Q: (Folie 4) Was sind die drei zentralen Lernziele der Epidemiologie?
Man soll verstehen:
• Zentrale Konzepte und Begriffe der Epidemiologie
• Ablauf epidemiologischer Studien + methodische Besonderheiten
• Erkenntnisse aus Studien, v. a. zu
Vorkommen
Folgen psychischer Störungen
Q: (Folie 5) Welche zwei großen Themenbereiche gliedern die Epidemiologie?
Epidemiologie (Grundlagen)
• Konzepte & Begriffe
• Methodische Besonderheiten
Epidemiologie psychischer Störungen
• Prävalenz
• Komorbidität
• Risikofaktoren
• Versorgungsnutzen
• Mortalität & Suizidalität
Q: (Folie 7) Was beschreibt die Prävalenz grundsätzlich?
Die Prävalenz beschreibt die:
• Häufigkeit aller Erkrankungsfälle in einer Zielpopulation
• Verhältnis: Kranke / (Kranke + Gesunde)
👉 Also: Wie viele Menschen sind krank?
Q: (Folie 7) Welche Zeitbezüge der Prävalenz gibt es?
• Punktprävalenz → zu einem bestimmten Zeitpunkt
• Periodenprävalenz → innerhalb eines Zeitraums (z. B. 12 Monate)
• Lebenszeitprävalenz → irgendwann im bisherigen Leben
👉 Angaben erfolgen als Prozent oder Promille
Q: (Folie 7) Welche drei Arten von Prävalenz gibt es?
• Wahre Prävalenz → alle Fälle in der Allgemeinbevölkerung (unabhängig von Hilfesuche)
• Behandlungsprävalenz → Fälle in Behandlungseinrichtungen (abhängig von Hilfesuche)
• Administrative Prävalenz → Behandlungsprävalenz auf Basis von Routinedaten
Q: (Folie 7 + Mitschrift) Wozu wird Prävalenz genutzt?
• Planung von Versorgungseinrichtungen
→ z. B.: Wie viele Therapieplätze werden benötigt?
Details merken (Mitschrift):
• Hilft bei der Frage: „Was brauchen wir im System?“
Q: (Mitschrift + Folie 7) Was ist der Unterschied zwischen Behandlungsprävalenz und administrativer Prävalenz?
• Behandlungsprävalenz → basiert auf direkter Erhebung in Einrichtungen
• Administrative Prävalenz → basiert nur auf dokumentierten Routinedaten
👉 Beziehung:
• Jede administrative Prävalenz = Behandlungsprävalenz
• aber: nicht jede Behandlungsprävalenz ist administrativ
Q: (Folie 8) Was beschreibt die Inzidenz?
Die Inzidenz beschreibt die:
• Häufigkeit aller Neuerkrankungen
• in einer Zielpopulation
👉 Verhältnis: Neu-Kranke / Noch-Nicht-Kranke
Q: (Folie 8) Welche Zeitdimension hat die Inzidenz?
• Bezieht sich immer auf einen Zeitraum → meist 12 Monate
👉 Einheit:
• Prozent oder Promille (Raten)
Q: (Folie 8) Welche Arten der Inzidenz gibt es?
• Wahre Inzidenz → Allgemeinbevölkerung (unabhängig von Hilfesuche)
• Behandlungsinzidenz → Fälle in Behandlungseinrichtungen
• Administrative Inzidenz → auf Basis von Routinedaten
Q: (Folie 8 + Mitschrift) Wozu wird Inzidenz genutzt?
• Erweiterung ätiologischen & pathogenetischen Wissens
👉 z. B.:
• Wie entwickeln sich Störungen?
• Wie dynamisch ist eine Erkrankung?
Q: (Folie 9) Was beschreibt das Risiko in der Epidemiologie?
Das Risiko beschreibt:
• Vergleich der Erkrankungshäufigkeit zwischen
exponierter Gruppe (mit Risikofaktor)
nicht-exponierter Gruppe
👉 basiert auf Vergleich von Inzidenzen
Q: (Folie 9) Welche vier Risikomaße gibt es?
• Absolutes Risiko
• Risikodifferenz
• Relatives Risiko
• Odds Ratio
👉 Odds Ratio wird häufig verwendet
Q: (Folie 9 + Mitschrift) Wofür wird Risiko genutzt?
• Versorgungsplanung
• Planung & Überprüfung von Maßnahmen (Prävention, Therapie, Reha)
• Erkenntnisse zu Ursachen & Entwicklung
👉 Fokus laut Mitschrift:
• Prävalenz & Inzidenz → sehr wichtig
• Risiko → eher grundlegend verstehen
Q: (Folie 12) Was ist der erste Prüfschritt bei der Klassifikation eines Risikofaktors?
Assoziation zwischen Faktor und Outcome prüfen
• Nein → Kein Korrelat
• Ja → Korrelat → weiter prüfen
👉 Frage: Gibt es überhaupt einen Zusammenhang?
• Beispiel: Trauma & Depression → zunächst nur Zusammenhang, keine Kausalität
Q: (Folie 12) Was wird nach der Assoziation als Nächstes geprüft?
Kontingenz (zeitlich & räumlich sinnvoller Zusammenhang)
• Nein → Begleiterscheinung
• Ja → möglicher Risikofaktor → weiter prüfen
• Faktor muss vor dem Outcome auftreten, sonst keine sinnvolle Ursache
Q: (Folie 12) Was entscheidet, ob ein Risikofaktor variabel oder fest ist?
Manipulierbarkeit des Faktors (Dose-Response)
• Nein → Fester Faktor
• Ja → Variabler Risikofaktor
• Mehr Ausprägung des Faktors → verändert sich das Outcome?
Q: (Folie 12 + Mitschrift) Wann wird ein Risikofaktor als kausal eingestuft?
Wenn zusätzlich gilt:
• Manipulation des Faktors verändert das Outcome
→ dann: kausaler Risikofaktor
• Oft schwierig (z. B. Trauma nicht experimentell manipulierbar)
• Manche Faktoren (z. B. Geschlecht) → nicht manipulierbar → nicht kausal testbar
Q: (Folie 13) Was bedeutet Plausibilität und Kohärenz bei Kausalität?
• Zusammenhang muss theoretisch sinnvoll sein
• und zu bestehenden Studien passen
Q: (Folie 13) Was bedeutet Konsistenz und Replizierbarkeit?
• Zusammenhang zeigt sich in vielen Studien
• auch in unterschiedlichen Designs (z. B. Quer- & Längsschnitt)
Q: (Folie 13 + Mitschrift) Was bedeutet Bedeutsamkeit?
• Zusammenhang ist praktisch relevant
• nicht nur statistisch signifikant
• Signifikant ≠ wichtig
Q: (Folie 13) Was bedeutet Variabilität & Manipulierbarkeit / Spezifität?
A: • Veränderung des Outcomes durch gezielte Veränderung des Faktors
Q: (Folie 13) Was bedeutet Kontingenz im Kausalitätskontext?
A: • Risikofaktor tritt vor dem Outcome auf
Q: (Mitschrift) Warum ist Kausalität in der Psychologie oft schwer nachweisbar?
• Viele gleichzeitige Einflussfaktoren
• oft keine experimentelle Manipulation möglich
👉 Folge:
• Meist nur Korrelation statt Kausalität
Q: (Folie 15) Was unterscheidet Primärdaten in der Planung?
• Selbstgewählte Variablen
• Selbstgewählte Methoden
• Selbstgewähltes Personal
Q: (Folie 15) Was kennzeichnet Sekundärdaten in der Planung?
• Fremdbestimmte Variablen
• Fremdbestimmte Methoden
• Fremdbestimmtes Personal
Q: (Folie 15) Wie unterscheiden sich Primär- und Sekundärdaten in Kontrolle & Qualität?
• Primärdaten → hohe Kontrolle → bestimmbare, hohe Qualität
• Sekundärdaten → geringe Kontrolle → nicht-bestimmbare, eher geringe Qualität
Q: (Folie 15) Wie unterscheiden sich Primär- und Sekundärdaten im Umfang?
• Primärdaten → geringe Fallzahlen → kurze Laufzeit
• Sekundärdaten → hohe Fallzahlen → lange Laufzeit
Q: (Folie 15) Wie unterscheiden sich Primär- und Sekundärdaten im Aufwand?
• Primärdaten → hohe Kosten
• Sekundärdaten → geringe Kosten
Q: (Folie 15 + Mitschrift) Welche Fehlerquellen gibt es bei beiden Datentypen?
• Stichprobenziehung
• Falldefinition & Fallidentifikation
• Störvariablen
• Messfehler
• Unterschiedliche Studien → unterschiedliche Prävalenzen möglich
Q: (Folie 16) Welche vier Hauptphasen hat eine epidemiologische Studie?
Stichprobenziehung
Datenerhebung
Datenauswertung
Interpretation
Q: (Folie 17) Worauf kommt es bei der Stichprobenziehung an?
• Repräsentativität & Selektivität
• Response- / Drop-Out-Rate
• Power
• Deckt die Stichprobe alle Gruppen ab?
• Drop-Outs beeinflussen Aussagekraft
Q: (Folie 18) Welche drei Kernaspekte sind bei der Datenerhebung entscheidend?
• Messinstrumente
• Untersuchungsdesign
Q: (Folie 18 + Mitschrift) Warum ist die Falldefinition so wichtig?
• Sie bestimmt, wer als „krank“ gilt
👉 Folge: • unterschiedliche Definition → unterschiedliche Prävalenzen
Q: (Folie 18 + Mitschrift) Welche Rolle spielen Messinstrumente?
• bestimmen die Qualität der Datenerhebung
• Fragebögen vs. ausführliche Diagnostik
• Länge & Qualität der Tests beeinflussen Ergebnisse
Q: (Folie 19–21) Welche drei Aspekte sind bei der Datenauswertung wichtig?
• Transparenz
• Kontrolle von Bias
• Quantifizierbarkeit
Q: (Folie 20 + Mitschrift) Was bedeutet Bias-Kontrolle?
• Kontrolle systematischer Fehler, z. B.:
Selektion
Messfehler
Störvariablen
Q: (Folie 22) Was passiert in der Interpretation der Daten?
• Beschreibung & Aufdeckung von Ergebnissen
• Erklärung:
Korrelation
Kausalität
Q: (Mitschrift + Folie 22) Was ist bei der Interpretation besonders wichtig?
• Nicht automatisch Kausalität annehmen
👉 Meist gilt:
• Ergebnisse zeigen Korrelationen, keine Ursachen
Q: (Folie 25) Wie hoch ist die 12-Monats-Prävalenz psychischer Störungen insgesamt?
• ca. 27,7 % der Bevölkerung (18–79 Jahre)
👉 ≈ jede dritte Person innerhalb von 12 Monaten
Q: (Folie 25) Welche Störungen haben die höchste Prävalenz?
• Angststörungen → ca. 15 %
• Affektive Störungen → ca. 10 %
Q: (Folie 25) Welche geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt es?
• Frauen → höhere Prävalenzen
v. a. Angst- & affektive Störungen
• Männer → höher bei
Substanzmittelstörungen
Q: (Folie 25 + Mitschrift) Wie hoch ist die Lebenszeitprävalenz?
• ca. 50 %
👉 etwa jede zweite Person im Leben betroffen
Q: (Folie 27) Wie häufig treten mehrere Diagnosen gleichzeitig auf?
• 1 Diagnose → ca. 55 %
• 2 Diagnosen → ca. 22 %
• 3 Diagnosen → ca. 10 %
Q: (Folie 28 + Mitschrift) Warum gibt es hohe Komorbidität?
• Sekundäre Komplikationen
• Gemeinsame ätiologische Faktoren
• Gemeinsame diagnostische Kriterien
• z. B.: Depression → Substanzkonsum (sekundär)
• gleiche Symptome in mehreren Störungen
Q: (Folie 29) Welche Komorbiditäten sind am häufigsten?
• Angststörung + affektive Störung → ca. 17 %
• Angststörung + Angststörung → ca. 15 %
Weitere:
• Angst + affektiv + somatoform → ~5 %
• Angst + Substanz → ~5 %
Q: (Folie 31) Warum ist junges Alter ein Risikofaktor?
• Höchste Prävalenz bei 18–34 Jahren • besonders hoch bei < 25 Jahren
Q: (Folie 32) Wie wirkt sich der sozioökonomische Status aus?
• Niedriger Status → höheres Risiko
• Hoher Status → geringeres Risiko
Q: (Folie 33 + Mitschrift) Welche Rolle spielt Urbanität?
• Großstadt → höheres Risiko
• Kleines Dorf → geringeres Risiko
Q: (Folie 34 + Mitschrift) Gibt es Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland?
A: • Kein relevanter Unterschied
Q: (Folie 38) Wie haben sich die 12-Monats-Prävalenzen über 10 Jahre entwickelt?
• Nahezu unverändert
ca. 31,1 % → 29,9 %
Q: (Folie 39–40) Was hat sich gleichzeitig in der Versorgung verändert?
• Verbesserte Versorgung
mehr Psychotherapeuten
mehr Behandlungsmöglichkeiten
Q: (Folie 41 + Mitschrift) Warum bleiben Prävalenzen trotz besserer Versorgung gleich?
• Mangelhafte Versorgung (Zugang, Qualität)
• Zunehmende Morbidität (Belastungen, Krisen)
• Kultureller Wandel (Sensibilisierung, Pathologisierung)
Q: (Folie 43) Wie viele Menschen nehmen psychotherapeutische Hilfe in Anspruch?
• Gesamt: ca. 24 %
• Mit Diagnose: ca. 41 %
• Ohne Diagnose: ca. 12,9 %
Q: (Folie 43 + Mitschrift) Was ist die zentrale Erkenntnis zur Versorgung?
A: 👉 Weniger als die Hälfte der Betroffenen sucht Hilfe
Q: (Folie 44) Wie unterscheiden sich 12-Monats- und Lebenszeit-Inanspruchnahme?
• 12 Monate → eher gering (~16%)
• Lebenszeit → deutlich höher (~60%)
Q: (Folie 45 + Mitschrift) Wo suchen Menschen am häufigsten Hilfe?
• am häufigsten bei:
Psychotherapeuten
Hausärzten (~14%)
• Hausärzte oft nicht spezialisiert → psychische Störungen evtl. nicht erkannt
Q: (Folie 46) Wie hoch sind die Krankheitskosten psychischer Störungen?
• Sehr hoch (Millionenbereich)
• gehören zu den höchsten Krankheitskosten insgesamt
Q: (Folie 49) Wie ist das Sterblichkeitsrisiko bei psychischen Störungen?
• Erhöht • ca. 1,2 – 10-fach erhöht
Q: (Folie 49 + Mitschrift) Wie steht das Sterblichkeitsrisiko im Vergleich zu Rauchen?
• Rauchen → ca. 2,4
• Psychische Störungen → 1,2 – 10
👉 kann vergleichbar oder höher sein
Q: (Folie 50) Welche Störungen haben das höchste Suizidrisiko?
• Borderline-Persönlichkeitsstörung → ca. 44 %
• Anorexia Nervosa → ca. 31 %
Q: (Mitschrift) Was ist wichtig im Umgang mit Suizidalität?
• Immer aktiv ansprechen
👉 zentrale Fragen:
• Wie stark ist der Druck?
• Distanzierung möglich?
• Absprachefähigkeit?
• Frühere Suizidversuche?
Q: (Mitschrift) Welche Geschlechtsunterschiede gibt es bei Suizid?
• Frauen → mehr Versuche
• Männer → mehr vollendete Suizide
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