Betablocker
D (Bisoprolol): 5 mg/d p.o. als Einzeldosis oder verteilt auf 2 Gaben (1-0-1); übliche Erhaltungsdosis: 10 mg/d; Tagesmaximaldosis: 20 mg (bei GFR <20 mL/min: 10 mg)
CAVE: Gleichzeitige Gabe von Calciumantagonisten des Verapamil- oder Diltiazem-Typs kontraindiziert -> additiv negativ chronotrope und inotrope Effekte, können zur lebensbedrohlicher Kardiodepression führen
Ramipril
ACE-Hemmer
D: 1,25-2,5mg p.o./d, schrittweise Steigerung auf Maximaldosis 10mg/d
NW: Hyperkaliämie, Reizhusten
KI: Nicht anzuwenden bei Angioödem, instabiler Hämodynamik oder hämodynamisch relevanter Nierenarterienstenose (beidseits oder Einzelniere)
Nicht gleichzeitig anzuwenden mit
Angiotensin-Rezeptor-/Neprilysin-Inhibitoren
Aliskiren-haltigen Pharmaka (bei Diabetes mellitus oder GFR<60 mL/min)
Candesartan
AT1-R-Antagonist
8 mg/d p.o. als Einzeldosis (bei chronischer Nierenerkrankung oder leichter Leberfunktionsstörung: 4 mg/d)
bei nicht ausreichend kontrolliertem Blutdruck ggf. Dosiserhöhung auf 16–32 mg/dp.o.
Anwendung nicht empfohlen bei GFR <15 mL/min oder schwerer Leberfunktionsstörung
NW: Schwindel, Kopfschmerz, Hypotonie, seltener Hyperkaliämie und Hyponatriämie
HCT/Chlorthalidon
Thiaziddiuretika
D: 12,5 mg/d p.o. als Einzeldosis; Tagesmaximaldosis 25 mg
bei eingeschränkter Nierenfunktion (GFR <30 mL/min) oder schwerer Leberfunktionsstörung
Hohes Risiko für Hyponatriämie und Hypokaliämie, daher keine Anwendung bei bestehenden Elektrolytentgleisungen
⚡️ Rote-Hand-Brief zu HCT: Risiko von Basalzellkarzinom sowie Plattenepithelkarzinom der Haut
NW: Wirkung auf Serumelektrolyte
Kalium, Magnesium↓
Hyponatriämie
Calcium↑ → Günstig bei Osteoporose
Hyperglykämieneigung → Ungünstig bei Diabetes mellitus
Anstieg LDL-Cholesterin → Ungünstig bei Patienten mit metabolischem Syndrom, Hypercholesterinämie
Hyperurikämie (Hemmung der renalen Harnsäureausscheidung durch Kompetitiven Antagonismus am Anionentransporter im proximalen Tubulus)
Schwartz-Bartter-Syndrom
Amlodipin
5 mg 1×/d, Steigerung auf max. 10 mg p.o. 1×/d möglich
kontraindiziert bei schweren Leberfunktionsstörungen und bei verschiedenen kardialen Erkrankungen (z.B. unbehandelte Herzinsuffizienz, instabile Angina pectoris)
KI:
Hypotension
Akutes Koronarsyndrom
Schwangerschaft
KI Calciumantagonisten vom Nifedipin-Typ
HOCM
Schwere stenosierende Herzklappenvitien
Kurz- und mittellang wirksame Präparate: Myokardinfarkt in den letzten 4 Wochen
NW:
Knöchelödeme, periphere Ödeme
Häufig: Kopfschmerzen, Schwindel, Flush (Gesichtsrötung/Wärmegefühl), Palpitationen, Müdigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen
Metformin
Gabe 48h prä- bis 48h postoperativ pausieren -> ⚡️erhöhte Gefahr der Laktatazidose
auch vor PCI und 24h danach pausieren
Prednisolon
bei RZA mittelhohe Dosis (40-60mg/d p.o.); bei Augenbeteiligung mit Visusverlust auch hochdosiert (1000mg Prednisolon i.v.)
Orale Eisensubstitution
Präparate
Zweiwertiges Eisen (Fe2+, meist als Eisen(II)glycinsulfat), Alternativ : Dreiwertiges Eisen
Durchführung
Nüchterneinnahme oder Einnahme mit 30–60 min Abstand zur Mahlzeit empfohlen (größere Bioverfügbarkeit)
Nebenwirkungen
Gastrointestinale Beschwerden, insb. Bauchschmerzen und Übelkeit
Obstipation oder Diarrhoen (seltener)
Schwarzfärbung des Stuhls
Wechselwirkungen: Verringerte Resorption bei gleichzeitiger Einnahme
Bestimmter Nahrungsmittel, z.B. Kaffee, Tee, Milch, Käse, Gemüse, Hülsenfrüchte und Getreideprodukte
Von Medikamenten: Insb. Antazida und PPI hemmen die Eisenaufnahme
Eisen hemmt die Aufnahme von L-Thyroxin, Methyldopa, Chinolonen und Tetrazyklinen
Dauer der Einnahme: Nach Normalisierung des Hb-Wertes Fortführung der Einnahme für 3–6 Monate (zum Auffüllen des Eisenspeichers
Zielwert: Ferriting 100Mikrogramm/L
Prasugrel
Loading mit 60mg bei STEMI
Kontraindikationen:
Alter von >75 Jahren
Gewicht von <60 kg
Hirninfarkt oder schwere Blutungen in der Anamnese
In einem solchen Fall stellt Ticagrelor eine Alternative zu Prasugrel dar. Falls eine oraleGabe (bspw. bei instabilen Patient:innen) nicht möglich ist, kann Cangrelor i.v. verabreicht werden
TVT - Antikoagulation
Apixaban (=Eliquis):
Initial 10 mg1-0-1 für 7 d
Dann 5 mg 1-0-1für mind. 3–6 Monate
Rivaroxaban (=Xarelto)
Initial 15 mg1-0-1 für 21 d
Dann 20 mg1-0-0 für mind. 3–6 Monate
NW ß2-Sympathomimetika
Tremor, Tachykardie, HRST, Hypokaliämie, Hyperglykämie
NW ICS
hoher First-Pass-Effekt in Leber -> wenig systemische NW
Heiserkeit + Candidose -> Mund spülen nach Inhalation
Wachstumshemmung bei Kindern
COPD
Chronische Entzündung der Bronchien durch inhalative Noxen -> Parenchymumbau mit irreversibler Obstruktion und Überblähung (=Emphysem) bis zur respiratorischen Insuffizienz, chronisch progredient
Lungenemphysem
Zerstörung der Lungenarchitektur mit irreversibler Erweiterung und Überblähung der Alveolen mit eingeschärnkter Gasaustauschfläche
Silent Lung
Bezeichnet den akuten Befund eines auskultatorisch nahezu aufgehobenen Atemgeräusches, wie er im Rahmen eines schweren Asthmaanfalls aufgrund der Erschöpfung der Atemmuskulatur auftreten kann. Die Patienten sind dann wegen der hochgradigen Bronchialspastik nicht in der Lage, ihr Lungenvolumen abzuatmen. Im klinischen Alltag wird der Begriff allerdings auch verwendet, um das chronisch abgeschwächte bis aufgehobene Atemgeräusch bei einem fortgeschrittenen Emphysem zu beschreiben.
Lungenfunktionsmessung (LuFu)
Spirometrie: Messung verschieblicher Atemvolumina
Bodyplethysmographie: Messung nichtverschieblicher Atemvolumina (z.B. RV, TLC, zusätzlich Messung der Resistance)
Obstruktion: FEV1 runter -> Tiffeneau-Index <70%, Resistance erhöht
Emphysem: RV erhöht, TLCO runter
DD Restriktion: VC runter, Compliance runter, TLCO runter
z.B. bei Lungenfibrose, Adipositas, Pneumothorax
Grundlagen der Pathophysio der COPD
Fibrose, Wandverdickung
Akkumulation von Entzündungszellen
Ziliendysfunktion, vermehrter Mucus
AB, die häufig zu C.difficile-Infektion/Pseudomembranöse Kolitis führen
Flurchinolone
Ciprofloxacin (p.o.), Levofloxacin (p.o. und i.v.)
Gut wirksam gegen: gramnegative Erreger (Enterbacterales wie E. coli, Klebsiellen, Shigellen, Salmonellen) und teilw. Pseudomonas aeruginosa
Breites NW-Spektrum:
GI: Übelkeit, Durchfall (häufig), Hepatotoxizität
Neurotoxisch: Senkunge Anfallsschwelle, Sehverlust, innere Unruhe, wahnhafte Störungen
Muskuloskelettal: Arthropathien, Rhabdomyolyse
Kardial: HRST, QT-Zeit Verlängerungen, Aortenaeurysmen und -dissektionen
Anticholinerg wirksame Medikamente
1. Parasympatholytika (direkte Anticholinergika)
Blockieren Acetylcholin an m‑Cholinozeptoren
Beispiele: Atropin, Scopolamin (Mydriatika), Biperiden (Parkinson‑Therapie) Butylscopolamin, Oxybutynin (Spasmolytika/bei Dranginkontinenz), Ipratropiumbromid, Tiotropiumbromid (inhalative Anticholinergika bei COPD/Asthma)
2. Antidepressiva (insb. trizyklische)
Blockieren muskarinerge Rezeptoren (mACh‑R)
Beispiele: Amitriptylin, Trimipramin, Doxepin, Imipramin, Clomipramin → führen u.a. zu Mundtrockenheit, Harnverhalt, Tachykardie und Delirrisiko
3. Antipsychotika
Antagonismus am M1‑Rezeptor verursacht anticholinerge Symptome
Beispiele: Typische: Promethazin, Levomepromazin, Chlorpromazin, Atypische: Clozapin, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon (geringeres Risiko)
4. Antihistaminika
H1‑Antihistaminika der 1. Generation besitzen eine trizyklische Struktur mit ausgeprägter anticholinerger Wirkung
Beispiele: Dimetinden, Diphenhydramin, Dimenhydrinat, Promethazin, Clemastin, Meclozin → häufige Nebenwirkungen: Sedierung, Mundtrockenheit, Mydriasis, Harnverhalt
5. Weitere Substanzgruppen
Anästhetika und Analgetika: z.B. Propofol, Fentanyl, inhalative Anästhetika (indirekt anticholinerg)
Weitere: Codein, Digitoxin, Furosemid, Nifedipin, Theophyllin, Prednisolon (indirekt anticholinerge Risiken)
Typische Symptome
Peripher: Mundtrockenheit, Mydriasis, Akkommodationsstörung, Miktionsstörung, Tachykardie, Hautrötung
Zentral: Verwirrtheit, Halluzinationen, Delir
Besonders gefährdete Gruppen
Ältere Personen und Patient:innen mit Demenz oder Polypharmazie haben ein erhöhtes Risiko für Delir oder Harnverhalt
Antidot
Physostigmin als kurzwirksamer Acetylcholinesterase‑Hemmer zur Behandlung des zentralen anticholinergen Syndroms
Antidementiva
Cholinesterase-Inhibitoren: Indikation bei leicht- bis mittelgradigen Demenzformen (Donepezil und Rivastagmin auch bei schwergradig möglich)
Donepezil (10mg/d)
Galantamin (16-24mg/d)
Rivastigmin (12mg/d)
NMDA-Modulator: bei mittel- bis schwergradiger Demenz
Memantin
Behandlungsbeginn so früh wie möglich
NW: häufigsten Nebenwirkungen sind Diarrhö, Muskelkrämpfe, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit. QTc-Verlängerung wurde festgestellt
seit 2 Jahren auch Anti-ß-Amyloid-Antikörper, Lecanemab und Donanemab
nur in Frühstadien der Alzheimer-Krankheit oder bei MCI mit nachgewiesener Amyloid-Pathologie
Nicht möglich bei homozygoten APOe4-Trägern
muss i.v. als Infusion gegeben werden
wirken krankheitsmodifizierend, indem sie den Abbau von Amyloidplaques durch das körpereigene Immunsystem (Mikroglia) fördern!
NW: Amyloid-related Imaging abnormalities
ARIA-E (Edema): Ödeme oder Flüssigkeitsansammlungen im Bereich der Sulci
ARIA-H (Hämorrhagie): Mikroblutungen und superfizielle Siderose
Symptomatik: u.a. Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Übelkeit, Sehstörungen, Schwindel, Gangunsicherheit
Anxiolytische Alternativen zu Benzodiazepinen
weniger wirksam
Pregabalin
Oripramol
Buspiron
Nebenwirkungen Thiazide
erhöhtes Risiko für Elektrolytstörungen wie Hyponatriämien und/oder Hypokaliämien
Insb. bei älteren Menschen reduziertes Durstgefühl + Exsikkose
spezifische Nebenwirkung von Hydrochlorothiazid ist außerdem das vermehrte Auftreten von Basalzellkarzinomen und Plattenepithelkarzinomen der Haut -> unklare Hautveränderungen frühzeitig hautärztlich abklären lassen und auf einen ausreichenden UV-Schutz achten
Statine
Statine hemmen die HMG-CoA-Reduktase und senken so das LDL-Cholesterin, was zu einer deutlichen Verminderung des kardiovaskulären Risikos führt 123.
Wichtige Nebenwirkungen: Myopathien bis hin zur Rhabdomyolyse, Anstieg der Leberenzyme, selten Diabetesrisiko↑ 145.
Kontraindikationen: aktive Lebererkrankung, Schwangerschaft, Stillzeit, Myopathie 46.
Interaktionen: CYP3A4-Hemmer (z.B. Makrolide, Azolantimykotika, Amiodaron) und Kombination mit Fibraten oder Nikotinsäure erhöhen Myopathierisiko 146.
Überwachung: CK- und Leberwertkontrolle bei Symptomen, ggf. Dosisreduktion oder Pausieren; Einnahme abends (v.a. Simvastatin, Lovastatin)
Abendliche Gabe, da nächtliche Cholesterinsynthese am höchsten ist!
Psychostimulanzien
bei ADHS
Methylphenidat (Ritalin): Indirektes DOPA-Mimetikum und zentrales Sympathomimetikum
Lisdexamfetamin (Elvanse): Vermehrte präsynaptischeFreisetzung von Dopaminund Noradrenalin
NW: Sympathomimetische Wirkung
RR-Anstieg, Tachykardie
Schlafstörung
Mundtrockenheit, Schwitzen
Appetitminderung, Gewichtsverlust
Obstipation
NW bei Methylphenidat auch PsychotischeReaktionen (inkl. Halluzinationen), Erhöhung der Leberwerte (sehr selten auch: Akutes Leberversagen)
NW bei Lisdexamfetamin: QTc-Verlängerung, Erhöhung der Leberwerte
Absolut: Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems, Hyperthyreose, Glaukom, Psychose
Relativ: Tic-Störung, Z.n. epileptischem Anfall
BtM-pflichtige Rezepte
Absetzphänomene bei Antidepressiva
bei SSRI mit kurzer HWZ, TZA, Venlafaxin + Mirtazapin
z.B. Schwindel, Übelkeit, Zittern, Konzentrationsstörungen, depressiver Stimmungseinbruch und Schlafstörungen!
Mirtazapin
alpha2-Antagonist
Indikation: Antidepressivum, insbes. bei Schlafstörungen
30-45mg/d, einschleichen mit 15mg, immer zum Abend -> sedierende Wirkung
NW: Sedierung, orthostatische Hypotonie, Gewichtszunahme (⚡️insbes. bei jungen Menschen zurückhaltend beim Verschreiben), Intensivierung der Träume, ggf. Albträume; selten Restless-legs-Syndrome
Risiken einer Tablettenintoxikation
Lithium und Carbamazepin geringe therapeutische Breite -> hohe Intoxikationsgefahr!
TZA und irreversible MAO-Hemmer: mittlere therapeutische Breite -> gefährliche, ggf tödlich verlaufende Intoxikation
SSRI größere therapeutische Breite
Auch Benzos und Neuroleptika größere therapeutische Breite, aber insbes. in Verbindung mit Alkohol gefährlich bei Aspiration mit Atemstillstand oder Unterkühlung wegen anhaltender Bewusstlosigkeit
PPI
Wirkmechanismus: Hemmung der Protonenpumpe in den Belegzellen der Magenschleimhaut. Die Protonenpumpe (H+/K+-ATPase) ist für den letzten Schritt der Magensäuresekretion verantwortlich. Sie pumpt Wasserstoff-Ionen (H+) im Austausch gegen Kalium-Ionen (K+) aus der Zelle heraus. Im Magenlumen verbinden sich die Wasserstoff-Ionen (H+) mit Chlorid-Ionen (Cl‑) zu Salzsäure (HCl).
Häufige Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall
Langzeiteffekte: Hypomagnesiämie, Vitamin‑B12‑Mangel, Osteoporose/Frakturrisiko, reaktive Hypergastrinämie
Infektionsrisiken: Erhöhte Anfälligkeit für Clostridium-difficile-Infektionen, bakterielle Gastroenteritiden und Pneumonien
Weitere Komplikationen: Akute interstitielle Nephritis, selten subakuter kutaner Lupus erythematodes oder schwere Hautreaktionen (SJS, TEN, DRESS)
Langzeitanwendung nur bei klarer Indikation; regelmäßige Überprüfung empfohlen
Details zu den antithrombozytären Wirkstoffen
ASS
Vorteile: Lange Erfahrung, viele Daten, geringe Kosten
Nachteile: Gehäuft Allergien/Unverträglichkeiten, gastrointestinale Nebenwirkungen
Wichtige Kontraindikationen: Durch Salicylate oder NSAR ausgelöste Asthmaanfälle, ASS-Unverträglichkeit
Bei ASS-Unverträglichkeit: Ggf. ist eine adaptive ASS-Desaktivierung erfolgversprechend
Interaktion: Gleichzeitige Einnahme von Ibuprofen (und evtl. anderen COX1-Hemmern) verringert die kardioprotektive Wirkung von ASS [10][11]
Fazit: Medikament der ersten Wahl bei fast jedem KHK-Patient:innen
Clopidogrel
Vorteile: Geringste Nebenwirkungen/höchste Verträglichkeit aller P2Y12-Inhibitoren
Nachteile: Geringere Wirkung als Ticagrelor/Prasugrel, Wirkung schwankend
Fazit
Alternative zu ASS als Monotherapeutikum bei ASS-Unverträglichkeit
Kombinationspartner zur DAPT nach elektiver Koronarintervention bei chronischem Koronarsyndrom
Bei anderen Indikationen schlechter als die modernen P2Y12-Inhibitoren
Ticagrelor
Vorteile: Stärkere und verlässlichere Wirkung als Clopidogrel, geringere Blutungsgefahr als unter Prasugrel
Nachteile: Weniger potent als Prasugrel, kürzere Halbwertszeit
Wichtige Kontraindikationen: Z.n. intrakranieller Blutung, Bradykardieneigung
Fazit: Mittel der Wahl als Kombinationspartner von ASS zur DAPT bei den meisten Patient:innen nach ACS
Vorteile: Stärkste Wirkung
Nachteile: Erhöhtes Blutungsrisiko
Wichtige Kontraindikationen: Alter >75 Jahre, Gewicht <60 kg, Z.n. Hirninfarkt, Z.n. intrakranieller Blutung
Fazit: Mittel der Wahl nach Myokardinfarkt als Kombinationspartner von ASS zur DAPT bei Patient:innen ohne erhöhtes Blutungsrisiko
Cangrelor
Vorteile: Schneller Wirkeintritt, i.v. Präparat
Nachteile: Sehr kurze Wirkung
Fazit: Option zur Akuttherapie eines ACS oder Ad-hoc-Stentings bei Patient:innen ohne P2Y12-Inhibitor-Vorbehandlung
48h vor Kontrastmittelgabe absetzen ⚡️Laktatazidose
Medikamente, die Harnsäureausscheidung vermindern
Thiazide
Ciclosporin
Allopurinol
Hemmung Xanthinoxidase -> Senkung Serum-Harnsäurespiegel
nach Abklingen aller Symptome des akuten Gichtanfalls/frühestens 2 Wochen danach
einschleichende Dosierung
Gabe mind. 5 Jahre, ggf. Beenden, wenn der Harnsäurespiegel auf Werte <7 mg/dL reduziert wurde und keine klinische Symptomatik mehr vorliegt
NW: Allopurinol kann bei Therapiebeginn einen Gichtanfall auslösen. Senkung des Harnsäurespiegels durch Allopurinol führt initial zu einer Aktivierung von Urat-Depots im Körper, wodurch wiederum der Harnsäurespiegel steigt; u.a. allergische Reaktionen der Haut hin zu schwerwiegenden Überempfindlichkeitsreaktionen sowie gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen möglich
renale Ausscheidung, Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion
Schleifendiuretika
Inhibition des NK2Cl-Cotransporters
Furosemid intravenös bewirkt eine Venodilatation (schnelles venöses Pooling) → Vorlastsenkung
Beruht auf einer verstärkten Prostaglandinsynthese, die auch zu einer Steigerung der renalen Perfusion führt
NW: Elektrolytverlust
Hypokaliämie ⚡️lebensbedrohliche Arrhythmien
Verlust von Calcium , Magnesium und Chlorid
Hyperglykämieneigung
Hyperurikämie
Ototoxizität mit möglichen Hörschäden
Insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion führen hohe Furosemiddosierungen zu einer Akkumulation und damit zu einer erhöhten Ototoxizität
Hypovolämie → Thromboseprophylaxe bei intravenöser Therapie durchführen!
Exsikkose
Medikamente mit Risiko für Hyper-/Hypokaliämie
Hypokaliämie:
Diuretika (außer kaliumsparende Diuretika)
Glucocorticoide
Clindamycin
Aminoglykoside
Azol-Antimykotika und Amphotericin B
Hyperkaliämie:
Heparin
Kaliumsparende Diuretika
ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker
Unselektive Betablocker
NSAID
Lithium
Cotrimoxazol
Ciclosporin A
Digitalis-Intoxikation
Wirkmechanismus: kompetitive Hemmung der HMG-CoA-Reduktase (=Schlüsselenzym der Cholesterinbiosynthese) -> verminderter zellulärer Cholesteringehalts -> kompensatorisch erhöhte Expression von LDL-Rezeptoren, wodurch vermehrt LDL-Cholesterin aus dem Serum in die Zelle aufgenommen und abgebaut wird. Insgesamt bewirken Statine dadurch eine LDL-Senkung und einen HDL-Anstieg.
z.B. Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pravastatin, Rosuvastatin, Simvastatin
NW: Kopfschmerzen, GI-Beschwerden, Transaminasen-Anstieg und Statin-Myopathie -> Muskelschmerzen bzw. Schwäche + deutlicher Anstieg der CK. Sobald ein CK-Anstieg zu verzeichnen ist, muss die Therapie je nach Höhe des Anstiegs und der vorliegenden Symptomatik ggf. pausiert oder beendet werden, um eine schwere Rhabdomyolyse mit akuter Nierenfunktionseinschränkung zu verhindern
Einnahme: abends (v.a. Simvastatin, Lovastatin), da nächtliche Cholesterinsynthese am höchsten ist.
Lipidsenkende Wirkstoffe
Statine: Wirkstoffgruppe der 1. Wahl, gute Verträglichkeit und Evidenzlage
Ezetimib: Wichtigstes Medikament zur dualen Therapie, günstig und gut verträglich, Monotherapie nur bei Statinunverträglichkeit
Bempedoinsäure: Neuer Wirkmechanismus, aktuell wenig Daten, mögliche Alternative bei Statin-Unverträglichkeit in Kombination mit Ezetimib oder weiterer Kombinationspartner anderer Lipidsenker
Gallensäurebinder: Möglicher zusätzlicher Kombinationspartner, aber Verträglichkeit schlecht und viele Interaktionen
PCSK9-basierte Medikamente (PCSK9-Inhibitoren und PCSK9-Synthese-Inhibitoren): Gute Wirkung, aber sehr teuer und wenig Erfahrung (insbes. bei Pat. mit familiärer Hypercholesterinämie + hohem Risiko in der Sekundärprävention)
SSRI
Citalopram, Escitalopram, Paroxetin, Sertralin, Fluoxetin
Sexuelle Funktionsstörungen
Durchfall, Übelkeit, Erbrechen
Appetitminderung
Kopfschmerz
Agitation, Schlafstörungen
Vermehrtes Schwitzen
Erhöhtes Blutungsrisiko
teilw. QTc-Verlängerung
in Kombi mit anderen serotonergen Wirkstoffen/Intoxikation ⚡️Serotonerges Syndrom
kann zu Hyponatriämie führen (über SIADH)
SNRI
Duloxetin, Venlafaxin
Trizyklische Antidepressiva
Amitriptylin, Trimipramin, Clomipramin, Imipramin
NW: ⚡️anticholinerge Wirkungen -> anticholinerges Syndrom
Anstieg von Blutdruck, Puls
Unruhe
Mundtrockenheit
Miktionsstörungen
Störung der Akkommodation
teilweise Gewichtszunahme (z.B. Amitriptylin)
QTc-Verlängerung
KI bei Kardialen Vorerkrankungen
Gewichtszunahme
Sedierung
Störung der Kognition
MAO-Hemmer
Moclobemid (reversibel)
Trancylpromin (irreversibel)
NW: Schlafstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Agitation, Angst, Ruhelosigkeit
Biperiden
Parasympatholytikum
u.a. bei Parkinson, aber auch bei EPMS, insbes. Frühdyskinesien
⚡️Abhängigkeitspotenzial -> sollte immer zeitlich begrenzt
Ungünstige Nebenwirkungen insb. bei alten oder kognitiv eingeschränkten Patient:innen → Gefahr der Verschlechterung einer Demenz, Entwicklung eines anticholinergen Delirs gegeben werden
Bupropion
SNDRI
Übelkeit
Historisches Konzept Atypisches Antipsychotikum (Clozapin)
Verminderung der Negativsymptomatik
Verminderung kognitiver Defizite
Wirksamkeit bei Therapieresistenz
Geringe bis keine extrapyramidalmotorischen Nebenwirkungen
Geringe bis keine Prolactin-Erhöhung
Metabolische Nebenwirkungen von Antipsychotika
Insb. bei Clozapin, Olanzapin und Quetiapin
Pathologische Glucosetoleranz
Diabetes mellitus
Hyperlipidämie
Clozapin
Metabolische NW
(QTc-Verlängerung)
Orthostatische Regulationsstörungen
Blutbildveränderungen (Agranulocytose)
Myokarditis + Kardiomyopathie
Antipsychotika - typische NW
Senkung der Anfallsschwelle
Prolactinerhöhung
Kognitive Störungen
Zerebrovaskuläre Ereignisse
Zwangssymptome
Extrapyramidalmotorische Störungen (EPMS)
Malignes neuroleptisches Syndrom (MNS)
Reizleitungsstörungen, bspw. QTc-Zeit-Verlängerung
Abflachung der T-Welle, ST-Strecken-Senkung
Anticholinerge Nebenwirkungen: Bspw. Obstipation, Tachykardie bis hin zu Arrhythmien, Akkommodationsstörungen, Mundtrockenheit
Leberfunktionsstörungen
Blutbildveränderungen
Thrombozytopenie, Leukopenie, Leukozytose, Eosinophilie, Panzytopenie
Agranulozytose (insb. bei Clozapin, daher bei Clozapin-Gabe in den ersten 18 Wochen wöchentliche Blutbildkontrollen erforderlich)
Hämolytische Anämie
Thromboembolien
CK-Erhöhung
Intraoperatives Floppy-Iris-Syndrom (IFIS)
Pneumonie
Antidepressiva mit geringem Switch-Risiko
Fluoxetin, Paroxetin und Bupropion zeigen kein erhöhtes Switch-Risiko
⚡️möglichst kein Venlafaxin oder Trizyklika
Zusätzliche Gabe eines Stimmungsstabilisierers oder atypischen Antipsychotikums (insb. bei Bipolar-I-Störung) empfohlen -> minimiert das Switch-Risiko
Phasenprophylaxe Bipolare Störung
1. Wahl
Leitlinienempfehlung: Insb. bei Suizidalität
Spiegel: 0,5-0,8 mmol/L ⚡️nicht zu schnelle Senkung, sonst hohes Rezidivrisiko
2. Wahl
Quetiapin
Lamotrigin
3. Wahl
Carbamazepin
Valproat
Leitlinienempfehlung: Bei Frauen im gebärfähigen Alter nicht empfohlen!
Aripiprazol
Olanzapin
Paliperidon
Risperidon-Depot
Metamizol
z.B. 1g i.v. insbes. bei viszeralen/kolikartigen Schmerzen gut geeignet
Langsam infundieren! ⚡️Hypotension + Kreislaufinstabilität
weitere NW bei i.v. Gabe: Allergische Reaktion, möglicherweise inkl. Bronchospasmus oder allergischen Schocks
NW sonst: Agranulozytose -> Blutbildkontrollen
Opioide
NW: Die gefürchtetste Nebenwirkung von Opioiden ist die auch therapeutisch u.a. im Rahmen von Narkosen genutzte Atemdepression und Sedierung. Zudem kann es zu Übelkeit/Erbrechen kommen, was insb. bei bewusstseinsgeminderten Personen rasch mit einer erhöhten Aspirationsgefahr einhergeht. Weitere Nebenwirkungen sind Juckreiz, Obstipation, Thoraxrigidität und Miktionsstörungen, inkl. Harnverhalt.
Niedrigpotente Opioide
Tramadol
Tilidin
Dihydrocodein
Medikamente mit diabetogenem Potenzial
Anfallsuppressiva
Medikamente der ART
ß2-Sympathomimetika
Atypische Antipsychotika (Olanzapin, Clozapin, Quetiapin)
Trizyklische Antidepressiva, Mirtazapin
Internistische Komplikationen SSRI
SSRI sind auch Thrombozyten-Aggregationshemmer und können daher eine Blutungsneigung verstärken. Bei vorbekannter Gastritis oder einer Ulkuskrankheit ist daher z. B. das Risiko für gastrointestinale Blutungen deutlich erhöht.Seite 69
Besonders in der Kombination mit Diuretika ist eine Hyponatriämie bei Behandlung mit SSRI nicht selten. Bei einem unklaren Psychosyndrom oder Bewusstseinsstörung während der Behandlung mit einem SSRI sollte immer sofort eine Hyponatriämie ausgeschlossen werden.
Einige ältere SSRI (z. B. Fluoxetin, Fluvoxamin oder Paroxetin) können z. T. erhebliche medikamentöse Interaktionen mit internistischen Medikamenten auslösen und deren Plasmakonzentrationen deutlich erhöhen (z. B. von Betablockern, Gerinnungshemmern, Theophyllin etc.). Hinsichtlich medikamentöser Interaktionen sind die SSRI Sertralin und Citalopram günstiger zu bewerten.
NW Aripiprazol
Am häufigsten kommt es zu Akathisie und Übelkeit. Es können aber auch Kopfschmerzen, Schwindel, Ruhelosigkeit, Schlaflosigkeit und Angstgefühle auftreten. Gastrointestinale Nebenwirkungen treten meist nur initial auf und bestehen aus Dyspepsie, Erbrechen, Übelkeit, Hypersalivation und Obstipation.
wenig kardiale Nebenwirkungen
außerdem keine Gewichtszunahme oder Sedierung
Gabe nach erfolglos 2 AP, darunter 1 atypisches
auch gut bei Negativsymptomatik
Agranulozytose-Inzidenz 1-2%
Auftreten 6.-14. Behandlungswoche -> Blutbildkontrollen wöchentlich 1.-18. Woche, danach mind. 1x/Monat bis Absetzen, 4 Wo nach Absetzen
zudem EKG-Kontrollen, außerdem CRP und Troponin
Absetzen bei Leukos <3000, Granulocyten <1500
Senkung der Krampfschwelle (ggf. mit Valproat geben müssen), anticholinerg, sedierend, orthostatische Symptome, vermehrter Speichelfluss, Temperaturerhöhung
Herzinsuffizienz-Wirkstoffe und ihre Nebenwirkungen
Substanzklasse / Wirkstoff
Wirkung / Nutzen
Häufige und relevante Nebenwirkungen
ACE‑Hemmer (z. B. Ramipril, Enalapril, Perindopril, Benazepril)
Hemmung des RAAS → Nachlast↓, Remodeling↓, Prognose↑
Hypotonie, Hyperkaliämie, Nierenfunktionsverschlechterung, Reizhusten, Angioödem
AT₁‑Blocker (Sartane) (z. B. Candesartan, Valsartan, Losartan)
Alternative bei ACE‑H‑Unverträglichkeit
Schwindel, Kopfschmerzen, Hypotonie, selten Hyperkaliämie
ARNI (Sacubitril/Valsartan)
Verstärkte Vasodilatation + RAAS‑Blockade
Angioödem (↑Risiko), Hypotonie, Hyperkaliämie, Nierenfunktionsstörung
Betablocker (z. B. Bisoprolol, Metoprolol, Carvedilol, Nebivolol)
Sympathikushemmung → HF↓, O₂‑Verbrauch↓, Prognose↑
Bradykardie, AV‑Block, Hypotonie, Müdigkeit, Albträume, Bronchospasmus, Depression, erektile Dysfunktion, kalte Extremitäten
Mineralokortikoidrezeptor‑Antagonisten(Spironolacton, Eplerenon)
Aldosteronblockade → Remodelinghemmung, Prognose↑
Hyperkaliämie, Nierenfunktionsstörung, Gynäkomastie / Impotenz / Amenorrhö (Spironolacton)
SGLT2‑Inhibitoren (Dapagliflozin, Empagliflozin)
Na⁺/Glucose‑Kotransporter‑Hemmung → Osmotische Diurese, Prognose↑
Harnwegs‑/Genitalinfekte, Hypotonie, Polyurie, selten euglykämische Ketoazidose, Dehydratation
Schleifendiuretika (Furosemid, Torasemid)
Starke Diurese → Entstauung
Hypokaliämie, Hyponatriämie, Hypovolämie, Hyperurikämie / Gicht, Ototoxizität
Thiazide (z. B. Xipamid, HCT)
Additiv bei Diuretikaresistenz
Hyponatriämie, Hypokaliämie, Hyperurikämie, Glucoseintoleranz, LDL↑
Kaliumsparende Diuretika (Amilorid, Triamteren)
Ergänzend zu Schleifen‑/Thiaziddiuretika
Hyperkaliämie, Hyponatriämie, GI‑Beschwerden, selten endokrine Effekte
Ivabradin
If‑Kanal‑Blocker → Herzfrequenzsenkung bei SR ≥ 70/min
Bradykardie, Phosphene / Sehstörungen, Vorhofflimmern, selten Hypotonie
Grundregeln bei der Gabe von Betablockern
Aspekt
Vorgehen / Hinweis
Einschleichen und Dosissteigerung
Beginne mit der niedrigsten Dosis, dann Verdopplung alle 1–2 Wochen bei Toleranz; besonders wichtig bei Herzinsuffizienz
Ausschleichen
Therapie immer langsam beenden über mindestens 10–14 Tage, um Rebound‑Effekte (Tachykardie, akutes Koronarsyndrom, plötzlicher Herztod) zu vermeiden
Kontrolle
Überwachung von Puls, Blutdruck und klinischer Symptomatik; bei initialer Verschlechterung Herzinsuffizienz nicht sofort absetzen, sondern Dosis ggf. reduzieren und erneut titrieren
Anästhesie
Betablocker i.d.R. nicht vor Operation absetzen; Anästhesist muss über Therapie informiert werden, da Risiko von Hypotonie oder Bradykardie besteht
Kombinationen vermeiden
Keine gleichzeitige Gabe mit Calciumantagonisten vom Verapamil‑ oder Diltiazem‑Typ, Gefahr von schwerer Bradykardie oder AV‑Block
Benzodiazepin-Entzugssyndrom
Benzodiazepine können zu psychischen und körperlichen Entzugssymptomen führen, die individuell sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.
psychische Entzugssymptome: Angstzustände, Unruhe, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit und depressive Verstimmung. Bei schweren Entzugssymptomen kann es auch zu einem deliranten Syndrom mit Verwirrtheit und psychotischem Erleben (z. B. Wahnerleben und Halluzinationen) kommen
körperliche Symptome: Blutdruck- und Pulserhöhung, Zittern und Schweißausbrüche, Kopf- und Muskelschmerzen und gastrointestinale Symptome (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall). Bei schweren Entzugssyndromen können auch epileptische Anfälle auftreten.
Zu den schweren, potenziell lebensgefährlichen Entzugssymptomen, die bei bis zu 20 % der Patienten auftreten, gehören ein Entzugsdelir und epileptische Anfälle.
Kontraindikationen für Lithium-Behandlung
• Schwere Nierenfunktionsstörung
• Nebennierenrindeninsuffizienz
• Schwere Herz- und Kreislauferkrankungen
• Störungen des Elektrolythaushalts (z. B. Hyponatriämie)
• Psoriasis
Nebenwirkungen Lithium
initial:
Polyurie und Polydipsie (resversibler, renaler Diabetes insipidus bei 30%)
gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Diarrhö, Gewichtsverlust)
feinschlägiger Tremor der Hände
TH: 3x10-40mg Propranolol
Muskelschwäche und Müdigkeit
im Verlauf:
euthyreote Struma, ggf. L-Thyroxin-Gabe
EKG-Veränderungen
Gewichtszunahme (30-50%, häufigster Grund für Therapieabbruch)
verstärkte Alkoholempfindlichkeit
selten Gesichts- und Knöchelödeme
Zu beachten bei Einnahme von Bisphosophonaten
hemmen Osteoklasten + senken Ca-Spiegel
Einnahme im Stehen mit viel Wasser (⚡️Ösopghagitis) und 30 Min. vor dem Essen (Komplexbildung mit Calcium), zuvor Zahnsanierung (verursacht Kiefernekrosen)
Potenziell lebertoxische Medikamente
Potenziell lebertoxische Medikamente stammen aus vielen Wirkstoffklassen – häufig betroffen sind Paracetamol, NSAR, Antibiotika (Amoxi/Clav, Cephalosporine, Isoniazid), Statine, Amiodaron, Methotrexat und Antiepileptika
Indirekte Schädigung über Exazerbation bestehender Lebererkrankungen/metabolische Aktivierungen: TNFalpha-Blocker, Checkpoint-Inhibitoren, Glucocorticoide, ART
Die Schädigung kann direkt dosisabhängig oder idiosynkratisch immunvermittelt sein und führt klinisch zu hepatocellulären, cholestatischen oder gemischten Leberschäden.
Regelmäßige Kontrolle der Leberwerte und ein frühes Absetzen verdächtiger Präparate sind entscheidend zur Vermeidung eines akuten Leberversagens
“Triple-Whammy”
Gleichzeitige Gabe von NSAR + ACE-Hemmer/Sartan + Diuretikum geben -> Gefahr der akuten Nierenfunktionseinschränkung
Nephrotoxische Medikamente
Häufig nephrotoxische Medikamente sind NSAR, ACE-Hemmer/Sartane, Aminoglykoside, Cisplatin/Carboplatin, Amphotericin B, Kontrastmittel, Lithium, Calcineurininhibitoren(Ciclosporin, Tacrolimus) und Tenofovir 12.
Schädigungsmechanismen: prärenale Minderperfusion, akute Tubulusnekrose, allergische interstitielle Nephritis, Kristallnephropathie oder Fibrose 134.
Risikofaktoren: bestehende Niereninsuffizienz, Diabetes, Alter > 65 J., Hypovolämie, Kombination von NSAR + RAS‑Blocker + Diuretikum („Triple Whammy“) 15.
Prävention: ausreichende Hydrierung, Meiden kombinierter nephrotoxischer Substanzen, Dosisanpassung nach GFR, engmaschiges Monitoring der Nierenfunktion
Sekundäre Erhöhung des Lithium-Spiegels
Thiaziddiuretika + Schleifendiuretika
NSAR (außer ASS)
kochsalzarme Diät
Tetracycline
Ca-Antagonisten vom Diltiazemtyp
Phenytoin
Lithium - Nebenwirkungen
Häufig:
kognitive Störungen
feinschlägiger Tremor (TH: Propranolol)
Polyurie- und Polydipsie (oft anfänglich übergangsweise, Bild ähnlich Diabetes insipidus renalis)
Übelkeit/Ebrechen, Diarrhö
Seltener:
Müdigkeit
Muskelschwäche
Bei langjähriger Einnahme Nierenfunktionsstörung bis hin zum Nierenversagen
Hypothyreose
Hyperparathyreoidismus
Antidiabetika - Lange Übersicht
Substanzklasse
Wirkmechanismus
Häufige/klinisch relevante Unerwünschte Wirkungen (UAW)
Besonderheiten / Hinweise
Biguanide (Metformin)
Hemmung der hepatischen Gluconeogenese, Aktivierung der AMP‑abhängigen Kinase → erhöhte Glucoseaufnahme in Muskel/Fettgewebe
Gastrointestinale Beschwerden, Lactatazidose (selten), Geschmackstörungen, Vitamin‑B12‑Mangel(chronisch)
Mittel der ersten Wahl; Gewicht↓; kein Hypoglykämierisiko
Sulfonylharnstoffe (z. B. Glimepirid, Glibenclamid)
Blockade ATP‑sensitiver K⁺‑Kanäle → depolarisationsabhängige Insulinfreisetzungunabhängig von Glucose
Hypoglykämien, Gewichtszunahme, GI‑Beschwerden, selten Blutbild‑ oder Leberveränderungen, Hautreaktionen
Cave bei älteren Personen oder Niereninsuffizienz; Alkohol → Disulfiram‑ähnl. Reaktion
Glinide (z. B. Repaglinid, Nateglinid)
Gleicher Mechanismus wie Sulfonylharnstoffe, aber kurze Wirkdauer, Einnahme zu Mahlzeiten
Hypoglykämien (selten), Gewichtszunahme, selten Hepatotoxizität
Einsatz bei postprandialenHyperglykämien; kurzwirksam
DPP‑4‑Hemmer (Gliptine) (Sitagliptin, Saxagliptin, Vildagliptin)
Hemmung des EnzymsDPP‑4 → ↑ Inkretin‑Effekt (GLP‑1, GIP) → glucoseabhängige Insulinfreisetzung, ↓ Glucagon
Pankreatitisrisiko, Kopfschmerz, Schwindel, selten Hautreaktionen oder bullöses Pemphigoid
Gewichtneutral; keine Hypoglykämien in Monotherapie
SGLT2‑Inhibitoren (Gliflozine)(Dapagliflozin, Empagliflozin, Ertugliflozin)
Hemmung des Na⁺/Glucose‑Cotransporters SGLT2 im proximalen Tubulus → Glucosurie
Genital‑ und Harnwegsinfektionen, Hypovolämie, Hypotonie, euglykämische Ketoazidose, selten Fournier‑Gangrän
Günstig bei Herz‑ und Niereninsuffizienz; leichte Gewichts‑ und Blutdrucksenkung
Glitazone(Thiazolidindione)(Pioglitazon)
Aktivierung von PPAR‑γ→ erhöhte Insulinsensitivität, verminderte Gluconeogenese
Gewichtszunahme, Ödeme, Herzinsuffizienz, Frakturrisiko↑, Harnblasenkarzinomrisiko↑
Kaum noch eingesetzt wegen Sicherheitsbedenken; günstige Lipidwerte
α‑Glucosidasehemmer(Acarbose)
Hemmung intestinaler Disaccharidspaltung → verlangsamte Glucoseresorption
Flatulenz, Meteorismus, abdominelle Schmerzen, Diarrhö
Keine Hypoglykämien; geringer HbA1c‑Effekt
Inkretin-Effekt
Nahrungsaufnahme → Aktivierung enteroendokriner Zellen im Gastrointestinaltrakt → Freisetzung von Glucagon-like Peptide 1 (GLP1) → Stimulation der Insulinsekretion aus den Betazellen des Pankreas durch GLP1 → Hemmung der Glucagonsekretion → Verlangsamung der Magenentleerung (Sättigungsgefühl↑, Gewicht↓) → Abbau von GLP1 durch das Enzym Dipeptidylpeptidase-4 → Inkretin-Effekt endet
Antidiabetika - Kurze Übersicht
Antidiabetika senken den Blutzucker bei Diabetes mellitus Typ 2 durch verschiedene Mechanismen: Steigerung der Insulinsekretion, Erhöhung der Insulinsensitivität oder Förderung der Glucoseausscheidung
Metformin (Biguanid) ist Mittel der ersten Wahl; es senkt die hepatische Glucoseproduktion, verbessert die Insulinsensitivität und führt nicht zu Hypoglykämien
Sulfonylharnstoffe und Glinide stimulieren die Insulinsekretion unabhängig (Sulfonylharnstoffe) bzw. abhängig (Glinide) von der Nahrungsaufnahme → Risiko für Hypoglykämien
DPP‑4‑Hemmer (Gliptine) und GLP‑1‑Analoga verstärken den Inkretin‑Effekt → mehr Insulin bei hoher Glucose, weniger Glucagon; UAW v.a. gastrointestinale Beschwerden, Pankreatitisrisiko
SGLT‑2‑Inhibitoren (Gliflozine) fördern Glucoseausscheidung über die Niere und haben kardio‑ und nephroprotektive Effekte, aber Risiko für Genitalinfektionen und euglykämische Ketoazidose
Thiazolidindione (Glitazone) erhöhen die Insulinsensitivität über PPAR𝛾-Aktivierung; UAW: Gewichtszunahme, Ödeme, Herzinsuffizienz, Frakturen
α‑Glucosidasehemmer verzögern die Glucoseresorption im Darm; UAW: Flatulenz, Meteorismus, Diarrhö
Insulin bleibt reserviert für Dekompensationen, fortgeschrittenen Typ‑2‑Diabetes oder Typ‑1‑Diabetes
Übersicht Antidiabetika nach Wirkweise
Insulinotrop:
Sulfonylharnstoffe + Glinide -> Verstärkte Insulinsekretion durch Blockade der Kalium-Kanäle (Kaliumkanalblocker) der Betazellen des Pankreas
Über Inkretin-Effekt DPP-4-Hemmer und GLP-1-Analoga
Nicht-insulinotrop:
Biguanide (Hemmung hepatische Gluconeogenese)
SGLT2-Inhibitoren (Hemmung Na/Glucose-CoTransporter im prox. Tubulus)
Glitazone (Aktivierung PPAR𝛾, darüber verminderte Insulinresistenz)
α-Glucosidasehemmer: Verzögerung der Glucoseresorption im Intestinum
Wirkweisen der Therapeutika bei Hyperkaliämie
Natriumbicarbonat: Korrigiert Azidose → H⁺-Einstrom in Zellen ↓, Kaliumshift nach intrazellulär ↑
Calciumgluconat/-chlorid: Stabilisiert das kardiale Ruhemembranpotenzial, ohne den Kaliumwert direkt zu verändern
Insulin + Glucose: Aktiviert die Na⁺/K⁺‑ATPase, bewirkt Einstrom von K⁺ in Zellen (Onset ~15 min)
Salbutamol (β₂‑Agonist): Stimuliert cAMP‑abhängige Na⁺/K⁺‑ATPase, verstärkt intrazellulärenKaliumshift
Kaliumbinder (SZC, Patiromer): Austauschharze, die Kalium im Darm binden und über den Stuhl eliminieren
Schleifendiuretika (Furosemid): Blockade des Na⁺/K⁺/2Cl⁻‑Cotransporters, führt zu kaliuretischer Wirkung
Hämodialyse: Mechanische Extraktion von Kalium direkt aus dem Blut; effektivste Methode bei Nierenversagen
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