Komponenten einer Allgemeinanästhesie
Hypnose
Analgesie
Reflexdämpfung
(Anterograde) Amnesie
Ggf. Muskelrelaxierung
Adjuvanzien bei Lokalanästhesie
Adrenalin: Lokale Vasokonstriktion → Reduzierte systemische Resorption des Lokalanästhetikums
Reduzierte systemische Bioverfügbarkeit
Verlängerte klinische Wirkdauer des Lokalanästhetikums um ca. 30–60 min
Erhöhung des Blutdrucks bzw. der Herzfrequenz bei systemischer Gabe → Marker für eine akzidentelle intravaskuläre Injektion
Opioide (Morphin, Sufentanyl): Verbesserung der Analgesie bei rückenmarksnahen Regionalanästhesieverfahren
Bindung an Opioidrezeptoren → Hemmung der Weiterleitung von Schmerzreizen
Mögliche Nebenwirkungen: Juckreiz, Übelkeit, Sedierung, Atemdepression
Clonidin
Kristalloide Infusionen
Kristalloide: ohne Makromoleküle, geringer intravasaler Volumeneffekt durch rasche Verteilung im gesamten Extrazellulärraum (EZR)
Isotone Infusionslösungen
Vollelektrolytlösungen (VEL):
Ähnliche Elektrolytzusammensetzung und -konzentration wie im Blutplasma
Deutlich mehr Chlorid-Ionen als im Blutplasma
Indikationen: 1. Wahl für
Kurzfristigen Volumenersatz bei leichter Hypovolämie
Flüssigkeitsersatz bei isotoner oder hypotoner Dehydratation
Flüssigkeits- und Elektrolytersatz bei normalem Säure-Basen-Haushalt oder bei (drohender) Azidose
Beispiele
Ringer-Lösung
Sterofundin
Balancierte Vollelektrolytlösungen
Eigenschaften
Im Vergleich zu herkömmlichen VEL: Reduzierte Chloridkonzentration durch Zusatz von Anionen (Malat, Acetat oder Lactat)
Indikationen: Analog zu Vollelektrolytlösungen
Insb. bei größeren Infusionsmengen
Kaliumfreie Elektrolytlösung
unphysiologisch
als Trägerflüssigkeit für Medikamente
NaCl
Hypotone Infusionslösungen
Glucose-Lösungen
Hypotone Glucoselösung (Glucose 5%)
Anteil an Glucose entscheidend für Volumeneffekt
Indikationen
Flüssigkeitsersatz bei hypertoner Dehydratation
Trägerlösung für kompatible Medikamente
Hypertone Infusionslösungen
Glucose 20%
v.a. Glucosegabe bei Hypoglykämie
Kristalloide verteilen sich im gesamten Extrazellulärraum, also auch im Interstitium! Nur ca. ¼ des Volumens verbleiben intravasal.
Als Trägerlösung für Medikamente sind bspw. Glucose 5%, Aqua ad injectabilia und NaCl 0,9% geeignet. Vollelektrolytlösungen sollten wegen ihres Calciumgehalts nicht dafür verwendet werden!
Kolloidale Infusionen
Infusionslösungen mit osmotisch aktiven Makromolekülen
Plasmaersatzstoffe: Gleicher kolloidosmotischer Druck wie Blutplasma (isoonkotisch), halten Flüssigkeit intravasal
Plasmaexpander: Größerer kolloidosmotischer Druck als Blutplasma (hyperonkotisch), ziehen Flüssigkeit nach intravasal
Indikation: 2. Wahl zum kurzfristigen Volumenersatz (wenn kristalloide Lösungen nicht ausreichen, bspw. bei akutem Blutverlust)
Hydroxyethylstärke (HES, HAES)
Indikation: 2. Wahl bei Hypovolämie aufgrund einer akuten Blutung
Kurzfristiger Einsatz in niedrigster, wirksamer Dosis
Nur bei unzureichendem Therapieerfolg kristalloider Infusionslösungen indiziert
Bei größeren Blutverlusten: Blutprodukte verwenden
Intraoperativer Volumenhaushalt
Stufenkonzept zur perioperativen Flüssigkeits- und Volumentherapie
Indikation
Flüssigkeitstherapie
Volumentherapie
1. Stufe
Intraoperativer Volumenverlust ≤20% des gesamten Blutvolumens
Balancierte Vollelektrolytlösungen im Verhältnis 1:1
Balancierte Vollelektrolytlösungen im Verhältnis 4:1 bis 5:1
2. Stufe
Intraoperativer Volumenverlust >20% des gesamten Blutvolumens
Isoonkotische Kolloide im Verhältnis 1:1, bspw. HES (unter Beachtung der Kontraindikationen für HES)
3. Stufe
Intraoperativer Volumenverlust mit Indikation zur Transfusion, siehe: Transfusionsindikation für Erythrozytenkonzentrate bei akutem Blutverlust
Bedarfsgerechte Transfusion, siehe: Perioperativer rationaler Einsatz allogener Blutprodukte
Mendelson-Syndrom
Chemische Pneumonitis durch Aspiration im Rahmen einer Allgemeinanästhesie (Risiko insb. bei Notfalleingriffen erhöht)
Aspiration → Mechanische oder chemische Beeinträchtigung der Alveolaroberfläche
Direkte Verlegung: Größere Mengen Flüssigkeit → Kompromittierung des Gasaustausches → Oxygenierung↓
Chemische Reizung: Saurer Mageninhalt → Chemische Pneumonitis → Ggf. bakterielle Superinfektion
Die typischen Erreger einer Pneumonie (Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae, gramnegative Bakterien, Staphylococcus aureus) haben eine hohe Pathogenität, d.h. es reicht bereits eine Aspiration kleiner Mengen aus, um eine Infektion zu verursachen. Eine „echte“ Aspirationspneumonie bezeichnet dagegen eine Infektion mit weniger pathogenen Bakterien aus der oropharyngealen Flora, bspw. Anaerobiern. Diese unterschiedlichen Erregerspektren müssen bei der Wahl des Antibiotikums bedacht werden.
Bei Entwicklung von Pneumoniesymptomen: Kalkulierte Antibiotikatherapie der CAP (Erstwahl analog zur Therapie der mittelschweren Pneumonie)
Primär: Ampicillin/Sulbactam
Alternativen
Cephalosporin der Generation 3a (z.B. Ceftriaxon)
Revised Cardiac Risk Index nach Lee (RCRI)
Risikofaktoren
Herzinsuffizienz
KHK (Angina pectoris und/oder Z.n. Myokardinfarkt)
Zerebrovaskuläre Erkrankung in der Vorgeschichte
Insulinpflichtiger Diabetes mellitus
Chronische Nierenkrankheit mit Kreatinin >2 mg/dL
Hochrisikoeingriff (siehe auch: Eingriffsbezogenes Risiko)
Risikoeinschätzung für perioperative kardiale Komplikationen
Kein Risikofaktor: 3,9%
1 Risikofaktor: 6,0%
2 Risikofaktoren: 10,1%
≥3 Risikofaktoren: 15,0%
MICA-Score (Myocardial infarction and cardiac arrest)
ASA-Klassifikation
Risiko des Eingriffs (siehe auch: Kardiales Risiko operativer Eingriffe)
Alter
Nierenfunktionseinschränkung (Kreatinin >1,5 mg/dL)
Funktioneller Status (selbstversorgend, teilweise oder ganz pflegebedürftig
Prinzipien der medikamentösen Schmerztherapie
Prinzip
Erläuterung
„By the mouth“
Orale Applikation bevorzugen
Langwirksame (retardierte) Analgetika
„By the clock“
Regelmäßiges und festgelegtes Einnahme-Zeitschema
„By the ladder“
Entsprechend des WHO-Stufenschemas symptomorientierte Schmerzmedikation
Merkwort für die Prinzipien der Schmerztherapie: „DNA“ – „Durch den Mund“ – „Nach der Uhr“ – „Auf der Leiter“!
Stufe I
Nicht-Opioid-Analgetikum (± Koanalgetikum ± Adjuvans)
Stufe II
Nicht-Opioid-Analgetikum + niedrigpotente Opioide (± Koanalgetikum ± Adjuvans)
Stufe III
Nicht-Opioid-Analgetikum + hochpotente Opioide (± Koanalgetikum ± Adjuvans)
Basistherapie (retardierte Präparate, die nach festem Schema und Dosierung eingenommen werden)
adäquaten Bedarfsmedikation (unretardierte Analgetika, die Schmerzspitzen therapieren)
Unretardiertes, schnellwirksames Analgetikum bevorzugen (bei bereits bestehender Opioidtherapie der WHO-Stufe III: Bedarfsdosis 1/6 der Opioid-Gesamttagesdosis)
Begleitmedikation mit Koanalgetika und Adjuvanzien erfolgen, um spezielle Schmerzformen wirkungsvoller zu behandeln bzw. um Nebenwirkungen der Therapie entgegenzuwirken
Koanalgetika:
Neuropathische Schmerzen (bspw. diabetische Neuropathie, Post-Zoster-Neuralgie)
Trizyklische Antidepressiva: Amitriptylin, Doxepin, Clomipramin, Imipramin
Anfallssuppressiva: Carbamazepin, Gabapentin, Pregabalin
Hirndruck und Nervenkompression
Glucocorticoide
Knochenmetastasen und -schmerzen
Bisphosphonate (bspw. Pamidronat)
Adjuvanzien:
Laxantien
Antiemetika
Protonenpumpeninhibitoren
Balancierte Anästhesie
Kombination aus Inhalations- und Injektionsanästhesie
z.B.:
Injektionsanästhesie (wie Propofol) zur Narkoseeinleitung
Inhalationsanästhesie (wie Sevofluran) zur Aufrechterhaltung (bessere Steuerbarkeit)
Kombinationsanästhesie
Ergänzung einer Allgemeinanästhesie durch Regionalanästhesie
Voraussetzungen
OP-Gebiet entspricht der Ausdehnung eines Regionalanästhesieverfahrens
Punktionsort/Katheter liegt außerhalb des sterilen OP-Gebietes
Große Eingriffe zur intra- und postoperativen Schmerztherapie (z.B. Femoraliskatheter bei Knie Operationen oder Epidural bei Abdomen OP)
Intraoperative Einsparung von Narkosemedikamenten
Regionalanästhesie mit unzureichender Wirkung
Inhalationsanästhesie
v.a. bei Aufrechterhaltung sinnvoll
besser steuerbar (MAC-Wert)
Potenzierung der Wirkung der Muskelrelaxanzien
organunabhängige Pharmakokinetik (kaum metabolisiert, daher keine Anpassung nötig)
einzelne: Bronchodilatation
TIVA (totale intravenöse Anästhesie)
Stoffe sollten kurze HWZ haben um besser steuern zu können
typischerweise Propofol
Besonderheiten bei der Narkoseeinleitung
Häufig relevante Beeinträchtigung der Hämodynamik (insb. bei rascher Gabe hoher Dosen)
Ausnahme: Ketamin bzw. Esketamin (sympathomimetische Wirkung mit HZV↑)
Relative Ausnahme: Etomidat (gering ausgeprägte kardiovaskuläre Effekte)
Auswahl des Narkoseverfahrens
Analgetikum bei Allgemeinanästhesie
Opioid zur repetitiven Bolusgabe: bspw. Fentanyl, Alfentanil, Sufentanil
Opioid über Perfusor: bspw. Remifentanil
Kontextsensitive HWZ
Als kontextsensitive Halbwertszeit wird die Zeit bezeichnet, in der die Plasmakonzentration eines Medikaments nach Beendigung einer kontinuierlichen Infusion um 50% abgefallen ist. Der Wert wird durch die substanzspezifische Verteilung und Metabolisierung beeinflusst und kann als Maß für die Kumulationsneigung eines Wirkstoffs herangezogen werden.
Vergleich Allgemeinanästhesie oder Analgosedierung
1) Allgemeinanästhesie (= AA)
Vollständiger, reversibler Bewusstseinsverlust mit vier Komponenten (Hypnose, Analgesie, Amnesie, Reflexdämpfung, uU Muskelrelaxation)
2) Analgosedierung (= „Monitored Anesthesia Care", MAC, oder prozedurale Sedierung)
Abgestufte Dämpfung von Bewusstsein und Schmerzempfinden, aber kein vollständiger Bewusstseinsverlust. Ziel ist ein kooperativer oder schlafender, aber erweckbarer Patient.
Die Tiefe wird nach Bedarf titriert:
Tiefe
Bewusstsein
Atemweg
Beispiel
Anxiolyse/Minimale Sedierung
wach, kooperativ
selbstständig
Midazolam vor Bronchoskopie
Moderate Sedierung
schläfrig, erweckbar
Propofol bei Koloskopie
Tiefe Sedierung
kaum erweckbar
meist noch selbstständig
aufwändige Interventionen
Allgemeinanästhesie
nicht erweckbar
Sicherung nötig
OP
Schutzreflexe sind bei moderater Sedierung noch erhalten – das ist der entscheidende Unterschied.
Klinisch-praktische Abgrenzung
Der Übergang ist fließend, nicht binär. Wichtige Merkmale im Vergleich:
Nüchternheit: Bei Allgemeinanästhesie strikt (6h fest, 2h klar); bei elektiver Analgosedierung ebenfalls empfohlen, aber Risiko geringer
Atemwegssicherung: Bei AA obligat, bei Analgosedierung nur bei tiefer Sedierung oder Risikopatienten
Überwachung: Beide brauchen Monitoring (SpO₂, EKG, RR), aber AA erfordert deutlich mehr personellen und apparativen Aufwand
Antagonisierbarkeit: Ein Vorteil der Analgosedierung mit Opioid + Benzodiazepin ist die Reversibilität mit Naloxon/Flumazenil – bei Inhalations- oder Propofolnarkose nicht möglich
Kontextsensitive HWZ – Mechanismus & Klinik
Definition
Die ksHWZ misst, wie schnell der Plasmaspiegel nach Infusionsstopp um 50% fällt – nicht durch Elimination allein, sondern durch Elimination + Umverteilung.
Schwamm-Modell:
Kurze Infusion: Gewebe ungesättigt → saugt Medikament aus Plasma → ksHWZ < Elim-HWZ
Lange Infusion: Gewebe gesättigt → gibt Medikament zurück → ksHWZ > Elim-HWZ
Klinischer Vergleich
Propofol
Midazolam
Gewebesättigung
langsam, stabil
schnell, massiv
ksHWZ über Zeit
bleibt kurz (~40 min)
steigt stark an (>180 min)
Dosierung (Infusion)
konstante Rate möglich
Reduktion nötig
Einsatz
TIVA, lange Eingriffe
Prämedikation, Anxiolyse
Merksatz
Das Gewebe ist bei langer Infusion kein neutraler Zuschauer – es wird zum Depot, das den Abbau aktiv verzögert. Wer lange sediert mit Midazolam: Dosis reduzieren oder wochenlangen Rückstrom einkalkulieren (ICU-Aufwachverzögerung).
TIVA – Schema & Dosierung
Was ist TIVA?
Totale intravenöse Anästhesie: Einleitung und Aufrechterhaltung ausschließlich mit i.v.-Medikamenten – kein Inhalationsanästhetikum.
Standardkombination: Propofol + Opioid (meist Remifentanil oder Fentanyl), ggf. + Muskelrelaxans.
Typisches Schema
Phase
Remifentanil
Einleitung
1–2 mg/kg i.v.
0,5–1 µg/kg/min
Aufrechterhaltung
4–10 mg/kg/h
0,1–0,5 µg/kg/min
Ausleitung
abstellen
abstellen (HWZ 3–5 min!)
Vorteile gegenüber Inhalation
Kein PONV-Risiko durch Injektionsanästhetika (Propofol sogar “Schutzmechanismus” - ungeklärt)
gute Steuerbarkeit durch kurze ksHWZ ·
kein Triggersubstanz-Risiko bei maligner Hyperthermie / Einsetzbar bei vermuteter oder bestätigter maligner Hyperthermie (sog. „triggerfreie Narkose“)
kein OP-Raumluft-Problem
Nachteil
Plasma- und Gewebekonzentration von Propofol nicht direkt messbar (eingeschränkte Steuerbarkeit der Anästhesietiefe)
Remifentanil ist das ideale TIVA-Opioid: HWZ 3–5 min, kontextunabhängig – aber nach Abstellen sofort Schmerzanstieg einkalkulieren → Überlappung mit länger wirksamem Opioid (z.B. Piritramid) vor Ende.
Inhalationsanästhetika im Vergleich
Desfluran
Sevofluran
Isofluran
N₂O (Lachgas)
MAC (%)
6–7
2
1,2
105
Blut-Gas-KV
0,42 (niedrig)
0,65
1,4
0,47
sehr schnell
schnell
langsam
Atemwegsreizung
stark (nicht zur Einleitung!)
keine
mittel
Besonderheit
MH-Trigger, teuer
ideal Einleitung Kinder
günstig, selten
kein Relaxans, analgetisch
Blut-Gas-Koeffizient – Faustregel
Je niedriger der Blut-Gas-KV, desto schneller An- und Abfluten → desto besser steuerbar. Desfluran ist am schnellsten, Isofluran am langsamsten.
MAC = minimale alveoläre Konzentration, bei der 50% der Patienten auf Hautschnitt nicht reagieren.
N₂O-MAC > 100% → allein keine vollständige Narkose möglich.
Sedierungsstufen – Ramsay & RASS
RASS (Richmond Agitation Sedation Scale) – Standard auf ICU
GCS eher in Notfallversorgung
Score
Bezeichnung
Beschreibung
+4
Streitlustig
aggressiv, Gefahr für Personal
+3
Sehr agitiert
zieht an Kathetern
+2
Agitiert
häufige ungezielte Bewegungen
+1
Unruhig
ängstlich, Bewegungen nicht aggressiv
0
Alert & ruhig
Zielzustand wacher Patient
–1
Schläfrig
erweckbar, Augenkontakt >10 s
–2
Leichte Sedierung
Augenkontakt <10 s
–3
Bewegung auf Ansprache, kein Augenkontakt
–4
nur Bewegung auf physischen Reiz
–5
Nicht erweckbar
keine Reaktion
Zielwerte
ICU-Standard: RASS –1 bis 0
durrch Ansprechen, Beobachten, körperliche Reize
bei ARDS (u.a. wegen Bauchlage) oder ICP-Erhöhung: RASS –3 bis –4
Ramsay-Skala (1–6) ist älter, weniger differenziert, aber noch gebräuchlich
RASS –5 entspricht klinisch einer Allgemeinanästhesie. Wer auf ICU RASS –5 anstrebt, muss Atemweg gesichert haben.
Muskelrelaxanzien
Depolarisierend:
Succinylcholin (einziges klinisch relevantes)
Wirkt wie ACh, aber länger (Hydrolyse durch Pseudocholinesterase) → persistente Depolarisation → Faszikulationen → Relaxation HWZ: ~5 min
Antagonisierung: nicht möglich
Indikation: RSI (Rapid Sequence Induction) wegen schnellstem Wirkungseintritt (~60 s)
Nicht-depolarisierend:
Rocuronium, Vecuronium, Cisatracurium
Kompetitive ACh-Antagonisten am nikotinischen Rezeptor → keine Faszikulationen Rocuronium: schnell (60–90 s), antagonisierbar mit Sugammadex
Cisatracurium: Hofmann-Elimination (chemischer Zerfall durch pH- und Temperaturänderung, ohne Enzymbeteiligung) → ideal bei Leber-/Niereninsuffizienz
Neuromuskuläres Monitoring
TOF (Train-of-Four): 4 Reize à 2 Hz. TOF-Ratio >0,9 = ausreichende Erholung vor Extubation.
Klinische Zeichen (Kopfheben 5 s) sind unzuverlässig.
Succinylcholin ist kontraindiziert bei Verbrennungen, Crush-Verletzungen, langer Immobilisation, Myopathien → Hyperkaliämie-Gefahr durch Hochregulation extrasynaptischer ACh-Rezeptoren.
Depolarisierende Muskelrelaxanzien
Succinylcholin
Mechanismus: (nAChR-Agonisten)
Agonist am nikotinischen ACh-Rezeptor → persistente Depolarisation → Faszikulationen → Relaxation · Abbau durch Pseudocholinesterase
Dosis RSI
1,5 mg/kg i.v.
Anschlag / Dauer
~60 s / ~10 min
Kontraindikationen – Hyperkaliämiegefahr: Verbrennung · Crush-Trauma · Immobilisation >48h · Denervierung · Myopathien (Duchenne!) → extrasynaptische ACh-Rezeptoren hochreguliert → massiver K⁺-Austritt
Weitere KI
Maligne Hyperthermie (MH-Trigger) · Pseudocholinesterasemangel (verlängerte Wirkung) · erhöhter IOP/ICP (relativ)
Kein Antagonist möglich – warten bis Pseudocholinesterase abbaut. Faszikulationen = sichtbarer Beginn der Wirkung. KI bei Verbrennungen/Crush immer denken.
Nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien
Mechanismus: (nAChR-Antagonisten)
Kompetitiver ACh-Antagonist am nikotinischen Rezeptor · keine Depolarisation → keine Faszikulationen
Rocuronium
Cisatracurium
Typ
Depolarisierend
Nicht-dep.
Dosis
1,5 mg/kg (RSI)
0,6 mg/kg · RSI: 1,2 mg/kg
0,15 mg/kg
Anschlag
~60 s
60–90 s · RSI: ~60 s
3–5 min
Wirkdauer
~10 min
30–60 min
40–60 min
Elimination
Pseudocholinesterase
Renal (75%) / hepatisch
Hofmann-Elimination
Antagonist
Keiner!
Sugammadex
Neostigmin (Cholinesterasehemmer = mehr ACh im synaptischen Spalt) + Atropin
Faszikulationen · K⁺↑
RSI-Alternative zu Succi
Leber/Niere egal → ICU
KI
Verbrennung · Crush · Immob. · Myopathie · MH
Keine absoluten
Keine relevanten
Spontaner chemischer Zerfall bei Körpertemperatur und physiologischem pH – unabhängig von Leber und Niere. Ideal bei Organversagen auf der ICU.
Sugammadex – Dosen nach TOF
Situation
TOF
Moderate Blockade
≥2/4
2 mg/kg
Tiefe Blockade
0/4
4 mg/kg
Sofortantagonisierung (can't intubate!)
RSI-Dosis
16 mg/kg
TOF-Monitoring
4 Reize à 2 Hz am N. ulnaris → Zählen der Daumenzuckungen. TOF-Ratio >0,9 = sicher für Extubation. Klinische Zeichen (Kopfheben, Handgriff) können bei Ratio 0,7 noch gelingen → unzuverlässig.
Mivacurium und Atracurium können über eine direkte Interaktion mit Mastzellen zu einer Histaminfreisetzung führen —> “nicht-allergische anaphylaktische Reaktion”
Merksätze
Succinylcholin = schnellster Anschlag, kein Antagonist, K⁺-Gefahr bei Verbrennung/Crush.
Rocuronium RSI = 1,2 mg/kg + Sugammadex 16 mg/kg bereit → sichere Alternative.
Cisatracurium = Hofmann → Leber/Niere egal → ICU-Standard. TOF >0,9 vor Extubation – nie nur klinisch beurteilen.
Antagonisten in der Anästhesie
Naloxon
Flumazenil
Antagonisiert
Opioide (µ, κ, δ)
Benzodiazepine
Rocuronium, Vecuronium
Mechanismus
kompetitiv am Opioid-R.
kompetitiv am GABA-R.
Einschluss (Chelat)
0,1–0,4 mg i.v. titriert
0,2 mg i.v., wdh. möglich
2–16 mg/kg je nach TOF
HWZ
30–90 min (kürzer als Opioid!)
~60 min (kürzer als BZD!)
irrelevant (renale Ausscheidung)
Gefahr
Rebound-Analgesie, Entzug, Tachykardie
Rebound-Sedierung, Krampfschwelle
Bradykardie selten
Merksatz – Rebound-Prinzip
Naloxon und Flumazenil sind kürzer wirksam als ihre Zielmoleküle → nach Wirkungseintritt engmaschig überwachen, ggf. Wiederholung nötig. Sugammadex bildet einen stabilen Komplex → kein Rebound.
Narkoseeinleitung – Reihenfolge & Medikamente
Standardreihenfolge (elektiv)
1) Präoxygenierung – 3–5 min 100% O₂, verlängert Apnoe-Toleranz
2) Opioid (z.B. Fentanyl 1–3 µg/kg) – dämpft Intubationsreiz, setzt Hypnotikabedarf herab
3) Hypnotikum (Propofol 1–2 mg/kg oder Thiopental 3–5 mg/kg) – Bewusstseinsverlust
4) Muskelrelaxans (Rocuronium 0,6 mg/kg) – Intubationsbedingungen
5) Intubation – nach Wirkungseintritt (~60 s), Lagekontrolle mit Kapnographie
RSI (Rapid Sequence Induction) – bei Aspirationsrisiko
Kein Maskenbeatmen
Succinylcholin 1,5 mg/kg oder Rocuronium 1,2 mg/kg (höhere Dosis!)
Krikoiddruck (Sellick) umstritten
sofortige Intubation nach Bewusstseinsverlust
Reihenfolge Opioid → Hypnotikum ist nicht dogmatisch – bei Kreislaufinstabilität kann das Opioid auch zeitgleich oder danach gegeben werden.
Entscheidend: Relaxans immer nach gesicherter Bewusstlosigkeit.
Allgemeine Indikation für Allgemeinanästhesie
Lange OP-Dauer
Hohe Invasivität
Alle laparoskopischen Eingriffe (wegen Anlage Kapnoperitoneums!)
Dabei:
Balancierte Anästhesie: Standardverfahren und bevorzugt bei bronchopulmonaler Erkrankungen
Magill-Tubus
Beschreibung: Tubus aus festem Kunststoff mit genormtem Krümmungsradius
Besonderheit: Kann auch ohne Führungsstab zur orotrachealen Intubation verwendet werden
Verwendung: Standardtubus
Murphy-Tubus
Beschreibung: Modifikation des Standardtubus mit zusätzlicher seitlicher Öffnung (sog. „Murphy-Auge“)
Besonderheit: Beatmungsmöglichkeit auch dann gegeben, wenn die Tubusspitze der Trachealwand anliegt
Woodbridge-Tubus (Spiraltubus)
Beschreibung: Tubus mit integrierter, flexibler Metallspirale (Verwendung nur mit Führungsstab )
Besonderheit: Durch Metallspirale geringeres Risiko für Abknicken oder Einengung des Lumens
Verwendung: OPs mit Gefahr der Tubusabknickung, bspw. in Bauchlage
Mallampati zur Abschätzung Intubationseigenschaften
bei wachen, aufrecht sitzenden Personen (Kopf in Neutralposition)
Thyreomentaler Abstand
Test nach Patil
Durchführung bei maximaler Streckung des Kopfes
Messung des Abstands zwischen Prominentia laryngea und Kinnspitze
Abstand beträgt normalerweise >6,5 cm
Beurteilung: Werte ≤6,5 cm gelten als möglicher Prädiktor für eine schwierige (bis unmögliche) direkte Laryngoskopie
Upper Lip Bite Test
Durchführung bei wachen, sitzenden Personen
Vorschieben der unteren Zahnreihe über die Oberlippe (Protrusion des Unterkiefers)
Prüfung der durch die unteren Schneidezähne verdeckten Anteile der Oberlippe
Beurteilung: Eingeschränkte Erreichbarkeit der Oberlippe mit den unteren Schneidezähnen (Klasse II und III) gilt als möglicher Prädiktor für eine schwierige Intubation
Klasse
Befund
I
Untere Schneidezähne bedecken vollständig die Oberlippe
II
Untere Schneidezähne erreichen die Oberlippe, Lippenrot nicht vollständig verdeckt
III
Untere Schneidezähne erreichen nicht die Oberlippe
Permissive Hyperkapnie
Bewusstes Tolerieren eines erhöhten pCO₂ (>45 mmHg, oft bis 80–100 mmHg) zugunsten lungenprotektiver Beatmung – Lungeschutz geht vor Normokapnie.
Rationale – das Dilemma bei ARDS
Ohne permissive Hyperkapnie
Hohe Volumina & Drücke → Volutrauma, Atelektrauma, Biotrauma → VILI (Ventilator-Induced Lung Injury – also ein Lungenschaden, der durch die mechanische Beatmung selbst entsteht, nicht durch die Grunderkrankung.)
Mit permissiver Hyperkapnie
Tidalvolumen 6 ml/kg · Plateaudruck <30 cmH₂O → Lungenschutz, CO₂ wird toleriert
Kompensation
Niere retiniert Bikarbonat → metabolische Kompensation der respiratorischen Azidose · dauert 24–48h → CO₂ darf nicht abrupt ansteigen
Kontraindikationen
Erhöhter ICP – CO₂ ist zerebraler Vasodilatator → Hirndruck steigt weiter (SHT, Schlaganfall)
Schwere pulmonale Hypertonie – CO₂ erhöht pulmonalen Gefäßwiderstand → Rechtsherzbelastung
Schwere Azidose pH <7,2 – Puffer erschöpft, kardiale Arrhythmiegefahr
pCO₂ 80 mmHg schadet einem ARDS-Patienten weniger als die Beatmungsdrücke, die nötig wären, um ihn auf 40 mmHg zu bringen. VILI ist irreversibel – Hyperkapnie ist reversibel.
VILI = Ventilator-Induced Lung Injury
Volutrauma – zu großes Tidalvolumen dehnt gesunde Alveolen über ihre physiologische Grenze → Mikrorisse in der Alveolarwand. Heute gilt: ≤6 ml/kg ideales KG.
Warum ideales und nicht tatsächliches KG?
Die Lunge wächst mit der Körpergröße, nicht mit dem Gewicht. Ein adipöser Patient hat keine größere Lunge als ein normalgewichtiger Patient gleicher Größe – aber deutlich mehr Körpermasse.
Würde man 6 ml/kg am tatsächlichen Gewicht berechnen, bekäme ein 130 kg schwerer Patient 780 ml Tidalvolumen – viel zu viel für seine normal große Lunge → Volutrauma.
Barotrauma – zu hoher Beatmungsdruck schädigt das Gewebe mechanisch. Klinische Extremform: Pneumothorax. Grenze: Plateaudruck <30 cmH₂O.
Atelektrauma – zu niedriger PEEP lässt Alveolen bei jeder Ausatmung kollabieren und bei jeder Einatmung wieder gewaltsam öffnen. Dieses wiederholte Öffnen und Schließen ("recruitment-derecruitment") schert die Alveolarwände ab. Deshalb PEEP nie zu niedrig einstellen.
Biotrauma – die mechanische Irritation durch die drei obigen Mechanismen triggert eine lokale Entzündungsreaktion in der Lunge. Diese Zytokine gelangen ins Blut → systemische Inflammation → kann Multiorganversagen mitauslösen. Das ist der gefährlichste Mechanismus, weil er über die Lunge hinausgeht.
Definition: Fortgeführte Diffusion von Sauerstoff aus den Alveolen in das Blut während einer Apnoephase
Physiologie der Apnoe
O2-Verbrauch und CO2-Produktion bei Apnoe primär unverändert, aber
O2-Aufnahme aus den Alveolen übersteigt deutlich CO2-Abgabe in die Alveolen → Alveolärer Volumenverlust → Erzeugung eines alveolären Unterdrucks → Sogwirkung bei offenen Atemwegen → Passiver Einstrom von Atemgas in die Lunge (sog. aventilatorischer Massenfluss) → O2-Vorrat in der FRC↑
Apnoische Oxygenierung (Claude)
Passive O₂-Zufuhr bei apnoischem Patienten mit offenem Atemweg – O₂-Sättigung bleibt erhalten ohne aktive Atemarbeit.
Physiologische Grundlage – die Volumenbilanz
O₂-Aufnahme ins Blut (− 200 ml/min)
CO₂-Abgabe in Alveolen (+ 16 ml/min (nur ~10% der Produktion))
Nettoverlust alveoläres Volumen − 184 ml/min
→ Unterdruck in den Alveolen → passiver Massenfluss von O₂ nach distal bei offenem Atemweg
Warum steigt pACO₂ trotzdem?
90% des produzierten CO₂ wird im Blut gepuffert (Bikarbonat, Carbaminohämoglobin) → nur 16 ml/min gelangen in die Alveolen → pACO₂ steigt langsam ~3–6 mmHg/min. O₂-Versorgung bleibt gesichert, CO₂-Elimination nicht.
Klinische Anwendung
Durchführung
Nasensonde 4–6 L/min O₂ während Apnoephase nach RSI · Atemweg offen halten
Effekt
Apnoetoleranz von ~3–8 min auf >10 min verlängert · besonders wichtig bei adipösen Patienten (↓ FRC)
Die Lunge „saugt" sich bei offenem Atemweg selbst mit O₂ voll – weil O₂ schnell verschwindet, CO₂ aber nur langsam nachkommt. Apnoische Oxygenierung sichert die Sättigung, nicht die Ventilation.
1. Fick’sches Gesetz
Diffusionsstrom proportional zum Konzentrations- bzw. Partialdruckgefälle und wirkt diesem entgegengesetzt .
Je größer der Gradient, desto stärker der Stofffluss.
Die Formel lautet:
Diffusionsstrom = P × A × (Δc / d),
wobei P die Permeabilität, A die Fläche, Δc den Konzentrationsunterschied und d die Diffusionsstrecke beschreibt
Der Gasaustausch in den Alveolen folgt dem Fick’schen Gesetz:
O₂ diffundiert aus der alveolären Luft ins Kapillarblut,
CO₂ diffundiert in die entgegengesetzte Richtung .
Die treibende Kraft ist der jeweilige Partialdruckunterschied (ΔPO₂ ≈ 8 kPa; ΔPCO₂ ≈ 0,8 kPa) . Beeinträchtigt wird die Diffusion z.B. bei interstitiellen Lungenerkrankungen, da die Diffusionsstrecke zunimmt und die Diffusionskapazität sinkt .
Diffusionsstrom (Vgas): Menge an Gas, die pro Zeit diffundiert.
Partialdruckdifferenz (P): Antriebskraft der Diffusion; der Unterschied zwischen Alveolarluft und Kapillarblut.
Fläche (A):
Die Gesamtoberfläche der Alveolen, die für den Austausch zur Verfügung steht.
Diffusionsstrecke (d): Dicke der Blut-Luft-Schranke (Alveolarepithel, Interstitium, Kapillarendothel).
Diffusionskoeffizient (D): Gasabhängige Konstante (Löslichkeit/Molekulargewicht).
CO2 diffundiert etwa 20-25 Mal leichter als O2
Anamnestisch schwierige Intubation
Pathologien im Kopf-, Hals- oder Mediastinalbereich
Eingeschränkte Reklination des Kopfes (bspw. bei Morbus Bechterew)
Eingeschränkte Mundöffnung
Unzureichende Narkosetiefe oder fehlende Muskelrelaxierung
Abfolge der Narkoseeinleitung
Präoxygenierung
Narkoseeinleitung
Intravenöse Narkoseeinleitung
Typischerweise als sequenzielle Gabe eines Opioid-Analgetikums, gefolgt von einem Injektionsanästhetikum (bei einsetzender Opioid-Wirkung) und ggf. einem Muskelrelaxans (nach Erlöschen des Lidreflexes
Inhalative Narkoseeinleitung
Maskenbeatmung (Zwischenbeatmung)
Atemwegssicherung
Endotracheale Intubation
Anlage einer supraglottischen Atemwegshilfe
Narkoseführung
Narkoseausleitung
Extubation
Entfernung der supraglottischen Atemwegshilfe
Definition: Aufbau einer Sauerstoffreserve zur Erhöhung der Apnoetoleranz
Denitrogenisierung und Oxygenierung der funktionellen Residualkapazität (FRC)
(Unter Raumluftbedingungen enthält die FRC einen hohen Stickstoffanteil (ca. 78%), der potenziell ausgewaschen (denitrogenisiert) und durch Sauerstoff ersetzt (oxygeniert) werden kann. Auch aufgrund der geringen Steigerungsmöglichkeiten bei der Hämoglobinsättigung (i.d.R. bereits unter Raumluftbedingungen nahezu bei 100%) sowie beim physikalisch gelösten Sauerstoff (geringe Löslichkeit im Blut) hat dies den größten Effekt auf eine mögliche Erhöhung der Apnoetoleranz im Rahmen der Präoxygenierung.)
Vorteile
Kein Injektionsschmerz
Geringe Beeinträchtigung der Hämodynamik
Nachteile
Vermehrt exzitatorische Phänomene (Husten, Würgen, unwillkürliche Bewegungen bzw. Myoklonien)
Höheres Risiko für das Auftreten eines Laryngospasmus bei Kindern
Verminderte Sicherheit in der Einleitungsphase durch fehlenden Gefäßzugang
Erhöhtes Risiko für PONV (emetogen)
Triggersubstanzen für maligne Hyperthermie
Postoperatives Shivering
Bei Anwendung zur Narkoseeinleitung: Exzitationen
Bildung von CO durch Interaktion mit trockenem Atemkalk
Sevofluran ist das Inhalationsanästhetikum der Wahl für die inhalative Narkoseeinleitung! (uU auch Lachgas)
Maskenbeatmung
Verbesserte Jackson-Position („Schnüffelposition“) des Kopfes
Aufgrund der Gefahr einer gastralen Luftinsufflation sollte der Inspirationsdruck (p-insp) bei der Maskenbeatmung deutlich <20 mbar (im Idealfall ≤15 mbar) liegen!
Mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Maskenbeatmung:
Vertiefung der Narkose
Muskelrelaxierung
Esmarch-Handgriff
Offenhalten der oberen Atemwege (mit zB Guedel)
Definition: Klassifikation des Laryngoskopiebefundes
Je weniger laryngeale Strukturen in der Laryngoskopie zu sehen sind, desto eher ist mit einer schwierigen Intubation zu rechnen.
Grad
Laryngoskopiebefund
Glottis komplett bzw. größtenteils sichtbar
Nur posteriore Kommissur der Glottis bzw. nur Aryknorpel sichtbar
Nur Epiglottis sichtbar
IV
Keine laryngealen Strukturen sichtbar
Strukturierte Untersuchung der Atemwege
Intubation bei schwierigen Atemwegen
Vorgehen bei unerwartet schwierigem Atemweg
Methode
Sicher
Direkte bzw. indirekte Laryngoskopie
Korrekter Verlauf des Endotrachealtubus (Passage der Stimmbänder)
Kapnometrie bzw. Kapnografie
Nachweis von CO2 in der Ausatemluft über mehrere Minuten
Sonografie
Intratracheale Lage des Endotrachealtubus
Bronchoskopie
Radiologie
Typische Projektion des Endotrachealtubus auf die Trachea (Röntgen-Thorax-Untersuchung)
Unsicher
Inspektion
Sichtbare Thoraxexkursionen
Beschlagen der Innenwand des Endotrachealtubus
Auskultation
Nachweis eines Atemgeräusches
Pulsoxymetrie
Kein unmittelbarer Abfall der spO2
Typische Beispiele
Mögliche Folgekomplikationen
Schädigung anatomischer Strukturen
Direkte Verletzung bzw. Druckschädigung von
Augen, Lippen, Zähnen
Oberen bzw. unteren Atemwege
Blutung
Halsschmerzen, Heiserkeit
Schluckbeschwerden
Stimmlippengranulom (Intubationsgranulom)
Aryknorpelluxation
Tracheaperforation
Trachealstenose
Tracheomalazie
Fehllage des Endotrachealtubus
Primäre Fehllage oder sekundäre Tubusdislokation nach
Bronchial
Ösophageal
Hypoxie
Regurgitation von Mageninhalt
Aspirationspneumonie
Reflexsteigerung bei inadäquater Narkosetiefe
Atemwege
Laryngospasmus
Bronchospasmus
Obstruktion durch Beißen auf den Endotrachealtubus
Herz-Kreislauf-System
Herzrhythmusstörungen
Herz-Kreislauf-Stillstand, Reanimationspflichtigkeit
Fentanyl akkumuliert und hat Wirkdauer 30min, Remifentanil hat keine Akkumulation (Abbau durch unspezifische Esterasen) und Wikdauer von 5min
Fentanyl
Sufentanil
Alfentanil
Morphin
Piritramid
(erwarteter) schwerer Atemweg
Anamnese: Frühere schwierige Intubation (wichtigster Prädiktor!), Schnarchen, Schlafapnoe, Voroperationen/Bestrahlung am Hals, Kopf, Bekannte Erkrankungen: Akromegalie, rheumatoide Arthritis (HWS-Instabilität), Angina Ludovici, Tumoren
Klinische Tests am Patienten:
Mallampati-Klassifikation (Mundöffnung + Zungengrund) Beurteilung im Sitzen, Mund maximal geöffnet, Zunge herausgestreckt, kein Phonieren
Thyromentaler Abstand (Patil-Test) Abstand Kinnspitze → Schildknorpel bei rekliniertem Kopf:
6,5 cm → unauffällig
<6 cm → schwieriger Atemweg
Sternomentaler Abstand Abstand Kinnspitze → Sternum bei max. Reklination:
<12,5 cm → schwieriger Atemweg
Mundöffnung
<3 cm (2 Querfinger) → Intubation erschwert oder unmöglich
Halsumfang
40 cm → Risikofaktor, besonders bei Adipositas
HWS-Beweglichkeit
Eingeschränkte Reklination → erschwerter Blick auf Larynx (RA, Morbus Bechterew, Vorbestrahlung)
Upper Lip Bite Test Patient beißt mit Unterkieferzähnen auf Oberlippe
LEMON-Schema (praktische Merkhilfe)
Buchstabe
Kriterium
L
Look externally – Bart, Adipositas, Mikrognathie, Makroglossie
E
Evaluate 3-3-2 – Mundöffnung ≥3 Finger, Hyoid-Kinn ≥3 Finger, Hyoid-Thyroid ≥2 Finger
M
Mallampati ≥ III
O
Obstruction – Epiglottitis, Tumor, Fremdkörper
N
Neck mobility – eingeschränkte Reklination
BURP-Manöver (bei schwieriger Intubation)
Handgriff zur Verbesserung der Intubationsbedingungen durch Verschiebung des Kehlkopfes von außen. Während der direkten Laryngoskopie drückt eine helfende Person dazu den Schildknorpel des Larynx nach dorsal, kranial und rechts (Backward upward rightward Pressure (BURP)). Die Stimmbandebene wird so in das Sichtfeld des Intubierenden verschoben.
OELM-Manöver (bei schwieriger Intubation)
Handgriff zur Verbesserung der Intubationsbedingungen durch Verschiebung des Kehlkopfes von außen. Beim OELM-Manöver ("optimal external laryngeal manipulation") bringt die Intubierende Person den Kehlkopf von außen in eine optimierte Position, um die Stimmbandebene in das Sichtfeld zu bringen. Anders als beim BURP-Manöver ist die Richtung der Verschiebung nicht vorgegeben.
Mögliche klinische Zeichen einer inadäquaten Narkosetiefe
Zustand
Klinische Zeichen
Narkose zu flach
Sympathikusaktivierung (vegetative Stressreaktion) - PRST-Score (P = blood pressure, R = heart rate, S = sweating, T = tears)
Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz
Vermehrtes Schwitzen
Tränenfluss, Mydriasis
Reflexsteigerung
Erhöhter Muskeltonus, ungerichtete Abwehrbewegungen
Husten, Würgen, „Pressen“ gegen das Beatmungsgerät
Narkose zu tief
Sympathikushemmung (vegetative Dämpfung)
Abfall von Blutdruck und Herzfrequenz
Miosis (Übergang in Mydriasis möglich)
Adäquate Narkose?
Optionale Zusatzmaßnahme zur objektivieren Bestimmung der intraoperativen
Sedierung bzw. Hypnose
EEG-basiertes Monitoring
z.B. Bispektralindex™
Messwert zur Überwachung der Narkosetiefe. Das über Stirnelektroden abgeleitete EEG wird dabei in eine dimensionslose Zahl zwischen 0 (isoelektrisches EEG) und 100 (vollständig wach) umgewandelt. Der zugrundeliegende Algorithmus ist bis heute nicht veröffentlicht. Werte zwischen 40 und 60 gelten als Hinweis auf eine adäquate Narkosetiefe.
Mögliche Indikationen:
Eingriffe in TIVA (weil anders als bei Narkosegas keine MAC und damit keine Rückschlüsse auf Wirkstoffkonzentration im Körper) oder mit tiefem hypothermen Kreislaufstillstand
Vorliegen von Risikofaktoren für das Auftreten von Awareness
Suffiziente Spontanatmung
Vorhandene Schutzreflexe
Ausschluss einer neuromuskulären Restblockade (TOF-Ratio >0,9)
Stabile Kreislaufverhältnisse
Ausreichende Wachheit
Weitgehend normale Körperkerntemperatur
Algorhitmus Extubation
Bailey-Manöver
Ersetzen des Endotrachealtubus durch eine Larynxmaske
Individuelle Indikationsstellung
Kontraindikationen: Schwieriger Atemweg und erhöhtes Aspirationsrisiko
Adäquate Narkosetiefe zur Durchführung zwingend erforderlich
Vorbereitung analog zur Extubation beim wachen Patienten
Einlage einer Larynxmaske bei liegendem Endotrachealtubus
Entblocken und Entfernen des Endotrachealtubus
Ventilation über Larynxmaske bis zum Erreichen einer suffizienten Spontanatmung
Entfernen der Larynxmaske bei suffizienter Spontanatmung oder bei ausreichender Wachheit
Schwieriger Atemweg (erwartet oder unerwartet)
Hohes Aspirationsrisiko
Vorerkrankungsprofil, bspw.
Adipositas
OSAS
COPD
Morbus Parkinson
Postoperative Atemwegsbeeinträchtigung
Veränderte Atemwegsanatomie (bspw. nach Unterkieferresektion)
Blutung, Hämatom oder Ödem (bspw. nach Neck dissection)
Eingeschränkte Reklination (bspw. nach HWS-Spondylodese)
Eingeschränkter Atemwegszugang (bspw. nach Anlage eines Halofixateurs oder mandibulärer Verdrahtung)
Prophylaktische Glucocorticoidgabe erwägen
Bedingungen optimieren
Evaluation des supraglottischen Bereichs vor der Extubation (Detektion von Atemwegsödemen)
Nebenatmungsversuch (Cuff Leak Test) erwägen
Ziel: Klinische Beurteilung einer schwellungsbedingten Atemwegsverlegung (bspw. durch Larynxödem)
Voraussetzung: Spontanatmung vorhanden
Qualitativer Nebenatmungsversuch
Durchführung: Entblocken des Cuffs und Verschluss des Endotrachealtubus mit dem Daumen
Beurteilung: Hörbares Entweichen von Ausatemluft = positives Extubationskriterium
Tubuswechselkatheter (Airway Exchange Catheter) erwägen
Indikation für RSI (rapid sequence induction)
Absolute Indikationen für „klassische“ RSI
Nicht-nüchterne Patienten
Ileus, akutes Abdomen oder gastrointestinale Blutungen
Polytrauma
Platzbauch
Stenose im oberen GI-Trakt
Schwangere ab der 20. SSW
Relative Indikationen für RSI: Individuelles Abwägen bzw. modifizierte RSI
Intraabdomineller Druck↑ (bspw. bei Adipositas, Aszites, Frühschwangerschaft)
Verzögerte Magenentleerung
Gastroösophageale Refluxkrankheit
Hiatushernie
Z.n. Magen-Operationen
Schluckstörungen
Anatomische Veränderungen im Pharynx
Notfalloperationen mit unklarer oder nicht eingehaltener Flüssigkeits- (2 h) oder Nahrungskarenz (6 h)
RSI: Medikamentöse Prophylaxe bei hohem Aspirationsrisiko
Unmittelbar vor der Intubation: Antazida, bspw. Natriumcitrat p.o.
Längerfristig: Protonenpumpeninhibitoren oder H2-Rezeptor-Antagonisten
Resorptionsatelektasen
Normal enthält die Atemluft 78% Stickstoff. Stickstoff wird nicht aus den Alveolen resorbiert – er wirkt als permanenter "Füllstoff" und hält die Alveolen offen, auch wenn sie gerade wenig belüftet werden.
Bei FiO₂ 1,0 gibt es keinen Stickstoff mehr. O₂ wird vollständig ins Blut resorbiert → die Alveole kollabiert → Atelektase.
Das passiert besonders schnell in schlecht belüfteten Arealen (z.B. basal beim liegenden Patienten). Schon nach wenigen Minuten können sich unter 100% O₂ relevante Atelektasen bilden.
Oxidativer Stress / Sauerstofftoxizität
O₂ in hoher Konzentration erzeugt reaktive Sauerstoffspezies (ROS) – freie Radikale, die Zellmembranen, DNA und Proteine schädigen.
Das betrifft besonders:
Lungenepithel → Pneumozyten werden direkt geschädigt → Entzündung → ARDS-ähnliches Bild bei Langzeitexposition
Flimmerhärchen der Atemwege → Mukoziliäre Clearance verschlechtert sich
ZNS (bei Hyperoxie unter Überdruck, z.B. Tauchen) → Krampfanfälle
Ab wann? Bei FiO₂ >0,6 über mehr als 24–48 Stunden steigt das Toxizitätsrisiko relevant an. Kurzfristig (Einleitung, Apnoephasen) ist 100% O₂ unbedenklich.
Hyperoxie und Vasokonstriktion
Zu viel O₂ im Blut (paO₂ >> 100 mmHg) führt paradoxerweise zu:
Koronarer Vasokonstriktion → reduzierter Koronardurchfluss → relevant bei KHK
Zerebraler Vasokonstriktion → reduzierter zerebraler Blutfluss → relevant nach Schlaganfall oder SHT
Erhöhter Nachlast → systemische Vasokonstriktion → Herzinsuffizienz wird belastet
Ablauf RSI
Präoxygenierung 3–5 min mit FiO₂ 1,0 (Denitrogenisierung)
(Apnoische Oxygenierung starten (Nasensonde 4–6 L/min O₂))
Hypnotikum + Succinylcholin schnell hintereinander i.v. – kein Opioid vorab (verkürzt Einleitungszeit, vermeidet Reflexdämpfung -> Ansicht ist umstritten —> manchmal auch Analgetikum empfohlen)
Propofol 1,5–2 mg/kg
Succinylcholin 1,5 mg/kg (Wirkungseintritt ~60 s) -> nur bei klassischer RSI, wenn keine KI
Keine Maskenbeatmung nach Bewusstseinsverlust
(Krikoiddruck (Sellick-Manöver) – umstritten, kann Sicht verschlechtern, in vielen Zentren verlassen)
Sofortige Intubation nach Faszikulationen/Relaxation
Cuff-Blockung vor erster Beatmung
Lagekontrolle: Kapnographie, Auskultation
RSI insbesondere riskant für kardiopulmonale Pat.
Thema Analgesie bei RSI:
Vorteil: Hohe therapeutische Breite, kombinierte Sedierung und Analgesie
Nachteil: Emesis als Nebenwirkung, Kreislauf- und Atemdepression, Thoraxrigidität insb. bei Bolusgabe
Modifizierte RSI
Unterschied zur klassischen RSI: kontrollierte Maskenbeatmung erlaubt, höherdosiertes nicht-depolarisierendes Relaxans statt Succinylcholin
Ablauf modifizierte RSI
Präoxygenierung 3–5 min mit FiO₂ 1,0
(Apnoische Oxygenierung (Nasensonde 4–6 L/min O₂))
Opioid vorab möglich (z.B. Fentanyl 1–2 µg/kg) – dämpft Intubationsreiz
Hypnotikum i.v.
Rocuronium 1,2 mg/kg (doppelte Intubationsdosis → Wirkungseintritt ~60 s, vergleichbar mit Succinylcholin)
Vorsichtige Maskenbeatmung erlaubt mit niedrigem Druck (<12 cmH₂O) um Apnoetoleranz zu verlängern
Intubation nach vollständiger Relaxation
Cuff-Blockung, Kapnographie, Auskultation
Unter Umständen Modifikation durch Ketamin (Schnelle Wirkung, dissoziative Anästhesie, keine hämodynamische Depression)
Ketamin
Kombinierte Analgesie und Hypnose, häufig präklinisch angewandt
Vorteil: Kreislaufstabilisierung, keine Atemdepression
Nachteil: Erhöhter myokardialer O2-Verbrauch, Hypersalivation, psychotrope Nebenwirkungen
Nur in Kombinationstherapie, am ehesten mit Midazolam
Wirkstoffe
Ketamin (Racemat)
Esketamin
Hypnotika (kurz)
Propofol: Häufig Standard
Vorteil: Nebenwirkungsarm, angenehmes Einschlafen
Nachteil: Kreislaufdepression
Etomidat: Alternative zu Propofol, insb. bei bestehender Kreislaufkompromittierung
Vorteil: Kaum Kreislaufdepression
Nachteil: Muskelzuckungen, Nebennierenrindensuppression
Midazolam: Häufig unterstützend und zur Langzeitsedierung angewandt, auch alleine einsetzbar
Vorteil: Hohe therapeutische Breite, antagonisierbar (Flumazenil), nebenwirkungsarm
Nachteil: Schwächere Hypnose, hohe Dosis erforderlich
Barbiturate (insb. Thiopental)
Vorteil: Senkung des intrakraniellen Drucks, schneller Wirkungseintritt (20 s), stark anfallssuppressiv, tiefe Hypnose
Nachteil: Kreislaufdepression, kontraindiziert bei Leberinsuffizienz und akuter hepatischer Porphyrie; Extravasate verursachen Nekrosen (sicherer Zugang erforderlich)
Muskelrelaxanz (kurz)
Depolarisierend: Succinylcholin
Vorteil: Schnelle Anschlagszeit (30–60 s), kurze Wirkdauer
Nachteil: Multiple Nebenwirkungen und Kontraindikationen
Muskelfaszikulationen/Krämpfe mit Muskelschäden und Schmerzen
Maligne Hyperthermie als mögliche Komplikation
Hyperkaliämie
Wichtige Kontraindikationen: Immobilisierung >48 h, Lähmungen, Muskelerkrankungen, Hyperkaliämie
Nicht-depolarisierend: Rocuronium
Kann aufgrund des schnellen Wirkeintritts als Alternative zu Succinylcholin eingesetzt werden
Vorteil: Keine initialen Faszikulationen, keine Gefahr der malignen Hyperthermie
Nachteil: Längere Anschlagszeit als Succinylcholin, längere Wirkungsdauer
Aufhebung der Wirkung durch Sugammadex möglich
Maligne Hyperthermie
hereditäre Myopathie mit gestörter Calciumhomöostase der Skelettmuskulatur, die eig subklinisch abläuft, aber getriggert werden kann (durch bestimmte Substanzen, da diese eine erhöhte Calciumkonzentration bedingen können)
Verabreichung Triggersubstanz
Intrazelluläre Calciumzunahme → Erhöhte Kontraktilität der Skelettmuskulatur
Kontraktionen → Stark gesteigerter Stoffwechsel mit O2-Verbrauch↑ → Zunahme von Lactat durch anaerobe Glykolyse, gesteigerte CO2- und Wärmeproduktion
Azidose und Calciumakkumulation → Entkopplung der oxidativen Phosphorylierung → Zusammenbruch der Energieversorgung der Zelle → Zelluntergang (bis hin zur Rhabdomyolyse)
Zelluntergang → Hyperkaliämie, Anstieg von CK und Myoglobin
Funktionelle Veränderung von Ca2+-Kanälen im sarkoplasmatischen Retikulum (Dihydropyridin- und Ryanodinrezeptoren)
Meist autosomal-dominant vererbte Mutation des Ryanodinrezeptors
Eindeutige Triggersubstanzen
Volatile Anästhetika
Desfluran, Sevofluran, Isofluran
Frühzeichen:
bei maschineller Beatmung Anstieg des etCO2, Tachykardie, Muskelrigidität, Masseterspamus (Trismus)
Spätzeichen:
Temperaturanstieg, Rhabdomyolyse, HRST, paO2 sinkt
Therapie
Triggersubstanz beenden
Vermehrte Beatmung (Erhöhung AF, FiO2 auf 1,0)
Dantrolengabe (Verhindert Ca2+-Freisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum der quergestreiften Muskulatur (Calciumfreisetzungs-Inhibitor))
Hyperkaliämie ausgleichen: forcierte Diurese oder Glukose-Insulin-Gabe
Akutes Nierenversagen: Forcierte Diurese, Volumentherapie
HRST: Amiodaron
Notfallmanagement Hyperkaliämie
Plasmakonzentrate
Ersatz von Plasma (im Rahmen von Massivtransfusionen), Ersatz von Gerinnungsfaktoren
Komplexe Koagulopathien
Lebensbedrohliche Massivblutung
Zu erwartende lebensbedrohliche Blutung bei schwerer Koagulopathie und bevorstehendem Eingriff
Disseminierte intravasale Gerinnung
Mangel der Gerinnungsfaktoren V, XI
Plasmapherese (Austauschtransfusion, dient der Entfernung von pathogenen Blutbestandteilen. Dafür wird dem Patienten Blut entnommen, das extrakorporal in Plasma und Restblut aufgetrennt wird. Das Restblut wird dem Patienten dann wieder zugeführt und das Plasma durch Plasmakonzentrate oder Albuminlösungen ersetzt), z.B. bei
Intoxikationen
Thrombotisch-thrombozytopenischer Purpura
Thyreotoxischer Krise
Beachte
Zum Aufrechterhalten der Wirkung sind wegen der kurzen Halbwertszeit von Gerinnungsfaktoren erneute Transfusionen in kurzen Intervallen (4–12 Stunden) notwendig
Ohne parallele ursächliche Behandlung (bspw. Stillen der Blutungsquelle) ist keine erfolgreiche Kompensation der Gerinnungsfaktoren durch Transfusion möglich
Plasma-Kompatibilität
AB0-Kompatibilität: Muss unbedingt beachtet werden
Rhesus-Kompatibilität: Muss nach aktuellen Leitlinien nicht berücksichtigt werden
„Universalspender“: Blutgruppe AB
„Universalempfänger“: Blutgruppe 0
Thrombozytenkonzentrate
Prophylaxe und Therapie thrombozytär bedingter Blutungen
Präoperativ, vor invasiven diagnostischen Eingriffen oder bei massivem Blutverlust → Orientierender Zielwert: Thrombozyten 50.000/μL
Bei vitaler Bedrohung oder Operation mit sehr hohem Blutungsrisiko sollte ein Zielwert von >100.000/µL angestrebt werden
Manifeste thrombozytär bedingte Blutungen (abhängig von Genese und Bedrohlichkeit der Blutung)
Prophylaktisch bei Thrombozytenzahl <5.000–10.000/µL bzw. bei akuten Blutungszeichen
AB0 “sollte” beachtet werden
Faktorenkonzentrate
können zur gezielten Substitution von Gerinnungsfaktoren genutzt werden. Sie sind Blutprodukte.
Zusammensetzung
Vitamin-K-abhängige Gerinnungsfaktoren
Faktor II (Prothrombin)
Faktor VII (Prokonvertin)
Faktor X (Stuart-Prower-Faktor)
Faktor IX (antihämophiler Faktor B)
Protein C, Protein S
Heparin, Albumin, Antithrombin
Indikation: Vitamin-K-assoziierte Koagulopathie (z.B. bei Notoperationen unter Cumarintherapie oder bei schwerer Leberfunktionsstörung)
Bei einer Dosierung von 1 IE PPSB/kgKG sind folgende Änderungen zu erwarten: Anstieg der Faktor-VII- und -IX-Aktivität um 0,5–1%, Anstieg der Faktor-II- und -X-Aktivität um 1–2%, Anstieg des Quick-Wertes um ca. 1%!
Fast alle PPSB-Präparate enthalten Heparin! Bei bekannter HIT II muss ein heparinfreies PPSB-Präparat (bspw. Cofact®) eingesetzt werden!
Antithrombin
Antithrombin III hemmt v.a. Thrombin (IIa) und Faktor Xa, was durch Heparin um den Faktor 1.000 verstärkt werden kann. Außerdem fördert Antithrombin III die Aktivität von Plasmin durch Stimulation des Gewebeplasminogenaktivators (t-PA), sodass vermehrt Fibrinolyse betrieben wird.
Bei hereditärem AT-III-Mangel zur Optimierung der Thromboseprophylaxe mit Heparin, ggf. bei DIC
Effekt: Wirkungswiederherstellung von Heparinen
In der Leber gebildeter Inhibitor der Blutgerinnung → Hemmung von Thrombin, Xa, IXa, XIa, XIIa
Transfusion
TASH Score: Vorhersage der Wahrscheinlichkeit für eine erforderliche Massivtransfusion bei traumatologischen Notfällen
Berechnung: Während der Erstversorgung im Schockraum durch Beurteilung von
Labor- bzw. Vitalparametern
Klinischem Untersuchungsbefund
Transfusionsreaktion (spezielle):
Transfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz (TRALI)
Auftreten
Während oder bis zu 6 h nach Transfusion
Gehäuft bei Fresh Frozen Plasma (FFP) oder Thrombozytenkonzentraten
Ursache: Antikörper gegen Granulozyten des Empfängers → Aktivierung von Leukozyten → Mikrozirkulationsstörung der Lunge → Lungenödem
Baro- und Pressorezeptorenreflex
Pressorezeptorenreflex = inhibitorischer Reflex
Pressorezeptoren generieren Aktionspotenziale mit einer bestimmten Grundfrequenz
Diese wirkt aktivierend auf den Parasympathikus und hemmend auf den Sympathikus → Normal "niedriges" Blutdruckniveau wird gehalten
Volumenrezeptoren
Ablauf der Regulation: Läuft über zwei Reflexe ab: Vorhof-Dehnungsreflex und Gauer-Henry-Reflex
Vorhof-Dehnungsreflex: Passt den Blutdruck bei erhöhter bzw. erniedrigter Vorhofdehnung über eine Modulation des vegetativen Nervensystems und ANP-Ausschüttung an
Blutvolumen erhöht (Vorhof wird gedehnt)
Vermehrte Ausschüttung von ANP → NaCl und Wasserausscheidung in der Niere↑
Parasympathikotonus↑ und Sympathikotonus↓
Blutvolumen reduziert (Vorhof wird weniger gedehnt)
Ausschüttung von ANP aus den Kardiomyozyten sinkt → NaCl und Wasserausscheidung in der Niere↓
Parasympathikotonus↓ und Sympathikotonus↑
Gauer-Henry-Reflex (= Diuresereflex): Passt die ADH-Ausschüttung im Hypothalamus an den Blutdruck an
Blutdruckerhöhung: Vorhofdehnungsrezeptoren (Typ B) hemmen über vagale Afferenzen die ADH-Ausschüttung im Hypothalamus → Wasserausscheidung in der Niere↑
Blutdruckabfall → ADH-Ausschüttung↑ → Wasserausscheidung in der Niere↓
Sympathomimetika
Isoprenalin besitzt eine größere Selektivität für β-Rezeptoren, was zur ungehinderten β2-Wirkung und einem sinkenden peripheren Widerstand führt. Dies triggert eine Reflextachykardie, was u.a. durch die Wirkung von Isoprenalin an β1-Rezeptoren unterstützt wird.
Herz
β1
Herzfrequenz↑ (positiv chronotrop)
Kontraktilität↑ (positiv inotrop)
Erregungsleitung↑ (positiv dromotrop)
Erschlaffungsgeschwindigkeit↑ (positiv lusitrop)
Allgemeine Erregbarkeit↑ (positiv bathmotrop)
Blutgefäße
α1
Vasokonstriktion: Insb. Kontraktion renaler und dermaler Gefäße
β2
Vasodilatation
Glatte Bronchialmuskulatur
Relaxation (Bronchodilatation)
Magen-Darm-Trakt
Sphinkterkontraktion
α2
Sekretion↓
Peristaltik↓
Leber
Glykogenolyse↑, Gluconeogenese↑
Niere
Reninfreisetzung↑
Harnblase
Detrusorerschlaffung
Uterus
Kontraktion
Wehenhemmung
Skelettmuskulatur
Glykogenolyse↑
Fettgewebe
β3 (braunes Fettgewebe)
Lipolyse↑
Lokalanästhetika
Je höher die Lipophilie eines Lokalanästhetikums, desto höher ist seine Potenz!
Im Gewebe: Vorliegen der Lokalanästhetika: Protonierte Form überwiegt geringfügig: Alle gebräuchlichen Lokalanästhetika besitzen einen pKS-Wert, der höher ist als der physiologische pH-Wert. Daher überwiegt im Gewebe immer die protonierte Form. Je weiter der pKS-Wert vom pH-Wert entfernt ist, desto größer wird der Anteil der protonierten Form. Bei einem pH-Wert weit unterhalb des pKS-Wertes, bspw. im entzündeten Gewebe, liegen die Lokalanästhetika praktisch nur in der nicht-membrangängigen protonierten Form vor und können nicht an den intrazellulären Wirkort gelangen.
Je näher der pKS-Wert eines Lokalanästhetikums am pH-Wert liegt, desto schneller sind (aufgrund des hohen Anteils der nicht-protonierten Form) Membranpassage und Wirkeintritt!
Die Passage der Zellmembran erfolgt nur in nicht-protonierter Form, die Blockade am intrazellulären Anteil des Natriumkanals nur in protonierter Form!
Serotonerges Syndrom
DD zur malignen Hyperthermie
Beim serotonergen Syndrom handelt es sich um eine serotonerge Überstimulation, die durch die Einnahme serotonerg wirksamer Substanzen, i.d.R. Antidepressiva, hervorgerufen werden kann.
Auslöser und deren Mechanismen
Antidepressiva: SSRI, SSNRI, Trizyklika
Weitere Auslöser
Drogen: Kokain, Ecstasy/MDMA
Husten- und Erkältungsmedikamente: Dextromethorphan, Chlorphenamin
Opioide: Fentanyl, Methadon, Pethidin, Tramadol, Tapentadol
Weitere MAO-Inhibitoren
Zentrale serotonerge Überaktivität → Überstimulation zentraler und peripherer Serotoninrezeptoren (insb. 5-HT1- und 5-HT2-Rezeptoren )
Überstimulation zentraler Serotoninrezeptoren → Steigerung der Wahrnehmung, Anstieg der Körpertemperatur
Überstimulation peripherer Serotoninrezeptoren → Steigerung der gastrointestinalen Motilität und Sekretion, Steigerung der Thrombozytenaggregation, Störung der Orthostase
Symptomtrias des serotonergen Syndroms: Psychopathologische Auffälligkeiten, neuromuskuläre Hyperaktivität und autonome Instabilität!
BGA Interpretation Flussdiagramm
Lokalanästhesie Unterteilung
Leitungsanästhesie
Unterscheidung zentral (rückenmarksnah) oder peripher (periphere Nerven)
single shot Technik oder Katheterinfusion
Prinzip: Periphere Nervenblockade durch Diffusion des Lokalanästhetikums aus dem venösen Gefäßsystem ins Gewebe (Blutleere und Blutsperre erforderlich)
Relativ einfache und zuverlässige bzw. sichere Technik
Schneller Wirkungseintritt (typischerweise innerhalb von 10 min)
Kurze Wirkdauer, rasches Abklingen der Wirkung nach Öffnen der Manschette
Schmerzen am Oberarm durch Blutsperremanschette möglich
Typische Indikation: Kurze Eingriffe (max. 1 h) an der Hand oder am Unterarm
Anatomie Spinal- / Epiduralanästhesie
Haut und subkutanes Fettgewebe
Lig. supraspinale
Lig. interspinale
Lig. flavum
Peri- bzw. Epiduralraum → Periduralanästhesie
Dura mater
Genau genommen handelt es sich um das innere Blatt (Stratum meningeale) der Dura mater spinalis. Das äußere Blatt (Stratum periostale) liegt dem Lig. flavum von innen an.
Arachnoidea mater (fest mit Dura mater verwachsen, deswegen gibt es keinen Suduralraum)
Subarachnoidalraum → Spinalanästhesie
Punktionshöhen zentrale Leitungsanästhesie
Spinalanästhesie: Ausschließlich lumbal (bei Erwachsenen nicht höher als L3/4 )
Periduralanästhesie: Thorakal oder lumbal (abhängig von der gewünschten Ausbreitung )
Kaudalanästhesie: Sakral (Hiatus sacralis)
Wirkung: Segmentale Blockade von Sensibilität, Motorik und autonomem Nervensystem (Ausprägung verfahrens- und dosierungsabhängig)
Testung der Ausbreitungshöhe mittels Spitz-Stumpf-Diskrimination oder Kalt-Warm-Diskrimination
Typische Landmarken zur Dermatomzuordnung: Mamillen (Th5), Bauchnabel (Th10), Leistenband (L1)
Spinalanästhesie
intrathekale Gabe (also spinaler subarachnoidalraum) von Lokalanästhetikum
hemmt Motorik, Sensorik, Sympathikus
Durchführung: typicherweise L4/5
Ausbreitung abhängig von Dosierung
Vorteil: Zuverlässige Unterdrückung von Sensibilität und Motorik, schnell, einfach
Nachteil: starke Vasodilatation wegen Sympathikolyse, meist nur SINGLE-SHOT deswegen keine postoperative Analgesie
Indikation: Hüft- bzw. Kniegelenkersatz, Arthroskopien im Bereich der unteren Extremität, Transurethrale Eingriffe an Prostata oder Blase, Offene Herniotomie oder Appendektomie, Elektive Sectio caesarea
Tipp für Laborwerte: z.B. Single Shot Spinalanästhesie 50er Regel:
Thrombos > 50.000/µL (Periduralanästhesie > 80.000/µL)
Quick > 50%
aPTT < 50s
Unilaterale Spinalanästhesie
Einseitige Anästhesieausbreitung durch
Verwendung eines hyperbaren Lokalanästhetikums in niedriger Dosierung und
Punktion in Seitenlagerung (auf die zu betäubende Seite) und
Ausrichtung der Öffnung der Spinalkanüle nach bodenwärts und
Beibehaltung der Lagerung für ca. 20 min nach der Injektion
Ziel: Vermeidung einer unnötigen Betäubung der Gegenseite, besser für Hämodynamik, schnellere “Erholung”
Nachteil: auf betroffener Seite zu liegen wird teilweise schlecht toleriert
Sattelblock
Prinzip: Isolierte Blockade der sakralen Segmente durch
Beibehaltung einer sitzenden Position (nach Möglichkeit mit angezogenen Beinen) für ca. 10 min nach der Injektion
Ziel: Erzeugung einer Reithosenanästhesie bei erhaltener Motorik der Beine
Verschiedene Fasertypen bei Lokalanästhesie
differentielle Blockade – vollständige Reihenfolge
Je dünner und unmyelinisierter die Faser, desto empfindlicher gegenüber Lokalanästhetika. Die Blockade folgt dabei einer festen Reihenfolge:
Vegetativ → Sensibel → Motorisch
Fasertyp
Funktion
Dicke
Myelinisiert
LA-Empfindlichkeit
Reihenfolge
B-Fasern
Vegetativ (Vasomotorik, Viszeromotorik)
sehr dünn
schwach
sehr hoch
1.
C-Fasern
Schmerz, Temperatur
nein
2.
Aδ-Fasern
Schmerz, Temperatur, Berührung
dünn
wenig
hoch
3.
Aβ-Fasern
Berührung, Druck, Propriozeption
ja
4.
Aα-Fasern
Motorik, Tiefensensibilität
dick
stark
niedrig
5.
Prinzip: Zentrale Nervenblockade durch Injektion des Lokalanästhetikums in den lumbalen oder thorakalen Periduralraum
SingleShot und Katheter möglich —> sehr gut auch für post-OP
Differenzierungblock (gute Schmerzhemmung bei erhaltener Motorik)
Indikation: perioperative Analgesie, Geburt
Vergleich: Epidural vs. Spinal
Epiduralanästhesie
Zielraum
Intrathekaler Raum (Liquor)
Epiduralraum (außerhalb Dura)
Nadel
Spinal-Nadel (Sprotte/Quincke, 25–27G)
Tuohy-Nadel (16–18G, stumpf, gebogen)
LA-Menge
Klein (1,5–4 ml)
Groß (10–20 ml)
Wirkungseintritt
Schnell (2–5 min)
Langsam (15–30 min)
Steuerbarkeit
Schlecht (Einmalgabe)
Gut (Katheter → Nachdosierung)
Dauer
Begrenzt (LA-abhängig)
Unbegrenzt (Katheter)
Blutdruckabfall
Schnell, oft ausgeprägt
Langsamer, besser steuerbar
Postpunktioneller KS
Möglich (Dura punktiert)
Nicht (Dura intakt)
Typische Indikation
Kurze OP, Urologie, Orthopädie
Geburtshilfe, lange OP, Schmerztherapie
Spinal = einmalig, schnell, sicher, aber unsteuerbar. Epidural = steuerbar, reversibel, dauerhaft – aber langsam und technisch anspruchsvoller.
Spinalanästhesie – Technik
Lagerung
Sitzend (Katzenbuckel) oder Seitenlage – Ziel: maximale Flexion der LWS um Dornfortsätze zu spreizen und Zugang zum Spinalkanal zu öffnen.
Zugang
L3/4 oder L4/5 (unterhalb Conus medullaris, der bei Erwachsenen bei L1/2 endet → keine Rückenmarksverletzung möglich).
—> Orientierung: Verbindungslinie beider Beckenkämme (Tuffier-Linie) = L4 bzw. L3/4.
Schichten die die Nadel durchläuft
Haut / Subkutis
Lig. supraspinale (zwischen Dornfortsatzspitzen)
Lig. interspinale (zwischen Dornfortsätzen)
Lig. flavum – deutlich erhöhter Widerstand, dann Widerstandsverlust
Dura mater – Perforation mit typischem „Knacken", Mandrin heraus → Liquor fließt frei
Injektion des LA in den Liquor (Subarachnoidalraum)
Nadel – Sprotte (atraumatisch)
Bleistiftspitze → schiebt Durafasern auseinander statt zu schneiden → weniger postpunktioneller KS → Standard
Nadel – Quincke (traumatisch)
Schneidende Spitze → höheres Risiko postpunktioneller KS → heute nur noch Notfall oder Lumbalpunktion
Ausbreitung steuern
Hyperbares LA (mit Glukose versetzt, schwerer als Liquor) → sinkt in der Lagerung nach unten → Sattelblock: Patient sitzt → LA bleibt sakral.
Isobares LA → verteilt sich gleichmäßig unabhängig von Lagerung.
Merksatz Liquorfluss
Liquor fließt frei = Nadel liegt richtig. Kein Liquor = Nadel nicht intrathekral → zurückziehen, nicht blind injizieren.
Epiduralanästhesie – Technik
Identisch zur Spinalanästhesie – Sitzend oder Seitenlage mit maximaler LWS-Flexion.
Das Schlüsselprinzip – Widerstandsverlustmethode (Loss of Resistance, LOR)
Wie es funktioniert
Tuohy-Nadel mit aufgesetzter Spritze (luftgefüllt oder NaCl). Beim Vorschieben durch Lig. flavum: Widerstand beim Injizieren spürbar – Kolben lässt sich nicht drücken. Sobald die Nadel den Epiduralraum erreicht: Widerstand verschwindet plötzlich → Kolben gibt nach → Epiduralraum erreicht.
Schichten
Lig. flavum – zähester Widerstand, Kolben lässt sich nicht drücken
Epiduralraum – Widerstandsverlust, Kolben gibt plötzlich nach → Stop!
Katheter 3–5 cm vorführen, Nadel zurückziehen, Katheter fixieren
Luft oder NaCl in der Spritze?
Luft
Klares Signal bei LOR · Risiko: Luftembolie, ungleichmäßige LA-Verteilung, neurologische KO bei großen Mengen
Sicherer · kein Embolierisiko · LOR etwas unschärfer · heute bevorzugt
Testdosis
3–5 ml LA mit Adrenalinzusatz (1:200.000) über den Katheter. Wenn intravasale Lage: Herzfrequenzanstieg >20/min innerhalb 60 s (Adrenalineffekt). Wenn intrathekale Lage: sofortige dichte Spinalanästhesie. → Katheter neu legen.
Merksatz LOR
Widerstand = noch im Band. Kein Widerstand = Epiduralraum. Die Tuohy-Nadel nie weiter vorschieben nach LOR – die Dura liegt nur Millimeter dahinter.
Labor bei Prämed
nicht standardmäßig, sondern nur bei auffälliger Anamnese, herzchirurgischen Eingriffen, vorherige Antikoagulation mit Vitamin K Antagonisten oder auffälliger Untersuchung
Bestimmung von Gerinnungsparametern wie Thrombozyten, aPTT, Quick/INR können Blutungssneigung nicht sicher ausschließen - häufige Erkrnakungen wie Thrombozytenfunktionstörung oder Von-Willebrand-Faktor Störungen sind damit nicht ausgeschlossen
Komplikationen & Notfallsituationen bei Spinalanästhesie / Epiduralanästhesie
Komplikation
Maßnahme
Sympathikolyse → Vasodilatation
Volumen, Vasopressor (Ephedrin, Noradrenalin)
Liquorverlust durch Duraperforation
Horizontal lagern, Koffein, Blood Patch
Totale Spinalanästhesie
Epiduraldosis versehentlich intrathekral → hohe Blockade bis C-Fasern der Atemmuskulatur
Sofort intubieren, Vasopressoren, Intensivstation
Intravasale Injektion
Katheter in Epiduralvene → LA ins Blut → Krampf, Herzrhythmusstörung
Sofort stoppen · Intralipid 20% bei Kardiotoxizität
Epidurales Hämatom
Verletzung Epiduralvene, bes. unter Antikoagulation
Notfall-MRT, neurochirurgische Dekompression <6h
Epiduraler Abszess
Infektion (selten) – Tage nach Anlage
Antibiotika, ggf. chirurgische Drainage
Absolute Kontraindikationen
Ablehnung durch Patient · Gerinnungsstörung / Antikoagulation (zeitliche Abstände beachten: NMH-Prophylaxe 12h, therapeutisch 24h) · Infektion an Punktionsstelle · erhöhter ICP · schwere Hypovolämie
Antikoagulation – Zeitintervalle (ESRA-Leitlinie)
Substanz
Pause vor Punktion
Pause nach Punktion
NMH prophylaktisch
12h
4h
NMH therapeutisch
24h
Marcumar
INR <1,4
nach Katheterentfernung
NOAK (DOAK)
48–72h
6h
ASS 100
keine Pause nötig
–
Merksatz Totale Spinalanästhesie
Epiduralkatheter immer mit Testdosis prüfen. Totale Spinalanästhesie = Atemstillstand + Kreislaufkollaps innerhalb Minuten. Airway first – sofort intubieren, dann Kreislauf stabilisieren.
Interskalenäre Plexusblockade
Prinzip: Blockade des interskalenären Anteils des Plexus brachialis zwischen M. scalenus anterior und M. scalenus medius (hintere Skalenuslücke)
Single-Shot-Technik (interskalenäre Blockade, ISB), Kathetertechnik (interskalenärer Katheter, ISK)
Nachteil: Punktion in Pleuranähe (Gefahr eines Pneumothorax), Akzidentelle Blockade des Ganglion stellatum (Horner Syndrom), des N. phrenicus (Zwerchfellinnervation) und des N. laryngeus recurrens (Innervation Stimmbänder) möglich
Indikation: Schultergelenk, Schultermuskulatur, proximaler Oberarm (C5–C7). C8/Th1 (N. ulnaris) oft unzureichend geblockt – für Handchirurgie daher ungeeignet.
Komplikationen:
N. phrenicus (C3–C5)Hemidiaphragmaparese fast immer → SpO₂ beobachten
Horner-SyndromGanglion stellatum → Ptosis, Miosis, Enophthalmus – benigne, reversibel
PneumothoraxPleurakuppe liegt nah → Sonographie schützt
Intravasale Injektion: A. vertebralis, A. carotis → Aspiration vor Injektion
Intrathekale Injektion: Totale Spinalanästhesie möglich – selten
Im Bild: 1) N. thoracicus longus, 2) N. dorsalis scapulae, 3) N. phrenicus.
Supraklavikuläre Plexusblockade (“Spinalanästhesie des Armes”)
Am Übergang Truncus zu Faszikulus
Typischerweise sichere Anästhesie im Innervationsgebiet des Fasciculus lateralis und posterior
Indikation: Eingriffe im Bereich des distalen Oberarms, des Unterarms und der Hand
Supraklavikulär = vollständigster Block, aber höchstes Pneumothoraxrisiko. Pleura immer im Bild behalten. Erst nach Blockade: Röntgen-Thorax wenn klinisch indiziert. „Corner pocket" zwischen A. subclavia und 1. Rippe = optimale LA-Depotstelle.
Komplikationen
Pneumothorax: Häufigste KO · 1. Rippe und Pleura direkt darunter · Sonographie reduziert Risiko deutlich
N. phrenicus 50–70% Parese → bei grenzwertiger Lungenfunktion beachten
Intravasale Injektion A. subclavia direkt benachbart
Horner-Syndrom Möglich, seltener als bei interskalenär
Plexusanästhesie obere Extremität
Axilläre Plexusblockade
Nach Aufteilung in periphere Nerven
zuverlässige Blockade von N. radialis, N. medianus, N. ulnaris und N. cutaneus antebrachii medialis
Abhängig von der Punktionsrichtung auch Blockade des N. musculocutaneus möglich
NICHT N. axillaris
Indikation: Eingriffe unterhalb des Ellenbogens
Axillär = sicherste Blockade, aber N. musculocutaneus vergessen = Patient spürt lateralen Unterarm. Immer separat blocken. Bei Hand- und Unterarmchirurgie erste Wahl wenn Pneumothorax- oder Phrenikusrisiko vermieden werden muss.
Intravasale Injektion: A. axillaris direkt daneben → Aspiration vor jeder Injektion
Hämatom: A./V. axillaris → Kompression möglich (oberflächlich)
Nervenschaden: Direkter Nadelkontakt → bei Parästhesie zurückziehen
Infektion: Axilla nicht steril → sorgfältige Desinfektion
Blocks untere Extremität
Femoralisblockade
Blockade des N. femoralis nach seinem Durchtritt durch die Lacuna musculorum
Nachteil: Postoperativ potenziell verzögerte Mobilisation und Sturzgefahr durch motorische Blockade
Indikation: Eingriffe an der unteren Extremität (ggf. in Kombination mit einer Ischiadikusblockade)
Komplikation:
Intravasale Injektion: A./V. femoralis direkt daneben → Aspiration obligat
Hämatom: Leistenregion gut komprimierbar → manueller Druck
Quadrizepsparese: Sturzgefahr postoperativ → Patient aufklären, Gehhilfe
Nervenschaden: Bei intraneuraler Injektion → nie bei Widerstand injizieren
N. femoralis befindet sich i.d.R. unmittelbar lateral der A. femoralis
Ischiadikusblockade
Prinzip: Proximale oder distale Blockade des N. ischiadicus
Indikation: Eingriffe an der unteren Extremität (ggf. in Kombination mit einer Femoralisblockade)
Die drei klinischen Zugänge
Dorsaler Zugang (Labat / klassisch)
Bauchlage oder Seitenlage · Zugang zwischen Trochanter major und Spina iliaca posterior superior · tiefster Zugang, hohe LA-Menge · erfasst auch posterioren Hautast (N. cutaneus femoris posterior)
Subglutäaler Zugang
Rückenlage möglich · unterhalb Glutäalfalte · N. ischiadicus liegt zwischen Tuber ischiadicum und Trochanter major · einfacher als Labat · sonographisch gut darstellbar
Poplitealer Zugang (am häufigsten)
Rückenlage · in der Kniekehle, 5–7 cm proximal der Popliteafalte · N. tibialis und N. peroneus trennen sich hier → beide separat aufsuchen · ideal für Fuß- und Unterschenkelchirurgie · Katheter gut möglich
Poplitealer Zugang = Standard für Fuß-OP. Nerv proximal der Teilungsstelle blocken = ein Depot reicht. Distal der Teilung = zwei separate Depots nötig. N. saphenus (medialer Knöchel) nie vergessen bei Fußchirurgie.
Leitungsanästhesie nach Oberst
Blockade peripherer Nerven auf Höhe der Finger- oder Zehengrundgelenke
Transversus-abdominis-Plane-Blockade (TAP-Block)
Die ventralen Äste zur sensiblen Versorgung der Bauchwand ziehen durch eine Faszienschicht (Transversus abdominis Plane) und können dort mit Lokalanästhetikum umspült werden!
Zwischen M. obliquus internus und M. transversus abdominis liegt die TAP-Faszie – eine Gewebeschicht, durch die die ventralen Äste der Spinalnerven Th7–L1 ziehen, bevor sie die Haut und Muskulatur der vorderen Bauchwand versorgen.
Wenn man LA in diesen Raum injiziert, breitet es sich entlang der Faszie aus und umspült alle durchziehenden Nerven gleichzeitig – mit einem einzigen Depot.
Obturatoriusblockade
Blockade des N. obturatorius nach seinem Durchtritt durch den Canalis obturatorius
Indikation: Transurethrale Resektion von lateralen Harnblasentumoren in Spinalanästhesie
Kreislaufdepression
Ursache: Blockade präganglionärer sympathischer Fasern (Sympathikolyse)
Höhe Th5–L1 → Vasodilatation → Systemischer Gefäßwiderstand↓, venöses Pooling → Arterielle Hypotonie
Höhe Th1–Th4 (Nn. accelerantes) → Bradykardie bis Asystolie → Herzzeitvolumen↓
Ursache: Intrathekale Injektion einer zu hohen Dosis an Lokalanästhetikum
Typischerweise bei (primärer oder sekundärer) intrathekaler Fehllage eines Periduralkatheters
Pathomechanismus: Überdosierung des Lokalanästhetikums → Ausbreitung im gesamten Subarachnoidalraum
Überschießende Sympathikolyse → Schwere Kreislaufdepression (Hypotonie, Bradykardie)
Lähmung der Interkostalmuskulatur und des Zwerchfells → Dyspnoe bzw. Apnoe
Hirnstammlähmung (bzw. -minderperfusion) → Bewusstlosigkeit, weite lichtstarre Pupillen
Therapie: Symptomatisch
Kreislaufstabilisierung
Hüfner-Zahl
Sauerstoffgehalt im arteriellen Blut (caO2): Normwert = 180–230 mL O2 / 1 L Blut
Berechnung u.a. anhand der Hämoglobinkonzentration und der Hüfner-Zahl
In vivo bindet 1 g Hämoglobin maximal 1,34 mL Sauerstoff = Hüfner-Zahl
Sauerstoffsättigung in BGA
Sauerstoffsättigung im arteriellen Blut (saO2): Normwert = 95–99%
Sauerstoffpartialdruck im arteriellen Blut (paO2): Normwert = 65–100 mmHg
bei 60mmHg noch SpO2 bei 90%, danach rapider Abfall (sigmoide Kurve)
Partialdruck:
Gesamtluftdruck = 760 mmHg (= 1 Atmosphäre)
Luft besteht aus:
N₂: 78%
O₂: 21%
Argon + Rest: ~1%
CO₂: 0,04% (vernachlässigbar)
Der Partialdruck jedes Gases = Gesamtdruck × prozentualer Anteil
0,21 x 760 mmHg = 160 mmHg O2 in Raumluft
in Lunge dauerhaft CO2 Abgabe und außerdem Wassserdampf, daher in Alveole / paO2 “nur” 100mmHg O2
PONV
Postoperative Übelkeit und Erbrechen (Postoperative nausea and vomiting)
akutes Auftreten von Übelkeit und/oder Erbrechen innerhalb von 24–48 h nach einem chirurgischen Eingriff
Gesicherte PONV-Risikofaktoren
Patienteneigene Risikofaktoren
Weibliches Geschlecht
PONV/Kinetosen in der Anamnese
Nicht-Raucher-Status
Junges Alter
Anästhesie- und OP-bezogene Risikofaktoren
Intraoperative Gabe von volatilen Anästhetika und/oder Lachgas
Postoperative Opioidgabe
Apfel Score:
Weibliches Geschlecht 1
Nichtraucherstatus 1
Bekannte Reisekrankheit oder früher aufgetretene PONV1
Erwartete postoperative Opioidgabe 1
Erwartete Inzidenz
0 Punkte = 10%
1 Punkt = 20%
2 Punkte = 40%
3 Punkte = 60%
4 Punkte = 80%
Risikostratifizierung
0–1 Punkte = Niedriges Risiko
2 Punkte = Mittleres Risiko
≥3 Punkte = Hohes Risiko
Beispielalgorithmus für eine PONV-Prophylaxe
Nach Narkoseeinleitung
Vor OP-Ende
Weitere Maßnahmen
Alle Patient:innen
Dexamethason
Droperidol
Keine
Hohes PONV-Risiko
TIVA mit Propofol durchführen
Ggf. ein weiteres Antiemetikum geben, bspw. Ondansetron oder Dimenhydrinat
Therapie der Wahl: Serotonin-Rezeptor-Antagonisten, bspw. Ondansetron
sonst: Dimenhydrinat (H1-Antihistaminika (1. Generation)) oder Droperidol (Dopamin-2-Antagonist = Neuroleptikum)
MET
kardiopulmonale Belastbarkeit (metabolisches Äquivalent)
1 MET = Ruheumsatz des Menschen
> 4 MET = ausreichend belastsbar für Allgemeinanästhesie
Anamnestische Angaben
Korrespondierende MET
Keine Belastung möglich, Ruhe-, Sprechdyspnoe
1
Bewegen nur in der Ebene (100–150 m ohne Pause), geringfügige Tätigkeiten, rasch Belastungsdyspnoe
2–3
Gehen mit normaler Geschwindigkeit, kurze Laufstrecke, 2 Stockwerke ohne Pause und ohne limitierende Dyspnoe
4–5
Sportliche Aktivitäten (Golf, Kegeln, Tanzen)
6–10
Ausdauer-, Leistungssport
> 10
Blutungsanamnese
Empfohlene präoperative Laboruntersuchung
Präoperative apparative Zusatzunteerssuchungen
12-Kanal-EKG:
asymptomatisch aber kardiovaskulärer Risikoeingriff
symptomatische Patienten mit Herzerkrankungen
Röntgen Thorax:
neu aufgetretene Erkrankungen wie Pneumonie
oder bei OP-relevanten Befunden (z.B. Thoraxdeformitäten)
Echokardiographie:
neue Dyspnoe unklarer Genese
bekannte Herzinsuffizienz
neues Herzgeräusch
LuFu
Abschätzung pulmonale Erkrankung
Sono Halsgefäße
Apoplex / TIA < 12 Monate
geplanter arterieller Eingriff
Strukturierte Befundung Röntgen Thorax
Bildqualität (alles nötige abgebildet / stehend, liegend)
Beschriftung (Patient etc)
Zwerchfell
Pleura
Lungenparenchym (Infiltrate, Rundherde)
Lungenhilus (Stauungsszeichen)
Herz (Verhältnis Herz Thorax)
Mediastinum (Größe, Lage, Verlauf Aorta)
Knöcherner Thorax
Fremdmaterial
Anästhesierisiko
erhöht bei KHK, HI, Apoplex/TIA, DM, Niereninsuffizienz (Krea > 2mg/dl)
Abfolge Prämed
Strukturierte Reihenfolge
Vorstellung & Aufklärung – wer bist du, was passiert heute, welches Verfahren geplant
Aktuelle Anamnese – Grund des Eingriffs, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien
Anästhesierelevante Systeme – Herz, Lunge, Niere, Leber, Neuro, Gerinnung
Atemweg – Mallampati, Mundöffnung, HWS, thyromentaler Abstand, Zahnstatus
Anästhesievorgeschichte – frühere Narkosen, Probleme, Familienanamnese (MH!)
Nüchternheit – letzte feste Nahrung, letzte klare Flüssigkeit
Befunde sichten – Labor, EKG, Röntgen, Vorberichte
ASA-Klassifikation festlegen
Verfahrenswahl & Planung – Allgemein vs. Regional, Atemweg, Monitoring, Besonderheiten
Aufklärungsgespräch – Risiken, Alternativen, Einwilligung, Prämedikation
Jede Prämed endet mit einer klaren Antwort auf drei Fragen: Welches Verfahren? Welcher Atemweg? Was ist das größte Risiko dieses Patienten?
Prämedikation (Medikament)
Midazolam 3,75–7,5 mg p.o. (1–2h vor OP) · anxiolytisch, amnestisch
cave: Ältere, COPD, Schlafapnoe → Dosis reduzieren oder weglassen
alternativ: kein Medikament, nur Gespräch
Anamnese Anästhesie
Vorerkrankungen – anästhesierelevant
System
Worauf achten
KHK, Herzinsuffizienz (NYHA), Rhythmusstörungen, Klappenfehler, Schrittmacher/ICD
Lunge
COPD (FEV1?), Asthma, OSA (CPAP?), aktive Infektion
CKD (GFR?), Dialyse → Medikamentendosierung, Kalium, Volumen
Zirrhose (Child-Pugh) → Gerinnung, Medikamentenabbau, Aszites
Neuro
Epilepsie, Stroke, erhöhter ICP, Myopathien → Succinylcholin-KI
Endokrin
Diabetes (BZ-Kontrolle intraop.), Schilddrüse, Phäochromozytom
Gerinnung
Antikoagulation (NMH, DOAK, Marcumar), Thrombopenie, Hämophilie
Reflux / Aspiration
GERD, Hiatushernie, Adipositas, Schwangerschaft → RSI?
Medikamente – Schlüsselfragen
→Antikoagulation / Thrombozytenaggregationshemmer → pausieren? Bridging?
→Antihypertensiva → meiste weitergeben, ACE-Hemmer/AT1 am OP-Tag pausieren
→Insulin / OAD → Schema anpassen, BZ-Kontrolle
→MAO-Hemmer → Interaktionen mit Opioiden (Serotoninsyndrom!)
→Kortikosteroide → Stressdosierung perioperativ nötig?
Orale Antidiabetika absetzen (Metformin Sonderfall), irreverrssible MAO Hemmer absetzen
Allergien
Latex · Lokalanästhetika · Antibiotika (Prophylaxe!) · Kontrastmittel · NSAR · Pflaster/Desinfektionsmittel
Atemwege einschätzen
LEMON-Schema
Look externally – Adipositas, Bart, Mikrognathie, kurzer Hals, Makroglossie, Tumor
Evaluate 3-3-2 – Mundöffnung ≥3 Finger · Kinn-Hyoid ≥3 Finger · Hyoid-Thyroid ≥2 Finger
Mallampati ≥ III – im Sitzen, Mund auf, Zunge raus, kein Phonieren
Obstruction – Epiglottitis, Tumor, Abszess, Fremdkörper, Struma
Neck mobility – HWS-Reklination eingeschränkt? (RA, Bechterew, Vorbestrahlung, Halo)
Weitere Tests
Thyromentaler Abstand (<6 cm = schwierig) · Sternomentaler Abstand (<12,5 cm) · Upper Lip Bite Test · Zahnstatus (Prothesen, Wackelzähne)
Konsequenz
≥2 auffällige Befunde → schwieriger Atemweg erwartet → Wachintubation / Videolaryngoskop / 2. Anästhesist / Chirurg informieren
Frühere schwierige Intubation = wichtigster Einzelprädiktor. Immer fragen: „Hatten Sie schon mal eine Narkose? Gab es Probleme mit dem Schlauch?"
ASA
ASA-Klassifikation, meisten Probleme klinische Einschätzung II und III
Gesunder Patient
Keine Erkrankungen
Leichte Systemerkrankung
Gut eingestellte Hypertonie, BMI <40, Raucher
Schwere Systemerkrankung
COPD, schlecht eingest. DM, Herzinsuffizienz NYHA II–III
Lebensbedrohliche Erkrankung
NYHA IV, schwere COPD, akutes Nierenversagen
V
Moribund, OP als letzte Chance
Rupturiertes AAA, Massivtrauma
VI
Hirntod, Organspende
+ E
Notfall
Jede ASA + E = Notfalleingriff
Nüchternheitsregeln (elektiv)
Was
Pause vor Einleitung
Feste Nahrung, trübe Säfte, Milch
6 Stunden
Klare Flüssigkeit (Wasser, klarer Tee, schwarzer Kaffee)
2 Stunden
Muttermilch
4 Stunden
Säuglingsnahrung / Formel
Medikamente mit kleinem Schluck Wasser
Bis kurz vor OP erlaubt
„6-4-2-Regel": 6h fest · 4h Muttermilch · 2h klar. Bei Notfall oder Aspirationsrisiko → RSI unabhängig von Nüchternheit.
Verfahrenswahl & Aufklärung
Verfahrenswahl – Entscheidungsbaum
Eingriff Regional möglich? → Regional bevorzugen (weniger Systemeffekte)
Allgemeinanästhesie nötig? → TIVA vs. balancierte Anästhesie (Inhalation + Opioid)
Atemwegssicherung? → Larynxmaske vs. Tubus vs. Wachintubation
Monitoring? → Standard vs. erweitertes (Arterie, ZVK, TEE)
Postoperativ? → Normalstation vs. Aufwachraum vs. ICU
Aufklärungsinhalte (obligat)
Zahnschäden
Heiserkeit
Awareness (selten)
anaphylaktische Reaktion
maligne Hyperthermie (FA?)
schwieriger Atemweg
Regionalanästhesie
Unvollständige Blockade
Nervenschaden
Hämatom
Infektion
intravasale Injektion
bei Spinal/Epidural: Blutdruckabfall, postpunktioneller KS, totale Spinalanästhesie
Prämed kardialer Patient
Kardiale Risikostratifikation – was muss ich wissen?
Parameter
Bedeutung / Grenzwert
NYHA-Klasse
III–IV = hohes perioperatives Risiko → Kardiologie einbeziehen
EF (Ejektionsfraktion)
<35% = schwer eingeschränkt → hohes Risiko, Intensivplanung
Letzte Dekompensation
<3 Monate → elektiven Eingriff verschieben wenn möglich
Stent / PCI
Bare Metal Stent: mind. 4 Wochen · Drug Eluting Stent: mind. 6–12 Monate → Thromboserisiko bei Pausierung Plättchenhemmer
Schrittmacher / ICD
Typ, Programmierung, Abhängigkeit klären · ICD-Schockfunktion perioperativ abschalten?
Klappenvitium
Aortenstenose = höchstes Risiko aller Vitien · Fläche <1 cm² = kritisch
Koronare Reserve
Angina pectoris stabil? Stresstest bekannt? MET-Kapazität?
MET-Kapazität (Metabolic Equivalents)
Schätzt die kardiale Reserve ohne Stresstest: <4 MET = schlechte Reserve (Patient schafft keine Treppe ohne Luftnot) → hohes perioperatives Risiko · ≥4 MET = ausreichend (ein Stockwerk, flaches Gehen möglich)
Medikamente – was pausieren, was weitergeben?
Medikament
Perioperativ
Grund
Betablocker
Weitergeben!
Abruptes Absetzen → Rebound-Tachykardie, Ischämie
Statine
Weitergeben
Pleiotrope protektive Effekte perioperativ
ACE-Hemmer / AT1
Am OP-Tag pausieren
Anhaltende Vasodilatation → schwere intraoperative Hypotonie
meist weitergeben
Stentschutz überwiegt Blutungsrisiko bei den meisten Eingriffen
P2Y12-Hemmer (Clopidogrel, Ticagrelor)
Rücksprache Kardiologie · meist 5–7 Tage Pause
Stent-Thrombose vs. Blutungsrisiko abwägen
Diuretika
Situationsabhängig
Hypovolämie vs. Dekompensationsrisiko
Digitalis
Spiegel kontrollieren
Enge therapeutische Breite, Hypokaliämie verstärkt Toxizität
Betablocker nie absetzen. ACE-Hemmer am OP-Tag pausieren. Stentpatient mit P2Y12-Hemmer → immer Kardiologie fragen. MET <4 = schlechte Reserve = hohes Risiko.
PCI mit Stent im Zusammenhang mit OP
Bare Metal Stent (BMS) – blankes Metallgitter, keine Beschichtung. Die Gefäßwand überwächst den Stent relativ schnell mit Endothel (Endothelialisierung) → nach ~4 Wochen ist der Stent eingewachsen und das Thromboserisiko deutlich gesunken.
Drug Eluting Stent (DES) – mit Medikament beschichtet (meist Sirolimus oder Paclitaxel), das die Zellproliferation hemmt. Das verhindert Restenose (Wiederverengung durch Zellwucherung) – aber es hemmt gleichzeitig auch die Endothelialisierung. Der Stent bleibt viel länger "nackt" und thrombosegefährdet → erst nach 6–12 Monaten ausreichend eingewachsen.
Vorgehen
DES <1 Monat
Elektiven Eingriff verschieben – kein Kompromiss
DES 1–6 Monate
Möglichst verschieben, sonst ASS weitergeben, P2Y12 kurz pausieren (5–7 Tage)
DES >12 Monate
P2Y12 pausieren möglich, ASS weitergeben
Notfall-OP
ASS immer weitergeben, P2Y12 situationsabhängig
Hämodynamik während Anästhesie (unsicher ob Infos stimmen - Claude)
Verbrauch ↑ → gefährlich
Tachykardie · Hypertonie · erhöhte Vorlast · erhöhte Nachlast · Kontraktilitätssteigerung
Angebot ↑ → protektiv
Ausreichend Hb · gute Oxygenierung · ausreichender Koronarperfusionsdruck · Normofrequenz
Koronarperfusionsdruck = Diastolischer RR – LVEDP Tachykardie verkürzt die Diastole → weniger Perfusionszeit → Ischämie Hypotonie senkt den diastolischen Druck → weniger Treibkraft → Ischämie
Intraoperative Zielwerte (kardial vorerkrankter Patient)
Zielbereich
Warum
Herzfrequenz
50–80 /min
Lange Diastole → mehr Koronarperfusion
Blutdruck systolisch
±20% vom Ausgangswert
Hypotonie = Ischämie, Hypertonie = Mehrarbeit
MAP
>65 mmHg (höher bei Hypertonie)
Organperfusion sichern
Hämoglobin
>8 g/dl (bei KHK eher >10)
O₂-Träger – Anämie erhöht Herzarbeit
Kalium
4,0–5,0 mmol/l
Hypokaliämie → Arrhythmien
Temperatur
Normothermie
Hypothermie → Rhythmusstörungen, Gerinnung
Anästhetika & kardiale Wirkung
Kardiale Wirkung
Fazit bei Herzpatient
Vasodilatation + neg. Inotrop → RR↓, HF↑ (reflektorisch)
Langsam titrieren, Bolusgabe vermeiden · bei EF <35% sehr vorsichtig
Etomidat
Kaum kardiale Effekte – kardiovaskulär stabilstes Hypnotikum
Mittel der Wahl bei schwer eingeschränkter LV-Funktion
Sympathomimetisch → HF↑, RR↑, Kontraktilität↑
Gut bei Schock/Hypovolämie · kontraindiziert bei KHK (Mehrarbeit)
Thiopental
Neg. Inotrop, Vasodilatation
Heute kaum noch verwendet
Volatile (Sevo, Des)
Neg. Inotrop, Vasodilatation · aber: ischämische Präkonditionierung!
Protektiv bei KHK durch Präkonditionierung · bei schwerer LV-Dysfunktion vorsichtig
Bradykardie, Vasodilatation (vagotoner Effekt)
Gut steuerbar · Bradykardie bei hoher Dosis beachten
Fentanyl / Sufentanil
Bradykardie, kardiovaskulär stabil
Gut geeignet · Sufentanil in Herzchirurgie Standard
Bradykardie (muskarinerg, bes. bei Wiederholung)
Atropin bereithalten (Kompetitiver Antagonismus an muskarinischen Acetylcholinrezeptoren → Aufhebung parasympathischer Effekte (Parasympatholyse))
Claude sagt: Volatile Anästhetika (Sevofluran, Desfluran) aktivieren zelluläre Schutzmechanismen im Myokard → Herzmuskelzellen werden resistenter gegenüber Ischämie-Reperfusions-Schaden. Klinisch relevant bei Herzchirurgie und Hochrisikopatienten mit KHK.
Monitoring bei kardialen Patienten
Erweitertes Monitoring – wann?
Verfahren
Information
Arterielle Kanüle (A-line)
EF <40%, instabile KHK, große OP
Kontinuierlicher RR, BGA-Zugang
ZVK
Vasoaktiva nötig, großes Volumen, kein peripherer Zugang
ZVD, Medikamentengabe
Pulmonalarterienkatheter (PAK)
Schwere LV/RV-Dysfunktion, Herzchirurgie (seltener)
PCWP, HZV, SVR
Transösophageale Echokardiographie (TEE)
Herzchirurgie, hämodynamische Instabilität
EF, Wandbewegungsstörungen, Füllungszustand, Klappen
ST-Strecken-Monitoring
KHK, alle kardialen Patienten
Ischämiemonitoring intraoperativ (Ableitungen II + V5)
Klappenvitien Anästhesie
Claude: Stenosen hassen Hypotonie und Tachykardie. Insuffizienzen hassen Bradykardie und hohe Nachlast. Aortenstenose ist das gefährlichste Vitium – Hypotonie sofort mit Noradrenalin behandeln, keine Vasodilatanzien.
Herzinsuffizienz und KHK Anästhesie
Herzinsuffizienz – perioperatives Management
HFrEF (EF <40%)
Systolische Dysfunktion · Herz pumpt schlecht · Vorlastsenkung vorsichtig · neg. Inotropika vermeiden · Etomidat zur Einleitung · Noradrenalin / Dobutamin bereit
HFpEF (EF >50%)
Diastolische Dysfunktion · Herz pumpt gut, füllt sich schlecht · braucht ausreichend Vorlast · Tachykardie sehr schlecht (Füllungszeit kurz) · Frequenzkontrolle entscheidend
Vasoaktiva – wann was?
Wirkung
Noradrenalin
α > β → Vasokonstriktion, RR↑
Hypotonie bei erhaltener LV-Funktion, Aortenstenose
Dobutamin
β₁ → Inotrop, Chronotrop
Akute Dekompensation, EF <30%, Low-Output
Adrenalin
α + β → Vasokonstriktion + Inotrop
Reanimation, schwerer Schock
Vasopressin
V1 → Vasokonstriktion, Katecholamin-sparend
Katecholamin-refraktärer Schock
Milrinon
PDE-III-Hemmer → Inotrop + Vasodilatation
RV-Versagen, pulmonale Hypertonie
Ephedrin
α + β indirekt
Kurzfristige Hypotonie (z.B. nach Spinalanästhesie)
Prüfungs-Merkhilfen kardialer Patient Anästhesie
Die 5 gefährlichsten Situationen beim kardialen Patienten
Einleitung – Blutdruckabfall durch Propofol bei schlechter EF → Etomidat, langsam, Vasopressor bereit
Intubation – Sympathikusstimulation → Tachykardie, Hypertonie → ausreichend Opioid vorab
Intraoperative Hypotonie – Koronarperfusion bricht ein → sofort Vasopressor, Ursache suchen
Tachykardie – O₂-Verbrauch ↑, Perfusionszeit ↓ → Betablocker (Metoprolol/Esmolol), Ursache behandeln
Ausleitung / Extubation – Sympathikusstimulation → Hypertonie, Tachykardie → ruhige Ausleitung, ausreichende Analgesie
Schlüsselfragen in der Prüfung
Frage
Antwort
Welches Hypnotikum bei EF 20%?
Etomidat – kardiovaskulär neutralstes Hypnotikum
Warum Betablocker weitergeben?
Rebound-Tachykardie bei Absetzen → Ischämie
Warum ACE-Hemmer pausieren?
Warum ist Tachykardie bei KHK schlecht?
O₂-Verbrauch ↑ + Diastolendauer ↓ = Doppeltes Ischämierisiko
Hypotonie bei Aortenstenose?
Noradrenalin – kein Vasodilatator, kein Dobutamin
Was sagt MET <4?
Schlechte kardiale Reserve → erhöhtes perioperatives Risiko
Wann ICD abschalten?
Bei Elektrochirurgie (HF-Strom kann Schock triggern) → Magnet oder Reprogrammierung
Stent-Patient, Clopidogrel pausieren?
Immer Kardiologie fragen · DES <12 Monate → möglichst nicht pausieren
Goldener Merksatz für die Prüfung
Das kranke Herz braucht: ausreichend Zeit in der Diastole (keine Tachykardie), ausreichend Druck (keine Hypotonie), ausreichend O₂-Träger (kein Hb <8), keine Mehrarbeit (keine Hypertonie, keine Hypovolämie). Alles andere ist Symptombehandlung.
Akrinor
Kombinationspräparat aus Cafedrin (200 mg) + Theodrenalin (10 mg) pro Ampulle (2 ml) · nur in Deutschland und wenigen anderen Ländern zugelassen – international kaum bekannt
Akrinor® enthält Theodrenalin (β1-Agonist) und Cafedrin (Xanthinderivat mit indirekter adrenerger Wirkung). Beide wirken direkt sympathomimetisch über β1-Adrenozeptoren, wodurch die myokardiale Kontraktilität gesteigert und der Herzindex erhöht wird . Begleitend führt die venöse Vasokonstriktion zur Vorlaststeigerung . Die Herzfrequenz bleibt meist unverändert .
Dosierung
Standardbolus
1–2 ml i.v. (= ½–1 Ampulle) titriert
Verdünnt
1 Amp. auf 10 ml NaCl → 0,2 ml Boli titrieren
~30–60 s · Wirkdauer ~10–15 min
Hypotonie unter Anästhesie ·
besonders nach Spinalanästhesie (Sympathikolyse → Vasodilatation)
leichte bis moderate Hypotonie ohne ausgeprägte Hypovolämie
HZV bleibt erhalten · keine ausgeprägte Tachykardie · einfache Titration · kein Perfusor nötig · gut für Spinalanästhesie-Hypotonie
Nachteile / KI
Nicht bei schwerer Hypovolämie (Ursache behandeln!) · tachykarde Rhythmusstörungen · Phäochromozytom · engwinkeliges Glaukom · Schwangerschaft (Uterotonus↑)
PRIS (Propofol Infusions Syndrom)
lange und hoch dosiert: Laktatazidose, AKD, bradykarde HRST
Ursache nicht ganz geklärt
hohe Letalität
bei Kindern Langzeitanwendung kontraindiziert
Wieviel mg Propofol sind in 1 mL enthalten?
meist 1%ige Propofollösung
Prozentzahl x 10 = Konzentration in mg/ml
—> 1%ige Lösung enhält 10 mg/ml
Barbiturate
-> auch bei Schwangeren zugelassen
Wirkmechanismus
GABA-A-Rezeptor-Agonist → Cl⁻-Einstrom ↑ → Hyperpolarisation → ZNS-Depression
HWZ / Kinetik
Eliminations-HWZ ~600 min · klinische Wirkdauer 5–10 min (Umverteilung)
3–5 mg/kg i.v.
RSI
4–5 mg/kg i.v.
Status epilepticus
3–5 mg/kg, dann Perfusor
Neg. Inotrop · Vasodilatation → RR↓, HF↑ reflektorisch · bei Hypovolämie gefährlich
Schnelle klinische Wirkung durch Umverteilung ins ZNS, dann ins Fettgewebe → Patient wacht schnell auf, aber Thiopental bleibt lange im Körper (ksHWZ steigt massiv). Senkt ICP und zerebralen O₂-Verbrauch → neuroprotektiv.
Sehr schneller Wirkungseintritt
antikonvulsiv
neuroprotektiv
günstig
Lange ksHWZ bei Wiederholung
stark neg. inotrop
Histaminfreisetzung
Gewebsnekrose bei paravasaler Injektion
keine Analgesie
KI: Schwere Herzinsuffizienz · Hypovolämie · Porphyrie (absolut!) · Asthma (Histamin)
Porphyrie = absolute KI – Thiopental kann eine lebensbedrohliche Porphyriekrise auslösen. Schnell wirksam durch Umverteilung, aber lange systemische HWZ – nie als Perfusor ohne Erfahrung.
GABA-A-Rezeptor-Agonist (Imidazolderivat) → selektive ZNS-Depression mit minimalen kardialen Effekten - Hemmung der Formatio reticularis
Eliminations-HWZ ~75 min · ksHWZ kurz
0,2–0,3 mg/kg i.v.
Kardial kompromittiert
0,15–0,2 mg/kg (reduziert)
~30 s · Wirkdauer 3–5 min
Kaum kardiale Effekte – kardiovaskulär stabilstes Hypnotikum. HF, RR, HZV bleiben fast unverändert → Mittel der Wahl bei schlechter EF
Hemmt 11β-Hydroxylase → Cortisol-Synthesehemmung für 6–12h nach Einmalgabe. Bei Sepsis und kritisch Kranken daher umstritten (adrenale Insuffizienz). Myoklonien häufig (30–60%) → kein Relaxans, keine Krampfanfälle, aber störend.
Kardiovaskulär neutral
senkt ICP und zerebralen O₂-Verbrauch ·
schnell wirksam ·
kurze Wirkdauer
Cortisolsynthesehemmung ·
Myoklonien ·
keine Analgesie ·
kein antiemetischer Effekt ·
Injektionsschmerz
KI: Sepsis (relativ – Einzelgabe oft trotzdem vertretbar) · bekannte NNR-Insuffizienz · wiederholte Gabe / Perfusor kontraindiziert
Etomidat = die Einleitung bei schlechtem Herzen. Einmalgabe bei Sepsis vertretbar, aber danach Hydrocortison-Substitution erwägen. Myoklonien ≠ Krampfanfall – Midazolam vorab reduziert sie.
GABA-A-Rezeptor-Agonist (Benzodiazepin-Bindungsstelle) → Cl⁻-Einstrom ↑ → Sedierung, Anxiolyse, Amnesie, Antikonvulsion · kein direkter GABA-Agonist (nur modulierend)
Eliminations-HWZ ~120 min · ksHWZ steigt stark an bei Langzeitinfusion
Prämedikation oral
3,75–7,5 mg p.o.
Analgosedierung i.v.
1–2,5 mg titriert
Perfusor ICU
0,02–0,1 mg/kg/h
Antagonisierung
Flumazenil 0,2 mg i.v.
Leichte Vasodilatation und neg. Inotropie · bei langsamer Gabe gut toleriert · Kombination mit Opioiden → verstärkte kardiorespiratorische Depression
Aktiver Metabolit 1-OH-Midazolam (renal eliminiert) → Akkumulation bei Niereninsuffizienz.
Massiver Gewebsspeicher bei Langzeitinfusion → ICU-Patient wacht nach Absetzen manchmal erst nach Tagen auf. Wasserlöslich im Fläschchen, lipophil im Körper.
Anxiolyse ·
Amnesie (retrograd!) ·
antikonvulsiv ·
antagonisierbar ·
Keine Analgesie ·
paradoxe Reaktion bei Älteren (Agitation) ·
ksHWZ steigt stark an ·
Atemdepression mit Opioiden ·
Toleranzentwicklung auf ICU
KI: Myasthenia gravis · schwere respiratorische Insuffizienz ohne Beatmung · erstes Trimenon
Midazolam erzeugt anterograde Amnesie – Patient erinnert sich nicht an Ereignisse nach der Injektion. Wichtig: das bedeutet nicht, er schläft! Auf ICU: ksHWZ nach Tagen Infusion = Tage bis zum Aufwachen.
NMDA-Rezeptor-Antagonist → dissoziative Anästhesie: Bewusstsein und Schmerzwahrnehmung getrennt.
Eliminations-HWZ ~150 min · ksHWZ ~90 min (Gewebe noch nicht gesättigt)
Einleitung i.v.
Einleitung i.m.
4–6 mg/kg i.m. (Kinder, Notfall)
Analgesie sub-dissoz.
0,1–0,5 mg/kg i.v.
Perfusor
0,5–2 mg/kg/h
S-Ketamin (doppelt potent)
halbe Dosis
Sympathomimetisch → HF↑, RR↑, HZV↑, Koronardurchblutung↑ → bei Hypovolämie und Schock ideal. Cave: direkt myokard-depressiv (überlagert durch Sympathikusstimulation – bei erschöpften Reserven kann RR fallen)
Einziges Anästhetikum mit analgetischer Wirkkomponente.
Erhält Schutzreflexe (relativ) und Spontanatmung → aber kein Ersatz für Atemwegssicherung bei tiefer Narkose.
Bronchodilatation → gut bei Asthma.
Psychomimetische Nebenwirkungen (Halluzinationen, Albträume) → Benzodiazepin co-applizieren.
Analgesie + Hypnose ·
sympathomimetisch → gut bei Schock ·
bronchodilatatorisch ·
i.m. möglich ·
Spontanatmung erhalten
Psychomimetische NW (Alpträume, Halluzinationen) ·
Hypersalivation ·
ICP↑ (bei erhöhtem ICP KI) ·
RR↑ bei Hypertonie ·
Laryngospasmus möglich trotz erhaltener Reflexe
KI: Erhöhter ICP (relativ – wird heute differenzierter gesehen) · unkontrollierte Hypertonie · Eklampsie · schwere KHK (Mehrarbeit) · Schilddrüsenüberfunktion
Ketamin = das Schock-Anästhetikum und das Notfall-i.m.-Anästhetikum. Immer Benzodiazepin dazu (Midazolam) um Psychomimetik zu dämpfen. S-Ketamin = doppelt potent = halbe Dosis.
GABA-A-Rezeptor-Agonist → Cl⁻-Einstrom ↑ → Hyperpolarisation → ZNS-Depression. in Formatio reticularis
Zusätzlich: Hemmung von NMDA-Rezeptoren und Natriumkanälen.
Antiemetischer Effekt wahrscheinlich über dopaminerge Hemmung im Brechzentrum + vagale Wirkung.
Hepatische Glucuronidierung + extrahepatischer Abbau (Lunge, Niere).
Stark lipophil → rascher ZNS-Eintritt, aber auch schnelle Umverteilung. Gewebesättigung bleibt kontrollierbar → ksHWZ steigt kaum an → ideal für Dauerinfusion.
1–2 mg/kg i.v. (titriert, langsam!)
Aufrechterhaltung TIVA
4–10 mg/kg/h (Perfusor)
Sedierung ICU
0,3–4 mg/kg/h
Analgosedierung / Prozedurale Sedierung
0,5–1 mg/kg Bolus, dann titrieren
Antiemetisch
10–20 mg Bolus (Subanästhetisch)
Vasodilatation (↓ SVR) + neg. Inotrop → RR↓ ausgeprägt ·
HF steigt reflektorisch ·
HZV kann sinken.
Bei schneller Bolusinjektion oder hoher Dosis → ausgeprägte Hypotonie.
Bei schlechter EF oder Hypovolämie besonders gefährlich → langsam titrieren, Vasopressor bereithalten.
Sehr gut steuerbar ·
antiemetisch ·
angenehmes Aufwachen ·
kurze stabile ksHWZ → TIVA ideal ·
bronchodilatatorisch
Ausgeprägte Hypotonie ·
Injektionsschmerz ·
Propofol-Infusionssyndrom (PRIS) bei Langzeit/Hochdosis ·
Allergie Soja? (umstritten)
Propofol-Infusionssyndrom (PRIS) – prüfungsrelevant
Seltene, lebensbedrohliche Komplikation bei Hochdosis (>4 mg/kg/h) über >48h (besonders ICU, Kinder).
Mitochondriale Toxizität → Entkopplung der Atmungskette.
Symptome: Metabolische Azidose · Rhabdomyolyse · Nierenversagen · Herzrhythmusstörungen · Lipämie · grüner Urin
Therapie: Propofol sofort stoppen · supportiv · Hämofiltration
Propofol = das ideale TIVA-Hypnotikum durch stabile ksHWZ – aber kein Analgetikum. Langsam einleiten, Vasopressor bereit. PRIS bei >4 mg/kg/h über >48h → immer Dosis im Auge behalten auf der ICU. Die weiße Farbe ist kein Zufall – Fettlösung bedeutet Infektionsrisiko.
MAC
MAC = Minimale Alveoläre Konzentration
Die Konzentration eines Inhalationsanästhetikums in der Alveole, bei der 50% der Patienten auf einen standardisierten Schmerzreiz (Hautschnitt) nicht mehr reagieren.
MAC50 = ED50 – eine Dosis, die bei der Hälfte der Patienten wirkt.
MAC gibt Potenz an
z.B. Sevofluran:
1 MAC = 2% (des Gases in der Alveole nötig, damit 50% keinen Schmerzreiz bka bla)
0,5 MAC = 1% (leichte Sedierung)
1,3 MAC (~95% der Patienten reagieren nicht → das ist der übliche klinische Zielwert) = 2,6%
Beispiel Desfluran:
1,0 MAC = 6,5%
1,3 MAC = ~8,5%
Vollständige Tabelle
MAC-Stufe
Klinische Bedeutung
0,5 MAC
1,0%
3,3%
0,6%
Sedierung, Anxiolyse
1,0 MAC
2,0%
6,5%
1,2%
50% kein Reaktion auf Hautschnitt
1,3 MAC ★
2,6%
8,5%
1,6%
Klinischer Zielwert (~95% reagieren nicht)
2,0 MAC
4,0%
13,0%
2,4%
Tiefe Narkose, starke Kreislaufdepression
N₂O – Sonderfall
N₂O
Problem
105%
Physikalisch unmöglich (max. 100% eines Gases)
0,5 MAC (max. möglich)
~50%
Kombination mit anderem Volatile nötig
+ 0,5 MAC Sevo
50% N₂O + 1,0% Sevo
= 1,0 MAC gesamt (MAC additiv!)
Zusammenhang mit MAC
MAC und Blut-Gas-KV sind unabhängige Eigenschaften:
MAC beschreibt die Potenz (wie viel brauche ich?)
Blut-Gas-KV beschreibt die Kinetik (wie schnell wirkt es?)
Reduktion der MAC
Hohes Lebensalter
Schwangerschaft
Hypothermie
Arterielle Hypotonie
Schwere Hypoxie
Anämie
Hyponatriämie
Wechselwirkung mit zentral wirksamen Medikamenten, bspw. Opioiden
Erhöhung der MAC
Junges Lebensalter
Chronischer Alkoholabusus
Erhöhte Körpertemperatur (Fieber)
Hypernatriämie
Orientierende MAC-Werte gängiger Inhalationsanästhetika für Erwachsene mittleren Alters
MAC50 (Vol.-%) bei 100% O2
MAC50(Vol.-%) bei 70% N2O
6,0
2,8
2,0
1,1
0,5
Lachgas
105 (altersunabhängig)
Xenon
71
Blut Gas Verteilungskoeffizient inhalative Anästhetika
wenn wenig blutlöslich, dann schnellere Anflutung im Gehirn und bessere Abflutung später.
Grundsätzlich komplett andere Kinetik als Intravenöse Anästhesie, da diese Leber abgebaut werden, mehr im Fett gespeichert werden
—> dort ksHWZ
Opioidreezeptoren
Opioidrezeptoren
Endogener Ligand
Neue Bezeichnung
Alte Bezeichnung
MOR (M-Opioidrezeptor)
AM MEISTEN GENUTZT
μ-Rezeptor
β-Endorphine
Starke Analgesie
Atemdepression
Obstipation
Miosis
Bradykardie
Starke Abhängigkeit
Euphorie
KOR (κ-Opioidrezeptor)
κ-Rezeptor
Dynorphin
Dysphorie
Sedierung
DOR (δ-Opioidrezeptor)
δ-Rezeptor
Enkephalin
Toleranz
Abhängigkeit
Opioide NW
Atemdepression → CO2↑ → respiratorische Azidose, Hirndruckanstieg
Opioid-Toleranz-Entwicklung und Opioidabhängigkeit
Orthostatische Dysregulation: RR↓
Übelkeit und Erbrechen (emetisch)
Juckreiz
Therapie: Naloxon oder H1-Antihistaminika
Tonuszunahme der glatten Muskulatur
Miktionsstörungen, Harnverhalt
(Gallengangsspasmen)
Thoraxrigidität (insb. bei schneller intravenöser Injektion hoher Dosen)
Während sich im Verlauf der Opioidtherapie die Nebenwirkungen Sedierung, orthostatische Dysregulation, Übelkeit und Erbrechen bessern, ist dies bei der Obstipation nicht der Fall!
4Ks: Klare Indikation, Korrekte Dosierung, Kurze Anwendung, Kein abruptes Absetzen!
z.B. N. ulnaris → Adduktion des Daumens durch M. adductor pollicis (klinischer Standard)
„Eisbergphänomen“ (Eine neuromuskuläre Blockade ist in der Relaxometrie erst dann nachweisbar, wenn ca. 75% der postsynaptischen nicotinergen Cholinozeptoren blockiert sind. Bildlich gesprochen ist für das Verfahren also nur die Spitze des Eisbergs „sichtbar“.)
Durchführung:
Abgabe von 4 Einzelreizen im Abstand von 0,5 s (Reizfrequenz 2 Hz)
Mindestabstand von 10 s zwischen 2 Messungen
Auswertung:
TOF-Zahl: Absolute Anzahl der Reizantworten (0–4) unabhängig von der Stärke
TOF-Ratio: Stärke der vierten im Vergleich zur ersten Reizantwort (Quotient T4/T1)
—> Vor der Extubation sollte die TOF-Ratio ≥0,9 sein!
Eine neuromuskuläre Restblockade kann zu einer erhöhten postoperativen Morbidität und Mortalität beitragen!
Depolarisationsblock: Stärke der Reizantworten immer gleich groß
Nichtdepolarisationsblock: Abnehmende Stärke der Reizantworten (sog. „Fading“)
Nicht-depolarisierend (Rocuronium) – TOF wird schrittweise schwächer
Rocuronium blockiert kompetitiv. Das bedeutet: es gibt immer ein Gleichgewicht zwischen besetzten und freien Rezeptoren.
Bei 4 aufeinanderfolgenden Reizen (TOF) wird bei jedem Reiz ACh ausgeschüttet. Dieses ACh verdrängt kurzzeitig etwas Rocuronium vom Rezeptor – aber gleichzeitig leert sich das präsynaptische ACh-Depot mit jedem Reiz ein bisschen.
Depolarisierend (Succinylcholin) – alle vier gleich schlecht
Succinylcholin aktiviert den Rezeptor selbst – es braucht kein ACh. Die Membran ist dauerhaft depolarisiert, unabhängig davon ob ein Nervenreiz kommt oder nicht.
Egal ob Reiz 1, 2, 3 oder 4 – die Membran antwortet immer gleich: sie kann sich nicht erholen, weil Succinylcholin permanent sitzt. Es gibt kein Depot das sich leert, keine Kompetition – einfach eine gleichmäßig blockierte Membran.
Post Tetanic Count (PTC)
Ergänzende Messung bei Nichtdepolarisationsblock und einer TOF-Zahl von 0
—> Zur Unterscheidung zwischen einer tiefen neuromuskulären Blockade (bspw. für Oberbaucheingriffe erforderlich) und einer chirurgischen Blockade (für die meisten kleineren Eingriffe ausreichend) muss daher ein anderes Stimulationsmuster zum Einsatz kommen.
—> Durch die tetanische Stimulation kommt es an der motorischen Endplatte kurzfristig zu einer vermehrten Freisetzung von Acetylcholin (sog. posttetanische Potenzierung). Eine nachfolgende Einzelreizung kann dann potenziell auch bei tiefer neuromuskulärer Blockade eine Reizantwort auslösen.
aBGA – Interpretation
Normalwerte: pH 7,35–7,45 · pCO₂ 35–45 · HCO₃⁻ 22–26 · BE ±2
Störung
pH
pCO₂
HCO₃⁻
BE
Primäre Ursache
Typische Auslöser
Resp. Azidose
↓
↑↑
→ (akut) / ↑ (chron.)
CO₂ ↑ durch Hypoventilation
COPD-Exazerbation · Opiatüberdosierung · neuromuskuläre Erkrankung · Atemversagen
Resp. Alkalose
↑
↓↓
→ (akut) / ↓ (chron.)
CO₂ ↓ durch Hyperventilation
Hyperventilation (Angst, Schmerz) · Sepsis früh · Leberversagen · Höhe · Beatmung zu aggressiv
Metab. Azidose
→ (akut) / ↓ (komp.)
↓↓ (negativ)
HCO₃⁻ ↓ oder H⁺ ↑
Laktatazidose (Schock, Sepsis) · Ketoazidose (DM) · Nierenversagen · Intoxikation · Diarrhö
Metab. Alkalose
→ (akut) / ↑ (komp.)
↑↑ (positiv)
HCO₃⁻ ↑ oder H⁺ ↓
Erbrechen · Magensonde · Diuretika (Hypokaliämie) · Antazida · Hyperaldosteronismus
Primäre Störung
Kompensation durch
Erwartete Kompensation
Zeitrahmen
Niere retiniert HCO₃⁻
HCO₃⁻ ↑ 1 mmol/l pro 10 mmHg pCO₂ ↑ (akut) · 3,5 (chron.)
Stunden bis Tage
Niere scheidet HCO₃⁻ aus
HCO₃⁻ ↓ 2 mmol/l pro 10 mmHg pCO₂ ↓ (chron.)
Tage
Lunge hyperventiliert (↓ pCO₂)
pCO₂ = 1,5 × HCO₃⁻ + 8 (±2) – Winter-Formel
Minuten bis Stunden
Lunge hypoventiliert (↑ pCO₂)
pCO₂ ↑ 0,7 mmHg pro HCO₃⁻ ↑ 1 mmol/l
Stunden
Anionenlücke
bei metabolischer Azidose immer berechnen
Die Anionenlücke entsteht, weil wir im Labor nur die häufigsten messen – Na⁺, Cl⁻ und HCO₃⁻. Die restlichen Anionen (Albumin, Phosphat, organische Säuren) messen wir nicht, aber sie sind da. Diese "unsichtbaren" Anionen bilden die normale Anionenlücke:
AG = Na⁺ – (Cl⁻ + HCO₃⁻) = 8–12 mmol/l
AG erhöht:
Eine neue Säure wird produziert oder akkumuliert – zum Beispiel Laktat oder Ketonkörper. Diese Säure dissoziiert:
Laktat-H⁺ → H⁺ + Laktat⁻
Das H⁺ verbraucht HCO₃⁻ (Puffersystem) → HCO₃⁻ fällt. Das Laktat⁻ bleibt aber im Blut als nicht gemessenes Anion → AG steigt.
Cl⁻ bleibt unverändert – der Körper hat kein Cl⁻ dazugewonnen.
Na⁺ gleich · Cl⁻ gleich · HCO₃⁻ ↓ → AG ↑
AG normal:
Hier wird kein neues Anion produziert – stattdessen geht HCO₃⁻ verloren (Diarrhö, Fistel) oder die Niere kann keines bilden (RTA). Der Körper muss die negative Ladung ersetzen – er nimmt Cl⁻ auf:
HCO₃⁻ ↓ → Cl⁻ ↑ (kompensatorisch)
Na⁺ gleich, HCO₃⁻ fällt, Cl⁻ steigt im gleichen Maß → AG bleibt normal.
—> hyperchlorämische Azidose. Zum Beispiel auch durch NaCl Infusion möglich: Steigt die Chloridkonzentration über den Normbereich (97–108 mmol/L), muss die Konzentration anderer Anionen – insbesondere von Bicarbonat (HCO3−) – sinken, um die elektrische Neutralität zu erhalten .
Da Bicarbonat die Hauptbase im Blut ist, führt dessen Abnahme zu einer metabolischen Azidose mit niedrigem pH-Wert . Die Lunge reagiert auf diese Azidose mit Hyperventilation zur CO₂-Abatmung als kompensatorischem Mechanismus .
AG
Bedeutung
Ursachen
AG erhöht (>12)
Säure wird produziert · Cl⁻ bleibt normal
MUDPILES: Methanol · Urämie · DKA · Propylene glycol · Isoniazid · Laktat · Ethanol · Salicylate
AG normal (hyperchlorämisch)
HCO₃⁻ verloren · Cl⁻ steigt kompensatorisch
Diarrhö · RTA (renale tubuläre Azidose) · NaCl-Infusion · Ileostoma
Merkwort für Ursachen einer vergrößerten Anionenlücke „Kuss-Maul“: Ketonkörper, Urämie, Salicylsäure, Methanol, Äthylenglykol (bzw. Ethylenglykol), (Urämie), Lactat!
Präoperative EKG-Diagnostik und kardiale Biomarker
Klinisch und anamnestisch unauffällige Personen benötigen für Eingriffe mit geringem Risiko – unabhängig vom Alter – kein präoperatives EKG!
Präoperativer Röntgen-Thorax
Perioperativer Umgang mit Vormedikation – Kurzübersicht
Gabe pausieren
Individuell abwägen
Gabe fortführen
Orale Antidiabetika
Metformin (48 h präoperativ bis 48 h postoperativ pausieren (Prophylaxe einer Lactatazidose))
Sulfonylharnstoffe
SGLT2-Inhibitoren
GLP-1R-Agonisten
Diuretika (am OP-Tag)
α2-Agonisten
Herzglykoside
ACE-Hemmer
MAO-Hemmer
Theophyllin
Insuline
Lithium
Calciumantagonisten
Antipsychotika
Trizyklische Antidepressiva
L-Dopa
Anfallssuppressiva
Inhalativa bei COPD und Asthma bronchiale
Analgetika
PPI
Ovulationshemmer
Schilddrüsenmedikation
SSRI
DPP4-Inhibitoren
Thiazolidindione
Da die Patient:innen am OP-Tag i.d.R. nüchtern bleiben müssen, können durch die Einnahme oraler Antidiabetika lebensgefährliche Hypoglykämien entstehen. Andererseits ist auch eine Hyperglykämie zu vermeiden.
SGLT2-Inhibitoren (Prophylaxe einer normoglykämen diabetischen Ketoazidose - Hinweise:
Bspw. Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit oder Müdigkeit. Neben dem Nachweis von Ketonkörpern im Serum und einer Azidose (pH ≤7,3) sind ein Bicarbonat ≤15 mmol/L und eine Anionenlücke >12 mmol/L (Additionsazidose) wegweisend.
Verschlechterte Oxygenierung während OP / Intubation
DOPES
Displacement (Kontrolle etCO2, Aukultation, Insspektion)
Obstruction (Absaugkatheter einführen, Okklusion, Abknicken)
Pneumothorax (Auskultation, Perkussion)
Equipment (Beatmung mit Beutel, ggf. Wechsel des Geräts)
Stomach (Anlage Magensonde)
Fiberoptische Intubation
Vorgehen bei der Wachintubation (STOP-Schema):
Sedierung: Leichte Dämpfung zur Reduktion von Husten-/Würgereflex.
Topicalize (Lokalanästhesie): Ausgiebige Betäubung der Atemwege (z.B. mit Lidocain), um Schmerzen und Abwehrreaktionen zu vermeiden.
Oxygenate (Oxygenierung): Präoxygenierung, ggf. über High-Flow-Nasalkanüle.
Perform (Durchführung): Einbringen des Bronchoskops, gefolgt vom Tubus.
Bromage Score
Beurteilung Muskelkraft untere Extremität
Grad 0 = keine motorische Blockade, freie Bewegung von Beinen und Füßen
Grad I = gestreckttes Bein kann nicht angehoben werden, nur Knieflexion mit freier Bewegung und Füßen
Grad II = keine Knieflexion mit freier Bewegung der Füße
Grad III = komplette motorische Blockade
Bei Schwangeren L2-3 -> nur bei erhaltender Muskelkraft (Bromage 0) dürfen diese rumlaufen (walking epidural)
Lokalanästhesie Intoxikation
ZNS – früh Metallischer Geschmack · periorale Taubheit · Tinnitus · Schwindel · Sehstörungen
ZNS – spät Unruhe · Verwirrtheit · verwaschene Sprache · Muskelzuckungen → tonisch-klonischer Krampfanfall → Bewusstlosigkeit
Herz – früh Bradykardie · PQ-Verlängerung · QRS-Verbreiterung · Hypotonie
Herz – spät Ventrikuläre Arrhythmien (VT, VF) · totaler AV-Block · Kreislaufkollaps · Asystolie
Sofortmaßnahmen – Reihenfolge
1. LA sofort stoppen – Injektion unterbrechen, Nadel raus
2. Hilfe rufen – Anästhesie, Reanimationsteam
3. Atemweg sichern – O₂ 100%, ggf. Intubation · Hyperventilation senkt pCO₂ → reduziert LA-Toxizität (pH-Effekt)
4. Krampfanfall behandeln – Midazolam oder Thiopental i.v.
5. Kreislauf stabilisieren – bei Arrhythmie: Reanimation nach ALS-Algorithmus
6. Intralipid 20% – das Antidot (Lipid Rescue)
Wirkmechanismus: Fettmilch bindet lipophiles LA im Blut → "Lipid Sink" → LA wird aus Gewebe herausgezogen → Herz wird entlastet
Was bei der Reanimation zu beachten ist
Adrenalin-Dosis reduzieren (≤1 µg/kg) – normale Dosis kann Toxizität verstärken
Kein Vasopressin, kein Lidocain (macht es schlimmer)
Lange Reanimation möglich – LA wird langsam umverteilt → nicht zu früh aufgeben
Herzlungenmaschine (ECMO) als ultima ratio bei refraktärem Kreislaufversagen
Prävention
Testdosis mit Adrenalinzusatz vor jeder großen Regionalanästhesie
Aspiration vor jeder Injektion
Fraktionierte Injektion (nie alles auf einmal)
Maximaldosen kennen: Bupivacain 2 mg/kg · Lidocain 3–4 mg/kg (ohne Adrenalin)
Anämische Hypoxie
Hinweise sind bspw. Tachykardie, Dyspnoe, Wandbewegungsstörungen bis hin zu zentralvenöse Sättigung <65% (normal ungefähr 75%) und Laktatazidose (pH <7,35; Laktat > 2 mmol/l)
Warum ist SvO₂ <65% ein Warnzeichen?
Weil es zeigt dass die Kompensationsreserve erschöpft wird. Wenn das Gewebe schon maximal extrahiert und das HZV schon gestiegen ist – was passiert dann wenn der O₂-Bedarf noch weiter steigt (Fieber, Stress, Operation)?
→ Das Gewebe kann nicht mehr genug O₂ bekommen → anaerobe Glykolyse → Laktat steigt → Azidose → Organversagen.
Das Elegante an der SvO₂ ist dass sie dir sagt wo das Problem liegt:
SvO₂
paO₂/SaO₂
Normal
Anämische oder zirkulatorische Hypoxie – Lunge arbeitet gut, aber Angebot zu gering
Hypoxische Hypoxie – Lunge arbeitet schlecht
Normal/↑
Histotoxische Hypoxie (z.B. CO, Zyanid) – O₂ kann nicht verwertet werden
SBAR Konzept
Zur Übergabe bei Anästhesie:
Situation (Name, Alter, Eingriff etc)
Background (intraoperative Ereignisse, Komorbiditäten, präoperative Befunde, Allergie)
Assessment (aktueller Stand der OP, verabreichte Medikamente, Monitoring, Zugägne, Blutverlust, letzte Laborwerte)
Recommendation (Anordnungen des Operateurs, Lage Drainagen, geplantes postoperatives Prozedere)
CAM-ICU – Confusion Assessment Method for the ICU
Screening-Tool für Delir beim beatmeten / nicht kommunizierenden ICU-Patienten.
4 Merkmale – Delir wenn 1+2 und (3 oder 4)
Merkmal
Positiv wenn
Akuter Beginn / fluktuierender Verlauf
Veränderung des psychischen Zustands gegenüber Ausgangszustand
Aufmerksamkeitsstörung
ASE-Test: Buchstabentest (SAVEAHAART) – Patient soll bei "A" drücken → >2 Fehler
3
Desorganisiertes Denken
4 Ja/Nein-Fragen + einfacher Befehl → >1 Fehler
4
Veränderte Bewusstseinslage
RASS ≠ 0 (also nicht alert und ruhig)
Delir = Merkmal 1 + 2 + (3 oder 4)
Voraussetzung
RASS ≥ –3 – bei tieferer Sedierung (RASS –4/–5) ist CAM-ICU nicht durchführbar → Patient nicht beurteilbar.
Behavioural Pain Scale (BPS)
Schmerzeinschätzung beim nicht kommunizierenden, beatmeten ICU-Patienten – der Patient kann seinen Schmerz nicht verbal äußern.
3 Kategorien – je 1–4 Punkte
Kategorie
1 Punkt
2 Punkte
3 Punkte
4 Punkte
Gesichtsausdruck
Entspannt
Teilweise angespannt (Stirnrunzeln)
Stark angespannt
Grimassieren
Obere Extremität
Keine Bewegung
Teilweise Beugung
Beugung mit Fingerbeugung
Dauerhafte Beugung
Beatmungstoleranz
Toleriert Beatmung
Hustet, toleriert meist
Kämpft gegen Beatmung
Beatmung nicht möglich
Minimum: 3 Punkte → kein Schmerz
Maximum: 12 Punkte → maximaler Schmerz
Zielwert: ≤5 Punkte auf ICU
Ab 6: Analgesie anpassen
Erweitertes hämodynamisches Monitoring
Pulmonalarterienkatheter (PAK) / Swan-Ganz Thermodilution über rechtes Herz · misst HZV, PCWP, SVR, PVR · heute selten wegen hoher Komplikationsrate (Arrhythmien, Pulmonalarterienruptur, Infektionen) · Goldstandard historisch, aber kaum Mortalitätsvorteil nachgewiesen
Volumenreagibilität – die entscheidende Frage
Steigert mehr Volumen das HZV (= Patient ist volumenreagibel) oder schadet es (= Patient ist bereits auf dem absteigenden Ast der Frank-Starling-Kurve)?
PiCCO (Pulse Contour Cardiac Output) Transpulmonale Thermodilution (ZVK + arterieller Katheter A. femoralis/axillaris) · misst HZV · zusätzlich: ITBV (intrathorakales Blutvolumen), EVLW (extravaskuläres Lungenwasser = Lungenödem quantifizieren) · Schlagvolumenvariation (SVV) >13% = volumenreagibel · weniger invasiv als PAK · Standard auf vielen ICUs
Ösophagusdoppler Dopplersonde im Ösophagus · misst Blutfluss in der Aorta descendens → HZV-Schätzung · minimal-invasiv · gut für intraoperatives Monitoring · eingeschränkt bei Ösophaguspathologie · gibt Vorlast und Kontraktilität an
TEE (Transösophageale Echokardiographie) Direkte Visualisierung · EF · Wandbewegungsstörungen · Füllungszustand · Klappenfunktion · Perikarderguss · sofortige Diagnose bei hämodynamischer Instabilität · kein kontinuierliches Monitoring · braucht geschulten Untersucher
PiCCO
Pulse Contour Cardiac Output
Was du brauchst
Zentraler Venenkatheter (ZVK) – zur Kältebolusgabe
Arterieller PiCCO-Katheter – A. femoralis oder A. axillaris (spezieller Katheter mit Thermistor)
Schritt 1 – Thermodilution (Kalibrierung)
Über den ZVK wird ein Kältebolus (eiskaltes NaCl, ~15 ml) injiziert. Dieser Bolus fließt durch rechtes Herz → Lunge → linkes Herz → Aorta zum PiCCO-Katheter in der Arterie.
Der Thermistor misst die Temperaturveränderung über die Zeit → daraus berechnet das System per Stewart-Hamilton-Gleichung das HZV.
Weil der Bolus die gesamte Herz-Lungen-Strecke durchquert (transpulmonal) – nicht nur den rechten Ventrikel wie beim PAK – kann PiCCO zusätzliche Volumina messen die dazwischen liegen.
Schritt 2 – Pulskonturanalyse (kontinuierlich)
Nach Kalibrierung analysiert das System die arterielle Druckkurve schlagweise → berechnet kontinuierlich HZV, Schlagvolumen und Schlagvolumenvariation ohne weitere Bolusgaben.
Kalibrierung sollte alle 8h wiederholt werden oder nach hämodynamischen Veränderungen.
Was PiCCO misst – die wichtigsten Parameter
HZV / CI (Herzzeitvolumen / Cardiac Index) Wie viel Blut pumpt das Herz pro Minute? Normal: CI 3–5 l/min/m² (Herzindex = HMV/Körperoberfläche)
ITBV (Intrathorakales Blutvolumen) Gesamtvolumen im Herz-Lungen-System → Vorlastparameter. Besser als ZVD weil weniger von Beatmungsdruck abhängig.
EVLW (Extravaskuläres Lungenwasser) Wasser das sich außerhalb der Gefäße in der Lunge befindet = Lungenödem quantifizieren. Normal <10 ml/kg. Steigt bei ARDS, Herzinsuffizienz → wichtig für Volumenmanagement.
SVV (Schlagvolumenvariation) Wie stark schwankt das Schlagvolumen mit dem Atemzyklus?
Maßnahmen beim Schock
Oxygenierung
Überwachung (Monitoring)
Zugänge legen
Hypovolämischer Schock:
Volumensubstitution: Initial ca. 500 mL balancierte Vollelektrolytlösung innerhalb ≤15 min infundieren
Medikamentöse Kreislaufunterstützung: Nur in Ausnahmefällen bei fehlendem Ansprechen auf wiederholte Volumengabe , bspw. mit Noradrenalin
Hämorrhagischer Schock:
Akute Blutstillung: Präklinisch bspw. Druckverband , Tourniquet ; in der Klinik bspw. Notfalloperation bzw. Notfallendoskopie
Volumensubstitution: Initial ca. 500 mL balancierte Vollelektrolytlösung innerhalb ≤15 min infundieren, max. 3 L innerhalb der ersten 6 h
Wiederherstellung des Blutvolumens: Primär über sog. balancierte Transfusionen mit Kombination aus Erythrozytenkonzentrat (EK) + Fresh frozen Plasma (FFP) + Thrombozytenkonzentrat (TK)
Kardiogener Schock:
Spezifische Therapie je nach Ursache, bspw.
Myokardinfarkt: Reperfusion anstreben (PTCA, Lyse)
Kardiale Dekompensation
Bei bradykarden HRST: Atropin oder Katecholamintherapie, ggf. Schrittmacherversorgung
Bei tachykarden HRST: Elektrische oder medikamentöse Therapie je nach spezifischer Rhythmusstörung
qSOFA
V.a. Sepsis wenn 2 von 3 Punkten erfüllt:
Verändertes Bewusstsein: GCS < 15
Atemfrequenz > 22/min
systolischer Blutdruck < 100 mmHg
positiv ist erster Hinweis auf Sepsis (keine Diagnose), dennoch:
Sepsistherapie beginnen
Intensivierung des Monitorings
Suche nach Organdysfunktion mit SOFA
Sepsis - Definiition und Pathophysiologie
lebenssgefährliche Organdysfunktion, durch fehlregulierte Reaktion des Organismus auf eine Infektion
immer Infektion als Ursache
Häufigster Fokus: Pneumonie
Weitere (in absteigender Häufigkeit): Gastrointestinale Infektionen, Harnwegsinfektionen, Haut- und Weichgewebeinfektionen, Fremdmaterialassoziierte Infektionen, ZNS-Infektionen
Fehlregulierte Reaktion des Organismus durch Dysbalance zwischen pro- und antiinflammatorischen Mediatoren
lebensgefährliche Organdysfunktion (welches Organ siehe SOFA Score)
Pathophysiologie: Durch Bakterien (und ihree PAMPS) überschießende Aktivierung des Immunsystems
Endothelzellfunktion und Kapillarleck (Vasodilatation, Austritt von Flüssigkeit und anderen Blutbestandteilen (Albumin!) aus dem Blutgefäßsystem → Generalisierte und sich weiter verstärkende Ödembildung)
Blutgerrinung
Gerinnungsaktivierung durch vermehrte Bildung von Gewebefaktor („Tissue Factor“) auf Endothelzellen und Monozyten → Vermehrte Thrombinbildung → Störungen des Protein-C-Protein-S-Systems → Mikrothrombosierung
Störung der Fibrinolyse → In der Summe überwiegen prokoagulatorische Tendenzen → Gefahr einer disseminierten intravasalen Gerinnung (DIC, Verbrauchskoagulopathie)
Betroffene Organe
Herz: Septische Kardiomyopathie
Lunge: ARDS
ZNS: Septische Enzephalopathie
Niere: Akute Nierenfunktionseinschränkung
Leber: Leberversagen
Darm: Paralytischer Ileus
Sepsis - klinisches Bild
Kardinalsymptome
Deutlich reduzierter Allgemeinzustand (häufig erster Hinweis)
Fieber, Schüttelfrost, seltener Hypothermie
Bewusstseinsstörungen
Hypotonie, Tachykardie
Tachypnoe, Dyspnoe
Weitere typische Symptome
Initial oft warme Akren
Im Verlauf: Zeichen der Kreislaufzentralisation
Kalte Akren, ggf. Kaltschweißigkeit
Marmorierte, kühle Haut
Verlängerte Rekapillarisierungszeit
Reduzierte Diurese
Periphere Ödeme bei zunehmendem Kapillarleck
Ggf. Petechien bei Thrombopenie (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom)
Weitere mögliche Symptome je nach Fokus
Pneumonie: Dyspnoe und Husten
Abdomineller Fokus: Akutes Abdomen, Diarrhö
Urosepsis (Pyelonephritis): Dysurie, Pollakisurie, Algurie, Flankenschmerzen
Katheterassoziierte Sepsis: Lokale Entzündungszeichen an der Einstichstelle
Meningitis: Kopfschmerzen, Meningismus
Sepsis - Behandlung
Basismaßnahmen:
Anamnese
Körperliche Untersuchung
periphervenöse BK
Sepsisfokus suchen:
Pneumonie: Röntgen Thx
Implantierte Fremdkörper / Katheter: Abnahme BK (Time to positivity)
HWI: U-Stix, U-Kultur
Abdominelle Infektionen: Sono, CT, Abstriche
Meningitis: LP
Notfallmanagement:
Sanierung Infektfokus (innerhalb 6-12h)
Antibiotikatherapie (innerhalb einer Stunde): Tarragona Strategie
Supportiv: Hämodynamische Stabilisierung (Ziel MAP >65 mmHg mit VES (30 ml/kgKG in 3h) / Katecholamine)
Beispieltherapie Antibiose:
Typische Erreger
Empirische Therapie (Beispiel)
VAP – early onset (<5 Tage)
S. pneumoniae · H. influenzae · MSSA
Aminopenicillin + BLI oder Cephalosporin 3. Gen.
VAP – late onset (≥5 Tage)
P. aeruginosa · MRSA · Acinetobacter · ESBL
Piperacillin/Tazobactam oder Carbapenem + ggf. Vancomycin
Septischer Schock unbekannte Quelle
Breit → gram+ und gram-
Carbapenem + Vancomycin · Antimykotikum bei Risiko
Nach Kulturergebnis (De-Eskalation)
Zielkeim bekannt
Schmalspektrum gezielt → kürzer, besser verträglich
Sepsis - Initialtherapie bei unbekanntem Fokus
Nosokomiale Infektion
Ambulant erworbene Infektion
Sepsis
Piperacillin/Tazobactam
Bei Risikofaktoren für MRSA zusätzlich Linezolid
Piperacillin/Tazobactam oder Cefotaxim
Septischer Schock
Piperacillin/Tazobactam oder Cefepim oder Meropenem
Plus Linezolid oder Daptomycin
Bei Risikofaktoren für MRGN zusätzlich Ciprofloxacin oder Levofloxacin oder Fosfomycin
Lactat messen und wiederholt kontrollieren (bis zum Abfall auf <2 mmol/L)
Blutkulturen vor Beginn der antibiotischen Therapie entnehmen
Kalkulierte Antibiotikatherapie beginnen („Hit hard and early“)
Volumentherapie beginnen (30 mL/kgKG balancierte Vollelektrolytlösung innerhalb der ersten 3 h)
Vasopressoren verabreichen bei arteriellem Mitteldruck <65 mmHg trotz Volumentherapie
PCT – Biomarker zur Therapiesteuerung
Procalcitonin fällt bei erfolgreicher Therapie um ≥80% zum Ausgangswert → Therapieende erwägen. Steigt PCT trotz Therapie → Versagen, Fokussuche, Umstellung.
DIC (dissemenierte intravasale Gerinnung)
Typische PICS-assoziierte Erkrankungen
Critical-Illness-Polyneuropathie (CIP)
Häufige Erkrankung ungeklärter Ursache bei beatmeten Intensivpatient:innen (bspw. mit Sepsis oder Multiorganversagen), bei der es zu einer axonalen Schädigung vorwiegend motorischer Neuronen kommt
Critical-Illness-Myopathie
Intensive Care Unit-acquired Weakness (ICU-AW)
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Neurokognitive Störungen
ARDS - Definition
Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) ist eine massive Reaktion der Lunge auf diverse schädigende Faktoren und geht mit einer schweren Einschränkung der Oxygenierung einher.
Symptomatik
Akut innerhalb einer Woche nach einem Ereignis
oder
Verschlechterung respiratorischer Symptome
Radiologie: Beidseitig diffuse Infiltrate im Röntgen-Thorax
Voraussetzung: Nicht erklärbar durch Pleuraerguss, Atelektase oder Raumforderung
Atemmechanik: Respiratorisches Versagen (Ödembedingt kommt es zu einer verlängerten alveolo-arteriellen Diffusionsstrecke, Verminderung der Compliance und vermehrten Atemarbeit. Im Verlauf führt dies zu einer respiratorischen Erschöpfung, die häufig eine maschinelle Beatmung nach sich zieht.)
Voraussetzung: Nicht durch kardiale Ursachen oder Volumenüberschuss zu erklären
Labor: Horovitz-Quotient (maßgeblicher Parameter für die Schweregradeinteilung des ARDS)
ARDS ist eher “Syndrom”, daher Ätiologie sehr unterschiedlich (zum Beispiel):
direkt pulmonal: Pneumonie, LAE, chemische Reizung (z.B. Aspiration), mech Schädigung (z.B. Kontusion)
indirekte, systemische Auslöser: Infektion (Sepsis), SIRS, Störung Mikrozirkulation (Schock), DIC, Toxine
Die Ursache eines ARDS ist in den meisten Fällen eine Pneumonie oder eine extrapulmonale Sepsis!
Ein ARDS ist dann wahrscheinlich, wenn ein typischer Auslöser vorliegt, eine therapierefraktäre arterielle Hypoxämie besteht und im Röntgen die relevanten Veränderungen ohne relevante kardiale Pathologie zu sehen sind!
ARDS - Pathophysiologie
Störung der Luft-Blut-Schranke (alveolo-kapillären Schranke)
Folge: Nicht-kardiales Lungenödem, Hypoxämie
Verminderung von Surfactant
Folge: Alveolarkollaps, Atelektasen
Perfusion nicht-belüfteter Lungenabschnitte
Folge: Intrapulmonaler Rechts-links-Shunt
Pulmonalarterielle Druckerhöhung
Hypoxämie → Hypoxische pulmonale Vasokonstriktion (Euler-Liljestrand-Mechanismus) → Widerstandserhöhung
Folge: Rechtsherzbelastung
Inflammation
Folge: Verstärkung der inflammatorischen Prozesse, Organversagen (Niere, Leber)
Circulus vitiosus: Schädigung von Endothel und Epithel ↔︎ Proteinreiches Ödem ↔︎ Inhomogene Belüftung ↔︎ Mechanische Belastung ↔︎ Verstärkung der Entzündungsreaktion ↔︎ Weitere Schädigung
Schockformen
Der Begriff „Schock“ bezeichnet – unabhängig von der Ursache – ein Missverhältnis zwischen Herzminutenvolumen und erforderlicher Gewebedurchblutung mit daraus folgender unzureichender Sauerstoffversorgung. Es kommt zu einer verminderten Kapillardurchblutung sowie einer Gewebehypoxie mit lebensbedrohlicher Störung des Stoffwechsels und der Zellfunktion.
Distributiver Schock
Definition: Schock durch Verteilungsstörung des Blutvolumens, im Allgemeinen durch vaskuläre Dysfunktion
Unterformen
Anaphylaktischer Schock: Allergische Erkrankungen
Septischer Schock: SIRS/Sepsis
Neurogener Schock
Hypovolämischer Schock
Hypovolämischer Schock im engeren Sinn
Definition: Schock durch kritische Verminderung des zirkulierenden Plasmavolumens (Hypovolämie) und folglich Abnahme von Vorlast und Schlagvolumen
Häufige Ursachen
Kutane Verluste: Großflächige Verbrennungen
Renale Verluste: Diabetes insipidus
Gastrointestinale Verluste: Durchfall und Erbrechen (insb. bei Kindern), Stomata
Verluste in den dritten Raum: Flüssigkeitsverschiebungen bspw. im Rahmen von Pankreatitis, Leberversagen, Ileus
Hämorrhagischer Schock
Definition: Schock durch kritische Verminderung des Plasmavolumens und der Erythrozytenzahl
Häufige Ursachen: Starker Blutverlust
Kardiogener Schock
Definition: Schock durch kritische Verminderung der kardialen Pumpleistung
Myokardinfarkt
Kardiomyopathie
Myokarditis
Herzklappenvitien
Akut dekompensierte chronische Herzinsuffizienz
Sonderform „rhythmogener Schock“: Bradykarde oder tachykarde Herzrhythmusstörungen mit Kreislaufversagen
Obstruktiver Schock
Definition: Verminderung des Herzzeitvolumens durch vaskuläre Obstruktion
Lungenembolie
Perikardtamponade
Aortendissektion
Spannungspneumothorax
Kompressives Mediastinalemphysem
Vena-cava-Kompressionssyndrom
Streptokokken
α-hämolysierende Streptokokken:
S. pneumoniae: Führt zu Pneumonie, Meningitis, Otitis media, Sinusitis und Sepsis, vor allem bei asplenischen Personen .
Viridans-Streptokokken: Teil der Mundflora; verursachen Endokarditis lenta und Karies .
β-hämolysierende Streptokokken:
Gruppe A (S. pyogenes): Erreger von Tonsillopharyngitis, Scharlach und Weichteilinfektionen .
Gruppe B (S. agalactiae): Wichtiger Erreger neonataler Sepsis und Meningitis .
Schockindex (nach Allgöwer)
SI = Herzfrequenz/systolischer Blutdruck
Ein Wert >1 deutet auf einen Schock hin (normal 0,4-0,7)
ARDS - Symptome
Klinisches Stadium 1: 12–24 h nach auslösendem Ereignis
Subjektiv beginnende Luftnot → Tiefe, schnelle Atmung
Unruhe, Tachykardie
Stressbedingt eher hypertone Kreislaufverhältnisse
Auskultationsbefund ggf. noch unauffällig
Klinisches Stadium 2: Innerhalb der ersten 7 Tage
Zunehmende Erschöpfung durch vermehrte Atemarbeit
Zyanose, ausgeprägte Luftnot
Feinblasige Rasselgeräusche
Klinisches Stadium 3: Etwa nach 7 Tagen
Abnahme der alveolären Gasaustauschfläche (manchmal nur noch bis zu 20-30% “baby lung”)
Zunehmende Totraumventilation durch Mikrothrombenbildung in den Lungenkapillaren
I.d.R. maschinelle Beatmung erforderlich
Häufig begleitende Hypotonie mit Katecholaminbedarf
ARDS - Therapie
kausale Therapie des auslösenden Faktors
lungenschonende Beatmung (bevorzugt mit eigenem Atemantrieb (zB NIV, High Flow Sauerstoff; ansonsten auch invasive kontrollierte Beatmung mit niedrigen Drücken (protektiv) -> damit die wenigen vitalen Lungenareale nicht noch mehr zerstört werden)
u.a. Bauchlagerung wegen besserer Ventilation / Perfusion
bei ausbleibender Besserung: Extrakorporale Unterstützungssysteme
Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO)
Veno-venöse ECMO (vvECMO)
Funktion: Partielle oder vollständige Übernahme der Lungenfunktion
Voraussetzung: Intakte Pumpfunktion des Herzens
Blutentnahme: V. cava inferior (typischerweise via V. femoralis)
Rückgabe: Rechter Vorhof (typischerweise via V. jugularis interna)
Veno-arterielle ECMO (vaECMO)
Funktion: Partielle oder vollständige Übernahme der Herz- und Lungenfunktion
Blutentnahme: Rechter Vorhof (typischerweise via V. femoralis)
Rückgabe: Aorta abdominalis (typischerweise via A. femoralis)
Maximalvariante der Sepsis mit
Notwendigkeit einer Katecholamintherapie aufgrund einer anhaltenden arteriellen Hypotonie (MAP <65 mmHg trotz adäquater Volumengabe)
UND
Serumlactat >2 mmol/L (>18 mg/dL)
Tarragona Strategie (Antibiose bei Sepsis)
SOFA Score
Sepsis-3 Definition – SOFA-Kriterium
Infektionsverdacht + akuter SOFA-Anstieg ≥2 Punkte gegenüber Ausgangswert
Sepsis + Vasopressorbedarf (MAP ≥65 mmHg) + Laktat >2 mmol/l trotz Volumen (30 ml/kg innherhalb von 3h)
Organsystem
Kreislaufsystem
Blut
ZNS
Horovitz-Quotient
Kreatinin (mg/dL)
Bilirubin (mg/dL)
MAP (mmHg) ± Katecholamine
Thrombozytenzahl
GCS
0 Punkte
≥400 mmHg
<1,2
≥70
≥150/nL
15
<400 mmHg
1,2–1,9
<70
<150/nL
13–14
<300 mmHg
2,0–3,4
2,0–5,9
Niedrige Katecholamindosis
<100/nL
10–12
<200 mmHg
3,5–4,9 bzw. Oligurie
6–11,9
Mittlere Katecholamindosis
<50/nL
6–9
<100 mmHg
≥5 bzw. Anurie
≥12
Hohe Katecholamindosis
<20/nL
<6
Beurteilung: Vorliegen einer Sepsis bei (vermuteter) Infektion und Anstieg des SOFA-Scores um ≥2 Punkte [3]
Interpretation Gesamtscore (0–24 Punkte)
Mortalität (ca.)
0–6
<10%
Geringe Organdysfunktion
7–9
~15–20%
Moderate Dysfunktion
~40–50%
Erhebliche Dysfunktion
~50–60%
Schwere Dysfunktion
≥15
>80%
Kritisches Multiorganversagen
Blutstrominfektion mit Staphylococcus aureus
postoperative DIC
besonders bei OP an den 4Ps (weil thrombokinasereiche Organe)
Pulmo
Prostata
Pankreas
Plazenta
Evaluation Volumenreagibilität
Passive Leg Raising Test
Autotransfusion
Interpretation: Folgende Veränderungen innerhalb der 1. Minute sprechen für einen Volumenbedarf
Anstieg des Herzzeitvolumens um 8–12% des Ausgangswerts
Relevante Abnahme der Pulsdruckvariation
Sonographie VCI
Interpretation: Vorhersage der Volumenreagibilität anhand des Füllungszustands der V. cava inferior (als Anhalt für intravasales Volumen)
Ansprechen auf Volumengabe wahrscheinlich bei
Endexspiratorischem Gefäßdurchmesser ≤13 mm [20]
Respiratorischer Variation des Gefäßdurchmessers >12% (bei maschineller Beatmung)
Ansprechen auf Volumengabe unwahrscheinlich bei endexspiratorischem Gefäßdurchmesser ≥25 mm
Schlagvolumenvariation (SVV)
Schwankungsbreite des Schlagvolumens während eines Atemzyklus. Ermittelt wird die SVV, indem die Differenz zwischen dem maximalen und minimalen Schlagvolumen durch das mittlere Schlagvolumen dividiert wird. Im Rahmen des hämodynamischen Monitorings wird sie zur Beurteilung der Volumenreagibilität herangezogen (Normwert: <10%).
Nierenersatzverfahren
Hämodialyse (HD)
Prinzip: Diffusion – Giftstoffe wandern entlang eines Konzentrationsgradienten durch eine semipermeable Membran in die Dialysatlösung.
Gut für: kleine wasserlösliche Moleküle (Harnstoff, Kreatinin, Kalium) · schnelle Elektrolytkorrektur · intermittierend (3–4h, 3×/Woche)
Nachteil: hämodynamisch belastend → auf ICU oft nicht toleriert
Hämofiltration (HF)
Prinzip: Konvektion – Wasser wird unter Druck durch die Membran gepresst und reißt gelöste Stoffe mit (wie ein Sieb). Kein Dialysat nötig.
Gut für: mittlere Moleküle · kontinuierlich auf ICU (CVVH) → hämodynamisch schonend
Nachteil: langsamer als HD bei kleinen Molekülen
Hämodiafiltration (HDF)
Kombination aus beiden → Diffusion + Konvektion gleichzeitig → breites Spektrum · Standard auf ICU (CVVHDF)
Plasmapherese
Prinzip: Plasma wird komplett abgetrennt und verworfen → Ersatz durch Albumin oder FFP. Entfernt große Moleküle (Antikörper, Immunkomplexe) die Dialyse/Filtration nicht erreicht.
Indikation: Guillain-Barré · TTP · Myasthenia gravis · Goodpasture
Akutes Lungenversagen (ARDS)
Berlin-Definition 2012 – alle 4 Kriterien müssen erfüllt sein
Anforderung
Zeitlicher Beginn
Innerhalb von 1 Woche nach bekanntem Auslöser oder neue/verschlechterte respiratorische Symptome
Bildgebung
Bilaterale Infiltrate im Röntgen/CT – nicht vollständig durch Erguss, Atelektase oder Knoten erklärbar
Ödemursache
Nicht primär durch Herzinsuffizienz oder Volumenüberlastung erklärbar (ggf. Echo zum Ausschluss)
Oxygenierung (Horovitz)
PEEP ≥5 cmH₂O erforderlich → dann Schweregrad bestimmen
Schweregrade nach Horovitz-Index (paO₂/FiO₂)
Schweregrad
Horovitz (mmHg)
Mortalität
Klinisch
Leicht
200–300
~27%
Noch O₂-Maske möglich, frühzeitige Intervention entscheidend
Mittelschwer
100–200
~32%
Meist Intubation nötig · Bauchlage erwägen
Schwer
<100
~45%
Bauchlage obligat · ECMO erwägen
Lungenprotektive Beatmung
Zielwert
Tidalvolumen
6 ml/kg ideales KG
Volutrauma vermeiden
Plateaudruck
<30 cmH₂O
Barotrauma vermeiden
Driving Pressure
<15 cmH₂O
Plateaudruck – PEEP → bester Mortalitätsprädiktor
PEEP
individuell titriert, meist 8–15 cmH₂O
Atelektrauma vermeiden · Rekrutierung
FiO₂
so niedrig wie möglich bei SpO₂ 88–95%
O₂-Toxizität vermeiden
paCO₂
permissive Hyperkapnie bis 80 mmHg toleriert
Lungenprotektion geht vor Normokapnie
Atemfrequenz
16–35/min (CO₂-Elimination)
Ausgleich kleines Tidalvolumen
Eskalationstherapie – Stufenplan
Lungenprotektive Beatmung (immer Basis)
Bauchlage ≥16h/d bei Horovitz <150 → Mortalitätssenkung nachgewiesen (PROSEVA-Studie) → Rekrutierung dorsaler Alveolen, bessere V/Q-Verteilung
Neuromuskuläre Blockade (Cisatracurium 48h) bei schwerem ARDS → verhindert Atemarbeit gegen Beatmung (P-SILI)
Inhalatives NO / Prostacyclin → selektive pulmonale Vasodilatation → V/Q-Verbesserung → kurzfristige Oxygenierungsverbesserung, kein Mortalitätsvorteil
ECMO (vv-ECMO) bei Horovitz <80 trotz optimaler Therapie → externe Oxygenierung → "Lungenruhe" → EOLIA-Studie: Trend zu Vorteil, kein signifikanter Mortalitätsvorteil aber Rettungstherapie etabliert
Horovitz Quotient
Horovitz = paO₂ ÷ FiO₂
paO₂ in mmHg · FiO₂ als Dezimalzahl (z.B. 0,21 = Raumluft · 1,0 = 100% O₂)
Referenzwerte
Horovitz
ARDS-Grad
≥400
Normale Lungenfunktion
300–400
Leichte Einschränkung
Relevante Oxygenierungsstörung
Leichtes ARDS
Schwere Oxygenierungsstörung
Mittelschweres ARDS
Kritische Oxygenierungsstörung
Schweres ARDS → ECMO erwägen
Warum der Quotient so wichtig ist – der entscheidende Vergleich
Patient
paO₂
Gesund (Raumluft)
95 mmHg
0,21
452
Normale Lunge
Krank (100% O₂)
150 mmHg
1,0
150
Schweres ARDS
Ohne Horovitz würde man sagen: Patient mit 150 mmHg ist besser als Patient mit 95 mmHg. Mit Horovitz sieht man sofort: Patient mit 95 mmHg hat eine gesunde Lunge, Patient mit 150 mmHg eine schwer kranke. Der Quotient macht diese Vergleiche erst möglich.
Lungenödem bei Berlin Kriterien: Unterscheidung hydrostatisches Lungenödem wg Linksherzinsuffizienz oder Ödem durch Entzündung (ARDS)
ARDS
Kardiogenes Ödem
Ursache
Entzündung / Permeabilität
Hydrostatisch / Herzversagen
Ödemflüssigkeit
Proteinreich
Proteinarm
PCWP
Normal (<18 mmHg)
Erhöht (>18 mmHg)
Echo
Normale EF (oft)
Eingeschränkte EF / Dilatation
Ansprechen auf Diuretika
Kaum
Gut
Vorgeschichte
Infekt, Sepsis, Trauma
Herzinsuffizienz, Klappenfehler
Behandlung je nach Ursache:
Volumen
Restriktiv · negative Bilanz
Diuretika sofort
Alveolen offen halten
Vor-/Nachlastsenkung
NIV
Möglich (leichtes ARDS)
Sehr effektiv, oft dramatisch
Nitrate
Nicht indiziert
Ja – Nachlastsenkung
Supportiv, nicht kausal
Kausal, sofort
Nur bei kardiogenem Schock
Bei schlechter EF
Bauchlage
Ja (Horovitz <150)
Nein
Ziel
Lungenprotektion + Ursache
Druckentlastung des Herzens
Maschinelle Beatmungszyklen bei kontrollierter Beatmung
Akute Nierenschädigung Allgemein
KDIGO (Kidney Disease: Improving Global Outcomes) -Definition – eines der drei Kriterien reicht
Schwellenwert
Kreatinin-Anstieg absolut
≥0,3 mg/dl innerhalb 48h
Kreatinin-Anstieg relativ
≥1,5-fach des Ausgangswertes innerhalb 7 Tage
Urinausscheidung
<0,5 ml/kg/h für ≥6h
Stadien nach KDIGO
Stadium
Kreatinin
1,5–1,9× Ausgangswert oder ↑ ≥0,3 mg/dl
<0,5 ml/kg/h für 6–12h
2,0–2,9× Ausgangswert
<0,5 ml/kg/h für ≥12h
≥3× Ausgangswert oder Kreatinin ≥4,0 mg/dl oder Nierenersatztherapie
<0,3 ml/kg/h für ≥24h oder Anurie ≥12h
Prärenal
Renal (ATN)
Postrenal
Zu wenig Durchblutung
Tubulus direkt geschädigt
Abfluss blockiert
Schock · Hypovolämie · Herzinsuffizienz · NSAR · ACE-Hemmer
Kontrastmittel · Aminoglykoside · Myoglobin · prolongiertes Prärenal
BPH · Stein · Tumor · Katheter verstopft
Urin-Na⁺
<20 mmol/l
>40 mmol/l
Variabel
FENa
<1%
>2%
Urin-Osmolalität
>500 (konzentriert)
<350 (verdünnt)
Sono
Unauffällig
Hydronephrose!
Volumen gibt
Hilft sofort
Hilft nicht
Volumen · Ursache
Nephrotoxine stoppen · supportiv
Katheter · DJ-Stent · Nephrostomie
Nephrotoxische Medikamente:
NSAR
Schleifendiuretika (Furo, Torem)
Antibiotika (Aminoglykoside (Gentamicin) oder Vancomycin)
Iodhaltige KM
ACE-Hemmer, AT-1 Antagonisten
Akute Nierenschädigung - Symptome
Oligurie (<0,5 ml/kg/h) oder Anurie – oft erstes Zeichen
Ödeme – Wassereinlagerung durch fehlende Ausscheidung
Hyperkaliämie – Muskelschwäche, EKG-Veränderungen, Arrhythmien → lebensbedrohlich
Metabolische Azidose – Hyperventilation (Kussmaul-Atmung), Erschöpfung
Überwässerung → Lungenödem, Hypertonie
Urämie (bei schwerer/chronischer Niere) – Übelkeit · Erbrechen · Enzephalopathie (Verwirrtheit, Koma) · Perikarditis · Juckreiz
Akute Nierenschädigung - Ursachen
Prärenal (~60%)
Hypoperfusion der Niere · Hypovolämie (absoluter Volumenmangel) · Schock · Herzinsuffizienz (relativerr Volumenmangel) · Sepsis · NSAR / ACE-Hemmer
Renal (~35%)
Akute Tubulusnekrose (ATN, häufigste renale Ursache, z.B. bei Sepsis) · Glomerulonephritis · interstitielle Nephritis · Kontrastmittel · Aminoglykoside
Postrenal (~5%)
Abflussstörung · Harnleiterstein · BPH · Blasentumor · retroperitoneale Fibrose
Indikationen Nierenersatztherapie – AEIOU
Akute Nierenschädigung - Behandlung
Therapie – Stufenplan
Ursache behandeln – Volumen bei Hypovolämie · Obstruktion beseitigen · nephrotoxische Medikamente stoppen (NSAR, ACE-Hemmer, Aminoglykoside, KM)
Hämodynamik optimieren – MAP ≥65 mmHg sichern · Noradrenalin wenn nötig · ausreichende Nierendurchblutung
Hyperkaliämie behandeln – Kalzium i.v. (Membranstabilisierung) · Insulin + Glukose · Bikarbonat · Kayexalat · bei K⁺ >6,5 oder EKG-Veränderungen → sofort
Azidose puffern – Bikarbonat i.v. bei pH <7,1
Volumenüberladung – Furosemid (steigert Urinfluss, verbessert aber nicht Prognose) · bei Versagen → Nierenersatztherapie
Nierenersatztherapie (RRT) – CVVHDF auf ICU · Hämodialyse
Maligne Hyperthermie (MH)
Lebensbedrohliche pharmakogenetische Reaktion des Skelettmuskels – ausgelöst durch Triggersubstanzen bei genetisch prädisponierten Patienten. Autosomal-dominant, Mutation meist am Ryanodin-Rezeptor (RYR1) → unkontrollierte Ca²⁺-Freisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum → Muskelrigidität + Hypermetabolismus.
Triggersubstanzen
Alle volatilen Anästhetika (Sevo, Des, Iso, Halothan)
Keine Trigger: Propofol · Opioide · Benzodiazepine · Lokalanästhetika · nicht-depolarisierende Relaxanzien → TIVA ist sicher
Hyperkapnie (etCO₂ ↑↑) → frühestes Zeichen!
Muskelrigidität (Masseterspasmus nach Succinylcholin = Warnsignal)
Hyperthermie → oft spät, aber Leitsymptom im Namen
Schritt
1. Sofort
Alle Trigger stoppen · Inhalativum aus · Succinylcholin aus
2. Dantrolеn
2,5 mg/kg i.v. Bolus → wiederholen alle 5 min bis Symptome sistieren · max. 10 mg/kg · Dantrolеn muss immer verfügbar sein wo Triggersubstanzen eingesetzt werden
3. Hyperventilation
FiO₂ 1,0 · hohe Atemfrequenz → CO₂ abatmen
4. Kühlen
Eiswasser · Kühldecken · kalte Infusionen
5. Azidose
Bikarbonat i.v.
6. Hyperkaliämie
Ca2+ · Insulin + Glukose
7. Diurese
Forcierte Diurese → Myoglobin ausspülen → Nierenversagen verhindern
8. Monitoring
Arterielle Kanüle · ZVK · BGA alle 15 min · CK-Verlauf
Dantrolen: Blockiert den Ryanodin-Rezeptor → hemmt Ca²⁺-Freisetzung aus SR → Muskelrigidität und Hypermetabolismus sistieren. Einziges kausales Antidot.
Maschinelle Beatmung
Volumenkontrolliert vs Druckkontrolliert
Volumenkontrolliert = vorgeschriebenes Tidalvolumen, daher auch bis zu einem Spitzendruck (Ppeak) und no flow zeit in Inspiration
Konstantes Atemminutenvolumen auch bei Änderungen der intra- bzw. extrapulmonalen Druckverhältnisse
Potenziell hoher Atemwegsspitzendruck (ppeak) → Gefahr des Barotraumas
Druckkontrolliert = Druck wird erreicht und treibende Kraft ist der Druckunterschied zwischen Gerät und Alveole, daher auch deszendierender Flow
Gute Kontrolle des Atemwegsspitzendrucks (ppeak) → Geringere Gefahr eines Barotraumas
Dezelerierender Inspirationsflow und kontinuierliches inspiratorisches Druckniveau → Günstiger Effekt auf Eröffnung der Alveolen
Plötzliche Änderungen der intra- bzw. extrapulmonalen Druckverhältnisse (bspw. Bronchospasmus, Anlage eines Kapnoperitoneums) beeinflussen das resultierende Tidalvolumen (und damit auch das Atemminutenvolumen) bei gleichbleibendem pinsp maßgeblich. Ohne eine entsprechende Anpassung ist eine adäquate Ventilation dann nicht mehr sichergestellt.
Die druckkontrollierte Beatmung birgt das Risiko einer unbeabsichtigten Hypoventilation bzw. Hyperventilation!
Atelektase
1) Resorptionsatelektase: Atelektase aufgrund einer Resorption von Atemgas bei niedrigem Ventilations-Perfusions-Verhältnis, bspw. bei Verlegung der Atemwege (Obstruktionsatelektase)
—> auch möglich bei langer Beatmung mit FiO2 1,0, weil dann Sauerstoff schnell resorbiert wird und andere Gase die Alveole nicht mehr aufhalten
2) Kompressionsatelektase: Atelektase aufgrund einer Kompression der Lunge außen, bspw. durch einen Pleuraerguss oder bei Zwerchfellhochstand
3) Entspannungsatelektase: Atelektase aufgrund eines Pneumothorax
4) Kontraktionsatelektase: Atelektase aufgrund einer Vernarbung oder Fibrosierung der Lunge, bspw. bei Lungenfibrose oder Tuberkulose
5) Adhäsionsatelektase: Atelektase aufgrund eines Surfactant-Mangels, beim Erwachsenen bspw. bei Schocklunge (ARDS)
Der Nachweis einer Atelektase erfordert das Vorliegen einer homogenen Verschattung mit gleichzeitigen Zeichen einer Volumenminderung!
Definition: Kongenitale Fehlbildung mit funktionsunfähigem Lungengewebe, das nicht an den Bronchialbaum angeschlossen ist und folglich nicht am Gasaustausch teilnimmt
Blutversorgung erfolgt meist direkt aus der Aorta
Symptomatik: Meist keine klinischen Symptome
Befund: Radiologisch imponieren isolierte Lungenabschnitte, die sich als zystische, oft zwerchfellnahe Raumforderungen darstellen und mit Luft oder Flüssigkeit gefüllt sein können
„permissive Hyperkapnie“
Bei schwerem Lungenversagen ist es wichtiger, große Tidalvolumina zu vermeiden, als die Normokapnie zwingend einzuhalten
Positiver endexspiratorischer Druck (PEEP)
Vorteile (milder bis moderater PEEP)
Vermeidung von Atelektasen und Wiedereröffnung kollabierter Alveolen
Verbesserung der Compliance der Lunge
Potenzielle Nachteile (insb. bei hohem PEEP )
Erhöhung des intrapulmonalen Drucks
Pulmonale Überblähung → Compliance der Lunge↓
Erhöhung des intrathorakalen Drucks
Venöser Rückstrom↓ → Herzzeitvolumen↓ mit systemischer Hypotension
Continuous Positive Airway Pressure (CPAP)
Grundprinzip: Spontanatmung mit kontinuierlichem PEEP
Beatmungsgerät gibt FiO2 und PEEP vor
Patient:in bestimmt Atemfrequenz und Tidalvolumen
Biphasic Positive Airway Pressure (BIPAP)
Was in der Inspiration passiert
Patient beginnt zu atmen → Gerät erkennt den Atemversuch (Triggerung durch Fluss- oder Druckabfall) → wechselt auf IPAP → Druck steigt → Atemzug wird unterstützt → Lunge füllt sich besser als ohne Gerät.
Was in der Exspiration passiert
Patient atmet aus → Gerät wechselt zurück auf EPAP → niedrigerer Druck hält die Atemwege offen → verhindert Alveolarkollaps → entspricht dem PEEP beim invasiven Beatmeten.
Kapnographie
Beginn der Exspiration: Schneller Anstieg des exspiratorischen CO2 (Entleerung des Totraumvolumens)
Plateau (alveoläres Gas, das am Gasaustausch teilgenommen hat)
Höchster Punkt der CO2-Konzentration (endtidaler CO2-Partialdruck)
Schneller Abfall der CO2-Konzentration bei Inspiration (Inspirationsgas enthält fast kein CO2)
Pathologische Kapnographie
1) Unauffälliger Befund
2) Erhöhte Kurve: Form und Verlauf vergleichbar mit normaler Kapnografie. Die Kurve ist insg. nach oben gestreckt und das exspiratorische CO2 steigt über den normalen Wert an (>45 mmHg). Mögliche Ursachen: Hypoventilation, vermehrte Produktion von CO2 (z.B. maligne Hyperthermie).
3) Erniedrigte Kurve: Form und Verlauf vergleichbar mit normaler Kapnografie. Die Höhe des exspiratorischen CO2 erreicht jedoch nicht den normalen Wert (<30 mmHg). Mögliche Ursachen: Hyperventilation, verminderter Stoffwechsel (Hypothermie).
4) Schräges/Fehlendes Plateau: Der steile Anstieg zu Beginn ist verkürzt und die Kurve flacht ab. Grund kann eine verzögerte Entleerung der Alveolen sein, z.B. bei Obstruktion. Ein vergleichbares Bild zeigt sich jedoch auch bei Teilverschluss oberer Atemwege oder Tubusverlegung.
5) Unterbrechung des Kurvenverlaufs: Typischer Kurvenverlauf wird durch Ausschläge nach oben oder unten gestört. Meist unregelmäßiges Auftreten und anschließend Rückkehr zur normalen Kurve. Mögliche Ursachen: Gegenpressen, spontane Atemzüge.
6) Oszillation: In der Inspiration zeigen sich im abfallenden Teil der Kurve schnelle zyklische Schwankungen, wobei die einzelnen Ausschläge stetig sinken. Typischerweise pulssynchron und durch den Herzschlag bedingt (kardiogene Oszillation).
7) Fehlender Abfall auf Null: Form und Verlauf vergleichbar mit normaler Kapnografie. Die gesamte Kurve ist nach oben verschoben, sodass zum Beginn der Exspiration bereits Werte über Null bestehen. Entsprechend erreicht die Kurve in ihrem Maximum ebenso erhöhte Werte. Nach dem Absinken in der Inspiration bleibt der CO2-Wert über Null. Mögliche Ursache: Rückatmung von CO2 bei verbrauchtem Atemkalk.
8) Abflachen der Kurve: Die zunächst normale Kurve flacht von Atemzug zu Atemzug ab. Mögliche Ursachen: Fehlintubation mit Abatmen von CO2 aus dem Magen, Verminderung der pulmonalen Durchblutung (Hypotension, Lungenembolie), abnehmendes Herzzeitvolumen.
intraoperativen Lungenembolie
Bei der intraoperativen Lungenembolie zeigen sich ein niedriges exspiratorisches CO2 (aufgrund der verminderten pulmonalen Perfusion) und ein gleichzeitig erhöhter paCO2 im Blut (aufgrund des gestörten Abtransportes von CO2).
Malignes neuroleptisches Syndrom
DD Maligne Hyperthermie
Als wichtigster ätiologischer Faktor für die Entwicklung eines malignen neuroleptischen Syndroms gilt die Einnahme von Antipsychotika, wobei bestimmte Risikofaktoren die Entstehung eines MNS begünstigen.
besonders alte Neuroleptika: Haloperidol
Mögliche Pathogenese:
Zentrale dopaminerge Störung, gekennzeichnet durch einen Dopaminmangel in verschiedenen Hirnregionen
Dopaminmangel im nigrostriatalen System → Rigor
Dopaminmangel im hypothalamisch-dienzephalen Regelkreis → Hyperthermie im Rahmen der autonomen Dysregulation
Hyperaktivität des Sympathikus als Ursache für die vegetative Dysregulation
Gesteigerte Calciumfreisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum als Ursache für Hyperthermie, Rigor und CK-Erhöhung
Auslösen einer Akutphasereaktion
FALTER – Fieber (Hyperthermie), Autonome Instabilität, Leukozytose, Tremor, Erhöhte Enzyme (CK, Transaminasen), Rigor
Anticholinerges Syndrom
DD maligne Hyperthermie
durch die Einnahme bzw. Überdosierung anticholinerg wirkender Stoffe im vegetativen Nervensystem ein relativer Mangel an cholinerger Transmission entsteht
„Feuerrot, glühend heiß, strohtrocken, total verrückt!“
Absetzen der auslösenden Substanz
Gabe des passenden Antidots
Supportive Maßnahmen
Gabe von Physostigmin (indirekte Parasympathomimetika (AChE-Inhibitoren)—> Erhöhung von ACh im synaptischen Spalt)
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