Lebenslauf-Epidemiologie (S. 52–53)
Was ist der theoretische Kern der „Life Course Epidemiology“?
Die Life Course Epidemiology ist mehr als nur eine Methode; sie ist ein gesundheitstheoretischer Ansatz. Sie untersucht, wie biologische und soziale Faktoren während des gesamten Lebens unabhängig, kumulativ oder interaktiv die Gesundheit im Erwachsenenalter beeinflussen.
Welche drei entscheidenden Wurzeln bilden das Fundament der Lebenslauf-Epidemiologie?
1. Britische Kohortenstudien: (z. B. 1946 Birth Cohort, NCDS 1958). Diese liefern die Datengrundlage für Langzeitbeobachtungen.
2. Biologische Erkenntnisse: Fokus auf sensible Phasen (perinatal) und kritische Perioden in den ersten zwei Lebensjahren.
3. Sozialepidemiologie: Erforschung gesundheitlicher Ungleichheit (Health inequality research).
Kausale Modelle der Risikoexposition (S. 54–55)
Welche vier Modelle der Risikoexposition unterscheidet die Forschung, um die Entstehung von Krankheiten zu erklären?
Modell a (Unabhängige Risiken): Risiken treten isoliert auf. Beispiel: Verschiedene, nicht zusammenhängende Faktoren führen zu Demenz.
Modell b (Risiko-Cluster): Risiken treten gehäuft auf. Beispiel: Armut in Kindheit, Jugend und Alter hinterlässt jeweils eigene Belastungsspuren.
Modell c (Risikoketten mit unabhängigen Effekten): Ein Ereignis führt zum nächsten. Beispiel: Infektion in der Kindheit → schlechte Schule → belastender Beruf.
Modell d (Letztes Ereignis entscheidend): Nur das letzte Glied der Kette ist das eigentliche Risiko. Beispiel: Späte Schwangerschaft führt zu erhöhtem Brustkrebsrisiko.
Was bedeuten die Begriffe „Gesundheitskapital“ und „Gesundheitsverhalten“?
Gesundheitskapital (Health capital): Die Summe der biologischen und psychischen Ressourcen, die man in der Kindheit ansammelt.
Gesundheitsverhalten (Health behaviour): Handlungen (z. B. Rauchen), die sich über die Lebensphasen als „Chains of Risk“ (Risikoketten) festsetzen können.
Risikoexposition und Intervention (S. 56)
Was belegt die Forschung von James Heckman hinsichtlich frühkindlicher Förderung?
Die Forschung belegt, dass frühkindliche Förderung (im Alter von 0–5 Jahren) den Gesundheitsstatus im Alter von 35 Jahren signifikant verbessert.
Wie unterscheidet sich die Risikoexposition bei Migration nach Generationen?
1. Generation: Belastungen durch Herkunftsland, Migrationsprozess und Aufnahmeland.
2. Generation: Belastungen durch spezifische Migrationsmilieus, abweichende Erziehungsstile oder psychische Belastungen im Aufnahmeland.
Krankheitslast: DALY (S. 57)
Was ist das Summenmaß DALY?
Um die Gesundheit einer ganzen Bevölkerung zu messen, nutzt man das Summenmaß DALY (Disability-Adjusted-Life-Year).
1 DALY = 1 verlorenes Lebensjahr bei guter Gesundheit.
Es kombiniert die Zeit, die man aufgrund von Krankheit/Behinderung eingeschränkt lebt, mit den Jahren, die man durch vorzeitigen Tod verliert.
Epidemiologie (S. 58–60)
Was sind die Ziele der Epidemiologie und was hat sich historisch geändert?
Krankheitsursachen und Risikofaktoren erkennen.
Verbreitung von Krankheiten in der Bevölkerung feststellen.
Präventive und therapeutische Maßnahmen bewerten. Historischer Rückblick: Früher lag der Fokus auf Infektionen (Cholera, Tuberkulose), heute liegt er auf chronischen Krankheiten (Krebs, Herz-Kreislauf).
Epidemiologie (S. 59–60)
Welche Maßzahlen der Epidemiologie werden unterschieden?
Prävalenz (Krankheitshäufigkeit): Gibt an, wie viele Personen zu einem Zeitpunkt erkrankt sind. (Punktprävalenz = Wert zu einem exakten Zeitpunkt).
Inzidenz (Neuerkrankungsrate): Gibt an, wie viele Personen in einem Zeitraum neu erkranken.
Mortalitätsrate (Sterberate).
Relatives Risiko (RR): Vergleicht das Risiko einer exponierten Gruppe (z. B. Raucher) mit einer nicht-exponierten Gruppe. Es misst die Stärke des Zusammenhangs.
Studiendesigns (S. 61)
Welche Typen von Studiendesigns werden in der Epidemiologie unterschieden?
Observationsstudien (Beobachtung):
Deskriptiv: Querschnittstudien (Momentaufnahme).
Analytisch:
Kohortenstudie (Prospektiv): Man beobachtet Gesunde über die Zeit (Blick nach vorn).
Fall-Kontroll-Studie (Retrospektiv): Man vergleicht Kranke mit Gesunden und schaut in die Vergangenheit (Blick zurück). Experimentelle Studien: Klinische Studien oder Präventionsstudien mit gezielter Intervention.
Eigene Prüfungstipps
Welche drei Punkte sind für die Klausur am kritischsten (Lernfokus S. 52-61)?
Modelle a-d: Du musst den Unterschied zwischen einer "Risikokette" (Modell c/d) und einem "Risiko-Cluster" (Modell b) erklären können.
Prävalenz vs. Inzidenz: Prävalenz = Bestand (wer ist krank?), Inzidenz = Zugang (wer wird neu krank?). Nicht verwechseln!
Kohortenstudie: Das Prinzip der Prospektivität (Vorausblicken) verstehen. Die Heckman-Studie verdeutlicht die Wichtigkeit der frühen Kindheit für die spätere Gesundheit (mit 35 Jahren).
Transferfrage
Ein Forscher vergleicht eine Gruppe von Patienten, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben, mit einer gesunden Kontrollgruppe, um die Ernährungsgewohnheiten in der Vergangenheit zu prüfen. Welches Studiendesign liegt vor?
Es handelt sich um eine Fall-Kontroll-Studie.
Begründung: Man vergleicht Kranke (Fall) mit Gesunden (Kontrolle) und blickt retrospektiv (zurück) in die Vergangenheit, um Risikofaktoren (Ernährung) zu finden. Dies ist der klassische Blick zurück im Gegensatz zur Kohortenstudie (Blick nach vorn).
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