Marker Myokardinfarkt
Herzfrequenz aus RR Intervallen errechnen
HF = 60 / Zykluslänge
zB:
bei 50mm/s: 1 cm = 0,2s
bei 3,1 cm = 3,1 x 0,2 = 0,62 s
HF = 60 / 0,62 = 97
generell bei 50 mm/s
1 cm = 300 /min
5 cm = 60 /min
ODER ein Blatt = 30cm, also sechs Sekunden Herzaktion = 1/10 Minute, d.h. einfach auszählen und x10 ist ungefähr die HF
bei 25 mm/s x 5, weil insgesamt 12 Sekunden abgebildet
VES
Lown Klassifikation
0
keine VES
I
einzelne monomorphe VES
II
viele monomorphe VES
IIIa
polymorphe VES
IIIb
repetetive VES (Bigeminus)
IVa
Couplet
IVb
Triplet, Salve
V
R auf T Phänomen
Ventrikuläre Tachykardie VT
Ursache:
Gesteigerte Automatie
ektope Zentren, je nach Ursprung ähnlich LSB oder RSB
wenn Zentrum im linken Ventrikel, dann RSB
wenn Zentrum rechts dann LSB
ektope Zentren häufig im Ausflusstrakt (weil Übergang von Myokard und Gefäß)
oder im linken Faszikel
ventrikuläre Reentrys
schlechtere Prognose
langsam leitender Abschnitt führt zu Reentry
entweder durch MI oder KHK oder Kardiomyopathy
weil Hinweis auf strukturelle Herzschädigung häufiger plötzlicher Herztod assoziiert
Entstehen im Bereich der Ventrikel = breite QRS Komplexe >120 ms, HF > 100 /min
+ AV Dissoziation
Sechs VES = VT
Anhaltende VT > 30s
nicht anhaltende VT < 30s
TIPP: Tachykardie erkennen:
>10 Schläge auf einer DIN A4 Seite
RR Intervall < 3cm
DD kann auch supraventrikulären Ursprung haben bei antidromer AVRT oder SVT mit Schenkelblock)
Unterscheidung mit Brugada Kriterien
Therapie:
Überwachung
elektrische Kardioversion
i.v. Amiodaron, Ajmalin, Lidocain
Kammerflattern
regelmäßige ventrikuläre Tachykardie > 250/min
es kann noch Blut ausgeworfen werden (jedoch viel zu wenig), aber weil noch regelmäßig
außerdem Übergang in Kammerflimmern möglich
keine ST-Strecke mehr sichtbat
REA
Kardioversion
Defibrillation
Kammerflimmern
UNREGELMÄSSIGE Tachykardie
keine koordinierte Kontraktion der Ventrikel —> unmittelbar Kreislaufstillstand
viele lokale Erregungszentren
Defibrillation würde zu einer Depolarisation aller Myokardzellen führen und theoretisch SR wieder möglich
P-Welle
<110 ms, <0,25 mV, überall positiv (außer aVR und manchmal V1)
AV-Block allgemein
Wichtige Zusammenhänge
PQ Dauer: Vorhoferregung (P-Welle), oberer/unterer Teil des AV-Knoten, His-Bündel, Tawara Schenkel, Purkinje-Fasern
Inferiorer MI + AV-Block
RCA versorgt AV-Knoten in 90% → inferiorer MI → AV-Block häufig. Meist reversibel wenn Reperfusion gelingt. Grad I/II Typ I → beobachten. Grad III → temporärer Schrittmacher.
Typ I vs. Typ II
Typ I (Wenckebach) = AV-Knoten betroffen → warnt vor sich → gutartiger.
Typ II (Mobitz) = His-Bündel betroffen → kein Vorzeichen → gefährlicher → Schrittmacher fast immer.
Ursachen
Kategorie
Kardial
Myokardinfarkt (inferiorer MI → RCA → AV-Knoten-Ischämie) · Myokarditis · Kardiomyopathie · Endokarditis · nach Herzchirurgie
Medikamente
Betablocker · Kalziumantagonisten (Verapamil, Diltiazem) · Digitalis · Antiarrhythmika (Amiodaron) · Cholinesterasehemmer
Elektrolyte
Hyperkaliämie · Hypokalzämie
Vagotonie
Sportler (Grad I häufig Normvariante) · Valsalva · Karotissinusmassage
Degenerativ
Lev-/Lenegre-Krankheit · Alter
Infektiös
Lyme-Borreliose (klassisch!) · Chagas · Diphtherie
AV Block I°
1:1 Überleitung
PQ >210 ms
AV Block II°
nicht zu jeder P-Welle ein QRS
Typ Mobitz I (Wenckebach)
immer längere PQ-Dauer, ab kritischen Punkt einmalig keine Überleitung
Typ Mobitz II
PQ Dauer konstant, aber ohne Vorzeichen kommt es zur Blockierung
Typ Mobitz I = Blockierung im oberen Teil AV-Knoten, ein Ersatzrhythmus kann im unteren AV-Knoten oder His generiert werden, höhere Frequenzen sind möglich
Typ Mobitz II = Blockierung im unteren Teil AV-Knoten. Nur noch tieferliegende Zentren können Ersatzrhythmus machen —> sind zu niedrig, meist breit
Indikation für SM daher ab Typ Mobitz II
AV Block III°
totaler AV-Block (Vorhof / Ventrikel funktional komplett getrennt)
Ersatzzentren übernehmen (wenn erst in Tawara Schenkelm, dann breite Komplexe)
(pathologische) Q-Zacke
norm: <30 ms, <1/4 der R-Amplitude
Entstehung: ventrikuläre Erreegung von Septum, von links nach rechts (Richtung V1)
Q-Zacken in V2-V4 pathologisch
pathologische Q-Zacken entweder bei Infarknarbe oder als Hinweis auf Sagittaltyp (SIQIII)
path Q in aVF = Infarknarbe der Hintwerwand
path Q in V2 (vor allem immer wenn QS (also kein R)) bis V5 = Infarktnarbe der Vorderwand
Infarkt der Seitenwand = keine path Q
bei SIQIII
Q-Zacke in III: nach dorsal gedreht, Herzspitze näher am Sternum, Septum horizontaler
zB durch Vergrößerung rechter Ventrikel (chronische Lungenerkrankung, akute LAE) oder physiologisch bei Trichterbrust
Vorgehen bei Q in III
path Q in aVF —> Narbe Hinterwand
tiefes S in I —> Sagittaltyp
isoliert in III —> Linkstyp
(pathologische) S-Zacke
Sagittaltyp physiologische bei Adipositas oder Trichterbrust
ansonsten Hinweis auf Rechtsherzbelastungszeichen, weil sich dann der rechte Ventrikel hypertophiert und in Richtung dorsal, kranial verschoben wird
normalerweise nimmt S in den Brustwandableitungen stetig ab, dann dominiert R = R/S Umschlag (normal zwischen V3 und V4)
breite, tiefe S-Zacke in V6:
Rechtsherzbelastung, meist normale R-Progression oder frühe hohe R-Zacke in V2
LAHB, wenn gleichzeitig überdrehter Linkstyp
RSB bei breitem QRS Komplex
R/S Umschlag
normalerweise zwischen V3/V4
wenn in V4 R>S, dann verzögert
Hauptvektor verschiebt sich also eher nach links, aufgrund von:
Linksherzhypertrophie (“mehr” Masse links)
Infarknarbe mit R-Verlust in V2 (also eher “weniger” Masse im Septum)
Linksschenkelblock mit verbreiterten QRS
vorzeitiger R/S Umschlag: R>S in V3 (Myokardmasse rechts dominant):
Rechtsherzbelastung (Rechtssherzhypertrophie) (zusätzlich S in V6)
RSB (linker Ventrikel schon “schnell erregt” und rechter verlangsamt)
R - Verlust
wenn in V2 bis V5 kein R = R-Verlust
u.U. Vorderwandinfarktnarbe
CAVE: u.U. akuter Vorderwandinfarkt! (weitere Hinweise beachten (ST-Hebung oder Trop))
Links - / Rechtsverspätung
Hinweis auf Myokardschaden (Hypertrophie) oder Störung der Reizleitung
Normalerweise letzter oberer Umschlagspunkt bis 30ms!
Linksverpätung:
zB bei Linksschenkelblock verlängerter letzter Umschlagpunkt in V6 (uU > 60ms), wegen Blockierung linker Tawara Schenkel
Rechtsverspätung:
in V1/2, meist sogar als zweite R-Zacke, besonders stark bei Block auf der rechten Seite (RSB)
Hypertrophie im EKG
Besonders durch 3 Merkmale:
Zunahme der Amplitude des QRS Komplexes (besonders in der jeweiligen Brustwandableitung)
breitere QRS-Komplexe mit verspäteten oberen Umschlagspunkt
uU Veränderung der ST-Strecke (eher Endstadium)
bzgl Amplituden: Sokolow Lyon Index
Linksherzhypertrophie:
größte Amplitude in V1 (S-Zacke)
größte Amplitude in V5 oder V6 (R-Zacke)
—> Addition beider Werte > 3,5 mV (35mm bei 10mm/mV) ist pathologisch
—> S (V1) + R (V5/6) > 3,5 mV => Linksherzhypertrrophie
Rechtsherzhypertrophie:
R in V1
S in V5/6
—> R (V1) + S (V5/6) > 1,05 mV => Rechtsherzhypertrophie
weitere Kriterien für Linksherzhypertrophie:
irgendeine Amplitude > 4,5 mV
R in aVL > 1,1mV
R in I > 1,2mV
R in aVF > 2mV
Rechtsherzhypertrrophie:
vorzeitiger R/SUmschlag (meist vor V3)
EKG bei Linksherzhypertrophie:
P-sinisstroatriale in I und II
LT oder üLT
QRS verlängert, aber <120ms
Sokolow Lyon Index > 3,5mV
R/S verspätet (R<S in V4)
Linksverspätung
ST-Streckensenkung in V5 / V6
präterminale T-Negativierung in V5, V6
P-dextroatriale in II, III, aVF
Rechtstyp (rS, QS in I, aVL) oder Sagitaltyp (SISIISIII, SIQIII)
path S in V6 (besonders, wenn kein üLT)
Sokolow Lyon Index > 1,05 mV
Vorzeitiger R/S
Rechtsverspätung
ST Streckenhebung in V2 und V3
präterminale T-Negativierung in V2 und V3
uU RSB
Elektrolytstörungen im EKG
Hypokaliämie
zB durch Erbrechen, Diuretika
Abflachung T Welle, ST Senkung, uU U-welle
Hyperkaliämie
Funktionsstörung Niere, kaliumsparende Diuretika
symmetrische Erhöhung der T-Welle
später verbreeitere QRS Komplexe im Sinne eineer diffusen ventrikulären Leitungsverezögerung
S Zacken in links gelegenen Ableitungen bei insgesamt verlangsamter Erregungsausbreitung
Kalzium eher Einfluss auf repolarisation mit Veränderung der ST Strecke
Hypokalziämie = Verlängerung ST Strecke
Hyperkaziämie = Verkürzun ST Strecke
Myokarditis
häufig ERBS wie ST Strecken Senkung oder T-Negativierung
Arrhytmien
Blockbilder
Perikarditis
ST Strecken Hebung, oft aus R- oder S Zacke heraus mit früher Repolarisation (diffus über allen Ableitungen)
Chronisch: terminale T-Negativierung
LAE EKG
Vreänderung Lagetyp zu Rechtstyp
P-dextroatriale
neuer inkompletter oder kompletter RSB
ST-Streckenveränderung rechtspräkordial
T-Negativierung rechtspräkordial
—> zusammen mit klinischen Zeichen wegweisend (sonst auch chronische Rechtsherzbelastung möglich)
EKG Hinweise auf kardiale Synkope (laut ESC)
asymptomatische Bradykardie
intermittierendes RR Intervall > 3s
AV Block II° oder III°
bifasszikulärer Block
breite QRS Komplexe (als Ausdruck intraventrikulärer Leitungsstörung)
Long QT
Delta Welle
path Q Zacken
Brugarda Syndrom
Rechtspräkordiale T-Negativierung
Adams-Stokes-Anfall
plötzliche Synkope durch kurzzeitigen Herzstillstand oder extreme Bradykardie – das Gehirn bekommt für Sekunden kein Blut mehr.
Reizleitungsstörung → Herzfrequenz fällt plötzlich extrem ab oder Asystolie für Sekunden → HZV bricht ein → Gehirn hypoperfundiert → Bewusstlosigkeit innerhalb von 5–10 Sekunden.
Erholt sich der Rhythmus spontan → Patient wacht wieder auf – oft ohne Erinnerung, oft mit kurzen Krämpfen (hypoxisch, kein epileptischer Anfall).
VHF Risikofaktoren
Vorhofflimmern – Chronische Risikofaktoren
Nicht-modifizierbar
Alter: Stärkster Risikofaktor
Ethnie: Personen mit hellem Hautton [3]
Genetik: Familiäre Häufung, insg. ca. 140 Genloci identifiziert [3]
Modifizierbar [3]
Kardiale Grunderkrankungen
Herzinsuffizienz jeder Genese (Entwicklung von AFib bei ca. 50% der Betroffenen) [5]
Kardiomyopathien ± Herzinsuffizienz: Insb. H(O)CM, ACM, DCM, Non-Compaction-Kardiomyopathie
Arterielle Hypertonie oder hochnormaler Blutdruck [3]
KHK
Dyslipidämie
Klappenvitien (insb. Mitralklappenvitien)
Erkrankungen der Erregungsbildung und -weiterleitung, bspw.
Sick-Sinus-Syndrom
Präexzitationssyndrome
Kanalopathien: Bspw. Long-QT-Syndrom, Brugada-Syndrom
Angeborene Herzfehler (auch EMAH)
Extrakardiale Grunderkrankungen
Diabetes mellitus Typ 2
Chronische Nierenkrankheit
OSAS, COPD
Lebensstilfaktoren
Adipositas
Körperliche Inaktivität bzw. sitzender Lebensstil
Exzessiver Ausdauersport (sog. Sportlerherz oder „Athlete's Heart“ [6])
Nikotinabusus
Alkoholabusus [3]
Psychologische Faktoren
Luftverschmutzung
Vorhofflimmern – Triggerfaktoren
Akutes Koronarsyndrom
Akute Myokarditis, Perikarditis
Lungenarterienembolie
Herzchirurgische Eingriffe [7]
Extrakardial
Hyperthyreose
Infektionen bzw. Sepsis
Elektrolytstörungen: Insb. Hypokaliämie, Hypomagnesiämie
AECOPD
Medikamentös-toxisch
Akute Alkoholintoxikation (bspw. Holiday-Heart-Syndrom)
Sympathomimetika bzw. Parasympatholytika (inkl. Drogenabusus)
Allgemeine Triggerfaktoren für Tachykardien: Bspw. Anämie, Schmerz oder Hypovolämie
Ein hilfreiches Akronym zum Erinnern der wichtigsten akuten Triggerfaktoren von Vorhofflimmern ist PIRATES:
P – Pulmonale Erkrankungen,
I – Ischämie,
R – Rheumatische Herzerkrankungen,
A – Anämie,
T – Thyroidea (Schilddrüsenüberfunktion),
E – Ethanol (Alkoholintoxikation),
S – Sepsis.
VHF - Definition
Paroxysmales Vorhofflimmern
AFib, das innerhalb von 7 d in einen Sinusrhythmus konvertiert (spontan oder durch Intervention)
Persistierendes Vorhofflimmern
AFib, das >7 d anhält (inkl. AFib, das erst nach >7 d kardiovertiert wird)
Langanhaltend persistierendes Vorhofflimmern
AFib, das zum Zeitpunkt einer Entscheidung bzgl. Rhythmuskontrolle bereits >12 Monate besteht
Permanentes Vorhofflimmern
Sowohl von Patient:innen als auch von ärztlicher Seite akzeptiertes AFib ohne Ziel der Rhythmuskontrolle
FBI-Tachykardie
Bei WPW mit VHF
„Fast, Broad, Irregular“
Hohe Ventrikelfrequenz
Deformierte QRS-Komplexe
Unregelmäßige RR-Abstände
Ggf. Fusion Beats
Herzachse stabil
Seltene, aber wichtige Differenzialdiagnose bei Breitkomplextachykardie
Instabile Hämodynamik: Elektrokardioversion
Stabile Hämodynamik
Akut: Ajmalin, alternativ Flecainid oder Propafenon
Cave: Kein Einsatz von Betablockern, NDCA, Adenosin, Digitalisglykosiden oder Amiodaron (Gefahr der paradoxen Beschleunigung)!
Langfristig: Katheterablation der akzessorischen Leitungsbahn (ggf. + Pulmonalvenenisolation )
Komplikationen: Kardiogener Schock, plötzlicher Herztod
VHF Therapiegrundsätze
AF-CARE (2024)
AF = Vorhofflimmern
C = Einstellung von Komorbiditäten und Risikofaktoren: Upstream-Therapie
A = Antikoagulation bzw. Thromboembolieprophylaxe
R = Reduktion von Symptomen: Frequenzkontrolle und/oder Rhythmuskontrolle
E = Regelmäßige Reevaluation
Bei Kardioversion:
Immer an Antikoagulation denken. Wenn Pat. mind drei Wochen therapeutisch antikoaguliert, dann Schuss. Ansonsten erst Thrombenausschluss mittels TEE und dann Schuss. Wenn Thrombus vorhanden und Patient kreislaufstabil, dann antikoagulieren für vier Wochen und dann Schuss nach Nachkontrolle
Eine elektive Kardioversion bei Vorhofflimmern >24 h darf erst nach ≥3 Wochen etablierter therapeutischer Antikoagulation oder Thrombenausschluss mittels TEE erfolgen!
Symptomkontrolle bei VHF
2 Hauptprinzipien: Jeweils individuelle Entscheidung, welches Prinzip primär verfolgt wird
Frequenzkontrolle = AFib mit Ziel einer weitgehend normalen Kammerfrequenz
Rhythmuskontrolle = Wiederherstellen und Aufrechterhalten eines Sinusrhythmus
Medikamentöse Frequenzkontrolle
Indikation
Initiale Basistherapie bei Erstdiagnose AFib
Zusätzliche Therapieoption neben Rhythmuskontrolle
Vorteile: Schneller Wirkeintritt, i.d.R. wenig Nebenwirkungen, sichere Anwendung
Nachteile: Kein Einfluss auf strukturelle Langzeitveränderungen, erhöhtes Bradykardierisiko
Substanzen
Mittel der Wahl:
Betablocker (v.a. in Kombi mit HFrEF, KI bei Asthma)
NDCA (Verapamil) - (v.a. bei Asthma als Option, KI bei HFrEF!)
Digitalisglykoside (plasmaspiegel beachten, enges therapeutisches Fenster)
Bei Vorhofflimmern mit Präexzitation dürfen keine negativ dromotropen Substanzen wie Betablocker oder Adenosin eingesetzt werden, da ansonsten die Degeneration in lebensgefährliche ventrikuläre Arrhythmien droht!
Apparative Frequenzkontrolle
bei ausgereizter Dreifachtherapie (ultima ratio)
Pace and Ablate
Frequenzkontrolle bei bradykard übergeleitetem Vorhofflimmern
Atropin
SM
Elektrokardioversion
Jedes tachykard übergeleitete AFib mit hämodynamischer Instabilität
Bei persistierendem AFib zur Prüfung der Symptom-Rhythmus-Korrelation und Kontrolle der LVEF im Sinusrhythmus
in tiefer Analgosedierung (Verabreichung von Analgetika und Sedativa)
Medikamentöse Rhythmuskontrolle
Periinterventionell bei elektiver Elektrokardioversion
Symptomatisches Frührezidiv nach Ablation
Alternative Therapieoption bei Kontraindikationen für oder Z.n. (mehrfach) frustraner Ablation
pill in the pocket Prinzip möglich (mit stärkerer Selbstwirksamkeit des Patienten, mit Flecainid oder Propafenon, Personen ohne strukturelle Herzerkrankung (bspw. KHK, hochgradige LV-Hypertrophie und/oder HFrEF))
Flecainid, Propafenon (i.v./p.o.) (Klasse Ic), höchste Konversionsrate mit Flecainid, nicht geeignet bei struktureller Herzerkrankung
Vernakalant (i.v.) (Antiarrhythmikum speziell für die akute Kardioversion von Vorhofflimmern – i.v.-Formulierung für den Notfall/Akuteinsatz, wirkt vorhofselektiv auf Na und K Kanäle)
Amiodaron (i.v./p.o.) (Klasse III), vor allem bei Pat mit strukturellen Herzerkrankungen geeignet, unter langfristiger Therapie regelmäßige Kontrollen notwendig, u.a. von
QTc-Zeit (Therapieabbruch bei >500 ms)
Schilddrüsenfunktion
Lungenfunktion
Leberwerten
Cornea
Dronedaron (p.o.) (Klasse III) weniger wirksam, aber auch weniger UAW
Katheterablation
Alternative Therapieoption bei Kontraindikationen für oder Wirkverlust von Antiarrhythmika
Primäre Therapieoption bei paroxysmalem AFib
Vorteile
Als Erstlinientherapie beim paroxysmalen AFib Antiarrhythmika überlegen
Keine Nebenwirkungen durch Antiarrhythmika
Nachteile
Invasivität, tiefe Analgosedierung notwendig
Eingriffsspezifische Risiken, u.a. Perikardtamponade, TIA bzw. ischämischer Schlaganfall, ösophageale Läsionen, Nervus-phrenicus-Parese, Nachblutungen, Aneurysma spurium
Sehr selten: Ösophagoatriale Fistel: Kurzschlussverbindung zwischen Herz und Speiseröhre durch thermale Läsionen
Insb. bei fortgeschrittenem atrialen Remodeling einmalige Ablation häufig nicht nachhaltig
Frequenz- vs. Rhythmuskontrolle - Vor- und Nachteile
Frequenzkontrolle
Rhythmuskontrolle
Medikamentös
Schneller Wirkeintritt
I.d.R. kaum Nebenwirkungen
Sichere Anwendung
Invasiv: In bestimmten Patientengruppen Verbesserung der LVEF
Ggf. positiver Einfluss auf strukturelle Langzeitveränderungen
Elektrisch: Schnellste Form der Kardioversion
Medikamentös: Keine Analgosedierung
Invasiv
Beim paroxysmalen AFib Antiarrhythmika überlegen
Prognostischer Benefit in bestimmten Patientengruppen
Kein Einfluss auf strukturelle Langzeitveränderungen
Medikamentös: Bradykardierisiko↑
Invasiv: Komplette Schrittmacherabhängigkeit
Thromboembolierisiko↑
Geringe Erfolgsaussichten bei fortgeschrittenem atrialen Remodeling oder inadäquater Upstream-Therapie
Einmalige Kardioversion häufig ohne langfristige Wirkung
Elektrisch/invasiv: Tiefe Analgosedierung, eingriffsspezifische Risiken
Medikamentös: Zahlreiche Medikamentennebenwirkungen
Frequenz- vs. Rhythmuskontrolle - Indikationen
Initiale Basistherapie
Zusätzlich zur Rhythmuskontrolle
Primäre Therapieoption bei
Geringen Erfolgsaussichten einer Rhythmuskontrolle
Kontraindikationen für eine Rhythmuskontrolle
Z.n. gescheiterter Rhythmuskontrolle
Ultima Ratio bei insuffizienter medikamentöser Frequenzkontrolle
Elektrisch
Jedes hämodynamisch instabile, tachykard übergeleitete AFib
Bei persistierendem AFib zur Symptom-Rhythmus-Korrelation und LVEF-Kontrolle im Sinusrhythmus
Bei kontraindizierter oder Z.n. (mehrfach) frustraner Ablation
Primäre oder zusätzliche Therapieoption in bestimmten weiteren Patientengruppen
Bei kontraindizierter oder Z.n. frustraner Therapie mit Antiarrhythmika
Primäre Therapieoption bei paroxysmalem AFib, seltener bei persistierendem AFib
Primäre Therapieoption bei V.a. Tachykardiomyopathie, seltener bei HFrEF ohne Tachykardiomyopathie
Zusätzliche Therapieoption in bestimmten weiteren Patientengruppen
Bei Brady-Tachy-Syndrom erwägen
Chirurgische Ablation
Minimal-invasiv: Bei persistierendem AFib und Z.n. frustraner Therapie mit Antiarrhythmika erwägen
Offen: Bei AFib und geplanter Mitralklappenchirurgie
Tachykardiomyopathie
Pathophysiologie
(Tachy‑)Arrhythmie mit Verlust der effektiven Vorhofkontraktion → Energie- und O2-Verbrauch↑, Asynchronie → Gestörte intra- und extrazelluläre Prozesse → Kontraktilität↓, HZV↓, Wandspannung↑, Füllungsdruck↑ → Langfristig: Ventrikeldilatation
Ätiologie
Supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen: Insb. AFib, AFlut, seltener AVNRT, AVRT
Ventrikuläre Herzrhythmusstörungen: Insb. ventrikuläre Extrasystolie
(Langzeit‑)EKG mit Tachykardiomyopathie-verdächtigen Befunden, insb.
Supraventrikuläre Tachykardie mit dauerhaft >100/min erhöhter Herzfrequenz und/oder einem Burden von >10–15%
VES-Burden >10%
TTE
Eingeschränkte LV-Funktion mit globaler Hypokinese (nicht wie bei z.n. MI mit lokaler Wandbewegungsstörung) ± diastolische Funktionsstörung
Ggf. Mitralklappeninsuffizienz bei bereits dilatierten linken Herzhöhle
Therapie: Beendigung der Herzrhythmusstörung + Beginn bzw. Optimierung einer Herzinsuffizienztherapie
Vorhofflimmern - Therapie
Frühe Rhythmuskontrolle mittels Katheterablation bevorzugen!
Ventrikuläre Extrasystolen - Therapie
Frühe Katheterablation bevorzugen (falls anatomisch machbar)
Herzinsuffizienz - Therapie
Je nach LV-Funktion ggf. ICD-Evaluation oder Versorgung mit LifeVest®
Antikoagulanzien Wirkweise
Faktor-Xa-Hemmer: Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban
Faktor-II-Hemmer / Direkte Thrombin Hemmer: Dabigatran
weniger ICB als VKA
bessere Einstellung, einheitliche Dosierung
Wirkungsverstärkung durch P-Glykoprotein-Inhibitoren (P-Glykoprotein ist ein membrangebundenes Transportprotein, das aktiv körperfremde Stoffe (= P-gp-Substrate, bspw. Pharmaka) aus Zellen heraustransportiert (insb. Darmepithel, proximaler Nierentubulus, Blut-Hirn-Schranke). P-gp-Inhibitoren reduzieren diese Transportkapazitäten und bewirken so eine verstärkte und/oder verlängerte Wirkung der Substrate. Das Spektrum von P-gp-Substraten, -Inhibitoren und -Induktoren ähnelt dem von CYP3A4.)
VKA: Phenprocoumon, Warfarin
Anpassung an Quick / INR
CAVE: CYP3A4-Metabolismus (daher auch Wirkverstärkung durch Antibiotika etc)
weitere Interaktion auch mit Nahrung etc, außerdem Antazida können die Resorption verschiedener Medikamente verringern, u.a. von Vitamin-K-Antagonisten. Colestyramin bindet an Vitamin-K-Antagonisten und beschleunigt durch Unterbrechung des enterohepatischen Kreislaufs zudem ihre Elimination. Andere Substanzen konkurrieren mit Vitamin-K-Antagonisten bspw. um die Plasmaeiweißbindung und reduzieren so deren Bioverfügbarkeit.
UFH:
NMH, Fondaparinux:
Vergleich NMH / UFH
Zusammenfassung – Vergleich
UFH
NMH
DOAKs (Xa-Hemmer)
Hemmt hauptsächlich
IIa + Xa (1:1)
Xa >> IIa (4:1)
Xa (direkt, ohne AT)
aPTT geeignet?
Ja
Nein
Anti-Xa geeignet?
Bedingt
Ja (kalibriert)
Routinemonitoring
Ja (aPTT)
Nein (außer Ausnahmen)
aPTT und Quick / INR
INR (= Quick-Wert) misst den extrinsischen Gerinnungsweg – Faktor VII, X, V, II, Fibrinogen → wird durch Vitamin-K-Antagonisten (Marcumar) beeinflusst weil diese die Synthese Vitamin-K-abhängiger Faktoren hemmen.
aPTT misst den intrinsischen Gerinnungsweg – Faktor XII, XI, IX, VIII, X, V, II → wird durch Heparin beeinflusst weil Heparin Thrombin und Faktor Xa über Antithrombin hemmt.
Faktor VII hat eine HWZ von nur 4–6h und liegt ausschließlich im extrinsischen Weg. Er fällt als erster ab wenn VKA gegeben wird.
Die aPTT sieht Faktor VII gar nicht – sie startet den intrinsischen Weg und umgeht Faktor VII komplett. Der INR reagiert aber sofort auf den Faktor-VII-Abfall.
Test
Misst
Reagiert auf
Reagiert auf DOAKs
INR
Extrinsischer Weg (VII, X, V, II)
Marcumar
Kaum / unzuverlässig
aPTT
Intrinsischer Weg (XII–II)
Heparin
Leicht bei Dabigatran, kaum bei Xa-Hemmern
Anti-Xa kalibriert
Direkt Faktor Xa-Aktivität
Xa-Hemmer
Ja – spezifisch
Thrombinzeit
Direkt Thrombinaktivität
Dabigatran
Ja – sensitiv
Antikoagulation Übersicht
Warum welcher Test?
aPTT → UFH (hemmt IIa → intrinsischer Weg) ·
INR → VKA (Faktor VII fällt zuerst, kurze HWZ 4–6h) ·
Anti-Xa → NMH + Xa-Hemmer ·
INR/aPTT blind für DOAKs
Merksatz
UFH = aPTT + Protamin.
NMH = kein Monitoring + partiell Protamin.
VKA = INR + Vit K/PPSB.
DOAKs = kein Routine-Monitoring + spezifische Antagonisten. Mech. Klappe → immer VKA, nie DOAK.
Perioperatives Management der Antikoagulation
Bridging = Überbrückung der VKA-Pause mit NMH therapeutisch. Nur bei hohem Thromboembolierisiko sinnvoll:
Risiko
Situation
Vorgehen
Hoch
Mechanische Mitralklappe · VHF + Schlaganfall <3 Mo · TVT/LAE <3 Mo
Bridging mit NMH therapeutisch
Mittel
Mechanische Aortenklappe · VHF + CHA₂DS₂-VASc ≥4
Individuell · oft kein Bridging
Niedrig
VHF ohne weitere RF · TVT/LAE >12 Mo
Kein Bridging
⚠ DOAKs werden grundsätzlich nicht gebrückt – kurze HWZ reicht als Sicherheitsabstand. Bridging nur bei VKA.
Rückenmarknahe Verfahren (ESRA-Leitlinie)
Substanz
Pause vor Punktion
Nach Punktion / Katheterentfernung
NMH prophylaktisch
12h
4h
NMH therapeutisch
24h
UFH i.v.
4–6h + aPTT normal
1h
VKA
INR <1,4
nach Katheterentfernung
Rivaroxaban / Apixaban
48–72h
6h
ASS 100
keine
–
Clopidogrel
7 Tage
VT im EKG
AV-Dissoziation
Hinweise im EKG
P-Wellen unabhängig von QRS-Komplexen
Capture Beats: Einzelne Vorhoferregung wird übergeleitet und aktiviert den Ventrikel komplett vor dem nächsten VT-Komplex
Fusion Beats: Einzelne Vorhoferregung wird übergeleitet und aktiviert den Ventrikel partiell vor dem nächsten VT-Komplex
Durch die ungewöhnliche Erregungsausbreitung bei einer VT ist der QRS-Komplex meist deformiert
QRS-Dauer >160 ms
Ungewöhnlicher Lagetyp
QRS-Vektor -90° bis -180°, entspricht einem „stark überdrehten Rechtstyp“ oder einem „stark überdrehten Linkstyp“
Bei einer VT erfolgt die Erregungsausbreitung anfangs meist über das Ventrikelmyokard und erst danach über das spezialisierte Erregungsleitungssystem (anders als bei Blockbildern)
VT Therapie
Kausaltherapie
Überprüfen der Digitalismedikation
Ausgleichen des Elektrolytstatus (z.B. Kalium)
Revaskularisation bei KHK
Akuttherapie
Gute Pumpfunktion → Ajmalin
Herzinsuffizienz → Amiodaron
Kardiogener Schock, Lungenödem, Therapieversagen → Elektrische Kardioversion
Torsade de Pointes → Magnesiuminfusion
Siehe auch: Therapie der Torsade de Pointes
Pulslose ventrikuläre Tachykardie → Defibrillation
Prophylaxe
Betablocker
Antitachykarde Schrittmachertherapie bzw. implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD)
Kammerflattern:
ventrikuläre HRST mit HF 250-320/min
Kammerflimmern:
>320/min mit undulierenden, nicht mehr als QRS-Komplex zu erkennenden Ausschläge
—> schnellstmögliche Defibrillation
—> Beseitigung potenziell reversibler Ursachen (H’s und HITS)
SM Indikation
Antibradykarde Schrittmachertherapie
Symptomatische Bradykardie (Synkopen, Adams-Stokes-Anfälle, Herzinsuffizienz)
AV-Block III°, AV-Block II° Typ Mobitz II
Karotissinussyndrom
SA-Blockierungen
Bradykardes Vorhofflimmern
Passagerer Notfallschrittmacher (Myokardinfarkt, Digitalisintoxikation)
Antitachykarde Schrittmachertherapie
Primärprophylaxe: Erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod (Herzinsuffizienz ischämischer Genese mit einer Ejektionsfraktion ≤35%, kongenitale oder erworbene Kardiomyopathien bzw. Herzerkrankungen mit hohem Risiko maligner Herzrhythmusstörungen)
Sekundärprophylaxe: Nach Kammerflimmern oder ventrikulärer Tachykardie mit hämodynamischer Instabilität
Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT)
Höhergradige Herzinsuffizienz (Ejektionsfraktion ≤35% und kompletter Linksschenkelblock)
Desynchronisierte linksventrikuläre Kontraktion
Typische SM
Einkammerschrittmacher/-modi
VVI-Schrittmacher/Modus = „Ventrikelbedarfsschrittmacher“
Indikation: Bei Vorhofflimmern mit langsamer Überleitung (Bradyarrhythmia absoluta)
Stimuliert dauerhaft den Ventrikel, außer nimmt Eigenaktivität im Ventrikel wahr.
Inhibiert Stimulation, wenn im Ventrikel was wahrnimmt die Stimulation des Ventrikels
AAI-Schrittmacher/Modus = „Vorhofbedarfsschrittmacher“
Indikation: Bei Sinusbradykardie mit intakter AV-Überleitung
Stimuliert dauerhaft den Vorhof, außer Eigenaktivität Sinusknoten kommt
Zweikammerschrittmacher/-modi
VAT-Schrittmacher/Modus
Indikation: Bei höhergradigen AV-Blockierungen (heute nur noch selten)
Funktionsweise: Stimuliert den Ventrikel, nachdem im Vorhof eine Aktivität registriert wurde
Nachteil: Da keine Eigenaktivität des rechten Ventrikels registriert wird, kann es passieren, dass die Stimulation des rechten Ventrikels in die vulnerable Phase des Arbeitsmyokards fällt, wodurch maligne Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden können.
DDD-Schrittmacher/Modus
Erklärung: AV-sequenzieller Schrittmacher, ggf. mit Frequenzanpassung (mit R hinten dran)
Bei höhergradigen AV-Blockierungen
Heutzutage wird i.d.R. ein DDDR-Schrittmacher verwendet, der zusätzlich über eine Frequenzadaptierung verfügt
Funktionsweise
Registriert die Eigenaktivität des rechten Vorhofs und rechten Ventrikels und kann beide stimulieren
Beispiel: Bei Eigenaktivität des rechten Vorhofs wird die Impulsabgabe im rechten Vorhof inhibiert. Bleibt im Ventrikel anschließend eine Eigenaktivität aus, wird eine Impulsabgabe für den rechten Ventrikel getriggert. Besteht jedoch im rechten Ventrikel Eigenaktivität, dann wird auch dort die Impulsabgabe inhibiert .
Am Beispiel eines VVI (indiziert bei Bradyarrhythmia absoluta) ergibt sich daraus diese Funktion (I→V→V): Die Impulsabgabe durch den Schrittmacher wird gehemmt (I=Inhibierung), wenn im Ventrikel (V) eine Eigenaktivität registriert wird. Es wird in diesem Fall also im Ventrikel (V) zu keiner Impulsabgabe kommen bzw. es kommt immer dann zu einer Impulsabgabe, wenn keine Eigenaktivität registriert wird.
ACT-Zielwerte je nach Eingriff
Normale Antikoagulation: 80–120s
PCI / Katheter: 250–350s
Herzlungenmaschine (HLM): >400–480s
ECMO: 160–200s
Koronarangiographie
Kriterien zur Revaskularisation einer Koronararterienstenose bei chronischem Koronarsyndrom (allgemeine Indikation, danach erst Entscheidung ob ACB oder PCI)
Stenose >50% im Hauptstamm oder proximalem RIVA
Hauptstamm versorgt fast den gesamten linken Ventrikel. Proximaler RIVA versorgt Vorderwand + Septum + großen Teil des LV. Eine Stenose hier gefährdet so viel Myokard dass Revaskularisation fast immer sinnvoll ist – unabhängig von Symptomen.
≥2 Koronargefäße + EF <35–40%
Wenn das Herz schon geschwächt ist und mehrere Gefäße betroffen sind → Ischämie treibt die Herzinsuffizienz weiter an → Revaskularisation kann hibernierendes Myokard retten → EF kann sich erholen. Das ist der STICH-Studien-Gedanke.
Symptomatische Stenose trotz Medikation
Patient hat weiterhin Angina pectoris obwohl Betablocker, Nitrate etc. gegeben werden → Lebensqualität eingeschränkt → Revaskularisation zur Symptomkontrolle gerechtfertigt.
Ischämie >10% des LV
Funktionelles Kriterium – nicht die Anatomie entscheidet sondern ob die Stenose tatsächlich relevante Ischämie erzeugt. Gemessen durch:
Stressechokardiographie
Stress-MRT
FFR (Fraktionelle Flussreserve) im Katheterlabor
Eine Stenose die >10% des LV ischämisiert hat prognostischen Einfluss → Revaskularisation verbessert Überleben.
FFR – Fraktionelle Flussreserve
Das ist wichtig weil eine anatomisch sichtbare Stenose (z.B. 60% im Angiogramm) nicht zwingend hämodynamisch relevant ist – das Gefäß kann den Blutfluss trotzdem ausreichend aufrechterhalten. Und umgekehrt kann eine optisch weniger imposante Stenose bei maximaler Belastung relevant werden.
FFR vergleicht den Blutdruck distal der Stenose mit dem Druck proximal (= Aortendruck) unter maximaler Vasodilatation (Adenosin i.v. oder intrakoronar):
FFR = P(distal) / P(proximal)
—> normalerweise 1 (weil 100/100 = 1)
FFR >0,80 → nicht hämodynamisch relevant → medikamentös behandeln
FFR ≤0,80 → hämodynamisch relevant → Revaskularisation sinnvoll
FFR ≤0,75 → sicher relevant → Revaskularisation indiziert
Intravaskulärer Ultraschall (IVUS)
Definition: Darstellung der Arterienwand in vivo mittels Ultraschallsonde, die während der Herzkatheteruntersuchung in ein Koronargefäß eingeführt wird
Nutzen: Exaktere Beurteilung der Gefäßwand und Plaques
Unterscheidung von Fibrose, Verkalkungen und Lipidanteilen
Optimierte Stentimplantation
Einsatzgebiet: Bisher selten, meist in Kombination mit OCT
Optische Kohärenztomografie (OCT)
Definition: Hochauflösende, lichtbasierte, intravaskuläre Schnittbildgebung insb. der lumennahen Gefäßabschnitte
Nutzen
Beurteilung der Zusammensetzung von Plaques und von In-Stent-Stenosen
Einsatzgebiet: Einzelfallentscheidung (meist in Kombination mit IVUS)
Insb. bei Eingriffen einer ungeschützten Stenose des linken Hauptstamms und bei In-Stent-Stenosen
Thrombozytenaggregationshemmer
DAPT – Duale Thrombozytenaggregationshemmung (ASS + P2Y12-Hemmer)
Dauer
Besonderheit
STEMI nach PCI
ASS + Ticagrelor (bevorzugt) oder Prasugrel
12 Monate
Ticagrelor/Prasugrel > Clopidogrel bei ACS · schnellerer Anschlag · stärker
NSTEMI / instabile AP nach PCI
ASS + Ticagrelor oder Clopidogrel
Prasugrel KI wenn Koronaranatomie vor Kathetergabe unbekannt
Elektive PCI – Drug Eluting Stent (DES)
ASS + Clopidogrel
6 Monate (Minimum 3 Mo bei hohem Blutungsrisiko)
DES resteniert weniger aber Endothelialisierung dauert länger → längere DAPT
Elektive PCI – Bare Metal Stent (BMS)
4 Wochen
BMS endothelialisiert schneller → kürzere DAPT ausreichend
Schlaganfall / TIA (frühe Phase)
21 Tage dann Monotherapie
POINT/CHANCE-Studie: kurzfristige DAPT reduziert Rezidivschlaganfall
Bypass-OP (ACB)
ASS dauerhaft · Clopidogrel zusätzlich 12 Mo bei ACS-Indikation
ASS dauerhaft · P2Y12 je nach Indikation
Bypass selbst = kein Stent → DAPT nicht immer nötig · bei ACS trotzdem
Empfohlene Dauer der DAPT nach Myokardinfarkt
Ohne PCI
Für ≥1 Monat
Bis zu 12 Monate (bei hohem Ischämierisiko)
Nach PCI
6–12 Monate
≥12 Monate bei Intervention mit bioresorbierbarem Scaffold
Bis zu 3 Jahre bei hohem Ischämierisiko : ASS DOSIS + Ticagrelor (in reduzierter Dosis!) DOSIS
Nach CABG
Bis zu 12 Monate (gemäß Empfehlung des Heart Teams, abhängig vom Ischämie- und Blutungsrisiko)
Medikation post-MI
DAPT (je nach Risiko und auch Prozedur)
Betablocker: Antiischämische und antiarrhythmische Wirkung, Tertiärprävention
Indikation: Insb. bei LVEF ≤40% (unabhängig von Symptomen einer Herzinsuffizienz)
Wirkstoffe (Bisoprolol, Metoprolol)
RAAS-Inhibitoren: Günstiger Effekt auf Angiotensin-II-bedingte Umbauprozesse am infarzierten Myokard („Remodeling“)
Indikation: Insb. bei LVEF ≤40%, Symptomen einer Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, arterieller Hypertonie und/oder CKD
CSE-Hemmer (Statine): Plaquestabilisierung, Tertiärprävention
Strategie: Statintherapie hoher Intensität (unabhängig vom LDL-Ausgangswert), Therapiebeginn so früh wie möglich
Wirkstoffe: Bevorzugt Atorvastatin oder Rosuvastatin
Mineralocorticoidrezeptor-Antagonisten: Bei LVEF ≤40% und Herzinsuffizienz oder Diabetes mellitus
Ggf. weitere medikamentöse Herzinsuffizienztherapie
Reduktion des kardiovaskulären Risikos, insb. Lebensstilveränderungen zur kardiovaskulären Prävention
Postmyokardinfarkt-Syndrom (Dressler-Syndrom, „Spätperikarditis“)
Mehrere Tage bis Wochen nach Infarktereignis auftretende abakterielle Herzbeutelentzündung (evtl. mit Pleuritis)
Diagnostik: Nachweis zirkulierender Antikörper gegen Herzmuskelzellen (autoimmune Genese)
Therapie: NSAR, ggf. Glucocorticoide
Seltene Komplikation: Hämatoperikard/Perikardtamponade
Prognose nach Myokardinfarkt
HFrEF / HFpEF
Systolische Herzinsuffizienz : Kontraktilität↓ → Perfusion des systemischen Kreislaufs↓ (Vorwärtsversagen ) → Renale Wasserretention↑ → Venöse Stauung → Ödeme (Rückwärtsversagen, dauerhaft verstärkten Wasserretention (sekundärer Hyperaldosteronismus) weil Niere nicht gut durchblutet!!)
Diastolische Herzinsuffizienz: Diastolische Ventrikelfüllung↓ → Schlagvolumen↓ → Vorwärts- und Rückwärtsversagen
HFpEF ist schwer zu behandeln weil die meisten HI-Medikamente auf neurohumorale Aktivierung und systolische Dysfunktion abzielen – bei HFpEF ist aber die Steifigkeit das Problem und die EF normal. Fast alle großen Studien (CHARM-Preserved, I-PRESERVE, PARAGON-HF) haben ihren primären Endpunkt verfehlt. Nur SGLT2-Hemmer haben inzwischen einen klaren Benefit gezeigt.
Pathophysiologie Herzinsuffizienz und Kompeensationsmechanismen
Systolische Herzinsuffizienz : Kontraktilität↓ → Perfusion des systemischen Kreislaufs↓ (Vorwärtsversagen ) → Renale Wasserretention↑ → Venöse Stauung → Ödeme (Rückwärtsversagen )
Kompensationsmechanismen:
Sympathikus: Herzzeitvolumen↓ → Sympathikusaktivierung → Herzfrequenz↑ → Verkürzte Diastole → Koronardurchblutung↓ → Relative Koronarinsuffizienz → Schlagvolumen↓ (Therapie: Betablocker)
Renin-Angiotensin-Aldosteron-System: Herzzeitvolumen↓ → Renale Perfusion↓ → Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems
Freisetzung von Angiotensin II↑ → Starke Vasokonstriktion → Nachlast↑ → Sauerstoffverbrauch des Herzens↑ → Schlagvolumen↓ (Therapie: ACE-Hemmer)
Freisetzung von Aldosteron↑ → Resorption von Wasser in der Niere↑ → Vorlast↑ → Venöse Stauung und Ödembildung (Therapie: ACE-Hemmer, Mineralocorticoidrezeptor-Antagonisten, Diuretika)
INTERMACS-Klassifikation (Interagency Registry for Mechanically Assisted Circulatory Support) der fortgeschrittenen Herzinsuffizienz
Die INTERMACS-Stadien wurden entwickelt, um Personen mit potenzieller Indikation für eine mechanische Kreislaufunterstützung anhand klinischer Parameter zu identifizieren und klassifizieren. Darüber hinaus erlauben sie eine Einschätzung der individuellen Prognose vor einer dringenden Herztransplantation oder Implantation eines LVAD sowie eine Risikoeinschätzung bei ambulant behandelten Personen mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz
H2FPEF-Score
Zur Abschätzung der Wahrscheinlichkeit einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF)
Kriterium
Punktzahl
Vorhofflimmern
3
BMI >30 kg/m2
2
Alter >60 Jahre
1
Einnahme von >2 Antihypertensiva
Transthorakale Echokardiografie
E/e'-Verhältnis >9
Geschätzter systolischer pulmonal-arterieller Druck (sPAP) >35 mmHg
0–1 Punkt: HFpEF relativ sicher ausgeschlossen
2–5 Punkte: Weitergehende Diagnostik erforderlich
6–9 Punkte: HFpEF relativ sicher nachgewiesen
≥5 Punkte: Wahrscheinlichkeit für HFpEF >80%
≥6 Punkte: Wahrscheinlichkeit für HFpEF >90%
HFrEF Therapie
Prognoseverbessernd: ARNI/ACE/AT1 + ß-Blocker + MRA + SGLT-2 immer bis zur Zieldosis (CAVE: Hyperkaliämie)
CRT Implantation: Sinusrhythmus, kompletter Linksschenkelblock mit QRS-Dauer ≥130 ms und EF ≤35% trotz optimaler medikamentöser Therapie
ICD Implantation: Herzinsuffizienz ischämischer Genese mit Ejektionsfraktion ≤35% trotz optimaler medikamentöser Therapie für ≥3 Monate und QRS-Dauer <130 ms
Device Therapie
Kurzfristig:
Entlastung bis zum Ausheilen einer Erkrankung (bspw. bei schwerer Myokarditis, sog. „Bridge-to-recovery“)
Zeit zur Entscheidungsfindung über die weitere Therapie gewonnen werden soll (sog. „Bridge-to-decision“)
Zeit bis zu einer dringenden Herztransplantation überbrückt werden muss (sog. „Bridge-to-transplantation“).
Devices: Impella oder va-ECMO
Langfristig:
(sog. „Destination Therapy“) ist bspw. bei Betroffenen sinnvoll, die für eine Herztransplantation nicht infrage kommen.
Devices: LVAD:
Voraussetzungen
Anhaltend schwere Symptomatik trotz optimaler medikamentöser und Device-Therapie
Keine schwere rechtsventrikuläre Dysfunktion und/oder schwere Trikuspidalklappeninsuffizienz
Stabiler psychosozialer Hintergrund
Keine schwerwiegenden Kontraindikationen
Mind. 1 der folgenden Merkmale
LVEF <25% und körperliche Belastbarkeit nicht ausreichend für Belastungstest oder relative VO2max <12 mL/kgKG/min
≥3 Krankenhausaufenthalte aufgrund von Herzinsuffizienz in den letzten 12 Monaten ohne offensichtliche Auslöser
Abhängigkeit von einer inotropen Therapie oder vorübergehend notwendige mechanische Kreislaufunterstützung
Fortschreitendes Endorganversagen aufgrund von Minderperfusion
Herztransplantation
Herztransplantation Indikation
Fortgeschrittener Herzinsuffizienz (NYHA III–IV) trotz optimaler medikamentöser, device-gestützter und ggf. chirurgischer Therapie .
Objektiv eingeschränkter kardiopulmonaler Belastbarkeit: VO₂max < 12–14 mL/kg/min in der Spiroergometrie .
Ausschöpfung sämtlicher anderer Behandlungsoptionen inklusive mechanischer Kreislaufunterstützung (z.B. LVAD) .
Gute extrakardiale Prognose ohne irreversible schwere Begleiterkrankung; Transplantationsprogramme akzeptieren i.d.R. Patient:innen bis 65–70 Jahre .
Emotionale Stabilität und nachvollziehbare Einsicht in die Therapieanforderungen .
Frühzeitige Vorstellung im Transplantationszentrum zur Beurteilung und ggf. Aufnahme auf die Warteliste (Eurotransplant-Kategorien T oder High Urgency (HU)) .
Absolute Kontraindikationen
Aktive Infektionen, v.a. mit Toxoplasmose, HIV, CMV oder Hepatitis .
Aktive oder metastasierende maligne Erkrankung .
Irreversible schwere Funktionsstörung anderer Organe: fortgeschrittene Lungenerkrankung (fixierte pulmonale Hypertonie), Nieren- oder Lebererkrankung .
Unzureichende Adhärenz oder unbehandelte psychiatrische Erkrankungen
Aktiver Nikotin-, Alkohol- oder Drogenabusus .
Relative Kontraindikationen
Kurativ behandelte Tumoren mit kurzer rezidivfreier Zeit, generalisierte Gefäßerkrankung, kontrollierte HIV-Infektion, systemische Erkrankungen in Remission .
Eurotransplant-Listungssystem:
T-Status: transplantabel, aber hämodynamisch stabil.
HU-Status: kritisch krank, hämodynamisch instabil, Notfalltransplantation .
In Deutschland werden über 90% der Spenderherzen an HU-Patient:innen vergeben .
Herzinsuffizienz Dekompensation
Akronym für mögliche Ursachen einer akuten Herzinsuffizienz:
„CHAMPIT“ →
ACS,
Hypertensiver Notfall,
Arrhythmie,
Mechanische Ursache (bspw. Herzklappenerkrankungen),
Lungenembolie (engl.: „Pulmonary Embolism“),
Infektionen (inkl. Myokarditis),
Tamponade
Erregungsrückbildungsstörungen im EKG
Häufig unspezifisch veränderte ST-Strecken und T-Wellen (ST-Senkungen, T-Negativierungen)
Evtl. ST-Hebungen: Bei Myokarditis mit typischerweise eher konkavbogigem („sattelförmigem“) Verlauf
Typischerweise über mehreren (oder sogar allen) Ableitungen und nicht einem einzelnen Gefäßversorgungsgebiet zuzuordnen
Abgrenzung zum Myokardinfarkt: Typischerweise
Keine konvexbogigen ST-Hebungen
Kein R-Verlust
Keine reziproken ST-Senkungen
Keine Ausbildung pathologischer Q-Zacken
Diagnosestellung anhand der Lake-Louise-Kriterien (beide Hauptkriterien müssen erfüllt sein)
Hauptkriterien
T1-Gewichtung: Veränderungen ohne typisch ischämisches Verteilungsmuster
T2-Gewichtung: Darstellung eines myokardialen Ödems
Gegenüberstellung von EKG-Veränderungen bei akuter Perikarditis und STEMI
EKG-Kriterium
Akute Perikarditis
STEMI
Verteilung der ST-Hebungen
Diffus (in mehreren oder sogar allen Ableitungen)
Lokalisiert (einem oder mehreren Gefäßstromgebieten zuzuordnen)
Ursprung der ST-Hebung
Meist aus dem aufsteigenden Anteil hinter der S-Zacke
Meist aus dem absteigenden Anteil hinter der R-Zacke
Form der ST-Hebung
Konkaver Bogen („sattelförmig“)
Konvexer Bogen
Amplitude der ST-Hebung
Meist <0,3 mV
Oft >0,3 mV (bis >1 mV möglich)
Reziproke ST-Senkungen
R-Verlust
Ausbildung pathologischer Q-Zacken im Verlauf
TVT / Phlebothrombose
Betroffenes Bein
Typische Trias (nur in 10% der Fälle): Schwellung, dumpfer Schmerz, Zyanose
Meyer-Zeichen: Wadenkompressionsschmerz
Homans-Zeichen: Wadenschmerz bei Dorsalextension des Fußes
Payr-Zeichen: Fußsohlenschmerz bei Druck auf mediale Fußsohle
Mobilisation ist nicht kontraindiziert. Das alte Dogma "Bettruhe bei TVT" ist überholt — unter laufender Antikoagulation ist frühe Mobilisation sicher und sogar empfohlen, weil sie die Schwellung reduziert und das Postthrombotische Syndrom (PTS) verhindert.
D-Dimer hat keinen Stellenwert bei hoher Vortestwahrscheinlichkeit. D-Dimer ist ein Ausschlusstest bei niedriger Wahrscheinlichkeit (Wells ≤ 0) — bei hohem Wells-Score direkt zur KUS, D-Dimer bringt dort nichts, weil es fast immer positiv ist und die Diagnose trotzdem bildgebend gesichert werden muss.
Thromboserisiko primärer Thrombophilien
Defekt
Prävalenz in Normalbevölkerung
Relatives Risiko für Erstereignis Thromboembolie (und für eine Rezidivthrombose )
APC-Resistenz (Faktor-V-Leiden-Mutation)
Heterozygotie: ca. 5%
Heterozygotie: ca. 8-fach (ca. 1,4-fach)
Homozygotie: <1%
Homozygotie: ca. 80-fach (ca. 4-fach)
Faktor-VIII-Erhöhung
ca. 5%
ca. 7-fach (gleich)
Prothrombin-Mutation
ca. 3%
Heterozygotie: ca. 3-fach (ca. 1,4-fach)
Homozygotie: ca. 50-fach
Protein S-Mangel
ca. 1%
ca. 8-fach (ca. 2,5-fach)
Protein C-Mangel
<1%
Antithrombin-Mangel
ca. 0,1%
Dauer der Thromboseprophylaxe
Bei operativen Eingriffen: Prinzipiell bis zur Mobilisation bzw. bei eingriffsspezifischer Empfehlung auch darüber hinaus
7 Tage nach viszeralchirurgischen Eingriffen
11–14 Tage nach Kniegelenkersatz
4–5 Wochen nach Hüftgelenkersatz bzw. hüft- und beckennaher Frakturversorgung
Sonderfall: Bei Tumorpatient:innen über 4 Wochen fortführen
LAE Algorhitmus
LAE (Claude)
McConnell-Zeichen im Echo: RV-Apexbewegung erhalten, aber freie RV-Wand akinetisch — das ist typisch für die akute Druckbelastung bei LAE und hilft, sie von einer chronischen RV-Hypertrophie abzugrenzen. Bettseitig bei instabilem Patienten oft der erste entscheidende Befund.
Lyse-Kontraindikationen kennen: Absolut kontraindiziert sind u.a. kürzlicher Schlaganfall, aktive Blutung, große OP < 3 Wochen. Bei lebensbedrohlicher Hochrisiko-LAE können relative KI jedoch übergangen werden — das ist eine klassische Prüfungsfrage nach dem Abwägen von Risiko und Nutzen.
V/Q Szintigrafie bei LAE
Wie funktioniert sie? Es wird ein radioaktiv markiertes Pharmakon intravenös injiziert (beim V/Q-Scan: Technetium-99m-markierte Albumin-Makroaggegate für Perfusion + inhaliertes radioaktives Gas/Aerosol für Ventilation). Die Gammakamera misst die vom Körper emittierte Strahlung von innen — im Gegensatz zum CT, das Strahlung von außen durchschickt.
Strahlenbelastung im Vergleich:
Untersuchung
Effektive Dosis
V/Q-Szintigraphie
~2 mSv
CTPA (CT-Pulmonalisangio)
~3–5 mSv
Röntgen-Thorax
~0,1 mSv
Natürliche Jahresdosis (DE)
~2,1 mSv
Perfusionsausfälle bei regelrechter Ventilation des betroffenen Lungenareals (sog. „Mismatch“) sprechen für eine Lungenembolie
Bei Nachweis einer normalen Lungenperfusion ist eine Lungenembolie ausgeschlossen, in diesen Fällen ist eine Ventilationsszintigrafie entbehrlich.
Hampton's Hump
bei Lungeninfarkt:
keilförmige, pleuranahe Verschattung mit der Basis zur Pleura hin, die den infarzierten Bezirk darstellt.
wenn A. bronchiales zu schlecht durchbluten + LAE = keine Sauerstoffversorgung mehr —> uU Hämoptysen, weil Blut in Bronchialsystem reicht + Entzündung der Pleura
Peripherer Embolus → A. pulmonalis verlegt → bronchiale Kollaterale insuffizient (+ Linksherzinsuffizienz) → Gewebsischämie → hämorrhagische Nekrose → Hämoptyse + Pleuritis + Hampton's Hump
LAE: PESI-Score (Pulmonary Embolism Severity Index) und sPESI (simplified PESI)
Scores zur Bestimmung der 30-Tages-Letalität nach LAE
Auswertung
Gute Prognose
sPESI = 0: 30-Tages-Letalität 1%
PESI ≤65: 30-Tages-Letalität <2%
Schlechtere Prognose
sPESI ≥1 oder PESI >125: 30-Tages-Letalität mindestens 10%
sPESI und PESI
Parameter
Punkte
sPESI
PESI
Alter
1 Punkt bei Alter >80 Jahre
Alter in Jahren
Malignom
+30
Blutdruck systolisch <100 mmHg
Herzfrequenz ≥110/min
+20
Sauerstoffsättigung (sO2) in Raumluft <90%
Chronische Herzinsuffizienz
+10
Chronische Lungenerkrankung
Vigilanzstörung
Nicht berücksichtigt
+60
Körpertemperatur <36 °C
Atemfrequenz >30/min
Männlich
LAE Therapie
Akut:
halsitzende Lagerung
O2 Gabe (ca 6l/min)
Analgesie bei Schmerzen (ggf Anxiolayse bzw Sedierung) —> Morphin oder Diazepam
initiale Antikoagulation: NMH, Fondaparinux, UFH, DOAK —> Heparine vermutlich besser weil parenteral. Außerdem eher NMH weil weniger Blutungskomplikationen
Speziell:
LAE ohne Lebensgefahr:
therapeutische Antikoagulation mit DOAK oder VAK (INR 2-3) für 3-6 Monate
Massive LAE mit Lebensgefahr:
präklinische Lyse (v.a. bei laufender REA mit Gewebeplasminogen-Aktivator rt-PA oder Alteplase in Kombi mit Heparinen (NMH)
Blutungsgefahr!
Bei Blutung unter Lysetherapie
Sofortiger Abbruch der Lysetherapie
Gabe von Aprotinin oder Tranexamsäure als Antidot (Antifibrinolytika)
Das begleitend verabreichte Heparin kann durch Gabe von Protamin (unter PTT-Kontrolle) antagonisiert werden
Gabe von Fresh frozen Plasma (FFP, gerinnungsaktives Frischplasma) kann versucht werden
absoluten Kontraindikation (akute innere und intrazerebrale Blutung), relative Kontraindikationen (gastrointestinale Blutungen in den letzten 10 Tagen, Schwangerschaft, Thrombozyten <100.000/μL usw.)
alternative: OP oder Intervention mit lokaler Lyse
Sekundärprophylaxe
Umstellung der initialen Antikoagulation auf Erhaltungstherapie für 3–6 Monate: Mit DOAK (1. Wahl) oder Vitamin-K-Antagonisten
Chronisch-thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTPEH) als Folge von Rezidiven bzw. ungenügender Rekanalisation der Lungenarterien
Atelektasen (weil Verlust Surfactant bei Ischämie)
Wichtigste Artheroklerose Risikofaktoren
Rauchen
DM
art. Hypertonie
pAVK Einteilung
ABI
Systolischer RR des Unterschenkels / systolischer RR des Oberarmes
pAVK Therapiebaum
Pathogenese Atheerosklerose
Arterielle Hypertonie Definition
Sys ab 140 und dann immer +20
Dia ab 90 und dann immer +10
Hypertensiver Notfall und hypertensive Entgleisung
Calcium Antagonisten
Arterielle Hypertonie Therapieschema
Grad 1 erstmal Lebensstil
ab Grad 2 medikamentös: ABCD (ACE, Betablocker, Ca-Antagonist, Diuretika)
Dualtherapie mit: ACEi / AT1RA + Thiazid oder Ca-Antagonist (DHPR)
nur in Sonderfällen ß-Blocker (post MI, Herzinsuff etc)
erst niedrige Dosis, eskalieren bei schlechtem Ansprechen
Tripletherapie: ACEi/AT1RA + Thiazid + Ca Antagonist
—> wenn das nicht hilft = resistente Hypertonie —> DD sekundäre Hypertonie abklären (Phäochromozytom, primärer Hyperaldosteronismus, Hypercortisolismus = in Langzeit RR auch kein Dipping nachts)
Endokarditistypische Befunde in der Echokardiografie
Klappenpathologien
Segelverdickung
Diffuse Verdickung der Klappensegel
Vegetationen
(Flottierende) echoarme oder -reiche Strukturen an Klappe(n), Chordae tendineae und/oder intrakardialem Fremdmaterial
Segelperforation
Gewebedefekt mit positivem Flusssignal in der farbkodierten Doppler-Sonografie
Klappeninsuffizienz
Neue relevante Insuffizienz in der farbkodierten Doppler-Sonografie (im Vergleich zu Voraufnahmen)
Paravalvuläre/-prothetische Komplikationen
Abszess
Echoarme oder -freie Verdickung paravalvulär / um Gefäßprothesen
Pseudoaneurysma
Echofreie paravalvuläre Struktur mit positivem Flusssignal in der farbkodierten Doppler-Sonografie
Fistel
Kommunikation zweier benachbarter Herzhöhlen mit positivem Flusssignal in der farbkodierten Doppler-Sonografie
Klappenprothesendehiszenz
Paravalvuläre Insuffizienz in der farbkodierten Doppler-Sonografie (mit/ohne sichtbar flottierende Klappenprothese)
Kalkuliert (bei ambulant / keine RF): Ampicillin (für Enterokokken); Ceftriaxon / Flucloxacillin für MSSA und Gentamicin für kombinierte Wirkpartner v.a. bei Eenterokokken! (natürliche Resistenz gegen Penicillin und Cephalosporine: Therapie hier IMMER Ampicillin UND Gentamicin)
Staphylokokken:
Viridans Streptokokken:
Enterokokken:
Chirurgische Therapie bei infektiöser Endokarditis
Indikationen
Herzinsuffizienz
Unkontrollierte Infektion
Hohes Risiko für septische Embolien
Allgemeines Prinzip
Komplette Entfernung von infektiösem Material
Klappenersatz oder rekonstruktive Therapie betroffener Klappen
COPD Symptomkartee
COPD Übersicht
Pink Puffer vs. Blue Bloater
Asthma Übersicht
Asthma vs. COPD
Lungenfunktion Übersicht
Medikamentöse Therapie bei COPD
Leitsubstanzen
SABA – Inhalative kurzwirksame β2-Sympathomimetika (β2-Agonisten): Salbutamol, Fenoterol
SAMA – Inhalative kurzwirksame Muskarinrezeptor-Antagonisten (Anticholinergika): Ipratropiumbromid
LABA – Inhalative langwirksame β2-Sympathomimetika (β2-Agonisten): Salmeterol, Formoterol, Indacaterol
LAMA – Inhalative langwirksame Muskarinrezeptor-Antagonisten (Anticholinergika): Tiotropiumbromid
ICS („Inhaled Corticosteroids“) – Inhalative Glucocorticoide: Budesonid, Fluticason, Beclometason
PDE-4-Hemmer: Roflumilast
Initialtherapie nach COPD-Einteilung in ABE-Gruppen (nach GOLD 2023)
A
Monotherapie mit einem Bronchodilatator (kurz- oder langwirksam)
I.d.R: LAMA oder LABA
B
LAMA + LABA
E
Ggf. + ICS bei Asthma in der Vorgeschichte und/oder Eosinophilenzahlen von ≥300/μL
Chronische respiratorische Insuffizienz
Kurzbeschreibung
Entsteht häufig durch zunehmenden emphysematischen Umbau und Verlust der effektiven Diffusionsfläche in fortgeschrittenen Stadien der COPD
Dauerhafte hypoxämische (pO2 in Ruhe <60 mmHg) bis hyperkapnische respiratorische Insuffizienz (zusätzlich pCO2 >45 mmHg)
Langzeit-Sauerstofftherapie (LTOT)
Definition und Bedeutung: Sauerstofftherapie über mind. 16 Stunden täglich → Senkung der Mortalität
Indikation: Fortgeschrittene COPD mit schwerer respiratorischer Insuffizienz, dauerhaft pO2-Werte von <55 mmHg (trotz optimaler Medikation)
Voraussetzung: Adäquater Anstieg des pO2 unter Sauerstoffgabe und kein Anstieg des pCO2 über 60–70 mmHg (bzw. keine Hyperkapnie mit respiratorischer Azidose/Bewusstseinstrübung)
Heimbeatmung (NIV)
Es erfolgt eine nicht-invasive Beatmung (NIV) über Nacht, die eine Erholung der Atemmuskulatur erlaubt, damit auch tagsüber eine bessere respiratorische Funktion erzielt werden kann
Volumenreduzierende Verfahren
Prinzip
Mittels operativer oder endoskopischer Verfahren werden stark emphysematische Areale von der Ventilation ausgeschaltet
Ziel: Verringerung von Überblähung und Dyspnoe und Verbesserung der Lungenfunktion
Präinterventionelle Diagnostik: CT, Lungenfunktionsuntersuchung und ggf. Bronchoskopie
Verfahren
Operative Lungenvolumenresektion: Am ehesten bei Emphysem mit Betonung der Oberlappen und eingeschränkter Belastbarkeit, die FEV1 sollte noch oberhalb von 20–25% liegen. Die operative Sterblichkeit ist hoch, der Gewinn an Lebensqualität ist im Einzelfall schwer vorherzusehen
Endoskopische Lungenvolumenreduktion: Bronchoskopisches Verfahren mit Einsatz von Okklusions- oder Ventilsystemen in überblähte Lungenanteile, ahmt den Effekt einer operativen Volumenreduktion nach
Bullektomie: Operative Resektion von Bullae, die mehr als ⅓ eines Lungenflügels einnehmen und benachbartes funktionales Lungengewebe komprimieren, Option bei rezidivierenden schweren Hämoptysen bzw. schwer sanierbaren rezidivierenden Infekten in bullaetragenden Arealen
Lungentransplantation
Bedeutung: Als Ultima Ratio bei fortgeschrittener COPD mit Lungenemphysem und schwerster Diffusionsstörung
Indikationsstellung
Insb. Patient:innen <60 Jahren mit ansonsten guter Prognose
Weitere Indikationen und Voraussetzungen
Rauchabstinenz seit mind. 6 Monaten und(!) FEV1 <20–25%, DLCO <20%
Langzeit-Sauerstofftherapie oder Heimbeatmung
Pulmonale Hypertonie
Hyperkapnie mit pCO2 >50–55 mmHg oder progrediente Leistungsminderung
Kontraindikationen
Altersgrenze bei 60, max. 65 Jahren
Extrapulmonale Morbidität und schlechte Prognose (KHK, Leberzirrhose, fortgeschrittene chronische Nierenkrankheit, Adipositas)
Spätfolgen
Alveoläre Hypoventilation → Hypoxische pulmonale Vasokonstriktion (Euler-Liljestrand-Mechanismus) → Pulmonale Hypertonie → Cor pulmonale
Pulmonale Kachexie
Sekundärer Spontanpneumothorax durch Ruptur einer Bulla (insb. bei bullösem Emphysem)
Akute COPD Exazerbation
Samter-Trias
Asthma bronchiale (meist intrinsisch)
Chronische Sinusitis und Polyposis nasi
Intoleranz gegenüber COX-1-Hemmern (wie Aspirin oder Ibuprofen)
Therapie
Adaptive Desaktivierung: ASS-Dauertherapie
Asthma
3x S = Spasmus, Schwellung, Sekretion
wichtigstes Therapieziel ist die Symptomkontrolle!
Diagnose Asthma bronchiale gesichert
Typische Klinik und Anamnese
plus Nachweis einer Bronchialobstruktion
plus komplette Reversibilität in der Lungenfunktion (durch Bronchospasmolysetest oder antiasthmatische Stufentherapie)
Roflumilast
bei COPD wenn LABA+LAMA+ICS nicht helfen
PDE-IV Hemmer
Akuter Asthmaanfall Entscheidungsbaum
DLCO in LuFu
Modifizierte DUKE Kriterien bei IE
HFpEF Therapie
Screening auf und konsequente Behandlung von Ursachen und Komorbiditäten (insb. arterielle Hypertonie)
SGLT2-Inhibitoren: Behandlung mit Dapagliflozin oder Empagliflozin empfohlen
Diuretika: Bei Ödemen oder anderen klinischen Zeichen der venösen Stauung
GLP1-Analoga: Tirzepatid oder Semaglutid bei Adipositas
Triple-Therapie – DAPT + Antikoagulation
Patient hat VHF + ACS/Stent → braucht theoretisch DAPT + OAK → Triple-Therapie:
⚠ Triple-Therapie = massiv erhöhtes Blutungsrisiko → so kurz wie möglich halten
Phase
Akutphase
OAK + ASS + P2Y12
1–4 Wochen (so kurz wie möglich)
Übergangsphase
OAK + P2Y12 (ASS weglassen)
Bis 12 Monate
Langzeitphase
OAK allein
Dauerhaft
Stadieneinteilung der stabilen Angina pectoris
Canadian Cardiovascular Society
Grad 0 - Asymptomatische Ischämie
Grad I - Beschwerden bei schwerer körperlicher Belastung
Grad II - Geringe Symptomatik bei normaler körperlicher Aktivität
Grad III - Erhebliche Symptomatik bei normaler körperlicher Aktivität
Grad IV - Beschwerden bereits bei geringer Belastung und/oder in Ruhe
Instabile AP
Klinik
Retrosternale Schmerzen, die auf eine rasch progrediente, bedrohliche Ischämie hinweisen (siehe auch: Akutes Koronarsyndrom und Myokardinfarkt)
Infarkttypische Symptomatik (in Ruhe oder bei geringster Belastung)
Länger anhaltende Beschwerden als bei stabiler Angina pectoris (>20 min)
Verzögertes oder fehlendes Ansprechen auf Nitrate
Spezielle Pathophysiologie
Plaqueruptur mit thrombotischer Auflagerung und Freisetzung vasokonstriktorischer Substanzen → Fokaler Gefäßspasmus und Induktion einer Thrombozytenaggregation
Wechselspiel: Thrombusbildung ↔︎ Endogene Thrombolyse (verhindert komplette Gefäßokklusion)
Kritische Herabsetzung der Koronardurchblutung → Übergang in stabile Situation oder akuten Myokardinfarkt möglich
Diagnostik
Klinische Chemie: Troponin T negativ
EKG: Prinzipiell rückbildungsfähige ST-Streckensenkungen oder T-Negativierungen, Normalbefunde aber häufig
Verlauf: In ca. 20% Übergang in Myokardinfarkt
Angina Pectoris (KHK)
Koronarinsuffizienz
Arterielle Ischämie als Folge eines Missverhältnisses von O2-Angebot und O2-Bedarf der Kardiomyozyten
bei Amboss schon ab 70% Stenose
Vermindertes O2-Angebot
Hauptursache (>95%): Stenosierende Atherosklerose
Verkürzte Diastole, Anämie
erhöhter O2 Verbrauch
zB Fieber, hypertone Entgleisung
Passagere Koronarinsuffizienz → Ischämien und Läsionen → Angina pectoris
Persistierende akute Koronarinsuffizienz → Myokardnekrosen (irreversibel) → Myokardinfarkt (siehe auch: Myokardinfarkt)
STEMI / NSTEMI
STEMI EKG:
Signifikante ST-Hebungen
In mind. zwei benachbarten Ableitungen ≥0,1 mV (≥1 mm vertikal), gemessen am J-Punkt
Für ST-Hebungen in V2 und V3 gelten abweichende Grenzwerte (ca. 0,15-0,2 mV)
Linksschenkelblock bzw. Rechtsschenkelblock:
Können ST-Hebungen maskieren und sind bei klinischem Verdacht im Zweifel als STEMI zu werten (siehe auch: Sgarbossa-Kriterien)
Klinische Symptomatik und ein Linksschenkelblock bzw. Rechtsschenkelblock im EKG stellen bereits die Indikation zur medikamentösen Therapie
Diagnose eines STEMI: Sobald eines der folgenden drei Kriterien positiv ausfällt
Konkordante ST-Hebung ≥0,1 mV (≥1 mm) (weil eigentlich bei LSB diskonkordante ST-Strecke!)
ST-Senkung ≥0,1 mV (≥1 mm) in V1–V3
Diskordante exzessive ST-Hebung ≥25% vom S und ≥0,1 mV (≥1 mm) (bzw. ST-Streckenhebung ≥0,5 mV (≥5 mm) in Ableitungen mit einem negativen QRS-Komplex)
NSTEMI EKG: (Troponindynamik aber keine ST-Hebung im EKG)
Signifikante horizontale oder deszendierende ST-Senkungen: In mind. zwei benachbarten Ableitungen ≥0,05 mV (≥0,5 mm), gemessen am J-Punkt
T-Inversion (terminale T-Negativierung): In mind. zwei benachbarten Ableitungen (ggf. mit deutlich positivem R oder R/S-Verhältnis >1)
Stadienhafter Verlauf STEMI im EKG
Prinzmetal-Angina (vasospastische Angina pectoris)
Angina pectoris durch spontanen Koronarspasmus – nicht durch fixe Stenose. Die Koronararterie zieht sich plötzlich zusammen → Lumen wird kritisch eng → Ischämie → Angina.
Entscheidender Unterschied zur klassischen KHK: kein erhöhter O₂-Bedarf nötig – die Ischämie entsteht durch reduziertes Angebot, nicht durch erhöhten Verbrauch.
Angina in Ruhe – nicht bei Belastung → klassisches Merkmal
Oft nachts oder früh morgens (3–6 Uhr)
Spontan oder durch Trigger
Meist jüngere Patienten · oft ohne klassische KHK-Risikofaktoren
Häufiger bei Frauen und Asiaten
Koronarangiographie – oft normale oder nur leicht atherosklerotische Gefäße.
Provokationstest – Acetylcholin oder Ergonovin intrakoronar → provoziert Spasmus kontrolliert → Diagnose bestätigt.
Langzeit-EKG – ST-Hebungen während asymptomatischer Phasen dokumentieren.
Wirkung
Kalziumantagonisten (Amlodipin, Diltiazem, Verapamil)
Mittel der Wahl · relaxieren glatte Gefäßmuskelzellen · verhindern Spasmus
Nitrate (lang- und kurzwirksam)
Vasodilatation · Akuttherapie und Prophylaxe
Nicorandil
K⁺-Kanal-Öffner + Nitrateffekt · Alternative
Kontraindiziert:
Betablocker – hemmen β₂-vermittelte Vasodilatation → unkompensierte α-Vasokonstriktion → Spasmus verstärkt
ASS (hochdosiert) – hemmt Prostacyclin (vasodilatatorisch) → kann Spasmus triggern
Definition: Angina-pectoris-Beschwerden, die zu Beginn einer Belastung auftreten, bei Fortführung der Belastung jedoch wieder verschwinden
Lokale Freisetzung vasodilatierender Metabolite, die aufgrund des anaeroben Stoffwechsels entstehen → Verbesserung der myokardialen Perfusion und Sistieren der Beschwerden
Diagnostik KHK
morphologische Verfahren (Kardio-CT inkl. CT-Koronarangiografie)
CT-Calcium-Scoring
CT-Koronarangiografie
Bei asymptomatischen Personen mit niedrigem Risiko für das Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit soll keine „Vorsorge“-Computertomografie der Herzkranzgefäße (Koronar-CTA) durchgeführt werden!
funktionelle Verfahren (Stress-Echokardiografie, Myokard-Perfusions-SPECT, Myokard-Perfusions-PET, Kardio-MRT (Dobutamin-Stress-MRT, Stress-Perfusions-MRT, Belastungs-EKG)
Funktionelle Verfahren weisen nicht Stenosen nach, sondern die Folgen der Gefäßverengungen. Für alle Verfahren ist eine körperliche oder pharmakologische Belastung erforderlich.
Myokard-Szintigrafie/-SPECT
Zum Ischämienachweis: Bei nicht eindeutig relevanter Stenose in der Kardio-CT
Zum Vitalitätsnachweis: Bei Z.n. Myokardinfarkt zur Unterscheidung zwischen Infarktnarbe (irreversibel) und Myokardischämie (reversibel)
Definition: Verfahren zur bildlichen Darstellung der myokardialen Stoffwechselaktivität durch Injektion eines Radiopharmakons und Detektion über eine Gammakamera
Injektion eines Radiopharmakons , das sich unter Belastung in Abhängigkeit von Vitalität und Perfusion im Herzmuskelgewebe anreichert (sog. Funktionsstoffwechsel)
Aufnahmen unter einer Gammakamera 15–60 min nach Injektion
Myokard-Perfusions-PET (FDG-PET)
Prinzip: Schnittbilduntersuchung, die die Stoffwechselaktivität des Herzmuskels darstellt
Vorteile gegenüber Myokard-Perfusions-SPECT
Höhere räumliche Auflösung
Äußerst genaue Schwächungskorrektur
Niedrigere Strahlenexposition aufgrund kürzerer Halbwertszeiten
Günstigere kinetische Eigenschaften der verwendeten Radiopharmaka
Vitalitätsdiagnostik zwischen Infarktnarbe und hibernierendem Myokard gut möglich
Geringe Verfügbarkeit
Hohe Kosten
Therapie bei KHK
Nicht-medikamentöse Therapie
Gewichtsreduktion
Diätetische Maßnahmen
Moderates körperliches Ausdauertraining
Verzicht auf Tabakkonsum
Symptomatische Therapie
Anfallskupierung bei stabiler Angina pectoris: Kurzwirksames Nitrat
Antianginöse Dauertherapie: Antianginosa der 1. Wahl bei chronischem Koronarsyndrom: Vasodilatierend und herzfrequenzsenkend
Nitrate + Betablocker
Nitrate + Calciumantagonisten vom Verapamil-Typ
(Retardierte) Calciumantagonisten vom Dihydropyridin-Typ (z.B. Nitrendipin) + Betablocker
Medikamentöse Prävention
Thrombozytenaggregationshemmung mit ASS 100 mg oder Clopidogrel 75 mg
Gabe eines Statins (unabhängig vom Ausgangswert der Blutfettwerte) zur optimalen, risikoadaptierten LDL-Cholesterineinstellung
Ggf. optimale Diabetes-Einstellung: HbA1c von 6,5–7%
Ggf. Therapie der arteriellen Hypertonie
Therapie bei KHK (Claude)
Die drei Therapiesäulen
Lebensstil
Rauchen stoppen · Bewegung · Gewicht · mediterrane Diät · Stressreduktion
Prognoseverbesserung + Symptomkontrolle
Revaskularisation
PCI oder Bypass bei Indikation
—> Kriterien zur Auswahl des Verfahrens
Komplexität der Koronarstenosen (Bestimmung bspw. über SYNTAX-Score)
Anzahl der betroffenen Gefäße
Individuelles Operationsrisiko (Bestimmung bspw. über Euroscore II)
Medikamente – Prognoseverbesserung (immer!)
bei Nachweis einer KHK:
Gesichert durch:
Koronarangiographie (Stenose >50% im Hauptstamm · >70% in anderen Gefäßen)
Kardio-CT (CCTA) mit signifikanter Stenose
Positiver Stresstest (Ischämienachweis)
Zustand nach MI oder PCI oder Bypass
Noch nicht gesichert:
Nur erhöhter Kalksccore → Risikostratifikation, aber noch keine gesicherte KHK
Nur Risikofaktoren ohne Nachweis → Primärprävention, andere Zielwerte
Warum
Ziel
ASS 100 mg/d
Thrombozytenhemmung → Plaqueruptur-Thrombose verhindern
Dauerhaft · bei Unverträglichkeit: Clopidogrel
Statin (hoch dosiert)
LDL-Senkung · Plaquestabilisierung · antiinflammatorisch
LDL <55 mg/dl (sehr hohes Risiko) · Atorvastatin 40–80 mg oder Rosuvastatin 20–40 mg
ACE-Hemmer / ARB
Endothelschutz · Nachlastsenkung · Remodeling-Hemmung
Bei EF <40% oder Hypertonie oder Diabetes obligat · sonst empfohlen
HF ↓ · O₂-Verbrauch ↓ · antiarrhythmisch · nach MI Mortalität ↓
Nach MI obligat · bei stabiler KHK + Angina
Medikamente – Symptomkontrolle (Angina)
Stufe 1: Betablocker ODER Kalziumantagonist (nicht-DHP)
+ Nitrat sublingual zur Bedarfsmedikation
Stufe 2: Kombination Betablocker + Kalziumantagonist (DHP)
+ Nitrat langwirksam
Stufe 3: Add-on Ivabradin oder Ranolazin oder Nicorandil bei unzureichender Symptomkontrolle
Stufe 4: Revaskularisation erwägen (PCI/Bypass)
Mechanismus
Einsatz
Nitrate kurzwirksam (Nitroglycerin Spray)
Vasodilatation venös + koronar → Vor-/Nachlast ↓ → O₂-Bedarf ↓
Akuttherapie Angina-Anfall · sublingual · Wirkung nach 1–2 min
Nitrate langwirksam (ISDN, ISMN)
Gleich · Toleranzentwicklung → nitratfreies Intervall nötig (8–12h)
Angina-Prophylaxe · bei unzureichender Betablocker-Wirkung
Kalziumantagonisten (Amlodipin, Verapamil)
Vasodilatation koronar + peripher · Frequenzsenkung (Verapamil/Diltiazem)
Alternative zu Betablocker · Prinzmetal-Angina · Kombination möglich
Ivabradin
If-Kanal-Blockade → HF ↓ ohne Inotrop
Bei Sinusrhythmus + HF >70/min trotz Betablocker · oder Betablocker-Unverträglichkeit
Ranolazin
Late Na⁺-Kanal-Blockade → Ca²⁺-Überlast ↓ → Ischämietoleranz ↑
Refraktäre Angina · Add-on wenn andere Therapie unzureichend
K⁺-Kanal-Öffner + Nitrateffekt → Koronardilatation
Alternative · besonders Vasospasmus
Risikofaktorbehandlung – obligat
Risikofaktor
Zielwert
LDL-Cholesterin
<55 mg/dl (sehr hohes Risiko)
Statin hochdosiert · Ezetimib · PCSK9-Inhibitor
Blutdruck
<130/80 mmHg
ACE-Hemmer · ARB · Betablocker · Kalziumantagonist
HbA1c (Diabetes)
<7% individuell
Metformin · SGLT2-Hemmer (kardioprotektiv!) · GLP-1-RA
Nikotin
Stopp
Nikotinersatz · Vareniclin · Bupropion
BMI <25 · Bauchum. <94cm (M) / <80cm (F)
Diät · Bewegung · GLP-1-RA (Ozempic)
Sekundärprävention nach MI – dauerhaft
ASS 100 mg
Thrombozytenhemmung
P2Y12-Hemmer (Ticagrelor/Clopidogrel)
12 Monate (DAPT)
Stentthrombose verhindern
Statin hochdosiert
LDL <55 mg/dl
Mindestens 1–3 Jahre · oft dauerhaft
Mortalität ↓ · Remodeling ↓
Dauerhaft bei EF <40%
Remodeling ↓ · Mortalität ↓
MRA (Eplerenon)
Bei EF <35% + Herzinsuffizienz
Mortalität ↓ (EPHESUS-Studie)
SGLT2-Hemmer
Bei Herzinsuffizienz nach MI
Hospitalisierung ↓ · kardiovaskulärer Tod ↓
Lipidtherapie Zielwerte
LDL-Ziel
<116 mg/dl
Moderat
<100 mg/dl
<70 mg/dl
Sehr hoch (aber noch keine KHK)
<55 mg/dl
Risikostratifikation KHK (Primärprävention notwendig?)
SCORE2 (europäischer Risikorechner) → berechnet 10-Jahres-Risiko für tödliches oder nicht-tödliches kardiovaskuläres Ereignis aus:
Alter · Geschlecht · Raucherstatus · systolischer RR · Non-HDL-Cholesterin
Angina-pectoris-Symptomatik mit signifikanten ST-Hebungen in mind. 2 benachbarten Ableitungen
bei LSB und Vd.a. STEMI: Sgarbossa Kriterien
STEMI – Akutvorgehen
Prähospital
12-Kanal-EKG → ST-Hebung ≥1 mm in ≥2 zusammenhängenden Ableitungen
Aspirin 300 mg p.o. sofort / 250mg i.v.
Ticagrelor 180 mg oder Prasugrel 60 mg loading dose (wenn STEMI sicher im EKG identifiziert), Cangrelor wenn i.v. Gabe notwendig ist
Heparin i.v. (5.000 IE Bolus)
Nitroglycerin s.l. bei Angina (KI: Hypotonie, RV-Infarkt)
O₂ nur bei SpO₂ <90%
Katheterlabor voranmelden → PCI innerhalb von 120min!
supportiv: ß-Blocker (Metoprolol 2,5–10 mg langsam i.v.) bei systolischem Blutdruck >120 mmHg und ohne Hinweis auf akute Herzinsuffizienz und Statine eruieren
Aufnahme / Katheterlabor
Venöser Zugang · Monitoring · Defibrillator bereit
Koronarangiographie sofort
Culprit-Lesion identifizieren → PCI + Stent (DES)
GP-IIb/IIIa-Inhibitor (Tirofiban) bei großem Thrombus erwägen
Keine Lyse wenn PCI verfügbar
Wenn PCI nicht möglich (<120 min)
Lyse: Tenecteplase (TNK) i.v. gewichtsadaptiert
Danach Transfer in PCI-Zentrum (Rescue-PCI bei Lysis-Versagen)
Nach PCI – stationär
DAPT: ASS + Ticagrelor für 12 Monate
Betablocker · ACE-Hemmer (binnen 24h) · Statin hochdosiert
Echokardiographie → EF bestimmen
Monitoring 24–48h (Arrhythmien, Reinfarkt)
Bei EF <35% nach 3 Monaten → ICD erwägen
Komplikationen im Blick behalten
Kardiogener Schock → Noradrenalin + Dobutamin · IABP/Impella erwägen
VF/VT → Defibrillation
AV-Block (inferiorer MI) → Atropin · temporärer Schrittmacher
Perikarditis (Dressler-Syndrom) → Tage später · ASS · Ibuprofen
NSTEMI
NSTE-ACS
Definition: Angina-pectoris-Symptomatik ohne signifikante ST-Hebungen im EKG
Weitere Einteilung
Myokardinfarkt ohne ST-Hebungen (NSTEMI)
Beschwerden durch KHK verursacht, aber kein Infarkt (instabile Angina pectoris)
Andere Ursache (siehe: Differenzialdiagnose Brustschmerzen)
Diagnose sichern
EKG → ST-Senkung · T-Negativierung · kein ST-Hebung (sonst STEMI-Protokoll!)
Troponin (hochsensitiv) → Anstieg über 3h (0h/1h/3h-Algorithmus)
Schmerzanamnese · Risikofaktoren · Vormedikation
Sofortmaßnahmen
Monitoring · venöser Zugang · Defibrillator bereit
Aspirin 300 mg loading dose
Ticagrelor 180 mg loading dose (bevorzugt) oder Clopidogrel 600 mg
Antikoagulation: Fondaparinux 2,5 mg s.c. oder NMH oder UFH i.v.
Nitroglycerin s.l. bei Angina
Betablocker bei Tachykardie/Hypertonie
Im Katheterlabor
Koronarangiographie → Befund entscheidet über PCI vs. Bypass vs. konservativ
PCI der Culprit-Lesion wenn möglich
Nach Intervention / stationär
DAPT: ASS + Ticagrelor 12 Monate
Statin hochdosiert sofort
ACE-Hemmer bei EF <40%
Bei hochsensitiven Assays:
3 h Algorithmus (siehe Abbildung):
bei Beschwerdepersistenz > 6h nur einmalige hsTn Messung
bei Beschwerden < 3h mit Verlaufmessung nach 3h
0 h/1 h-Algorithmus
Zwei Troponingrenzwerte je nach Zeitpunkt
Grenzwert A (Troponin sehr niedrig) für sofortigen Ausschluss mittels einmaliger Messung
Grenzwert B (Troponin niedrig) für Ausschluss bei Nachkontrolle nach 1 h
Grenzwerte Assay-spezifisch
hs-cTn < Grenzwert A → Infarkt direkt ausgeschlossen
hs-cTn < Grenzwert B und keine starke Erhöhung nach 1 h → Infarkt ausgeschlossen
Algorithmen ohne hochsensitiven Troponin-Assay
6 h-Algorithmus
Beschwerdedauer
Beschwerden >6 h, Patient seitdem beschwerdefrei: Einmalige Messung und cTn < Obergrenze (ULN) → Infarkt ausgeschlossen
Beschwerden <6 h: Erneute Messung nach 6 h erforderlich und beide cTn < Obergrenze (ULN) → Infarkt ausgeschlossen
Vorteil: Benötigt kein hs-cTn
Nachteile: Patienten müssen unter Umständen für 6 h überwacht werden, obwohl sie keinen Infarkt haben
TIMI-Score für NSTE-ACS
Risikofaktoren
Alter ≥65 Jahre
≥3 Risikofaktoren für KHK
Bekannte KHK mit signifikanten Stenosen (mind. eine Stenose ≥50%)
ST-Senkungen ≥0,5 mm
Schwere Angina-pectoris-Symptomatik (definiert als mind. zwei Episoden in den letzten 24 h)
ASS-Einnahme in den letzten 7 d
Erhöhter Troponinwert
Auswertung: Zählen der vorhandenen Risikofaktoren
Niedriges Risiko: 0–1
Hohes Risiko: >1
Troponinkinetik
Indikationen PCI
Begründung
STEMI – sofort
Schnellste Reperfusion · Door-to-balloon <90 min · Bypass zu langsam
NSTEMI / instabile AP mit hohem Risiko
Frühinvasiv innerhalb 24–72h
1–2-Gefäßerkrankung ohne komplexe Anatomie
PCI technisch gut durchführbar · SYNTAX niedrig
Niedrig-mittlerer SYNTAX-Score
PCI nicht unterlegen gegenüber Bypass
Hohe OP-Risiko (EuroSCORE II hoch)
Bypass-Risiko zu groß → PCI als Alternative
Symptomatische Stenose trotz optimaler medikamentöser Therapie
Revaskularisation sinnvoll
Indikationen Bypass (ACB)
Hauptstammstenose (>50%)
Bypass überlegen · PCI technisch riskant · viel Myokard gefährdet
3-Gefäßerkrankung + hoher SYNTAX
Vollständigere Revaskularisation durch Bypass möglich
3-Gefäßerkrankung + Diabetes
FREEDOM-Studie: Bypass klarer Vorteil gegenüber PCI bei Diabetikern
Kombination KHK + Vitium (Klappe)
Sowieso OP nötig → Bypass gleichzeitig
Kombination KHK + Herzinsuffizienz (EF <35%)
STICH-Studie: Bypass verbessert Überleben
Chronischer Totalverschluss komplex
PCI oft technisch nicht möglich
Stentrestenose nach mehrfacher PCI
Bypass als Alternative
Vorteile DOAKs gegenüber VKA
Klinisch / Praktisch
Kein Routine-Monitoring – kein INR-Stechen, keine regelmäßigen Blutabnahmen → bessere Lebensqualität
Feste Dosierung – keine individuelle Titration nötig
Schneller Wirkungseintritt – innerhalb 1–3h wirksam · VKA braucht Tage
Vorhersehbare Pharmakodynamik – weniger interindividuelle Schwankungen
Kürzere Halbwertszeit – bei Blutung oder OP schneller absetzbar
Sicherheitsprofil
Weniger intrakranielle Blutungen – in allen großen Studien (RE-LY, ROCKET-AF, ARISTOTLE) signifikant weniger ICB als Warfarin → der wichtigste Vorteil
Weniger Nahrungsmittelinteraktionen – VKA reagiert auf Vitamin-K-reiche Nahrung (Spinat, Brokkoli) → DOAKs nicht
Weniger Medikamenteninteraktionen – VKA hat massive CYP2C9-Interaktionen · DOAKs deutlich weniger
Wo VKA trotzdem überlegen bleibt
Mechanische Herzklappen → DOAKs kontraindiziert
Antiphospholipid-Syndrom → DOAKs unterlegen
Schwere Niereninsuffizienz → VKA sicherer
Kosten → VKA deutlich günstiger
Antikoagulation in der Schwangerschaft
Plazentagängig?
Problem
VKA (Marcumar)
Teratogen (Warfarin-Embryopathie) · fetale Blutungen · kontraindiziert im 1. Trimenon
DOAKs
Keine Zulassung · keine ausreichenden Daten · kontraindiziert
NMH (Heparin)
Sicher für Fetus · Mittel der Wahl
Sicher für Fetus · Alternative
Mechanische Herzklappen – Sonderfall
Höchstes Thromboserisiko überhaupt. Optionen:
NMH hochdosiert mit engem Anti-Xa-Monitoring
UFH i.v. Perfusor mit aPTT-Steuerung
VKA im 2. Trimenon (13.–36. SSW) bei sehr hohem Risiko – individuell abwägen
→ Immer interdisziplinäre Entscheidung Kardiologie + Geburtshilfe.
Gerinnungskaskade
Minimalinvasive Pulmonalvenenisolation
Bei persistierendem AFib mit persistierenden Symptomen trotz Antiarrhythmika erwägen
Bei paroxysmalem AFib mit persistierenden Symptomen trotz Antiarrhythmika und Z.n. frustraner Katheterablation erwägen
Methode: Endoskopische Hochfrequenzstromablation von epikardial
OP am offenen Herzen: Cox-MAZE-Operation
Indikation: Zusätzliche Therapieoption bei AFib und chirurgischem Mitralklappeneingriff
Methode: Transmurale Hochfrequenzstrom- oder kryobasierte Ablation mit LAA-Resektion
Neben der Pulmonalvenenisolation wird i.d.R. von endo- und epikardial zusätzlich im Bereich der posterioren LA-Wand sowie der Mitral- und Trikuspidalklappenanuli, der Einmündungsstellen der Vv. cavae und der Vorhofohren abladiert.
CHA2DS2VA-Score: Einschätzung des Thromboembolierisikos bei Vorhofflimmern (nach ESC 2024)
Akronym
Definition
C
Symptome bzw. Zeichen einer Herzinsuffizienz oder
LVEF ≤40% ohne Symptome
H
Arterielle Hypertonie
>140/90 mmHg in mind. 2 Messungen in Ruhe oder
Behandlung mit Antihypertensiva
Alter ≥75 Jahre
Unabhängiger Risikofaktor für thromboembolische Ereignisse
D
Diabetes mellitus
Nüchternblutzucker >125 mg/dL (7 mmol/L) oder
Behandlung mit oralen Antidiabetika und/oder Insulin
S
Schlaganfall , TIA oder (andere) systemische Thromboembolie
Z.n. thromboembolischem Ereignis
Vaskuläre Erkrankung
KHK inkl. Angina pectoris, Z.n. Myokardinfarkt, Z.n. Myokardrevaskularisierung (perkutan oder chirurgisch) oder
pAVK inkl. Claudicatio intermittens, Z.n. Revaskularisierung oder
Z.n. perkutaner oder chirurgischer Intervention der Aorta abdominalis oder
Komplexe Aortenplaque ≥4 mm
Alter 65–74 Jahre
Maximalpunktzahl
8
Interpretation: 0–1 Punkte: niedriges Thromboembolierisiko; ≥2 Punkte: erhöhtes Thromboembolierisiko
HAS-BLED-Score
Punktesystem zur Abschätzung des Blutungsrisikos bei Personen mit Vorhofflimmern, die eine Antikoagulation erhalten sollen.
H = Hypertonus (1 Punkt)
A = Abnorme Funktion der Niere oder Leber (je 1 Punkt)
S = Schlaganfall in der Anamnese (1 Punkt)
B = Blutungsneigung, z.B. bekannte Hämophilie (1 Punkt)
L = Inkonstante INR unter Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten (1 Punkt)
E = Elderly, Alter >65 Jahre (1 Punkt)
D = Drugs, Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern oder NSAR; Alkoholabusus (je 1 Punkt)
Ein erhöhtes Blutungsrisiko (>2) ist per se keine Kontraindikation für eine Antikoagulation, sollte jedoch bei der Wahl der Substanz und Überwachungsfrequenz berücksichtigt werden. Um das Risiko einer Unterantikoagulation bei Personen mit Vorhofflimmern zu reduzieren, empfehlen die aktuellen ESC-Leitlinien zur Abschätzung des Blutungsrisikos keinen expliziten Risk-Score mehr.
Antikoagulation bei VHF
Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban oder Dabigatran als DOAK, VKA (Phenprocoumon, Warfarin) nur bei anderer Begleitindikation
Verlängerte QRS Dauer
ab 120 ms (Grenzfall zwischen 110 - 120ms)
(z.B. Blockbilder, Dilatation beider Ventrikel oder auch Präexzitationssyndrom)
ST Streckenhebung
Immer Messung 60 ms HINTER J-Punkt
Falls J-Punkt nicht klar, dann in anderer Ableitung suchen und auf die aktuelle Ableitung übertragen —> dann bei +60 ms ablesen und bewerten, erst ab 0,1 mV in den Extremitätenableitungen signifikant!!
Vorkommen von ST-Hebungen:
Akuter MI
Hypertrophie (V1-V4 aus tiefer S-Zacke heraus)
Linksschenkelblock (V1-V4 aus tiefer S-Zacke und breite QRS)
—> bei LSB keine Verwertung bzgl MI möglich (bei RSB schon)
Sagittaltyp
Zwei Arten:
SISIISIII oder SIQIII
Rotation des Herzens aus der Frontalebene in die Sagittalebene
LAHB
NUR anteriorer Faszikel des linken Tawara Schenkels blockiert
häufigste
anteriorer Faszikel läuft zur Herzspitze und versorgt Vorderwand
—> bei Block Innervation von Zelle zu Zelle, also von II, III, aVF weg -> dort negativ
—> in I überwiegend positiv
—> am Schluss erst basaler, anteriorer Teil —> S Zacke in V6
QRS < 120ms, keine unmittelbaren Auswirkungen
EKG Zeichen:
üLT (II und III negativ)
S in V6 (R/S normal)
QRS <120ms
linksposteriorer Hemiblock
RT, SIQIII
Brustwand unverändert
selten
LSB
kompletter linker Tawara Schenkel blockiert oder bisfaszikulär, immer pathologisch (ursächlich: KHK, Myokarditis, Hypertrophie, angeboren), ST-Streckenverändeerungen können nicht gewertet werden (sgarbossa)
Erregung von viel Masse Zelle zu Zelle, also breiter, plumper QRS Komplex auf V5/V6 zulaufend (dort positiv)
Extremitäten bilden linken Ventrikel in I und aVL ab. Dort auch breiter positiver QRS
Herzrhythmus und Frequenz werden nicht verändert
QRS > 120ms
positiver monophasischer QRS in V5, V6, I und aVL
negativ in V1-V3 (häufig QS)
Linksverspätung in V6
RSB
keine Leitung rechter Tawara. Aber weil links noch “normal” über schnell innerviert wird, kann der Anfang des QRS vor allem in den linken Ableitungen noch normal aussehen!
Besonders bei I und aVL oder V5 und V6 zunächst “normale” ausbreitung und DANACH (nach ca 70ms, sieht man dort die Erregung des rechten Ventrikels. dann negativ und muldenförmig)
Daher auch in V1 und V2 “zwei” R-Zacken rSR’ Konfiguration (R’ dann verzögerte rechtsventrikuläre Erregung)
Unterscheidung LSB und RSB anhand von V2:
QRS > 120ms und V2 positiv -> RSB
QRS > 120ms und V2 negativ -> LSB
wenn zudem breites S in I und aVL, dann eher diffuse QRS Verbreiterung bei E’lytstörung
STEMI Lokalisation
Vorderwand LAD:
STEMI V1-V4
später: Q in V2-V5, R-Verlust in den Brusstwandableitungen, terminale T-Negativierung
Seitenwand (lateral) CFX:
STEMI in I, aVL, V5-V6
später eher keine Q-Zacken, in lateralen Ableitung uU T-Negativierung
Hinterwandinfarrkt - RCA:
STEMI in II, III, aVF
path Q, R-Verlust, terminale T-Negativierung in II, III, aVF
—> öfter AV-Block! CAVE mit ß-Blockern!
SA Block
Überleitung von Sinusknoten auf Vorhofmyokard ist gestört.
NICHT aber Vorhof auf AV Knoten
SA-Block I° nicht erkennbar im EKG
SA-Block II° Typ Mobitz:
P-Wellen regelmäßig, intermittierender Ausfall einer P-Welle und QRS, PQ normal (weil Problem ja noch VOR der Vorhoferregung), Pause exakt 2 PP Intervalle
SA-Block II° Typ Wenckebach:
P-Wellen regelmäßig, intermettierender Ausfall P und QRS, Pause < 2 PP Intervalle
SA-Block III°
keine oder retrograde P Welle
STEMI Stadien im EKG
Akutes Nierenversagen (AKI)
Chronische Niereninsuffizienz (CKD)
GFR <60 ml/min/1,73m² für >3 Monate · irreversibel · häufigste Ursachen: Diabetes + Hypertonie
DKA vs. HHS — Direktvergleich: Komplikationen des DM1 und DM2
Diabetes mellitus — Typen & Diagnostik
Orale Antidiabetika — Wirkprinzipien & NW
Nur bei Typ-2-Diabetes · verschiedene Angriffspunkte · perioperative Besonderheiten!
Insulintherapie
Immer bei Typ 1 · bei Typ 2 wenn orale Therapie nicht reicht · verschiedene Wirkprofile
Komplikationen des Diabetes
Diabetes & OP / Anästhesie
Glomerulonephritiden
Weitere wichtige Nierenerkrankungen
Elektrolyte & Säure-Base-Haushalt
Nierenerkrankungen — Einordnung & Zusammenhänge
Zwei Dimensionen: Wo ist das Problem? + Wie schnell?
Tuberkulose (TBC)
Mycobacterium tuberculosis · weltweit häufigste Infektionskrankheit · Tröpfcheninfektion
Direktnachweis + Kultur + molekulare Methoden + Immundiagnostik
Medikamentöse Therapie
Standardtherapie 6 Monate · Kombinationstherapie obligat · Resistenz beachten!
Chirurgische Therapie der TBC
Chirurgie ist Ausnahme, nicht Regel · adjuvant zur medikamentösen Therapie · klare Indikationen
Extrapulmonale TBC
~20 % aller TBC-Fälle · hämatogene Streuung · viele Organe betroffen
Sarkoidose
Systemische Granulomatose · Lunge + Lymphknoten am häufigsten · Ätiologie unbekannt
Akute Myeloische Leukämie (AML)
Myeloisch = aus Vorstufen von Granulozyten, Monozyten, Erythrozyten oder Thrombozyten · akut = innerhalb Wochen letal ohne Therapie
Gegenüberstellung Hyper- vs. Hypokaliämie kardiale Folgen
Akute Lymphatische Leukämie (ALL)
Lymphatisch = aus B- oder T-Lymphozyten-Vorläufern · häufigste Leukämie bei Kindern · ZNS-Beteiligung möglich!
Chronische Myeloische Leukämie (CML)
Philadelphia-Chromosom · BCR-ABL · Imatinib = Meilenstein der Onkologie · ohne Therapie → Blastenkrise
Chronische Lymphatische Leukämie (CLL)
Häufigste Leukämie des Erwachsenen · oft harmloser Zufallsbefund · aber vielfältige Komplikationen möglich
Alle 4 Leukämien im Vergleich
Lymphome — Übersicht
Maligne Erkrankung des lymphatischen Systems · primär in Lymphknoten · Hodgkin vs. Non-Hodgkin
Hodgkin-Lymphom
Reed-Sternberg-Zellen · junger Erwachsener · sehr gut heilbar · ABVD-Schema
Aggressive Non-Hodgkin-Lymphome
DLBCL · Burkitt · Mantelzell · ZNS-Lymphom · schnell wachsend aber oft heilbar!
Indolente Non-Hodgkin-Lymphome
Langsam wachsend · oft nicht heilbar · Watch and wait · aber Transformation möglich!
Neuroendokrine Tumoren (NETs)
Entstehen aus neuroendokrinen Zellen · überall im Körper · hormonell aktiv oder inaktiv · oft langsam wachsend
Karzinoid-Syndrom
Entsteht nur wenn Serotonin den systemischen Kreislauf erreicht · also fast immer bei Lebermetastasen
Spezifische pankreatische NETs (pNETs)
Funktionell = hormonaktiv · Nichtfunktionell = häufiger aber bleibt länger unerkannt
MALT-Lymphom — Zusammenfassung
Mucosa-Associated Lymphoid Tissue · chronische Entzündung → lymphatisches Gewebe → Lymphom
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