Grundlagen der Pathogenese
Definieren Sie das Modell der Pathogenese und erläutern Sie dessen zentralen Fokus in der medizinischen Forschung.
Das klassische medizinische Modell der Pathogenese definiert Gesundheit primär als die Abwesenheit von Krankheit.
Der Fokus liegt auf der Beantwortung der Frage: „Was macht den Menschen krank?“. Dabei wird intensiv nach biologischen Risikofaktoren und den spezifischen Ursachen gesucht, die zur Entstehung einer Erkrankung führen .
Historische Entwicklung der Krankheiten
Skizzieren Sie den Einfluss der Sesshaftwerdung und der Industrialisierung auf die Verbreitung von Krankheiten.
Siedlungsentwicklung: Vor zirka 10.000 Jahren führten die Sesshaftigkeit sowie der Beginn von Ackerbau und Viehzucht zur Entstehung und verstärkten Verbreitung neuer Infektionskrankheiten .
Industrialisierung (19. Jahrhundert): Trotz des massiven Städtewachstums stieg die Lebenserwartung durch naturwissenschaftliche Fortschritte in der Bakteriologie und Immunisierung an .
Hygiene-Infrastruktur: Im späten 19. Jahrhundert verbesserte die öffentliche Gesundheitspflege das Wohnungswesen, die Nahrungsmittelversorgung und die Abfallentsorgung entscheidend .
Pioniere der Gesundheitswissenschaften
Nennen Sie die Pioniere, die den Kampf gegen Infektionskrankheiten im 19. Jahrhundert maßgeblich prägten.
Zu den bedeutendsten Pionieren gehören Rudolf Virchow, Robert Koch, Louis Pasteur und Max von Pettenkofer. Sie prägten den Kampf gegen Krankheiten wie Tuberkulose, Cholera und Diphtherie .
Krankheitslast in Deutschland
Beschreiben Sie die Verschiebung des Krankheitsspektrums in Deutschland seit der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Durch die Einführung von Antibiotika (beispielsweise Penicillin im Jahr 1941) und wirksamen Impfstoffen (wie gegen Poliomyelitis / Kinderlähmung im Jahr 1954 oder Masern im Jahr 1963) kam es zu einem drastischen Rückgang von Infektionskrankheiten .
An deren Stelle traten chronische Erkrankungen (Non-communicable Diseases / Nicht übertragbare Krankheiten - NCD), die heute zirka 80 Prozent (%) der weltweiten Krankheitslast ausmachen .
Das Konzept der Krankheitslast
Erläutern Sie das Konzept der Global Burden of Disease (Globalen Krankheitslast - GBD).
Die Global Burden of Disease (Globale Krankheitslast - GBD) beinhaltet für bestimmte Krankheiten die Summe der Gesundheitseinschränkungen und die Todesursachen. Sie wird als Maß für die „Krankheitslast“ im Hinblick auf einen regionalen Bezug (beispielsweise ein Land oder eine Region) verwendet .
Die Kennzahl DALY (Disability-adjusted life years)
Wie setzt sich die Kennzahl DALY (Disability-adjusted life years / Behinderungsbereinigte Lebensjahre) zusammen?
Die DALY (Disability-adjusted life years / Behinderungsbereinigte Lebensjahre) erfassen die Summe der durch Krankheit, Behinderung oder vorzeitigen Tod verlorenen Lebensjahre .
Die Formel lautet: DALY = YLL (Years of life lost / Sterblichkeit) + YLD (Years lived with disability / Jahre mit gesundheitlicher Einschränkung) .
Häufige chronische Krankheiten
Nennen Sie drei vorrangige chronische Krankheiten, die in Deutschland bei beiden Geschlechtern auftreten.
Zu den vorrangigen chronischen Krankheiten zählen:
Die Koronare Herzkrankheit.
Chronische Rückenschmerzen.
Die Chronic Obstructive Pulmonary Disease (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung - COPD) .
Gesundheitsverhalten und Kosten
Welche Faktoren beeinflussen das Gesundheitsverhalten und welche Ursachen gibt es für den Kostenanstieg im Gesundheitswesen?
Gesundheitsverhalten: Dieses wird durch das Alter, das Geschlecht, den Bildungsstand, den Erwerbsstatus und die Familienform beeinflusst. Frauen zeigen statistisch ein förderlicheres Verhalten als Männer (beispielsweise bei der Ernährung) .
Kostenanstieg: Die wesentlichen Gründe sind der sukzessive Anstieg chronischer Erkrankungen, ein teilweise schlechtes Gesundheitsverhalten (wie Fehlernährung oder Bewegungsmangel) sowie das kontinuierliche Wachstum der Lebenserwartung .
Gesundheitskompetenz (Health Literacy)
Definieren Sie den Begriff Health Literacy (Gesundheitskompetenz)und nennen Sie die vier Kernkompetenzen.
Health Literacy (Gesundheitskompetenz) bezeichnet die Fähigkeit von Menschen, Gesundheitsinformationen im Alltag zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden, um informierte Entscheidungen über die eigene Gesundheit zu treffen
Über 60 Prozent (%) der Bevölkerung in Deutschland weisen eine geringe Gesundheitskompetenz auf, insbesondere Menschen mit niedrigem Bildungsstand oder Migrationshintergrund .
Prüfungstipps
DALY-Formel: Merke dir, dass DALY = YLL (Sterblichkeit) + YLD (Einschränkung) ist .
Hurrelmanns MpR (Modell der produktiven Realitätsverarbeitung): Nutze die Begriffe „Innere Realität“, „Äußere Realität“ und „Produktive Verarbeitung“. Das ist der Kern der modernen Gesundheitswissenschaft .
Biologische Einbettung: Erkläre, dass frühe Erlebnisse die Biologie „einprogrammieren“ (beispielsweise Stresserfahrungen in der Kindheit) .
Übungsaufgaben
Beschreiben Sie, was der Begriff Global Burden of Disease beinhaltet.
Er beinhaltet für bestimmte Krankheiten die Summe der Gesundheitseinschränkungen und die Todesursachen als „Krankheitslast“ im Hinblick auf einen regionalen Bezug (beispielsweise ein Land oder eine Region) .
Benennen Sie die Kompetenzen, die Health Literacy beinhaltet.
Fähigkeiten, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden .
Prüfungsfragen
Erläutern Sie die Bedeutung der Gesundheitskompetenz am Beispiel der Corona-Virus-Krankheit-2019 (COVID-19) - Pandemie.
Am Beispiel der Corona-Virus-Krankheit-2019 (COVID-19) - Pandemie zeigt sich die Notwendigkeit zweier Ebenen:
Individuell: Die Kompetenz, Hygiene-Regeln zu lernen und anzuwenden .
Gesellschaftlich: Eine transparente und verständliche Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse (virologisch, statistisch) in einfacher Sprache, um die Ausbreitung der Infektion zu begrenzen .
Diskutieren Sie den Zusammenhang zwischen Bildungsstand und Lebenserwartung (sozialer Gradient).
In Bezug auf den Bildungsstand existiert ein erheblicher sozialer Gradient. Dies bedeutet, dass ein niedrigerer Bildungsstand statistisch mit einer höheren Krankheitslast und einer geringeren Lebenserwartung korreliert. Ähnliche Unterschiede zeigen sich auch beim Erwerbsstatus .
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