Funktionen der Leber
Gallenproduktion - Sekretion der Galle im Parenchym, Abgabe über den Ductus hepaticus
Entgiftung - chemische Modifikation zur Verbesserung der Löslichkeit auszuscheidender Stoffe (Biotransformation)
Proteinbiosynthese - u.a. Gerinnungsfaktoren und Akute-Phase-Proteine (C-reaktives Protein, α-1-Antitrypsin etc.)
Regulation der Glucosehomöostase - Auf- und Abbau von Glykogen, Gluconeogenese im Hungerzustand
Lipidstoffwechsel - Biosynthese und regulierter Abbau von Triacylglyceriden, Phosphoglyceriden, Sphingolipiden, Lipoproteinen und Steran-Derivaten (v.a. Cholesterin)
Steuerung der Energiebilanz im Hungerfall - Ketonkörpersynthese und Aminosäureverwertung
Speicherung verschiedener Stoffe - Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente
Immunabwehr - zelluläre Immunabwehr über Kupffer-Zellen, Regulation von systemisch-entzündlichen Reaktionen
Blutbildung - Hauptproduktionsort von Blutzellen während der embryonalen und fetalen Entwicklung
Produktion von Hormonen bzw. von Hormonvorstufen - z.B. Vitamin D3, IGF-1, Squalen
Beteiligung an der Homöostase des Säure-Base-Haushaltes - Regulation der Leber-Glutaminase und des Verhältnisses zwischen Ammoniak und Bikarbonat
Typische Leberhautzeichen
Lacklippen
Lackzunge
Spider naevi
Caput medusae
Palmarerythem
Plantarerythem
Milchglasnägel bzw. Weißnägel
Mundwinkelrhagaden
Bauchglatze
Ikterus
Juckreiz
Welche anatomischen Stukturen werden bei der Leberzirrhose beeinträchtigt bzw. umgebaut? Was entsteht dadurch?
zirrhotischen (bindegewebigen) Umbau
es entstehen eine portale Hypertension und eine gestörte Leberdurchblutung
es entsteht eine intrahepatische Shuntbildung (zw. Pfortader und V.cava) -> Minderdurchblutung der Leber wird verstärkt
Welche klinischen Zeichen weisen auf portokavale Kollateralen (durch portale Hypertension) hin?
Ösophagus- und Magenvarizen
Nenne die Lappen der Leber
Lobus hepatis dexter
Lobus hepatis sinister
Lobus caudatus
Lobus quadratus
Arterielle Blutversorgung der Leber
A. hepatica propria
Venöse Versorgung der Leber
V. portae hepatis
Sympatische Innervation der Leber
Plexus hepaticus
Parasympatische Innervation der Leber
N. vagus
Nenne wichtige Ursachen einer Leberzirrhose!
toxisch: Alkohol
Entzündlich: Hepatitis
Stoffwechselerkrankung: Hämochromatose, Morbus Wilson, a1-Antitrypsinmangel
chronische Stauung oder Gefäßanomalien: Budd-Chiari-Syndrom
kryptogen
NASH: nicht-alkoholische Fettleber-Erkrankung
Bänder in der Leber, die für Trennung sorgen
Rechter und linker Lappen: ventral durch Lig. falciforme hepatis
Linker Leberlappen und Lobus quadratus: Lig. teres hepatis
Linker Leberlappen und Lobus cuadatus: Lig. venosum
Wieviele Segmente hat die Leber? Wie verlaufen sie?
Acht Segmente
II bis VIII verlaufen im Uhrzeigersinn
Segment 1 entspricht weitgehend dem Lobus caudatus (nur von dorsal erkennbar)
Welche Folgen hat die Leberfunktionsstörung bei Leberzirrhose?
verminderte Gerinnungsfaktoren mit Blutungsneigung
vermindertes Albumin bei Aszites
verminderte Gfallensäure mit verminderter Aufnahme fettlöslicher Vitamine
verminderte Cholinesterase
verminderte Harnstoffbildung mit Ammoniakanstieg und hepatischer Enzephalopathie
verminderte Gluconeogenese und Glykogenspeicherung
verminderte Arzneimittelmetabolisierung und Entgiftung mit Kumulation toxischer Stoffe
Hyperbilirubinämie und Ikterus
gesteigerte Insulinresistenz mit hepatogenem Diab. mellitus
verminderte Hydoxylierung von Vit. D3 mit sek. Hyperparathyroeodismus
Störung des Lipid- und Lipoproteinstoffwechsels
Warum entsteht bei Leberzirrhose eine Aszites?
verminderte Eiweißsynsynthese (insb. Albumin)
zusätzliche die portale Hypertension
Warum kann es bei Leberzirrhose zu einer hepatischen Enzephalopathie kommen?
Durch verminderte Harnstoffbildung steigt Ammoniak an. Neurotoxische Stoffwechselprodukte, insb. Ammoniak, akkumulieren und können eine Funktionsstörung des Gehirns verursachen. = hepatische Enzepahlopathie
Welche unspezifischen Allgemeinsymptome können bei Leberzirrhose auftreten?
Pruritus
Ikterus (Haut und Skleren)
Müdigkeit
Leistungsminderung
Druck- und Völlegefühl im Oberbauch, ggf. unter dem re. Rippenbogen
Bauchumfangszunahme
Welche hormonellen Störungen können bei Leberzirrhose auftreten?
Amenorrhoe
Libidostörung
Gynäkomastie bei Männern
Bauch- und Brustglatze
Welche Hormone und hormonähnlichen Proteine bildet die Leber?
IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1): Wachstumshormon
Angiotensinogen: Vorläuferhormon, zentraler Baustein im RAAS-System
Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG): Transportprotein, welches Sexualhormone bindet und transportiert
Nenne die Hormonaktivierung und Umwandlung in der Leber!
Schilddrüsenhormone: T4 zu T3
Umwandlung von Vitamin D zu Calcidol (Speicherform)
Nenne den Hormonabbau und die Entgiftung in der Leber!
Sexualhormone: Östrogen, Testosteron, Progesteron
Stress- und Schilddrüsenhormone: Cortisol, Thyroxin
Insulin
Welche anamnestische Risikokonstellationen sprechen für eine Leberzirrhose?
vermehrter Alkoholkonsum
Medis (Paracetamol)
Adipositas und metabolisches Syndrom
durchgemachte Hepatitiden ohne weitere Abklärung in der Vergangenheit
Welche körperlichen Untersuchungsbefunde erwarten Sie bei Leberzirrhose?
Leberhautzeichen
knotige, höckrige und vergrößert tastbare Leber
Welcher Untersuchungsbefund liegt bei Hämochromatose vor?
dunkles, bronzeartiges Hautkolorit
Diabetes mellitus
Welcher Untersuchungsbefund liegt bei M. Wilson vor?
neurologische oder psychiatrische Auffälligkeiten,
Parkinson-Syndrom,
Wesensveränderung,
ausgeprägte indirekte Hyperbilirubinämie infolge einer Hämolyse
Welcher Untersuchungsbefund liegt bei einem α1-Antitrypsin-Mangel vor?
Lungenemphysem vor dem 50. Lebensjahr
Welche Laborparameter sprechen für einen Leberprenchymschaden?
erhöhte Transaminasen
erhöhte GLDH
erhöhte alkalische Phosphate
erhöhte gamma-GT
evtl. erhöhtes Bilirubin
erhöhter Ammoniak (muss gekühlt ins Labor verschickt werden)
Welche Laborparameter sprechen für eine Synthesestörung der Leber?
erhöhter INR
erniedrigter Quick-Wert
erniedrigtes Gesamteiweiß bzw. Albumin
erniedrigte Cholinesterase
Warum kann eine Thrombozytopenie bei Leberzirrhose auftreten?
durch Hypersplenismus infolge Splenomegalie
Was ist der APRI-Score und wie wird er interpretiert?
Maß für die Wahrscheinlichkeit einer Leberfibrose oder Zirrhose.
aus AST bzw GOT, obere Normgrenze der AST und Thrombozytenzahl
Die Interpretation lautet:
APRI > 1,5 spricht für eine Leberfibrose
APRI < 0,5 spricht gegen eine Leberfibrose
Werte zwischen 0,5 und 1,5 sind indifferent
Welche typischen Befunde zeigt die Serumelektrophorese bei Leberzirrhose?
erniedrigte Albumin-Bande
erhöhte y-Bande
erveränderte a1-, a2 und b-Globulinfraktion
Welche sonografischen Befunde sind typisch für eine Leberzirrhose?
höckrige Leberkontur
Abrundung des Leberwinkels
verplumpte, bikonvexe Organform
inhomogene Parenchymstruktur
variable Hyperechogenität des Parenchyms mit bindegewebiger Septierung
initial Organvergrößerung, im Verlauf Atrophie mit Organverkleinerung
Hyperthrophie des Lobus caudatus
Zeichen der portalen Hypertension
rarefizierte intrahepatische Portal- und Lebervenen
Wozu dient die Leber-Elastografie?
Ultraschallverfahren zur Messung der Leberelastizität
Dient der Messung des Fibrosegrades bei Lebererkrankungen, die in eine Leberzirrhose münden können
Wann sind CT oder MRT indiziert und welche Befunde können typisch sein?
indiziert z.B. bei V.a. hepatozelluläres Karzinom
Was sind die typischen Befunde im CT und MRT bei Vorliegen einer Leberzirrhose?
Welche Kriterien enthält die Child-Pugh-Klassifikation?
Albuminkonzentration im Serum
Bilirubinkonzentration im Serum
Quick-Wert
sonografische Aszites
hepatische Enzephalopathie
Einteilung erfolgt in Child A mit 5-6 Punkten, Child B mit 7-9 Punkten und Child C mit 10-15 Punkten.
Wozu dient der MELD-Score?
Einschätzung der Krankeitsschwere, z.B. zur Risikostratifizierung oder Prioriserung bei Leber-Tx.
Kritierien sind Serumkreatinin bzw. Dialyse, Bilirubin und INR
Welche allgemeinen Maßnahmen sind bei Leberzirrhose wichtig?
Behandlung der auslösenden Grunderkrankung
Alkoholabstinenz
Vermeidung lebertox. Medis
ausgewogene, kalorisch ausreichende Kost
keine Eiweißrestiktion
ausreichende Energiezufuhr inkl. ausreichendem Proteingehalt
bei rez. Dekompensation einer hepatischen Enzephalopathie: Supplementation mit verzweigtkettigen Aminosäuren
großzügige Substitution vor allem von B-Vitaminen
Substitution von fettlöslichen Vitaminen bei Mangelerscheinungen
Osteoporoseprophylaxe, ggf. Vit. D und Calcium
Welche medikamentösen Maßnahmen kommen bei Leberzirrhose infrage? (Ösophagusvarizen/portokavale Anastomosen, Aszites/generalisierte Ödeme, dek. Leberzirrhose, Mangel an Gerinnungsfaktoren und diffuse Blutungsneigung)
Ösophagusvarizen oder klinische Erscheinung portokavaler Anastomosen: Senkung des portalen Drucks mit nicht-selektiven Betablockern
Aszites und generalisierte Ödeme durch Hypalbuminämie: Spironolacton und ggf. Schleifendiuretikum
dek. Leberzirrhose: Aldosteronantagonisten und Schleifendiuretika i.v.
Mangel an Gerinnungsfaktoren und diffuse Blutungsneigung: Substitution Vitamin-K-abhängiger Gerinnungsfaktoren bzw. PPSB und/oder Blutplasma
Wie wird Aszites bei Leberzirrhose behandelt? Was wenn parallel noch Hyponatriämie?
medikamentös mit Spironolacton, ggf. zusätzlich mit einem Schleifendiuretikum
bei Hyponatriämie: Flüssigkeits- und Salzrestiktion
Was tun bei medikamentös therapierefraktärer Aszites über 3L?
Aszitespunktion (bei über
Was versteht man unter TIPS? Und was ist das Problem?
künstliche Verbindung zw. Pfortader und Lebervene (um die Leber von der portalen Hypertension zu entlasten)
Durch die Verbindung direkt mit der V.cava geht das Blut direkt zum Herzen und das ist eine größere Belastung für das Herz
Wann kommt eine TIPS-Anlage infrage?
therapierefraktäre Aszites
rezid. Ösophagusvarizen
ggf. zur Überbrückung bei Wartezeit bei geplanter LTx
Welche operative Therapieoption gilt als Ultima ratio bei Leberzirrhose?
Lebertransplantationen
Was versteht man unter dekompensierter Leberzirrhose? Wie zeigt es sich klinisch?
situative Verschlechterung der Leberfunktion
Klinisch: Auftreten oder Exazerbation von Komplikationen wie
Aszites,
Ikterus,
hepatische Enzephalopathie oder
Ösophagusvarizenblutung
Welche Komplikationen können bei dekompensierter Leberzirrhose auftreten?
spontane bakterielle Peritonitis durch Aszites
hepatorenales und hepatopulmonales Syndrom
Verdünnungshyponatriämie
Cholangio- oder Pankreaskarzinom
Aszites
akut-auf-chronisches Leberversagen
Was ist die hepatische Enzepahlopathie?
Funktionsstörung des Gehirns durch unzureichende Entgiftungsfunktion der Leber und konsekutive Akkumulation neurotoxischer Stoffwechselprodukte, insb. Ammoniak.
Welche Trigger können eine hepatische Enzephalopathie auslösen?
jegliche Verschlechterung der Leberfunktion
Infektionen (z.B. spontane bakt. Peritonitis)
GI-Blutungen
Obstipation
Pfortaderthrombose
Exsikkose
Elektrolystörungen
exzessive Eiweißaufnahme
Wie äußert sich eine hepatische Enzephalopathie klinisch?
zunächst verwirrt bis delirant
später dann somnolent bis schwer erweckar
dann irgendwann komatös
Wonach wird die hepatische Enzephalopathie eingeteilt?
Klassifikation nach West-Haven (Stadium 0 bis 4 vom Schweregrad zunehmend)
Wie wird die leichte hepatische Enzephalopathie behandelt?
Stadien 0-1 ambulant durch
Vemeidung auslösender Faktoren (z.B. lebertox. Medis)
Gabe von Lactulose
bei ausbleibender Wirksamkeit: Ornithinaspartat und anschließend nicht-resorbierbare Antibiotika (Rifaximin)
Wie wirkt Lactulose auf die hepatischen Enzephalopathie?
Minderung der intestinalen Ammoniakbildung
Änderung der Darmflora zugunsten weniger ammoniakbildender Bakterien
Laxierende Wirkung -> Ammoniakausscheidung
Wie wird die schwere hepatische Enzephalopathie behandelt?
Ab Stadium 2 stationär
Behandlung weiterer Komplikationen wie Blutungen oder Infektionen
bei GI-Blutungen: Breitspektrumantibiotika für 5 Tage (Cephalosporin 3. Generation/Fluorchinolone)
Reduktion der Proteinzufuhr über einige Tage
Suplementation verzweigtkettiger Aminosäuren
Ornithinaspartat i.v. zur Steigerung der Ammoniakentgiftung
Was ist das hepatorenale Syndrom?
potenziell reversible Nierenfunktionsstörung aufgrund der Leberzirrhose
erhöhte Mortalität und Morbidität
Pathophysiologie des hepatorenalen Syndroms
portale Hypertension führt zur art. Vasodilatation im Splanchnikusgebiet
Steigerung der Gefäßpermabilität mit Aszitesbildung
dadurch: relativer intravasaler Flüssigkeitsmangel (Underfilling)
Zur AUfrechterhaltung des Nierenperfusionsdrucks -> renovaskuläre Vasokonstriktion -> verringerte renale Ausscheidung
Welche Trigger können ein hepatorenales Syndrom auslösen?
Abpunktion großer Aszitesmengen
gastrointestinale Blutung
forcierte Diurese
übermäßigen Einsatz von Laxanzien, z.B. Lactulose
spontane bakterielle Peritonitis
Welche Symptome sprechen für ein hepatorenales Syndrom?
Oligurie bis Anurie bei prog. Nierenfunktionseinschränkung
Bild einer dekomp. Leberzirrhose
Ödeme
Hydrops (z.B. Aszites, Pleura- oder Perikarderguss aufgrund renaler Wasserretention)
Wie wird ein hepatorenales Syndrom behandelt?
Dialyse zur Überbrückung + Albulin und Terlipressin
Kurativ nur LTx
Was ist eine Pfortaderthrombose?
Vollständiger oder teilweise Verschluss der V. portae und ihrer Äste
Klinische Zeichen der Pfortaderthrombose
Wie wird die Pfortaderthrombose festgestellt?
Farbdublexsono
Hyperechogener und isoechogener Thrombus in der V. portae
Erweiterung der Portader
verminderte Flussgeschwindigkeit oder fehlender Fluss
dilatierte geschlängelte paraportale Venen
Wie wird die Pfortaderthrombose behandelt?
Antikoagulation für 3-6 Monate
wenn akut: TIPS, ggf. in Kombi mit lokaler Lyse
Was ist das hepatupulmonale Syndrom?
portale Hypertension -> Blutrückstau -> intrapulmonale Vasodilatation mit vermindertem arteriellem pO2
Leitsymptom des hepatupulmonale Syndrom
Dyspnoe
Was ist die einzige Behandlungsform des hepatupulmonale Syndroms?
LTx
Was versteht man unter einem hepatischen Hydrothorax? Klinisches Zeichen und Therapie
meist einseitiger Pleurathorax mit Transsudat-Charakter
Ruhe Dyspnoe
Therapie: Pleurapunktion
Last changed8 days ago