1. Erfahrung mit HL7 FHIR & Datenmodellierung
Frage: Vorgehen bei der Entwicklung eines FHIR-Datensatzes für den Notfallausweis?
Mein Vorgehen folgt einem strukturierten Prozess in enger Abstimmung mit den Stakeholdern:
Analyse & Modellierung: Zuerst erhebe ich die fachlichen Anforderungen (klinisch/ethisch) und modelliere konkrete Use Cases.
FHIR-Spezifikation: Ich identifiziere die notwendigen FHIR-Ressourcen und definiere Profile sowie Extensions. Dabei achte ich strikt auf bestehende Standards wie MIOs, um die Interoperabilität von Beginn an zu sichern.
Qualitätssicherung: Die Entwicklung erfolgt in enger Abstimmung mit der gematik. Ich validiere den Ansatz frühzeitig mit FHIR-Validatoren und Testservern.
Agilität: Ich setze auf kurze Feedback-Loops, um Fehlentwicklungen sofort zu korrigieren und schnell auf neue Anforderungen reagieren zu können.
2. Interoperabilität & Integration
Frage: Herausforderungen bei der Integration eines neuen Datensatzes in die ePA?
Die größte Herausforderung liegt im Dreiklang aus Technik, Semantik und Datenschutz:
Interoperabilität: Wir müssen sowohl die technische FHIR-Konformität als auch die semantische Eindeutigkeit gewährleisten. Hier nutze ich etablierte Standards wie SNOMED CT. Als Ontologie ermöglicht dies "Machine Reasoning", da medizinische Zusammenhänge über eindeutige IDs (z. B. für Herzinfarkt) systemübergreifend interpretierbar werden.
Datenschutz & ePA-Vorgaben: Die Abbildung sensibler Notfalldaten erfordert ein präzises Berechtigungsmanagement. Es gilt, die Patientenwünsche und Zugriffsberechtigungen exakt nach gematik-Spezifikationen umzusetzen.
Effizienz: Das Rad wird nicht neu erfunden; die Integration muss sich nahtlos in bestehende ePA-Strukturen und Stakeholder-Prozesse einfügen.
3. Kenntnisse der Telematikinfrastruktur (TI)
Frage: Welche Rolle spielt die TI bei diesem Projekt und welche Erfahrungen bringen Sie mit?
Die TI ist das Rückgrat des Projekts, da sie Datensilos auflöst und Informationen dort bereitstellt, wo sie benötigt werden.
Komponenten-Expertise: Ich bin vertraut mit dem Konnektor als Sicherheits-Gateway, dem Fachdienst KIM (S/MIME-Verschlüsselung, Verzeichnisdienst) und der ePA als zentralem Datentresor inklusive der Identitätsprovider (IDP).
Gematik-Standard: Ich orientiere mich am 4-S-Modell der gematik:
Struktur: Zusammenspiel von Karten, Konnektoren und Akten.
Schnittstellen: Interoperabilität via FHIR und APIs.
Sicherheit: VPN-Zugang, Verschlüsselung und Smartcards.
Szenarien: Abbildung konkreter medizinischer Abläufe.
Mein Ziel ist es, TI-Vorgaben frühzeitig zu integrieren, um spätere Anpassungsaufwände zu minimieren.
4. Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Frage: Wie gehen Sie mit den unterschiedlichen Perspektiven aus Medizin, Ethik und Informatik um?
Interdisziplinarität ist für mich kein Hindernis, sondern die Voraussetzung für eine passgenaue Lösung:
Methodik: Ich setze auf Workshops und Live-Präsentationen, in denen Anwender direkt Feedback geben können. Das macht abstrakte IT-Konzepte für Mediziner und Ethiker greifbar.
Kommunikation: Klare Use-Case-Beschreibungen dienen als gemeinsame Sprache, um komplexe ethische Aspekte (z. B. Patientenwille in Notfallsituationen) technisch präzise abzubilden.
5. Motivation und gesellschaftliche Relevanz
Frage: Was motiviert Sie, an einem Projekt zur digitalen Notfallplanung zu arbeiten?
Mich treibt die gesellschaftliche Relevanz an. In kritischen Notfallsituationen entscheiden Sekunden – eine digitale Notfallplanung stellt sicher, dass Patientenwünsche sofort berücksichtigt werden und eine patientengerechte Versorgung stattfindet. Es motiviert mich technologisch anspruchsvolle Lösungen zu bauen, die einen echten, lebensrettenden Mehrwert für den Nutzer schaffen.
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