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Kapitel 4 - Handlungsmöglichkeiten zur Optimierung von Kommunikation über digitale Kanäle

HM
by Hanna M.

4.1 Begriffsklärung Kommunikationskompetenz

Kommunikationskompetenz: Definition

Kommunikationskompetenz bezeichnet die Fähigkeit, angemessenes Kommunikationsverhalten auszuwählen und damit eigene Ziele zu erreichen, ohne die Interessen der Kommunikationspartner:innen massiv zu verletzen.


Sie hilft außerdem dabei, Ziele überhaupt zu formulieren.


Kommunikationskompetenz gilt als:

  • Schlüsselkompetenz

  • Erfolgsfaktor im Beruf

  • wichtig für Alltag, Erziehung, Gesundheit, Liebe und Freundschaft


Bestandteile der Kommunikationskompetenz

Kommunikationskompetenz umfasst neben grundlegenden Eigenschaften wie Sprache mehrere Fähigkeiten:

  • Fähigkeit, die eigene Position wahrzunehmen und angemessen zu vertreten

  • Fähigkeit, geeignete Kanäle und Arten der Nachrichtenübermittlung auszuwählen

  • Fähigkeit, Impulse und Gefühle zu kontrollieren, die Kommunikation erschweren können (z. B. Unsicherheit oder Arroganz)

  • Fähigkeit, das Befinden und Anliegen anderer zu erschließen:

    • nicht nur über Gesagtes

    • sondern auch über Hinweisreize und Hintergrundinformationen wie Gestik und Mimik

  • Fähigkeit, Bedingungen der Situation, der Kommunikationspartner:innen und gesellschaftliche Normen zu erkennen und in die Kommunikation einzubeziehen


Kommunikationskompetenz kann entstehen, wenn entweder Sender:in oder Empfänger:in über diese Fähigkeiten verfügen. Idealerweise besitzen beide Kommunikationskompetenz.

Zusätzlich beeinflussen:

  • Persönlichkeit

  • Umwelt

  • Situation

die Entstehung von Kommunikationskompetenz.


Wichtiger Grundgedanke

Faktentreue ist keine Voraussetzung erfolgreicher Kommunikation

Erfolgreiche Kommunikation bedeutet nicht automatisch, dass Inhalte wahr sind.

Auch:

  • Betrüger:innen

  • Werbung

  • Propaganda

  • Verschwörungsmythen

können kommunikativ erfolgreich sein.


Kommunikation erzeugt deshalb zwei Ergebnisse:

  1. Wirklichkeitskonstruktionen über die Inhalte

  2. Eindrücke über die andere Person

Sender:in und Empfänger:in ziehen also Rückschlüsse über Eigenschaften der anderen Person, obwohl diese nicht ausdrücklich Teil der Botschaft waren.


-> Das ist eine der Kernaussagen des sogenannten Linsenmodells von Brunswick

Linsenmodell von Brunswick

Grundidee

Das Linsenmodell beschreibt, wie Menschen Eindrücke bilden.

Es kann angewendet werden auf:

  • Wahrnehmung von Personen

  • Wahrnehmung von Gegenständen

Kernaussage: Empfänger:innen schließen aus beobachtbaren Merkmalen auf nicht direkt überprüfbare Fakten.

Die Abbildung zeigt dabei:

  • Sender:in → sendet proximale Merkmale (körpernah)

  • Empfänger:in → erschließt daraus distale Merkmale (körperfern)

  • anschließend entsteht Urteil/Rückkopplung



Zentrale Begriffe

Proximale Merkmale

Direkt beobachtbare Merkmale der Kommunikation:

  • Inhalte der Nachricht

  • Hinweisreize

  • Hintergrundinformationen

  • Gestik

  • Mimik

  • Sprechweise usw.

„Proximal“ = nahe am:an der Empfänger:in.


Distale Merkmale

Die tatsächlichen Fakten oder Eigenschaften hinter der Botschaft.

  • „Distal“ = entfernt, nicht direkt überprüfbar.

  • Empfänger:innen kennen die Fakten oft nicht und müssen aus den proximalen Merkmalen auf die distalen Merkmale schließen.


Die drei Phasen des Linsenmodells

Phase 1: Senden proximaler Merkmale

Der:Die Sender:in sendet:

  • Inhalte

  • Hinweisreize

  • Hintergrundinformationen

Beispiel: Eine Frau sammelt Spenden für Tierschutz:

  • gepflegtes Auftreten

  • schnelles Sprechen

  • Fotos misshandelter Tiere

  • Bitte um Spende

Der Passant kann die Wahrheit der Aussagen nicht überprüfen.


Phase 2: Erschließen distaler Merkmale

Der Passant kennt die Fakten nicht:

  • arbeitet die Frau wirklich für die Organisation?

  • existiert die Organisation?

  • wird Geld sinnvoll eingesetzt?

Deshalb bewertet er die proximalen Merkmale:

  • Verhalten

  • Auftreten

  • Sprache

  • Materialien

und zieht daraus Schlüsse über die Glaubwürdigkeit.


Phase 3: Urteilsbildung

Der Passant bildet aus den proximalen Merkmalen ein Urteil.

Im Beispiel:

  • drastische Fotos → emotionaler Druck

  • schnelles Sprechen → Zeitdruck

Folgerung: Die Frau wirkt nicht vertrauenswürdig.

Reaktion:

  • keine Spende

  • Kopfschütteln

Rückkopplung: Die Senderin reagiert genervt mit Augenrollen.


Bedeutung des Linsenmodells für Kommunikationskompetenz

Kommunikationskompetenz bedeutet:

  • Kommunikationswirkungen bewusst,

  • absichtlich

  • und zielgerichtet erzeugen zu können.

Das gilt für:

  • Sender:innen

  • Empfänger:innen

Für Sender:innen:

  • Faktentreue kann helfen, ist aber nicht Voraussetzung für Erfolg.

Für Empfänger:innen:

  • wichtig ist das Bewusstsein über Wirkweisen und Mechanismen menschlicher Kommunikation, um Manipulation erkennen zu können.


Elaboration-Likelihood-Model (ELM)

Grundidee

Das ELM erklärt:

  • Überzeugung

  • Einstellungsänderung

  • Verarbeitung persuasiver Botschaften

Entscheidend ist die Intensität der kognitiven Verarbeitung (= Elaboration).


Das Modell unterscheidet zwei Routen der Informationsverarbeitung.


Zentrale Route der Informationsverarbeitung

Merkmale:

  • intensive kognitive Verarbeitung

  • Verknüpfung mit Vorwissen

  • genaue Auseinandersetzung mit Argumenten

Entscheidend:

  • Stärke der Argumente

  • Qualität der Argumente

Voraussetzungen:

  • Motivation zur Verarbeitung

  • Fähigkeit zur Verarbeitung

Beispiele für Motivation:

  • persönliche Relevanz

  • Need for Cognition

Beispiele für Fähigkeit:

  • keine Ablenkung

  • Wiederholung

  • Vorwissen

Folgen:

  • dauerhafte Einstellungsänderung

  • resistente Haltung

  • stärker verhaltensprägend

Periphere Route der Informationsverarbeitung

Merkmale:

  • geringe kognitive Verarbeitung

  • wenig Auseinandersetzung mit Argumenten

Entscheidend sind periphere Hinweisreize:

  • Glaubwürdigkeit

  • Auftreten

  • Attraktivität

  • Stimmung

  • Anzahl der Argumente

Beispiel: Attraktive Personen werden:

  • wohlwollender behandelt

  • mit positiveren Eigenschaften verbunden

Folgen:

  • eher kurzfristige Einstellungsänderung

  • anfälliger für Veränderungen

  • weniger verhaltensprägend



Ablauf des ELM laut Abbildung

  1. Persuasive Botschaft trifft auf Empfänger:in

  2. Frage nach Motivation zur Verarbeitung

  3. Frage nach Fähigkeit zur Verarbeitung

  4. Bei hoher Motivation und Fähigkeit:

    • zentrale Verarbeitung

    • positive/negative Gedanken

    • Speicherung neuer Kognitionen

    • stabile Einstellungsänderung

  5. Bei fehlender Motivation/Fähigkeit:

    • periphere Verarbeitung

    • Orientierung an Hinweisreizen

  6. Fehlen auch periphere Reize:

    • Beibehaltung/Wiedererlangen der Ausgangseinstellung


Zentrale Aussage des ELM

Je intensiver die Elaboration:

  • desto robuster,

  • langlebiger

  • und verhaltenswirksamer

ist die Einstellungsänderung.


Narrative Persuasion und Storytelling

+ Transportation-Imagery Model


Grundidee

Narrative Konzepte und fiktionale Inhalte können eine eigene Überzeugungskraft entwickeln – besonders dann, wenn beides kombiniert wird.

Dabei laufen laut Forschung andere psychologische Prozesse ab als bei:

  • nachrichtlichen

  • faktischen

  • sachlichen Medieninhalten.

Beispiel: Es macht einen Unterschied, ob jemand:

  • eine Nachrichtensendung über die Aufstände in Birma sieht oder

  • den Spielfilm „The Lady“ über dasselbe Thema.

Entscheidend sind bei narrativer Persuasion:

  • Identifikation mit Figuren

  • Eintauchen in die Geschichte


Zwei Modelle narrativer Persuasion


1. Transportation-Imagery Model (Green & Brock, 2002)

Grundidee

Das Modell erklärt, warum das Eintauchen in eine Narration Überzeugungskraft erzeugen kann.

Transportation

Transportation bezeichnet:

  • einen Zustand intensiver Aufmerksamkeit,

  • in dem Rezipierende den Bezug zur realen Welt zeitweise verlieren

  • und sich emotional sowie kognitiv vollständig auf die Narration einlassen.

Narrationen können viele Formen haben:

  • Filme

  • Serien

  • Bücher

  • Comics

  • Werbung

  • mündliche Erzählungen

Während der Transportation:

  • richtet sich die Aufmerksamkeit vollständig auf die Geschichte,

  • präsentierte Informationen werden weniger kritisch hinterfragt,

  • emotionale Beteiligung steigt.

Einflussfaktoren auf die Wirkung von Narrationen

Nicht jede Narration wirkt gleich stark auf jede Person.

Wichtige Faktoren:

  • Intensität des Eintauchens

  • Qualität der Narration

Mit Qualität ist nicht nur gemeint:

  • Optik

  • Verständlichkeit

  • mediale Aufbereitung

Wichtig ist auch die „Wurzel“ der Geschichte:

  • glaubwürdige,

  • menschlich nachvollziehbare Grundstorys

Beispiele:

  • Liebesgeschichte

  • Coming-of-Age-Geschichte

  • Abenteuergeschichte

  • „Vom Tellerwäscher zum Millionär“

Unglaubwürdige Geschichten beeinflussen Rezipierende meist schwächer.


Warum narrative Persuasion wirkt (Transportation-Imagery Model)

Narrative Persuasion gelingt laut Modell, weil:

  • inneres Widersprechen durch Aufmerksamkeitslenkung reduziert wird

  • das Erleben echten Erfahrungen ähnelt

  • Gefühle gegenüber Figuren und Handlungen Einstellungen beeinflussen

  • Bindung an Protagonist:innen entsteht


2. Extended Elaboration Likelihood Model (Slater & Rouner, 2002)

Zentrale Erfolgsfaktoren

Immersion

Immersion bedeutet:

  • Hineinversetzen in die Erzählung

Sie gilt als zentraler Erfolgsfaktor narrativer Persuasion.

Identifikation mit Charakteren

Rezipierende:

  • versetzen sich in Gedanken- und Gefühlswelt der Figuren hinein,

  • hinterfragen diese weniger kritisch.

Dadurch steigt die Überzeugungskraft der Botschaft.


Storytelling

Die beschriebenen Effekte werden in:

  • Marketing

  • Journalismus

  • Literatur

häufig als Storytelling bezeichnet.

Storytelling nutzt:

  • emotionale Beteiligung,

  • Identifikation

  • und narrative Strukturen,

um Einstellungen und Verhalten zu beeinflussen.


Beispiel: Campact und der Transportation-Effekt

Die Abbildung zeigt eine E-Mail der NGO Campact als Beispiel für narrative Persuasion und den Transportation-Effekt.


Aufbau der Campact-E-Mail

Ziel

Die Empfänger:innen sollen:

  • eine Online-Petition unterschreiben.

Thema:

  • Abbiege-Assistenz-Systeme für Lkw,

  • die Radfahrende im toten Winkel erkennen sollen.

Vorgehen von Campact

1. Emotionalisierung statt Technik

Die E-Mail beginnt nicht mit:

  • technischen Informationen

  • Statistiken

  • sachlichen Argumenten.

Stattdessen:

  • emotionaler Einstieg,

  • persönliche Betroffenheit,

  • Schilderung eines Unfalls.

Elemente:

  • Mädchen wird von Lkw überrollt

  • Frau überlebt Unfall mit Lkw

  • Betroffene kämpft nun für Abbiege-Assistenz-Systeme

Dadurch entsteht emotionale Beteiligung der Leser:innen.


2. Ausweitung des Problems

Danach erweitert Campact das Thema:

  • Hinweis auf weitere Todesfälle

  • gesellschaftliche Relevanz

  • Erhöhung des Handlungsdrucks

Beispiel: „Abbiegende Lastwagen haben dieses Jahr in Deutschland bereits 15 Radfahrer:innen getötet.“


3. Handlungsaufforderung

Erst danach nennt Campact das eigentliche Ziel:

  • Unterzeichnung der Petition.

Die mögliche Wirksamkeit wird zusätzlich gestützt:

  • damaliger Verkehrsminister Andreas Scheuer „könnte sich dafür einsetzen“.



Langzeitwirkungen persuasiver Botschaften

Grundsätzlich

Die Wirkung persuasiver Botschaften:

  • nimmt typischerweise mit der Zeit ab,

  • Einstellungen nähern sich später oft wieder der ursprünglichen Haltung an.


Medienkompetenz / Media Literacy

Historischer Hintergrund

In Deutschland begann die Diskussion um Medienkompetenz besonders im Jahr 1984.

Grund:

  • Der private Fernseh-Rundfunk nahm seinen Betrieb auf.

  • Neben öffentlich-rechtlichen Anbietern wie WDR, SWR, ZDF oder Deutschlandradio traten private Sender wie Sat.1 und RTL plus hinzu.

  • Damit kamen stärker kommerzielle Ziele in den Rundfunk.

  • Neu war die konsequente Orientierung an Interessen der Zuschauer:innen.

Sendungen mit Schwerpunkten auf:

  • Gewalt

  • reißerischer Unterhaltung

  • Erotik

führten bundesweit zu Diskussionen. Dadurch entstand ein Bruch zwischen „vorher“ und „nachher“.

  • Medienforscher:innen fragten stärker danach, wie Empfänger:innen auf solche Inhalte reagieren.

  • Heute wird Medienkompetenz-Forschung häufig unter dem Begriff Media Literacy geführt.

  • Literacy bedeutet ursprünglich „Fähigkeit, zu lesen“, wird aber auch auf andere Bereiche übertragen, z. B. „computer literacy“.


Definition von Medienkompetenz

Medienkompetenz bzw. Media Literacy ist die Fähigkeit, Medien:

  • kritisch

  • selbstbestimmt

  • verantwortlich

zu nutzen, zu verstehen und zu bewerten.


  • Im Zusammenhang mit digitalen Kommunikationskanälen bedeutet Medienkompetenz auch, kritisch, selbstbestimmt und verantwortlich mit Inhalten aus digitalen Kanälen umgehen zu können.

Das betrifft häufig Botschaften aus der Massenkommunikation, z. B.:

  • Diskussionen in Foren

  • Inhalte in sozialen Medien

Die Begriffe „kritisch“, „selbstbestimmt“ und „verantwortlich“ beschreiben Medienkompetenz aber noch nicht vollständig, sondern geben nur eine erste Orientierung.


Ziel von Medienkompetenz

Vor dem Hintergrund des heutigen Überangebots an Medien ist das Ziel von Medienkompetenz:

das gesellschaftlich handlungsfähige Subjekt.


Gemeint sind Individuen, die:

  • sich mit Medien in der Gesellschaft zurechtfinden,

  • sich trotz Medien orientieren können,

  • Medien für eigene Zwecke nutzen können,

  • Medien zur politischen Meinungsbildung nutzen können.

Das zugrunde liegende Menschenbild stellt in den Mittelpunkt:

  • individuelles Wachstum

  • intellektuelle Weiterentwicklung

  • persönliche Weiterentwicklung

  • Genuss

Medienkompetenz ist deshalb nicht nur ein Schutzschild gegen negative Einflüsse, sondern ein Mittel:

  • zur Orientierung im privaten Alltag

  • zur Orientierung im beruflichen Alltag

  • zur Entwicklung der eigenen Identität


Medienkompetenz-Forschung und Interventionen

Die Forschung beschäftigt sich auch mit Interventionen gegen dysfunktionale Nutzungsweisen.

Dazu gehören:

  • exzessive Nutzung von Social Media

  • Mobbing

  • Bullying

  • extremistische Propaganda

  • Förderung von Fundamentalismus oder Radikalismus

  • Befürwortung riskanten Umgangs mit Drogen

  • Förderung riskanter Sexualpraktiken

  • Gefährdung von Heranwachsenden und Jugendlichen durch ungeeignete Medien im Sinne des Jugendschutzgesetzes

Empirische Studien zeigen, dass die Vermittlung von Medienkompetenz Erfolge erzielen kann.

Dimensionen der Medienkompetenz

1. Mediennutzung

  • Mediennutzung meint die Fähigkeit, Inhalte sinnvoll in vorhandene Denk- und Gedächtnisstrukturen zu integrieren.

  • Außerdem umfasst sie interaktive Mediennutzung, also Nutzung, die über passives Rezipieren hinausgeht.

2. Medienkontextualisierung

Medienkontextualisierung bedeutet Wissen über das Mediensystem.

Dazu gehört Wissen über:

  • Arbeit von Redaktionen

  • Arbeitsweisen von Journalist:innen

  • Programmformate und Genres

  • Entwicklung von Formaten und Genres

  • Finanzierung von Medien

  • Struktur des dualen Rundfunksystems

  • Grundlagen des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks in Deutschland

Wichtig ist: Produktionsprozesse werden durch soziale, kulturelle, ökonomische und politische Faktoren beeinflusst.

3. Medienkunde

Medienkunde umfasst die Fähigkeit:

  • zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden

  • Parasozialität zu erkennen

Parasozialität meint scheinbare Beziehungen zu Medienfiguren.

Im Gegensatz dazu steht Orthosozialität:

  • Beziehungen zu realen Figuren aus der eigenen Umwelt.

Zur Medienkunde gehören außerdem Wissen über:

  • künstlerische Rahmenbedingungen

  • rechtliche Rahmenbedingungen

  • wirtschaftliche Rahmenbedingungen

  • Arbeitsweisen von Medienunternehmen

  • Erlösmodelle von Medienunternehmen

4. Mediengestaltung

Mediengestaltung umfasst die Fähigkeit, Medienangebote:

  • zu verändern

  • weiterzuentwickeln

  • neu zu erstellen

Gemeint sind sowohl vorgegebene Formate als auch eigenständige Entwicklungen.

Beispiele:

  • Social-Media-Postings innerhalb eines bestehenden Kanals oder Konzepts

  • Broschüre

  • Landing Page

  • TV-Sendung

  • Social-Media-Sendung bzw. Format

5. Medienkritik

Medienkritik meint die Fähigkeit, Prozesse des Mediensystems:

  • zu recherchieren

  • zu verstehen

  • in persönliche Zusammenhänge einzuordnen

  • in gesellschaftliche Zusammenhänge einzuordnen

Dabei geht es auch um eine ethische Komponente:

  • Konfliktpotenziale erkennen

  • Probleme erkennen

Medienkritik umfasst außerdem die Fähigkeit, die Qualität von Medienangeboten intersubjektiv zu beurteilen.

Intersubjektiv bedeutet: Ein Konsens zwischen mehreren Personen über eine Wahrnehmung, ein Werturteil oder eine Beschreibung. Dieser Konsens geht über reine Subjektivität hinaus, erreicht aber nicht die Sicherheit von Objektivität.

Beispiel: Medieninhalte können vor dem Hintergrund ihrer politischen Ausrichtung oder wirtschaftlichen Zusammenhänge interpretiert werden, z. B.:

  • journalistische Artikel

  • Social-Media-Postings

  • Videos

  • Blogbeiträge

  • Newsletter

6. Mediengenuss

Mediengenuss beschreibt die Fähigkeit, Medien kontrolliert zu genießen, ohne sich selbst aufzugeben.

Dazu gehört:

  • eine Grenze zwischen Genuss und Sucht ziehen zu können.

7. Medienpartizipation

Medienpartizipation beschreibt die Fähigkeit, in einer Mediengesellschaft am Diskurs über Inhalte teilzunehmen.

Wichtig ist dabei:

  • mit fundierten Argumenten

  • intersubjektiv nachvollziehbar

  • nicht nur mit Meinungen und Werturteilen


Wichtige Ergänzungen zur Medienkompetenz

  • Die einzelnen Bestandteile der Medienkompetenz sind nicht immer klar voneinander abgrenzbar. Sie gehen fließend ineinander über.

  • Der Begriff Medienkompetenz wird hier bewusst allgemein verwendet, um einen breiten Überblick zu ermöglichen.

  • Medienkompetenz kann auch zum Risikofaktor werden, wenn Menschen ihre Fähigkeiten für problematische Zwecke einsetzen, z. B. für Cybermobbing.


Perceived Reality

Grundidee

Das Konzept der Perceived Reality beschreibt, in welchem Ausmaß Rezipient:innen ein fiktionales Medienangebot fälschlicherweise als faktentreu wahrnehmen.

Wenn ein Medienangebot als realistisch wahrgenommen wird, beeinflusst das:

  • Emotionen

  • Kognitionen

  • Verhalten

Das Konzept wird je nach Autor:in unterschiedlich verstanden. Wegweisend ist die Unterscheidung zwischen:

  • Magic-Window-Dimension

  • Social-Expectations-Dimension


Magic-Window-Dimension

Diese Dimension beschreibt, ob Rezipient:innen Fernsehen oder andere Kommunikationskanäle wahrnehmen als:

  • unverfälschten Zugang zur Welt oder

  • unauthentisch und konstruiert

Es geht also um die Frage: Wirkt das Medium wie ein „Fenster zur Realität“ oder als gemachte Darstellung?

Social-Expectations-Dimension

Diese Dimension bezieht sich auf die Ähnlichkeit zwischen:

  • Inhalten von Botschaften

  • Realitätserfahrungen der Empfänger:innen

  • Wissen der Empfänger:innen

Je stärker Medieninhalte mit dem eigenen Wissen und den eigenen Realitätserfahrungen übereinstimmen, desto realistischer können sie wirken.


Weitere Kriterien für wahrgenommenen Realitätsgehalt

  • Fachleute nennen zusätzliche Kriterien, die beeinflussen können, wie realistisch Medieninhalte wahrgenommen werden.

  • Diese gelten nicht nur für Film, Fernsehen oder Radio, sondern auch für digitale Kommunikationskanäle wie soziale Medien.


Tutorium:

Rezipienten nehmen ein fiktionales Medienangebot als realistisch wahr

 Beispiele: Mockumentarys, Fake News, fiktive Medieninhalte

(Filme, Romane, Serien, Krimis, usw.)

 Kriterien, die dazu beitragen können, dass Empfänger

Inhalte im Sinne der Perceived Reality interpretieren:

 Nützlichkeit der Informationen

 Botschaft erhebt den Anspruch, faktentreu zu sein

 Botschaft erscheint wie eine Dokumentation

 Botschaft ist plausibel

 Botschaft ist wahrscheinlich

 Botschaft berührt den Empfänger emotional, führt zu

Involviertheit

 Botschaft ist typisch für Ereignisse in der Realität




Dazu gehören:

  • Nützlichkeit

  • Faktualität vs. Fiktionalität: Erhebt das Produkt den Anspruch, etwas über Wirklichkeit auszusagen?

  • Authentizität vs. Inszenierung: Wirkt das Produkt eher wie eine Dokumentation oder wie ein fiktionaler Inhalt?

  • Plausibilität: Sind die gezeigten Inhalte möglich?

  • Wahrscheinlichkeit: Sind die gezeigten Inhalte wahrscheinlich?

  • Involviertheit

  • Typikalität: Wie typisch sind die gezeigten Inhalte für Ereignisse in der Realität?

Forschungsergebnisse zu Perceived Reality

Untersuchungen zeigen:

  • Die Unterscheidung zwischen Magic-Window und Social-Expectations lässt sich tendenziell bestätigen.

  • Perceived Reality steht in positivem Zusammenhang mit Fernsehnutzung.

  • Perceived Reality steht in negativem Zusammenhang mit dem Alter.

  • Im höheren Alter steigt Perceived Reality wieder an.

  • Es gibt Zusammenhänge mit sozioökonomischem Status.

  • Es gibt Zusammenhänge mit basalen kognitiven Fähigkeiten.

Auch die narrative Qualität beeinflusst Perceived Reality:

Je stärker Rezipient:innen sich in die Welt der Erzählung versetzt fühlen, desto höher fällt Perceived Reality aus.

Negative Bewertungen der Erzählung gehen dagegen mit sinkender Perceived Reality einher.


4.3 Kommunikation aktiv gestalten

Grundidee

Die Psychologie der digitalen Kommunikation zeigt viele mögliche Probleme:

  • Missverständnisse

  • Manipulation

  • Ärger

  • wirtschaftliche Nachteile

  • Fallstricke digitaler Kommunikation

Deshalb stellt sich die Frage, wie Kommunikation zur Zufriedenheit aller Beteiligten gestaltet werden kann.

Während Kommunikationskompetenz eher:

  • bewertend

  • analytisch

auf Kommunikation blickt, haben aktive Elemente der Kommunikation eine gestaltende Funktion.

Elemente aktiver Kommunikation

Zu den aktiven Elementen gehören:

  • Zuhören

  • Fragen stellen

  • Erklären

  • Humor

Diese wirken zunächst trivial, enthalten aber viele Möglichkeiten, Kommunikation positiv zu gestalten.

Die Schlüsselbegriffe aktiver Kommunikation sind:

  • Wissen

  • bewusstes Gestalten von Kommunikation

Dabei geht es nicht um Manipulation im eigenen Interesse, sondern darum, für alle Beteiligten möglichst gute Kommunikation zu erreichen.

Kommunikation muss aktiv gestaltet werden

Ein zentraler Gedanke: Kommunikation gelingt nicht immer automatisch, sondern muss teilweise bewusst vorbereitet und gestaltet werden.

Beispiele:

  • Vorbereitung auf ein Telefonat

  • Fragenliste vorab entwerfen

  • roten Faden für ein Projekt verfolgen

Wer nur reagiert und Situationen einfach geschehen lässt:

  • gestaltet Kommunikation nicht aktiv

  • wird leichter zum „Spielball“

Zuhören

Funktionen des Zuhörens

Zuhören erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig:

  • ermöglicht kritische Bewertung des Gesagten

  • signalisiert Interesse gegenüber Sender:in

  • hilft bei Konzentration auf die Nachricht

Besonders bei negativ emotionalisierenden Inhalten fällt es vielen Menschen schwer:

  • wirklich zuzuhören,

  • weil sie innerlich bereits eine Antwort formulieren.

Empfehlungen von Thomann und Schulz von Thun

Die Kommunikationspsychologen empfehlen:

  • sich immer wieder auf Sender:innen einzulassen

  • neugierig und interessiert zu bleiben

Problem: Im Alltag verfolgen Menschen oft nur ihre eigenen Ziele und nehmen die Lebensrealität anderer weniger wahr.

Aktives Zuhören

Aktive Kommunikation

Wie kann Kommunikation auch unter ungünstigen Bedingungen gelingen?

  • Zuhören

  • Fragen stellen

  • Erklären

  • Humor

  • Mitteilungen in eigenen Worten wiederholen


Passive Kommunikation:

  • Bsp.: Vorlesung

  • Einer spricht, andere hören zu und nehmen Inhalte auf, ohne großartig Rückmeldung zu geben


Grundidee

Es reicht nicht aus, nur aufmerksam zuzuhören.

Der:Die Sender:in muss auch ein Feedback erhalten, dass zugehört wird.

Deshalb empfehlen Fachleute das aktive Zuhören.

Bestandteile aktiven Zuhörens

1. Aufmerksamkeit signalisieren

Interesse wird gezeigt durch:

  • Nachfragen

  • Nicken

  • Lächeln

  • verbale Rückmeldungen wie „mhm“

2. Botschaft in eigenen Worten wiedergeben

Der:Die Empfänger:in formuliert die Botschaft mit eigenen Worten neu.

Ziel:

  • überprüfen, ob alles richtig verstanden wurde

3. Emotionale Inhalte spiegeln

Wenn Situation und Rahmen es zulassen:

  • emotionale Inhalte der Botschaft spiegeln,

  • um auch emotionales Verstehen sicherzustellen.

Zuhören ist kein passiver Prozess

Wichtige Punkte:

  • Zuhören benötigt Ressourcen

  • Zuhören gelingt nicht nebenbei

  • Zuhören ist nicht gleich Hören

  • Zuhören kann anstrengend und fehleranfällig sein

Beim Zuhören müssen Informationen:

  • aufgenommen,

  • verstanden

  • und mit Gedächtnisinhalten abgeglichen werden.

Zuhören ist trainierbar

Zuhören kann verbessert werden durch:

  • Wiederholung

  • Überprüfung eigener Ergebnisse

  • Ausprobieren verschiedener Techniken

Hinweise auf Unaufmerksamkeit

Indizien für mangelnde Aufmerksamkeit bei Empfänger:innen:

  • fehlender Augenkontakt

  • unpassender Gesichtsausdruck

  • sichtbare Ablenkung

  • Lesen nebenbei

  • Smartphone-Nutzung

Unterschiede bei Aufmerksamkeitssignalen

Menschen unterscheiden sich darin:

  • wie sie zuhören,

  • wie sie Aufmerksamkeit einschätzen.

Beispiel:

  • Männer nutzen Nicken häufiger als Zustimmungssignal

  • Frauen nutzen Nicken häufiger als Zeichen von Aufmerksamkeit

Dadurch können Missverständnisse entstehen.

Aktives Zuhören in digitalen Kommunikationskanälen

Viele digitale Kommunikationskanäle erschweren aktives Zuhören, weil:

  • Signale wie Nicken oder Lächeln fehlen.

Als Ersatz dienen:

  • Emojis

  • Emoticons

Diese bringen jedoch neue Interpretationsspielräume und Fehlerquellen mit sich.




Falschinformationseffekt

Definition

Der Falschinformationseffekt tritt auf, wenn:

  • falsche Informationen beiläufig eingebracht werden,

  • z. B. innerhalb einer Frage.

Dadurch entstehen falsche Erinnerungen oder verfälschte Wahrnehmungen.

Einfluss der Fragenlänge

Auch die Länge einer Frage beeinflusst Antworten.

Grundsatz:

  • Je länger die Frage,

  • desto länger die Antwort.

Dasselbe gilt bei Fragebögen:

  • Mehr freie Linien unter einer Frage → längere Antworten.

Bewertung verschiedener Fragearten

Alle Fragetypen haben ihre Berechtigung.

Welche sinnvoll ist, hängt vom Kontext ab.

Geschlossene Fragen

Besonders wertvoll:

  • juristischer Kontext

  • wissenschaftlicher Kontext

Grund:

  • präzise,

  • kontrollierte Datenerhebung.

Offene Fragen

Besonders geeignet:

  • journalistischer Kontext

  • Interviews

  • persönliche Gespräche

Grund:

  • fördern ausführliches Erzählen.

Suggestivfragen als Taktik

Suggestivfragen können taktisch genutzt werden:

  • um Gesprächspartner:innen aus der Reserve zu locken.

Schwarze Rhetorik / Eristische Dialektik / Sophismus

Merkmale

Hierbei enthalten Fragen:

  • Unterstellungen

  • und gleichzeitig Kritik.

Beispiel: „Schämen Sie sich nicht, dass Sie diesen Kunden aus Faulheit zu spät angerufen haben?“

Wirkung solcher Fragen

Auch wenn die Behauptung falsch ist:

  • entsteht starker sozialer Druck,

  • besonders vor anderen Personen.

Die Frage stellt die Behauptung indirekt als Tatsache dar.

Bewertung schwarzer Rhetorik

Aus humanistisch-aufklärerischer Sicht disqualifizieren sich Personen, die solche Taktiken verwenden.

Die Kommunikation wird dabei:

  • manipulativ

  • unfair

  • und nicht auf ehrlichen Austausch ausgerichtet


4.3.2 Gestaltung von Kommunikation

Grundgedanke

Im privaten Umfeld entwickelt sich Kommunikation oft intuitiv durch Erfahrung. Im beruflichen bzw. professionellen Kontext fehlt dafür jedoch häufig die Zeit und die Bereitschaft für „Trial-and-Error“.

Probleme beruflicher Kommunikation entstehen häufig durch:

  • Nachteile digitaler Kommunikationskanäle:

    • Deindividuation

    • Kanalreduktion

  • unzureichende Kommunikationsfähigkeiten der Beteiligten

Diese Fähigkeiten können sich – abhängig von der Auffassungsgabe – mit der Zeit verbessern.

Aktive Gestaltung von Kommunikation: Das Prinzip der Erklärung

Wer etwas erklärt, muss den Kenntnisstand der Empfänger:innen berücksichtigen. Dies wird in professioneller Kommunikation häufig zu wenig beachtet.

Konzept „P5“ (Röhner & Schütz, 2020)

1. Einschätzung des Vorwissens

  • Vorwissen der Empfänger:innen einschätzen

  • soziale und kulturelle Hintergründe berücksichtigen

2. Planen (Ziele festlegen)

Festlegung der Ziele:

  • Was sollen die Empfänger:innen anschließend:

    • wissen?

    • können?

    • fühlen?

  • Welche Kernpunkte sollen vermittelt werden?

  • In welcher Reihenfolge?

  • -> an Zielgruppe orientierne, nicht an den eigenen Bedürfnisse / Zielen und Wünschen

3. Vorbereitung

Benötigte Materialien organisieren:

  • Laptop

  • Beamer

  • PowerPoint

  • Präsentation vorbereiten

4. Erklärung

Durchführung der eigentlichen Erklärung.

5. Feedback einfordern

Sender:in überprüft, ob die Erklärung verstanden wurde, z. B. durch:

  • Wiedergabe in eigenen Worten

  • praktische Anwendung des Erklärten

Wirkung angepasster Erklärungen

An das Vorwissen angepasste Erklärungen:

  • reduzieren kognitive Verständnisprobleme

  • fördern den Erwerb neuen Wissens

Interaktive Vermittlung von Wissen

Erklärungen müssen nicht in:

  • langen Monologen

  • oder Frontalunterricht enden.

In beratenden oder therapeutischen Kontexten werden häufig genutzt:

  • geleitetes Entdecken

  • sokratisches Gespräch

Ziel dieser Methoden

Themen werden im Dialog gemeinsam erschlossen. Gefördert werden:

  • Reflexion

  • Selbstbesinnung

  • eigenverantwortliches Denken


Der sokratische Dialog

Grundprinzip

Der:die Erklärende stellt eine Reihe scheinbar „naiver“ Fragen. Dadurch nähert sich der:die Empfänger:in der Antwort selbstständig durch Nachdenken.

Sieben Schritte des sokratischen Dialogs

1. Auswahl des Themas bzw. dysfunktionalen Gedankens

Beispiel:

  • Vater: „Ich bin ein schlechter Vater.“

2. Erste Definitionsversuche

Frage nach der Bedeutung des Begriffs.

Beispiel:

  • Therapeut: „Was ist ein schlechter Vater?“

  • Vater: „Ein schlechter Vater ist einer, der alles falsch macht.“

3. Konkretisierung und Alltagsbezug

Beispiel:

  • Therapeut: „Wie kommen Sie darauf?“

  • Vater: „Mein Sohn hat sich auf dem Schulhof geprügelt.“

4. Weitere Konkretisierung / Umformulierung

Beispiel:

  • Therapeut: „Väter, deren Kinder sich prügeln, sind schlechte Väter?“

  • Vater: „Ja.“

5. Widerlegung durch logische Disputation

Der dysfunktionale Gedanke wird hinterfragt.

Beispiel:

  • Therapeut fragt, ob der Sohn keine andere Wahl gehabt habe und wer verantwortlich sei.

Ziel:

  • Aufdecken logischer Widersprüche

  • Hinterfragen der ursprünglichen Annahme

6. Hinführung zu einem funktionalen, widerspruchsfreien Modell

Beispielhafte Fragen:

  • Gibt es objektiv gute oder schlechte Väter?

  • Was bedeutet Schuld?

  • Ist der eigene Vater für das eigene Verhalten verantwortlich?

Erkenntnis des Vaters:

  • Andere können Entscheidungen nicht vollständig kontrollieren.

7. Ergebnis

Neue Schlussfolgerung:

  • Jeder ist nur für Dinge verantwortlich, die in seiner Macht liegen.

  • Der Vater ist nicht direkt verantwortlich für die Entscheidungen des Sohnes.

  • Er kann aber beeinflussen, wie er mit der Situation umgeht.

Kritik an der sokratischen Methode

Kritikpunkt:

  • Die Methode kann auch genutzt werden, um:

    • Fehlschlüsse

    • sachlich falsche Informationen zu vermitteln.

Kritik am Beispiel

Im Beispiel wird die erzieherische Verantwortung des Vaters teilweise ausgeblendet.

Hinweis des Textes:

  • Gewaltfördernde Erziehung kann Gewaltbereitschaft bei Kindern erhöhen.

Bedeutung im Studienheft

Die sokratische Methode wird hier:

  • nicht primär als alltagstaugliche Kommunikationsempfehlung dargestellt,

  • sondern als Beispiel dafür, wie stark Kommunikation professionalisiert werden kann.

Kernaussage: Kommunikation kann weit über einen spontanen, unreflektierten Gedankenaustausch hinausgehen.

4.3.3 Trolle, Memes, Brain Rot, Hoaxe: Internetphänomene und digitale Kultur

Memes als Internet- und Kulturphänomen

Beispiel: „Distracted Boyfriend Meme“

Bildbeschreibung:

  • Ein Mann schaut einer anderen Frau hinterher.

  • Seine Freundin reagiert vorwurfsvoll.

Die Figuren werden durch Beschriftungen mit unterschiedlichen Bedeutungen versehen, z. B.:

  • Mann = „Die Jugend“

  • Freundin = „Kapitalismus“

  • Frau im roten Kleid = „Sozialismus“

Weitere Varianten:

  • „Phil Collins“ / „Prog Rock“ / „Pop“

  • „Millennials“ / „Die Zukunft“ / „Die 90er-Jahre“

Definition Meme

Memes sind:

  • Internet- und Kulturphänomene

  • vermitteln Botschaften, oft humoristisch

  • arbeiten häufig mit:

    • Insiderwitzen

    • Filmzitaten

    • popkulturellen Referenzen

Die Bedeutung entsteht meist erst:

  • durch Kombination aus Bild und Text

  • nicht allein durch den Text

Weitere Meme-Beispiele:

  • „Epic Handshake“

  • „Trumpet Boy“

  • „Wojak“ / „Feels Guy“

  • „Left Exit 12 Off Ramp“

Eigenschaften von Memes

Hohe Informationsdichte

Memes vermitteln:

  • stark gebündelte Informationen

  • in sehr kurzer Zeit

  • oft mit emotionalen Komponenten

Folge:

  • geringere Verständlichkeit

  • kulturelles Vorwissen oft notwendig

Einige Memes sind ohne Kontextwissen kaum verständlich, z. B.:

  • „Wojak“

  • „Epic Handshake“

  • „Left Exit 12 Off Ramp“

Beispiel: „Left Exit 12 Off Ramp“

Darstellung:

  • Auto biegt abrupt auf eine Ausfahrt ab

  • Straßen und Auto werden individuell beschriftet

Beispiel:

  • Geradeausspur = „A better world“

  • Ausfahrt = „Whatever it is that Donald Trump wants today“

  • Auto = „USA“

Bedeutung:

  • Eine Person oder Gruppe war auf einem „guten Weg“

  • entscheidet sich im letzten Moment für die „schlechte“ Option

Eigenschaften:

  • humoristische Komponente

  • visuelle Komponente

  • enthält einen „wahren Kern“

→ Viele Memes erfüllen dadurch Mindestanforderungen an Storytelling.

Memes als Mini-Geschichten

Memes sind:

  • kulturelle Einheiten

  • werden von Person zu Person weitergetragen

  • vergleichbar mit:

    • Storys

    • Legenden

    • Anekdoten

Sie existierten bereits vor der Digitalisierung, das Internet beschleunigte jedoch ihre Verbreitung massiv.

Ursprung des Begriffs „Meme“

Der Begriff stammt von:

  • Richard Dawkins

  • britischer Evolutionsbiologe

Prägung des Begriffs:

  • 1976

Grundidee:

  • Übertragung evolutionsbiologischer Prinzipien auf Kultur und Gesellschaft

Definition:

  • Memes sind kulturelle Einheiten, die sich von Person zu Person verbreiten.

Evolutionsbiologischer Aspekt von Memes

Wichtig ist der Remix-Charakter:

  • Memes werden nicht nur konsumiert

  • sondern:

    • verändert

    • umgeformt

    • weiterentwickelt

Dadurch:

  • bauen Memes oft aufeinander auf

  • steigt die Informationsdichte

  • sinkt die Verständlichkeit weiter

Wirkung von Memes

Memes können:

  • Denkweisen beeinflussen

  • Verhalten von Einzelnen und Gruppen beeinflussen

Durch soziale Medien und Algorithmen können sie:

  • innerhalb weniger Stunden Massenphänomene werden

Eigenschaften:

  • dezentralisiert

  • unabhängig von Hierarchien oder Redaktionen

  • entstehen direkt aus Nutzer:innen heraus

Plattformen:

  • Instagram

  • Facebook

  • TikTok

  • YouTube / Shorts

  • Reddit

Wettbewerb zwischen Memes

Nur besonders attraktive Memes werden stark verbreitet.

Erfolgsfaktoren:

  • aktuelle Themen und Trends

  • Emotionalisierung:

    • Konflikt

    • Schadenfreude

    • Angst

    • Hass

    • Neid

    • Freude

    • Triumph

Schwierige Abgrenzung des Begriffs

Die Definition von „Meme“ ist relativ unscharf.

Überschneidungen bestehen z. B. mit:

  • TikTok-Trends

Formen von Memes:

  • Bilder

  • Texte (z. B. Greentext)

  • GIFs

  • Bewegtbildformate

Kernaussage:

  • Memes sind im eigentlichen Sinne Ideen bzw. Storys.

Inhalte und Funktionen von Memes

Memes enthalten oft:

  • satirische Inhalte

  • Kommentare zu:

    • Politik

    • Popkultur

    • Kultur

    • Tagesgeschehen

Sie können:

  • effektiv und praktisch sein

  • aber auch absurd

Weitere Funktionen

Memes können:

  • virale Trends kritisch kommentieren

  • zeigen, wie digitale Trends das reale Leben beeinflussen


4.4 Homeoffice

Grundgedanke: Vor- und Nachteile von Homeoffice

Das Arbeiten und Kommunizieren im Homeoffice bringt sowohl:

  • Vorteile

  • als auch Nachteile

mit sich.

Vorteile des Homeoffice

Wegfall bzw. Verkürzung des Arbeitsweges

Vorteile:

  • Zeitersparnis

  • Entlastung der Umwelt

  • Verbesserung der Work-Life-Balance

Nachteile des Homeoffice

Fehlende Trennung zwischen Arbeit und Privatleben

Für manche Mitarbeitende hat der Heimweg eine wichtige Funktion:

  • Abschalten

  • Entspannen

  • Stressabbau

Fällt der Arbeitsweg weg:

  • fehlt möglicherweise auch diese Übergangsphase

Fehlender sozialer Kontakt

Manche Beschäftigte vermissen:

  • soziale Kontakte am Arbeitsplatz

  • Austausch mit Kolleg:innen

Andere erleben dagegen Vorteile:

  • bessere Konzentration im Homeoffice

Unterschiedliche Voraussetzungen für Homeoffice

Die Umsetzbarkeit hängt stark von den häuslichen Bedingungen ab.

Raum

Eigenes Arbeitszimmer

Vorteile eines separaten Arbeitszimmers:

  • Ruhe durch geschlossene Tür

  • klare Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben

  • Kindern kann signalisiert werden:

    • Eltern arbeiten

    • Störungen nur im Notfall

Kein eigenes Arbeitszimmer

Dann sollten Alternativen geschaffen werden, z. B.:

  • blickdicht abgetrennter Bereich im Raum

Weitere Möglichkeiten:

  • Bürostühle nach Feierabend verstauen

  • abschließbare Rollcontainer für:

    • Akten

    • Arbeitsmaterialien

  • Rollcontainer zusätzlich als Ablagefläche nutzen

Physischer Raum

Wichtig ist ausreichend Platz für:

  • ergonomischen Bürostuhl

  • ein oder zwei Monitore

  • ausreichende Beleuchtung

  • höhenverstellbaren Schreibtisch

  • Schreibunterlagen

  • weitere Arbeitsmaterialien

Sozialer Raum

Bedeutung:

  • klare Absprachen mit Mitbewohner:innen/Familie

Beispiele:

  • Kinder sollen verstehen:

    • Eltern arbeiten gerade

    • keine Unterbrechungen „mal eben“

Gilt auch für:

  • Mitbewohner:innen

  • Freund:innen

  • Verwandte

Kommunikation im Haushalt

Bei wichtigen Situationen, z. B.:

  • kranken Kindern

  • Konferenzen

empfehlen sich eindeutige Signale:

  • „Bin in einer Konferenz, nicht stören“

  • „Arbeite, aber bin ansprechbar“

Ablenkungen vermeiden

Zum sozialen Raum gehört auch:

  • Vermeidung von Ablenkungsfallen

Beispiele:

  • volle Spülmaschine

  • Wäschestapel

  • Fernseher

Problem:

  • sichtbare Ablenkungen können die Leistung beeinträchtigen

Kernaussage:

  • Arbeit und Privatleben sollen möglichst klar getrennt werden

Ausstattung

Ergonomische Anforderungen

Probleme:

  • langes Arbeiten am Notebook → Fehlhaltungen

  • Küchenstuhl ≠ ergonomischer Bürostuhl

Diese Anforderungen gelten nicht als Luxus, sondern als Mindeststandard.

Bedeutung ergonomischer Arbeitsplätze

Moderne Büroarbeitsplätze werden:

  • nach gesundheitlichen Kriterien gestaltet

Homeoffice-Arbeitende sollten versuchen:

  • den Arbeitsplatz möglichst gesund einzurichten

Verantwortung des Arbeitgebers

Oft unterstützt der:die Arbeitgeber:in finanziell.

Grundsatz:

  • Arbeitgeber:in ist für die Einrichtung des Homeoffice zuständig

  • trägt grundsätzlich die entstehenden Kosten

Arbeitnehmer:innen haben:

  • Anspruch auf Aufwendungsersatz

Ausnahme

Kein regulärer Anspruch, wenn:

  • Mitarbeitende freiwillig und auf eigenen Wunsch ins Homeoffice wechseln

Zur Ausstattung gehören nicht nur:

  • Schreibtisch

  • Telefon

  • Kamera

  • Mikrofon

  • Rechner

  • Bürostuhl

sondern auch:

  • passende Beleuchtung


Kernelemente von Mitarbeiterführung


Im Mittelpunkt stehen:

  • Kommunikation

    • in beide Richtungen

    • inklusive Feedback

  • Festlegen von Zielen

  • Messen von Zielen

Ziele sollen:

  • anspruchsvoll

  • sinnvoll

  • messbar sein.

Mitarbeiterführung als Kompetenz

Führung gilt als eigene Kompetenz, die zusätzlich zu fachlichen Fähigkeiten erworben werden muss.

Beispiel:

  • Der:Die beste Verkäufer:in ist nicht automatisch eine gute Führungskraft.

Begründung:

  • fachliche Kompetenz allein reicht nicht aus

  • soziale Fähigkeiten zur Menschenführung sind notwendig

Persönlichkeit allein reicht nicht aus

Eigenschaften wie:

  • visionär

  • energisch

  • risikofreudig

  • leidenschaftlich

  • empathisch

  • machtbewusst

garantieren keine erfolgreiche Führung.

Ziele guter Führung

Mitarbeitende sollen:

  • loyal sein

  • Verantwortung übernehmen

  • Teamgeist entwickeln

  • Selbstdisziplin zeigen

  • engagiert auf Veränderungen reagieren

Grenzen klassischer Motivationsmethoden

Nicht ausreichend sind allein:

  • individuelle Zielvereinbarungen

  • Lob

  • Gehaltserhöhungen

  • Prämien

  • extrinsische Motivation

  • Druckmittel:

    • Ermahnungen

    • Abmahnungen

Soziales Lernen und Vorbildfunktion

Eine besonders wirksame Methode zur Verhaltensänderung:

  • Vorbildfunktion

  • Modell des sozialen Lernens

Transformationale Führung

Transformationale Führung kombiniert:

  • Vorbildfunktion

  • messbare Zielvereinbarungen

Elemente transformationaler Führung

Führungskräfte erreichen Verhaltensänderungen durch:

  • Herausfordern

  • Inspirieren

  • Eigeninitiative fördern

  • Selbstständigkeit anregen

  • Vertrauensbasis schaffen

    • Wort halten

  • Entwicklung der Mitarbeitenden fördern

  • faire Kommunikation

  • unternehmerisches Handeln und Innovation fördern

  • Werte und Prinzipien des Unternehmens vermitteln

  • Kompetenzen entwickeln

  • Mitarbeitende befähigen

    • z. B. durch:

      • Ratschläge

      • fachliche Lösungen

      • Weiterbildung

  • Konflikte im Sinne der Organisation lösen

  • Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen


Herausforderungen & nachteile

Herausforderungen virtueller Teams

Sind Teams über:

  • verschiedene Orte

  • Organisationen

  • Zeitzonen

verteilt, entstehen zusätzliche Probleme digitaler Kommunikation.

Beispiel:

  • Kanalreduktion

Maßnahmen nach dem Media-Richness-Konzept

Besonders zu Beginn von Projekten sinnvoll:

  • möglichst synchrone Kommunikation

  • unmittelbares Feedback

  • viele Hinweisreize und Hintergrundinformationen:

    • Aussehen

    • Mimik

    • Stimme

  • klare Struktur

  • Netiquette

  • Kommunikationsregeln

  • feste Tagesabläufe

Ziel:

  • Missverständnisse vermeiden

  • Kommunikation verbessern

Nachteile virtueller Teams für Mitarbeitende

Mögliche Probleme:

  • geringere Identifikation mit:

    • Team

    • Organisation

  • Unsicherheiten bezüglich:

    • Aufgaben

    • Rollen

    • Verantwortlichkeiten

    • Prioritäten

  • Gefühl der Isolation

  • negative Gefühle gegenüber Informationstechnologie

  • Spannungen zwischen Arbeit und Zuhause

  • schwierigeres Leistungsfeedback über digitale Kanäle

  • mehr Missverständnisse und Konflikte

  • technische Probleme:

    • schlechte Übertragungsqualität

    • Ausfall von Software oder Rechnern

Herausforderungen für Führungskräfte

Durch räumliche Distanz wird es schwieriger:

  • Verhalten richtig zu interpretieren

  • Emotionen zu erkennen

  • Konflikte früh wahrzunehmen

  • Hürden oder Erfolge früh zu erkennen

Konfliktpotenzial bei Führungskräften

Probleme können entstehen, wenn Führungskräfte:

  • Homeoffice ablehnen

  • nur widerwillig Anweisungen umsetzen

Zusätzliche Konfliktfaktoren:

  • starkes Kontrollbedürfnis

  • geringes Selbstwertgefühl

Gesamtergebnis

Homeoffice schafft für Führungskräfte:

  • ein zusätzliches Aufgabenfeld

Zentrale Aufgabe:

  • erfolgreiche Bewältigung und Steuerung der Herausforderungen von Homeoffice.


4.4.2 Zoom-Fatigue

Definition

Die häufige und lange Teilnahme an Videokonferenzen kann Ermüdungserscheinungen hervorrufen. Dieses Phänomen wird als:

  • Zoom-Fatigue

  • Zoom-Müdigkeit

  • Online-Müdigkeit

  • Videokonferenz-Erschöpfung

bezeichnet.

Wichtig:

  • Die Ermüdung entsteht laut Text speziell durch Videokonferenzen,

  • nicht durch persönliche Treffen.

Symptome von Zoom-Fatigue

Betroffene fühlen sich:

  • müde

  • erschöpft

  • reizbar

  • ungeduldig

  • überfordert

Mögliche körperliche Symptome:

  • Kopfschmerzen

  • Sehstörungen

  • Rückenschmerzen

Ursachen von Zoom-Fatigue

Laut Untersuchungen der Universitäten Stanford und Göteborg entstehen die Belastungen vor allem durch:

  • Beschränkungen digitaler Kommunikation

  • starke Fokussierung während Videokonferenzen

Einzelne Ursachen im Detail

1. Verstärkte Selbstbeobachtung

Teilnehmende sehen dauerhaft:

  • ihr eigenes Kamerabild

Folgen:

  • stärkere Aufmerksamkeit auf sich selbst

  • erhöhte Sorge um das eigene Image

2. Gefühl des „Gefangen-Seins“

Problem:

  • Kamerabild zeigt oft nur kleinen Ausschnitt

Dadurch werden normale Bewegungen eingeschränkt, z. B.:

  • Schultern strecken

  • mit dem Stuhl rollen

  • Bewegungsfreiheit allgemein

3. „Hyper Gaze“

Bedeutung:

  • Gefühl, ständig beobachtet zu werden

Besonderheiten:

  • aus ungewohnt großer Nähe

  • gleichzeitig von vielen Gesichtern

Diese Nähe kennt man normalerweise eher aus privaten Situationen.

4. Schwierige Interpretation von Kommunikation

Hoher Aufwand für die Interpretation von:

  • Mimik

  • Gestik

  • Hintergrundinformationen

  • Hinweisreizen

5. Anstrengende Produktion eigener Gestik und Mimik

Teilnehmende müssen bewusst:

  • Gestik

  • Mimik

verstärken, damit andere sie wahrnehmen.

Beispiel:

  • Daumen-hoch-Geste muss deutlich sichtbar in Kamerahöhe erfolgen.

6. Zusätzlicher Cognitive Load

Teilnehmende müssen:

  • kleine Gesten aufmerksam beobachten

  • z. B. Kopfnicken oder Handzeichen erkennen

Folge:

  • zusätzliche kognitive Belastung („Cognitive Load“)

7. Offenlegung der Privatsphäre

Durch das Kamerabild wird oft:

  • der private Hintergrund sichtbar

Das kann als belastend empfunden werden.

8. Fehlender Smalltalk

Es fehlen:

  • informelle Gespräche

  • soziale Interaktionen rund um Meetings

9. Zu wenige Pausen

Problem:

  • viele Meetings hintereinander

  • kaum Erholungsphasen

10. Versachlichung der Kommunikation

Meetings wirken oft:

  • stark sachlich

  • zwischenmenschliche Inhalte fehlen

Dadurch fehlen:

  • soziale Nähe

  • lockere Kommunikation

11. Technische Probleme

Belastend wirken:

  • schlechte Tonqualität

  • schlechte Bildqualität

  • Zeitverzögerungen

  • Softwareprobleme

  • instabile Internetverbindungen

  • hoher technischer Aufwand

Maßnahmen zur Verringerung von Zoom-Fatigue

Organisatorische Maßnahmen

Hilfreich sind:

  • häufige Pausen

  • kürzere Meetings

  • weniger Meetings insgesamt

Eigenes Kamerabild abschalten

Begründung:

  • Bei persönlichen Treffen betrachtet man sich selbst auch nicht dauerhaft wie in einem Spiegel.

Dadurch kann:

  • Selbstbeobachtung reduziert werden

Weiterhin bestehende Belastungsfaktoren

Trotz technischer Fortschritte bleiben belastend:

  • fehlender Smalltalk

  • fehlendes Networking

Geschlechterunterschiede

Frauen scheinen stärker unter Zoom-Fatigue zu leiden als Männer.

Mögliche Ursache:

  • stärkere und kritischere Selbstbeobachtung

Folge:

  • höherer Cognitive Load durch dauerhafte Verarbeitung des eigenen Kamerabildes.


4.5 Digital Detox

Auswirkungen digitaler Technologien auf die psychische Gesundheit

  • Homeoffice, ständige Erreichbarkeit durch Smartphone und Notebook sowie Ablenkung durch Social Media beeinflussen die psychische Gesundheit negativ.

  • Grenzen zwischen:

    • Beruf und Privatleben

    • Realität und Inszenierung in sozialen Medien

    • Arbeitszeit und Freizeit verschwimmen zunehmend.

  • Flexible Arbeitszeitmodelle verstärken diese Entwicklung.

  • Digital ausgelöster Stress am Arbeitsplatz nimmt zu.

  • Kontrollverlust im Umgang mit digitaler Technik kann negative Folgen haben für:

    • Produktivität

    • Schlaf

    • Wohlbefinden


Sucht und digitale Abhängigkeit

Sucht ist gekennzeichnet durch:

  • ein starkes, kaum kontrollierbares Verlangen nach bestimmten Gefühls- oder Erlebniszuständen

  • Kontrollverlust über das eigene Verhalten

Dies betrifft nicht nur stoffgebundene Süchte (z. B. Alkohol, Heroin), sondern auch nicht-stoffgebundene Süchte wie:

  • Glücksspiel

  • Online- bzw. Internetsucht

Smartphones als Bestandteil des Alltags

  • Smartphones sind durch den digitalen Fortschritt nahezu unverzichtbar geworden.

  • Früher wurden Informationen und Anrufe teilweise durch Assistenzpersonen gefiltert.

  • Heute landen:

    • E-Mails

    • Anrufe

    • Nachrichten

    • Benachrichtigungen direkt bei den Nutzer:innen.

  • Dadurch müssen Betroffene deutlich mehr Informationen selbst verarbeiten.

Problematisch ist dabei weniger die Technik selbst, sondern:

  • viele Menschen nehmen ihre eigene Nutzung nicht bewusst wahr

  • sie schätzen ihre Smartphone-Nutzung falsch ein

  • Notifications und Push-Mitteilungen steuern Aufmerksamkeit und Verhalten


Smartphone-Nutzung und FOMO

  • Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren nutzen ihr Smartphone durchschnittlich 194 Minuten täglich.

  • Ein wichtiger Faktor ist „FOMO“ („Fear of missing out“) = Angst, etwas zu verpassen.

Studie der App „Menthal“

Die App „Menthal“ untersuchte das Verhalten von über 60.000 Smartphone-Nutzer:innen.

Ergebnisse:

  • Bildschirm wurde durchschnittlich 88-mal täglich aktiviert

  • davon wurden 53-mal Apps genutzt

  • bei acht Stunden Schlaf ergibt sich rechnerisch etwa alle 18 Minuten eine Unterbrechung des Offline-Lebens

Wichtige Erkenntnis:

  • Viele dieser Unterbrechungen erfolgen vermutlich nicht bewusst.

Einfluss von Alter und Technologie

Mit zunehmendem Alter:

  • sinkt die Technologieaffinität

  • steigt die Selbstkontrolle

  • nimmt sozialer Druck ab

Trotzdem bleibt die Frage bestehen, wie stark Menschen durch digitale Technologien fremdbestimmt werden.

Chancen und Risiken von Smartphones

Technologie ist „zweischneidig“:

  • Smartphones können:

    • Flexibilität erhöhen

    • Familienkonflikte reduzieren

  • sie können aber auch:

    • Stress verursachen

    • Angstzustände fördern

    • durch exzessive Nutzung psychische Belastungen verstärken


Wann wird Nutzung zur Sucht?

Klare Kriterien für Smartphone-Sucht sind schwer festzulegen.

Hinweise auf Sucht können sein:

  • Gefühl von Fremdbestimmung

  • Reue nach der Nutzung

  • Kontrollverlust

Messbare Folgen:

  • geistige Abwesenheit im Privatleben

  • Smartphone-Nutzung während sozialer Aktivitäten

  • Unterbrechungen der Arbeit

  • Schwierigkeiten, den Fokus wiederzufinden


Digital Detox Bedeutung

Bedeutung

„Digital Detox“ bezeichnet eine Zeitspanne, in der bewusst auf:

  • digitale Geräte

  • Kommunikationskanäle verzichtet wird.

Ziele:

  • Stress reduzieren

  • Konzentration auf reale soziale Interaktionen

  • Gefühl ständiger Erreichbarkeit verringern

Studien zu Digital Detox

Studie mit ca. 900 Studierenden:

  • Teilnehmende sollten 24 Stunden offline bleiben

  • etwa die Hälfte brach ab

Gründe:

  • empfundenes Suchtverhalten

  • Angstzustände beim Offline-Sein

Weitere Erkenntnisse:

  • jüngere Menschen haben größere Probleme mit Offline-Sein als ältere

Zusammenhang zwischen Mediennutzung und Wohlbefinden

Seit 2012 sinkt das subjektive Wohlbefinden Jugendlicher in den USA.

Beobachtungen:

  • stärkere Nutzung elektronischer Medien steht damit in Zusammenhang

  • Jugendliche mit mehr:

    • sozialer Interaktion

    • Sport

    • Printmedien bewerteten sich als glücklicher

  • Jugendliche mit stärkerer Bildschirm- und Online-Kommunikation waren unzufriedener

Wichtig:

  • Der Zusammenhang ist korrelativ, nicht kausal.

  • Gleichzeitiges Auftreten bedeutet nicht automatisch Ursache-Wirkung-Beziehung.

Beispiel:

  • steigende Geburtenraten und mehr Störche können korrelieren, ohne kausal zusammenzuhängen.

Zentrale Erkenntnis

Nicht Smartphones selbst sind grundsätzlich die Ursache der Probleme.

Vielmehr:

  • digitale Technologien können bestehende Probleme verstärken

  • entscheidend ist der Umgang mit ihnen

Bereits eine teilweise Einschränkung der Nutzung kann:

  • subjektives Wohlbefinden verbessern

  • Stress reduzieren

Besonders wirksam:

  • Kombination aus Digital Detox und Aufenthalt in der Natur

Ursachen für Stress durch Smartphones

Wichtige Stressfaktoren:

  • Angst, etwas zu verpassen

  • Gefühl permanenter Rufbereitschaft

Diese Gefühle bleiben oft selbst bei ausgeschaltetem Smartphone bestehen.

Zusätzlich:

  • Klingeln oder Aufleuchten des Displays aktiviert Belohnungszentren im Gehirn

  • dadurch entstehen automatische Reaktionsmuster



Ziel von Digital Detox

Digital Detox soll helfen:

  • diese Automatismen wieder bewusst zu kontrollieren

  • sich nicht von Notifications und Erreichbarkeit treiben zu lassen

Beispiel:

  • bewusstes Ignorieren von Nachrichten und Anrufen über mehrere Stunden

  • Nutzer:innen erkennen häufig, dass nichts Wichtiges verpasst wurde

Taktiken des Digital Detox

Mögliche Maßnahmen:

  • berufliche E-Mails nur während der Arbeitszeit beantworten

  • keine Weiterleitung beruflicher Mails auf private Smartphones

  • Apps löschen, die nur Zeitvertreib dienen

  • Zeitlimits für Apps festlegen

  • analoge Armbanduhren statt Smartwatches nutzen

    • Smartphone-Nutzung zum Uhrzeitablesen erhöht Nutzungsdauer um das 1,8-Fache

  • herkömmliche Wecker statt Smartphones im Schlafzimmer verwenden

  • zeitweise einfache Mobiltelefone ohne Smart-Funktionen nutzen


Grundgedanke von Digital Detox

Digital Detox bedeutet nicht:

  • vollständiger Verzicht auf moderne Kommunikationstechnologien

Ziel ist vielmehr:

  • eine bewusste und entspannte Balance zwischen:

    • Arbeit und Privatleben

    • Online- und Offline-Welt

    • Anspannung und Entspannung

Entscheidend ist:

  • bewusste Kontrolle über das eigene Kommunikationsverhalten

  • statt Fremdbestimmung durch Notifications, Erreichbarkeit und FOMO.


Lernkontrollfragen

Aufgabe 4.1

Beschreiben Sie prägnant die ‚distalen Merkmale‘ im Linsenmodell und die “peripheren Reize‘ im Elaboration-Likelihood-Model (ELM). Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede?


  • ‚Distale Merkmale‘ im Linsenmodell sind Informationen über Objekte oder Menschen, die ein:e Betrachter:in in der Umwelt nicht direkt wahrnehmen kann, wie etwa die Vertrauenswürdigkeit eines:einer Fremden.

  • Der:Die Betrachter:in kann sich die distalen Merkmale nur über sogenannte proximale Merkmale erschließen, also über die Informationen, die er:sie hat oder bekommen kann.

  • Beispielsweise könnte ein:e Betrachter:in eine:n Fremde:n genau beobachten und versuchen, über dessen:deren Auftreten seine:ihre Vertrauenswürdigkeit zu erschließen.

Periphere Reize ELM:

  • Im Gegensatz dazu sind ‚periphere Reize‘ im Elaboration-Likelihood-Modell Hinweisreize einer Botschaft, die nicht die Botschaft selbst kommunizieren, sondern etwas über die Begleitumstände der Botschaft sagen, etwa über den:die Sender:in.

  • In einem Werbespot zum Beispiel gehört die Attraktivität der Schauspieler:innen zu den peripheren Reizen.

  • Das Elaboration-Likelihood-Modell beschreibt zwei Wege, über die sich ein:e Empfänger:in mit einer persuasiven Botschaft beschäftigen kann.

  • Beide Wege unterscheiden sich hinsichtlich der Intensität der Verarbeitung der Botschaft, der Elaboration.

  • Ein:e Empfänger:in wählt (meist unbewusst) die zentrale Route der Elaboration und damit eine intensive Art der Verarbeitung der Botschaft, wenn das Thema der Botschaft relevant für den:die Empfänger:in ist, wenn der:die Empfänger:in motiviert ist, sich mit der Botschaft auseinanderzusetzen und wenn der:die Empfänger:in in der Lage ist, sich mit dem Thema kritisch zu befassen.

  • Die periphere Art der Verarbeitung, die zeitsparender und weniger aufwändig für den:die Empfänger:in ist, wird gewählt, wenn die zentrale Route nicht infrage kommt.

  • Dabei beschäftigt sich der:die Empfänger:in weniger mit der Botschaft selbst und mehr mit den peripheren Reizen, wie etwa der Attraktivität des:der Sender:in.

  • Kommt es aufgrund eines peripheren Reizes zu einer Einstellungsänderung, zur Akzeptanz der Botschaft, ist die Einstellungsänderung in der Regel kurzfristig.

Gemeinsamkeiten:

  • Die Gemeinsamkeiten bestehen in der Art der Informationen – sowohl ‚periphere Reize‘ im ELM als auch ‚distale Merkmale‘ im Linsenmodell sind eher Aussagen über die Begleitumstände einer Botschaft als selbst eine Nachricht.

Unterschied:

  • Ein Unterschied ist, dass von ‚periphere Merkmale‘ eher bei Medienbotschaften die Rede ist, die sich oft an viele Empfänger:innen gleichzeitig richten.

  • ‚Distale Merkmale‘ dagegen kommen in jeder Kommunikation vor.


Aufgabe 4.2

Beschreiben Sie die möglichen Auswirkungen, die der Sleeper-Effekt bei Werbung haben kann, die Warnhinweise trägt, wie etwa Alkohol- oder Tabak-Werbung.


  • Werbung, die mit Warnhinweisen versehen ist, kann längerfristige Auswirkungen auf Empfänger:innen haben.

  • Laut dem Sleeper-Effekt können Rezipient:innen die Warnhinweise („Rauchen tötet“) schneller vergessen als die eigentliche Botschaft („Rauchen macht dich zu einem besseren Menschen“).

  • Abwertende Hinweisreize können also mit einem gewissen zeitlichen Abstand zur Rezeption der Botschaft den Umsatz von Produkten stärken statt schwächen.

Aufgabe 4.3

Fassen Sie die drei Elemente von Medienkompetenz zusammen, die am ehesten geeignet sind, den:die Rezipient:in aus der Rolle des:der passiven Konsument:in bzw. Nutzer:in digitaler Kommunikation in die Lage eines:einer kritisch-reflexiven Beobachter:in zu bringen.

Die Fähigkeit, die Kommunikationskanäle technisch zu bedienen, wird vorausgesetzt.


Die drei Elemente der Medienkompetenz, die aus passiven Konsument:innen bzw. Nutzer:innen digitaler Kommunikation kritisch-reflexive Beobachter:innen machen können:

A. Das Wissen um die Produktionsbedingungen von Medien (wirtschaftliche, soziale und politische Rahmenbedingungen etwa).

  • Durch dieses Wissen lernen die Nutzer:innen, von den vorgeschobenen Zielen eines Medienbeitrags (proximale Merkmale) auf die möglicherweise verborgenen, tatsächlichen Absichten der Sender:innen zu schließen (distale Merkmale).


B. Medienbezogene Genussfähigkeit:

  • Die Nutzer:innen könnne digitale Kommunikationskanäle in ihrem Sinne für ihre Zwecke nutzen und lassen sich nicht im Sinne der Anbieter instrumentalisieren.

  • Beispiel: Ein:e Social-Media- Nutzer:in postet nur genau das, was er:sie posten will, und nicht mehr.

  • Er:Sie verbringt nur so viel Zeit mit dem sozialen Medium, wie er:sie zur Erlangung seiner:ihrer Ziele braucht, und verliert sich nicht im Konsum.

C. Medienbezogene Kritikfähigkeit:

  • Die Nutzer:innen wissen, dass eine Medienbotschaft generell nur im Kontext zu verstehen ist und dass sie sich den Kontext aneignen müssen, um die Qualität von Botschaften bewerten zu können.

  • Kennen sie den Kontext nicht, wissen sie, dass ihnen der Kontext fehlt, und sie geben kein Urteil ab.

  • Dies gilt eher in Bezug auf digitale Massenkommunikation.

  • Zusätzlich wissen die Nutzer:innen um die verschiedenen Vor- und Nachteile von digitalen Kommunikationskanälen, die unter anderem, aber nicht nur, durch das Hyperpersonal Model (HPM, vgl. Kapitelabschnitt 3.8.1 „Hyperpersonal Model (HPM)““), durch Deindividuation (vgl. Kapitelabschnitt 3.2 „Deindividuation: „Geh bitte sterben“ – Reduktion kritischer Selbstbewertung und moralischer Bedenken durch Anonymität““) und Kanalreduktion (vgl. Kapitelabschnitt 3.1 „Kanalreduktion: qualitative und quantitative Unterschiede zwischen analogen und digitalen Kommunikationskanälen““) entstehen.

Aufgabe 4.4

Aktive Kommunikation: Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in einem Unternehmen und sind verantwortlich für den Relaunch der Website des Unternehmens. Sie haben drei Angebote von drei Web-Agenturen bestellt und erhalten, nun wollen Sie in einem Meeting die Vor- und Nachteile der drei Angebote diskutieren und zu einer Entscheidung kommen. Sie brauchen also technologische Expert:innen, kaufmännische Expert:innen, eine Abteilungsleitung oder ein Mitglied der Gesch.ftsführung, das die Entscheidung fällen kann, sowie die Bereichsleitung externe Kommunikation, die die Angebote mit den Zielen ihrer Abteilung abgleicht.

Skizzieren Sie einen Ablaufplan für die Organisation des Meetings, in dem das Meeting selbst nur ein Teil ist. Wie viele Mitarbeitende laden Sie ein? Wen? Warum? Über welchen Kanal? Wie prüfen Sie, ob das Meeting ein Erfolg war? Und, last, but not least: Wie stellen Sie sicher, dass etwa Selbstdarsteller:innen nicht mit ihren eigenen Themen Ihr Meeting kapern?


Das ideale Meeting: Als erstes brauchen Sie eine Person, die das Meeting

organisiert, die die Themen kennt und die weiß bzw. definiert, was entschieden

werden muss. Dieses Meeting hat eine Entscheidung zum Ziel (welches

Angebot wird gewählt?), es geht nicht um ein Informationsaustausch oder

ein Briefing. Idealerweise ist die Projektleitung, die die Entscheidung braucht,

auch Organisator:in/Moderator:in des Meetings (ist aber kein Muss). Der:Die

Organisator:in entscheidet, welche Mitarbeitenden er:sie in seinem:ihrem Meeting

haben will. Es geht in erster Linie nicht um die Menge der Teilnehmenden;

auch große Meetings können, mit entsprechender Moderation, Ergebnisse

bringen. Die Auswahl der Teilnehmenden ist ein Erfolgsfaktor: Sie müssen

etwas zur Sache sagen oder entscheiden können. Und sie müssen das Gefühl

haben, gebraucht zu werden, und nicht ihre Zeit zu verschwenden. Halten Sie

trotzdem die Zahl der Teilnehmenden so gering wie möglich, um die Zahl der

unbrauchbaren Wortbeiträge im Meeting so niedrig wie möglich zu halten.

Erhalten Sie unbrauchbare Wortbeiträge oder droht gar eine Kaperung des

Meetings, mit dem Ziel, andere Themen als die Ihren zu besprechen, korrigieren

Sie den Kurs. Lassen Sie sich nicht die Moderation aus der Hand nehmen.

Scheuen Sie sich nicht, höflich, aber bestimmt, zu unterbrechen, und fragen

Sie, wie das Gesagte zum Erreichen des Ziels des Meetings beisteuert. Um zu

wissen, welche Kolleg:innen oder Mitarbeitenden Sie brauchen, skizzieren Sie

die Ziele des Meetings. Kündigen Sie die Ziele in der Einladung an, die Sie etwa

über E-Mail verschicken.


Ein möglicher Ablaufplan:

Vor dem Meeting

„ Moderator:in bestimmen (könnte zum Beispiel die Projektleitung sein)

„ Moderator:in durchdenkt das Thema und skizziert einen ersten Entwurf

eines Roten Fadens:

f WAS ist das Ziel des Meetings – was soll entschieden werden?

f WIE sieht der mögliche Gewinn für alle Beteiligten aus?

f WO liegen die entscheidenden, höchsten Hürden? Hier geht es nicht

darum, zu klagen, dass kein Büromaterial mehr da ist. Es geht um die

Lösung von Problemen, die nur gemeinsam zu bezwingen sind.

f WELCHE Sachinformationen müssen mitgeteilt werden, damit die

Beteiligten in der Lage sind, zu entscheiden?

f WELCHE offenen Fragen gibt es, die das Meeting klären kann?

„ Moderator:in entscheidet anhand der Sachlage, welche Mitarbeitenden

gebraucht werden und lädt diese ein

„ Moderator:in definiert Inhalte des Meetings: Tagesordnungspunkte (TOP),

also Punkte, die entweder:

f Teilnehmende informieren,

f beratschlagt werden (vom Team, Fachwissen zusammenführen, z. B.

kaufmännische oder technologische Expertise) oder die

f entschieden werden.

„ Moderator:in sammelt Informationsmaterial, das die Meetingteilnehmenden

brauchen, um entscheiden und beratschlagen zu können: Angebote,

Fotos, Diagramme, Zeichnungen, Karten, Ablaufpläne usw.

„ Moderator:in stellt Teilnehmenden vor dem Meeting Material zur Verfügung

„ Teilnehmende lesen Informationsmaterial

„ Moderator:in erinnert Teilnehmende daran, Informationsmaterial vor dem

Sitzen zu lesen

„ Moderator:in fragt die Teilnehmenden ab, die sich bis kurz vor dem Meeting

noch nicht zurückgemeldet haben: Kommt ihr? Habt ihr euch eingelesen?


Im Meeting

„ Team wartet mit dem Beginn des Meetings, bis alle da sind

„ Team bestimmt eine:n Protokollant:in (Ergebnisprotokoll, Stichpunkte,

Inhalt schreibt jede:r für sich selbst mit)

„ Moderator:in gibt eine kurze Abschätzung darüber, wie das Thema aus

seiner:ihrer Sicht zu beurteilen ist – und welche Punkte noch offen sind,

welche Antworten er:sie vom Team erwartet und was er:sie sich vom Meeting

verspricht. Der:Die Moderator:in hat immer eine prägnante und überzeugende

Antwort auf die Frage „Wozu dient dieses Meeting“?

„ Moderator:in oder ein:e Expert:in führt ins Thema ein, durch eine kurze

Präsentation oder Vortrag

„ Feedback-, Frage- und Beratschlage-Runde: Alle Teilnehmenden klären

offene Fragen mit dem:der Expert:in – Projektleitung hält offene Fragen fest

„ Teilnehmende schreiben mit, was für sie relevant ist

„ Team entscheidet die offenen Punkte, die der:die Moderator:in hat und

liefert ihm:ihr die Antworten, die er:sie braucht

„ Team fragt Moderator:in, ob er:sie mit den Antworten zufrieden ist

„ Wenn es etwas zu entscheiden gibt, fällt der:die Moderator:in, ein:e

Entscheider:in oder das Team die Entscheidung

„ Anhand der Ergebnisse der Beratschlagungen bestimmt das Team eine Person,

die die Beschlüsse umsetzt und das Projekt weiterverfolgt

Nach dem Meeting

„ Protokollant:in sendet Ergebnisse an Teilnehmende

„ Wer die Beschlüsse umgesetzt und das Projekt weiterverfolgt hat, informiert

die Projektleitung über die Ergebnisse seiner:ihrer Arbeit.


Aufgabe 4.5

Stellen Sie sich eine Untersuchung vor, in der Proband:innen fiktive Rückmeldungen über ihre Leistung in einer Unterscheidungsaufgabe erhalten.

Wenig später werden die Proband:innen darüber aufgeklärt, dass die Rückmeldung komplett erfunden war und nichts mit ihren Leistungen zu tun hatte. Wie wirkt sich diese Korrektur der Rückmeldung auf die Selbsteinschätzung der Proband:innen aus? Warum?


Die fiktive Rückmeldung beeinflusst weiterhin die Selbsteinschätzung der

Proband:innen, das wird Falschinformationseffekt genannt. Der Effekt tritt

auch auf, wenn Proband:innen sich darüber im Klaren sind, dass eine Information

falsch oder verzerrt war. Ein Erklärungsansatz ist etwa, dass die Falschinformation

(im Beispiel: das Feedback zur Leistung der Proband:innen) zunächst

nicht als solche erkennbar war (dass das Feedback fiktional war, wurde erst

später mitgeteilt) und in der Erinnerung der Betroffenen mit der korrekten

Information (im Beispiel: ich habe an einer Unterscheidungsaufnahme teilgenommen)

verknüpft wurde und auch verknüpft bleibt (Volbert, 2017, S. 562).

Author

Hanna M.

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