sevo

= 1,0 MAC gesamt (MAC additiv!)

Zusammenhang mit MAC

MAC und Blut-Gas-KV sind unabhängige Eigenschaften:

  • MAC beschreibt die Potenz (wie viel brauche ich?)

  • Blut-Gas-KV beschreibt die Kinetik (wie schnell wirkt es?)


  1. Reduktion der MAC

    • Hohes Lebensalter

    • Schwangerschaft

    • Hypothermie

    • Arterielle Hypotonie

    • Schwere Hypoxie

    • Anämie

    • Hyponatriämie

    • Wechselwirkung mit zentral wirksamen Medikamenten, bspw. Opioiden

  2. Erhöhung der MAC

    • Junges Lebensalter

    • Chronischer Alkoholabusus

    • Erhöhte Körpertemperatur (Fieber)

    • Hypernatriämie


Orientierende MAC-Werte gängiger Inhalationsanästhetika für Erwachsene mittleren Alters


MAC50 (Vol.-%) bei 100% O2

MAC50(Vol.-%) bei 70% N2O

Desfluran

  • 6,0

  • 2,8

Sevofluran

  • 2,0

  • 1,1

Isofluran

  • 1,2

  • 0,5

Lachgas

  • 105 (altersunabhängig)

Xenon

  • 71


Neuromuskuläres Monitoring

z.B. N. ulnaris → Adduktion des Daumens durch M. adductor pollicis (klinischer Standard)

„Eisbergphänomen“ (Eine neuromuskuläre Blockade ist in der Relaxometrie erst dann nachweisbar, wenn ca. 75% der postsynaptischen nicotinergen Cholinozeptoren blockiert sind. Bildlich gesprochen ist für das Verfahren also nur die Spitze des Eisbergs „sichtbar“.)


Durchführung:

  1. Abgabe von 4 Einzelreizen im Abstand von 0,5 s (Reizfrequenz 2 Hz)

  2. Mindestabstand von 10 s zwischen 2 Messungen


Auswertung:

  • TOF-Zahl: Absolute Anzahl der Reizantworten (0–4) unabhängig von der Stärke

  • TOF-Ratio: Stärke der vierten im Vergleich zur ersten Reizantwort (Quotient T4/T1)

  • —> Vor der Extubation sollte die TOF-Ratio ≥0,9 sein!

  • Eine neuromuskuläre Restblockade kann zu einer erhöhten postoperativen Morbidität und Mortalität beitragen!




  1. Depolarisationsblock: Stärke der Reizantworten immer gleich groß

  2. Nichtdepolarisationsblock: Abnehmende Stärke der Reizantworten (sog. „Fading“)


Nicht-depolarisierend (Rocuronium) – TOF wird schrittweise schwächer

Rocuronium blockiert kompetitiv. Das bedeutet: es gibt immer ein Gleichgewicht zwischen besetzten und freien Rezeptoren.

Bei 4 aufeinanderfolgenden Reizen (TOF) wird bei jedem Reiz ACh ausgeschüttet. Dieses ACh verdrängt kurzzeitig etwas Rocuronium vom Rezeptor – aber gleichzeitig leert sich das präsynaptische ACh-Depot mit jedem Reiz ein bisschen.

Depolarisierend (Succinylcholin) – alle vier gleich schlecht

Succinylcholin aktiviert den Rezeptor selbst – es braucht kein ACh. Die Membran ist dauerhaft depolarisiert, unabhängig davon ob ein Nervenreiz kommt oder nicht.

Egal ob Reiz 1, 2, 3 oder 4 – die Membran antwortet immer gleich: sie kann sich nicht erholen, weil Succinylcholin permanent sitzt. Es gibt kein Depot das sich leert, keine Kompetition – einfach eine gleichmäßig blockierte Membran.


Anionenlücke

bei metabolischer Azidose immer berechnen

Die Anionenlücke entsteht, weil wir im Labor nur die häufigsten messen – Na⁺, Cl⁻ und HCO₃⁻. Die restlichen Anionen (Albumin, Phosphat, organische Säuren) messen wir nicht, aber sie sind da. Diese "unsichtbaren" Anionen bilden die normale Anionenlücke:

AG = Na⁺ – (Cl⁻ + HCO₃⁻) = 8–12 mmol/l

AG erhöht:

Eine neue Säure wird produziert oder akkumuliert – zum Beispiel Laktat oder Ketonkörper. Diese Säure dissoziiert:

Laktat-H⁺ → H⁺ + Laktat⁻

Das H⁺ verbraucht HCO₃⁻ (Puffersystem) → HCO₃⁻ fällt. Das Laktat⁻ bleibt aber im Blut als nicht gemessenes Anion → AG steigt.

Cl⁻ bleibt unverändert – der Körper hat kein Cl⁻ dazugewonnen.

Na⁺ gleich · Cl⁻ gleich · HCO₃⁻ ↓ → AG ↑

AG normal:

Hier wird kein neues Anion produziert – stattdessen geht HCO₃⁻ verloren (Diarrhö, Fistel) oder die Niere kann keines bilden (RTA). Der Körper muss die negative Ladung ersetzen – er nimmt Cl⁻ auf:

HCO₃⁻ ↓ → Cl⁻ ↑ (kompensatorisch)

Na⁺ gleich, HCO₃⁻ fällt, Cl⁻ steigt im gleichen Maß → AG bleibt normal.

—> hyperchlorämische Azidose. Zum Beispiel auch durch NaCl Infusion möglich: Steigt die Chloridkonzentration über den Normbereich (97–108 mmol/L), muss die Konzentration anderer Anionen – insbesondere von Bicarbonat (HCO3−) – sinken, um die elektrische Neutralität zu erhalten .

Da Bicarbonat die Hauptbase im Blut ist, führt dessen Abnahme zu einer metabolischen Azidose mit niedrigem pH-Wert . Die Lunge reagiert auf diese Azidose mit Hyperventilation zur CO₂-Abatmung als kompensatorischem Mechanismus .

AG

Bedeutung

Ursachen

AG erhöht (>12)

Säure wird produziert · Cl⁻ bleibt normal

MUDPILES: Methanol · Urämie · DKA · Propylene glycol · Isoniazid · Laktat · Ethanol · Salicylate

AG normal (hyperchlorämisch)

HCO₃⁻ verloren · Cl⁻ steigt kompensatorisch

Diarrhö · RTA (renale tubuläre Azidose) · NaCl-Infusion · Ileostoma

Merkwort für Ursachen einer vergrößerten Anionenlücke „Kuss-Maul“: Ketonkörper, Urämie, Salicylsäure, Methanol, Äthylenglykol (bzw. Ethylenglykol), (Urämie), Lactat!

Lokalanästhesie Intoxikation

ZNS – früh Metallischer Geschmack · periorale Taubheit · Tinnitus · Schwindel · Sehstörungen

ZNS – spät Unruhe · Verwirrtheit · verwaschene Sprache · Muskelzuckungen → tonisch-klonischer Krampfanfall → Bewusstlosigkeit

Herz – früh Bradykardie · PQ-Verlängerung · QRS-Verbreiterung · Hypotonie

Herz – spät Ventrikuläre Arrhythmien (VT, VF) · totaler AV-Block · Kreislaufkollaps · Asystolie


Sofortmaßnahmen – Reihenfolge

1. LA sofort stoppen – Injektion unterbrechen, Nadel raus

2. Hilfe rufen – Anästhesie, Reanimationsteam

3. Atemweg sichern – O₂ 100%, ggf. Intubation · Hyperventilation senkt pCO₂ → reduziert LA-Toxizität (pH-Effekt)

4. Krampfanfall behandeln – Midazolam oder Thiopental i.v.

5. Kreislauf stabilisieren – bei Arrhythmie: Reanimation nach ALS-Algorithmus

6. Intralipid 20% – das Antidot (Lipid Rescue)

  • Wirkmechanismus: Fettmilch bindet lipophiles LA im Blut → "Lipid Sink" → LA wird aus Gewebe herausgezogen → Herz wird entlastet

Was bei der Reanimation zu beachten ist

  • Adrenalin-Dosis reduzieren (≤1 µg/kg) – normale Dosis kann Toxizität verstärken

  • Kein Vasopressin, kein Lidocain (macht es schlimmer)

  • Lange Reanimation möglich – LA wird langsam umverteilt → nicht zu früh aufgeben

  • Herzlungenmaschine (ECMO) als ultima ratio bei refraktärem Kreislaufversagen


Prävention

  • Testdosis mit Adrenalinzusatz vor jeder großen Regionalanästhesie

  • Aspiration vor jeder Injektion

  • Fraktionierte Injektion (nie alles auf einmal)

  • Maximaldosen kennen: Bupivacain 2 mg/kg · Lidocain 3–4 mg/kg (ohne Adrenalin)



PiCCO

Pulse Contour Cardiac Output


Was du brauchst

  • Zentraler Venenkatheter (ZVK) – zur Kältebolusgabe

  • Arterieller PiCCO-Katheter – A. femoralis oder A. axillaris (spezieller Katheter mit Thermistor)

Wie es funktioniert

  • Schritt 1 – Thermodilution (Kalibrierung)

    • Über den ZVK wird ein Kältebolus (eiskaltes NaCl, ~15 ml) injiziert. Dieser Bolus fließt durch rechtes Herz → Lunge → linkes Herz → Aorta zum PiCCO-Katheter in der Arterie.

    • Der Thermistor misst die Temperaturveränderung über die Zeit → daraus berechnet das System per Stewart-Hamilton-Gleichung das HZV.

    • Weil der Bolus die gesamte Herz-Lungen-Strecke durchquert (transpulmonal) – nicht nur den rechten Ventrikel wie beim PAK – kann PiCCO zusätzliche Volumina messen die dazwischen liegen.

  • Schritt 2 – Pulskonturanalyse (kontinuierlich)

    • Nach Kalibrierung analysiert das System die arterielle Druckkurve schlagweise → berechnet kontinuierlich HZV, Schlagvolumen und Schlagvolumenvariation ohne weitere Bolusgaben.

    • Kalibrierung sollte alle 8h wiederholt werden oder nach hämodynamischen Veränderungen.

Was PiCCO misst – die wichtigsten Parameter

  • HZV / CI (Herzzeitvolumen / Cardiac Index) Wie viel Blut pumpt das Herz pro Minute? Normal: CI 3–5 l/min/m² (Herzindex = HMV/Körperoberfläche)

  • ITBV (Intrathorakales Blutvolumen) Gesamtvolumen im Herz-Lungen-System → Vorlastparameter. Besser als ZVD weil weniger von Beatmungsdruck abhängig.

  • EVLW (Extravaskuläres Lungenwasser) Wasser das sich außerhalb der Gefäße in der Lunge befindet = Lungenödem quantifizieren. Normal <10 ml/kg. Steigt bei ARDS, Herzinsuffizienz → wichtig für Volumenmanagement.

  • SVV (Schlagvolumenvariation) Wie stark schwankt das Schlagvolumen mit dem Atemzyklus?



Sepsis - Behandlung

Basismaßnahmen:

  • Anamnese

  • Körperliche Untersuchung

  • periphervenöse BK

  • Sepsisfokus suchen:

    • Pneumonie: Röntgen Thx

    • Implantierte Fremdkörper / Katheter: Abnahme BK (Time to positivity)

    • HWI: U-Stix, U-Kultur

    • Abdominelle Infektionen: Sono, CT, Abstriche

    • Meningitis: LP


Notfallmanagement:

  • Sanierung Infektfokus (innerhalb 6-12h)

  • Antibiotikatherapie (innerhalb einer Stunde): Tarragona Strategie

  • Supportiv: Hämodynamische Stabilisierung (Ziel MAP >65 mmHg mit VES (30 ml/kgKG in 3h) / Katecholamine)

Beispieltherapie Antibiose:

Indikation

Typische Erreger

Empirische Therapie (Beispiel)

VAP – early onset (<5 Tage)

S. pneumoniae · H. influenzae · MSSA

Aminopenicillin + BLI oder Cephalosporin 3. Gen.

VAP – late onset (≥5 Tage)

P. aeruginosa · MRSA · Acinetobacter · ESBL

Piperacillin/Tazobactam oder Carbapenem + ggf. Vancomycin

Septischer Schock unbekannte Quelle

Breit → gram+ und gram-

Carbapenem + Vancomycin · Antimykotikum bei Risiko

Nach Kulturergebnis (De-Eskalation)

Zielkeim bekannt

Schmalspektrum gezielt → kürzer, besser verträglich


Sepsis - Initialtherapie bei unbekanntem Fokus


Nosokomiale Infektion

Ambulant erworbene Infektion

Sepsis

  • Piperacillin/Tazobactam

    • Bei Risikofaktoren für MRSA zusätzlich Linezolid

  • Piperacillin/Tazobactam oder Cefotaxim

Septischer Schock

  • Piperacillin/Tazobactam oder Cefepim oder Meropenem

    • Plus Linezolid oder Daptomycin

    • Bei Risikofaktoren für MRGN zusätzlich Ciprofloxacin oder Levofloxacin oder Fosfomycin

  • Piperacillin/Tazobactam oder Cefepim oder Meropenem

    • Bei Risikofaktoren für MRSA zusätzlich Linezolid

    • Bei Risikofaktoren für MRGN zusätzlich Ciprofloxacin oder Levofloxacin oder Fosfomycin

Checkliste Sepsis: 1-Hour-Bundle

  • Lactat messen und wiederholt kontrollieren (bis zum Abfall auf <2 mmol/L)

  • Blutkulturen vor Beginn der antibiotischen Therapie entnehmen

  • Kalkulierte Antibiotikatherapie beginnen („Hit hard and early“)

  • Volumentherapie beginnen (30 mL/kgKG balancierte Vollelektrolytlösung innerhalb der ersten 3 h)

  • Vasopressoren verabreichen bei arteriellem Mitteldruck <65 mmHg trotz Volumentherapie


PCT – Biomarker zur Therapiesteuerung

Procalcitonin fällt bei erfolgreicher Therapie um ≥80% zum Ausgangswert → Therapieende erwägen. Steigt PCT trotz Therapie → Versagen, Fokussuche, Umstellung.




ARDS - Definition

Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) ist eine massive Reaktion der Lunge auf diverse schädigende Faktoren und geht mit einer schweren Einschränkung der Oxygenierung einher.


Berlin-Definition des ARDS

  • Symptomatik

    • Akut innerhalb einer Woche nach einem Ereignis

      oder

    • Verschlechterung respiratorischer Symptome

  • Radiologie: Beidseitig diffuse Infiltrate im Röntgen-Thorax

    • Voraussetzung: Nicht erklärbar durch Pleuraerguss, Atelektase oder Raumforderung

  • Atemmechanik: Respiratorisches Versagen (Ödembedingt kommt es zu einer verlängerten alveolo-arteriellen Diffusionsstrecke, Verminderung der Compliance und vermehrten Atemarbeit. Im Verlauf führt dies zu einer respiratorischen Erschöpfung, die häufig eine maschinelle Beatmung nach sich zieht.)

    • Voraussetzung: Nicht durch kardiale Ursachen oder Volumenüberschuss zu erklären

  • Labor: Horovitz-Quotient (maßgeblicher Parameter für die Schweregradeinteilung des ARDS)


ARDS ist eher “Syndrom”, daher Ätiologie sehr unterschiedlich (zum Beispiel):

  • direkt pulmonal: Pneumonie, LAE, chemische Reizung (z.B. Aspiration), mech Schädigung (z.B. Kontusion)

  • indirekte, systemische Auslöser: Infektion (Sepsis), SIRS, Störung Mikrozirkulation (Schock), DIC, Toxine

  • Die Ursache eines ARDS ist in den meisten Fällen eine Pneumonie oder eine extrapulmonale Sepsis!


Ein ARDS ist dann wahrscheinlich, wenn ein typischer Auslöser vorliegt, eine therapierefraktäre arterielle Hypoxämie besteht und im Röntgen die relevanten Veränderungen ohne relevante kardiale Pathologie zu sehen sind!


Schockformen

Der Begriff „Schock“ bezeichnet – unabhängig von der Ursache – ein Missverhältnis zwischen Herzminutenvolumen und erforderlicher Gewebedurchblutung mit daraus folgender unzureichender Sauerstoffversorgung. Es kommt zu einer verminderten Kapillardurchblutung sowie einer Gewebehypoxie mit lebensbedrohlicher Störung des Stoffwechsels und der Zellfunktion.


Distributiver Schock

  • Definition: Schock durch Verteilungsstörung des Blutvolumens, im Allgemeinen durch vaskuläre Dysfunktion

  • Unterformen

    • Anaphylaktischer Schock: Allergische Erkrankungen

    • Septischer Schock: SIRS/Sepsis

    • Neurogener Schock

Hypovolämischer Schock

  • Hypovolämischer Schock im engeren Sinn

    • Definition: Schock durch kritische Verminderung des zirkulierenden Plasmavolumens (Hypovolämie) und folglich Abnahme von Vorlast und Schlagvolumen

      • Häufige Ursachen

        • Kutane Verluste: Großflächige Verbrennungen

        • Renale Verluste: Diabetes insipidus

        • Gastrointestinale Verluste: Durchfall und Erbrechen (insb. bei Kindern), Stomata

        • Verluste in den dritten Raum: Flüssigkeitsverschiebungen bspw. im Rahmen von Pankreatitis, Leberversagen, Ileus

  • Hämorrhagischer Schock

    • Definition: Schock durch kritische Verminderung des Plasmavolumens und der Erythrozytenzahl

      • Häufige Ursachen: Starker Blutverlust

Kardiogener Schock

  • Definition: Schock durch kritische Verminderung der kardialen Pumpleistung

    • Häufige Ursachen

      • Myokardinfarkt

      • Kardiomyopathie

      • Myokarditis

      • Herzklappenvitien

      • Akut dekompensierte chronische Herzinsuffizienz

    • Sonderform „rhythmogener Schock“: Bradykarde oder tachykarde Herzrhythmusstörungen mit Kreislaufversagen

Obstruktiver Schock

  • Definition: Verminderung des Herzzeitvolumens durch vaskuläre Obstruktion

  • Häufige Ursachen

    • Lungenembolie

    • Perikardtamponade

    • Aortendissektion

    • Spannungspneumothorax

    • Kompressives Mediastinalemphysem

    • Vena-cava-Kompressionssyndrom


Maligne Hyperthermie (MH)

Lebensbedrohliche pharmakogenetische Reaktion des Skelettmuskels – ausgelöst durch Triggersubstanzen bei genetisch prädisponierten Patienten. Autosomal-dominant, Mutation meist am Ryanodin-Rezeptor (RYR1) → unkontrollierte Ca²⁺-Freisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum → Muskelrigidität + Hypermetabolismus.


Triggersubstanzen

  • Alle volatilen Anästhetika (Sevo, Des, Iso, Halothan)

  • Succinylcholin

Keine Trigger: Propofol · Opioide · Benzodiazepine · Lokalanästhetika · nicht-depolarisierende Relaxanzien → TIVA ist sicher


  1. Hyperkapnie (etCO₂ ↑↑) → frühestes Zeichen!

  2. Muskelrigidität (Masseterspasmus nach Succinylcholin = Warnsignal)

  3. Hyperthermie → oft spät, aber Leitsymptom im Namen

Schritt

Maßnahme

1. Sofort

Alle Trigger stoppen · Inhalativum aus · Succinylcholin aus

2. Dantrolеn

2,5 mg/kg i.v. Bolus → wiederholen alle 5 min bis Symptome sistieren · max. 10 mg/kg · Dantrolеn muss immer verfügbar sein wo Triggersubstanzen eingesetzt werden

3. Hyperventilation

FiO₂ 1,0 · hohe Atemfrequenz → CO₂ abatmen

4. Kühlen

Eiswasser · Kühldecken · kalte Infusionen

5. Azidose

Bikarbonat i.v.

6. Hyperkaliämie

Ca2+ · Insulin + Glukose

7. Diurese

Forcierte Diurese → Myoglobin ausspülen → Nierenversagen verhindern

8. Monitoring

Arterielle Kanüle · ZVK · BGA alle 15 min · CK-Verlauf

Dantrolen: Blockiert den Ryanodin-Rezeptor → hemmt Ca²⁺-Freisetzung aus SR → Muskelrigidität und Hypermetabolismus sistieren. Einziges kausales Antidot.

Pathologische Kapnographie

1) Unauffälliger Befund

2) Erhöhte Kurve: Form und Verlauf vergleichbar mit normaler Kapnografie. Die Kurve ist insg. nach oben gestreckt und das exspiratorische CO2 steigt über den normalen Wert an (>45 mmHg). Mögliche Ursachen: Hypoventilation, vermehrte Produktion von CO2 (z.B. maligne Hyperthermie).

3) Erniedrigte Kurve: Form und Verlauf vergleichbar mit normaler Kapnografie. Die Höhe des exspiratorischen CO2 erreicht jedoch nicht den normalen Wert (<30 mmHg). Mögliche Ursachen: Hyperventilation, verminderter Stoffwechsel (Hypothermie).

4) Schräges/Fehlendes Plateau: Der steile Anstieg zu Beginn ist verkürzt und die Kurve flacht ab. Grund kann eine verzögerte Entleerung der Alveolen sein, z.B. bei Obstruktion. Ein vergleichbares Bild zeigt sich jedoch auch bei Teilverschluss oberer Atemwege oder Tubusverlegung.

5) Unterbrechung des Kurvenverlaufs: Typischer Kurvenverlauf wird durch Ausschläge nach oben oder unten gestört. Meist unregelmäßiges Auftreten und anschließend Rückkehr zur normalen Kurve. Mögliche Ursachen: Gegenpressen, spontane Atemzüge.

6) Oszillation: In der Inspiration zeigen sich im abfallenden Teil der Kurve schnelle zyklische Schwankungen, wobei die einzelnen Ausschläge stetig sinken. Typischerweise pulssynchron und durch den Herzschlag bedingt (kardiogene Oszillation).

7) Fehlender Abfall auf Null: Form und Verlauf vergleichbar mit normaler Kapnografie. Die gesamte Kurve ist nach oben verschoben, sodass zum Beginn der Exspiration bereits Werte über Null bestehen. Entsprechend erreicht die Kurve in ihrem Maximum ebenso erhöhte Werte. Nach dem Absinken in der Inspiration bleibt der CO2-Wert über Null. Mögliche Ursache: Rückatmung von CO2 bei verbrauchtem Atemkalk.

8) Abflachen der Kurve: Die zunächst normale Kurve flacht von Atemzug zu Atemzug ab. Mögliche Ursachen: Fehlintubation mit Abatmen von CO2 aus dem Magen, Verminderung der pulmonalen Durchblutung (Hypotension, Lungenembolie), abnehmendes Herzzeitvolumen.


Author

Max K.

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