2.1 Cloud Computing und digitale Infrastruktur
Die digitale Transformation wird durch verschiedene Basistechnologien ermöglicht, die sich über Jahrzehnte entwickelt haben. Sie bilden heute die Grundlage für:
neue Geschäftsmodelle
Produktinnovationen
veränderte Arbeitsprozesse
Für Unternehmen ist entscheidend:
welche Technologien für die eigene Branche relevant sind
wie diese strategisch eingesetzt werden können
Cloud Computing bezeichnet die Bereitstellung von:
Rechenleistung
Speicherplatz
Anwendungen
über das Internet.
Unternehmen müssen dadurch keine eigenen Server mehr betreiben, sondern können IT-Ressourcen bei spezialisierten Anbietern flexibel mieten und je nach Bedarf anpassen.
keine hohen Anfangsinvestitionen mehr notwendig
Abrechnung nach tatsächlicher Nutzung
flexible Skalierung der IT-Infrastruktur
→ Wandel von klassischen IT-Strukturen hin zu flexiblen Cloud-Strukturen.
Nach dem National Institute of Standards and Technology (NIST) besteht Cloud Computing aus:
fünf essenziellen Charakteristika
drei Service-Modellen
vier Deployment-Modellen
Diese Definition gilt international als Standard und bildet die Grundlage regulatorischer Frameworks.
Nutzer können Ressourcen selbstständig bereitstellen, ohne direkten Kontakt zum Anbieter.
Beispiel:
automatische Skalierung bei hohen Zugriffszahlen (Traffic-Spitzen)
Cloud-Services sind über Netzwerke verfügbar und über standardisierte Mechanismen zugänglich.
Unterstützte Geräte:
Smartphones
Tablets
Laptops
Workstations
Anbieter bündeln Ressourcen in sogenannten Multi-Tenant-Modellen.
Merkmale:
dynamische Zuweisung physischer und virtueller Ressourcen
mehrere Nutzer teilen sich dieselbe Infrastruktur
Nutzer kennen den exakten Speicherort der Ressourcen meist nicht
Bedeutung:
viele Kunden nutzen dieselbe Software/Infrastruktur gemeinsam
Daten bleiben dennoch strikt getrennt
Vergleich:
wie ein Mietshaus:
Gebäude wird gemeinsam genutzt
Wohnungen bleiben getrennt
Vorteile:
geringere Kosten
weniger Wartungsaufwand
einfachere Updates
bessere Skalierbarkeit
Typisch für:
CRM-Systeme
E-Mail-Plattformen
Kapazitäten können schnell und teilweise automatisch:
erweitert
reduziert
werden.
Für Nutzer wirken Ressourcen nahezu unbegrenzt und jederzeit verfügbar.
Die Ressourcennutzung wird automatisch gemessen und überwacht.
Dadurch:
Optimierung der Ressourcennutzung
Transparenz für Anbieter und Nutzer
Kontrolle und Reporting der Nutzung
Drei und Vier Service-Modelle
Bereitstellung grundlegender IT-Ressourcen:
virtuelle Server
Speicher
Netzwerke
Zusätzlich zu Infrastruktur werden Entwicklungsumgebungen bereitgestellt.
Unternehmen können:
eigene Anwendungen entwickeln
Anwendungen bereitstellen
Fertige Anwendungen werden direkt über die Cloud genutzt.
Beispiele:
E-Mail-Systeme
Buchhaltungssoftware
öffentliche Nutzung
Infrastruktur gehört Cloud-Provider
exklusive Nutzung durch eine Organisation
gemeinsame Infrastruktur für Organisationen mit ähnlichen Anforderungen
Kombination aus mehreren Cloud-Infrastrukturen.
Cloud Computing ermöglicht den Wandel:
von kapitalintensiven IT-Strukturen (CapEx)
zu operativen IT-Strukturen (OpEx)
keine Infrastruktur für Spitzenlasten notwendig
Ressourcen werden flexibel bezogen
Zahlung nach tatsächlicher Nutzung (Pay-per-Use)
geringere Eintrittsbarrieren für Start-ups
schnellere Reaktion etablierter Unternehmen auf Marktveränderungen
Zugang zu leistungsfähiger Infrastruktur mit geringen Mitteln
flexible Anpassung an saisonale Schwankungen
mehr Rechenleistung in Hochzeiten
Reduzierung in ruhigigen Phasen
keine Installation auf einzelnen Rechnern notwendig
Nutzung zentral über Webbrowser
Cloud Computing ist nicht nur eine technische Lösung, sondern führt auch zu:
neuen Abhängigkeiten
Machtverschiebungen
Große Anbieter wie:
Amazon Web Services (AWS)
Microsoft Azure
Google Cloud
kontrollieren einen großen Teil der globalen Infrastruktur.
Problem: Unternehmen werden abhängig von bestimmten Cloud-Anbietern.
Ursachen:
proprietäre Plattformen
technische Inkompatibilitäten
vertragliche Bindungen
Investitionen in spezifisches Know-how
Folge:
Wechsel zu anderem Anbieter schwierig und teuer
→ Cloud Computing ist daher ein „zweischneidiges Schwert“:
erleichtert Skalierung und Markteintritt
erhöht gleichzeitig Abhängigkeiten
Herausforderungen
Sensible Unternehmensdaten liegen bei externen Dienstleistern.
Wichtige Fragen:
Wer kontrolliert die Daten?
Wo werden Daten physisch gespeichert?
Welche Datenschutzgesetze gelten?
Besonders relevant wegen unterschiedlicher nationaler Datenschutzregelungen.
Unternehmen nutzen mehrere Cloud-Anbieter parallel.
Ziele:
geringere Abhängigkeit
Minimierung von Ausfallrisiken
Kombination aus:
privaten internen Cloud-Infrastrukturen
öffentlichen Cloud-Services
Vorteil:
Balance zwischen Kontrolle und Skalierbarkeit
Cloud Computing als General Purpose Technology
Cloud Computing wird als Basistechnologie bzw. General Purpose Technology (GPT) betrachtet.
Merkmale solcher Technologien:
branchenübergreifend einsetzbar
ermöglichen viele weitere Innovationen
Historische Beispiele:
Dampfmaschine
Elektrizität
Cloud Computing:
ist selbst keine Differenzierungstechnologie
schafft allein noch keinen Wettbewerbsvorteil
Die strategische Relevanz entsteht erst durch:
darauf aufbauende Innovationen
Innovationsökosysteme
→ Unternehmen sollen Cloud nicht nur als Kostenfaktor, sondern als Enabler von Innovation verstehen.
2.2 Mobile Technologien und ihre Auswirkungen
Die Verbreitung von:
hat grundlegend verändert:
wie Menschen mit Unternehmen interagieren
wie Arbeit organisiert wird
Mobile Geräte wurden innerhalb weniger Jahre zum primären Zugangskanal zum Internet.
Unternehmen müssen:
Websites
Online-Shops
digitale Services
primär für mobile Endgeräte optimieren.
„Mobile First“ beschreibt den Paradigmenwechsel:
Entwicklung beginnt mit der mobilen Version
Desktop-Version wird anschließend angepasst
Früher:
zuerst Desktop-Version
danach Anpassung für mobile Geräte
Heute:
mobile Nutzung steht im Mittelpunkt
Mobile Nutzung erfordert ein Umdenken, da:
Bildschirme kleiner sind
Eingabemöglichkeiten unterschiedlich sind
Nutzungssituationen variieren
mobile Nutzung unterwegs → andere Bedürfnisse
Nutzung am heimischen Computer → andere Anforderungen
Mobile Technologien gehen weit über Designfragen hinaus.
Da Smartphones der wichtigste Zugang zum Internet sind, beeinflussen sie:
digitale Geschäftsmodelle
Wertschöpfungslogiken
Kundenbeziehungen
Viele Plattformunternehmen wären ohne Smartphones nicht skalierbar gewesen.
Uber
Airbnb
Grund:
Nutzer:innen sind jederzeit und ortsunabhängig erreichbar
Mobile Technologien verschieben die Beziehung zwischen Unternehmen und Konsument:innen.
Kund:innen erwarten heute:
permanente Verfügbarkeit
sofortige Reaktionen
ortsunabhängigen Zugriff
→ Mobile wird dadurch:
technische Voraussetzung
Katalysator neuer Wertschöpfungsformen
Neue Geschäftsmodelle durch mobile Technologien
Diese nutzen die Ortungsfunktion von Smartphones für kontextabhängige Dienste.
Restaurant-Finder zeigt Lokale in der Nähe
Einzelhandels-App informiert über Angebote in Filialnähe
Mobile-Payment-Lösungen verändern das Bezahlverhalten.
bargeldlose Zahlungen
auch bei kleinen Beträgen möglich
China
WeChat Pay
Alipay
→ dominieren den Alltag nahezu vollständig
Europa
Apple Pay
Google Pay
Twint (Schweiz)
Mobile Pay (Skandinavien)
→ gewinnen zunehmend an Bedeutung
Mobile Ökosysteme wie:
App-Stores
In-App-Payments
haben eine zentrale Kontrollfunktion.
Sie sind ein Beispiel für:
zweiseitige Märkte
Ex-ante-Regulierung
Plattformen arbeiten gleichzeitig mit:
Nutzerseite
Entwicklerseite
Preissetzung erfolgt über beide Seiten hinweg.
Definition: Regeln werden bereits im Vorfeld für marktmächtige Plattformen festgelegt.
Mögliche Vorgaben:
faire Gebühren
Interoperabilität
Datenzugang
Verbot von „self-preferencing“
Bevorzugung eigener Angebote durch Plattformbetreiber.
Regeln greifen vorbeugend
Eingriff erst nach festgestelltem Missbrauch
Wichtige Faktoren:
Gebührenstrukturen
Default-Kanäle
Steering
Diese beeinflussen:
Sichtbarkeit von Angeboten
Nutzerentscheidungen
Marktzugang
Mobile Technologien im Unternehmenskontext
Mobile Technologien ermöglichen flexiblere Arbeitsmodelle.
Zugriff auf Unternehmensdaten von unterwegs
Servicetechniker:innen erhalten Aufträge direkt auf Tablets
Vertriebsmitarbeitende greifen beim Kunden auf Produktinformationen und Bestellsysteme zu
höhere Effizienz
schnellere Prozesse
ortsunabhängiges Arbeiten
neue Sicherheitskonzepte notwendig
stärkere Datenschutzanforderungen
Mobile Technologien gelten als Market-Pull-Technologie.
Entwicklung wurde durch veränderte Nutzergewohnheiten angetrieben.
Menschen organisierten zunehmend:
Kommunikation
Konsum
Arbeit
über Smartphones.
Unternehmen mussten ihre Angebote entsprechend anpassen.
Diese Technologien wurden vor allem durch:
Forschung
technologische Entwicklung
vorangetrieben.
Die starke Orientierung an Nutzerbedürfnissen erklärt:
schnelle Verbreitung mobiler Technologien
kürzere Diffusionsphase im Vergleich zu anderen Technologien
Technologien entfalten ihre transformative Wirkung erst, wenn:
sie gesellschaftliche Bedürfnisse treffen
neue Geschäftsmodelle ermöglichen
Unternehmen müssen technologische Trends immer auch im Zusammenhang betrachten mit:
Nutzerverhalten
Nachfrageentwicklung
gesellschaftlichen Veränderungen
→ Nicht nur die Technologie selbst ist entscheidend, sondern auch ihre Akzeptanz und Nutzung durch Menschen.
2.3 Künstliche Intelligenz im Unternehmensalltag
Künstliche Intelligenz (KI) bezeichnet den Versuch, computergestützte Systeme zu entwickeln, die Aufgaben übernehmen können, für die normalerweise menschliche Intelligenz notwendig ist.
Muster erkennen
natürliche Sprache verstehen
Entscheidungen unter Unsicherheit treffen
In Unternehmen bedeutet KI vor allem:
datengetriebene Systeme
Lernen aus großen Datenmengen
Erstellung von Vorhersagen
Unterstützung von Entscheidungsprozessen
Wichtig: KI ist keine einzelne Technologie, sondern ein Bündel unterschiedlicher Methoden.
Dieses Spektrum reicht von:
regelbasierten Expertensystemen
klassischem Machine Learning
tiefen neuronalen Netzen
bis hin zu:
Large Language Models (LLMs)
Heutige KI-Systeme:
besitzen kein Bewusstsein
haben keine allgemeine Vernunft
sind hoch spezialisiert
funktionieren nur in klar abgegrenzten Aufgabenbereichen
Der praktische Nutzen für Unternehmen entsteht aktuell fast ausschließlich durch diese Form der KI.
Hypothetische KI mit:
menschenähnlichen kognitiven Fähigkeiten
allgemeiner Problemlösungsfähigkeit
Diese Form wird zwar erforscht, liegt aber nach aktuellem Stand weiterhin in ferner Zukunft.
Unternehmen müssen Erwartungen realistisch einordnen.
Wichtig:
heutige KI = spezialisierte Anwendungen
keine allwissenden Maschinen
Formen der KI
Wissen wird explizit über Regeln und Logik codiert
Historische Bedeutung:
dominierte die KI-Forschung von den 1950er- bis 1980er-Jahren
Systeme lernen aus Daten, ohne explizit programmiert zu werden.
Zentrale Lernformen:
überwachtes Lernen
unüberwachtes Lernen
bestärkendes Lernen
Spezielle Form des Machine Learnings.
mehrschichtige neuronale Netze
Ermöglicht große Fortschritte bei:
Bilderkennung
Spracherkennung
Texterkennung
Vortrainierte Modelle mit breiter Einsetzbarkeit.
Funktionen:
Sprache verstehen
Sprache generieren
Die Entwicklung verlief nicht linear, sondern in Wellen.
Dabei gab es sogenannte:
„KI-Winter“
Einflussfaktoren:
Verfügbarkeit von Daten
algorithmische Durchbrüche
Für Unternehmen ist KI nicht nur eine technische Lösung, sondern eine strategische Ressource.
Die Wirkung entsteht vor allem durch die Fähigkeit:
Daten systematisch zu sammeln
Daten zu vernetzen
Daten zu nutzen
→ KI wird damit zum Kern datengetriebener Geschäftsmodelle.
KI gilt als:
Basistechnologie
General Purpose Technology
ermöglicht viele komplementäre Innovationen
Potenziale:
Prozessoptimierung
neue Produkte
neue Geschäftslogiken
Unterschied zu spezialisierten Tools:
KI verändert nicht nur einzelne Prozesse
sondern ganze Wertschöpfungslogiken
Anwednungsbeispiele von KI
beantworten Standardanfragen
leiten komplexe Fälle an Menschen weiter
Technische Grundlage:
Natural Language Processing (NLP)
Lernen aus historischen Konversationen
kontinuierliche Verbesserung
24/7-Basisversorgung der Kundschaft
weniger Personalbedarf rund um die Uhr
Analysieren:
individuelles Kaufverhalten
Daten anderer Kund:innen
Ziel:
Produkte mit hoher Kaufwahrscheinlichkeit empfehlen
Ein erheblicher Teil des Umsatzes entsteht durch:
algorithmisch personalisierte Produktempfehlungen
Auswirkungen:
höhere Umsätze
stärkere Kundenbindung
Personalisierung wird zum erwarteten Standard
frühzeitige Erkennung von Anomalien in Maschinendaten
Wartung rechtzeitig planbar
Vermeidung teurer Ausfälle
höhere Anlageneffizienz
Einsparungen für Unternehmen
Sensorik
Datenanalyse
Machine-Learning-Algorithmen
Diese erkennen Muster, die Menschen kaum wahrnehmen können.
KI-Systeme:
durchsuchen große Mengen an Bewerbungen
filtern passende Profile heraus
schnellere Rekrutierungsprozesse
Problem: KI übernimmt Verzerrungen (Biases) aus Trainingsdaten.
historische Bevorzugung bestimmter Gruppen
Diskriminierungen werden reproduziert
Wichtige Erkenntnis: KI ist nicht neutral, sondern verstärkt Muster aus vorhandenen Daten.
KI verändert Märkte und Erwartungen
Unternehmen mit KI-gestützter Personalisierung setzen neue Standards.
Wettbewerber müssen diese Standards häufig übernehmen.
Selbstverstärkender Kreislauf:
mehr Nutzende erzeugen mehr Daten
mehr Daten verbessern Algorithmen
bessere Algorithmen verbessern Nutzererlebnis
besseres Nutzererlebnis zieht neue Nutzende an
→ Kreislauf verstärkt sich selbst.
starke Netzwerkeffekte
Märkte tendieren zu:
Oligopolen
Monopolen
Für Unternehmen:
frühe KI-Investitionen können nachhaltige Wettbewerbsvorteile schaffen
Ökonomische Erklärung des Data Flywheel.
Grundidee:
je mehr Nutzende ein System hat, desto wertvoller wird es
Unterschied zu traditionellen Märkten:
sinkender Grenznutzen
„Diminishing Returns“
steigender Grenznutzen durch Dateneffekte
„Winner-Takes-Most“-Märkte
Tendenz zu Monopolen/Oligopolen
Zentrale Frage: Wann werden Datenvorteile zu unüberwindbaren Markteintrittsbarrieren?
Seit 2022 erhielt generative KI starke Aufmerksamkeit.
Kann eigenständig erzeugen:
Texte
Bilder
Code
weitere Inhalte
ChatGPT
Claude
Gemini
tiefe neuronale Netze
Training mit riesigen Textmengen
Fähigkeiten:
natürliche Sprache erzeugen
automatisierte Content-Erstellung
Code-Generierung
Zusammenfassungen komplexer Dokumente
interaktive Kundenberatung
Herausforderungen generativer KI
KI erzeugt:
plausibel klingende
aber falsche Informationen
Weitere Probleme:
Urheberrechtsfragen
Desinformation durch KI-generierte Inhalte
KI-Systeme sind nur so gut wie ihre Trainingsdaten.
Probleme entstehen durch:
fehlerhafte Daten
unvollständige Daten
unausgewogene Daten
→ führen zu unzuverlässigen Ergebnissen
Je komplexer Modelle sind, desto schwieriger werden sie nachvollziehbar.
Besonders problematisch bei:
„Black Boxes“
Diese liefern Ergebnisse, ohne dass Entscheidungswege klar nachvollziehbar sind.
Zentrale Frage: Wie können KI-Entscheidungen erklärbar gemacht werden?
wichtig für Forschung
wichtig für Regulierung
wichtig für Vertrauen
Besonders relevant bei:
Kreditvergabe
Versicherungen
medizinischen Diagnosen
Transparenz wird zunehmend:
nicht als Hindernis
sondern als Wettbewerbsvorteil verstanden
Unternehmen schaffen Vertrauen, wenn KI:
erklärbar
auditierbar
rechtlich verantwortbar
ist.
Wer trägt Verantwortung bei Fehlentscheidungen?
Wie können Diskriminierungen verhindert werden?
Die EU schuf 2024 den ersten umfassenden Rechtsrahmen für KI.
Von:
minimalem Risiko bis:
inakzeptablem Risiko
Je nach Risikoklasse gelten unterschiedliche:
Transparenzpflichten
Qualitätsstandards
Aufsichtsmechanismen
KI darf nicht nur unter Effizienzgesichtspunkten betrachtet werden.
Unternehmen müssen zusätzlich berücksichtigen:
regulatorische Anforderungen
gesellschaftliche Anforderungen
ethische Aspekte
KI verändert:
Organisationsstrukturen
Arbeitsrollen
Mitarbeitende müssen lernen:
mit KI-Systemen sinnvoll zu arbeiten
Ergebnisse kritisch zu bewerten
Fehler zu korrigieren
Data Scientist
Machine Learning Engineer
KI-Ethikbeauftragte
Unternehmen müssen entscheiden:
welche Aufgaben automatisiert werden
wo menschliches Urteilsvermögen notwendig bleibt
KI ist nicht nur:
eine technische Frage
sondern auch eine Frage von:
Unternehmenskultur
Governance
verantwortungsvollem Management
2.4 Internet of Things (IoT): Vernetzte Geräte und Sensoren
Das Internet of Things (IoT) beschreibt die zunehmende Vernetzung physischer Objekte.
Diese Objekte sind ausgestattet mit:
Sensoren
Aktoren
Software
Die Geräte:
erfassen Daten aus ihrer Umgebung
tauschen Daten über das Internet aus
reagieren teilweise autonom auf Basis dieser Informationen
Die Entwicklung des IoT wurde durch mehrere technologische Fortschritte ermöglicht:
Sensoren wurden kleiner
Sensoren wurden kostengünstiger
5G
LoRaWAN
stabile Vernetzung
geringer Energieverbrauch
höhere Rechenleistung
schnellere Datenverarbeitung
Daten werden direkt dort verarbeitet, wo sie entstehen.
nicht alle Daten müssen an entfernte Rechenzentren gesendet werden
Durch diese Entwicklungen können heute alltägliche Gegenstände:
digital vernetzt
intelligent gesteuert
→ sogenannte „smarte Dinge“.
Theoretisch gilt das IoT als Ausprägung von Cyber-Physical Systems (CPS).
Systeme, bei denen:
physische Prozesse
digitale Rechenkapazitäten
Kommunikationssysteme
miteinander verschmelzen.
Cyber-Physical Systems zeichnen sich zusätzlich aus durch:
Vernetzung
Autonomie
Selbstorganisation
Verarbeitungsebenen von Cyber-Physical Systems
Die Abbildung zeigt drei Ebenen der Datenverarbeitung:
Datenverarbeitung direkt am Gerät bzw. Endgerät.
Beispiele aus der Abbildung:
Smartphone
Laptop
Wearables
Fahrzeuge
Roboter
sehr geringe Latenz
hoher Datenschutz
schnelle Reaktionsfähigkeit
begrenzte Rechenkapazität
autonomes Fahren
sicherheitskritische Anwendungen
Zwischenebene mit lokalen Servern.
In der Abbildung:
lokale Server zwischen Edge und Cloud
Verarbeitung und Vorfilterung von Daten näher am Entstehungsort.
Balance zwischen:
geringer Latenz
höherer Rechenleistung
Zentrale Verarbeitung in großen Rechenzentren.
oberste Ebene mit Cloud- und Datenbanksymbolen
sehr hohe Rechenkapazität
skalierbare Datenverarbeitung
höhere Latenz
Big-Data-Analysen
umfangreiche KI-Anwendungen
Die Wahl zwischen Edge-, Fog- und Cloud-Computing beeinflusst:
Performance
Datenschutz
Sicherheit
Resilienz
Strategische Bedeutung des IoT & Anwendungsbeispiele
IoT ist weit mehr als nur eine Sammlung vernetzter Geräte.
Es verändert die Wertschöpfung, weil:
physische Produkte dauerhaft mit digitalen Services verbunden werden
Ein Auto, das Echtzeitdaten an den Hersteller sendet, ist:
nicht mehr nur ein physisches Produkt
sondern Teil einer datenbasierten Service-Architektur
Unternehmen entwickeln sich:
vom klassischen Produzenten
zum Anbieter hybrider Geschäftsmodelle
Besonders wichtig in der Industrie.
Unternehmen verkaufen nicht mehr primär Maschinen, sondern:
garantierte Betriebsstunden
Produktionskapazität
Leistungsfähigkeit
Wertschöpfung entsteht zunehmend durch:
datengetriebene Services
IoT-Infrastrukturen
Das Besondere am IoT:
physische Prozesse werden direkt digital gesteuert
Heizkörper reguliert Temperatur automatisch
Maschinen melden Störungen selbstständig
Fahrzeuge senden Wartungsdaten in Echtzeit
IoT ermöglicht:
nahezu verzögerungsfreie Datenerfassung
schnelle Verarbeitung
automatische Reaktionen
IoT-Technologien:
GPS-Tracker
ermöglichen:
lückenlose Sendungsverfolgung
Echtzeitinformationen für Kund:innen
Unternehmen erkennen sofort:
Temperaturabweichungen
Feuchtigkeitsprobleme
höhere Transparenz
schnellere Reaktion auf Probleme
Sensoren messen:
Bodenfeuchtigkeit
Nährstoffgehalt
Wetterbedingungen
Darauf reagieren automatisch:
Bewässerungssysteme
Düngeanlagen
geringerer Wasserverbrauch
weniger Dünger
höhere Ernteerträge
Erkennen automatisch:
niedrige Lagerbestände
Amazon Go
Sensorik und Algorithmen automatisieren:
Einkauf
Bezahlvorgang
Tragbare Geräte messen kontinuierlich:
Herzfrequenz
Blutzucker
weitere Vitalparameter
Bei kritischen Werten:
automatische Warnungen
bessere Versorgung chronisch Kranker
Entlastung von Kliniken und Praxen
Wirtschaftliche Bedeutung des IoT & Risiken und Chancen
IoT erzeugt große Mengen an Echtzeitdaten.
Diese dienen als Grundlage für:
KI-gestützte Analysen
sammelt Daten
verarbeitet Daten skalierbar
erkennt Muster
erstellt Vorhersagen
Dieses Innovationsdreieck bildet die Grundlage vieler disruptiver Geschäftsmodelle:
Predictive Maintenance
Smart Cities
personalisierte Gesundheitsservices
Unternehmen sollen IoT nicht isoliert betrachten.
Der eigentliche Wert entsteht durch:
technologische Synergien
Zusammenspiel verschiedener Technologien
IoT-Systeme sammeln kontinuierlich Daten.
Dadurch entstehen:
sehr detaillierte Informationen über Personen und Verhalten
Welche Daten werden erhoben?
Wofür werden sie genutzt?
Wer hat Zugriff?
Viele IoT-Geräte besitzen:
unzureichende Sicherheitsmechanismen
Dadurch sind sie anfällig für:
Cyberangriffe
Unsichere IoT-Geräte wurden genutzt, um:
Netzwerke massiv anzugreifen
Systeme lahmzulegen
Problem: Geräte verschiedener Hersteller können oft nicht miteinander kommunizieren.
fehlende einheitliche Standards
Zwar existieren Standardisierungsinitiativen, aber:
kein global einheitlicher Standard hat sich bisher durchgesetzt
Der Erfolg des IoT hängt nicht nur von Technik ab.
Entscheidend sind auch:
organisatorische Strukturen
rechtliche Rahmenbedingungen
gesellschaftliche Akzeptanz
Richtig umgesetzt ermöglicht IoT:
mehr Nachhaltigkeit
stärkere Personalisierung von Dienstleistungen
Notwendig sind:
intensivere Auseinandersetzung mit Datenschutz
bessere Sicherheitskonzepte
langfristig belastbare Standards
Das Internet of Things ist:
nicht nur eine technische Innovation
sondern eine tiefgreifende Transformation
Es verändert:
Wertschöpfungsketten
Geschäftsmodelle
den Alltag von Menschen
Das Internet of Things (IoT) beschreibt die Vernetzung physischer Objekte mit Sensoren, Software und Internetverbindungen, sodass Daten erfasst, verarbeitet und teilweise autonom genutzt werden können. Technologische Grundlagen sind leistungsfähige Sensoren, moderne Funkstandards sowie Cloud-, Fog- und Edge-Computing. Theoretisch gilt IoT als Form von Cyber-Physical Systems (CPS), bei denen physische und digitale Prozesse verschmelzen.
Strategisch verändert IoT die Wertschöpfung grundlegend, da Produkte dauerhaft mit datenbasierten Services verbunden werden. Besonders wichtig ist das Zusammenspiel von IoT, Cloud und KI: IoT sammelt Daten, Cloud verarbeitet sie und KI generiert daraus Muster und Vorhersagen. Gleichzeitig entstehen Herausforderungen wie Datenschutzprobleme, IT-Sicherheitsrisiken und fehlende Interoperabilität. IoT ist daher nicht nur eine technische, sondern auch eine organisatorische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformation.
2.5 Blockchain und Distributed Ledger
Die Blockchain-Technologie ermöglicht die:
manipulationssichere Speicherung von Transaktionen
in einem dezentralen Netzwerk
Im Unterschied zu klassischen Datenbanken:
gibt es keine zentrale Verwaltungsinstanz
Transaktionen liegen identisch auf vielen Computern im Netzwerk vor
Nachträgliche Änderungen sind praktisch unmöglich, da Änderungen gleichzeitig auf allen Kopien erfolgen müssten.
Blockchain ist eine besondere Form einer:
verteilten Datenbank
sogenannten Distributed Ledger („dezentral geführtes Hauptbuch“)
Die Abbildung zeigt den grundlegenden Unterschied:
zentrale Datenbank
alle Nutzer greifen auf eine zentrale Instanz zu
zentrale Kontrolle über Daten
Probleme:
Single Point of Failure
Abhängigkeit von zentraler Instanz
Manipulation theoretisch einfacher möglich
jede Node besitzt eine eigene Kopie des Ledgers
alle Teilnehmer sind miteinander verbunden
Daten werden dezentral synchronisiert
höhere Manipulationssicherheit
keine zentrale Kontrollinstanz
höhere Ausfallsicherheit
Grundprinzip und strategische bedeutung der Blockchain
Jede Transaktion wird:
zeitlich geordnet
kryptographisch gesichert
auf vielen Nodes gespeichert
Manipulation wird erschwert, weil:
Änderungen in allen Kopien gleichzeitig erfolgen müssten
kryptographische Verfahren Abweichungen sofort sichtbar machen
Das Konzept wurde 2008 im Bitcoin-Whitepaper von:
Satoshi Nakamoto
beschrieben.
Seitdem bildet Blockchain die Grundlage zahlreicher Anwendungen.
Die transformative Wirkung entsteht vor allem durch:
Disintermediation
Zentrale Intermediäre werden durch:
algorithmische Regeln
kryptographische Sicherheit
ersetzt.
Banken
Notar:innen
Plattformbetreiber
Traditionell:
Vertrauen basiert auf Institutionen
Blockchain:
Vertrauen basiert auf dem Protokoll bzw. der Systemarchitektur
→ Vertrauen verschiebt sich:
von der Institution
zum technischen System
Technische Grundlagen der Blockchain
Eine Blockchain besteht aus:
Datenblöcken mit Transaktionen
Diese Blöcke sind über:
kryptographische Hash-Funktionen
miteinander verbunden.
Hash-Verfahren sorgen dafür:
dass jede Änderung eines Blocks den Hash-Wert verändert
Dadurch werden Manipulationen sofort sichtbar.
Bestimmen:
welche Transaktionen in die Blockchain aufgenommen werden
Bitcoin
rechenintensive Aufgaben
sehr hoher Energieverbrauch
Ethereum seit 2022
Nutzung hinterlegter Token als Sicherheitsmechanismus
deutlich energieeffizienter
Blockchain aus Unternehmenssicht und wirtschaftlicher Wert
Blockchain ist kein Selbstzweck.
Zentrale Frage: Wie können Transaktionen zwischen mehreren Akteuren:
verlässlich
prüfbar
fälschungssicher
organisiert werden?
Besonders relevant:
wenn keine zentrale Instanz existiert
oder bewusst darauf verzichtet werden soll
Drei Ziele wären ideal:
hohe Sicherheit
hohe Dezentralität
hohe Leistungsfähigkeit
Diese lassen sich jedoch nicht gleichzeitig maximieren.
→ es entstehen Trade-offs.
Fokus auf:
Dezentralität
Nachteile:
geringerer Durchsatz
schwankende Kosten
stabile Leistung
klare Verantwortlichkeiten
geringere Dezentralität
stärkeres Vertrauen in beteiligte Akteure notwendig
Wichtiger als „Blockchain ja oder nein?“ ist:
die Passung zur Transaktionsumgebung
Besonders geeignet bei:
vielen Beteiligten
geringem gegenseitigem Vertrauen
Bedarf an dauerhafter Dokumentation
Herkunftsnachweise
Rechteverwaltung
organisationsübergreifende Prozesse
Wenn:
bekannte und regulierte Partner zusammenarbeiten
etablierte Intermediäre existieren
Geschwindigkeit und Kostenstabilität wichtiger sind
Dann sind oft effizienter:
klassische Datenbanken
Workflow-Systeme
Cloud-Lösungen
Der Wert entsteht nicht allein durch die Technologie.
Entscheidend ist:
gute Governance
Wichtige Aspekte:
klare Regeln
Rollenverteilung
Zugriffsrechte
Verantwortlichkeiten
Grundformen von Blockchain-Netzwerken
offene Teilnahme
keine zentrale Instanz
Offenheit selbst erzeugt Vertrauen
Kryptowährungen
offene digitale Ökosysteme
Geschlossene Netzwerke zwischen:
identifizierten Organisationen
vertragliche Beziehungen
planbare Leistung
gemeinsame Governance
Lieferketten
gemeinsame Register
Bestandsabgleiche
Kombinieren:
Vorteile öffentlicher und geschlossener Systeme
Problem:
Grundkonflikt zwischen Leistung und Dezentralität bleibt bestehen
Wer darf Daten sehen?
Wer darf schreiben?
Wie werden Fehler korrigiert?
Wie werden Zugriffe geregelt?
Wie werden Regeln nachgewiesen?
Diese Fragen beeinflussen Aufwand und Nutzen stärker als einzelne technische Details.
Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain
Blockchain ermöglicht:
lückenlose Dokumentation von Herkunft, Transport und Verarbeitung
Lebensmittelindustrie
Gespeichert werden:
Bio-Zertifikate
Transportbedingungen
faire Arbeitsbedingungen
Kund:innen können Informationen über:
QR-Codes
abrufen.
Ethereum
Zentralbanken prüfen Blockchain als Grundlage staatlicher Digitalwährungen.
schneller
günstiger
im Vergleich zu klassischen Korrespondenzbanken.
fälschungssichere Speicherung von Identitäten und Zertifikaten
Zeugnisse
Lizenzen
Unterstützt:
Self-Sovereign Identity
→ Nutzer kontrollieren ihre Identität selbst.
Selbstausführende Programme auf der Blockchain.
Sie:
prüfen Vertragsbedingungen automatisch
führen Aktionen automatisch aus
Container Zielhafen erreicht
und:
Sensoren/GPS dies bestätigen
Dann:
wird Zahlung automatisch ausgelöst
weniger Intermediäre
IoT-Sensoren liefern:
Echtzeitdaten
Smart Contracts können diese automatisch verarbeiten.
NFTs sind:
digitale Eigentumsnachweise
für einzigartige digitale oder physische Objekte
Einsatzbereiche:
Kunst
Gaming
Sammlerstücke
automatisierte Transaktionen
Aufbrechen klassischer Wertschöpfungsketten
Traditionelle Plattformen:
kontrollieren Daten zentral
ermöglicht theoretisch Dezentralisierung
Nutzer können gleichzeitig sein:
Eigentümer
Kontrollinstanz
Entscheidend sind:
Standardisierung
Regulierung
Herausforderungen und Grenzen
Proof-of-Work-Systeme benötigen enorme Strommengen
Auch wenn effizientere Verfahren existieren:
Umweltbilanz bleibt Kritikpunkt
Blockchain-Systeme sind oft langsamer als:
zentralisierte Datenbanken
Problematisch bei:
sehr hohen Transaktionsvolumina
Unklare Regelungen bei:
Smart Contracts
Haftungsfragen
Erforderlich:
spezielles Fachwissen
hohe Anfangsinvestitionen
Für manche Anwendungen sind effizienter:
Blockchain ist eine Schlüsseltechnologie zur:
sicheren
transparenten
dezentralen
Abwicklung digitaler Transaktionen.
Besonders wertvoll:
wenn mehrere Parteien ohne zentrale Instanz zusammenarbeiten müssen.
Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen bei:
Energieverbrauch
Skalierbarkeit
tatsächlichem Mehrwert gegenüber bestehenden Technologien.
Die Blockchain ist eine dezentrale Form verteilter Datenbanken (Distributed Ledger), bei der Transaktionen kryptographisch gesichert und auf vielen Netzwerkknoten gespeichert werden. Im Unterschied zu klassischen Client-Server-Systemen existiert keine zentrale Kontrollinstanz. Dadurch werden Manipulationen erheblich erschwert und Vertrauen verlagert sich von Institutionen hin zum technischen Protokoll.
Strategisch ermöglicht Blockchain Disintermediation, also die Reduktion zentraler Vermittler wie Banken oder Plattformen. Wichtige Anwendungen sind Supply Chain Management, digitale Identitäten, Smart Contracts und Kryptowährungen. Gleichzeitig bestehen Grenzen durch hohen Energieverbrauch, geringe Skalierbarkeit, regulatorische Unsicherheiten und hohe Implementierungskosten. Der wirtschaftliche Nutzen hängt deshalb stark von Governance, Anwendungsfall und Passung zur jeweiligen Transaktionsumgebung ab.
2.6 Interdependenzen und strategische Implikationen
Die bisher behandelten Technologien:
Cloud Computing
mobile Technologien
Künstliche Intelligenz (KI)
Internet of Things (IoT)
Blockchain
dürfen nicht getrennt betrachtet werden.
Die eigentliche transformative Kraft entsteht erst durch:
ihr Zusammenspiel
ihre Integration
Unternehmen können dadurch:
Prozesse optimieren
neue Wertschöpfungslogiken entwickeln
Die Interdependenzen lassen sich über das Konzept der:
technologischen Ökosysteme
erklären.
Ein technologisches Ökosystem besteht aus:
komplementären Technologien bzw. Komponenten
deren Wert erst durch:
Integration
Zusammenspiel
entsteht.
Ökonomisch spricht man von:
Komplementaritäten
Der Nutzen einer Technologie steigt, wenn:
andere passende Technologien vorhanden sind.
Der isolierte Einsatz einzelner Technologien:
schöpft das Potenzial nicht vollständig aus
nur Cloud
nur IoT
→ begrenzter Nutzen
Der eigentliche Mehrwert entsteht durch:
systemische Integration
Cloud + IoT + KI
Unternehmen benötigen nicht nur:
technologische Fähigkeiten
sondern zusätzlich:
integrative Fähigkeiten
sogenannte „architectural competencies“
Bedeutung: Fähigkeit zur:
Orchestrierung
Koordination
komplexer Technologiebündel.
2.6.1 Technologische Interdependenzen
Cloud Computing bildet häufig die Grundlage anderer Technologien.
Ohne Cloud:
könnten IoT-Anwendungen keine riesigen Sensordatenmengen verarbeiten
könnten KI-Modelle nicht mit großen Datenmengen trainiert werden
Wichtige Funktionen:
skalierbare Rechenleistung
skalierbarer Speicher
Mobile Technologien fungieren als:
Schnittstelle zwischen Nutzer:innen und digitaler Welt
Sie machen:
Cloud-Dienste
KI-Anwendungen
im Alltag nutzbar.
IoT erweitert den Datenraum, indem:
die physische Welt kontinuierlich digital erfasst wird
digitale Abbilder physischer Prozesse
Blockchain ergänzt das technologische Ökosystem durch:
Vertrauen
Transaktionssicherheit
wenn keine zentrale Institution vorhanden ist
oder bewusst vermieden werden soll
Die Technologien entfalten ihren Wert vor allem:
durch ihr Ineinandergreifen
nicht durch isolierte Nutzung
IoT
KI
Sensoren erfassen Transportbedingungen
analysiert Abweichungen und Muster
dokumentiert Ereignisse manipulationssicher
Es entsteht ein:
nahtloser Daten- und Entscheidungsfluss
mehr Transparenz
stärkeres Vertrauen
Mobile Technologien
Cloud
Smartphone-Apps erfassen Daten
liefern kontinuierliche Gesundheitsdaten
speichert die Daten
analysiert Gesundheitsdaten
Ärzt:innen erhalten:
kontinuierliche Gesundheitsinformationen
Dadurch können sie:
frühzeitig auf Verschlechterungen reagieren
Unternehmen müssen digitale Technologien:
als zusammenhängendes System
als technologisches Ökosystem
verstehen.
Der Wettbewerbsvorteil entsteht weniger durch:
einzelne Technologien
sondern durch:
deren intelligente Kombination
Integration in Geschäftsmodelle und Prozesse
Die Schlüsseltechnologien der digitalen Transformation entfalten ihren Wert vor allem durch ihr Zusammenspiel. Cloud Computing bildet die infrastrukturelle Basis, mobile Technologien stellen die Schnittstelle zum Nutzer dar, IoT erzeugt Echtzeitdaten, KI analysiert diese Daten und Blockchain schafft Vertrauen sowie Transaktionssicherheit. Der Nutzen einzelner Technologien steigt dabei durch sogenannte Komplementaritäten mit anderen Technologien.
Unternehmen benötigen deshalb nicht nur technologische Kompetenzen, sondern auch integrative Fähigkeiten („architectural competencies“), um komplexe technologische Ökosysteme erfolgreich zu orchestrieren. Wettbewerbsvorteile entstehen weniger durch isolierte Technologien als durch deren systemische Integration in Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle.
2.6.2 Theoretische Einordnung
In der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung werden Technologien wie:
Künstliche Intelligenz
zunehmend als:
General Purpose Technologies (GPT)
Basistechnologien
verstanden.
General Purpose Technologies sind Technologien, die:
branchenübergreifend eingesetzt werden können
viele weitere Innovationen ermöglichen
Die Technologie:
ist in vielen Branchen einsetzbar
durchdringt große Teile der Wirtschaft
verbessert sich kontinuierlich
wird mit der Zeit effizienter
ermöglicht
stimuliert
weitere komplementäre Innovationen in anderen Bereichen.
Internet
Moderne Beispiele:
Diese Technologien:
sind nicht auf einzelne Branchen beschränkt
verändern strukturell ganze Märkte
ermöglichen neue Geschäftsmodelle und Innovationen
Cloud Computing erfüllt alle drei Kriterien:
branchenunabhängig einsetzbar
steigende Leistungsfähigkeit
sinkende Kosten
Cloud ermöglicht viele weitere Geschäftsmodelle und Technologien:
Streaming-Services
Diese wären ohne Cloud wirtschaftlich oft nicht tragfähig.
Die Verbreitung von Technologien erfolgt nicht gleichmäßig.
Nach:
Rogers’ Diffusion of Innovations (1962)
durchlaufen Technologien typische Entwicklungsphasen.
frühe Experimente
kritische Masse
Massenadoption
Diffusionsprozess weitgehend abgeschlossen
gelten als Standardtechnologien
befindet sich in beschleunigter Diffusion
noch stark experimentell geprägt
Befindet sich in einem Spannungsfeld:
Empfehlungssysteme
generative KI-Verfahren
2.6.3 Strategische Implikationen für Unternehmen
Unternehmen dürfen technologische Entscheidungen:
nicht nur kurzfristig treffen
Denn Technologien sind eingebettet in:
langfristige Entwicklungen
Unsicherheiten
große Chancen
Mobile
Diese sind:
weit verbreitet
praktisch unverzichtbar
Diese können ermöglichen:
Wettbewerbsvorteile
Innovationen
Diese erfordern:
selektive Experimente
vorsichtige Implementierung
bevor sie breit eingesetzt werden.
Ein zentrales Problem sind:
Abhängigkeiten von Technologieanbietern
Große Anbieter kontrollieren:
zentrale Infrastrukturen
Lock-in-Effekte
Abhängigkeiten
KI verstärkt durch:
Netzwerkeffekte
Dateneffekte
die Tendenz zu:
Obwohl Blockchain Dezentralisierung verspricht, entstehen auch dort:
Machtkonzentrationen
Miner-Communities
Token-Communities
Unternehmen müssen diese Dynamiken verstehen, um:
strategisch souverän
langfristig handlungsfähig
zu bleiben.
Der Wert digitaler Technologien entsteht:
nicht allein durch technische Effizienz
sondern erst durch:
Integration in Geschäftsmodelle
Nicht nur:
neue Technologien einzuführen
sondern:
Geschäftslogiken grundlegend neu zu denken
Plattformmodelle
disruptive Innovationen
Digitale Transformation ist:
nicht primär ein Technikprojekt
eine strategische Neugestaltung von Wertschöpfung und Geschäftsmodellen
Cloud Computing, KI und Blockchain gelten als General Purpose Technologies (GPTs), da sie branchenübergreifend einsetzbar sind, sich kontinuierlich verbessern und zahlreiche komplementäre Innovationen ermöglichen. Nach Bresnahan & Trajtenberg zeichnen sich GPTs durch Pervasiveness, Improvement und Innovation Spawning aus. Die Verbreitung solcher Technologien erfolgt nach Rogers in typischen Diffusionsphasen – von frühen Experimenten bis zur Massenadoption.
Für Unternehmen bedeutet dies, dass technologische Entscheidungen langfristig und strategisch betrachtet werden müssen. Cloud und Mobile gelten bereits als Standard, während KI und IoT neue Differenzierungsmöglichkeiten schaffen. Blockchain bleibt stärker experimentell. Gleichzeitig entstehen neue Abhängigkeiten durch Lock-in-Effekte, Netzwerkeffekte und Machtkonzentrationen. Der eigentliche Wert digitaler Technologien entsteht nicht isoliert, sondern durch ihre Integration in neue Geschäftsmodelle und Wertschöpfungslogiken.
Lernkontrollfragen
Aufgabe 2.1
Welche drei Servicemodelle des Cloud Computings werden unterschieden
und worin bestehen ihre Unterschiede?
Aufgabe 2.2
Was bedeutet das Prinzip „Mobile First“ und welche Konsequenzen hat es
für Unternehmen?
Aufgabe 2.3
Worin besteht der Unterschied zwischen schwacher (narrow) und starker
(general) Künstlicher Intelligenz, und welche Form ist in der betrieblichen
Praxis relevant?
Aufgabe 2.4
Welche Risiken sind mit dem Einsatz des Internet of Things (IoT) verbunden,
und warum wird es als sozio-technisches System beschrieben?
Aufgabe 2.5
Warum gilt die Blockchain als Schlüsseltechnologie der digitalen Transformation,
und welche zentralen Herausforderungen stehen ihrer breiten
Anwendung noch im Weg?
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